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Donnerstag, 29. März 2018

Buena muerte









…das war dieses Jahr, wo wir gegenüber von diesem Fitnessstudio gewohnt haben. Wo die mitten in der Nacht immer den Müll abgeholt haben, was Nadine unglaublich störte und was ich lustig fand. Wie oft habe ich damals mit ihr geschlafen?! Ohne es zu schätzen zu wissen. Heute schläfst du mit niemandem mehr. Und deine Eier tun weh. Und damals dachtest du, das würde ewig dauern, das würde nie enden, mit euch. Was ließ dich das denken? Weil sie die Erste war?

Geburtstag. Heute ist ihr Geburtstag. Und ich habe es nicht gemerkt. Habe es noch nicht mal gemerkt. Ich habe ihren Geburtstag vergessen. Wie peinlich ist das denn?! Ist das jetzt gut oder schlecht, dass du ihren Geburtstag vergessen hast? Heute am Gründonnerstag hat sie Geburtstag und du guckst dir das Hotel in Barcelona an, wo ihr vor Jahren, Jahrzehnten wart und merkst es noch nicht mal. Findest es sogar. Wie letztens das Restaurant in Sevilla. Wo ihr wart, abends, in der lauen andalusischen Nacht.

Warum dachtest du, es würde ewig halten?

Das ist mir gar nicht aufgefallen… Heute ist ihr Geburtstag! Und du guckst die Osterprozessionen in Málaga (da wart ihr auch…) und merkst nichts…

…la congregación de la buena muerte…

…ob sie auch an dich denkt…

Hostal Apolo

du wusstest sie nicht zu schätzen, ihre Präsenz in deinem Leben, hast sie als selbstverständlich angesehen und zu spät gemerkt, dass sie es nicht war

de la buena muerte

Deswegen ist María zweimal weg. Jetzt verstehst du das auch, jetzt verstehst du das erst.

Soll sie doch…

ob sie auch an dich denkt, nur einen Augenblick lang, einen Geistesblitz lang













Montag, 5. Februar 2018

Du Pilzkopf, du!














Ich stehe nach dem Duschen vor dem Spiegel und denke: Deine Haare sind auch wieder ziemlich lang. Ist das wirklich schon so lange her, dass ich das letzte Mal beim Friseur war?! Aber egal: Das ist noch okay, das ist noch nicht zu lang. Wenn es zu lang wird, gehe ich schon wieder zum Friseur, keine Angst. Außerdem sieht es so gar nicht mal so schlecht aus, mit den kleinen Wellungen hinterm Ohr, fast schon jugendlich. Was bei einem mittelaltrigen Mann eben so als jugendlich durchgeht (scheiße, ich bin nicht mehr jung, als jung kann ich mich nicht mehr wirklich bezeichnen!). Friseure sind sowieso so eine Art rotes Tuch für mich. Ich bin noch nie gerne zum Friseur gegangen. Für mich grenzte das immer an Körperverletzung. Das fing schon damals an, in Kessenich, als ich zu diesem Salon auf der Ecke gegangen bin und eine Vanilla-Ice-Frisur haben wollte (ja, ich weiß…aber ich war Rap-Fan), die mir aber einen Skinhead verpasst haben. Wo mich dann, am nächsten Tag in der Schule, mein Französisch-Lehrer (der den Krieg bestimmt noch miterlebt hatte) fragte, warum ich denn so eine kurze, radikale Frisur hätte. Radikal sagte er nicht, denn seinem Ausdruck entnahm ich, dass er das durchaus positiv sah, mit meiner Frisur. Obwohl es mir tierisch peinlich war. Und auch die Rap-Tante (die sitzengeblieben war und jetzt unsere Klasse terrorisierte und die beste Freundin meiner Angebeteten aus Peru war – nochmal ja ich weiß…) fand meine (fehlenden) Haare „geil“. Wenn ich so darüber nachdenke, war das das einzige Mal, wo ich Ana (so hieß die Peruanerin, die voll in mein Beuteschema passte) näher als in diesen endlosen Augenblicken, die ich mit ihr austauschte (ich weiß gar nicht mehr, wie ich in der Mittelstufe überhaupt was mitbekam, bei all den Blicken in ihre Richtung, in ihre Augen und vielleicht auch in ihr junges Herz). Aber wo waren wir…

Sonntag, 31. Dezember 2017

...sagt meine Tochter... (Silvester 2017)















Eigentlich wäre ich ja morgen in Urlaub geflogen.“

„Wohin?“

„Weiß nicht. Irgendwo anders hin. Wo es warm ist. Was Billiges. Einfach nur weg.“

„In Spanien ist jetzt auch kalt.“

„Nein, Türkei oder so. Alleine …“, sagt, nein, nicht er, sondern sie. Seine Tochter! An Silvester!


