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Sonntag, 28. Januar 2018

Atomkrieg, Bob Dylan und Selbstmord














Nachts fährt mich mein Kollege Sascha zum Bahnhof. Ich mag Sascha und Sascha mich glaub ich auch. Wir unterhalten uns, wie immer:

„Hast du das von Hawaii gehört. Mit den falschen Alarmmeldungen… Wo die dachten, die werden mit Atomwaffen angegriffen…“

„Ja, krass, ne?!“

„Nur weil da einer aus Versehen auf den Knopf gekommen ist… Dass so was überhaupt möglich ist… Dass so was überhaupt von nur einer Person ausgelöst werden kann… Boah, ich wär so ausgetickt…“

Donnerstag, 26. Oktober 2017

Mein Ernährungstagebuch: reiner Selbstmord!



(Bild: KI-generiert)

Versuche mich seit letzter Woche totzufressen. Bisher war ich noch nicht erfolgreich, aber ich arbeite dran... 

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Traum und Tod, Traum vom Tod




KI-generiertes Bild – erstellt mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz


Ich will sterben, denkt er, morgens im Bett liegend. Auf dem Computer läuft das Morgenmagazin und er streckt sich, fühlt sich gut im warmen Bett.

Heute Nacht hatte er einen Traum. Er erinnert sich an fast nichts mehr.  

Freitag, 27. Januar 2017

I want to die









“And in that moment, he was finally able to accept it all. In the deepest recesses of his soul, Tsukuru Tazaki understood. One heart is not connected to another through harmony alone. They are, instead, linked deeply through their wounds. Pain linked to pain, fragility to fragility. There is no silence without a cry of grief, no forgiveness without bloodshed, no acceptance without a passage through acute loss. That is what lies at the root of true harmony.”(Haruki Murakami - Colorless Tsukuru Tazaki and His Years of Pilgrimage)








Freitagabend, nach der Arbeit, steigt er in I. aus dem Bus aus. Es ist schon dunkel. Stockdunkel. Wie sollte es auch anders sein?! Es ist ja erst Januar. Und scheißkalt. Kaum ist er aus dem Bus raus, denkt er: I want to die. Fast sagt er es sogar laut: I want to die. I want to die. Immer wieder. Und in diesem Moment, heute Abend, wo María nicht da ist, an diesem düsteren Freitag, meint er es sogar. I want to die. Er geht über die Straße, guckt sich um, um zu sehen, ob auch kein Auto kommt. I want to die. Das ist schon fast wie eine Beschwörung. Er hat keinen Bock mehr. Er hat echt keinen Bock mehr. Er betritt den Edeka-Markt auf der anderen Seite, schräg gegenüber von der Haltestelle, geht vorbei am Obst und Gemüse. I want to die. I can’t do it anymore. I can’t fucking do it anymore. Er holt sich Chips. Die Leckeren von Alnatura. Bio-Chips! Und Sauce. Bolognese-Sauce. I want to die. Er nimmt sich eine Tüte Chips, geht dann zur Sauce. Rein äußerlich ist ihm nichts anzusehen. Er ist geduscht, seine Klamotten sind sauber und seine Frisur ist, wie er gestern noch zu seiner Tochter (als sie noch da war) gesagt hat, die „genau die richtige Länge“. Die „beste Frisur aller Zeiten“, hat er mit einem gewissen Stolz gesagt, aus dem Bad kommend.
Nur innerlich sagt er sich immer wieder: I want to die. Und er sagt es nicht nur, er fühlt sich auch so, als er in der Dunkelheit in die kleine Straße abbiegt, in der er noch wohnt. I want to die. Das heißt jetzt nicht, dass er ernst machen wird, sich Zuhause in die Badewanne legen und die Klinge seines Rasierers den Rest  erledigen lässt. Das ist mehr so eine Feststellung. Eine präzise, aber gleichzeitig vage Feststellung seines derzeitigen Gemütszustandes. Eine objektive, sachlich-deutsche Feststellung. Noch nicht mal postfaktisch…

I want to die










Samstag, 10. Dezember 2016

Thunfisch, Käse und Penis



10.12.16 (noch 14 Tage bis Heiligabend und genau 21, bis dieses Jahr, dieses annus horribilis, endlich den Geist aufgibt, endlich vorbei ist)







Um zwei Uhr nachts kommst du nach Hause und gehst schnurstracks und voller Erwartung in die Küche. Die ganze Busfahrt ist dir dieser Käse, dieser Mozzarella durch den Kopf gegangen, den du noch hast.

