An Weiberfastnacht muss ich an sie denken. Ich will nicht, aber ich
muss. Bestimmt, weil heute Weiberfastnacht ist und ich noch immer, fast drei
Jahre nach ihrem Weggang, Eifersuchtsanfälle kriege. Und ich dachte, ich hätte
das überwunden. So kann man sich täuschen! Was sie jetzt wohl macht? Ob sie
auch an mich denkt? Und ich deswegen gerade an sie denke? Bestimmt…
Wahrscheinlich ist sie tanzen. Mit irgendwelchen Freundinnen. Oder ihrem Neuen.
Ihrem Neuen und irgendwelchen Freundinnen. Bestimmt versteht der sich besser
mit denen als ich damals. Bestimmt mögen den alle. Sogar ihre Familie. Ihre
Schwestern. Ihr Schwager.
Ein Blog über das Leben, die Liebe, Beziehungen, Verlust, Angst, Spaß, die Lust, die Lust am Schreiben,Südamerika, Musik, südamerikanische Frauen, die Liebe, Spanisch, Englisch, Schottland, Spanien, Deutschland, dat Rheinland, Kinder, Literatur, Vergänglichkeit, Arbeit, Politik, die Mafia, Urlaub, Gewalt, Verbrechen, Sex, große und kleine Gefühle und vieles, vieles, vieles mehr ...
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Sonntag, 11. Februar 2018
Freitag, 5. Januar 2018
Die Hochzeitsrede
Im Traum muss ich einen Text
für ein Mädchen, eine Frau schreiben, die heiraten will. So eine kurze Rede,
wie man sie auf Hochzeiten vorliest. Wie das die Amerikanerimmer immer machen,
in den Filmen. ICH, der ich immer noch unter meiner Scheidung leide. Komische
Wahl. Aber man wählt ja seinen Trauminhalt nicht. Der wählt einen! Ich einige
mich also, mit ihr ein kurzes Interview (eine Befragung, ein Verhör, wie ich
zum Spaß sage, obwohl keiner lacht oder nur aus Höflichkeit lacht) zu machen,
wo sie mir etwas über ihren Geliebten, Bald-Ehemann (NEIIIIIIN, tu es nicht!!!)
erzählt. Die Hochzeit ist schon in zwei beziehungsweise 1 ½ Stunden, also muss
ich mich beeilen. Ich weiß gar nicht, wie ich das so schnell hinkriegen soll,
aber will es trotzdem versuchen. Obwohl ich, während ich mit ihr rede, selber
reichlich nervös, „gehemmt“ bin (wie die Bekannten meiner Eltern das immer
genannt haben), weil sie auch mir ein bisschen gefällt, wie ich ihr so in die
Augen gucke... Sie ist klein und schön und passt auch irgendwie in mein
Beuteschema. Also gehen wir zu ihr nach Hause. Aber irgendwie geht sie vor und
lässt mich nicht rein, keine Ahnung, auf jeden Fall stehe ich auf der Straße
und weiß noch nicht mal richtig, welches Haus es nun ist und ob ich klingeln
soll. Es sind alles so Reihenhäuser. Einfamilienreihenhäuser. Das heißt, ich
muss schon irgendwie wissen, welches Haus es ist, denn ich gucke durch ein
Fenster und sehe, dass da die beigefarbenen Sessel ineinandergeschoben sind und
auch sonst alles ziemlich unordentlich ist. Für den Hochzeitstag, den Tag der
Hochzeit. Aber am Ende sehe ich auf der Straße ein paar von meinen Schülern aus
dem Haus kommen und mich grüßen und dann weiß ich, dass sie da wohnen muss,
dass sie da wohnt. Und so lässt sie mich am Ende doch rein, obwohl ich komisch
bin, „gehemmt bin“, ihr zu sehr in die Augen gucke. Also beginne ich mein
Interview, mein Verhör, wie ich sage (obwohl keiner lacht, oder nur aus
Höflichkeit).
„Wie lange bist du schon mit
ihm zusammen?“
„20-30 Jahre.“
„Aber du bist doch noch so
jung! Wie kannst du denn 20-30 Jahre mit ihm zusammen sein?“
…
„Und wo habt ihr euch
kennengelernt?“
…
Und dann wache ich auf
Komisch, denke ich, was für
ein komischer Traum!
