Posts mit dem Label Jugend werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Jugend werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 5. Februar 2018

Du Pilzkopf, du!














Ich stehe nach dem Duschen vor dem Spiegel und denke: Deine Haare sind auch wieder ziemlich lang. Ist das wirklich schon so lange her, dass ich das letzte Mal beim Friseur war?! Aber egal: Das ist noch okay, das ist noch nicht zu lang. Wenn es zu lang wird, gehe ich schon wieder zum Friseur, keine Angst. Außerdem sieht es so gar nicht mal so schlecht aus, mit den kleinen Wellungen hinterm Ohr, fast schon jugendlich. Was bei einem mittelaltrigen Mann eben so als jugendlich durchgeht (scheiße, ich bin nicht mehr jung, als jung kann ich mich nicht mehr wirklich bezeichnen!). Friseure sind sowieso so eine Art rotes Tuch für mich. Ich bin noch nie gerne zum Friseur gegangen. Für mich grenzte das immer an Körperverletzung. Das fing schon damals an, in Kessenich, als ich zu diesem Salon auf der Ecke gegangen bin und eine Vanilla-Ice-Frisur haben wollte (ja, ich weiß…aber ich war Rap-Fan), die mir aber einen Skinhead verpasst haben. Wo mich dann, am nächsten Tag in der Schule, mein Französisch-Lehrer (der den Krieg bestimmt noch miterlebt hatte) fragte, warum ich denn so eine kurze, radikale Frisur hätte. Radikal sagte er nicht, denn seinem Ausdruck entnahm ich, dass er das durchaus positiv sah, mit meiner Frisur. Obwohl es mir tierisch peinlich war. Und auch die Rap-Tante (die sitzengeblieben war und jetzt unsere Klasse terrorisierte und die beste Freundin meiner Angebeteten aus Peru war – nochmal ja ich weiß…) fand meine (fehlenden) Haare „geil“. Wenn ich so darüber nachdenke, war das das einzige Mal, wo ich Ana (so hieß die Peruanerin, die voll in mein Beuteschema passte) näher als in diesen endlosen Augenblicken, die ich mit ihr austauschte (ich weiß gar nicht mehr, wie ich in der Mittelstufe überhaupt was mitbekam, bei all den Blicken in ihre Richtung, in ihre Augen und vielleicht auch in ihr junges Herz). Aber wo waren wir…

Freitag, 5. Januar 2018

Die Hochzeitsrede















Im Traum muss ich einen Text für ein Mädchen, eine Frau schreiben, die heiraten will. So eine kurze Rede, wie man sie auf Hochzeiten vorliest. Wie das die Amerikanerimmer immer machen, in den Filmen. ICH, der ich immer noch unter meiner Scheidung leide. Komische Wahl. Aber man wählt ja seinen Trauminhalt nicht. Der wählt einen! Ich einige mich also, mit ihr ein kurzes Interview (eine Befragung, ein Verhör, wie ich zum Spaß sage, obwohl keiner lacht oder nur aus Höflichkeit lacht) zu machen, wo sie mir etwas über ihren Geliebten, Bald-Ehemann (NEIIIIIIN, tu es nicht!!!) erzählt. Die Hochzeit ist schon in zwei beziehungsweise 1 ½ Stunden, also muss ich mich beeilen. Ich weiß gar nicht, wie ich das so schnell hinkriegen soll, aber will es trotzdem versuchen. Obwohl ich, während ich mit ihr rede, selber reichlich nervös, „gehemmt“ bin (wie die Bekannten meiner Eltern das immer genannt haben), weil sie auch mir ein bisschen gefällt, wie ich ihr so in die Augen gucke... Sie ist klein und schön und passt auch irgendwie in mein Beuteschema. Also gehen wir zu ihr nach Hause. Aber irgendwie geht sie vor und lässt mich nicht rein, keine Ahnung, auf jeden Fall stehe ich auf der Straße und weiß noch nicht mal richtig, welches Haus es nun ist und ob ich klingeln soll. Es sind alles so Reihenhäuser. Einfamilienreihenhäuser. Das heißt, ich muss schon irgendwie wissen, welches Haus es ist, denn ich gucke durch ein Fenster und sehe, dass da die beigefarbenen Sessel ineinandergeschoben sind und auch sonst alles ziemlich unordentlich ist. Für den Hochzeitstag, den Tag der Hochzeit. Aber am Ende sehe ich auf der Straße ein paar von meinen Schülern aus dem Haus kommen und mich grüßen und dann weiß ich, dass sie da wohnen muss, dass sie da wohnt. Und so lässt sie mich am Ende doch rein, obwohl ich komisch bin, „gehemmt bin“, ihr zu sehr in die Augen gucke. Also beginne ich mein Interview, mein Verhör, wie ich sage (obwohl keiner lacht, oder nur aus Höflichkeit).



„Wie lange bist du schon mit ihm zusammen?“

„20-30 Jahre.“

„Aber du bist doch noch so jung! Wie kannst du denn 20-30 Jahre mit ihm zusammen sein?“


„Und wo habt ihr euch kennengelernt?“



Und dann wache ich auf

Komisch, denke ich, was für ein komischer Traum!



