Sonntag, 31. Juli 2016

Traumdeutung: Alpträume und Spinnen am Morgen










Letzte Nacht, nachdem du zuerst ewig lang nicht einschlafen konntest, hattest du diesen komischen Alptraum. Du bist irgendwann nachts oder am frühen Morgen (du warst erst um drei im Bett) aufgewacht, oder auch nicht, und hast gesehen, dass der Rucksack, den du am Fuß des Bettes abgestellt hattest, plötzlich nach oben bewegte, so als wäre er lebendig. Der kam plötzlich zu dir, dessen Kopf keine 30 Zentimeter entfernt lag. Dein Arm – du schläfst immer auf der Seite und quetschst mit deinem Kopf deinen nach vorne gestreckten Arm ein – lag sogar mit der Hand auf dem Rucksack, berührte diesen

…während er sich bewegte…

…während er anfing, sich zu bewegen…

Du hast aber nichts gesehen, keinen Kopf darunter oder so was. Aber irgendwie hattest du im Dunkeln das Gefühl, dass da ein Kopf drunter war, unter dem Rucksack, der nach oben zu kommen schien, sich nach oben zu schiebenschien…

Aber trotzdem, obwohl der Rucksack sich in deinem Traum (oder in der Realität) definitiv bewegte, nahmst du deine Hand nicht weg, nicht runter vom Rucksack. Keine Ahnung warum, aber du hast sie einfach auf dem Rucksack gelassen, obwohl du vorher vor Angst hochgeschreckt warst.

 Und irgendwann bin ich dann wieder eingeschlafen...

Als sich der Rucksack nicht mehr bewegte...

 

Das ist schon komisch


Am Morgen danach läuft im Fernsehen (Auf „Weltuntergangs-TV“, also N24!) eine Reportage über Spinnen, tödliche Spinnen. Und Ameisen, die  Gemeinschaftstiere sind, gemeinschaftlich jagen gehen. Und die Spinne kann ihnen nicht entkommen. Oder doch: Nur dadurch, dass sie sich tot stellt. Dass sie scheinbar leblos, komplett regungslos liegenbleibt, während die Ameisen über sie drüberklettern und irgendwann die Lust verlieren und denken, dass sie nur ein Stein, eine Pflanze oder was auch immer sei…





Nächster Traum: Fotos
Vorheriger Traum: Traumdeutung (Folge 2398)










Nächtlicher Horror






Nachts um kurz vor zwei kommt er nach Hause. Als er vor seinem Haus ankommt, merkt er, dass das Tor zum kleinen Hof auf ist. Und das nachts. Nur einen Spalt, einen dunklen Spalt breit, aber…

…das ist schon komisch. Heute ist María wieder in Deutschland und schon ist nachts das Tor einen Spaltbreit auf…

Ob sie hier war…

…hier ist…

Samstag, 30. Juli 2016

Weltmeister im Leiden










Er guckt diese spanische Serie, El ministerio del tiempo, oder auf Deutsch das „Ministerium der Zeit“. Da wo die in der Zeit rumreisen, um berühmte Persönlichkeiten der spanischen Geschichte zu retten. Don Quijote, Picasso, Dalí, Lorca, den Cid. Und in einer Folge sagt der Leiter des Ministeriums zu einem seiner Mitarbeiter, der noch immer schwer am Tod seiner Frau in einem Verkehrsunfall zu knabbern hat: „Du glaubst von dir selbst, du bist der campeón del sufrimiento, der Weltmeister des Leidens, der Weltmeister des Leides...im Leiden.

Und irgendwie ist dieser Satz hängengeblieben. Irgendwie. Kommt immer wieder hoch. Und wenn ein Satz hängen bleibt, dann ist er wichtig. Nicht nur, weil du immer noch das Ministerium der Zeit guckst. Und wenn etwas immer wieder hochkommt…dann will es raus.

Das ist so wie das, was Stephen King über das Schreiben und die Ideen für neue Geschichten gesagt hat. Er schreibt sich nie etwas auf. Selbst wenn er eine grandiose Idee hat… Erst, wenn eine Geschichte sich ihm aufdrängt, wenn er immer wieder daran denken muss, wenn sie eben „hängen bleibt", dann ist sie wichtig genug, von ihm niedergeschrieben zu werden.

Und bei dir ist das dieses Gespräch aus der Serie. Dieser Satz: „Miguel…du denkst, du bist der Weltmeister im Leiden."

