Dienstag, 30. August 2016

Goya in Deutschland





Er steht in der Bahn und wartet darauf, dass die Türen sich endlich öffnen und er aussteigen kann. Er blickt in die nach oben, nach vorne gereckten Gesichter der Leute, die an der Tür stehen und wissen wollen, warum der Fahrer die Tür noch nicht freigegeben hat. Unfreiwillig erinnert ihn die Szene an Goya.

Keine Ahnung warum.

Donnerstag, 25. August 2016

Wiedersehen






Ich weiß nicht, ob sie glücklich ist.
Vielleicht ist sie es ja und ich rede mir das nur ein.
Dass sie unglücklich aussieht.
Das ist nur so ein Gefühl
Und Gefühle zählen eh nichts
Und erst recht nicht in Deutschland
Wen interessieren schon Gefühle
Sie nicht
Obwohl sie unglücklich aussieht
Die Haare sind kürzer
Wie sie da sitzt und den Boden anstarrt. Oder ihr Handy.
Sieht sie nicht unglücklich aus
Wie sie nicht hochguckt. Mich nicht sieht.
Nicht sieht, wie ich sie sehe.
Und alle Wunden wieder aufbrechen.
Ich hatte den ganzen Tag schon so ein Gefühl
(du weißt doch, Gefühle interessieren keine Sau)
Was sind schon Gefühle.
Wie ich heute Mittag diese Latina gesehen habe.
Und dann ihre Schwester.
Und jetzt sie.
Wie sie da sitzt
Kommt alles wieder hoch.
Nichts ist weg
Es war nur verschüttet
In der Müllkippe deiner Seele
Alle Dämme brechen
Alles reißt wieder auf
Die ganze Scheiße
Aber du gehst nicht zu ihr, als der Bus hält, keine 10 Meter von ihr entfernt
es hätte keinen Sinn
keinen Sinn mehr
Von da wo sie sitzt, auf diesem Stein, diesem runden Sitzstein am Bahnhof
Wo du früher auch gesessen hast
Als du noch den Nachtbus nach Duisdorf genommen hast
Wo sie auf dich wartete, in eurem Bett
In dem du jetzt alleine schläfst
Nicht einschlafen kannst
Dich hin und her wälzt
Ihre Beine erinnern dich daran, wie du mit ihr geschlafen hast
wie du in sie eingedrungen bist
sie gespürt hast
sie geliebt hast
ein halbes Leben lang
Früher
Früher ist vorbei
Und du gehst vorbei
Gehst extra vor dem Bus entlang
Obwohl der Weg hinter dem Bus der Kürzere ist
Guckst zu ihr zurück
Sie hebt den Kopf nicht
Wirkt unglücklich
Mit ihren kürzeren Haaren
Obwohl du sie gar nicht richtig sehen kannst
Mit deinen Augen
Du gehst zu deiner Haltestelle und fragst dich,
ob sie dich sieht
dir nachguckt, so wie du ihr.
Du weißt, dass das sie ist
Da hinten
Auf jemanden wartend.
Der nicht mehr du bist.
Der nie mehr du sein wirst
Und genau in diesem Moment weißt du,
dass du sie immer lieben wirst
Und immer vorbeigehen wirst,
wenn du sie siehst
so als hättest du sie nicht gesehen
wenn du sie durch Zufall siehst
in der Stadt
im Bus
wo auch immer
es gibt keine Zufälle
du liebst sie immer noch
alles ist immer noch da
wie am ersten Tag
trotz Anwalt, trotz Unterhaltsforderungen, trotz allem
weißt du, dass du nie aufhören wirst, sie zu lieben
Obwohl du nicht mehr zu ihr gehen wirst
Nie mehr
Wenn du sie siehst
Die Mutter deiner Tochter
Die Liebe deines Lebens
Wie ein Doof stehst du an deiner Haltestelle und blickst zu ihr rüber
Mit ihrem lilafarbenen Garfield-T-Shirt
Jetzt weißt du es wieder
Das sie in eurem gemeinsamen Urlaub gekauft hat
In eurem letzten gemeinsamen Urlaub
Jetzt fällt es dir auf
Ihre Haare sind kürzer
Sie ist noch immer total braun
Von Griechenland
Wo sie alleine war
Mit ihrer Tochter
Deiner Tochter
Die euch nicht mehr verbindet
Du stehst leicht versteckt hinter der Schulter dieses Typen
und guckst da rüber als hättest du einen Geist gesehen
Hast du ja auch
Den Geist vergangener Urlaube
Vergangener Umarmungen
Vergangener Küsse
Vergangener Berührungen
vergangen, alles
Vergangener Liebe
Der Bus kommt
Der Bus zu deiner neuen Wohnung
Heute ist María bei dir
Morgen bei ihr
Am Montag wieder bei dir
María, die euch beide in sich hat
Aber die ihr nicht mehr beide habt
Du steigst in den Bus ein
Setzt dich hinten hin
Weil es da kühler ist
Es ist der heißeste Tag des Jahres
36 Grad
Und du guckst zu ihr rüber
Als hättest du einen Geist gesehen
Den du berühren könntest
Den du nicht mehr erreichen kannst
Obwohl du weißt,
dass du sie immer lieben wirst
deine kleine Latina
die du vergrault hast
mit deinem Pessimismus
mit deinem fehlenden Vertrauen
mit deiner Eifersucht
deinen Ultimaten
Eine Familie sitzt dir im Weg
Du siehst sie nicht mehr richtig
Und trotzdem hat diese Begegnung deine Welt erschüttert
In ihren Grundfesten
Deine kleine kaputte Welt
Die nicht heilen will
Einfach nicht heilen will
Wie eine rote Wunde
Du siehst sie nicht richtig
Guckst als hättest du einen Geist gesehen
Das Kind guckt zu dir rüber
Der Alte auch
Wie du guckst
Als könntest du nicht vergessen
nicht vergessen
was mal war
was nie wieder sein wird
Und dann ist der Bus weg
Im Tunnel verschwunden
Und du siehst sie nicht mehr
Vielleicht nie wieder
in deinem Leben
Deine kleine Latina
Die du so liebst
Wie am ersten Tag.












