Posts mit dem Label Literatur werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Literatur werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 8. Februar 2025

Traumdeutung Episode 3 nach C



Im Traum sitzt sie auf einem Sofa. In einer kleinen Wohnung


(Aber ist es wirklich oder eine andere,du weißt es nicht. Es könnte auch Nadine oder irgend jemand anderes, denn du hast sie nicht so rundlich in Erinnerung, im Traum meine ich,in echt schön.)

Donnerstag, 8. Februar 2018

Herzlichen Glückwunsch!













 
An meinem Geburtstag, einem kalten Tag im Februar, werde ich von meiner Tochter geweckt, die sich in der Küche Buttergemüse von Aldi für die Schule macht. Und einen Bagel, im Ofen. Meine Tochter, die irgendwas sagt, nuschelt, das ich nicht richtig verstehe.

Donnerstag, 25. Januar 2018

Buddha, Gott, Virginia Woolf und Sex



Warnung: Alles nur Verarschung! Das ist doch nicht DIE REALITÄT!








 
Als ich unten zur Haustür reinkomme, sehe ich, was María eben meinte. Die haben da echt einen Buddha eingeladen, in der Massagepraxis unten im Haus. Das heißt, nicht den echten Buddha – der ist ja wahrscheinlich schon tot oder im Walhalla oder Nirwana oder wie auch immer das bei denen heißt –, sondern so einen buddhistischen (?) Mönch. In orangefarbener Tracht. Während ich im Briefkasten nach der Post gucke, sehe ich, dass links im Hausflur eine ganze Reihe Schuhe steht (unter denen auch ein paar Turnschuhe sind). Boah, muss das bei denen stinken, wenn die alle die Schuhe ausgezogen haben… Aber es ist nicht so, wie María das gesagt hat; denn der Buddha sitzt da nicht mit dem Rücken zur Wand…

Dienstag, 23. Januar 2018

Heiligabend (im Wechselmodell)














Schon um neun Uhr irgendwas klingelt es. Fast schon Sturm. Auf jeden Fall nicht nur einmal. Nein, keine Angst, die können   dich nicht gepfändet haben, haha. Und die Polizei ist es, soweit ich weiß, auch nicht. Also   muss es wohl María sein.    Und du hattest noch gar keine Zeit, dir jetzt schon einen anzuzwitschern.   Obwohl ich schon wach bin, schon seit kurz nach acht. Obwohl ich  gestern erst um halb vier ins Bett gekommen bin. Nach der Arbeit war ich zwar schon um  zwei zu Hause, aber da ich heute frei hatte, dachte ich: Dann kannst du ja noch was machen.   Dann kannst du ja noch was fernsehen.    Beziehungsweise Pornos im Internet gucken, immer auf der    Suche nach dem perfekten Porno.

Sonntag, 21. Januar 2018

Samstagnachts halb zwei in Deutschland II












Mein Freund war wieder sehr sozial. Der hat den ersten Preis für das Kostüm gewonnen. Das hat er dann einem Mädchen geschenkt, weil die so traurig war. Der ist so süß!“

„Fährt der erst um neun?“

„Ja.“

Donnerstag, 4. Januar 2018

Ich glotz TV - ein Gehirnsturm













Jeder Tag ist ein Kampf. Das fängt schon kurz nach dem Aufstehen an. Ein Kampf gegen den Hunger (ich liebe Intervallfasten), ein Kampf gegen das Schweigen deiner Tochter, ein Kampf gegen die Scheiße im Fernsehen…

Aber egal: Bring’em on! Bring the motherfuckers on!

Denn: Wer nicht kämpft, der hat schon verloren!

Sie kommt aus ihrem Zimmer, sagt nicht Guten Morgen. Du aber auch nicht. Warum solltest du, wenn sie es auch nicht tut? Also scheiß auf einen guten Morgen. Ist sowieso überschätzt.


Sonntag, 5. November 2017

Klicks aus Ecuador













Scheiße, Mann! Hatte heute einen Schockmoment, als ich meine Klicks gecheckt habe. Ich meine, ich bin ja viele verschiedene Länder gewöhnt, aber das… Wahrscheinlich sind das eh nicht echte Klicks, was Google Analytics da zählt, sondern nur irgendein Scheiß. Irgendjemand, der zufällig auf meiner Seite gelandet ist. Abertrotzdem: Bei “zufällig“ muss ich Psycho jetzt wieder an den Paten denken, wie er genüsslich sagt: „Es gibt keine Zufälle!“ Also bin ich wieder unentschieden. Wie fast immer in meinem Leben. Sind das jetzt echte Seitenaufrufe, die das echt gelesen haben, was ich da geschrieben habe oder nicht. Schwer zu sagen. Unmöglich zu sagen. Auf jeden Fall hat nicht nur Blogger die beiden Seitenaufrufe registriert, sondern auch Google Analytics. Andererseits gab es seitdem keine Klicks/Seitenaufrufe aus besagtem Land mehr.