Du bist auch so ein kleiner Weltmeister im Leiden. Denkst, du wärst der Einzige, der Probleme hat. Der Einzige auf dieser Welt. Der Einzige, der ein Opfer ist. Der Einzige, der Post after Post darüber schreibt, wie sehr ihn das Verlassenwerden, der Verrat seiner Ex verletzt hat. Der Einzige, der allein ist, der einsam ist, der niemanden hat, dessen Leben Scheiße ist…

Aber das bist du nicht, genau wie der Typ aus der Serie das nicht ist – obwohl er es glaubt. Du bist eigentlich gar nicht allein. So toll bist du auch nicht. Dass du der Einzige wärst. So besonders. Denn es gibt ganz viele Weltmeister im Leiden. Alle auf Platz eins. Alle ganz oben auf dem Treppchen. Alle haben eine Goldmedaille, einen Pokal, eine Urkunde…

Und alle sitzen alleine im stillen Kämmerlein.

Und genau da liegt das Problem: Wir leiden alle allein. Wir sitzen alle im stillen Kämmerlein und leiden alleine vor uns hin. Schreiben uns unsere Sorgen vielleicht sogar auf. Führen ein Leidens-Tagebuch, ein Sorgenbuch, ein Angstbuch. Oder machen uns die ganze Zeit Gedanken. Tagein, tagaus. Denken immer wieder über alles nach. Über alles und jeden. Jede Kleinigkeit. Jedes Detail löst in uns wahre Gedankenströme aus, Gedankenfluten, die wir nicht lösen können – alleine. Und genau deswegen, weil wir es doch versuchen (obwohl wir wissen, dass wir es nicht können), kommen die Gedanken immer wieder hoch. Wir sind sozusagen psychische Wiederkäuer, jeder für sich alleine. Weil wir uns schämen, für das, was wir sind, was wir geworden sind, was wir falsch gemacht haben, einfach für alles. So sind wir. Wir campeones… campeones…! Wir trauen uns nicht, uns zu verbinden, zu anderen Leidenden, anderen Weltmeistern in Kontakt zu treten, Networking zu betreiben, wie man das Auf Neudeutsch so schön nennt.

Wir sitzen lieber alleine im stillen Kämmerlein und leiden vor uns hin. Weil man uns schon von klein auf darauf abgerichtet hat, genau das zu tun. Wir erzählen unsere Probleme niemandem. Weil wir niemanden haben (und sagen Sie nicht, man hat  immer jemanden, denn das stimmt nicht…immer). Er zum Beispiel hat niemanden und er ist bestimmt nicht der Einzige auf dieser Welt. Er ist bestimmt nicht der (einzige) Weltmeister im Leiden. Bestimmt ist er nur Durchschnitt. Kreisklasse. Regionalliga.

Nur Leute, die leiden, die reden nicht einfach so über ihr Leid, die binden das nicht jedem gleich auf die Nase, die tun so als ob, die halten die Fassade aufrecht, die schweigen lieber. Oder sie blitzen immer wieder ab, weil ihnen eh nicht zugehört wird. Weil sie unangenehm sind, aufdringlich, nicht „normal“, penetrant, nervig, zu intensiv, anstrengend, zu sensibel und weil sie einen wütend machen. Weil die Leute das nicht hören wollen. Fick die Leute! Die Leute wollen nicht hören, was sie zu sehr an ihren eigenen Leidensweg erinnert, an ihr eigenes Scheitern. Sie wollen „schöne“ Geschichten hören. „Nette“ Geschichten, am besten mit Happy End! Sie wollen den Scheiß nicht hören, das Leiden anderer Weltmeister im Leiden. Das ist so, wie das, was dein Vater dir im Krankenhaus gesagt hat, damals. Der doppelte Bypass hält ihn doch nicht davon ab, dich noch runterzumachen. Oder?! Ihn doch nicht! Auf dem Sterbebett würde er wahrscheinlich noch sagen: „Sohn, du bist nichts. Du hast niemanden. Deine Frau ist weggelaufen…und um ehrlich zu sein: Ich kann sie verstehen! Selbst deine Tochter besucht dich fast nicht mehr.“ Auf jeden Fall, damals im Krankenhaus, da sagte er wortwörtlich, mit diesem abfälligen Tonfall, den du nur allzu gut aus deiner Kindheit und Jugend kanntest: „Das will doch keiner lesen, was du schreibst. Die Leute wollen „schöne“ Geschichten. Und nicht das.“ Ein Mann, der in seinem Leben keine fünf Bücher gelesen hatte, sagte dir was gute Literatur ist. Der du tausende von Seiten auf Englisch und Spanisch gelesen hast! Sagte dir, was die Leute wollen. Als ob du ein kleines Kind wärst. Als ob du nicht Literatur studiert hättest. Und das Beste ist: Du hast es dir zu Herzen genommen. Wie so viel, was du dir nicht hättest zu Herzen nehmen sollen. Es aber getan hast. Es runtergeschluckt hast, wie eine Prostituierte Sperma, obwohl du nicht wolltest, obwohl du es hättest eigentlich besser wissen sollen…müssen.

