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Sonntag, 5. Januar 2025

Ein Besuch im Zoo








"Ich war letztens im Zoo, sagt seine Kollegin bei Schichtwechsel zu ihm. Die hatten da diese China Lights ...“


Echt?“


Was wohl Viktor dazu sagen würde, zu den Chinesinnen?

Freitag, 9. Juni 2017

Mörderische Instinkte




Dieser Typ kommt an die Bar. Der Ex-Soldat, der früher sogar in Afghanistan war und der jetzt Pathologie studiert. Oder Gerichtsmedizin? Oder ist das das Gleiche? Während ich ihm einen Cappuccino Choco mache, sehe ich ein Insekt oberhalb der Spüle, unter der Bar. Ich hole mit dem Spüllappen aus und treffe es. Der Ex-Soldat guckt mich erstaunt an und ich sage zur Erklärung: „Da war ein Tier…“

Samstag, 8. April 2017

Juckt's dich...dann ist es Liebe
















Er sitzt auf der Arbeit auf dem Klo und endlich schafft er es sein Häufchen zu machen. Obwohl er heute Morgen eigentlich schon „groß“ war. Aber das ist die Nachhut, die er sonst eigentlich auch immer hat. Die Hose hängt zwischen seinen Füßen, darüber die Unterhose, die auch ihre beste Zeit schon hinter sich hat. Die sieht fast aus wie ein männlicher Tanga, mit ihren Stoffstreifen, die sich auf beiden Seiten vom Hauptteil gelöst haben. Siehst du, ich kann das auch nachvollziehen, was die letztens über allzu knappe Damenunterwäsche gesagt haben…, denkt er,…dass die dünnen Stoffstreifen oft scheuern, zwischen den Beinen  und an anderen Stellen, zwischen anderen Körperteilen. Dass das unangenehm ist. Ja, ihm ist das auch unangenehm, dieses Scheuern. Und wie das wehtut! Er läuft schon extra wie ein Roboter, breitbeinig, aber selbst das lindert den Schmerz nur minimal. Wie der Dalek. Er hat sich heute Morgen wieder mal einen Wolf gelaufen, als er im Wald unterwegs war. Einen Wolf zwischen den Beinen. Aus dem Wald mitgebracht.


Sonntag, 26. Februar 2017

Otto, mein Wellensittich
















Nachts im Bett, kurz vor dem Schlafengehen, denkt er an den Wellensittich, den er damals als Kind hatte. Der hieß Otto (ich weiß, ich weiß…) und war blau. Königsblau, mit einem weißen Köpfchen. Ein eleganter, stolzer, schöner Vogel.

Und irgendwann war er weg. Keine Ahnung, wie alt er damals war. Vierzehn? Dreizehn? Ich weiß es nicht mehr. Auf jeden Fall hatte seine Mutter vergessen, ein Fenster zuzumachen, als sie ihn für seinem täglichen Ausflug durch den Wintergarten aus seinem Käfig ließ. Und Otto nutzte seine Chance auf ein Leben in Freiheit. Tiere denken da ja nicht groß drüber nach. Nicht wie Menschen. Nicht wie du.

Otto war weg und er hatte nachts geheult. Jede Nacht. War untröstlich. Wie schön es wäre, ich könnte sagen, das war, als er erst zwölf oder dreizehn war, aber ich bin mir da nicht sicher. Nachts im Bett heulte er sich die Augen aus und betete. Das ist wohl das, was die in den Büchern als "Vulnerabilität" beschreiben. Vulnerabilität in einem frühen Stadion. In diesen ganzen Büchern über Depressionen.