Dienstag, 24. Oktober 2017

Adler-Olsen, Chigurh und das Schwarze Buch






Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, 
blickt der Abgrund auch in dich hinein
Friedrich Nietzsche 







Ich gucke Adler-Olsen im Zweiten. Habe ich letzte Woche auch schon gemacht. War auch letzte Woche schon geil. Keine Ahnung, welche Folge besser war. Die heutige hieß Erlösung. War wieder krass. Und ich frage mich: Wie kriegen die das hin? Wie kriegen die das nur hin, die Skandinavier. Immer so nah an den menschlichen Abgrund zu gehen…

Dienstag, 8. August 2017

Shakespeare und Deutschland









Nerv nicht!“


Ich stand vor ihr, in der Tür ihres Zimmers, guckte sie an, ihr Blick war auf den Bildschirm ihres Handys gerichtet und ich versuchte, ihre Worte hinter einem Lachen verschwinden zu lassen, schaffte es aber nicht

Nerv nicht.

Freitag, 7. Juli 2017

Schwarzer Blog (Kaffee, bitte!)













Eines Abends, alleine auf der Arbeit, fasst er einen unglaublichen Plan... Vielleicht ist es ja die späte Stunde oder seine in letzter Zeit fast schon chronische Übermüdung, die in dazu bringen. Vielleicht ist es aber auch seine Einsamkeit, abends alleine hier in der “Halle“, draußen ist es schon dunkel und im Fernsehen läuft die Berichterstattung über die linken Ausschreitungen des „schwarzen Blocks“ in Hamburg.“Welcome to hell“ lautet das Motto der teilweise vermummten Demonstranten und „Krawallmacher“, wie der Reporter sie nennt. Und anders als die meisten Kommentare auf Twitter steht er den Aktionen dieser „Chaoten“, „Zecken“ und „Autonomen“ nicht ganz s feindselig gegenüber. Extra twittert er selbst nichts: Denn so würde er sich nur den Zorn der rechtschaffenen, selbstgerechten und natürlich völlig gewaltfreien Gutmenschen zuziehen, die mal wieder auf den Gutmenschen-Zug aufspringen, obwohl dies ja eigentlich im Widerspruch zu ihrer linken Ideologie stehen sollte. Das ist schon komisch: Er selbst, der politisch eher nicht so weit links zu verorten ist, hat Verständnis für die Proteste. Man muss was gegen die Ungerechtigkeiten auf der Welt und in Deutschland tun… Und wer hat sich jemals von friedlichen Protesten umstimmen lassen…? Wir befinden uns hier alle viel zu sehr in einer riesigen nationalen Komfortzone. Endlich mal jemand, der zeigt, dass das deutsche Feuer noch nicht erloschen ist, dass wir nicht alle Teil dieses heuchlerischen Weltgewissens sind, zu dem Deutschland ideologisch verkommen zu sein scheint.

Es gibt noch Protest!

Es gibt wieder Protest…

…und das ist gut so!

Wir sind noch nicht alle eingeschläfert worden.

Wenn er jetzt in Hamburg wäre…
(…er würde sich irgendwo verkriechen, wo er sicher vor Polizei und Bekloppten ist…)
Protest gegen diese reichen Arschlöcher, die anderen alles wegnehmen…


