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Freitag, 2. Juni 2017

Zufälle












Die Frage ist: Denken die, ich bin doof? Oder wollen die mich provozieren? Zum Handeln bringen? Zum Handeln zwingen? Gute Frage. Wollen die mich verarschen? Oder kommt das, was der sagt, aus einem Gefühl der Angst? Die er angeblich gar nicht hat. Wie war das letztens? Das, was er gelesen hat? Nur komplette Idioten haben keine Angst… Oder weiß er, dass du was weißt. Dass du es weißt oder zumindest ahnst? Will der nur mit ihm spielen, der Spieler? Was für ein Wichser. Was für ein Wichser. Und eben hat er noch gesagt: „Die Spieler, die sind ehrlich…“
Und der Typ hat geantwortet: „Nicht alle.“ Und er hat gesagt: „Die Richtigen aber schon.“

Donnerstag, 1. Juni 2017

Slainté!















Yasir kommt an die Theke.
„Wie geht’s dir?“, fragt er.
„Besser.“
Er lacht. Wir lachen.
Hahaha

Sonntag, 19. Februar 2017

Die Wahrheit, guapa
















Ich will jetzt die Wahrheit wissen, denkt er, als er das Buch von Nicholas Sparks liest. At First Sight. Ich muss sie einfach wissen, um weiterzumachen. Damit mein Leben weitergeht. Nicht das hier. Dieser Schwebe-Zustand. Ich muss endlich abschließen können. Mit allem. Mit all dem Scheiß. Mit Nadine, mit Bonn, mit Deutschland. Die ganze Scheiße hinter mich bringen.

Ich komme nach Hause, aber bleibe nicht lange. Das ist eh nicht mehr mein Zuhause. Nicht mehr so richtig. Zumindest fühlt es sich nicht mehr so an. Ich ziehe mir die Tarnjacke an, stecke die schwarze Wollmütze in die rechte Seitentasche. Wie gut, dass es Winter ist. Da fällt das nicht so auf, das mit der Mütze. Im Sommer ist das, was ich vorhabe wesentlich schwerer.

Es ist schon dunkel, als ich aus der Tür nach draußen trete. Leise das Tor hinter mir schließe. Draußen ist es am Pissen. Wie passend, denkt er, als er sich auf den Weg zur Bushaltestelle macht, die Mütze in der Jackentasche…

Er will jetzt endlich wissen, was los ist. Warum sie ihn wirklich verlassen hat. Nicht diesen Scheiß von wegen „wenn unsere Liebe einmal zerbrochen ist, wie ein Zweig, dann kann man die nicht mehr kitten“ hören. Fast mit einem Lächeln auf der Lippe. Genervt. Gleichgültig. Immer gleichgültig. Das ist niemals die ganze Geschichte. Aber es gibt nur einen Weg herauszufinden, was wirklich los ist. Los war.

Warum hat María auch ihren Schlüssel hier vergessen? Diesen Schlüssel, den er gefunden hat. Auf dem Glastisch. Auf ihrem alten Glastisch. Sie hat auch nicht mehr danach gefragt. Komisch... Von ihm war der Schlüssel auf jeden Fall nicht. Also muss er ja von ihr gewesen sein. Und warum will sie ihn dann nicht zurückhaben? Von wem denn sonst? Vielleicht passt er ja, der Schlüssel den er jetzt in der Hosentasche hat. Schon seit mehr als einer Woche mit sich rumträgt. Befingert, während er in der Dunkelheit auf den Bus wartet. Den Bus in die Stadt. Er will ja nur Klarheit, will endlich Klarheit.

Nicht diesen Scheiß von wegen „Kann dir doch egal sein“ (ob die einen Neuen hat). „Was macht das für einen Unterschied, jetzt noch?“

Für mich einen großen, denkt er, auf sein Handy schauend. An diesem kalten, dunklen Sonntagabend.