Aber so sind wir. Wir Leider. Wir sind Masochisten. Nicht im sexuellen Sinne, wie sein Kollege, Herr Baden, das einmal hervorgehoben hat, nachdem er seine Leidensgeschichte genüsslich zu Ende gehört hatte.

Und die anderen? Die, die nicht oder nur wenig leiden, die sind keine Masochisten. Wenn schon, dann Sadisten. Die sind eine Masse, ein Block. Die halten zusammen. Die haben Freunde. Die haben Familie. Die haben Bekannte. Die haben Geliebte. Die finden schnell Anschluss. Oder zumindest kommt es uns in unserem unendlichen Leid so vor. Die lachen gemeinsam, die feiern, die gehen raus, die geben sich ihre Telefonnummern, rufen sich an, die genießen das Leben. Weil sie „locker“ bleiben. Weil sie „cool“ sind. Weil sie nichts an sich heranlassen. Weil sie sich für nichts einen Scheiß interessieren. Das kratzt die einfach nicht. Egal, wie sehr wir denken, dass es sie genauso berührt wie uns, das tut es nicht! Egal, wie sehr wir denken, dass sie genauso über die Dinge nachdenken wie wir, das tun sie nicht. Oder wahrscheinlich nicht.

Und wir sind weiter alleine, ganz alleine, unverstandene Weltmeister im Leiden. Jeder für sich. Keiner weiß vom anderen, obwohl er ihm vielleicht helfen könnte. Ihn vielleicht anders als Eltern, Kinder, Freunde, Bekannte, Verwandte verstehen könnte. Und so sitzen wir da, jeder für sich, jeder in seinem Gefängnis, jeder am Leiden wie ein Weltmeister. Weil wir arm sind. In der Spaßgesellschaft. Weil wir nicht wissen, wie wir über die Runden kommen sollen…weil wir Schulden haben…keine „schöne“ Wohnung…kein Haus…keine Yacht…kein Auto…weil wir einsam sind…weil wir niemanden haben, der uns zuhört, uns tröstet, uns berührt, uns fickt…weil wir schüchtern, gehemmt, verklemmt sind… weil wir hässlich sind…oder das denken…weil wir überhaupt immer zuerst daran denken, was die anderen über uns denken könnten (ohne das natürlich genau zu wissen)…weil wir gemobbt worden…werden…ignoriert werden…nicht für „voll“ genommen werden (obwohl wir doch voller Alkohol oder Drogen sind)…weil wir Außenseiter sind…Opfer von Missbrauch…weil wir verlassen worden…viel zu früh verlassen worden…von allen guten und schlechten Geistern verlassen worden…nicht geliebt worden…weil wir ein Kindheitstrauma haben…weil wir anders sind…trauriger…depressiver…bipolarer …schizophrener…mutistischer…ach, einfach anders (und jetzt lass mich in Ruhe)…weil wir nicht dazugehören (das noch nie getan haben)…weil wir keine Freunde haben…keine netten Nachbarn…weil wir arbeitslos sind…weil wir die falsche Arbeit haben…weil wir ständig unglücklich sind (wer will schon mit „so jemandem“ zusammen sein, geschweige denn reden?!)…weil wir Arschlöcher sind…weil wir gemein sind…richtig fies…weil wir alt sind…oder werden…gebrechlich…weil wir Angst vor allen haben…weil wir Angst vor dem Tod haben.


weil wir…

…kreativer sind…

…schlauer

…schöner…

…sensibler

…intelligenter…

…feingeistiger…

…weiser…

…ehrlicher…

...nachdenklicher…


Boah, wenn wir aufhören würden zu leiden…

Wir alle…

Oder zumindest mit all unserem Leid, unseren Sorgen, unseren Ängsten nach oben kommen würden, wenn wir alle hochkommen würden aus dem stillen Kämmerlein…