Sonntag, 22. Oktober 2017

Anders als hier...




Quiero que vengas conmigo…
…a cualquier otra parte…
(Dorian)








Weil ich nichts Besseres zu tun habe und eh keine Kunden da sind, höre ich auf der Arbeit Übers Internet spanisches Radio. "Radio Nacional España". Es läuft eine Diskussion um die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien. Eigentlich wollte ich ja Fußball hören, aber das Programm wurde aus aktuellem Anlass unterbrochen. Egal, dann höre ich eben das. Aber irgendwie kommt schon nach kurzer Zeit dieses Gefühl hoch. Das erinnert mich voll daran, wie ich damals immer Radio gehört habe, im Bus in Spanien, auf dem Weg in eine andere Stadt. Das war so geil, dieses Gefühl. Alle waren am Schlafen, Nadine, María und alle anderen Leute um mich herum und ich konnte nicht schlafen (das konnte ich noch nie, weder im Bus noch im Flugzeug noch irgendwo auf Reisen) und hörte fast die ganze Nacht spanisches Radio. Diskussionen. Berichte (da lief fast nie Musik, was im Nachhinein komisch war). Draußen die spanische Nacht. Die Dunkelheit, die Hitze (die man nicht richtig spürte, denn anders als in Deutschland hatten die Busse alle eine Klimaanlage), die  gelben Lichter, wenn wir durch größere Ortschaften durchfuhren, das Land, das war unglaublich, dieses Gefühl…

Montag, 11. September 2017

Hintergrundbilder




Montag-Vormittag, vor dem Computer, fange ich auf einmal wieder an, auf Google Earth Spanien-Bilder für meinen Bildschirm-Hintergrund zu suchen. Keine Ahnung warum, eigentlich habe ich ja schon eine veritable Sammlung in der Dia-Show, die ich mir so eingerichtet habe, dass das Bild alle fünf Minuten wechselt. Im Zufallsmodus.

Obwohl die Bilder eigentlich alle ziemlich ähnlich sind: Das sind alles große, weite Aufnahmen, entweder von spanischen Stränden, vom Meer selbst oder von Straßen in spanischen Städte. Die nicht immer weit sind, aber doch die Weite irgendwie in sich tragen. Unbewusst. Meistens handelt es sich bei den Städten um Cádiz und Barcelona, die wie zwei Pole meiner Seele sind: die eine Stadt überschaubar, winklig, aber mit Europas bestem Wetter und schönsten Sandstränden gesegnet, die andere groß, wuselig und international. Aber auch Madrid, Valencia und sogar Pamplona kommen in meiner Sammlung vor.
 


Donnerstag, 17. August 2017

Sevilla, in einem anderen Leben



In einer anderen Welt, in der ich mich nicht mehr befinde, öffne ich abends um acht auf der Arbeit Google Earth Pro und suche nach diesem Hotel in Sevilla. Davor habe ich eine Stunde Antonio Orozco gehört, aber das – anders als gestern mit María im Nebenzimmer – hat nichts gebracht. (Jetzt, wo ich das sage, fällt mir auf: Hey, Antonio Orozco ist ja auch aus Sevilla! Zufälle gibt’s!)

Mittwoch, 19. Juli 2017

Gewitter
















Wie die Hexe in Hamlet – nein, das war Macbeth, in Hamlet war die Hexe menschlicher und nicht übernatürlicher Natur – liege ich auf der Matratze, fast nackt, bis auf die Unterhose, während draußen der Wind immer stärker wird. Ich bin Wassermann, also eigentlich von Natur aus mit den Elementen Luft und Wasser verbunden. Das Gewitter hat noch nicht begonnen, ist aber vorausgesagt. Ich gehe ans Fenster, beuge mich auf die Fensterbank aus schwarzem Marmor, durchfurcht von weißen Pünktchen und Streifen.

Mittwoch, 26. April 2017

Strand, Mädchen und Latin Lovers
















Meine Hose ist immer noch voll nass.