Ya no hay guapos, denkt er, kurz bevor der Bus endlich um die Ecke kommt. Ya no hay guapos…









Dienstag, 17. Januar 2017

Zwischen Himmel und Erde, Himmel und Hölle














Im Zug von Meckenheim nach Bonn, abends nach der Arbeit, hat er plötzlich die Sicherheit, dass sie jetzt, genau in diesem Moment, an ihn denkt. Er spürt wie ihm urplötzlich Tränen in die Augen steigen, wie sein Gesicht einen so verzweifelt-traurigen Ausdruck annimmt, dass er eigentlich jetzt und hier zu heulen anfangen könnte. Hier, auf diesem Vierer, ganz vorne in der Bahn, die durch die winterliche Dunkelheit rauscht. Der Gedanke daran, dass sie jetzt, genau jetzt, auch an ihn denken könnte, zerreißt ihm das Herz, die Seele, den Körper.

Innerlich wiederholt er es noch mal: Er hat die Sicherheit, dass sie jetzt, genau in diesem Moment auch an ihn denkt. Fragen Sie mich nicht, woher. Ich weiß es nicht, aber es gibt so Momente im Leben. Einzelne Momente. Aber trotzdem: Warum denn gerade die „Sicherheit“. Das scheint ihm das falsche Wort, der falsche Ausdruck zu sein. Sicherheit. Nein. Gewissheit. Das ist besser: Er hat die Gewissheit, dass sie genau jetzt, in diesem Moment, zwei Tage vor der Scheidung, auch an ihn denkt. Oder ist Sicherheit im Endeffekt doch besser als Gewissheit? Etwas verlieht einem Sicherheit, etwas verleiht einem Gewissheit oder gibt einem Gewissheit, das ist nicht dasselbe. Aber was ist der Unterschied zwischen den beiden Wörtern? Sind das nicht letzten Endes ohnehin nur leere Worte, die weder er noch sie mit Leben zu füllen vermag. Mit Liebe

Draußen ist es dunkel und der Zug fährt weiter durch die kalte Nacht. Er ist kaputt, total kaputt. Innerlich wie äußerlich. Körperlich wie seelisch. Den Tränen nah, die nicht kommen wollen, die den Abgrund nicht zu überwinden vermögen.

Und wenn das alles nur Quatsch ist? Und sie gar nicht an ihn denkt? Gar nicht mehr an ihn denkt. Gedacht hat, schon seit langem nicht mehr. Wenn er sich das nur wieder einbildet

und diese tiefe Traurigkeit, die ihn in solchen Momenten überkommt, sein ganzes Wesen förmlich überschwemmt mit ihren schwarzen Wellen…was ist, wenn das alles nur in seinen Gedanken so ist? In seinem Kopf?

Er liest gerade dieses Buch. Wo dieser 36-jährige Japaner, der in seiner Jugend unzertrennlich mit vier anderen Jugendlichen (zwei Jungen und zwei Mädchen) so eng befreundet war, dass er es nie überwunden hat, als sie auf einmal, wie aus heiterem Himmel nichts mehr von ihm wissen wollten. Sich in komplettes, eisernes Schweigen hüllten. Seitdem nie wieder mit ihm gesprochen haben

Haruki Murakami. Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki.

Eines Tages macht sich Tsukumu – so heißt der Mann aus dem Buch – mit der Hilfe seiner Freundin Sara auf, um herauszufinden, warum seine Freunde ihn damals so jäh haben fallengelassen, von einem Moment auf den anderen. Er findet heraus, dass ihn Shiro, eins der Mädchen der Clique, damals vor den anderen bezichtigt hat, sie während eines Aufenthaltes in seiner Wohnung vergewaltigt zu haben und dass sie deswegen den Kontakt zu ihm abgebrochen haben…

Der Vergewaltigung bezichtigt


Vielleicht liegt das ja an dem Buch, dass er denkt beziehungsweise eben noch gedacht hat, dass Nadine genau jetzt auch an ihn denkt. Vielleicht liegt das ja daran und er bildet sich das alles nur ein. Vielleicht bildet er sich ja sein ganzes Leben nur ein. Vielleicht ist das alles am Ende gar nicht real. Vielleicht gibt es da ja mehr, von dem er nichts weiß

Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde

Mehr Dinge zwischen Himmel und Hölle

als wir uns vorstellen können.