Sonntag, 24. Dezember 2017
Einen Tag vor Heiligabend: Na dann Prost!
Last Christmas, I gave you my heart
But the very next day you gave it away
This year, to save me from tears
I'll give it to someone special…
But the very next day you gave it away
This year, to save me from tears
I'll give it to someone special…
(Wham! - Last Christmas)
Ich hätte richtig Bock an
Heiligabend ein bisschen Alkohol zu trinken. Um zu vergessen. Vergessen, dass meine
Frau nicht mehr da ist (Tschuldigung, meine Ex-Frau meine ich natürlich). Um zu
vergessen, dass sie, meine Tochter, nur den halben oder noch nicht mal den
halben Tag da ist, an Heiligabend! Dass sie später den Leuten ins Gesicht
lächeln wird, die deine Ehe auf dem Gewissen haben, die dich kaputtgemacht
haben und jetzt alles haben, während du nichts hast. Nur eine Tochter, und auch
die nur die Hälfte des Tages (wenn überhaupt). Dass die ihr schmierig, kokett
ins Gesicht lächeln werden, der Schwager zum Beispiel und wer weiß wer sich
sonst noch bei denen rumtreibt, an Heiligabend. Heiligabend. Ihre Familie war
ihr nicht heilig, soviel ist sicher. Obwohl: ihre Familie schon. Meine, unsere nicht… Und María liegt
dazwischen. Ich hätte echt Bock, aber ich kann nicht. Das kannst du nicht
bringen! Dir vor ihr an Heiligabend, diesem heiligsten Abend im Jahr, einen
anzuzwitschern. Obwohl du noch Alkohol da hast. Zwei Flaschen, die du seit
anderthalb Jahren nicht angerührt hast. Du bist also kein Alkoholiker. Du magst
die Scheiße noch nicht mal richtig. Alkohol schmeckt dir nicht. Du könntest nie
ein Alkoholiker sein, werden. Aber trotzdem wäre das ein Tabubruch…und würde
auch von deiner Tochter als solcher aufgenommen. Also wirst du nüchtern alles
ertragen und danach – wie jedes Jahr seit der Trennung – in den Wald gehen,
alleine, ganz alleine, der letzte Mensch auf der Welt…
Donnerstag, 21. Dezember 2017
Drei Tage vor Weihnachten
Er hat sich direkt unterm Fenster
An einem Balken aufgehängt,
Man kann die Kirchenglocken von hier hören,
Wenn man ganz leise ist
Man kann die Kirchenglocken von hier hören,
Wenn man ganz leise ist
Ein Tagebuch liegt auf dem Tisch,
Der letzte Eintrag ist noch frisch
Nur einen Satz schrieb er groß und breit
Der letzte Eintrag ist noch frisch
Nur einen Satz schrieb er groß und breit
„Ich bin hier und Bethlehem ist weit
Frohe Weihnacht, ich hoffe es geht euch gut,
Seid nicht böse über meine Flucht
Ich schau' euch trotzdem von hier oben beim Feiern zu“
Seid nicht böse über meine Flucht
Ich schau' euch trotzdem von hier oben beim Feiern zu“
(Die Toten Hosen - "Weihnachstmann vom Dach")
„Hast du Geld?“
Sie steht am Kühlschrank,
holt die Knusper-Gockelchen raus, die du so liebst. Die von Aldi. Deine
Knusper-Gockelchen. Um sie sich zu machen. Ok, sie hat gefragt, aber… Zwei
Stück! Dann ist gleich keiner mehr übrig für dich. Oder nur einer. Da lohnt
sich ja fast nicht, den überhaupt zu machen. Um eins, nachdem du die 16 Stunden
Intervall-Fasten hinter dich gebracht hast, um die Kilos zu verlieren, die du
dir in der letzten Zeit angefressen hast. Bestimmt bist du wieder über hundert
Kilo. Hundertpro. Vielleicht sogar über 110.
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Wut
Freitag, 15. Dezember 2017
Ihre kleine Seele
Hey, man
How come you treat your woman so bad?
That's not the way you do it
No, no, no, you shouldn't do it like that
I could show you how to do it right
I used to practice every night on my wife, now she's gone
Yeah, she's gone
You see, her mother and me
We never got along that well, you see
How come you treat your woman so bad?