 „Müssen wir noch ein bisschen warten. So kann ich mich ja nicht in den Bus setzen. Mach ich ja alles nass. Nachher muss ich noch den Bus sauber machen. Warum gehen wir eigentlich überhaupt schon.“                         Ich möchte den Strand hinausschieben

Wir sind an diesem Strand in der Nähe von Puerto de Santa María. In der Nähe von Cádiz. Dieser Strand, der ein bisschen abgelegen ist, aber auch nicht zu weit weg von der Zivilisation. Mit dem Bus gut zu erreichen. Es ist heiß, aber hier am Atlantik, an der Atlantikküste Andalusiens, an der Costa de Luz, geht immer ein leichter Wind. Am Himmel ist keine Wolke zu sehen. Schon seit Tagen nicht. Wahnsinn. Im Hintergrund das stete Rauschen der Wellen. Es ist ungefähr drei Uhr nachmittags und Nadine will gehen. Schon lange

Donnerstag, 30. März 2017

Geile Fotos















Das war bestimmt die Sonne, die mir damals zu Kopf gestiegen ist. Bestimmt. Ein blauer Himmel bis zu den Sternen. Keine Wolke. Nur Wind. Viel Wind. Aber ohne jegliche Wolken. Fast magisch. Ein blauer Himmel, der einen bis zu den Sternen hätte hinauf schauen lassen, hätte ich auch nur einen Moment meinen Blick von ihrem Dekolleté lösen können. Auch María regte sich schon auf. War eifersüchtig. Aber ich war einfach nur…glücklich (warum merkt man das eigentlich immer erst hinterher? Warum ist das Leben so kompliziert, so beschissen kompliziert, kostet so viel Arbeit, wenn es auch einfach ginge…[vielleicht, weil wir sterben, weil wir sterben müssen – eine andere Erklärung fällt mir auch nicht ein, aber ich habe ja eh keine Ahnung]). Und fotografierte ahnungslos weiter.

Dienstag, 21. Februar 2017

Roma 2012 III




Ich wusste gar nicht, was ich hier suchte, hier draußen in der lauen römischen Nacht. Ein Hemd an. Auf alle Eventualitäten vorbereitet. Oder doch nicht? Ich weiß es nicht mehr. Vielleicht hatte ich auch einfach nur meine Shorts an – vielleicht sogar meine Strandshorts. Die mit den roten Blümchen. Keine Ahnung, ob ich die damals schon hatte. Oder die weiße mit den roten Streifen. Die war zumindest aus Stoff. Nicht wie die Blümchenshorts, die mehr eine Badehose als eine richtige kurze Hose war. Ja, vielleicht hatte ich die ja damals noch, diese weiße Shorts mit den verschiedenen vertikalen Streifen. Die mich immer ein bisschen an ein Geschirrhandtuch aus der Küche erinnert hatte. Oder hatte ich mir gar vor meinem nächtlichen Gefängnisausbruch eine lange Hose angezogen? Wie hätte ich das vor Nadine rechtfertigen sollen. Wenn sie mich beim Wiederkommen erwischt hätte. Morgens um vier, am Ende meines Freigangs. Als es in Rom schon fast wieder hell wurde. Obwohl: Das lange Hemd hätte ich ihr genauso wenig erklären können. Denn das war eins der eleganteren Sorte. Die ich in Deutschland nicht zur Arbeit anzog. Aber in den Urlaub mitnahm. Keine Ahnung warum. Um einen guten Eindruck zu hinterlassen. Wie in den 50ern und 60ern, wo die Leute noch elegant, in Anzug und Krawatte geflogen sind. Und nicht wie heute in Stranduniform und Sandalen mit Tennissocken. Keine Ahnung warum. Mein Urlaub war etwas Besonderes. Der Urlaub mit meiner Familie. Diese fast schon magisch anmutenden zwei Wochen im Jahr. Wenn es überhaupt zwei Wochen waren, die ich, die wir uns leisteten. Keine Ahnung. Das war das Hemd mit den verschlungenen Rosen auf schwarzem Stoff, das war richtig elegant. Das, wo man immer aufpassen musste, dass nicht auf einmal der Knopf in der Mitte, in der Mitte des Bauches aufging. Und man auf einmal unfreiwillig bauchfrei spazieren ging. Mit Guckloch. Aus dem bei genauerem Hinsehen schwarzbraune Brust und Bauchhaare quollen. Aber in Italien waren die vielleicht gar nicht so ungewöhnlich… Die platzenden Knöpfe wahrscheinlich aber schon, denn hier im Süden waren die Leute deutlich schlanker als in Mittel- oder Nordeuropa. Nicht so viel Frustessen, mehr Strandtage und eine mediterrane Diät trugen bestimmt zu dieser sprichwörtlichen bella figura der italienischen Männer und Frauen bei. So viel Schwabbel-Wabbel wie bei mir und bei meinen Landsleuten sah man hier auf jeden Fall nicht.

