An Weiberfastnacht muss ich an sie denken. Ich will nicht, aber ich
muss. Bestimmt, weil heute Weiberfastnacht ist und ich noch immer, fast drei
Jahre nach ihrem Weggang, Eifersuchtsanfälle kriege. Und ich dachte, ich hätte
das überwunden. So kann man sich täuschen! Was sie jetzt wohl macht? Ob sie
auch an mich denkt? Und ich deswegen gerade an sie denke? Bestimmt…
Wahrscheinlich ist sie tanzen. Mit irgendwelchen Freundinnen. Oder ihrem Neuen.
Ihrem Neuen und irgendwelchen Freundinnen. Bestimmt versteht der sich besser
mit denen als ich damals. Bestimmt mögen den alle. Sogar ihre Familie. Ihre
Schwestern. Ihr Schwager.
Ein Blog über das Leben, die Liebe, Beziehungen, Verlust, Angst, Spaß, die Lust, die Lust am Schreiben,Südamerika, Musik, südamerikanische Frauen, die Liebe, Spanisch, Englisch, Schottland, Spanien, Deutschland, dat Rheinland, Kinder, Literatur, Vergänglichkeit, Arbeit, Politik, die Mafia, Urlaub, Gewalt, Verbrechen, Sex, große und kleine Gefühle und vieles, vieles, vieles mehr ...
Posts mit dem Label Wechselmodell werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Wechselmodell werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Sonntag, 11. Februar 2018
Donnerstag, 8. Februar 2018
Herzlichen Glückwunsch!
An meinem Geburtstag, einem
kalten Tag im Februar, werde ich von meiner Tochter geweckt, die sich in der
Küche Buttergemüse von Aldi für die Schule macht. Und einen Bagel, im Ofen. Meine
Tochter, die irgendwas sagt, nuschelt, das ich nicht richtig verstehe.
Labels:
Einsamkeit,
Erinnerung,
Essen,
Familie,
Kontaktsperre,
Leere,
Liebe,
Literatur,
Musik,
Schweigen,
Sternzeichen,
Vater-Tochter-Beziehung,
Vatersein,
Wechselmodell,
Weihnachten
Dienstag, 23. Januar 2018
Heiligabend (im Wechselmodell)
Schon um neun Uhr
irgendwas klingelt es. Fast schon Sturm. Auf jeden Fall nicht nur einmal. Nein,
keine Angst, die können dich nicht gepfändet haben, haha. Und die Polizei ist
es, soweit ich weiß, auch nicht. Also muss es wohl María sein. Und du hattest
noch gar keine Zeit, dir jetzt schon einen anzuzwitschern. Obwohl ich schon
wach bin, schon seit kurz nach acht. Obwohl ich gestern erst um halb vier ins
Bett gekommen bin. Nach der Arbeit war ich zwar schon um zwei zu Hause, aber da
ich heute frei hatte, dachte ich: Dann kannst du ja noch was machen. Dann
kannst du ja noch was fernsehen. Beziehungsweise Pornos im Internet gucken,
immer auf der Suche nach dem perfekten Porno.
Labels:
Alkohol,
Ecuador,
Einsamkeit,
Familie,
Kommunikation,
Krise,
Leben,
Leere,
Leiden,
Liebe,
Literatur,
Trauer,
Vater-Tochter-Beziehung,
Vatersein,
Wechselmodell,
Weihnachten
Mittwoch, 17. Januar 2018
Ich kann es ihr nur nicht sagen
Das rechne ich ihr hoch an, sage ich zu meiner Chefin. Dass sie geblieben ist. Auch wenn es nur dreieinhalb Tage die Woche sind (viel zu wenig, wenn man bedenkt, dass sie bald eh aus dem Haus geht). Das rechne ich ihr hoch an: Dass sie nicht gesagt hat, ich bleibe ganz bei Mama.
Ich kann es ihr nur nicht sagen
Freitag, 12. Januar 2018
Der Knoblauch fällt nicht weit...