Jede Nacht betete er. Immer wieder. Immer wieder das Vaterunser, das einzige Gebet, das er kannte. Kennt. Bis heute. Betete dafür, dass Otto zurückkam. Durch irgendeinen Zufall. Betete, dass er einfach wieder von draußen hineinfliegen würde, zurück in seinen Käfig. Aber schon damals wusste er, obwohl er noch jung war, dass das nicht sehr wahrscheinlich war. Also heulte er noch mehr. Heulte und betete. Er war schon damals nicht sehr gut auf das Leben auf diesem Planeten vorbereitet. Wie soll man sich denn auch darauf vorbereiten?! Er wusste nur, dass sein Vogel, sein geliebtes Vögelchen, sein pájarito weg war. Für immer weg war. Er schluchzte und betete, während seine Mutter beim Schuster unten in der Straße einen Zettel ins Schaufenster hängte. Tat ihr der Abschied von Otto etwa auch weh?! Tat er ihr leid?! Ein Zettel, dass uns ein Wellensittich entflogen war. Mit Telefonnummer. Ein blauer Wellensittich. Namens Otto. Oder schrieb sie das da nicht rein...?

Und dann passierte das Wunder! Das Wunder von Bonn. Ein kleines, alltägliches Wunder. Kein großes. Denn es ging ja damals noch nicht um Leben und Tod. Dann passierte das Unerwartete. Denn da rief tatsächlich jemand an. Ein Nachbar. Der ein paar Häuser weiter unten wohnte. Ein alter Mann, glaub ich. Der auch einen Wellensittich hatte. Ein Weibchen. Ein Weibchen? Keine Ahnung. Oder er hatte sogar mehrere. Ich weiß es nicht mehr. Und Otto, der Schlawiner, war gar nicht so weit gekommen, auf seiner Flucht vor Käfig und Gefangenschaft. Auf seiner Flucht vor der Einsamkeit eines Junggesellen (heute weiß ich natürlich, dass man die nicht allein halten sollte, Wellensittiche, weil die sonst einsam werden...und verhaltensgestört...). Nein, Otto war geradewegs ein paar Fenster weiter schon wieder reingeflogen. Da, wo die anderen Wellensittiche waren. Vielleicht hatte er ja sogar die fremde Sittichdame schon mal gehört. So weit war das gar nicht. Keine zwanzig Meter Luftlinie. Hatte sich vielleicht mit ihr schon „unterhalten“, seine Flucht geplant. Auf jeden Fall war er da gelandet und der Mann hatte ihn zu sich genommen. Vielleicht hatte er ja sogar Spaß auf seiner Flucht. Mehr Spaß als alleine in dem immer leicht düsteren Wintergarten im Haus meiner Eltern. Vergnügte sich mit der Sittichin. Und als der Mann das dann las, beim Schuster im Schaufenster, musste er nur noch eins und eins zusammenzählen und ich hatte meinen Wellensittich wieder. Meinen Otto. Musste nicht mehr nachts heulen und nur noch einmal abends vor dem Schlafengehen beten. Wie vorher. Und war wieder glücklich

Otto war doch auch zurückgekommen. Und Conchita auch, am Ende. Als sie an meine Tür im Wohnheim klopfte und plötzlich da stand, ganz allein. Warum konnte dann nicht

Warum kann dann nicht

Wenn du schon mal Glück gehabt hast

Schon zweimal Glück gehabt hast

Warum kann dann nicht

wieder ein Wunder geschehen. Ein kleines, alltägliches Wunder. Mehr will ich in meinem kleinen, alltäglichen Leben ja gar nicht

Aber es braucht schon ein Wunder, denkt er. An dem Tag, an dem Hamburg von den Bayern brutalst vermöbelt wurde, woran man sieht, dass Wunder eher selten passieren


„Bitte Gott, bitte, gib mir Nadine zurück!“, sagt er halblaut, bevor er sich hinlegt. „Bitte.“

„Bitte Gott, bitte!“

„Otto ist doch auch zurückgekommen. Und Conchita.“

„Bitte…“


Dann hat er plötzlich eine neue Idee: Vielleicht kommt sie ja zurück, wenn er genug gelitten hat. Lange genug gelitten hat, um die Fehler in seiner Ehe ausgeglichen zu haben. Den Kosmos wieder ins Gleichgewicht gebracht hat. Vielleicht












Freitag, 17. Februar 2017

Roma 2012 (Teil II)