Vorheriger Traum: Traum und Tod, Traum vom Tod













Samstag, 25. November 2017

Ist es das wert?












Sie ist so eine gute Tochter. Sie geht sogar mit mir einkaufen. In ihrem Alter! Das hast du alles nicht gesehen, die ganze Zeit über. Weil du nur eingesperrt warst, in deinem Schmerz, deinem Leid. Sie ist ein gutes Kind. Weil sie dein Kind ist. Aber du bist kein guter Vater. Du gibst ihr nicht das, was sie wert ist. Was sie braucht. Diese verfickte Welt. Nein, DU! DU! DU musst was tun! Und was? Eine Bank überfallen? Du musst den Arsch hochkriegen. Aber das ist so scheiß schwer, wenn du keinen Bock mehr hast



Freitag, 11. August 2017

Der Apfel schweigt...



Lester Burnham: "Wie geht's Jane?" - Angela: "Wie meinst Du das?" 
Lester: "Ich meine wie ist ihr Leben so - ist sie ein glückliches 
Mädchen oder vielleicht unglücklich? Ich würde es wirklich gerne 
wissen, doch sie würde eher sterben als mir davon zu erzählen." 
 
"Janey ist ein ziemlich typischer Teenager, zornig, unsicher, verwirrt. 
Wie gern würde ich ihr sagen, dass das alles vorbeigeht. 
Aber ich will sie nicht belügen."
(American Beauty)







Du darfst wirklich nicht zu viel erwarten von ihr. Du warst genauso gewesen, in dem Alter. Du erinnerst dich noch, wie dein Vater dich zum Basketballtraining nach Pennenfeld gefahren hatte und ihr zusammen im Auto gesessen hattet. Keiner von beiden sagte irgendetwas, man konnte die Anspannung praktisch schneiden, so schlimm war es. Was hättest du ihm sagen sollen. Ihm von deinen Problemen erzählen sollen; das du noch immer Jungfrau warst und das dich belastete, weil du endlich eine Freundin wolltest, weil du endlich jemand haben wolltest, normal sein wolltest, wie all die anderen auf deiner Schule; dass du einsam warst, dass du kaum Freund hattest (bis auf Alex einmal die Woche zum Squash), dass du dich ungerecht behandelt fühltest...

Donnerstag, 20. Juli 2017

Leben nach dem Tod













Ich sitze auf dem Klo, lese dieses Buch über ein Leben nach dem Tod und denke: So eine ähnliche Erfahrung hattest du doch damals auch, oder nicht?! Wie du das Gefühl hattest, dass du aus deinem Körper rausgehst, dass du deinen Körper verlässt, nachts im Bett, als Jugendlicher

Dienstag, 23. Mai 2017

...so ein schönes Kind...















Beim Aufräumen finde ich dieses Foto. Dieses alte Passfoto von mir. Das überrascht selbst mich. Ich mit keine Ahnung wie vielen Jahren, Anfang 20 oder doch schon Mitte 20? Ich war so jung

Mittwoch, 22. März 2017

Das erste Mal von hinten














Ich weiß noch, wie ich sie – das muss ganz am Anfang unserer Beziehung gewesen sein – zum ersten Mal von hinten genommen habe. Das war sogar noch bei meinen Eltern. Ob das immer noch in meinem alten Kinderbettchen, äh, Jugendbett meine ich natürlich, gewesen ist, weiß ich nicht mehr. Passend wär es auf jeden Fall gewesen, aber ich glaube, da hatte ich schon mein schwarzes Futon, dass ich danach, als wir schon lange verheiratet waren, von Wohnung zu Wohnung geschleppt habe, bis es schließlich (das war bestimmt erst in Duisdorf) unter meiner immer größer werdenden Last den Geist aufgab. Und wir uns dieses vornehm aussehende, schwarze Bett mit den Füßen kauften, aber das ist eine andere Geschichte…

Samstag, 10. Dezember 2016

Never forget...









Ich weiß noch, wo wir auf Gran Canaria waren. Ich weiß nicht mehr, ob das das erste Jahr war oder nicht. Das Jahr, in dem ich Patricia kennengelernt habe, oder das, wo sie zurückgekommen ist. Auf jeden Fall lief da dieses Lied. Von Take That. Die ich eigentlich hasste…oder hassen sollte, da meine Schwester total vernarrt in die war. Ihr ganzes Zimmer mit Postern von denen zugepflastert hatte. Ich weiß gar nicht mehr, wer ihr Favorit war. Ich glaube fast Robbie, dessen Lied Feel ich selbst später liebte. In meinen Zwanzigern. Als Robbie Williams so richtig berühmt war. Im Radio rauf und runter lief. Jedes Mal sang ich es mit. Bei jeder Gelegenheit. In der Disko, zu Hause, überall. Ich wollte auch etwas fühlen. Fühlen, dass ich lebte.

Weil ich es schon nicht mehr tat…?