Auf dem Weg zur
Arbeit muss ich darüber nachdenken, wie ähnlich wir uns doch sind, ich und
meine Tochter. Letzte Woche war sie ein bisschen krank und da hat sie sich doch
tatsächlich eine Knoblauchbrühe mit Ingwer gemacht. Wie der Papa!
Letztens hast du
ihr das sogar gesagt: „Wir kriegen uns nur so oft in die Wolle, weil du mir so
ähnlich bist!“
Sonntag, 7. Januar 2018
Der Bergdoktor
„Der liebt diese
Frau abgöttisch…“ (Der Bergdoktor)
Abends läuft der
Bergdoktor im Fernsehen. Guckst du sonst nicht (kann man dich förmlich mit jagen,
mit dem Scheiß). Aber heute ist nichts anderes drauf und du hast auch keinen
Bock auf spanisches oder englisches Fernsehen. Also guckst du den Bergdoktor.
In der Not guckt der Teufel auch den Bergdoktor.
Donnerstag, 28. Dezember 2017
So ein Gefühl...
Plötzlich, während ich gerade im Bett liege und Coronation Street gucke (zwei geile Weihnachtsfolgen a 45:33min!), klingelt das Telefon. Ich springe aus dem Bett hoch wie von der Tarantel gestochen und renne in die Küche. Das ist bestimmt María. Mari. Ich weiß es einfach. Aber wo ist das verfickte Telefon bloß wieder hin? Immer die gleiche Scheiße! Die ganze Zeit suchst du nach irgendwelchem Scheiß. Mannomann. Zuerst gucke ich in der schwarzen Hose nach, die vor dem Herd liegt, aber da ist es nicht. Scheiße, Mann! Aber es hat doch hier geklingelt… Ja, es liegt auf dem Tisch. Und klingelt immer noch. Oder vibriert zumindest. Ein kurzer Blick auf das Display: Ja, Mari!
„Hi.“
„Hi. Ich komme ein bisschen
später. So um neun oder zehn. Ich bin noch in Köln.“
„Okay… Du weißt ja, der
letzte Zug fährt um 00:39!“
„Ja, aber solang brauch ich
nicht.“
„Willst du denn noch was zum
Essen? Soll ich noch was holen oder willst du morgen früh.“
„Das kann ich auch morgen
früh.“
„Okay, aber gib nicht dein
ganzes Geld aus, in Köln. Du musst sparen, für deinen Führerschein, du weißt
das.“
„Ich habe nichts gekauft.
Ich muss sparen. Ich war nur essen.“
„Essen kostet auch… Du musst
den Führerschein machen, der ist wichtig. Ich weiß, wie das ist, ohne
Führerschein.“
„Du hast doch einen
Führerschein.“
„Ja, ich weiß: Aber ich weiß
nicht, wo der ist und ich kann nicht fahren und ich habe kein Auto… Das ist
wichtig. Aber wir schaffen das schon. Ich werde das Geld schon irgendwo
herbekommen. I’m gonna rob a bank to get you the money.“
„Ja.“ Sie lacht. Oder lacht
sie nicht.
„Ok, bis dann. Viel Spaß!“
„Bis dann.“
Ich weiß, wie das ist. Ich
hätte auch gerne ein Auto, besonders hier draußen. Aber dann müsste ich wieder
Fahrstunden nehmen und mir ein Auto kaufen und die Versicherung bezahlen… Kurz
gesagt: Nicht drin. Außer ich verkaufe meine Seele an die italienische Mafia.
Hier an der Eisdiele um die Ecke. Wo die jeden Tag, Sommer wie Winter draußen
sitzen. Oder bei dem Italiener in Rheinbach. Den kennst du sogar von früher.
Das war vielleicht eine Hassliebe… Oder ich gewinne im Lotto, haha.