Just a perfect day
Drink Sangria in the park
And then later
When it gets dark, we go home

Just a perfect day
Feed animals in the zoo
Then later
A movie, too, and then home

(Lou Reed - Perfect Day)






Aber obwohl ich mich daran erinnere, dass ich in diesem Jahr, und vielleicht sogar in diesem Urlaub, angefangen habe, ernsthaft Rammstein zu hören, so war doch das Lied dieses Sommers nicht etwa Mein Teil, Dalai Lama, Los oder Keine Lust – obwohl du diese Lieder und besonders Los oder Keine Lust auch richtig geil fandest, während María mehr auf Amerika stand (bis heute kann sie sogar Du hast mitsingen, keine Ahnung warum…).

Dienstag, 22. November 2016

Dartscheibe zu Weihnachten






Im Aldi sehe ich sie, bei den Weihnachtssachen. Bei den Weihnachtsgeschenken.

Und direkt wirft es mich zurück. Nach damals, wo ich die Dartscheibe, die sie mir zu irgendeiner Gelegenheit – ich glaube zu Weihnachten, war es unser letztes Weihnachten? – geschenkt hat und die ich aus Wut zerschmettert habe. Obwohl ich die Pfeile bis heute habe. bis heute aufbewahre wie einen Schatz. 

Wo ich die Dartscheibe im Keller gegen die Steinwand gehauen habe, bis sie ganz verbogen war. Bis sie kaputt war.

Sonntag, 23. Oktober 2016

Traumdeutung: Insekten, Spinnen und Hackfleisch










Nachts träumst du von Spinnen. Horror.

Du hattest schon vorher, als du nach Hause kamst und mit deinem Topf Nudeln mit Hackfleisch im Bett lagst, so ein komisches Gefühl. Vielleicht lag das ja daran, dass du später auch noch von Spinnen geträumt hast. Wer weiß. Du kamst wie gesagt nach Hause, legtest dich ins Bett, vor dir der Topf mit den restlichen Nudeln mit Hackfleisch, Zwiebeln, Knoblauch und Bolognese-Sauce, und auf einmal hattest du ein ganz komisches Gefühl. Einen Moment lang dachtest du, dass sich in den Nudeln etwas bewegte. Oder daneben, neben dem Topf im Bett. Keine Ahnung. Das sieht man ja auch nicht unbedingt, in einem Topf voller Nudeln und Hackfleisch, bei all den Krümmungen und Windungen, ob sich da nicht doch ein Insekt drunter befindet. Es ist ja nicht das erste Mal, dass er einen dieser grünen oder braunen Käfer in der Wohnung findet. Das bleibt ja nicht aus, wenn man in der Nähe des Waldes wohnt. Letztens spazierte so ein Käfer, mit all seinen Stacheln und Panzern und Fühlern seelenruhig über das schneeweiße Betttuch. Bis er ihn mit einem Hausschuh ins Jenseits beförderte – direkt nachdem er den ersten Schreck verdaut hatte. Und in der Küche hat er letztens auch einen runden, grünen Käfer erwischt, wie er über die Ablage neben der Spüle und unter dem Fenster spazierte. Der war ein bisschen schneller, aber auch nicht schnell genug. Und wer weiß schon, was sonst noch so alles durch die Wohnung marschiert. Er denkt manchmal was passieren würde, wenn man alle Insekten in seiner Umgebung sichtbar machen könnte, zum Beispiel wie bei einem Nachtsichtgerät in Rottönen. Wahrscheinlich würde man dann schreiend rauslaufen, doch wenn die draußen genauso sichtbar wären, wäre das sicherlich auch keine Lösung…