Freitag, 17. Februar 2017

Roma 2012 (Teil II)











Just a perfect day
Drink Sangria in the park
And then later
When it gets dark, we go home

Just a perfect day
Feed animals in the zoo
Then later
A movie, too, and then home

(Lou Reed - Perfect Day)






Aber obwohl ich mich daran erinnere, dass ich in diesem Jahr, und vielleicht sogar in diesem Urlaub, angefangen habe, ernsthaft Rammstein zu hören, so war doch das Lied dieses Sommers nicht etwa Mein Teil, Dalai Lama, Los oder Keine Lust – obwohl du diese Lieder und besonders Los oder Keine Lust auch richtig geil fandest, während María mehr auf Amerika stand (bis heute kann sie sogar Du hast mitsingen, keine Ahnung warum…).

Mittwoch, 8. Februar 2017

Roma 2012




Wir wohnten damals in so einer „Pension“. Keine Ahnung, wie die genaue Bezeichnung war. Aber ein Hotel war das auf gar keinen Fall. Die hatten wir schon von Deutschland angerufen. Wie wir das immer gemacht haben. Jedes Jahr. Jedes Jahr das Gleiche. Wir suchten uns einen günstigen Flug im Internet (meistens Ryan Air), bezahlten den mit der Kreditkarte von Marías ehemaliger bester Freundin, zu der sie eigentlich schon lange keinen Kontakt mehr hatte, die wir aber immer noch anriefen (immer wenn wir in Urlaub wollten und mit der Kreditkarte bezahlen mussten). Und erst dann, nachdem all das erledigt war, fingen wir an, nach einem günstigen Hotel zu suchen. Nach dem günstigsten, um genau zu sein. Das ging auch immer relativ gut (vorbei waren die Zeiten, wo wir mit María im Kinderwagen in Alicante gelandet waren und erst dann, nach der Ankunft am Flughafen, nach einem Hotel für die Nacht suchten (ich kann mich immer noch an das Gesicht des Taxifahrers erinnern, der wirklich nicht amused war!).

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Sekunden vor dem Tod







IV. DEATH BY WATER

Phlebas the Phoenician, a fortnight dead,

Forgot the cry of gulls, and the deep seas swell

And the profit and loss.

                          A current under sea
 1
Picked his bones in whispers. As he rose and fell

He passed the stages of his age and youth

Entering the whirlpool.

                          Gentile or Jew

O you who turn the wheel and look to windward,

Consider Phlebas, who was once handsome and tall as you

(T.S. Eliot, The Waste Land)







...aber keine Angst: Eines Tages verstehen Sie es!(Lester Burnham American Beauty)






Als er ging, kurz bevor er ging, sah er sein Leben noch mal an sich vorbeifliegen.

Und er wusste, dass es das nicht wert gewesen war, dass er nicht gelebt hatte, dass man nicht leben konnte.

Selbst wenn man wollte.

Samstag, 10. Dezember 2016

Never forget...




Ich weiß noch, wo wir auf Gran Canaria waren. Ich weiß nicht mehr, ob das das erste Jahr war oder nicht. Das Jahr, in dem ich Patricia kennengelernt habe, oder das, wo sie zurückgekommen ist. Auf jeden Fall lief da dieses Lied. Von Take That. Die ich eigentlich hasste…oder hassen sollte, da meine Schwester total vernarrt in die war. Ihr ganzes Zimmer mit Postern von denen zugepflastert hatte. Ich weiß gar nicht mehr, wer ihr Favorit war. Ich glaube fast Robbie, dessen Lied Feel ich selbst später liebte. In meinen Zwanzigern. Als Robbie Williams so richtig berühmt war. Im Radio rauf und runter lief. Jedes Mal sang ich es mit. Bei jeder Gelegenheit. In der Disko, zu Hause, überall. Ich wollte auch etwas fühlen. Fühlen, dass ich lebte.

Weil ich es schon nicht mehr tat…?