Aber irgendwie gefiel mir
das Gespräch nicht: Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sie mehr zu ihrer
Mutter will, heute Abend, anstatt zu mir. Dass sie keinen Bock hat, nach Köln
noch nach Meckenheim rauszufahren. Aber sie war ja schon gestern und vorgestern
bei ihrer Mutter. Am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag! Weil ich arbeiten war, weil
ich nicht anders konnte, nicht anders wollte, vergessen wollte, nicht feiern
wollte, mit niemandem… Und da ist Arbeit immer noch das Beste. Und was soll sie
denn auch alleine hier sitzen, am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag, während ich auf
der Arbeit bin. Außerdem brauche ich nach der Scheidung mehr als jemals zuvor
das Geld. Ich bin im mittleren Alter und brauch das Geld!
Vielleicht will sie ja mehr
zu ihrer Mutter, ganz zu ihrer Mutter…das ist ja auch Stress für sie, dieses
dauernde Hin und Her…
Ach, Quatsch
Dann muss sie mir das sagen. Ich werd den Teufel
tun…
Wenn ich auf meine Gefühle
hören würde…
Vielleicht will ihre Mutter
sie ja auch mehr sehen… Vielleicht geht es ihrer Mutter ja auch nicht gut,
dieses Jahr an Weihnachten…
Wenn ich auf meine Gefühle
hören würde…
Sonntag, 24. Dezember 2017
Einen Tag vor Heiligabend: Na dann Prost!
Last Christmas, I gave you my heart
But the very next day you gave it away
This year, to save me from tears
I'll give it to someone special…
But the very next day you gave it away
This year, to save me from tears
I'll give it to someone special…
(Wham! - Last Christmas)
Ich hätte richtig Bock an
Heiligabend ein bisschen Alkohol zu trinken. Um zu vergessen. Vergessen, dass meine
Frau nicht mehr da ist (Tschuldigung, meine Ex-Frau meine ich natürlich). Um zu
vergessen, dass sie, meine Tochter, nur den halben oder noch nicht mal den
halben Tag da ist, an Heiligabend! Dass sie später den Leuten ins Gesicht
lächeln wird, die deine Ehe auf dem Gewissen haben, die dich kaputtgemacht
haben und jetzt alles haben, während du nichts hast. Nur eine Tochter, und auch
die nur die Hälfte des Tages (wenn überhaupt). Dass die ihr schmierig, kokett
ins Gesicht lächeln werden, der Schwager zum Beispiel und wer weiß wer sich
sonst noch bei denen rumtreibt, an Heiligabend. Heiligabend. Ihre Familie war
ihr nicht heilig, soviel ist sicher. Obwohl: ihre Familie schon. Meine, unsere nicht… Und María liegt
dazwischen. Ich hätte echt Bock, aber ich kann nicht. Das kannst du nicht
bringen! Dir vor ihr an Heiligabend, diesem heiligsten Abend im Jahr, einen
anzuzwitschern. Obwohl du noch Alkohol da hast. Zwei Flaschen, die du seit
anderthalb Jahren nicht angerührt hast. Du bist also kein Alkoholiker. Du magst
die Scheiße noch nicht mal richtig. Alkohol schmeckt dir nicht. Du könntest nie
ein Alkoholiker sein, werden. Aber trotzdem wäre das ein Tabubruch…und würde
auch von deiner Tochter als solcher aufgenommen. Also wirst du nüchtern alles
ertragen und danach – wie jedes Jahr seit der Trennung – in den Wald gehen,
alleine, ganz alleine, der letzte Mensch auf der Welt…
Freitag, 17. November 2017
Döner zum Abendessen
Ich gucke Australia. Mit Nicole Kidman. Und denke
daran, wie ich das früher mit ihr geguckt hätte. Wie sie immer eingeschlafen
ist, neben mir, in meinen Armen. Wäre sie bei Australia auch eingeschlafen. Weil es so langweilig war neben mir.
Oder weil sie einfach nur müde war. Den ganzen Tag putzen ist hart…
Du wirst es nie erfahren…
Sonntag, 29. Oktober 2017
Müllentsorgung nach der Scheidung
Heute muss ich echt mal wieder ein bisschen
aufräumen. Zuerst bringe ich den Müll raus, dann gucke ich im Keller nach, wie
die Wäscheleinensituation aussieht (das muss man in einem Mehrfamilienhaus, in
dem nur sechs Leinen vorhanden sind, immer tun). Aber heute ist fast alles leer
(oh, Wunder!). Also wird heute auch noch gewaschen. Keine Minute Pause.