Damals, in Gran Canaria war das noch anders. Da lebte ich noch. Zumindest glaubte ich es. Patricia hatte extra an der Rezeption nach mir gefragt. Obwohl wir nie zusammenkamen. Uns nie geküsst haben…

Aber als dieses Lied aus der englischen Bar, dem englischen Pub auf der Flaniermeile an der Playa del inglés, kam, da fühlte ich noch. Da fühlte ich noch etwas. Es war 35 Grad warm, sonnig bis zum Gehtnichtmehr und trotzdem wehte eine leichte Brise. Und dieses Lied strömte aus dem Pub nach draußen. Mit diesen Kinderstimmen am Anfang. Die singen:

And we’ve come so far…

And we’ve reached so high…

And we’ve looked each day and night in the eye…

Das war das Lied kurz bevor die sich getrennt haben. Oder waren sie da schon getrennt




Ich weiß wirklich nicht, ob mein Leben besser gewesen wäre, wenn ich damals, nach dem Urlaub auf Gran Canaria, gestorben wäre




und den Rest nie erlebt hätte




Never forget where you’re comin‘ from

Never pretend that it’s all real





nach Gran Canaria bin ich mit Nadine nie gekommen











Donnerstag, 20. Oktober 2016

Jungfrauen und kleine Lügen













Ich weiß noch, wie wir mit dem Spanisch-LK im Rincón de España, diesem spanischen Restaurant gleich bei mir um die Ecke in Kessenich waren. Weil das eines dieser heimeligen, spanischen Restaurants in Bonn war und man dort original-spanische Tapas essen konnte. Eigentlich war das Restaurant tatsächlich gar nicht mal so schlecht. Es befand sich in einem alten Wirtshaus an einem Hang, genau auf der Ecke, wo sich eine Straße in zwei kleinere Straßen gabelte. Die Decke war relativ niedrig und wurde von alten Holzbalken getragen. Auch die Tische waren aus robustem, massivem Holz und das Restaurant war brechend voll. Selbst an einem Wochentag! Zum Glück hatte unsere Lehrerin vorher reserviert. Wir hatten einen gemütlichen, langen Holztisch in der Ecke des Restaurants.

Ich saß – wie fast immer – neben Mario. Manchmal saß ich natürlich auch neben Jessica und manchmal – in seltenen Glücksfällen – neben Maria, der Griechin, die ich süß fand (sie hatte die dichten Naturlocken, die bei mir – zugegebenermaßen heute erst – die Assoziation mit Schamhaar hervorrufen – bestimmt hatte sie genauso lockiges Schamhaar. Ob es damals schon die radikale Intimrasur wie heute gab, ich weiß es nicht, aber ich glaube nicht). Aber neben Jessica oder gar Maria saß ich eigentlich nur im Unterricht. Nicht privat. Und das hier war privat. Zumindest halbprivat. Und es sollte noch privater werden – viel privater als ich mir das jemals hätte träumen lassen, selbst in meinen kühnsten Alpträumen.

Ich weiß noch, wie ich einmal diesen Witz machte, mitten im Spanisch-Unterricht von Frau Hunger – so hieß die wirklich, das ist kein Witz! Da saß Jessica definitiv neben mir. Zumindest da – wenn auch nicht im Restaurant. Das weiß ich noch, bis heute. Denn sie hat sich total kaputtgelacht. Sie kriegte sich fast nicht mehr ein. Ich mochte das, genoss es richtig. Dass mal ein Mädchen mit und nicht – (hinter meinem Rücken) über mich lachte. Und so gut war der Witz ja auch wieder nicht. Eigentlich war es gar keiner, war gar kein richtiger Witz. Nur einer dieser Nebensätze. Die man vermeintlich beiläufig raushaut. Ich sagte bloß irgendwas von wegen Frau Hunger – so hieß die wirklich, aber so viel Hunger konnte sie gar nicht haben, denn sie war eigentlich ziemlich dürr, fast schon ausgetrocknet – auf irgendeiner nicht näher beschriebenen Wiese den Kühen Spanisch beibringen könnte oder beibringen würde. Vielleicht kam das auch so trocken, dass es wieder witzig war. Ich weiß es nicht. Oder Jessica stand insgeheim auf dich, dass sie so lachte. Das würde erklären, warum sie dich später sogar auf ihre Feier eingeladen hat. Ihre Abschiedsfeier. Ihre Abschiedsfeier von Deutschland. Alle Guten verlassen Deutschland. Nur die Langweiler bleiben. Die Langweiler und die Türken. Um nicht die Araber zu vergessen – das war keine Absicht, wirklich nicht! Bitte keinen heiligen Krieg starten - nicht, dass die sich in ihrer EHRE gekränkt fühlen (EHRE, EHRE über alles, über alles auf der Welt…). Auf jeden Fall wieherte Jessica vergnügt wie ein Pferd, wobei ich nicht weiß, ob dabei auch ihre Glocken wackelten oder gar bebten (Jessica hatte Atomglocken, das waren so mit die größten Dinger, die ich je (nicht) gesehen habe – zumindest nicht live). Sie wieherte und hörte auch nach ein paar Minuten noch nicht auf zu gackern, so dass Frau Hunger bestimmt was gemerkt haben muss. Sehen Sie, es gab auch glückliche Momente während meiner Schullaufbahn! Nur waren es eindeutig zu wenige!