That's not the way you do it
No, no, no, you shouldn't do it like that
I could show you how to do it right
I used to practice every night on my wife, now she's gone
Yeah, she's gone
You see, her mother and me
We never got along that well, you see
(Pulp - "A little soul")
Ich habe ihre kleine Seele
auch verletzt. Vielleicht habe ich das ja alles verdient, was mir passiert ist.
Die Trennung, die Scheidung, die finanziellen Probleme…
…als ich damals ihre
Freundin angemacht habe… Wie hieß die noch mal? Keine Ahnung. Lydia? Nein, das
war die Schwarze, bei der wir unser erstes Mal hatten. Sylvia? Nein, das war
die Sexbombe, die eigentlich Informatikerin war, aus dem Dschungel kam und
aussah…wie eine Sexbombe halt so aussieht… Die mit dem alten Typen zusammen
war, mit diesem Santa Ruseño. Der aus dem gleichen Dorf kam wie Nadine. Und
mindestens zwanzig Jahre älter war als dieser kleine, perfekte
Schoko-Sahne-Schnitte aus dem Dschungel, die dich fast zum Tiger hat werden
lassen…wenn sie nicht mit diesem alten Gockel zusammen gewesen wäre…
Samstag, 9. Dezember 2017
Auf Linie bringen/Dann stirb doch!
Es ist nie zu spät für eine Diät!
(meine Mutter)
Heute mache ich Diät! Heute
will ich es diesem Körper zeigen! Es kann ja nicht sein, dass mein Körper mich
kontrolliert. Die Kontrolle über meine Gedanken übernimmt. Mir sagt, dass ich
immer mehr essen soll. Nein, heute breche ich den Willen meines Körpers! Fange
schon um 14 Uhr damit an, nicht mehr zu essen. Heute werde ich den absoluten
Weltrekord an Stunden ohne Essen brechen! 17 Stunden 42 Minuten. Wenn ich ab
14:00 nichts mehr esse, erreiche ich das schon morgen um 8 Uhr Morgen früh! Und
wenn ich dann weitermache…
Sonntag, 29. Oktober 2017
Müllentsorgung nach der Scheidung
Heute muss ich echt mal wieder ein bisschen
aufräumen. Zuerst bringe ich den Müll raus, dann gucke ich im Keller nach, wie
die Wäscheleinensituation aussieht (das muss man in einem Mehrfamilienhaus, in
dem nur sechs Leinen vorhanden sind, immer tun). Aber heute ist fast alles leer
(oh, Wunder!). Also wird heute auch noch gewaschen. Keine Minute Pause.
Freitag, 27. Oktober 2017
Fast-Begegnung der dritten Art II
“Sometimes memory can be real bitch.”
Lourd Ernest H. de Veyra, The Best of This Is A Crazy Planets
In der Bahn von Rheinbach höre
ich auf einmal eine spanische Stimme. Zuerst denke ich, das ist eine Spanierin,
aber dann muss ich feststellen, dass das definitiv eine südamerikanische Stimme
ist. Aus Kolumbien oder so. Sie redet ziemlich laut und ich verstehe alles.
Obwohl ich nur mit einem halben Ohr hinhöre und eh nur die eine Hälfte des
Gesprächs mitbekomme. Aber es zieht mich immer mehr in den Bann, je weiter wir
fahren.
Dienstag, 24. Oktober 2017
Armutsrisiko in Deutschland
Epi·pha·ni̱e̱
Substantiv [die]
Religion
- die Erscheinung (eines) Gottes unter den Menschen.2. Alltagsoffenbarung
„Armutsrisiko für Kinder
ist, wenn Eltern sich trennen…“, sagt der Typ im Fernsehen.
Er steht auf, hievt sich mit
Mühe hoch du geht auf Klo. Schleppt sich schon fast auf Klo. Sagt zu sich
selbst, laut: „Dann soll sie doch um zwölf kommen. Mir doch egal. Ich bin dann nicht
mehr da. Dann bin ich auf der Arbeit. Ist doch auch egal: Ich werd doch eh nicht mehr gebraucht. Nicht von
ihr, nicht von ihrer Mutter, vom niemandem mehr…ich bin abgeschafft…
Keiner Sau…
Samstag, 14. Oktober 2017
Schmutzige Wäsche
Beim Waschen fällt mir ein
Handtuch auf. Es ist eigentlich ein ganz normales Handtuch. Es ist weißgrau
(diese Farbe, die alle Handtücher nach einer Zeit so annehmen), aus Frottee (das,
wie bei allen Handtüchern nicht mehr ganz so flauschig ist wie am Anfang) und
hat auch die Standardgröße, die Handtücher in unserer genormten Welt nun mal so
haben (nicht groß genug, um deinen ganzen Körper darin einzuhüllen, aber groß
genug, um deine Scham zu bedecken, wenn du nicht gerade meinen Bauchumfang
hast…). Eigentlich ist es ein ganz normales Handtuch, wie ich sie jede Woche im
Wäschekeller aufhänge (na ja, fast jede, denn jede Woche wasche ich gar nicht).