Dienstag, 24. Oktober 2017
Armutsrisiko in Deutschland
Epi·pha·ni̱e̱
Substantiv [die]
Religion
- die Erscheinung (eines) Gottes unter den Menschen.2. Alltagsoffenbarung
„Armutsrisiko für Kinder
ist, wenn Eltern sich trennen…“, sagt der Typ im Fernsehen.
Er steht auf, hievt sich mit
Mühe hoch du geht auf Klo. Schleppt sich schon fast auf Klo. Sagt zu sich
selbst, laut: „Dann soll sie doch um zwölf kommen. Mir doch egal. Ich bin dann nicht
mehr da. Dann bin ich auf der Arbeit. Ist doch auch egal: Ich werd doch eh nicht mehr gebraucht. Nicht von
ihr, nicht von ihrer Mutter, vom niemandem mehr…ich bin abgeschafft…
Keiner Sau…
Montag, 23. Oktober 2017
Gott einen guten Mann sein lassen...
Er steht in der Sonne am Meckenheimer Busbahnhof und wartet auf den Bus nach Bad Godesberg, als ihm plötzlich dieser Gedanke kommt: Vielleicht hast du ja jetzt, heute die Gelassenheit, die dir damals abgegangen ist. Als du noch jung warst und Angst hattest, für immer eine Jungfrau zu bleiben. Der Himmel außerhalb des düsteren Haltestellenhäuschens aus Backstein mit seinem Holzdach und seinen dunklen Balken im Inneren ist so blau, dass er schon fast unheimlich anmutet, zumindest für Deutschland, wo er ganz sicher nicht dem klassischen Herbstwetter entspricht. Es ist wirklich keine einzige Wolke zu sehen. Noch nicht mal am Horizont. Nirgends. Fast schon symbolisch, denkt er: So als hätte Gott…
Samstag, 14. Oktober 2017
Schmutzige Wäsche
Beim Waschen fällt mir ein
Handtuch auf. Es ist eigentlich ein ganz normales Handtuch. Es ist weißgrau
(diese Farbe, die alle Handtücher nach einer Zeit so annehmen), aus Frottee (das,
wie bei allen Handtüchern nicht mehr ganz so flauschig ist wie am Anfang) und
hat auch die Standardgröße, die Handtücher in unserer genormten Welt nun mal so
haben (nicht groß genug, um deinen ganzen Körper darin einzuhüllen, aber groß
genug, um deine Scham zu bedecken, wenn du nicht gerade meinen Bauchumfang
hast…). Eigentlich ist es ein ganz normales Handtuch, wie ich sie jede Woche im
Wäschekeller aufhänge (na ja, fast jede, denn jede Woche wasche ich gar nicht).
Montag, 28. August 2017
Meine Kleine...
Das Telefon klingelt.
Eindeutig: ein Anruf! María! Ich springe aus dem Bett nach oben, stütze mich
auf meinem eigenen Oberschenkel ab, nur mit einer Unterhose bekleidet (es ist
so scheißheiß hier!), renne zum Esszimmertisch.
Scheiße, wo ist das verdammte
Telefon?
Mittwoch, 19. Juli 2017
Gewitter
Wie die Hexe in Hamlet –
nein, das war Macbeth, in Hamlet war die Hexe menschlicher und nicht
übernatürlicher Natur – liege ich auf der Matratze, fast nackt, bis auf die
Unterhose, während draußen der Wind immer stärker wird. Ich bin Wassermann,
also eigentlich von Natur aus mit den Elementen Luft und Wasser verbunden. Das
Gewitter hat noch nicht begonnen, ist aber vorausgesagt. Ich gehe ans Fenster,
beuge mich auf die Fensterbank aus schwarzem Marmor, durchfurcht von weißen
Pünktchen und Streifen.