Aber ich schweife ab. Wenn man jung ist, hat man scheinbar unendlich viel Zeit. Man ist trotz seines Außenseiterstatus einigermaßen glücklich – oder zumindest halbwegs zufrieden. Wir waren also alle beim Spanier (das klingt wie der Anfang eines billigen Liebesromans – ist es aber nicht!). Wir saßen alle so da – ich, wie gesagt, neben Mario -, dachten an nichts Böses – ich zumindest nicht – genossen das Essen und vielleicht sogar den Wein – nein, Wein hätte ich bestimmt nicht vor meiner Lehrerin getrunken – als Mario die Frage stellte. Die Frage. Mein heißgeliebter Freund Mario. Liebster Mario,

wenn du irgendwo dort draußen bist, irgendwo dort draußen deine miserable Existenz eines kleinwüchsigen Möchtegern-Bodybuilders fristest, mit deiner kleinen, süßen indischen Freundin (die eigentlich nichts für deine Wut kann, das will ich an dieser Stelle ausdrücklich festhalten!) ein paar Kinder in diese beschissene, verfickte Welt geworfen hast und deine beginnenden grauen Haare zählst, dann möchte ich dir, lieber und treuer Freund meiner Jugend, lieber und treuer Begleiter im Spanisch-Leistungskreis (Englisch konntest du als Portugiese ja nicht!) noch eins sagen, mein Teuerster. Und ich hoffe, dass du in deinem lusischen Gleichmut es mir nicht allzu übel nimmst, mir nicht allzu böse bist, wenn ich dir hier und jetzt, in der dunklen Sackgasse meines Lebens zuzische:

VERRECKE

PS: Solltest du nicht mehr unter uns weilen, keine Kinder in die Welt geworfen haben, deine Muskeln an das Leben verloren haben, dann ist das auch gut, eigentlich noch besser, dann vergiss meine Wut. Sie kommt schließlich von Herzen!

Dein Jugendfreund

xxx (das macht man bei Männern glaub ich nicht, das könnte jetzt ziemlich schwul rüberkommen – Tschuldigung, ich habe nichts gegen Schwule, obwohl ich im Gefängnis sitze.)

Aber ich schweife schon wieder ab! Vielleicht sogar, weil ich mich diesem Thema nur äußerst ungern nähere, mich ihm nur äußerst ungern annähere, es sozusagen auch mit der Kneifzange nur äußerst ungern angehe.

Machen wir es also kurz.

Mario stellte die Frage.

Die Vertrauensfrage.

Nachdem er mir gestanden hatte, dass das Gras in seinem Beziehungsparadies auch nicht so grün war wie ich mir das in meiner jungfräulichen Unschuld vorstellte(, sondern in Wirklichkeit ziemlich vertrocknet daherkam – pun intended)

Da muss ich jetzt aber abschweifen. Das geht nicht anders. Das muss ich jetzt voll auskosten. Bis ins kleinste Detail (seines vom vielen Bodybuilding geschrumpften Penis).

Ich muss ja auch was davon haben.

Also, ganz langsam.

Ruhig, Brauner!

Immer langsam mit den wilden Pferden!

Den wilden Inderinnen!

Augen auf bei der Frauenwahl!

Bei der Freundinnenwahl.

(Obwohl, die war süß, die kleine Inderin. Was die wohl für eine Muschi hatte? So eine kleine braune? Rasiert oder unrasiert? Bestimmt nur halbrasiert. Ein Landestreifen. Und ihre kleinen süßen Tittchen erst! Die hätte dir auch gefallen, so weh das tut. Wem? Der oder dir? Bestimmt hat die einen geilen, kleinen, aber gleichzeitig runden, kaffebraunen Arsch gehabt, der nach Rosen roch. Oder nach Kurkuma.)

Also, Mario war mal wieder redsam (Redsamen!). Redselig, meine ich natürlich, Tschuldigung. Sehr redselig, indeed! Locuaz, wie das, glaub ich, auf Spanisch heißt. Er war sehr locuaz, de verdad. Mehr als mir lieb war. Mehr als dem guten Geschmack oder gar dem guten Anstand zuträglich war. Dem guten Ton. Das war immer so bei ihm. Ich glaube, er genoss es richtig, seinen besten Trumpf mir gegenüber auszuspielen oder besser gesagt förmlich auszuweiden, wie ein stolzer, starker, schwarzer, portugiesischer Bodybuilder-Zuchthengst auf der Weide (jetzt ist es aber gut!).