Aber das war komisch, das mit dem Essen. Da hatte er einen richtigen Horror. Denn er glaubt wirklich die ganze Zeit aus dem Augenwinkel etwas gesehen zu haben. Wie sich etwas bewegte. Entweder im Topf oder unmittelbar daneben. So sicher war er sich da nicht, aber das war schon komisch. Aber wahrscheinlich kann man auch nicht immer seinem Instinkt, seinem Bauchgefühl vertrauen. Obwohl die das immer sagen: Hör auf deinen Bauch. Vielleicht war das auch, weil es schon spät war (zwei Uhr nachts, um genau zu sein)… Und er müde war… Denn wenn da wirklich etwas drinnen gewesen wäre…dann wäre das Tier, das Insekt doch bestimmt vor seiner Gabel geflüchtet oder. Raus aus dem Topf. Und dann hätte er es bestimmt entdeckt, irgendwie. Und am Ende war auch der Hunger stärker, denn die Nudeln jetzt nicht zu essen oder gar wegzuschmeißen, das wäre dann auch zu viel des Guten. Nur, weil man das Gefühl hat, dass sich da drinnen was bewegt. Außerdem entdeckt man das ja so oder so, früher oder später, je leerer der Topf wird. Das heißt nur, wenn man es nicht vorher bei lebendigem Leib aus Versehen mitgegessen hat (man sieht ja die Fühler und den Kopf nicht, wie er verzweifelt versucht, sich aus dem Mund hinaus zu winden. Und er sah nichts, auch als der Topf immer leerer wurde nicht. Das sind doch Fluchttiere – wie deine Ex –, die bleiben doch nicht im Topf und stellen sich dem Kampf mit deinem hungrigen, dicklippigen Mund. Ne, da war nichts.

Aber vielleicht außerhalb des Topfes… Zur Sicherheit guckte er am Ende noch mal in den leeren Topf. Aber da war nichts. Kein Insekt, nichts. Nur rote Saucen und halbweiße Nudelreste. Kein Tier, geschweige denn eine…


Aber vielleicht wirkte das ja noch nach, wirkte noch in seinen Traum hinein. Vielleicht war es ja auch sein voller Magen vor dem Schlafengehen, der ihn schlecht träumen ließ (das soll ja auch nicht so ideal sein), mit oder ohne Fleischbeilage in Form von Insekten. Das war ja auch fast ein halber Topf Nudeln. Auf jeden Fall hatte er einen ganz komischen Traum. Er lag im Bett, das – glaub ich – auch seins war, war wach und rund um das Bett herum waren Spinnen. So richtig große. Manche mit langen, dünnen Beinen und Körpern und manche mit kräftigen, haarigen Beinen und Körpern. Groß wie Vogelspinnen – sowohl die dünnen als auch die dicken. Die saßen da ganz komisch, alle hintereinander in einer Reihe, in einer Linie, so als wären die Teil einer Armee, so als wären die irgendwie organisiert. Ganz viele, überall um das Bett herum. Lauernd. Darauf wartend, dass er den ersten Move macht, den ersten Schritt. Um dann blitzschnell zuzuschlagen. Sobald er sich auch nur einen Zentimeter bewegte. Aber im Moment verharrten die noch alle in ihrer Aufstellung. Fein säuberlich nach Spinnenarten getrennt. Scheiße. Es gab kein Entkommen. Die waren überall. Wenn er aufgestanden wäre, wäre er hundertpro auf mindestens eine draufgetreten. Und ob die dann so ruhig, so diszipliniert geblieben wären. In Reihe und Glied. Am Ende – aber das weiß er nicht mehr ganz so genau (Träume sind so schnell wieder weg, sobald man aufwacht) – hat er glaub ich doch versucht, eine von denen zu töten, nach ihr zu schlagen. Eine von den fetten, haarigen. Nicht von den dünnen, langbeinigen, unbehaarten. Er hat nach ihr geschlagen, ich glaube sogar mit irgendeinem Gegenstand (einem Messer?) und ist richtig tief eingedrungen in ihr fettes Fleisch. So dass das Blut förmlich spritzte. Das Spinnenblut. Das es dieser Plätschergeräusch machte oder wie auch immer man es nennen soll, wenn es spritzt. Und dann ist er aufgewacht, wahrscheinlich weil sein Körper, oder Kopf, den Traum nicht mehr länger aushalten konnte…