Dienstag, 4. Juli 2017
Bei den Irländern
Abends – es ist schon kurz
nach zehn und ich bin gerade aus der Dusche gekommen, nachdem ich mich beim
Basketball voll ausgepowert habe, fast bis zum Umfallen – klingelt das Telefon.
María!, denke ich sofort. Besser spät als nie. Wenn ich das verdammte Telefon
jetzt auch noch finden würde, wäre das noch besser. Wie ein kopfloses Huhn renne
ich hin und her durch die gar nicht mehr ganz so chaotische Wohnung. Vom
Esstisch in der Küche zum Bett, bei dem ich stehen bleibe. Das muss doch hier
irgendwo sein, verdammte Scheiße! Am Ende, nachdem es schon etliche Male
geklingelt hat, finde ich es dann doch, auf der Bettdecke. Kaum habe ich es in
der Hand, drücke ich auch schon den Knopf, um den Anruf anzunehmen.
Montag, 3. Juli 2017
Anruf aus dem Nichts
Auf einmal klingelt das
Telefon. Ich habe gerade keine Schüler, also kann ich drangehen. Eigentlich
kann das ja nur einer sein. Eine. Ich krame das Handy aus der engen Hosentasche
und gucke auf das Display. Da steht es: Mari. Mari! Ja! Result!
Donnerstag, 23. März 2017
Bah, Liebe!
„Und, was bekommt deine
Tochter zum Geburtstag? Hast du dir schon was Besonderes überlegt?“, fragt dich
Victorija, deine Schülerin.
Im ersten Moment weißt du
gar nicht, wie du reagieren sollst. Stimmt, sie hat recht. Der ist ja am
Sonntag, der Geburtstag deiner Tochter. Hatte ich ja fast schon vergessen, bei
all dem Stress. Der 18. (!) Geburtstag deiner Tochter. Dann ist sie erwachsen,
denkst du, und greifst auf eine Standard-Antwort zurück:
Freitag, 10. März 2017
Schönes Wochenende
Be yourself. That's all you need
tae dae in life. Just be yourself.
Far from being an easy option, it
was the most difficult, challenging
thing anybody ever asked of me.
(Irvine Welsh, Glue)
Seine Tochter kommt rein,
geht wie ein Geist, wie ferngesteuert auf Klo.
Er sagt: „Pass auf: Das
Fenster ist auf! Mach das Fenster wieder zu!“
Sie sagt nichts. Und als sie
keine Minute später wieder aus dem Bad kommt, ist das Fenster wahrscheinlich
immer noch auf. Das Fenster, das in die dunkle Nacht hinausführt. Die dunkle
Venusberger Nacht. Die selbst hier, in dieser VIP-Gegend, pechschwarz ist. So
als wäre sie ein Wurmloch in eine andere Galaxie, in eine andere Dimension.
Sie seufzt auf dem Weg zur
Tür, auf dem Weg in ihr Zimmer. Es ist dieses typische Seufzen, das ihn immer so aufregt. Aber ist es das überhaupt?
Oder ist es ein Seufzen, weil sie weiß, dass heute Freitag ist? Und dass sie an
einem Freitag zu ihrer Mutter zurück muss? Gestern hat er noch ganz lange mit
ihr Topmodel geguckt. Da hat sie gesagt: „Besser wäre es, wenn wir gar keinen
Fernseher hätten. Dann müssten wir Brettspiele spielen...“ Oder: „Dann würden wir
Brettspiele spielen...“ Ich glaube Letzteres. Wie an Weiberfastnacht. Wo es
draußen so stürmte und sie tatsächlich am Abend Brettspiele gespielt haben
Das war schön
Das war tatsächlich richtig
schön
Aber dies ist keine Welt für
Schönes
Vielleicht seufzt sie ja gar
nicht, weil – wie er das immer denkt – er ihr auf die Eier geht, ihr Vater,
sondern weil sie weg muss, weil es ihr hier gefällt, bei ihm
schon mal drüber nachgedacht
Letztens hat er ihr gesagt:
„Das Einzige, was du wissen musst, ist, dass wir gar nichts wissen. Wir wissen
nichts…“ (wir sind in ein Universum geworfen, werden alt und sterben,
verschwinden wieder; und egal, wie viele Illusionen wir uns machen, wir wissen
nichts) „…keiner hat eine Ahnung, glaub mir das! Auch wenn die das sagen, wenn
die so tun als ob…die haben alle keine Ahnung“ (your guess is as good as mine).