…an die Oberfläche…

…an die Öffentlichkeit…

Wenn wir alle unsere Geschichte erzählen würden…

…boah…

…dann…






Freitag, 29. Juli 2016

Marina Joyce Mystery










Heute hast du frei – obwohl: von deinem Kopf hast du ja nie frei. Also stehst du um 9 Uhr auf und gehst auf Klo. Et drückt. Wenn et drückt, dann musst du…kacken (und das ist nicht witzig). Das heißt: Erst mal musst du pissen, denn Pissen kommt immer vor dem Kacken. In letzter Zeit bleibt dazwischen auch irgendwie immer weniger Zeit, denn…et drückt. Also streifst du dir die Unterhose runter, kneifst die Arschbacken zusammen, holst schnell in kleinen Trippelschritten den Laptop, und dann den Hocker, den du auf den Küchenstuhl vor der Kloschüssel stellen musst, damit der Laptop ungefähr auf Augenhöhe steht. Ich weiß, das klingt nicht so, aber das hat System! Schaffst es gerade so noch, bevor es losgeht. Ach ja, Pipi hast du übrigens schon gemacht – trotz Morgenlatte. Und noch bevor du den Computer angeschaltet hast, geht’s los (die Details erspare ich Ihnen jetzt…). Danach wischst du dir den Arsch ab und willst dich eigentlich anziehen, um Laufen zu gehen. Aber als du wieder in deine Unterhose und die dazugehörige Blümchenshorts schlüpfst, hörst du schon das Plätschern draußen. Scheiße, es pisst. Scheiße! Und das tut es wirklich…und wie… In Strömen. Das ist echt voll der Dschungel hier, in Deutschland. Also wartest du und gehst dann Laufen. Mit Regenschirm. Durch den Wald. Durch den deutschen Psychoregen (nicht genug, um den Schirm aufzumachen und zu viel um den Schirm zuzumachen). Das ist echt, als würde da oben jemand sitzen, der exklusiv dich ärgern wollte…

Nach dem Laufen jib et Frühstück. Kalte Hühnerbrühe von gestern (die kühlt ab und du schwitzt nicht so viel in die Pfanne mit den Rösti-Ecken und den restlichen Knusper Gockelchen rein. Obwohl das voll geil ist: Denn jedes Mal, wenn ein Schweißtropfen von deiner Stirn in die Pfanne fällt, zischt das Hammer…