Er hat zwar nicht geschrien – wie letztens, als er nachts plötzlich das Gefühl hatte, dass irgendwas mit seinem Körper nicht stimmte, mit seiner Durchblutung, dass er vielleicht sogar einen Schlaganfall oder Herzinfarkt bekommen könnte, dass er sterben könnte. Aber er ist ins Bad gerannt, den Boden genau musternd – ob sich das was bewegte – und hat sich vor den Spiegel gestellt. Warum stellt man sich bei Alpträumen eigentlich immer im Bad vor den Spiegel? Um sich selber wieder bewusst zu werden. Dass man (selbst) noch da ist. Dass das prekäre „Ich“ noch existiert und nicht vom „Es“ aufgefressen wurde. Doch, er sah gut aus im Spiegel. Trotz seiner bald vierzig Jahre.

Das hielt ihn aber nicht davon ab, danach nicht mehr einschlafen zu können, das Licht anzulassen (beide Lampen!), das Bett nach Insekten abzusuchen, immer noch dieses komische Kribbeln in den Beinen zu verspüren. Unter der Decke… Immer wieder aufzustehen, den Fernseher einzuschalten. Auf N24, wo er direkt auch erfuhr, dass er erst 5:34 war (er war erst so um zwanzig nach zwei eingeschlafen), also noch viel zu früh, um wach zu bleiben. Also ging er wieder zurück ins Bett, zurück unter die Decke, zurück zum hoffentlich psychosomatischen Kribbeln in den Beinen, zurück zu den wie bei einem Nachtsichtgerät rot leuchtenden Insekten…

Im Fernsehen lief ein Bericht über die Entstehung und Verbreitung der Atombombe. Für die Leute, die um fünf Uhr morgens noch nicht genug Panik haben. Oder zum Frühstück, für die Frühaufsteher. Aber das war interessant. Wie oft bei N24. Dem Weltuntergangssender, der sich schon sehr ausgiebig mit den Krieg, Bomben, Naturkatastrophen, Außerirdischen, den Sieben Siegeln und dem All beschäftigt. Aber doch nicht so sehr, dass er am Ende nicht doch wieder eingeschlafen wäre…











Sonntag, 7. August 2016

Insekten im Wald


  



Im Wald, auf dem Rückweg von seiner langen Sonntagstour, nervt ihn wieder eine Fliege. Oder ein Insekt. Die ganze Zeit fliegt sie oder es um ihn herum und lässt einfach nicht locker. Scheiße! Und wenn das eine Biene, eine Wespe oder gar eine Hornisse ist? denkt er. Oder eine dieser Pferdefliegen, die die Quaddeln am Bein machen, die nicht mehr normal sind? Handtellergroß und juckend wie Sau. Wochenlang. Scheiße. Also rennt er los, obwohl er eigentlich nur noch Kraft zum Walken hat und sein linkes Knie wehtut. Er joggt ein paar Meter, aber das Tier ist immer noch da, taucht immer wieder vor seinem Gesicht auf, scheint ihn in großen Kreisen zu umzirkeln, wie ein Raubtier seine Beute. Langsam, bedächtig, in Lauerstellung. Und jedes Mal, wenn es wieder da ist, rennt er wieder los, läuft ein bisschen, immer in der Hoffnung, dass es irgendwann verschwunden sein wird, die Hoffnung aufgegeben hat. Wenn er nur weit und oft genug weggerannt ist… Mittlerweile keucht er schon richtig. Und so zieht er natürlich noch mehr von diesen Tieren an. Das hat er gelesen: Insekten reagieren auf Kohlendioxid im Atem, die können den auf fünfzig Meter Entfernung riechen. Und das produziert der Körper besonders stark, wenn er Sport macht. Und auch sein persönliches Insekt taucht immer wieder auf, immer gerade dann, wenn er denkt, dass er es jetzt endlich losgeworden ist. Sogar an seiner Seite, an seinem Ellbogen, so dass er es immer wieder wegschlagen muss. Ist das etwa eine Biene? Oder eine dieser fiesen Fliegen, die stechen. Bremsen, Pferdefliegen, wie auch immer die heißen. Das sieht bestimmt voll bekloppt aus, wie er wild gestikulierend durch den Wald rennt, aber was soll er denn machen?! Wenn das Tier immer noch an ihm hängt, immer wieder vor ihm auftaucht, selbst wenn er rennt. Außerdem sind hier komischerweise gar nicht so viele Leute unterwegs. Selbst beim Insektenwegschlagen denkt er an die Leute…unglaublich.