Donnerstag, 29. September 2016

Garrucha, Andalusien










Ich weiß noch, als wir im Urlaub waren, das letzte Mal zusammen im Urlaub. Bei ihren Verwandten in Andalusien. In der Nähe von Almería. In…wie hieß das noch mal…keine Ahnung...ich weiß es nicht mehr…doch: Garrucha. Jetzt fällt's mir wieder ein. Das war’s, Garrucha! Muss man nicht kennen. Nicht unbedingt. Kein Highlight. Die wohnten da in einem Hochhaus in der Nähe des Strandes und waren sehr „nett“. Fast schon zu „nett“. Scheißfreundlich fast schon. Der Typ war Mechaniker und erinnerte mich irgendwie, so von seiner ganzen Art her, an ihren Schwager. Anders als ihr Schwager war der aber glaub ich nicht mir ihr "Fahrrad fahren". Schließlich war sie ja in Garrucha die ganze Zeit bei mir…

Wie wir da abends rausgegangen sind, kurz vor Sonnenuntergang, kurz bevor es selbst hier, im Süden Spaniens dunkel wurde. Wie wir am Meer spazieren waren, da wo die ganzen Hotels waren, diese ganzen teuren Hotels…

…ich hätte nie gedacht, dass sie mich irgendwann verlassen würde. Nie im Leben hätte ich das gedacht. Dass sie irgendwann gehen würde. Und nie wiederkommen würde.

Streit, ja…okay…aber verlassen? Niemals. Wir waren so…close, so eng, so keine Ahnung. Wie verwachsen. Symbiotisch. Co-dependent. Vielleicht genau deswegen, genau, weil wir so waren, so wie wir waren. Weil wir uns so nah waren. Und doch so weit voneinander weg

Ich dachte immer, dass sei für immer. Für immer und ewig. Obwohl ich natürlich frustriert war. Fast schon chronisch frustriert. Natürlich frustriert. Aber ich hätte sie nie verlassen. Ich hätte sie nie verlassen. Im Leben nicht. Soviel ist sicher. Frustrationen hin oder her. Wir waren wie ein Team. Ich, sie und María. Sie, ich und María. María, sie und ich

So kann man sich täuschen

Ich spürte sie, berührte sie, fast schon ständig, packte ihr an den Arsch, María regte sich auf, wir machten Witze, scherzten und auf einmal ist sie weg. Nie wieder ein Wort, nie wieder ein Witz, ein Lachen             Kein Wort, kein gar nichts. Noch nicht mal durch Zufall habe ich sie seitdem gesehen. Noch nicht mal durch Zufall.

Und frage mich heute immer wieder: Wie viel von all dem war echt? Und denke: Das kann doch nicht alles falsch gewesen sein, pure Einbildung, eine Illusion, ein Schimäre

in der warmen, andalusischen Nacht. María glücklich, ich glücklich…sie glücklich?

Wie viel von dem war echt? Von dem Glück zu dritt? Oder war alles echt und es hat sich einfach so ergeben? Durch einen dummen Zufall

(es gibt keine Zufälle)

damals wollte ich sogar ein zweites Kind von ihr, hab ihr das gesagt. Einen Santiago oder eine Liv. Oder war das nur Spaß? In jeden Scherz steckt immer auch ein ernster Kern? Ich war glücklich mit ihr, ich war doch glücklich mit ihr? Oder verkläre ich die Vergangenheit? In meiner Einsamkeit? Es ist so schwer zu sagen, aber wenn sie heute zurück wollte, ich würde wieder nehmen. Bin ich etwa besessen? Krankhaft fixiert? Liebeswahnsinnig? Würde mit ihr und der dafür fast schon zu alten María in den andalusischen Sonnenuntergang gehen, direkt am Meer, am Wasser, an den Wellen

die alles wegwaschen

Ihre warmer, quirliger Körper neben mir, im Hintergrund die roten Lichter der spanischen Nacht, das Rauschen des Meeres, die sauber gemähten und gesprengten Wiesen, der trockene, staubige Weg, die Wärme

die Nacht

um uns herum

nur Nacht

Nie wieder. Jetzt herrscht nur noch eisige Kälte (trotz des schwülen, deutschen Sommers). Eisige Kälte und Geld. Geld hier und Geld da. Hier ein bisschen, da ein bisschen: Ausgaben, Forderungen, Anwaltskosten, Prozesskosten. Und María ist 3 ½ Tage hier, 3 ½ Tage da. Und uns beiden bricht es hoffentlich das Herz, ihr unter Woche und mir am Wochenende – aber keiner will das zugeben, will sich die Blöße geben, vor dem anderen, dem Antragsgegner.