Wie damals, als er mir erzählt hatte, wie er mit seiner Freundin im Auto geschlafen hatte. Und die Scheiben beschlagen waren (das wäre immer so, bei so viel Aktivität in seinem KFZ, seinem Kraftfickfahrzeug, seinem Kraftfickzeug). Solche Sachen erzählte er mir auf dem Pausenhof. Zwischen dem Butterbrot meiner Mutter und dem Gong (Ding dong!). Mir, der NOCH-IMMER-JUNGFRAU-MIT-MEHR-ALS-18-JAHREN!!!!! Stellen Sie sich das mal vor! Da erzählt der mir brühwarm wie er seine Freundin strambuliert. Und  das, wo ich noch Jungfrau bin. Immer noch. Noch immer KEINE FREUNDIN habe (brauchen wir die Großbuchstaben wirklich?? Sind die wirklich nötig???). Einen treuen Zuhörer hatte er in mir gefunden. Einen, dem er einen vom Pferd (nein, seine Freundin sah gut aus, so meine ich das nicht, das mit dem Pferd!) erzählen konnte, der von Tuten und Blasen (noch – so viel Stolz hab selbst ich) keine Ahnung hatte. Wie sollte er auch, bei dieser Mutter! Dieser omnipräsenten, alles verschlingenden Mutter, die mit ihrem nackten Arsch und anderen nicht minder gewölbten Körperteilen wie selbstverständlich quer durch die Wohnung lief?!

Aber lassen wir das.

Ruhig, Brauner!

Ruhig!

Ich hing förmlich an seinen Lippen, so sehr, dass ich mich fast an ihnen erhängt hätte! Seine detaillierten Schilderungen waren so gut, dass ich selbst damals – in meiner vielleicht sogar schon post-pubertären Jungfräulichkeit (wie peinlich!) – instinktiv wusste oder zumindest erahnte, dass er ein Spacko war und kein cooler Stecher.

Aber wer war ich, ihn zu kritisieren!

Ich freundinloses – und damit auch relativ freudloses – Etwas!

Du Stück, du!

Er erzählte mir also, dass seine Scheiben beschlagen waren – genauso beschlagen wie wahrscheinlich sein Gehirn. Als er mit seiner Freundin auf sexueller Entdeckungstour war. Auf Safari! Mit seiner ersten Freundin – immerhin war sie wenigstens das, das war aber auch alles! Dass er ihn nicht richtig reinkriegte, weil sie noch Jungfrau sei (eine Jungfrau für Mario, eine reine Frau. Noch unberührt!).

Ach, wie schön, dachte ich bei diesen Schilderungen, die für mich damals ungefähr so aufregend waren wie ein Damenabend im Altersheim. Eine Familienfeier mit Tante Angelika und Onkel Rudi mit dem Riesenrüssel. Rudi Riesenrüssel (Das ist eine Alliteration! Vom Autoren absichtlich gewählt. Zur Hervorhebung der wahren Größe benutzt). Aber was sollte ich denn damals sagen?! Halt die Klappe, du inkompetentes Arschloch, der du ihn noch nicht mal richtig reinkriegst. Wahrscheinlich auch noch, weil er zu groß ist,

nääääääääääääääähhhhhhhhhhhhhhh!

Gähhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnn!

Das hättest du wohl gerne. Aber in Wahrheit war ich weit davon, dir zu glauben. Wenn du gewusst hättest… Mir tat nur deine arme Freundin leid. Das war ein gutes Mädchen, viel zu gut für einen wie dich! Um Längen zu gut für dich. Für mich wär die viel besser gewesen. Ich hätte ihn wenigstens reingekriegt. So einfühlsam wär ich mindestens gewesen!

Aber ich kriegte ihn nicht rein, weder bei ihr noch bei irgendeiner anderen!

Wenn die gewusst hätte…

…was ihr ach so toller Freund über sie erzählte.

Seinem jungfräulichen Kumpanen. Weil er bei anderen bestimmt nicht mit so einem Scheiß gepunktet hätte. Bei einem richtigen Mann. Einem richtigen Stecher. Wie Roberto, zum Beispiel. Der hätte Mario wahrscheinlich aus der Schule gelacht! Und es heimlich seiner Freundin gemacht! Und zwar gut, tief…tiefgreifend…immer tiefer.

Immer mitten in die Fresse rein!

Aber ich war nun mal sein bevorzugtes Opfer für diese Art von Geschichten. Wahrscheinlich sogar, weil ich die einzige verbleibende, männliche Jungfrau auf der ganzen Schule war. „Männliche Jungfrau“, wie das klingt! Irgendwie unnatürlich. Realistisch!

Das ist mein Problem. Bis heute. Ich kann den Arschlöchern nie sagen, sie sollen die Klappe halten, sondern höre treudoof zu. Wahrscheinlich hätte ich Folgendes sagen sollen: Ich bin zwar Jungfrau, Mario, aber wenigstens nicht so dumm, dass ich ihn nicht reinkriegen würde, wenn sich irgendwann, vielleicht in hundert Jahren oder mehr, eine Frau dazu erweichen würde, ihn in sich aufzunehmen. Einzuführen. That would have shut him up!

