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Donnerstag, 1. Februar 2018

In guten wie in schlechten Zeiten





"Den späten Zustand der Zivilisation charakterisiere:
  • das Greisenhafte statt des Jugendlichen, Geschichtslosigkeit,
  • Künstlichkeit und Erstarrung aller Lebensbereiche,
  • Herrschaft der anorganischen Weltstadt anstelle des lebensvollen bäuerlich geprägten Landes,
  • kühler Tatsachensinn anstelle der Ehrfurcht vor dem Überlieferten,
  • Materialismus und Irreligiosität,
  • anarchische Sinnlichkeit, panem et circenses, Unterhaltungsindustrien,
  • Zusammenbruch der Moral und Tod der Kunst,
  • Zivilisationskriege und Vernichtungskämpfe,
  • Imperialismus und die Heraufkunft formloser Gewalten."
(Quelle: Der Untergang des Abendlandes – Wikipedia-Eintrag)








Im Morgenmagazin läuft ein Bericht über Pflegekräfte in Deutschland.

Den Alltag bewältigt seine 75-jährige Frau alleinI

„Wir haben das gemacht, mit guten und schlechten Zeiten und es bleibt dabei. Wenn ich mal nicht gar nicht mehr kann, dann ist das was anderes, dann muss man das sehen, aber solange ich noch kann…“, sagt die selbst fast blinde alten Dame, die ihren lungenkrebskranken Mann pflegt, der beide Beine verloren hat…

Donnerstag, 18. Januar 2018

Duermen los pollitos...




Nachts, allein im letzten Zug, in der letzten Voreifelbahn, die ihn jetzt nicht mehr nach Hause nach Bonn-Finkenhof bringt, sondern nach Meckenheim, denkt er an früher, wo er noch mit Nadine zusammen war. Damals würde er jetzt mit ihr im Zug sitzen, entweder neben ihr oder ihr gegenüber, aber immer ganz nah. Er würde müde sein, aber trotzdem lachen. Sie würden lachen, lachen und reden, er würde sie berühren, umarmen, küssen, vielleicht sogar sie ihn. 

Samstag, 13. Januar 2018

Sogar die Mona Lisa zerfällt















Es gibt Sachen, die gehen kaputt und die bleiben kaputt. Die bleiben dann auch kaputt. Als ich daran denke, werde ich traurig. So ist das Leben nun mal: Man kann nicht alles kitten. So sehr du es auch versuchst, es geht nicht. Da kannst du machen, was du willst. Man kann sie wieder zusammenkleben, die Vase, aber die Risse bleiben sichtbar.

Dienstag, 9. Januar 2018

Die Wahrheit














"But at the length truth will out"
William Shakespeare

"Wer kann die Wahrheit schon ertragen?"
Marius Müller Westernhagen









Nachts wache ich auf und will die Wahrheit. Ich hab eh kaum geschlafen. Erst lief da die SOKO Leipzig mit so einem spannenden Prostitutionsfall und dann ein ein wenig verwirrender dänischer Film mit einem Typen, der von dem früheren Mafia-Klienten seines Vaters, der wie er Anwalt war, verfolgt wird.

Aber selbst danach kann ich noch nicht schlafen. Und selbst nachdem ich mir mit Mühe und Not einen runtergeholt habe, klappt es nicht. Ich drehe und wende mich, aber die Hüfte oder die Eier tun mir weh und so finde ich keine richtige Position.