Dann fällt ihm plötzlich etwas auf. Heute sitzt Yasir nicht dort, wo er sonst immer den ganzen Abend sitzt. An der kleinen Sitzgruppe am Eingang. Der geht ihm so auf die Eier, der Typ. Den ganzen Abend sitzt der da, spielt nicht (oder nur auf seinem Handy, was laut eigener Aussage 1000€ gekostet haben soll – ich bin begeistert!), starrt auf sein Handy, telefoniert auf Arabisch und setzt bei manchen Gesprächen ein so schmieriges, so ekelhaftes (das ist sein Lieblingswort auf Deutsch, „ekelhaft“) Lächeln auf, dass man gar nicht wissen will, was er da gerade sagt. Nein, nicht die Automaten beziehungsweise die Tatsache, dass sie dir nicht genug „geben“ sind „ekelhaft“, wie du es immer so falsch sagst, nein, DU bist es! Das geht mir so auf die Eier, dass ich jetzt jedes Mal, wenn der wieder in diesem unnachahmlichen harten und lauten arabischen Tonfall einen KAFFEE haben will, bis 30 zähle, bevor ich überhaupt aufstehe, um ihm einen zu machen. Was für ein Schmierer! Als Gott – oder in dem seinen Fall Allah – die Schmierigkeit, die Aalglattheit verteilt hat, hat Yasir bestimmt laut hier gerufen und Gott (oder Allah) war so erschrocken, dass er ihm gleichen den ganzen Kübel gegeben hat. Aber das reicht noch nicht: Diese kleinen passiv-aggressiven Boykott-Aktionen (ihn mit dem Kaffee warten lassen, ihm nicht Hallo oder Tschüss zu sagen, in seiner Anwesenheit fast permanent die Augen zu rollen) reichen ihm noch lange nicht. Besonders nach dem, was der letztens wieder vom Stapel gelassen hat, als er ihn gefragt hat, ob er Slainté kennt. Und dann denkt er daran, dass vielleicht genau dieser Kaffee, den Yasir so gerne so gebieterisch bei ihm ordert die Lösung seines Problems sein könnte. Denn die Leute hinter der Bar haben auch Macht, auch wenn die für den der letzte Dreck sein mögen. Die kann man auch nicht einfach so verarschen. Ungestraft.

Wie diese schottische Kellnerin aus Trainspotting, von Irvine Welsh, seinem Lieblingsschriftsteller. Die den zudringlichen englischen Jungs aus gutem Hause, die sie plump anmachen und sich an ihrer vermeintlichen Ohnmacht ergötzen, am Ende mehr von ihrem Körper zuführt als sie jemals zu hoffen gewagt hätten. Nämlich indem sie auf Toilette geht und ihren Tampon in die Suppe tunkt, die sie bestellt haben. Ihren Wein mit Pipi versetzt. Ganz zu schweigen von der brown sauce… Lecker, ne?! Ja, Leute wie du, die den ganzen Tag irgendwelche Arschlöcher bedienen, die ihnen nicht mal genug Trinkgeld dafür geben, haben auch Macht. Man muss sie sich nur nehmen. Macht kommt von machen. Wenn der das nächste Mal „Einen Kaffee, bitte…“ sagt, in einem Ton, der das „bitte“ komplett unnötig macht, dann…Ja dann…

Was dann? Was könntest du ihm denn da rein tun? Was könntest du denn da Schönes rein tun? Keine Ahnung…

…aber es ist ja noch eine halbe Woche, bis zu deinem nächsten Dienst…

…viel Zeit zum Nachdenken…

…der Fantasie freien Lauf zu lassen…

…damit es nicht nur bei Körperflüssigkeiten oder -ausscheidungen bleibt…

Immerhin ist das hier nicht Trainspotting…

sondern die REALITÄT, die harte deutsche Realität










Sonntag, 2. Juli 2017

Another Sunday Morning...




  










Vom Klo aufstehend ziehe ich mir die schwarze Unterhose, die im Flur auf dem Boden liegt (wie ein Vergewaltigungsopfer) wieder an, stelle den Stuhl mit dem Laptop in Flur, öffne das Fenster an der Wohnungstür, das ich vorher auf Rücksicht auf die Empfindlichkeiten meiner Nachbarn (die haben da, wo sich meine Klogerüche verflüchtigen würden, genau ihre Küche) geschlossen habe, gehe am Herd vorbei, trinke etwas Hühnerbrühe mit Knoblauchscheibchen direkt aus dem Topf, nehme diesen mit, stelle ihn mit einer Flasche Mineralwasser (als Ausgleich zur salzigen Knoblauchbrühe) neben meinem Bett ab, schließe den Computer wieder an und lege mich mit nacktem Oberkörper davor. (Wo ist denn mein Trikot geblieben? Ach, egal!)

Samstag, 17. Juni 2017

Wie es ist













Auf dem Weg zur Arbeit liest er Kämpfen von Karl Ove Knausgard und denkt: Manchmal muss man das Leben einfach so beschreiben, wie es ist. So wie das auch Knausgard in seinen Romanen macht. In Min Kamp. Und obwohl das auf Deutsch „Mein Kampf“ heißt und der sechste und letzte Roman des Romanzyklus den Titel Kämpfen trägt, geht es Knausgard nicht so sehr um den großen politischen oder historischen Kampf, sondern mehr um den kleinen, alltäglichen „Überlebenskampf“.

Montag, 13. März 2017

Nicholas Sparks - Two by Two







"Someone once told me that the power in all relationships lies with whoever cares less, and he was right..."