Aber ich sagte ihm nichts, blieb weiter Opfer. In meiner Opferrolle gefangen. Das unwillige Opfer eines inkompetenten, portugiesischen Stechers! Wie hört sich das denn an?!

Geil.

Also - um in das Rincón de España zurückzukommen – ich saß neben ihm und er konnte wieder seine Klappe nicht halten. Vor versammelter Mannschaft (wer weiß schließlich, wer sonst noch zuhörte)! Das waren schließlich alle keine Engel. Umsonst nimmt man nicht Spanisch-Leistungskurs. Wie gestört kann man eigentlich sein?

Er erzählte mir…

…genau das…

dass er nicht reinging.

(Tschuldigung, aber ich weiß wirklich nicht, wie – und ob - ich das anders ausdrücken soll. Lass dir das eine Lehre sein, Mario, das hast du davon!)

Nicht nur das: Er demonstrierte es mir auch! Mit seinen Fingern (welche anderen Gliedmaßen hätte er auch sonst zu Demonstrationszwecken missbrauchen sollen/können). Ich weiß, das klingt jetzt voll klischeehaft, aber so war es wirklich. So war es nun mal. Soll dann was anderes erfinden, oder was?! Die Wahrheit verfälschen?

Er machte diese Geste…

…die ich so unglaubliche liebe…

…die ich meinem ärgsten Feind nicht an den Kopf gestikulieren würde!

Er nahm – muss ich das jetzt wirklich noch beschreiben (vielleicht doch, zumindest für die Glücklichen Seelen, die die Geste nicht kennen und lieben gelernt haben) -  den Daumen seiner Hand (er hatte eigentlich ganz schöne Finger) zwischen Zeige- und Mittelfinger, quetschte den armen Finger sozusagen zwischen den beiden Fingern ein. So als wäre dort zufällig steckengeblieben. So als wäre er dort gefangen. Der Arme. Das zeigte er mir natürlich nicht offen vor allen – selbst Mario hatte seine Grenzen – sondern halb unter dem Tisch. So war sein schlimmer Finger auch näher am wirklichen Übeltäter. An der Wurzel allen Übels. Oder zumindest seines Übels. Denn – machen wir es kurz (no pun) – er ging nicht rein. Nicht, nicht er ganz. Das ist ja keine Regressions-Fantasie, sondern schnöde Mechanik. Wenn der Ölstand niedrig ist, gibt es einen Kolbenfresser! Sein Kolben ging auf jeden Fall nicht richtig bei der armen Inderin rein, die ihre Jungfräulichkeit an diesen Portugiesen statt an mich verschwendet hatte. Um das Dilemma in seinem vollen Ausmaß, seinem vollen Umfang zu demonstrieren, bediente er sich erneut seinem Daumen, den er zwar aus seiner Umklammerung zwischen den beiden anderen Fingern befreite, dessen Spitze beziehungsweise oberstes Glied (siehe oben) er diesmal aber umknickte, so dass es schon vom bloßen Zusehen wehtat. Und zwar nicht nur in der Seele, glauben Sie mir das.

Selbst der ewigen Jungfrau wurde das so langsam zu heiß, zu peinlich.

Wenn Mario Gedanken hätte lesen können…

Aber trotz seiner expliziten und mit eindeutigen Gesten untermauerten Schilderungen, blieben doch so einige Fragen unbeantwortet. Und zwar nicht zu wenige!

Zum Beispiel: Was wollte er mir eigentlich sagen? Wollte er mir zeigen, wie cool er doch ist, er, der er anders als ich schon eine Freundin hat mit der er zumindest versucht zu schlafen? Oder war da noch mehr? Wollte vielleicht er am Ende sogar noch einen Rat von mir – von der männlichen Jungfrau vom Dienst? Was willst du denn von mir hören? wollte ich ihm in sein unrasiertes und wie immer leicht schmieriges (nicht nur wegen seinem Lächeln) Gesicht schreien. Soll ich dir noch Tipps geben, oder was? Mach das besser so, dann fluppt das auch mit der Freundin. Dann kriegst du ihn auch rein. Oder sollte ich bewundernd sagen: Vielleicht ist er auch zu dick, zu groß für sie, diese zierliche Inderin mit diesem trotzdem wohlig gerundeten Hinterteil und diesen kleinen Tittchen. Was hast du denn für einen Knüppel zwischen den Beinen, dass er nicht reingeht? Meiner würde sich wahrscheinlich in ihr verlaufen. Mario, du Hengst! Und natürlich stellte sich mir auch die alles entscheidende Frage: Lag das wirklich an ihr, so wie er das – in seiner gekränkten portugiesischen Ehre – darstellte? Oder lag es vielleicht an ihm selbst? Trotz meiner Unerfahrenheit auf diesem Gebiet manifestierte sich mir der Verdacht, dass es vielleicht an seinem fehlenden Einfühlungsvermögen lag. Zum Hauptteil. Und nicht an ihr, wie er es darstellte. Darzustellen versuchte. Was ihm aber nur mittelprächtig gelang. Davon abgesehen das keiner – und am wenigsten ich – diesen Scheiß hören wollte. Diese intimen Details.