Wir sind Tiere, die sich Illusionen machen können bis sie platzen


Die Lichter sind aus, die Wärme ist weg (oder so schwül-deutsch, dass sie unerträglich wird), die Sonne scheint bald hoffentlich auch nicht mehr

Dieses satte Rot Andalusiens, das sich sogar in der spanischen Flagge wiederfindet, das Feuer von 35 Grad am Tag und 25 in der Nacht, die roten und weißen Lichter, die uns den Weg ausleuchten, den Weg zum Licht

Die deutsche Flagge ist zwar auch rot, aber dieses Rot steht nicht für das Feuer, die Leidenschaft, sonder für das verflossene Blut. Wofür das Schwarz steht ist ja wohl klar…Und das Gold steht für das Geld. Der Deutschen liebe zum Geld, das sie horten, das sie verstecken, tief unten im Keller, wie ihre Gefühle, fast schon verschüttet, um zu sehen wie es langsam anwächst

Obwohl sie wissen, sie ganz genau wissen

dass nichts bleibt, dass nichts bleibt, dass nichts bleibt


wie es war






wie ich versucht habe, sie in diesem Zimmer, dem Zimmer, das der große Sohn der Familie für uns geräumt hatte, in den Arsch zu ficken

und sie nicht wollte

in der heißen, südspanischen Nacht










Dienstag, 2. August 2016

Quiero vivir - ich will leben












Er geht nachts die Strandpromenade in Barcelona entlang. Diese langgezogene Promenade, die sich direkt oberhalb der Hausstrände der Millionenstadt befindet und die kilometerlang ist. Keine Ahnung wie viel Uhr es ist. Halb zwei, halb drei, keine Ahnung. Heute ist er bestimmt schon zehn Kilometer gelaufen, wenn nicht sogar mehr. Und jetzt ist er hier, kurz vor diesen beiden Hochhaustürmen, von denen einer von der Renfe, der spanischen Bahngesellschaft ist. Im anderen befinden sich Hotels, Restaurants, Clubs und alles Mögliche: sogar ein Casino. Kurz vor den ganzen Großraumdiskos der Stadt, die sich direkt unter der Promenade befinden und deren Eingänge wie U-Boot-Türme aus der Promenade hervorragen. Es ist immer noch angenehm warm (vielleicht sogar angenehmer als die Hitze am Tag). In Barcelona wird es im Hochsommer fast nie nachts kalt. Oder gar kühl. Rechts ist der Stand und dahinter das Meer, dunkel und unergründlich in der Nacht (nachts sind bestimmt auch mehr Fische unterwegs als am Tag) und links die Großstadt. Dieses Krankenhaus. Die Bänke, von denen die Promenade gesäumt ist, sind selbst um diese fortgeschrittene Uhrzeit noch voller Menschen: Jugendliche, Touristen und Typen, die aussehen, als würden sie Drogen nehmen. Aber selbst die Drogensüchtigen kommen ihm hier nicht so assig vor wie in Deutschland. Es gibt sogar noch den einen oder anderen Jogger, der mit freiem Oberkörper die Promenade entlangläuft. Um diese Uhrzeit. Und die Partygänger, oft Engländer oder Amerikaner, die Männer oder Jungs leger, aber gleichzeitig elegant gekleidet, mit Poloshirts und eleganten kurzen Hosen, die Frauen mit selbst für die teuren, exklusiven Clubs am Strand overdressed, in langen, oft schwarzen Kleidern mit Schlitz. Das sieht schon geil aus, elegant und alles, aber schwarze Abendkleider in dieser Hitze? Selbst der Schlitz kann da wohl kaum für Belüftung sorgen, in den unteren Regionen. Nicht, dass die das merken würden, so zu wie viele von denen sind. Von Alkohol und vielleicht auch Drogen, fettigem Essen und Wein.







Er selbst ist komplett nüchtern. Die ganze Nacht ist er in der dunklen und zugleich hell erleuchteten Stadt umhergewandert. Auf der Suche nach was? „Dem gestrigen Tag?“ würde seine Mutter sagen. Wohl mehr dem gestrigen Jahr. Oder dem vorgestrigen, wenn es sowas überhaupt gibt, als Wort meine ich. Einer Zeit, wo er noch halbwegs glücklich war in seinem Leben, Im Vergleich zu dem jetzigen „überhaupt nicht mehr“. Kein bisschen mehr. Kreuzunglücklich. Selbst hier, in Barcelona, der Stadt seiner Träume. Hier leben. Oder sterben? Barcelona sehen und sterben. Barcelona riechen, im Sommer, dieser Geruch aus Frittierfett, salzigem Meer, Dreck und menschlichen Körpern. Barcelona spüren. Aber wie soll er es denn spüren, dieses Jahr, wenn er sich noch immer in Schockstarre befindet, wenn er eigentlich nichts mehr fühlen will, nichts mehr fühlen kann, damit es nicht zu viel wird und seine Gefühle überlaufen. Überhand nehmen. Wenn der Körper seine Gefühle sozusagen zum Selbstschutz heruntergefahren hat. Bis auf ein Minimum: Du vermisst sie, du liebst sie (immer noch), du willst das nicht, du willst nicht hier sein, nicht allein sein, du willst deine Familie wieder, du liebst sie, du wirst sie immer lieben, sie ist weg, für immer, du kannst sie nicht vergessen, wie solltest du denn auch, alles ist noch frisch wie eine Wunde, die nicht heilen will, die er immer wieder aufreißt, um sich daran zu erinnern, dass er noch lebt, dass er noch etwas fühlt, dass dies alles noch real ist