Sonntag, 21. August 2016

Alles Verarschung: Zwischen Schein und Sein







Heute musste er tatsächlich fast wieder heulen. Bei Cuéntame como pasó, einer seiner spanischen Serien – komischerweise sind es immer die spanischen, bei denen er heulen muss, bei denen die Emotionen ihn förmlich übermannen). Ich weiß, er ist auch von Natur aus schon ziemlich nah am Wasser gebaut, aber das heute war  wirklich etwas Besonderes.

Tage wie diese... (II)








Als du vor die Tür trittst, pisst es wie aus Kübeln. Ich meine, du hattest den Regen schon gehört, als du heute Morgen auf dem Klo warst und das Fenster gekippt hattest – damit die Nachbarn auch was davon haben. Aber hier draußen ist das schon was anderes. Also nimmst du den großen Schirm mit, den du auf der Arbeit geklaut hast. Den von diesem Hotel, irgendwas mit Resort, keine Ahnung. Von irgendeinem reichen Araber bestimmt. Aber schon nach fünf Minuten Laufen ist der linke Ärmel deines Trainingsanzugoberteils fast bis auf die Haut durchweicht. Scheiße, was soll das erst später geben. Aber im Wald wird es besser. Durch die Bäume, die halten den Regen ab. Zumindest zum Teil.

Freitag, 19. August 2016

Vater werden ist nicht schwer...

 







Meine Frau ist schwanger…“, sagt sein Kollege, als er ihn nachts nach Hause fährt.

„Hey, Herzlichen Glückwunsch!“

„Danke.“

„Dann muss die sich auch schonen, ne.“

„Ja.“

„Im wievielten Monat ist die denn?“

„Im dritten.“

Viel Spaß!




Larson liebt es zu denken.

Und gleichzeitig hasst er es.

Aber das ist egal, denn er kann eh nichts dagegen machen, er kann sie nicht abstellen, die Gedanken, die ihn Tag und Nacht verfolgen, die ihm bei jeder Gelegenheit durch den Kopf schießen. Er denkt einfach über alles nach, immer wieder, wie eine Kuh, die immer wieder das gleiche Gras wiederkäut. Bis es verdaut ist. Und dann fängt sie – genau wie er – wieder von vorne an…

Donnerstag, 18. August 2016

Mitleid - Folge 385: "Der Arme"













Er geht die Straße zur Hauptstraße hoch. Plötzlich kommt ihm dieser Typ entgegen. Der wohnt glaub ich sogar gegenüber von ihm.