 











Als er durch den Wald zur Arbeit läuft (er muss endlich wieder fit werden, er ist in den letzten Wochen echt fett geworden), hört er Two by Two von Nicholas Sparks. Als Hörbuch. Und plötzlich, als Emily, eine der Hauptfiguren in dem Roman,  über ihren Ex-Mann spricht, fällt dieser Satz. Den er heute extra gesucht hat, für den er sich extra noch mal alle Gespräche zwischen Emily und Russ, Emilys Ex-Freund, der seinerseits von seiner Frau Vivian für ihren Chef verlassen wurde. Auf Englisch lautet der Satz: …evidence of ending the marriage and losing me mattered not at all to him…

Freitag, 10. März 2017

Schönes Wochenende






Be yourself. That's all you need 
tae dae in life. Just be yourself.

Far from being an easy option, it
was the most difficult, challenging 
thing anybody ever asked of me.

(Irvine Welsh, Glue)












Seine Tochter kommt rein, geht wie ein Geist, wie ferngesteuert auf Klo.

Er sagt: „Pass auf: Das Fenster ist auf! Mach das Fenster wieder zu!“

Sie sagt nichts. Und als sie keine Minute später wieder aus dem Bad kommt, ist das Fenster wahrscheinlich immer noch auf. Das Fenster, das in die dunkle Nacht hinausführt. Die dunkle Venusberger Nacht. Die selbst hier, in dieser VIP-Gegend, pechschwarz ist. So als wäre sie ein Wurmloch in eine andere Galaxie, in eine andere Dimension.

Sie seufzt auf dem Weg zur Tür, auf dem Weg in ihr Zimmer. Es ist dieses typische Seufzen, das ihn immer so aufregt. Aber ist es das überhaupt? Oder ist es ein Seufzen, weil sie weiß, dass heute Freitag ist? Und dass sie an einem Freitag zu ihrer Mutter zurück muss? Gestern hat er noch ganz lange mit ihr Topmodel geguckt. Da hat sie gesagt: „Besser wäre es, wenn wir gar keinen Fernseher hätten. Dann müssten wir Brettspiele spielen...“ Oder: „Dann würden wir Brettspiele spielen...“ Ich glaube Letzteres. Wie an Weiberfastnacht. Wo es draußen so stürmte und sie tatsächlich am Abend Brettspiele gespielt haben

Das war schön

Das war tatsächlich richtig schön

Aber dies ist keine Welt für Schönes


Vielleicht seufzt sie ja gar nicht, weil – wie er das immer denkt – er ihr auf die Eier geht, ihr Vater, sondern weil sie weg muss, weil es ihr hier gefällt, bei ihm

schon mal drüber nachgedacht

Letztens hat er ihr gesagt: „Das Einzige, was du wissen musst, ist, dass wir gar nichts wissen. Wir wissen nichts…“ (wir sind in ein Universum geworfen, werden alt und sterben, verschwinden wieder; und egal, wie viele Illusionen wir uns machen, wir wissen nichts) „…keiner hat eine Ahnung, glaub mir das! Auch wenn die das sagen, wenn die so tun als ob…die haben alle keine Ahnung“ (your  guess is as good as mine). Ich weiß nicht, warum er das gemacht hat, warum er das gesagt hat. Um ihr etwas mitzugeben? Auf ihrem langen Weg durchs Leben? Ihrem langen, einsamen Weg durchs Leben

Eine komische Lektion...

Um sie aufzubauen, ihr Selbstvertrauen zu geben, für den Fall, dass sich mal wieder irgendein Arschloch über sie stellt und ihr was erzählen will? Von Tuten und Blasen. Irgendein Arschloch, von denen es so viele gibt, in diesem Land, in dieser Stadt, in diesem Leben… Arschlöcher, die alles zu wissen scheinen…die alles besser zu wissen scheinen…die alles zu wissen scheinen…aber im Endeffekt auch nur raten. Auch nur wie die Kuh vorm Berg stehen.

Eine komische Lektion...

Wie die, die Carl Ewarts Vater seinem Sohn in Irvine Welshs Roman Glue erteilt. Wo er einfach nur sagt: „Be yourself. That’s all ye need tae dae in life. Just be yourself…“

Und Carl Ewart, auf dem Weg von Australien zurück nach Schottland, wo sein Vater im Sterben liegt, denkt: Far from being an easy option, it was the most difficult, challenging thing anybody ever asked of me.


Sie kommt wieder rein, wieder zurück aus ihrem Zimmer. Auf dem Weg ins Bad. Und sagt: „Was ist los?“ Mit dieser kleinen, schwachen, unsicheren Stimme...


Keine Ahnung. Ich hab doch keine Ahnung, das weißt du doch.