Also hielt ich mich einfach äußerst bedeckt – wie immer in solchen Situationen –, nickte nur unauffällig (stell dir mal vor, jemand anderes am Tisch hätte unser Gespräch mitbekommen - oder noch schlimmer – in seiner Langeweile gar mehr oder minder aufmerksam mitverfolgt. Wie peinlich wär das denn! Die Jungfrau und der portugiesische Hengst. Mario war aber auch manchmal eine Zumutung. Aber ich konnte mir auch nicht gerade meine Freunde aussuchen damals. Ich musste das nehmen, was kommt. Und wenn es so einer wie Mario war. Besser als gar nichts. Besser als betreten Löcher in die Luft zu starren, während sich alle anderen am Tisch angeregt unterhielten. Also nahm ich das was kam, vor allem weil ich was meine sozialen Kontakte anging sowieso nicht gerade der Überflieger war. Und wenn es einer wie Mario war, der noch nicht mal sein Ding bei der Frau reinkriegte. Uns wäre das nicht passiert, ne, mein Hamster. Vor allen Dingen wäre ich bestimmt zärtlicher und mit ein bisschen mehr Feingefühl an die Sache herangegangen, weil die Inderin  ja bestimmt auch nervös war, die war ja schließlich noch ein bisschen jünger (Mario, du Kinderschänder-Hengst!). Das ahnte ich damals natürlich nur, wissen konnte ich es ja noch nicht.


Vielleicht merkte Mario ja auch, dass er mir peinlich war oder dass seine Fragen auf taube Ohren stießen und fühlte sich von mir auf seinen Schlips getreten, der ja immerhin so groß war, dass er bei der armen Inderin nicht reinging. Immer abknickte, wie Mario mir konsterniert mit den Fingern zu demonstrieren versuchte. Dieser Daumen, der hatte schon was! Ehrlich! Aber Schweigen ist bei solchen Hengsten kein Gold, besonders nicht, wenn sie sich in ihrer vielleicht doch nicht so ausgeprägten Manneskraft gekränkt fühlen (war sie nur zu trocken oder er zu unfähig?). Dann gehen sie schnell in die Offensive über. Und tatsächlich: Der Schuss ging nach hinten los. Denn Mario fing auf einmal an, mich ins Visier zu nehmen. Mich und meinen äußerst ausgeprägten sexuellen Erfahrungsschatz. Der aus dreimal hintereinander wichsen und immer wieder wie gebannt auf die Ritze dieser blonden Playboy-Tante zu starren (wozu ein Videorekorder alles gut ist!), so als würdest du dadurch das Mysterium der weiblichen Sexualität knacken. Und einmal in seinem Leben stellte Mario die richtige Frage und brachte mich damit direkt in Bedrängnis. In arge Bedrängnis. In schwere Erklärungsnot.

Ja, nun sag schon!

Er fragte:

Ich hab es gleich.

Er fragte:

Los, raus damit!

Er fragte:

HAST DU DENN SCHON MAL MIT EINER FRAU GESCHLAFEN?

Jetzt ist es raus! Puh!

Nicht, dass er eine Antwort gekriegt hätte.

Also fragte er noch mal. 

HAST DU DENN SCHON MAL MIT EINER FRAU GESCHLAFEN?

Und ich fing richtig an, ins Schwitzen zu kommen. Zu perspirieren. Oder zu transpirieren? Mich nervös zu allen Seiten umzugucken.

Ich? antwortete ich schließlich. Nicht doch der kleine Mann da hinten?

Ich?

Mich fragst du sowas?!

Vor potentiellen Zuhörern.

Der Tisch spitzte die Ohren, das belebte Gespräch meiner Klassenkameraden verstummte und wie aus einem Hals schienen sie alle diese Frage zu stellen.

Und, Larson, hast du schon mal?

Ja, natürlich, haufenweise.

Sagte ich natürlich nicht.

Stammelte stattdessen rum oder druckste sogar nur rum. Betreten. Boah, der hat gesessen! Rums! Kawumm!

Ich? Ja, sagte ich schließlich leise. Und berief mich auf eine Taktik aus meinem Lieblingsfilm. Oh, Breakfast Club, ich bin dir bis heute dankbar für diese Hilfe aus höchster Not.  Denn Mario kam gar nicht dazu zu fragen, wann und mit wem und wie und ging er rein oder nicht oder doch und ist sie gekommen (ne, Letzteres hätte ihn niemals interessiert, so, wie er die Inderin über seine natürlich allzu lange, allzu breite Klinge springen ließ). Nein, er musste gar nicht nachfragen oder kam gar nicht dazu. Denn du warst schneller. Der Breakfast Club und dein letzter Urlaub mit Pilar in Spanien oder mit Ani in Ungarn kamen dir mit vereinten Kräften zur Hilfe.

Und du sagtest, immer noch ein bisschen kleinlaut, ein bisschen leise) man weiß ja schließlich nie, wer noch am Tisch zuhört!):

Soviel Erfahrung hat er ja schließlich auch nicht, sonst würde er ihn ja reinkriegen.