Hast du den Typen gesehen? Der hat so was im Gesicht. So einen Fleck. Einen Riesen-Leberfleck. Oder eine Verbrennung, keine Ahnung, was das ist. Der geht mir voll auf die Eier.

Lass ihn doch. Der Arme…

Mich lässt ja auch keiner. Mich lässt ja auch keiner so leben wie ich bin. Wie ich will. Wie ich wirklich will… Oder?! Bei mir sagt ja auch keiner „der Arme“. Wer hat denn Mitleid mit mir?! Niemand. Keine Sau. Dieses Lied von Johnny Cash, wo der sagt, dass niemand mit ihm Mitleid hat. Wie heißt das noch mal? Nobody. Ja, das ist es, Nobody! No mothafucka!



Die einzige Person, mit der ich vielleicht noch Mitleid hätte, die mein Mitleid vielleicht noch verdient hätte bist du. Und du brauchst mein Mitleid nicht, glaub mir das. Du willst es gar nicht. Denn kein Mensch braucht Mitleid. Mitleid ist nicht gut



Mitleid ist im Endeffekt doch nur Selbstmitleid. Man fühlt doch nicht mit den anderen, sondern nur für sich selbst Mitleid. Und Selbstmitleid braucht wirklich keiner. Genau wie ein schlechtes Gewissen. Das verfickte, verfluchte Über-Ich. Das wortwörtlich über einem steht. Einem über die Schulter guckt…



Außerdem kenne ich den. Der fährt immer mit mir im Bus, nachts um zwei. Der hat mich einmal sogar angequatscht, als ich ein Bayern-Trikot anhatte. Da hat er irgendeinen Kommentar fallen gelassen. Von wegen: Die kaufen doch eh nur alles leer. So ein Schwachsinn. Als ob Ramos, Aubameyang, Sokratis und wie sie alle heißen (die Zecken), als ob die alle auf und um den Borsigplatz aufgewachsen wären. Was für eine Verarschung!




Sein Bein juckt immer noch. Die Insekten haben auch kein Mitleid. Das sind ja auch wilde Waldinsekten, keine Stubenfliegen. Aber auch die Stubenfliegen können einen die ganze Nacht lang nerven. Die machen das einfach so, weil die das machen. Die nerven oder stechen zu, einfach so, weil die das müssen. Von Natur aus. Die denken da nicht drüber nach. In der Natur hat auch niemand Mitleid. Im Tierreich. Oder meinen Sie, menschliche Zivilisation oder Kultur oder was auch immer uns von den Tieren unterscheidet, wäre genug um die menschliche Natur, die Triebe zu verdrängen oder gar vergessen zu machen?




Heute Morgen lief so ein Bericht im Fernsehen. Bei Volle Kanne. So ein Interview mit einer Schriftstellerin, keine Ahnung wie die hieß (deutsche Schriftsteller kenne ich eh nicht). Die redete über ihre Kindheit, in den 60er oder 70er Jahren. Keine Ahnung. Auf jeden Fall gehörten ihre Eltern der 68er Generation an. Auf jeden Fall sagte die irgendwas von wegen die Freiheit der 68er sei ja schön und gut gewesen. Das hatte ja alles seine Vorteile und so. War ja alles toll, nur dass die keine Bindung zu ihren Kindern aufgebaut haben, hatten. Die hätten oder haben alle so an sich, an ihre eigene, persönliche Verwirklichung, ihre In.di.vi.du.ali.tät gedacht, dass man sich da schon ein bisschen vernachlässigt fühlte. So sagte die das zumindest, diese Schriftstellerin. Jeder hat sich nur um sich gekümmert…und dann bleiben die anderen außen vor. Wurden vernachlässigt. Ja, genau, das sagte sie, „Vernachlässigung“. Sie sagte nicht Missbrauch. Emotionaler Missbrauch. Er würde Missbrauch sagen. Schon allein wie die einem ins Gesicht gepafft haben, diese Arschlöcher. Ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Ohne Reue.