Freitag, 5. Januar 2018

Die Hochzeitsrede















Im Traum muss ich einen Text für ein Mädchen, eine Frau schreiben, die heiraten will. So eine kurze Rede, wie man sie auf Hochzeiten vorliest. Wie das die Amerikanerimmer immer machen, in den Filmen. ICH, der ich immer noch unter meiner Scheidung leide. Komische Wahl. Aber man wählt ja seinen Trauminhalt nicht. Der wählt einen! Ich einige mich also, mit ihr ein kurzes Interview (eine Befragung, ein Verhör, wie ich zum Spaß sage, obwohl keiner lacht oder nur aus Höflichkeit lacht) zu machen, wo sie mir etwas über ihren Geliebten, Bald-Ehemann (NEIIIIIIN, tu es nicht!!!) erzählt. Die Hochzeit ist schon in zwei beziehungsweise 1 ½ Stunden, also muss ich mich beeilen. Ich weiß gar nicht, wie ich das so schnell hinkriegen soll, aber will es trotzdem versuchen. Obwohl ich, während ich mit ihr rede, selber reichlich nervös, „gehemmt“ bin (wie die Bekannten meiner Eltern das immer genannt haben), weil sie auch mir ein bisschen gefällt, wie ich ihr so in die Augen gucke... Sie ist klein und schön und passt auch irgendwie in mein Beuteschema. Also gehen wir zu ihr nach Hause. Aber irgendwie geht sie vor und lässt mich nicht rein, keine Ahnung, auf jeden Fall stehe ich auf der Straße und weiß noch nicht mal richtig, welches Haus es nun ist und ob ich klingeln soll. Es sind alles so Reihenhäuser. Einfamilienreihenhäuser. Das heißt, ich muss schon irgendwie wissen, welches Haus es ist, denn ich gucke durch ein Fenster und sehe, dass da die beigefarbenen Sessel ineinandergeschoben sind und auch sonst alles ziemlich unordentlich ist. Für den Hochzeitstag, den Tag der Hochzeit. Aber am Ende sehe ich auf der Straße ein paar von meinen Schülern aus dem Haus kommen und mich grüßen und dann weiß ich, dass sie da wohnen muss, dass sie da wohnt. Und so lässt sie mich am Ende doch rein, obwohl ich komisch bin, „gehemmt bin“, ihr zu sehr in die Augen gucke. Also beginne ich mein Interview, mein Verhör, wie ich sage (obwohl keiner lacht, oder nur aus Höflichkeit).



„Wie lange bist du schon mit ihm zusammen?“

„20-30 Jahre.“

„Aber du bist doch noch so jung! Wie kannst du denn 20-30 Jahre mit ihm zusammen sein?“


„Und wo habt ihr euch kennengelernt?“



Und dann wache ich auf

Komisch, denke ich, was für ein komischer Traum!



Vorheriger Traum: Traum und Tod, Traum vom Tod













Freitag, 15. Dezember 2017

Ihre kleine Seele






Hey, man
How come you treat your woman so bad?
That's not the way you do it
No, no, no, you shouldn't do it like that
I could show you how to do it right
I used to practice every night on my wife, now she's gone
Yeah, she's gone
You see, her mother and me
We never got along that well, you see

 (Pulp - "A little soul")
  





Ich habe ihre kleine Seele auch verletzt. Vielleicht habe ich das ja alles verdient, was mir passiert ist. Die Trennung, die Scheidung, die finanziellen Probleme…

…als ich damals ihre Freundin angemacht habe… Wie hieß die noch mal? Keine Ahnung. Lydia? Nein, das war die Schwarze, bei der wir unser erstes Mal hatten. Sylvia? Nein, das war die Sexbombe, die eigentlich Informatikerin war, aus dem Dschungel kam und aussah…wie eine Sexbombe halt so aussieht… Die mit dem alten Typen zusammen war, mit diesem Santa Ruseño. Der aus dem gleichen Dorf kam wie Nadine. Und mindestens zwanzig Jahre älter war als dieser kleine, perfekte Schoko-Sahne-Schnitte aus dem Dschungel, die dich fast zum Tiger hat werden lassen…wenn sie nicht mit diesem alten Gockel zusammen gewesen wäre…


Dienstag, 28. November 2017

James Bond 007 - Goldeneye














Abends läuft im Zweiten Goldeneye. Das ist doch…ist das nicht…?!, denke ich und checke das Erscheinungsjahr. Tatsächlich, da steht’s: 1995. Ja, genau, das ist der Film, den wir damals geguckt haben. Nach der Nacht in der Disko. Silvester 1995/96. Geguckt ist gut, denn ich weiß echt nicht, wie viele Minuten wir damals wirklich auf die Leinstand gestarrt haben und nicht übereinander hergefallen sind, im alten Metropol Bonn. 

