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Samstag, 25. November 2017

Anruf seines Vaters














Auf einmal, im Bus, hat er ein komisches Gefühl. Er greift sich an die Hose. Ja, das ist sein Handy: Da ruft ihn jemand an… Er guckt auf das Display und kann seinen Augen kaum glauben. Da steht Bert. Scheiße, was ist das denn? Warum ruft der denn an? Er guckt noch mal auf das Display, um sich ganz sicher zu sein, aber natürlich ist er es. Scheiße. Es klingelt noch ein paar Mal (das heißt, es klingelt ja gar nicht, sondern vibriert nur) und dann ist Ruhe. Tatsache! Das war sein Vater! Was will der denn?! Keine Ahnung, aber da geh ich ganz sicher nicht dran. Vor allen Dingen nicht hier, im Bus. Eigentlich nirgendwo, nicht nach dem letzten Mal. Ich bin doch nicht blöd. 

Freitag, 21. Juli 2017

Verbrechen und Sternzeichen







In letzter Zeit lese ich immer mehr über Sternzeichen, vor allem bei Twitter und so. Und ich muss schon sagen: Die meisten Eigenschaften, die da genannt werden, treffen tatsächlich erstaunlich genau auf mich zu. Ich weiß, früher habe ich auch nicht an den Scheiß geglaubt, habe auch immer gesagt, dass Horoskope so allgemein gehalten sind, dass sie eigentlich auf jeden irgendwie zutreffen. Aber trotzdem: Menschen ändern sich eben, entweder freiwillig oder mit dem Vorschlaghammer, wie in meinem Fall. 

Und so ertappe ich mich heute dabei, wie ich "kriminelle Wassermänner" bei Google eingebe. Das heißt, eigentlich gebe ich ja "Aquarius criminals" ein, denn auf Englisch gibt es da immer mehr und interessantere Ergebnisse. Nur um einen ersten Eindruck zu bekommen, welche Verbrechen für mich denn so die richtigen sein könnten... Damit ich nicht am Ende noch gegen meine Sterne kriminell werde. Und tatsächlich: Im Vergleich zu meiner Frau...äh...Ex-Frau meine ich natürlich (con perdón), schneide ich gar nicht so schlecht ab.

Samstag, 8. Oktober 2016

Geständnis







Wenn ich schwul wär, wär ich wahrscheinlich glücklich. Dann wär sie schon vergessen. So fünf Männer am Abend. Aber vielleicht ist das auch nur ein Klischee. Die sind bestimmt genauso eifersüchtig und alles. Wenn ich da an Freddie Mercury denke… Der war bestimmt nicht ohne, denkt er. Was das Temperament angeht. Und die Eifersucht. Und die Leidenschaft.

Aber leider bin ich nicht schwul…

Sie lacht.

Dienstag, 19. Juli 2016

Geburtstag beim Chinesen











Ich weiß noch…

…wo wir damals beim Chinesen waren. An meinem 19. Geburtstag. Im Februar. Ich bin Wassermann, wie Sie bestimmt schon an der Kompliziertheit meines Lebens gemerkt haben. Aber das ist unwichtig. An meinem Geburtstag, diesem kalten, dunklen Februarabend gingen wir zum Chinesen. Ich glaube sogar sie zahlte! Ich weiß nicht, ob ich sie da schon meinen Eltern vorgestellt hatte (ich glaube schon, das müsste eigentlich da schon gewesen sein, sonst hätte ich meiner neugierigen Mutter ja erklären müssen, wo ich hingehe, an meinem Geburtstag). Auch weiß ich nicht mehr, ob ich noch Jungfrau war. Auch hier glaube ich, dass ich es nicht mehr war, aber das ist mir heute egaler als damals. Damals war das ein Meilenstein! Endlich nicht mehr Jungfrau sein zu müssen. Diesem doofen, portugiesischen Arschloch von Mario endlich etwas entgegenzusetzen zu haben ... Mario, der mir immer erzählt hatte, wie er mit seiner indischen Freundin „rummachte“. In seinem Auto (der war schon 21, als er endlich das Abitur schaffte!), dessen Scheiben praktischerweise immer beschlugen, auf irgendeinem Parkplatz, wo er ihn nach eigener Aussage noch nicht mal richtig reinkriegte, nur die Spitze, die Eichel (oder wollte er mir damit durch die Blume sagen, dass er so einen Großen hatte, dass seine relativ kleine, indische Freundin ihn gar nicht reinbekam?? – schließlich war das damals noch die Zeit vor YouPorn, vor PornHub, vor Internetpornos, wo zwei Hengste mit Riesendingern einer Frau im gleichen Loch rumwühlen und stochern, und noch nicht mal immer im „normalen“ Loch! Da wusste man solche Dinge als jungfräulicher Jugendlicher noch nicht!). Endlich nicht mehr Jungfrau zu sein und dann diesem portugiesischen Arschloch von seinen eigenen, ersten sexuellen Abenteuern nichts zu erzählen, einfach zu sagen „der Gentleman schweigt und genießt!“, wo der einem damals, noch vor kurzem, jede Einzelheit erzählt hatte und sich dabei doch ach so cool vorgekommen war.