Danach läuft noch so ein Bericht. Über einen Typen, der 11 Jahre arbeitslos ist (und da sprechen manche von Lügenpresse!). Der war vorher Goldschmied gewesen, aber dann kam irgendwann industriell gefertigter Schmuck auf und keiner wollte mehr seinen handgemachten Schmuck kaufen. Weil der zu teuer war oder warum auch immer. Auf jeden Fall war der dann beim Arbeitsamt und die haben dem dies und das angeboten, er hat eine Umschulung und keine Ahnung was noch, aber das war alles irgendwie nichts Richtiges und so ist er dann arbeitslos geblieben. Mittlerweile ist er 47. Hat eine Tochter, die aussieht wie ein Goth oder Emo in seiner beziehungsweise ihrer rosa Phase, und die dann natürlich auch noch zu Wort kommt, kommen muss (als Tochter!). Und die sagt tatsächlich: „Mein Vater ist nicht so wie andere Väter. Der unternimmt immer was mit mir. Immer wenn ich bei dem bin. Alle zwei Wochen, am Wochenende.

Moment mal. Hat er das gerade richtig gehört?! ALLE ZWEI WOCHEN AM WOCHENENDE????!!!! Man muss sich das echt mal auf der Zunge zergehen lassen. Wie eine Pille, eine bittere Pille: Alle zwei Wochen, am Wochenende. Boah, und dann macht der auch noch jedes Mal was mit der. Ist das nicht geil?! Was für ein geiler Vater! Ich mein, die sagen ja nicht, woran das liegt, dass die den nur alle zwei Wochen sieht, aber dann ist der da. Dann steht er Gewehr bei Fuß. Wie ein richtiger Vater. Vielleicht will er sie ja auch nur alle zwei Wochen bei sich haben?! Wer weiß das schon?! Vielleicht feiert er ja den Rest der Zeit von seinem Arbeitslosengeld wilde Sex-Partys mit Prostituierten und Nachbarinnen und anonymen Internet-Bekanntschaften? Auf denen seine Tochter natürlich fehl am Platz wäre. Vielleicht wurde er ja sogar gefragt, vielleicht hat sie ja sogar gesagt: „Komm, lass uns uns jetzt mal ganz vernünftig zusammensetzen und die Sache durchsprechen. Die Sache mit unserer Tochter. Ja, diese Sache. Vielleicht lief das ja ganz „vernünftig“ ab, ganz „gesittet“, ganz „zivilisiert“. Wir sind ja schließlich immer noch in Deutschland. Noch… Da kommen doch keine unerwünschten Gefühle dazwischen. In Deutschland doch nicht! Wer braucht denn schon Gefühle?! Erst recht nicht in Deutschland. Vielleicht ist die Trennung/Scheidung ja in „beiderseitigem Einverständnis“ verlaufen. In „beiderseitigem“ „Einverständis“, dieses ultimative aller Totschlagargumente, wobei er persönlich (aber er ist ja eh bekloppt, das wissen Sie ja schon aus den anderen Posts in diesem Blog) immer ins Grübeln kommt: Wenn man sich schon so friedlich, so „einverständlich“ trennt, warum trennt man sich dann überhaupt?

Aber dann geht selbst ihm ein Licht auf. Die Antwort ist doch sonnenklar: Weil das gegenseitige Auseinanderleben genau parallel verlaufen ist. Ist doch logisch, oder nicht?! Dat soll et ja uch jevve, dat… Im Ersten und Zweiten noch öfter als bei den Privaten, wo die eher auf „mitten im Leben“ setzen: Polizeiintervention, überraschende Wendungen, dunkle Geheimnisse, Prostitution, Drogen- und Spielsucht und Gott weiß was sonst noch. Aber am Ende wird alles genauso gut wie im Ersten oder Zweiten.

Aber jetzt mal ganz ehrlich: Es können doch nicht alle so High-Conflict-Scheidungen durchlaufen wie du. Oder?! Wo würden wir denn dann hinkommen?! Wenn sich alle nur noch bis aufs Blut bekriegen würden. Dafür sind doch Goldschmiede auch viel zu friedlich. Da braucht es schon einen ausgewachsenen (oder vielleicht doch noch nicht ganz so erwachsenen) Philologen. Der kann Ihnen dann auch erklären, dass das neudeutsche „High-Conflict“ den Konflikt doch schon wieder ein bisschen entschärft. Oder sagen Sie nicht auch gerne mal „Fuck“, wenn etwas schiefläuft?! Selbst wenn nicht, dann auf jeden Fall öfter als ficken. Oder die Bundeswehr-Variante desselben: „Was für eine Fickscheiße! Und so sind nur noch ein paarJugendliche frustriert. Aber wie sie an der Tochter unseres „armen“ (ist das jetzt Mitleid oder Tatsache?) Goldschmieds sehen können, gehört die nicht zu den wenigen, frustrierten Jugendlichen, die die Toten Hosen besingen. Die gehören mittlerweile ja auch einer ganz anderen Generation an…