Trotzdem oder gerade deswegen schaltest du pünktlich um Viertel nach zehn von Hart aber fair, wo sie wieder mal über Deutschlands politische Zukunft diskutieren (was für ein Scheiß!), aufs Zweite um, wo tatsächlich James Bond 007 – Goldeneye läuft. Vielleicht wird der Film ja im Internet geblockt (aus rechtlichen Gründen, blablabla…) und du kannst/musst ihn dir gar nicht angucken, denke ich, als die das heute-journal endet. Gleichzeitig verspürst du einen seltsamen Wunsch, ein seltsames Gefühl der Neugier, ihn dir nach all den Jahren endlich einmal anzugucken, zu sehen, was du damals verpasst hast, als du bei deinem ersten Date, deinem ersten richtigen Date überhaupt, im Kino über sie hergefallen bist wie ein ausgehungerter Löwe. Der schon viel zu lange „keine Freundin hatte“, der schon viel zu lange „noch Jungfrau“ war. Das ist doch die perfekte Gelegenheit. Und wenn der jetzt nicht kommt…, denkst du. Aber dann siehst du schon den Löwen, der früher noch immer vor Filmen kam, den brüllenden Löwen, den es heute irgendwie nicht mehr gibt. Und dann kommt, obwohl du jede Minute damit rechnest, dass das ZDF das Programm mit einem Hinweis auf die Rechtelage unterbricht, tatsächlich dieser typische Anfang der alten James-Bond-Filme. Den es jetzt auch nicht mehr gibt. Mit diesen Silhouetten, den Schattenspielen mit den Frauen und Pistolen und James Bond, die so ein bisschen an die 70er Jahren erinnern (sollen). Also läuft der tatsächlich, denke ich mit Erstaunen. Ist der etwa zu alt für rechtliche Gründe? Wahrscheinlich. Genau wie du: zu alt für rechtliche Gründe…

Freitag, 27. Oktober 2017

Fast-Begegnung der dritten Art II




“Sometimes memory can be real bitch.” 

Lourd Ernest H. de Veyra, The Best of This Is A Crazy Planets

 






In der Bahn von Rheinbach höre ich auf einmal eine spanische Stimme. Zuerst denke ich, das ist eine Spanierin, aber dann muss ich feststellen, dass das definitiv eine südamerikanische Stimme ist. Aus Kolumbien oder so. Sie redet ziemlich laut und ich verstehe alles. Obwohl ich nur mit einem halben Ohr hinhöre und eh nur die eine Hälfte des Gesprächs mitbekomme. Aber es zieht mich immer mehr in den Bann, je weiter wir fahren. 

Dienstag, 24. Oktober 2017

Armutsrisiko in Deutschland




Epi·pha·ni̱e̱
Substantiv [die]
Religion
  1.  die Erscheinung (eines) Gottes unter den Menschen.
    2. Alltagsoffenbarung








Armutsrisiko für Kinder ist, wenn Eltern sich trennen…“, sagt der Typ im Fernsehen.



Er steht auf, hievt sich mit Mühe hoch du geht auf Klo. Schleppt sich schon fast auf Klo. Sagt zu sich selbst, laut: „Dann soll sie doch um zwölf kommen. Mir doch egal. Ich bin dann nicht mehr da. Dann bin ich auf der Arbeit. Ist doch auch egal: Ich werd doch eh nicht mehr gebraucht. Nicht von ihr, nicht von ihrer Mutter, vom niemandem mehr…ich bin abgeschafft…

Keiner Sau…






Samstag, 7. Oktober 2017

Traumdeutung: Keine Luft in den Anden










Ich träume davon, dass wir in Ecuador sind. In den Anden. Dort, wo sie herkommt. Sie. In der Nähe von Ambato. Ich sitze neben ihr im Auto und wir fahren eine dieser Passstraßen runter in ein Tal. Sie fährt. Und ich sitze neben ihr, in diesem alten Auto und sehe, wie die Straße ziemlich steil ins Tal hinunterführt, zwischen diesen hohen Bergen auf beiden Seiten… 

Montag, 13. März 2017

Nicholas Sparks - Two by Two







"Someone once told me that the power in all relationships lies with whoever cares less, and he was right..."