Nach dem Essen schläfst du ein bisschen (so ungefähr zwei Stunden), wachst dann langsam auf und liest die Bild. Stößt auf diesen Artikel über Marina Joyce, diese Mode- und Schmink-YouTuberin, die in letzter Zeit so seltsam sein soll. In ihren Videos. Das musst du natürlich gleich recherchieren. Also auf zu YouTube. Und das stimmt irgendwie. Die ist schon komisch, obwohl die eigentlich voll geil aussieht. Für eine Engländerin zumindest. Wie hat das dein Kumpel Miro damals in Schottland so gewählt ausgedrückt: „Die Frauen sehen hier alle aus wie Schnitzel.“ Also, wie ein Schnitzel auf Beinen sieht die nicht so richtig aus, mit ihren riesigen, blauen Augen. Aber glücklich auch nicht, wie sie dieses Kleid im Garten dieses typisch englischen Backsteinhauses in der Vorstadt von London präsentiert. In dem Video Date Outfit Ideas. Manchmal bekommt ihr Blick so etwas Abwesendes, etwas Ängstliches, was irgendwie voll krass wirkt. So als wär sie nur halb da. Die Diskussionen um diese Videos schossen tatsächlich so ins Kraut, dass die sogar die Polizei gerufen haben. Die war dann wirklich bei der (mehrmals!), um sich zu vergewissern, dass es der wirklich gut geht. Die Polizei hat auch nichts Besseres zu tun, denkt er! Vielleicht sollte er die mal seiner Tochter empfehlen, die ist wirklich nicht schlecht. Aber schon krass, wie die guckt. Augen riesig und diesen vagen Ausdruck von Angst, Unsicherheit im Blick. Spannend! Er liest: Manche spekulieren, dass sie Drogen nimmt, weil sie auf verschiedenen Raves gesehen wurde. Andere sagen, sie sei schizophren (Hammer, auf was die Leute kommen, ohne jemanden wirklich zu kennen oder irgendwelche gesicherten Diagnosen zu haben. Krass, ne!? Dass sie misshandelt wird…von ihrem Freund, ihrer Familie, ihrer toten Großmutter, suchen Sie sich was aus. Da ham sogar welche behauptet, die sei von dem IS entführt worden und solle möglichst viele Follower an einen Anschlagsort locken. Geil, ne?! Und das Geilste ist: Wenn du das so liest, denkst du: Boah, da bin ich ja sogar noch relativ normal… Relativ. Alles ist relativ. Oder um deinen Vater zu zitieren: „Pervers ist eine Abweichung von der Norm, aber wer kann die Norm schon bestimmen?!“ Da war er immer ganz stolz drauf, auf diesen Spruch, obwohl der heute, jetzt im Nachhinein schon ziemlich gruselig daherkommt (nur so am Rande…). Du guckst dir einen fetten Typen mit undefinierbarem Akzent (ist der jetzt Engländer oder nicht?) an, der über alles Mögliche spekuliert (dass er nicht noch den Geist der toten Großmutter aus der Truhe holt, ist schon fast ein Wunder!). Aber irgendwie überzeugt dich das alles noch nicht – ist aber spannend genug, um nicht wieder einzuschlafen. Boah, früher hatte ich ein Leben! (Nein, hattest du nicht, da hast du genau das Gleiche gemacht, an deinem freien Tag! Okay…). Also guckst du dir noch ein Video von ihr selbst an (nicht von irgendwelchen fetten, undefinierbaren Kommentatoren, die sowieso nur Scheiß labern). Und dieses Video hat es in der Tat in sich. Du weißt nicht, was du davon halten würdest, wenn sich deine Tochter diese YouTuberin angucken würde – obwohl der britische Akzent so geil ist und die Alte auch nicht schlecht (Anfang 20, kleine Tittchen, tiefblaue Psychoaugen, ein hübsches Gesicht…). In dem Video, das den für Schmink- und Modetipps eher untypischen Namen Near Death Experience trägt, sitzt Marina Joyce in ihrem (?) Schlafzimmer, auf ihrem Bett (nein, das ist kein Porno-Video, eher genaue Gegenteil davon!), neben sich den Laptop. Auf dem Bett liegt eine violette Decke, die perfekt zu dem etwas helleren, aber ebenfalls violetten Wollpulli, den Marina trägt, passt. Im Hintergrund ist ein Katzenkissen, das einen mit großen Augen anzustarren scheint (ich mag Katzenmenschen, auf jeden Fall besser als Hunde!). Marina trägt eine rote Rosa hinter dem Ohr, ihre Haare sind wie immer perfekt frisiert und ihre blauen Augen werden durch die schwarze Umrandung noch blauer. Aber das ist kein Schminkvideo. Das wird dir schnell klar! Sie scheint echt aufgewühlt zu sein, redet von seltsamen, verrückten Erfahrungen, die sie vor kurzem gemacht hat, ihrem „geheimen Leben“, der Absurdität…ja, von was eigentlich! Und das ist der Trick: Das sagt sie nämlich in 9:23 nicht! Stattdessen sagt sie, dass sie im Februar geboren ist. Wassermann, wie du! Dat sinn die schlimmsten. Aber irgendwie kannst du dich auch mit dem identifizieren, was sie sagt. Marina Joyce, die Schminktante aus London! Aber wenn sie davon redet, dass sie stärker dadurch geworden ist, was sie durchgemacht hat, aber was sie nicht genau sagen will. Und zu heulen anfängt. Also: Entweder sie ist eine gute Schauspielerin oder… Das willst du dir gar nicht ausmalen, daran willst du gar nicht denken. Sie fühlt sich so alleine (genau!), da nur sie alleine weiß, wie hart diese Erfahrungen waren (I’m feeling you, Marina, I really do!). Mich versteht auch keine Sau, wie sehr ich unter der Trennung von meiner Frau gelitten habe, keine Sau, echt, so als hätten die alle keine Gefühle oder ich zu viele oder keine Ahnung. Wie hart ich kämpfe, um eine stärkere Person zu werden…wem sagst du das, Schnucki?! Ne, aber echt, ernsthaft… Du warst zwar nie, wie Marina Joyce sagt, the happiest person in the world, auch früher nicht, wo du noch halbwegs ganz warst, halbwegs whole. Wild mit den Armen gestikulierend, sagt sie mit dramatischer, tränenreicher, ja fast schon hysterischer Stimme: …das Gefühl, dass ich nicht mehr am Leben wäre... Und dich beschleicht auch so ein Gefühl: Nämlich, dass sie über den Tod redet. Und darüber, wie man sich fühlt, wenn man weiß, wenn man sich bewusst wird, dass man sterben muss, dass das Leben endlich ist. Dass man einfach irgendwann nicht mehr da ist. Das kannst du schon verstehen, selbst, wenn das nicht echt ist, wie manche Kommentatoren behaupten. Selbst dann, dann ist das schon eins der echtesten Gefühle, die es gibt, Im Leben. Also, warum sollte das nicht echt sein, warum sollte die das nicht fühlen dürfen?! Nur, weil sie Schmink-, Dating- und Modetipps gibt?! The meaning of life, sagt sie, die Bedeutung des Lebens…es ist die Kunst, die dich möglicherweise retten kann…Leute können über Depressionen, über PTSD, über Angststörungen oder Panikattacken hinwegkommen…wenn sie sehen, wie schön das Leben ist… Die Kunst kann Leute retten… Weiß nicht…aber...