Sonntag, 27. August 2017
Angst vor dem Tod
Nach der Arbeit, als er an
der Bushaltestelle auf den Bus wartet, der ihn nach Hause bringen wird, denkt
er plötzlich, wie aus heiterem Himmel: Das ist schon komisch. Seit ich
getrennt/geschieden bin, muss ich gar nicht mehr an den Tod denken. Das heißt,
ich denke immer noch an den Tod, aber…
…aber ich habe nicht mehr
diese Panikattacken, die ich – als ich noch verheiratet war – dauernd hatte. Das
ist schon komisch, aber es stimmt. Die habe ich tatsächlich nicht mehr…diese
plötzlichen Angstattacken, die ich damals (trotz Nadine) dauernd hatte: beim
Laufen, abends allein im Bett neben ihr und auf der Arbeit. Das war schlimm!
Plötzlich ergriff mich diese vage, diffuse Angst oder Panik, dass ich irgendwann
sterben würde, nicht mehr da sein würde. Einmal nachdem ich nachts nach der
Arbeit im Wohnzimmer allein im Wohnzimmer diese Sendung, diesen Bericht über
Mumien in den peruanischen Anden geguckt habe. Aber es waren nicht nur die
Mumien, sondern auch andere Geschichtsreportagen, die dieses Gefühl
hervorriefen. Und ihre schlafende Anwesenheit neben mir im Bett half bei deren
Beseitigung. Denn dieses plötzliche Gefühl, diese plötzliche Gewissheit, dass
ich irgendwann einmal nicht mehr da sein würde, gar nicht mehr, nie mehr, dass
ich für immer tot sein würde, nie wieder zurückkehren würde, dieses Gefühl war
stärker als alles andere. Man konnte nur hoffen, schnell einzuschlafen (aber
selbst das war zutiefst ironisch) und wenn es einen draußen erwischte (wie
einmal beim Walken in der Nähe der Universität), musste man hoffen, schnell auf
andere Gedanken zu kommen. Das war ein schlimmes Gefühl. Man fühlte sich
irgendwie schwerelos (so als wäre der Körper zu leicht, um auf dieser Erde zu
verbleiben) und gleichzeitig wurde der Körper auf einmal so schwer wie ein
Gefängnis auf Erden, wie das Gefängnis auf Erden, das er im Endeffekt ja auch
war. Fast wurde ihm davon sogar schwindelig und er spürte immer diese Schwere,
diesen Druck in der Brust. Das waren zwar wahrscheinlich keine Panikattacken im
klassischen Sinn (was auch immer das ist), aber es waren doch im gewissen Sinne
Angstattacken, eine Angststörung, diese pure, reine, kondensierte Angst, die
man bekommt, wenn man merkt, dass der geliebte und zugleich verhasste Körper,
das gelebte Ich irgendwann nicht mehr da sein würde, einfach weg sein würde,
dass das Leben, an das man sich so klammerte, nie wieder da sein würde, einfach
von einem Moment auf den anderen ausgehen würde, ausgelöscht wurde. Nicht mit
einem Knall, sondern still. Dass man nicht mehr da war, nie wieder. Ich weiß,
das ist der Lauf der Dinge, ich weiß, aber trotzdem machte ihm das eine
Heidenangst. Immer und immer wieder. In regelmäßigen Abständen. Wie aus dem
Nichts. Oft versuchte er in diesen Momenten, diesen Augenblicken des Lebens
auszurechnen, wie viel Leben ihm wohl noch blieb: Er war jetzt 34, 35, 36, 37…
Die Hälfte war also um, so gut wie um, ohne, dass er es gemerkt hätte. Und es
würde mit fortschreitendem Alter bestimmt nicht besser werden… Man würde immer
mehr Lebensqualität verlieren…Jahr für Jahr…man würde unmerklich älter werden,
bis es irgendwann zu spät war…
Und heute, das hat er diese
Attacken irgendwie nicht mehr. Schon lange nicht mehr. Seltsam.