Freitag, 30. Dezember 2016

Der dunkle Wald deiner Seele










Abends komme ich um ungefähr Viertel vor zehn nach Hause. Ich komme aus dem Wald, wo ich Laufen war. In Dunkeln. „Im Dunkeln“ ist eigentlich noch untertrieben. In kompletter Dunkelheit wäre wohl passender. Der kompletten Dunkelheit meiner Seele, haha. Voller Angst, aber immer weitergehend. Immer tiefer hinein in den stockdunklen Wald. Was für ein Hobby. Letztes Jahr hat mich eine Frau gesehen, wie ich gerade dabei war in diese dunkle Röhre, die in den Wald hineinführt, einzutauchen  und hat zu ihrer Kollegin gesagt: "Also, ich würd da nicht reingehen. Freiwillig." Würdest du schon, habe ich nur gedacht: Wenn du keine Hobbys, keine Freunde und heute 2 Eier, 2 Hähnchenschnitzel, 2 Hühnergockelchen von Aldi, jede Menge Salat und 1 Tüte Frit-Sticks gegessen hättest. Dann würdest du da reingehen. Um den Kopf und den Bauch freizukriegen. Obwohl das am Ende, hinter dem Tannenwald, in den ich mich heute Abend nicht begeben habe (weil man da am Tag schon wenig seht und ich Angst hatte, Angst habe vor den dichten Tannen), obwohl das am Ende schon irgendwie komisch war. Denn da waren irgendwelche Tiere oder irgendwas in den Büschen neben dem Weg, das sich bewegt hat und das mich dann doch zum Zurückgehen bewegt hat. Einem Wolf oder Fuchs oder Wildschwein wollt ich dann doch nicht begegnen. Das ist dann doch zu viel des Abenteuers. Also machte ich kehrt und watschelte langsam in Richtung Zuhause, in Richtung I. zurück.

Wobei ich, wie immer, über alles nachdachte. Dass ich ein komisches Gefühl habe. Dass da irgendwas nicht stimmen konnte. Mit María, mit Nadine.

Irgendwas stimmt da nicht, ich spüre das. Im Moment sogar besonders stark.

Aber willst du wirklich dein ganzes restliches Leben darüber nachdenken, darüber rätseln, was da nicht stimmt? Irgendwann muss es auch mal gut sein. Du kannst nicht alles kontrollieren. Es ist normal, dass María dir nichts erzählt. Sie ist eben ein typischer Teenager. Du hättest dir damals auch lieber die Zunge rausgeschnitten als deinen Eltern irgendwas zu erzählen. Obwohl, das mit Nadine hast du ihnen direkt erzählt. In der gleichen Nacht noch, in der du sie Silvester 1995 kennengelernt hast.

Warum eigentlich?

Weil du stolz warst, dass du auch mal Glück gehabt hattest, dass du auch mal eine Frau kennengelernt hattest. Ein Mädchen.

Wahrscheinlich.

Aber jetzt musst du auch abschließen können. Noch nicht einmal mehr in einem Monat bist du geschieden (auf einmal geht das so schnell) und dann siehst du sie – außer durch Zufall – nie wieder.

All das denkst du immer noch vage, als du in die Straße einbiegst, die nach einer Kurve zu deiner Straße führt. Komisch. Da steht ein Wagen mit Blaulicht oder einem gelben Licht. Ne, das ist keine Polizei, das ist der ADAC, wie du dem Schrift an der Seite des Wagens entnehmen kannst. Komisch. Hier oben. Du gehst an dem Wagen vorbei, hinter dem ein Mechaniker sich um einen roten Golf kümmert. Einen roten Golf?