Du guckst dir die Kommentare an und findest einen, der sagt, dass sie weiß, worüber Marina redet. Nämlich, dass sie ANGST VOR DEM TOD hat (und die Großbuchstaben sind nicht von mir, sondern von der Autorin des Kommentars!). Und du denkst: Hey, stimmt! Das hast du auch gedacht, als du das gehört hast! Hey, du bist nicht der Einzige, obwohl du das immer denkst. Du bist nicht der campeón del sufrimiento, wie das letztens dieser Typ, der Leiter des „Zeitministeriums“ in der gleichnamigen spanischen Serie gesagt hat. Du bist nicht der Weltmeister im Leiden. Alle leiden. Wir alle leiden. Ihr alle leidet! Unter dem Tod, unter der Liebe, unter den Gefühlen oder dem Ausbleiben derselben. Darunter, dass wir sterblich sind, dass wir irgendwann gar nicht mehr da sind, überhaupt nicht mehr, nie wieder




Ach ja, irgendwo dazwischen, irgendwo zwischen schlafen, auf den Klo gehen, essen, laufen hast du auch noch die Mail deiner Tochter gelesen: Komme erst am Samstag, spät. Auf Deutsch: Sonntag ist auch nicht drin. Also erst Montag, wie das Wechselmodell das vorsieht. Bin begeistert. Ne, aber echt: Ich liebe es von meiner Frau und Tochter getrennt zu sein…!

Aber wenigstens hat das einen Vorteil. Du musst keine Antwort mehr schreiben…






Wenn das jetzt deine Tochter wär, Marina Joyce meine ich, dann würdest du dir echt Sorgen machen…warum machen sich die ihren Eltern eigentlich nicht?! Oder machst du dir zu viele...

Obwohl: Fürsorge ist ein klares Zeichen, das man kein Narzisst ist. Zumindest kein hoffnungsloser, haha...







Mittwoch, 27. Juli 2016

Mein Lachen






Ich hab heute voll oft gelacht.

Mit mir selbst.

Über mich selbst.

Mit mir selbst.

Obwohl ich eigentlich nichts zu lachen habe.

Ich liege auf dem Bett, unserem alten Doppelbett, in dem ich früher mit Nadine lag, und spiele mit meinem Penis.

Und lache.

Laut. Allein. Im Bett. Über nichts.

Wie ein Bekloppter.

Ist aber auch lustig:

Im spanischen Fernsehen, das schon seit gut 4 Stunden auf dem Laptop läuft (sehen Sie, ich habe ein Leben!) sagen die, dass auf den Kanarischen Inseln die Aloe-Vera-Pflanze die am zweitmeisten konsumierte Pflanze ist – nach dem Marihuana.

Und ich lache.

Und kraule weiter.

Lache und lebe.

Weiter.

Alleine.


Imma wigga.

Imma wigga, nigga.

Keine Angst, der Wahnsinn ist nahe.

Hoffentlich.

Aber lachen hilft echt. In letzter Zeit erwische ich mich immer öfter dabei, dass ich lache. Über mich selbst. Mit mir selbst oder einfach nur lache. Immer öfter. Das könnte ja jetzt bedeuten, dass ich echt langsam bekloppt werde, aber auch, dass ich auf dem Weg der Besserung bin. So unwirklich das klingt. Lachen ist gut.

Seinen Penis und seine Eier kraulen auch.

Das macht der Hund meiner Eltern auch. Wenn er das Kissen bespringt und pusht und pusht und pusht

Und ich twittere und poste wie ein Bekloppter. Das ist echt nicht mehr normal.

Ist das etwa mein Leben.

Nicht nur mein Leben ohne Nadine, sondern MEIN Leben.

Wer weiß das schon.


Et jeet imma wigga
Nigga