Du sagtest: Ja, im Urlaub. In Spanien. (Ich weiß nicht, ob ich wirklich Letzteres hinzufügte, ich glaub eher nicht.)

In Spanien. Am Strand. (Ich weiß, es war dumm, das zu sagen. Das machte das Ganze erst richtig undglaubwürdig.) Abends.

Mehr sagte ich nicht.

Und er glaubte es mir auch glaub ich nicht. Fragte aber nicht weiter nach.

Mit einer Spanierin. Am Strand. Mit Pilar. Das wär schön gewesen. Um nichts in der Welt hätte ich an diesem Abend, vor versammelter Mannschaft zugegeben, dass ich noch Jungfrau bin. Das war nun wirklich zu viel verlangt!

Vielleicht hätte ich – wenn ich richtig gemein und nicht so sehr auf mein eigenes Schamgefühl versteift gewesen wäre – noch hinzufügen sollen: „Und er ging rein, Mario! Hörst du?! Nicht, wie bei dir."

Aber das ließ ich dann doch oder es kam mir gar nicht erst in den Kopf.

Du hattest also in Spanien mit einer Frau geschlafen. Einem Mädchen. Interessant! Dann warst du ja gar keine Jungfrau mehr, die sich jeden Tag  darüber den Kopf zerbrach, wann sie endlich ihr erstes Mal, ihre erste Freundin haben würde. Oder ob das überhaupt irgendwann einmal passieren würde. Eine Jungfrau, die immer mehr Druck verspürte. Mit jedem Tag, jeder Stunde, jeder Sekund mehr Druck. Nicht mehr so zu sein, wie du nun mal warst. Nicht mehr alleine zu sein. Endlich mit einer Frau zu schlafen. Einem Mädchen. Endlich Ruhe zu haben. Vor Vätern, Marios, anderen Mädchen, Klassenkameraden und deiner Schwester. Endlich sich als ein vollwertiger Mensch deines Alters zu fühlen, nicht ein immer nur an sich selbst herumspielender Außenseiter. A weirdo. Ein Eigenbrötler. Oder möglicherweise gar etwas ganz anderes. Ein Schwuler. Einer vom anderen Ufer, der nur so tut, als wäre er eine Jungfrau, obwohl sein Arsch schon seit Jahren keine Jungfrau mehr ist. Tag für Tag baute ich einen unglaublichen Druck in meinem Inneren auf. Sie wissen gar nicht, wie das ist. Wenn man will, endlich will…aber nicht kann, irgendwie nicht kann, weil man sich einfach nicht traut, den nächsten Schritt zu tun, ein Mädchen zu fragen, aus Angst eine Abfuhr zu bekommen, einen Korb. Dabei ist man doch ein ganz normaler Junge mit Gefühlen, Sehnsüchten und Wünschen. Kein Holzklotz wie Mario. Ich habe auch Gefühle! Ein ganz normaler Junge, der immer und immer wieder den Breakfast Club guckte und sich so nach menschlicher Nähe (nicht nur nach Sex, sondern einfach nach Wärme sehnte), die ihm aber keiner geben wollte. Oder konnte. Wer will schon mit diesem Sonderling zusammen sein, der den Mund nicht aufkriegt.

Gehemmt ist.

Schüchtern ist.

Vielleicht sogar schwul ist.

Einen  Sprachfehler hat.

Immer so doof guckt.

Der heult. Aus heiterem Himmel.

Diesem Außenseiter.

Der immer nur guckt, während andere machen.

MACHEN!

HANDELN!

Nicht so lange warten.

Wie gern wäre er so gewesen, wie die Jungs aus dem Breakfast Club, dem Frühstücksclub, diesem Film, den er damals gefühlte 50 Mal geguckt hat. Wie sie war auch er…

ein Schlaukopf, ein Muskelprotz, eine Ausgeflippte, eine Prinzessin und ein Freak…


Aber wenigstens für diesen Abend war er keine Jungfrau mehr. Denn er hatte es getan, hatte mit dieser unbekannten, rassigen, ausländischen Schönheit geschlafen. Am Strand, wie es sich gehört. Für einen richtigen Stecher. Nicht wie du Mario, der du ihn noch nicht mal reinkriegst. Bei mir flutschte das nur so! Muss wohl an der Nähe zum Wasser gelegen haben. Salzwasser auf deiner Haut.

Warum hab ich damals nicht einfach ganz unschuldig gesagt, so als könnte mich kein Wässerchen trüben: Bei mir ging er eigentlich ganz gut rein, der Kleine? Warum nur nicht? Wenn ich doch bloß die Zeit zurückdrehen könnte.

Warum fällt mir so was immer bloß im Nachhinein ein? Immer erst, wenn alles vorbei ist. Das ist immer so.

Siehst du Mario, ich bin keine bemitleidenswerte Jungfrau mehr und bei mir flutscht es nur so. Vielleicht ist ja deiner zu groß!