Hier am Strand ist noch immer so viel los, die Wellen sind kaum zu hören. Sind aber da, immer da. Die dunklen Wellen im Hintergrund. Die ein stilles, aber nicht minder machtvolles Gegengewicht zu all dem Leben, all den Leuten, all den Lichtern bilden. Es soll sogar Leute geben, die hier nachts nackt baden gehen. Nackt im dunklen Meer. Die Toten und die Nackten.

Er selbst ist den ganzen Abend durch die Stadt gelaufen. Über den gewaltigen, monumentalen Plaça de Catalunya die Ramblas runter am Hafen entlang zum Strand. Auf der Suche nach was. Etwas, irgendetwas, egal was, dass in von seinen Gedanken ablenkt. Seine Gedanken an sie. Er weiß selbst nicht, nach was er sucht, das wusste er noch nie. Seit er sich bewusst ist, dass er überhaupt etwas sucht. Unsterblichkeit vielleicht, Leben vielleicht, Ruhe, Sex, Liebe, was weiß ich. Geborgenheit, Freundschaft, einfache Zuneigung? Die er hier nicht finden wird, das weiß er instinktiv jetzt schon. Obwohl die Stadt am Meer, diese unglaublich schöne Stadt am Meer eine willkommene Abwechslung von Deutschland bietet. Immer wieder quatscht ihn eine Prostituierte an – zuerst zaghaft, wie diese Rumänin oberhalb des Plaças de Catalunya, die irgendetwas von cigarro murmelt. In die Nacht hinein. Er kann zwar Spanisch, aber ist cigarro nicht eine Zigarre, und keine Zigarette (cigarillo)? Am Anfang – bei eben dieser Rumänin – ist er sogar noch so naiv zu glauben, die wolle wirklich eine Zigarette und sagt geistesabwesend no („nein“), no tengo (hab ich nicht). Sagt leicht traurig, leicht genervt: No tengo nada. Ich hab nichts. Davon abgesehen, dass meiner allerhöchstens eine lausige Zigarette ist (und keine dicke, lange Zigarre), ist er seit März außer Betrieb. ¿Fuera de servicio, entiendes? Tot. Muerto, weil seine liebeskranke Wüstenmaus nicht mehr den Weg in die sichere Höhle, zu der sicheren Partnerin zurückfindet. Nach dem Sandsturm. Und selbst wenn, dann wär sie nicht mehr da

Außerdem ist er noch nicht verzweifelt genug, um mit einer dieser Prostituierten, dieser Straßen-Prostituierten mitzugehen. Und die wollen das auch nicht, die wissen das nur nicht. Später, auf den Ramblas wird es richtig schlimm. Als einzelner Mann. Da hast du keine Chance. Diese ganzen Schwarzen, große, wortwörtlich schwarze Frauen mit kräftigen Oberarmen und dicken Ärschen, die alles anquatschen, was keine Freundin oder Familie bei sich hat und bei drei noch nicht auf den hier durchaus spärlich gesäten Palmen ist. Mit so einer würde er sowieso nicht mitgehen, nie mitgehen. Das ist nicht seine Art von Frau. Die machen ihn Angst, wie sie wie Heuschrecken über die Touristen-Männchen herfallen. Wie sie einen anquatschen und sogar sagen „wanna fuck“, „sex“. Nicht nur, dass es im mittleren, südlichen Teil Afrikas, aus dem die kommen (weil verschleiert sehen die nicht gerade aus…) eine wesentlich höhere AIDS-Rate als in Westeuropa gibt, ist der Sex bei diesen Frauen keineswegs garantiert. Das ist wie auf Mallorca: Die bedrängen einen, locken einen in die dunklen, engen Gassen links und rechts der Ramblas und wenn man erst einmal die Hosen unten hat, kriegt man nachher noch das Portemonnaie abgezogen, ohne irgendeine Gegenleistung zu bekommen. Näh, näh, ich bin doch nicht lebensmüde; oder zumindest nicht so lebensmüde. Auf eine andere, weniger riskante  Art…