Ich weiß nicht, warum er das gemacht hat, warum er das gesagt hat. Um ihr etwas
mitzugeben? Auf ihrem langen Weg durchs Leben? Ihrem langen, einsamen Weg
durchs Leben
Eine komische Lektion...
Um sie aufzubauen, ihr
Selbstvertrauen zu geben, für den Fall, dass sich mal wieder irgendein
Arschloch über sie stellt und ihr was erzählen will? Von Tuten und Blasen. Irgendein
Arschloch, von denen es so viele gibt, in diesem Land, in dieser Stadt, in
diesem Leben… Arschlöcher, die alles zu wissen scheinen…die alles besser zu
wissen scheinen…die alles zu wissen scheinen…aber im Endeffekt auch nur raten.
Auch nur wie die Kuh vorm Berg stehen.
Eine komische Lektion...
Wie die, die Carl Ewarts
Vater seinem Sohn in Irvine Welshs Roman Glue
erteilt. Wo er einfach nur sagt: „Be
yourself. That’s all ye need tae dae in life. Just be yourself…“
Und Carl Ewart, auf dem Weg
von Australien zurück nach Schottland, wo sein Vater im Sterben liegt, denkt: Far from being an easy option, it was the
most difficult, challenging thing anybody ever asked of me.
Sie kommt wieder rein,
wieder zurück aus ihrem Zimmer. Auf dem Weg ins Bad. Und sagt: „Was ist los?“
Mit dieser kleinen, schwachen, unsicheren Stimme...
Keine Ahnung. Ich hab doch
keine Ahnung, das weißt du doch.
Als sie wieder rauskommt,
aus dem Bad, seufzt sie noch mal, geht zum Schrank.
„Brauchst du was?“
…
„Soll ich dir helfen…bei
irgendwas…?“
„Nö.“
Sie geht an den Wäschekorb mit den Socken, nimmt sich ein Paar.
„Das sind meine Socken!“, sage ich lachend.
„Nein…“, sagt sie, ebenfalls mit einem Lächeln.
Ich werde dich vermissen,
denkt er einen Moment später, als sie wieder in ihrem Zimmer ist. Ich werde
dich vermissen. Wenn du am Wochenende bei deiner Mutter bist. Du mich auch,
vielleicht. Das Wechselmodell ist auch nicht das Wahre. Aber immerhin besser, als
sich nur am Wochenende zu sehen. Als Wochenend-Daddy zu sein. Und dann
irgendwann Einmal-im-Monat-Daddy. Und dann irgendwann nur noch jedes halbe
Jahr. Und irgendwann gar nicht mehr
So läuft das doch, in der
Regel. Da bevorzuge ich echt das Wechselmodell. Und erzählen Sie mir jetzt
nicht, dass es nur um das Kindeswohl geht…
„Hast du das Fenster
zugemacht, Schatzi?“, frage ich sie.
„Ja,“ antwortet sie.
„Dankeschön.“
„Die waren voll lecker
gestern…deine Wraps,“ sage ich.
„Mö…“
Ne?
„Ich seh die Doreen immer in
Poppelsdorf…“, sagt sie.
„Echt? Fährt die da auch mit
dem Bus?“, fragst du zurück.
„Ja, aber der ist immer so
voll. Ich glaub, die steigt da nie ein...“
„Wo wohnt die denn in
Poppelsdorf?“
„Weiß ich nicht. Ich war
noch nie bei der…“
„Ich geh jetzt, ne…“
„Ok. Schönes Wochenende.“
„Tschüss.“
„Tschö.“
Schönes Wochenende bei
deiner Mutter. Obwohl: Du willst ja, dass sie
ein schönes Wochenende hat. Du willst es ja. Wirklich
Abonnieren
Posts (Atom)