Den du eigentlich auf die Pizza machen wolltest (sonntags gibt es Pizza und samstags Nudeln mit Hackfleisch und Sauce). Den du aber, wenn dich der Hunger übermannt, immer pur isst. Die ganze Packung.

Du freust dich schon richtig (in deinem anderweitig komplett freudlosen Leben ist dieser Käse einer der wenigen Lichtblicke, eine der wenigen Freuden, die dir noch geblieben sind – Essen ist eben der Käse, äh, der Sex des getrennten Mannes)

Aber dann, kaum hast du die Kühlschranktür geöffnet, musst du feststellen, dass da kein Käse ist. Scheiße! Dass er nicht mehr da ist. Hast du ihn etwa schon gegessen?! Bestimmt. Denn wo soll er auch sonst sein?! Wo soll er anders sein als im Kühlschrank?! Oder hast du ihn geistesabwesend im Wagen vergessen?! Selbst wenn: Dann ist er bestimmt nicht mehr genießbar.
Kein Käse, Mannomann! Scheiße! Nur Thunfisch (noch eine Dose). Und den wolltest du ja nicht essen. Denn der kommt ja aus dem Westpazifik. Das heißt, der könnte ja an Fukushima vorbeigeschwommen sein. Das könnte ja Atomfisch sein?! Meinst du, die kontrollieren alles, was aus Japan oder dem Pazifik kommt mit dem Geigerzähler?! Wohl kaum. Ein Bissen und du bist tot. Bist atomar verseucht. Leuchtest im Dunkeln. Verlierst deine Haare (tust du ja auch so schon stark genug).

Aber warum wäre das eigentlich so schlimm? Wenn du doch eh keinen Bock mehr hast? Keine Lust mehr auf dieses Leben. Keine Lust mehr in diesem Leben. Was macht da schon so ein bisschen Leuchten im Dunkeln?

Also machst du den Thunfisch auf. Lässt ihn abtropfen, während du das Müsli, das Nuss-Honig Müsli berkst, das María dir übriggelassen hat. Für das das Gleiche gilt wie für den Thunfisch. Denn der Zucker im Müsli ist nicht gut für deine Zähne, die du dir gerade noch auf der Arbeit geputzt hast.

Aber was interessieren dich kaputte Zähne, wenn du doch eh keinen Bock mehr hast. Wenn du doch eh irgendwann sterben wirst? Und so gibt es rohen, teilweise noch (oder schon) roten Thunfisch mit Nuss-Honig-Müsli vom Aldi. Und während der Thunfisch noch abtropft und du das letzte gekochte Ei schon verzehrt hast, kratzt du dich genüsslich an deinem Penis. Vielleich holst du dir ja sogar noch einen runter…aber erst nach dem Essen











Freitag, 21. Oktober 2016

Spring! Life on Mars







Am Freitagabend guckt er die DVD, die er sich ausgeliehen hat. Life on Mars. Er liebt das Ende der Serie. Wo Sam Tyler, der Polizist aus Manchester, der nach einem Autounfall im Jahr 1973 aufgewacht ist und jetzt wieder den Weg in die Gegenwart gefunden hat. Aber sich dort nicht mehr zurechtfindet. Und dann, weil er – wie er sagt – nichts mehr fühlt, vom Dach des Polizeihauptquartiers springt. Zurück ins Jahr 1973.

Freitag, 1. Juli 2016

Selbstmord und Urkraft, Urkraft und Selbstmord









KI-generiertes Bild – erstellt mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz



Am Bahnhof von Meckenheim stehend, auf den Zug nach Bonn wartend, denkst du darüber nach, warum du noch nicht gesprungen bist, warum du noch keinen Selbstmord begangen hast, nach all der Scheiße, all dem Leiden, dass du durchmachen musstest, dieses und letztes Jahr.

Du trittst näher an die Gleise heran, stehst am äußersten Rand des Bahnsteiges, die Spitzen deiner Schuhe in der Luft.

…und spuckst auf die Gleise. Versuchst mit deiner Spucke die Schienen zu treffen. Das meiste landet daneben, aber manchmal triffst du auch. Geil, denkst du, wenn die Spucke genau auf den grauen Gleisen landet. Deine Spucke ist wie Schrot. Manche Kügelchen landen im Ziel, die meisten aber nicht.