Auf jeden Fall gingen wir Essen. Beim Chinesen. Da, wo ich vorher immer mit meinen Eltern hingegangen war. Der Chef kannte mich sogar. Der war eigentlich voll nett. Zurückhaltend, aber nett. Sehr höflich und förmlich – wie alle Chinesen –, sehr korrekt in seiner schwarzen Weste und seinem weißen Hemd. Der hatte so eine Spezialität, der Chinese: Zu jedem Gericht gab es ein aus Möhren geschnitztes Tier, beziehungsweise irgendeine Figur: einen Drachen, eine Frau, einen Mann, eine Schlange, einen Vogel und so weiter. Die waren zwar glaub ich nicht essbar, diese Figuren (zumindest habe ich es nie probiert), aber doch sehr schön. Fast schon künstlerisch.

Der Chinese grüße mich zwar, als wir reinkamen, denn er kannte mich ja, wie gesagt, aber diskret, wie immer. Nicht so wie der Jugoslawe oder Kroate, der sich gleich zu uns an den Tisch setzte, als wir bei ihm im Restaurant waren, irgendwann in unserer Anfangszeit. Als wir gerade frisch zusammen waren. Als ich gerade frisch meine Jungfräulichkeit verloren hatte.

Was der wohl dachte, der Chinese? Vorher war der immer mit seinen Eltern da, mit seiner Schwester, seiner Mutter und seinem Vater und jetzt mit dieser Frau. Dieser älteren Frau, zumindest im Vergleich zu ihm. Der war ja noch keine 20 damals. Wahrscheinlich noch ein Schüler. Keine Deutsche, keine Ahnung, wahrscheinlich eine Südamerikanerin.

Wir guckten uns die Karte an und bestellten dann ein Menü. Keine Ahnung warum. Vielleicht fanden wir nichts anderes, was uns interessierte. Vielleicht wollte Nadine von allem etwas probieren, keine Ahnung. Meinen finanziellen Rahmen überstieg as auf jeden Fall bei weitem. Ich war ja damals noch Schüler, Abiturient, und hatte eigentlich fast gar kein Geld. Also lud mich Nadine ein. Ich protestierte noch ein bisschen, denn das Gericht kostete locker 70 Mark (damals gab es den Euro noch nicht), aber Nadine sagte, dass sie das bezahlen würde. Als Geburtstagsgeschenk.

„¡Yo te invito!“

„Ok.“

Das war voll geil, viel besser als mit meinen Eltern, denn das Menü kam auf so einem Drehteil, das aus verschiedenen Lagen bestand. Unten waren die verschiedenen Speisen und oben die Saucen. Der Reis wurde extra serviert. Wir fühlten uns wie Könige, probierten von allem etwas, aber hätten es nie geschafft, alles aufzuessen. Das war einfach viel zu viel. Selbst für einen Scheunendrescher wie mich. Außerdem wollte ich vor Nadine ja auch nicht gerade den Fresssack raushängen lassen. Zwischendurch küssten wir uns immer wieder – wenn gerade keiner guckte. Obwohl wir am Essen waren. Selbst beim Essen konnten wir nicht voneinander lassen. Wir lachten, spielten mit der Sauce und fütterten uns glaub ich sogar gegenseitig. Bis wir irgendwann – draußen war es schon lange dunkel – bis wir irgendwann nicht mehr konnten. Und den Rest zurückgehen lassen mussten. Eigentlich schade, aber


Wir waren so jung, so unschuldig…

Oder nicht mehr ganz so, was mich anging, haha