Einen Vorteil muss diese
ganze Scheiße ja haben, denkt er. Wenigstens ist die Angst vor dem langsamen,
aber sicheren Älterwerden und sterben all den Problemen gewichen, die jetzt
sein Leben beherrschen, im Würgegriff haben: den Geldsorgen, den Formularen, den
Sorgen um María und last but not least all
dem Liebeskummer, dem Schmerz, dem unendlichen Schmerz
Einen Vorteil muss dieser
ganze Scheiß, der mir passiert, ja haben! Ich denke nicht mehr (so viel) über
das Älterwerden nach
über den Tod
aber ist das überhaupt ein
Vorteil? Oder ist das so, weil ich innerlich schon tot bin? Hat sie mich etwa
schon getötet, ohne dass ich es bemerkt hätte. Ist mein Leben schon so schlimm,
dass selbst der Tod mich nicht mehr schocken kann, dass mir alles egal ist.
Oder ist es so, dass ich jetzt,
trotz allem, mich nicht mehr so eingeengt fühle, nicht mehr so eingeengt bin,
in einer Ehe mit einer Frau, die ich nie zu hundert Prozent geliebt habe. In
einem sozialen Umfeld, in dem es um Dinge ging, die ihm letzten Endes nichts
bedeuteten: Häuser, Autos, Möbel
(er weiß noch ganz genau,
wie viel Ärger er an diesem Samstag hatte, an dem er mit ihrer Freundin im
Auto, dass er und Nadine nicht hatte, nach Köln gefahren war, um sich Sofas
anzugucken, die er nicht wollte, die eh zu teuer waren oder nur billige
Notlösungen aus grobem Stoff und nicht aus schwarzem Leder wie sie ihm
gefielen…als er plötzlich zu Nadine und ihrer Freundin sagte, wie aus heiterem
Himmel: „Dann brauch ich mir ja nur noch einen Sarg kaufen, wenn ich das Sofa
nehme, dann kann ich mir ja gleich einen Sarg kaufen…“ Was natürlich nicht gut
ankam, mal ganz abgesehen, von seinem schlechten Gewissen, dem Sofa gegenüber
und den Leuten, die sich Mühe gemacht hatten, es herzustellen…ja, er hatte
damals tatsächlich ein schlechtes Gewissen dem Sofa gegenüber…das größer war
als sein schlechtes Gewissen seiner Ehefrau oder ihrer besten Freundin
gegenüber, die sich extra die Mühe gemacht hatte, sie nach Köln zu fahren
Ach, was weiß ich denn, ich
weiß nicht, ob das so besser ist oder nur einfach anders, denkt er, keine
Minute bevor der Bus kommt, der ihn in sein neues Zuhause, sein neues Leben
zurückbringt…
Montag, 3. Juli 2017
Anruf aus dem Nichts
Auf einmal klingelt das
Telefon. Ich habe gerade keine Schüler, also kann ich drangehen. Eigentlich
kann das ja nur einer sein. Eine. Ich krame das Handy aus der engen Hosentasche
und gucke auf das Display. Da steht es: Mari. Mari! Ja! Result!
Samstag, 22. April 2017
Lotto und Liebe
Samstagabend kommt der Typ von dem privaten Wachdienst in
die Halle. Hallo sagen. Gucken, ob alles in Ordnung ist. Obwohl das nicht nötig
ist. Und wenn es dann einmal nötig wird…
…dann kommen die nicht. Wie immer
„Ist ja überall nichts los heute“, sagt er, als er die
leeren Automaten sieht.
„Ne, aber heute Nachmittag war voll viel los. Imma
wigga…“
Mittwoch, 29. März 2017
Begegnung der dritten Art
Er steigt in
den Bus ein, setzt sich, weil alle anderen Sitze
besetzt sind, auf einen dieser drei seitlich angebrachten Sitze ganz hinten im
Bus, vor der Rückbank. Im 90-Grad-Winkel beziehungsweise quer zur Fahrtrichtung.
Will gerade sein Buch rausholen oder sein Hörbuch anmachen, als er von
der Seite angequatscht wird.
„Hola.“
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