Und plötzlich denkt er: Zuhause bin ich doch auch auf Fliegenjagd gegangen, heute, habe im Sitzen vom Klo aus zwei Fliegen erschlagen, mit dem Handtuch. Obwohl: Die eine war schon tot und die andere saß bei ihr, so als würde sie trauern. Oder sie fressen wollen. Er hat dann beide weggewischt, mit dem Handtuch, hat extra noch ausgeholt. Und danach gab es keinen Mucks mehr. Also: Warum bleibe ich nicht einfach stehen und töte das Inselt? Warum renne ich immer weg? Aber er hat nichts, womit er schlagen kann. Nur sein Portemonnaie…und seinen Schlüssel! Das ist es! Er holt den Schlüssel aus der Arschtasche und schwingt ihn drohend durch die Luft. Wenn du mich nicht ihn Ruhe lässt…dann wirst du sterben! Du Insekt, du! Du Tier, du! Und da ist es auch schon, taucht plötzlich zu seiner Rechten auf. Er schlägt mit dem Schlüssel nach ihm und fängt dann wieder an zu laufen. Richtig schnell. Richtig zu sprinten. Keine Ahnung, ob er es getroffen hat. Ob das überhaupt einen Unterschied macht, wenn er mit dem Schlüssel nach diesem Insekt schlägt. Aber er kann ja nicht immer nur weglaufen, vor den Problemen, das hat ja bisher auch nicht viel gebracht. Er muss sich seinen Feinden stellen, muss sich endlich wehren. Und tatsächlich: Zuerst ist es noch da und er denkt, das ist schon etwas anderes, so ein wildes Insekt in freier Natur und so eine pissige Fliege auf dem Badezimmerfenster, die eigentlich nur raus will. Aber dann merkt er, dass das Tier endlich weg ist. Er weiß nicht, ob das daran liegt, dass er sich mit dem Schlüssel gewehrt hat (er hat da so seine Zweifel – werden die nicht noch schlimmer, wenn man nach denen schlägt?! –, aber auf jeden Fall ist es weg und nervt ihn nicht mehr. Hauptsache weg!

Wenn das mit den anderen Leuten, die ihn nerven, doch bloß genauso einfach ginge…

Vielleicht tut es das ja auch…





…vielleicht war ja dieses Insekt nur hier, damit du etwas lernst…

…vielleicht ist es ja von Gott geschickt worden, damit es dir eine Lektion erteilt…

Aber welche denn? Dass es sich lohnt zu kämpfen? Dass das aber bei Hausinsekten besser geht als bei Waldtierchen? Dass es manchmal besser ist wegzurennen und manchmal besser sich zu stellen?

Dann war das aber ein ziemlich zweideutiges Insekt. Denn vielleicht wurde es gar nicht durch deinen heroischen Kampf unter Einsatz des Schlüssels vertrieben, sondern durch dein nicht ganz so heroisches Wegrennen…












Sonntag, 19. Juni 2016

Mein Hund ist tot






Es ist Samstag-Nachmittag und er betritt die „Halle“. Gisela wartet schon auf ihn, steht an der Theke. Da, wo sie immer steht, wenn er kommt. Wenn sie nicht gerade vor der vorderen oder hinteren Tür steht und raucht. In dem schmalen Durchgang zwischen Theke und „Aquarium“, dem viereckigen Kassenbereich, in dem sich die Wechselkasse, der Tresor und die Videoüberwachung hinter dicken Panzerglasscheiben befindet.