Als sie wieder rauskommt, aus dem Bad, seufzt sie noch mal, geht zum Schrank.

„Brauchst du was?“


„Soll ich dir helfen…bei irgendwas…?“

„Nö.“

Sie geht an den Wäschekorb mit den Socken, nimmt sich ein Paar.

„Das sind meine Socken!“, sage ich lachend.

„Nein…“, sagt sie, ebenfalls mit einem Lächeln.


Ich werde dich vermissen, denkt er einen Moment später, als sie wieder in ihrem Zimmer ist. Ich werde dich vermissen. Wenn du am Wochenende bei deiner Mutter bist. Du mich auch, vielleicht. Das Wechselmodell ist auch nicht das Wahre. Aber immerhin besser, als sich nur am Wochenende zu sehen. Als Wochenend-Daddy zu sein. Und dann irgendwann Einmal-im-Monat-Daddy. Und dann irgendwann nur noch jedes halbe Jahr. Und irgendwann gar nicht mehr

So läuft das doch, in der Regel. Da bevorzuge ich echt das Wechselmodell. Und erzählen Sie mir jetzt nicht, dass es nur um das Kindeswohl geht…


„Hast du das Fenster zugemacht, Schatzi?“, frage ich sie.

„Ja,“ antwortet sie.

„Dankeschön.“


„Die waren voll lecker gestern…deine Wraps,“ sage ich.

„Mö…“

Ne?



„Ich seh die Doreen immer in Poppelsdorf…“, sagt sie.

„Echt? Fährt die da auch mit dem Bus?“, fragst du zurück.

„Ja, aber der ist immer so voll. Ich glaub, die steigt da nie ein...“

„Wo wohnt die denn in Poppelsdorf?“

„Weiß ich nicht. Ich war noch nie bei der…“



„Ich geh jetzt, ne…“

„Ok. Schönes Wochenende.“

„Tschüss.“

„Tschö.“

Schönes Wochenende bei deiner Mutter. Obwohl: Du willst ja, dass sie ein schönes Wochenende hat. Du willst es ja. Wirklich






Traumdeutung: Du Hurensohn!
















Nachts träume ich davon, wie ich Nadine zur Rede stelle. Wir sind in einem Raum, der aussieht als befände er sich in der Bonner Südstadt, denn er hat diese Stuckornamente und diese hohen Decken, die so scheiße zu beheizen sind. Nadine sitzt auf dem Sofa, er steht. Steht vor ihr und sagt immer wieder, wie von Sinnen: „Der Stefan?! Dieser Hurensohn!

Dieser Hurensohn

Dieser Hurensohn

Schreit es raus, all seine Wut

seine unbändige Wut

denn sie hat ihm gerade gestanden, mit wem sie zusammen ist. Für wen sie ihn verlassen hat

für immer

es ist der Typ von der Arbeit, wie er vermutet hat, der Ingenieur aus der Südstadt

sein Bauchgefühl war also all die Monate, all die Jahre richtig

Der Hurensohn!

Er kann es nicht fassen, kriegt sich gar nicht mehr ein. Für diesen Wichser hast du deine Familie verraten, verkauft. Denn er ist natürlich reicher, hat natürlich einen besseren Job als er

Natürlich!

Dieser Hurensohn!

Dieser Hurensohn

 Als ich aufwache, denke ich an den Roman, den ich zurzeit höre. Two by Two von Nicholas Sparks. Da passt das alles so wunderbar zusammen. So wunderbar ineinander. Kaum trennt sich Vivian von Russ, hat er auch schon eine andere gefunden. Das heißt, er hat sie eigentlich schon vorher wiedergefunden. Denn sie ist eine alte Flamme, die er nie vergessen hat. Emily. Seine Ex, mit der er vor Vivian zusammen war. Bei der er es immer bereut hat, sie mit einer anderen (nicht Vivian) betrogen zu haben, als er noch jung war. Und so leidet niemand über Gebühr: Weder seine Frau, die mit ihrem Chef, einem Milliardär aus der Immobilienbranche zusammen ist noch er, der er seine alte Liebe (die auch noch viel besser für ihn ist als Vivian) wieder gefunden hat.

Nur ich. Nur ich leide


Ich glaube, es ist Zeit, statt Nicholas Sparks mal wieder Bret Easton Ellis zu lesen. Das hast du seit Jahren nicht mehr getan. Aber ich glaube, der passt jetzt. Wie die Faust aufs Auge. Gute Romane liest man immer mehrmals, schlechte nie

Und Bret Easton Ellis ist ein guter Autor



Vorheriger Traum: Zwischen Traum und Realität