 











Als er durch den Wald zur Arbeit läuft (er muss endlich wieder fit werden, er ist in den letzten Wochen echt fett geworden), hört er Two by Two von Nicholas Sparks. Als Hörbuch. Und plötzlich, als Emily, eine der Hauptfiguren in dem Roman,  über ihren Ex-Mann spricht, fällt dieser Satz. Den er heute extra gesucht hat, für den er sich extra noch mal alle Gespräche zwischen Emily und Russ, Emilys Ex-Freund, der seinerseits von seiner Frau Vivian für ihren Chef verlassen wurde. Auf Englisch lautet der Satz: …evidence of ending the marriage and losing me mattered not at all to him…

Dienstag, 21. Februar 2017

Roma 2012 III




Ich wusste gar nicht, was ich hier suchte, hier draußen in der lauen römischen Nacht. Ein Hemd an. Auf alle Eventualitäten vorbereitet. Oder doch nicht? Ich weiß es nicht mehr. Vielleicht hatte ich auch einfach nur meine Shorts an – vielleicht sogar meine Strandshorts. Die mit den roten Blümchen. Keine Ahnung, ob ich die damals schon hatte. Oder die weiße mit den roten Streifen. Die war zumindest aus Stoff. Nicht wie die Blümchenshorts, die mehr eine Badehose als eine richtige kurze Hose war. Ja, vielleicht hatte ich die ja damals noch, diese weiße Shorts mit den verschiedenen vertikalen Streifen. Die mich immer ein bisschen an ein Geschirrhandtuch aus der Küche erinnert hatte. Oder hatte ich mir gar vor meinem nächtlichen Gefängnisausbruch eine lange Hose angezogen? Wie hätte ich das vor Nadine rechtfertigen sollen. Wenn sie mich beim Wiederkommen erwischt hätte. Morgens um vier, am Ende meines Freigangs. Als es in Rom schon fast wieder hell wurde. Obwohl: Das lange Hemd hätte ich ihr genauso wenig erklären können. Denn das war eins der eleganteren Sorte. Die ich in Deutschland nicht zur Arbeit anzog. Aber in den Urlaub mitnahm. Keine Ahnung warum. Um einen guten Eindruck zu hinterlassen. Wie in den 50ern und 60ern, wo die Leute noch elegant, in Anzug und Krawatte geflogen sind. Und nicht wie heute in Stranduniform und Sandalen mit Tennissocken. Keine Ahnung warum. Mein Urlaub war etwas Besonderes. Der Urlaub mit meiner Familie. Diese fast schon magisch anmutenden zwei Wochen im Jahr. Wenn es überhaupt zwei Wochen waren, die ich, die wir uns leisteten. Keine Ahnung. Das war das Hemd mit den verschlungenen Rosen auf schwarzem Stoff, das war richtig elegant. Das, wo man immer aufpassen musste, dass nicht auf einmal der Knopf in der Mitte, in der Mitte des Bauches aufging. Und man auf einmal unfreiwillig bauchfrei spazieren ging. Mit Guckloch. Aus dem bei genauerem Hinsehen schwarzbraune Brust und Bauchhaare quollen. Aber in Italien waren die vielleicht gar nicht so ungewöhnlich… Die platzenden Knöpfe wahrscheinlich aber schon, denn hier im Süden waren die Leute deutlich schlanker als in Mittel- oder Nordeuropa. Nicht so viel Frustessen, mehr Strandtage und eine mediterrane Diät trugen bestimmt zu dieser sprichwörtlichen bella figura der italienischen Männer und Frauen bei. So viel Schwabbel-Wabbel wie bei mir und bei meinen Landsleuten sah man hier auf jeden Fall nicht.

Donnerstag, 12. Januar 2017

Dankbarkeit und Schuld










Wenn überhaupt, dann kann man das nur als ein Gefühl der Dankbarkeit beschreiben. Er flog nach Ecuador und heiratete sie, weil er ihr dankbar war. Das mag jetzt komisch klingen, aber das ist, glaub ich, das, was einer echten Erklärung am nächsten kommt. In Ermangelung einer echten Erklärung…

Dankbar wofür aber?

Ich weiß es auch nicht genau. Weil sie mich liebte, obwohl mich noch nie jemand geliebt hatte, vorher…weil sie die Einzige war, die jemals vermocht hatte, mir ein Gefühl der Liebe, der Geborgenheit, der Zugehörigkeit zu geben…weil sie mich aus meinem Elternhaus befreit hatte, rausgeholt hatte…weil ich selbst nicht die Kraft dafür gehabt hatte, hätte…oder weil sie mir die schwere Last der Jungfräulichkeit von den Schultern genommen hatte, die ich all die Jahre, seit ich 15 war und das erste Mal Sara in der Schule in die Augen geguckt hatte, mit mir rumgetragen hatte…

Aurélie, so klappt das nie. Du erwartest viel zu viel. Die Deutschen flirten sehr subtil.