Dienstag, 14. Juni 2016

Meerschweinchen und der Harem









Im Fernsehen läuft ein Bericht über Meerschweinchen.

Meerschweinchen?!

Ich war auch mal mit einem Meerschweinchen zusammen. Un dich habe eins gegessen. In Ecuador.

Ihr Quieken erinnert an Schweine…so kam ihr Name zustande.

Ja, besonders beim Sex quieken die wie wild…

Niedliche kleine Nager, die als beliebte Haustiere gehalten werden…

Aber wenn sie erst mal die Scheidung wollen, sind sie gar nicht mehr so niedlich…

Meerschweinchen sind vor allem für Erwachsene geeignet…

Aber nicht für Erwachsene europäische Männer…

Meerschweinchen leben im Rudel. Die kleine Nager lieben es im Harem zu leben…möglichste ein kastriertes Männchen, auch Bock genannt (oder Rafael!), und viele Weibchen, im Fachjargon als Sau betitelt (Mandy, Nadine, Slainté – Weibchen, meine ich natürlich, nicht Säue).

Meerschweinchen sind übrigens Nestflüchter…

Oh ja! Das kann er nur bestätigen. Seins ist auch geflüchtet.

es ist wirklich faszinierend, sie zu beobachten, weil sie halt so ausgeprägt miteinander umgehen…

Oh ja!

wenn sie artgerecht gehalten werden…

Bitte nicht mit einem deutschen Schwein (oder auch Elefant genannt halten, das gibt nichts!)

Bei Bedarf müssen die Krallen geschnitten werden…

…damit sie sie nicht im Streitfall (und der tritt mit der Zeit immer öfter ein) eingesetzt werden können…

Es sind Beobachtungstiere. Keine Kuscheltiere.

Stimmt!

Sie haben eine natürliche Beißhemmung, sie beißen also nicht…

…dafür legen sie aber ein umso beindruckenderes passiv-aggressives Verhalten an den Tag, das wirklich interessant zu beobachten ist…

…sie sind sehr schreckhaft…und haben hohe Ansprüche…

Keine Ahnung, was die wollte. Konnte die mir ja auch nicht richtig sagen, die quiekte ja immer nur…

Viele Meerschweinchen vegetieren wirklich vor sich hin, in einem kleinen Käfig, im Dunkeln, auf dem Boden…und häufig wird dann nur ein Meerschweinchen.

Ok, ok, aber sie hatte ja täglich Auslauf. Konnte sich mit den anderen Nagern, mit den anderen Nervennagern, draußen treffen.

…die brauchen die Gemeinschaft, sogar den Harem…

Ja, ok, aber wie soll ich als fetter, deutscher Eber das verstehen. Die hätten sich ja wenigstens ein bisschen an ihre Umgebung anpassen können…

Wir ham hier auch Kerl dabei…das ist der Max, der da vorne frisst…ein stattliches Kerlchen…das ist immer so…möglichst einen Kastraten mit Weibchen halten…das können dann ganz viele sein (dann bleibt es wenigstens in der Familie!)…er ist alleine und hat viele Frauen…das geht bei uns in den menschlichen Kreisen natürlich, aber bei den Meerschweinchen auf jeden Fall…da findet auch keine Eifersucht statt…die Männchen sind kastriert (sicher, dass der kastriert ist?)…und die Weibchen werden ungefähr alle drei Wochen brünstig…und der Mann deckt die dann auch…alle hintereinander…es kommt natürlich nichts raus, aber die Mädchen mögen das…es wird sich liebevoll um sie gekümmert (was man von so einer fetten, einsamen Sau wie ihm natürlich nicht erwarten kann…), das hört sich ein bisschen skurril an, aber so ist das Meerschweinchen-Leben…so kann man sie auch am besten beobachten…man kriegt alles mit, fressen, decken…

Er auch. Unbewusst hat er das auch immer mitbekommen. Das war so ein Gefühl…so ein vages Gefühl…dass da noch mehr vor sich ging…als sein alleiniges Decken, Fressen…