Aber hier, auf der Promenade, ist er relativ sicher vor dieser Art der Belästigung (und genau das ist es strenggenommen, was die machen: sexuelle Belästigung! Aber bei Männern zählt das ja nicht…).  Hier sind sowieso kaum Einheimische. Und wenn dann nur die Partner, die Freunde, die Ehemänner der schwarzen Frauen von weiter oben, die versuchen, im Auftrag der Diskos, den mehr oder minder zurechnungsfähigen Touristen ermäßigte Tickets anzudrehen, die sie zwar in die Diskos bringen, aber sie trotzdem nicht vor den 10-Euro-Bieren an der Bar schützen.

Und auf einmal passiert es. Dieser eine Moment, diese Epiphanie im alles verschlingenden Alltag, der hier zwar nicht grau ist, sondern eher blau und beige, den es aber trotzdem gibt. Er hört eine Gruppe junger spanischer Frauen in eleganter Abendkleidung (ohne Lüftung!). Sie kommen ihm entgegen die Promenade entlang und eine sticht besonders hervor. Er mag Spanierinnen, besonders hier, wo jede Menge junger englischer und amerikanischer Schnitzel auf Beinen langlaufen. Aber die eine von denen (keine Ahnung, ob die wirklich „jung“ oder nur „noch jung“ sind, wahrscheinlich  eher das Letztere), die hat sich in sein Gedächtnis förmlich eingebrannt, durch das, was sie sagt, was sie immer wieder in die laue, spanische Nacht hinausschreit. Rebellisch, sich gegen das Leben auflehnend. Immer wieder ruft sie diesen Satz, am Anfang noch ziemlich unmerklich und dann immer deutlicher:

Quiero vivir la vida

Quiero vivir la vida

Quiero vivir la vida

Am Anfang noch betrunken lachend, dann immer insistenter und am Ende fast schon verzweifelt, als sie merkt, dass keiner große Notiz von ihr nimmt.

Quiero vivir la vida

Ich will das Leben leben

Ich will leben

Ich will (endlich) leben

Quiero vivir la vida

Genau wie du damals, Anfang der 2000er immer in der Disko Robbie Williams gesungen hast:

I just wanna feel
I just wanna feel

Dich hat auch keiner gehört, dich hat auch nie einer gehört, damals nicht und überhaupt: dein ganzes Leben nicht.

Dich hat nie einer gehört.

Dich hat eigentlich nie einer gehört.

Quiero vivir la vida

Weißt du was, weißt du wie gerne ich jetzt zu dir rübergehen würde, dich in die Arme nehmen würde und sagen würde:

Yo también

Ich auch.

Weißt du, wie lange ich das schon will. Das Leben leben. Einfach nur leben. Spaß haben. Die Welt einen am Arsch lecken lassen. Die Welt in den Arsch ficken, von hinten nehmen und einfach nur leben

Weißt du das?

¿Sabes?

Aber am Ende machst du es nicht. Bleibst nur kurz stehen und starrst sie im Dunkeln bewundernd an. Ohne dass sie etwas davon merkt. Natürlich. Wie sollte es auch anders sein. In einer anderen Welt. Wir haben nur ein Leben. Da gehen wir nicht rüber, umarmen die, geben ihr ein Küsschen auf die Backe. Und sagen: Yo también. Yo también quiero vivir. ¿Sabes? Lo he querido toda mi vida. Toda mi puta vida. ¿¡Y, qué ha pasado!?

Nada

nada

como siempre

la misma mierda

la misma puta mierda de siempre

Du gehst nicht rüber, lässt dir deine Bewunderung, deine aufwallenden Gefühle, deine hochkommenden Emotionen noch nicht mal anmerken. Warum eigentlich nicht?

Vielleicht, weil jeder am Ende in seinem eigenen Gefängnis „lebt“. Ob in Spanien oder in Deutschland. Jeder „lebt“ sein eigenes Leben. Jeder will leben…

…aber keiner tut es. Wirklich

Wenn man etwas so sehr will, dann gibt einem das Leben es nicht. Auch ihr nicht.

Und dir sowieso nicht.

Nur die Stimmen verhallen. Und du gehst weiter

Denkst mit einer gewissen Häme: Die wird auch noch merken, dass das, was sie will, nicht möglich ist. Nicht in dieser Welt






Oder nur bedingt. Und das will weder sie noch du