Durch sie hatte es bei dir am Ende doch noch geklappt…

Und manchmal denkst du sogar: Weil sie dich vor dem Selbstmord bewahrt hat. So was Ähnliches hast du damals echt gedacht, den sicheren Selbstmord wärst du weiter in dieser Umgebung, diesem Umfeld geblieben. In diesem Elternhaus. Gefangen

Nicht so klar vielleicht, aber das war schon die Richtung, in die du gedacht hast: Was hättest du gemacht, hättest du sie nicht kennengelernt?

Also dachtest du, du schuldest ihr was. Du bist ihr noch was schuldig. Weil sie dich wieder aufgebaut hat, nachdem dich die Schule und die Familie so runtergerissen und kleingehalten hatten, all die Jahre. Sie hat dir geholfen und jetzt musst du ihr auch helfen. Jetzt, wo sie ein Problem hat, wo sie von der Polizei erwischt und ausgewiesen wurde. Illegal in Deutschland. Kein Mensch ist illegal. Was für ein heuchlerischer Slogan. Ich wette, die die das sagen, die sind noch nie einem Illegalen begegnet. Aber du konntest etwas tun. Konntest sie heiraten

Obwohl du vorher, als der Bundeswehr-Pfarrer da angerufen hatte, im Gefängnis, und dich gefragt hatte, ob du sie heiraten wolltest, das sei die einzige Möglichkeit, nein gesagt hattest.

Und jetzt sagt sie nein, in 7 Tagen. Noch nicht mal mehr 7 Tagen

„Wollen Sie sie heiraten…?“

Du hattest sie gehen lassen. Und später, keine zwei Monate später, bereutest du es schon wieder. Hingst ihr immer noch im Gedanken nach. Hingst immer noch an ihr. So wie jetzt.

Und bist nach Ecuador geflogen…nachdem du „Zuhause“ rausgeflogen warst – wieder einmal – und bei Rafael und Slainté untergekommen warst. (Das hast du auch später vergessen, jedes Mal, wo du mal wieder eifersüchtig auf deinen Schwager warst, dass er dir damals sein Zimmer zur Verfügung gestellt hatte…) Flogst also nach Ecuador und überlegtest vier Wochen hin und her (das war auch unfair ihren Gefühlen gegenüber, ihr gegenüber, das hatte sie auch nicht verdient, obwohl sie mit dem Bruder ihres Schwager vor deinen Augen geflirtet hatte, auf dem Dorftanz, dem baile), überlegtest, ob du sie wirklich heiraten solltest und sagtest schließlich drei Tage vor Abflug ja. Ja, ich will. Sí, quiero.

Und heute will sie eben nicht mehr. Oder sagt sie auch auf dem letzten Drücker noch ja? Sí, se puede…sí, se puede…

Sagtest ja, noch nicht mal für eine Hochzeit angemessen gekleidet, in einem schwarzen Polo-Shirt und einer beigefarbenen Jeans. Mit zum Schwur erhobener Hand (auf dem Foto, das deine Mutter dann fand).

Wie kann so eine Beziehung glücklich machen, wie kann aus ihr jemals so was erwachsen wie Zufriedenheit? Eine Ehe, die auf so wackligen, tönernen Füßen steht?

Kann sie nicht

Oder doch?

War sie aber doch irgendwie. Glücklich. Mit einem Hauch Verklärung, Glorifizierung, Idealisierung der Vergangenheit. War sie glücklich, war sie jemals glücklich… Oder fühlte sie sich genauso benutzt wie du jetzt…?

Wie sehr sie doch irgendwie glücklich, das merkst du, das merkt man immer erst hinterher. Jetzt, wo sie weg ist…

Wo sie für immer weg ist…

Wo die Scheidung in nicht mal mehr 7 Tagen ansteht…

Vielleicht hat sie ja jemand gefunden, der sie wirklich liebt...so, wie sie ist…

Ein bisschen gönnst du es ihr vielleicht sogar, nach all den Jahren mit dir, den neunzehn Jahren, um genau zu sein…

Für immer weg…

So ist das Leben. Wer zu spät kommt, wir gefickt. In den Arsch und ohne Gummi. Oder mit Noppengummi. Mit dickem Gummischlauch, in den Arsch, immer tiefer hinein in die Scheiße