Einen roten Golf…

Dann guckst du hoch, siehst die Person, die Frau, die an der anderen Seite des Motors steht, an der der Mechaniker am Arbeiten ist. Eine kleine Frau, eine sehr kleine Frau. Ausländisch…

Scheiße

Scheiße

Schon bist du vorbei, siehst im Vorbeigehen noch den Aufkleber, der hinten an dem roten Golf klebt. Einer dieser typischen Aufkleber. Du guckst zurück, siehst sie nicht mehr richtig, im Dunkeln. Die kleine Frau, die da an der Seite des Motors steht, dich mitleidig anguckt. Oder bildest du dir das nur ein?

Sie? Sie! Sie?

Quatsch, du wirst langsam bekloppt. Du wirst langsam echt bekloppt. Was sollte sie schon hier machen? Außer ihre Tochter mit dem Auto zurückbringen. Nach Hause zurück. In der einen Hälfte ihres neuen Zuhauses. In ihrem Zuhause 2.0, sozusagen. Und dann ist ihr das Auto hier auf der Ecke liegen geblieben. Genau hier, wo du jetzt langkommst. Haha

Du willst zurückgehen, gehst aber weiter.

Kann das Zufall sein? Zweimal, so kurz hintereinander. Wenn sie das überhaupt war

Wenn du jetzt deinem Gefühl folgen solltest, deinem Bauchgefühl, wie die das immer sagen, dann…

…ist die Sache eindeutig…

Und als du bei dir Zuhause vor dem Tor stehst, fällt dir noch was auf. Denn das Licht ist an. Das Licht draußen und im Flur. Ohne dass du den Knopf über den Klingeln gedrückt hast. Und da du im Moment alleine hier wohnst, kann das nur María gewese…

…oder sie?

Oder bildest du dir das nur ein, hast selber den Knopf gedrückt…

…ohne es zu merken…

Oder ist sie gerade gegangen?

Nein, das hieße ja…

…das sie hier ist, wenn du nicht da bist.

(das glaube ich nicht)

Ja, klar…, hörst du María abfällig sagen. Aber was verbirgt sich hinter dieser Verachtung…?

Warum hat sie dich auch heute gefragt, ob du arbeiten gehst?! Zweimal sogar.

Und wenn sie nicht mit ihrer Freundin Jacqueline ausgegangen ist – die eh einen „strengen“ Vater hat –, sondern…

…mit ihrer Mutter

Skandalös!


Sie ist schon in ihrem Zimmer, als du die Haustür aufschließt, hat schon abgeschlossen. Du klopfst trotzdem, unter dem Vorwand, noch eine Cola zu wollen. Nachdem du noch ein paarmal geklopft hast, tut sich endlich was und sie macht auf. Sie hat sich einen Morgenmantel über ihre Straßenkleidung gezogen.

„Hi. Ich brauche noch eine Cola…“


„Und sonst? Alles klar?“

„Ja.“

„Das ist komisch…“, sagst du am Ende.


„Bist du gerade erst gekommen?“

„Ne, ich bin schon länger hier. Ich war im Bett…“

„Ach so. I could have sworn that the woman whose car broke down just around the corner looked vaguely familiar…Keine Ahnung, warum du das auf Englisch sagst. Etwa damit sie es nicht versteht?

Aber sie versteht – glaub ich – alles, sagt nichts, guckt nur komisch.

Sagt aber auch nicht: „Was redest du da?!“ Wie sie es sonst immer tut.

„Ok, gute Nacht.“

Du gehst in dein Schlafzimmer und plötzlich geht dir ein Licht auf: Wenn sie das war, dann geht es ihr auch nicht gut. Genau wie dir.