Traumdeutung: Fotos








Er sitzt auf einem Riesenbett und guckt Fernsehen. Er hat sich hierhin, in diesen großen Raum, zurückgezogen, um seine Ruhe zu haben. Das Bett ist riesig, viel zu groß für ihn; und vor allen Dingen zu hoch, er sitzt locker zwei Meter über dem Boden. Und guckt Fernsehen. Hat seine Ruhe von der Welt.

Mittwoch, 17. August 2016

Türen und Fenster in der Nacht













„Gestern Abend war irgendwie komisch. Ich konnte nicht schlafen und da hab ich die Tür gehört. Die Haustür…das war komisch. Ich könnte schwören…“



„Ich hab da ja so eine Theorie… Dass die Mama nachts zu dir kommt und dann hier übernachtet…“

„Ja, klar“, antwortet sie.

Irgendwie nicht sehr überzeugend.

„Ist ja nur so eine Theorie.“ Er lacht.

So ein Instinkt. Du musst deinen Instinkten vertrauen. Du musst lernen, deinen Instinkten zu vertrauen.

Deinen Killer-Instinkten.




Ein paar Tage später – er liegt gerade im Bett und chattet mit Cristina aus Madrid – hört er wieder Geräusche im Flur. Oder bildet er sich das nur ein. So wie früher, als oben noch diese Schwarzen wohnten, diese Frau und ihr Bruder. Da hörte er auch immer, wie sich seine Tür bewegte. Vielleicht ist das ja auch nur Quatsch. Vielleicht werde ich ja langsam echt bekloppt. Wär ja kein Wunder, bei all der Scheiße.


Aber kurz darauf ist da wieder etwas. Und diesmal könnte er schwören, dass das die Haustür war. Denn die macht eindeutig Geräusche, wenn die geöffnet wird, denn das ist eine dieser alten Holztüren mit Glaseinsatz. Die quietscht zwar nicht immer, aber die macht Geräusche. Immer. Jedes Mal, wenn man sie öffnet. Er lauscht und starrt auf die Tür, die sein Schlafzimmer vom Flur trennt. Scheiße, die ist nicht zu, denkt er, steht so leise wie möglich auf und zieht sich die blaue Shorts an. Denkt einen Moment, sich eine der Glasflaschen zu nehmen, die hier überall rumstehen. Aber dann such er nur seinen Schlüssel. Als er ihn gefunden hat, öffnet er langsam die einfache Holztür, die den Flur mit seinem Schlafzimmer verbindet. Nichts. Er tritt in den Flur und macht das Licht an. Das Flurlicht ist mit dem Außenlicht verbunden, so dass draußen, vor der Tür, auch das Licht angeht. Er tritt in den Hof und hört ein Auto vor dem Haus losfahren. Ohne nachzudenken geht er schnell zum Tor zur Straße, öffnet es und da steht wirklich jemand. Ein Typ. Keine drei Meter von ihm entfernt. Auf der Straße um halb zwölf. Als der Typ ihn sieht, geht er gegenüber in das Haus. Da, wo der Handwerker seine Firma hat. Komisch, der sah noch ziemlich jung aus. Den hab ich hier noch nie gesehen. Komisch. Das Auto verpasst er leider. Scheiße. Denn genau in dem Moment, in dem er auf die Straße tritt, ist es weg. Er hat noch nicht mal Zeit, sich die Marke oder gar das Nummernschild zu merken. Er blickt zum Fenster seiner Tochter. Die Jalousie ist unten, aber es kommt ihm so vor, als wäre da Licht. Als hätte sie noch Licht an…


Später tritt er noch mal vor die Tür, in den Innenhof, bleibt aber vor dem verschlossenen Tor zur Straße stehen und lauscht in die Nacht hinein. Er hört nichts, spürt aber was. Fühlt was. Plötzlich dreht er sich um und geht zurück zur Haustür. Heute ist Vollmond. Er sieht den hellen Mond zwischen den Bäumen, geht zurück in den Flur und schließt die Haustür leise mit dem Schlüssel ab