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Freitag, 14. März 2025

I just wanna feel ... real love ...





... so als ob sie sagen wollte: Dann hätte ich hier gar nicht hinkommen müssen ...

Und sie wollte es nicht nur sagen, sie sagte es auch, tatsächlich.

"Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich gar nicht gekommen ..."

Aber du sahst darüber hinweg, wie du über alles hinwegsiehst, zeigtest ihr stattdessen Videos von Liebesliedern auf deinem Computer. 

Sonntag, 9. März 2025

My playlist from hell - or heaven?! [Entwurf]






23.02.25



Die Playlist aus dem Himmel, oder der Hölle? My playlist from hell - or heaven? 

Du drückst auf Zufallswiedergabe und als erstes kommt:

Carmen DeLeón - Mariposas


Es ist Wahltag


Die Vögel zwitschern


Die Sonne scheint


und du denkst an C.


Aber schwach, schwächer


ihr Signal wird schwächer


je älter du wirst, desto schneller geht das mit dem Liebeskummer


du hörst die Raben krächzen


Nachtigall, ick hör dir trapsen


Du musst dich beeilen, läufst schneller, um zum Doppelpass wieder da zu sein


aber warum eigentlich?


Um vermeintliche Fußball-Experten über Fußball reden zu hören


Bayern hat eh noch nicht gespielt, heute erst


Lauf Forrest, lauf!


Wie du damals immer gelaufen bist, und dabei permanent an sie gedacht hast    eure  Sternzeichen gecheckt hast  für ein Zeichen   und sag nur ein Wort


Der Frühling ist da      und du willst sie nicht vergessen


wolltest gestern dieses Lied Posten, in deinen Status stellen


von Carmen de León


hast es dann doch nicht gemacht



es ist kalt, aber nicht mehr ganz so kalt     deine Fenster zu Hause sind auf kipp


Du beginnst zu joggen. Ob dein Knie das mitmacht?


Mariposas


Schmetterlinge


Hattest du auch 


Diesen einen Tag warst du wie high


hattest, warst


Laut Tony Robbins kann man Trauer schon in einem Tag überwinden


wenn man will


que tu amor me confieses  dass du mir deine Liebe gestehst    heute weiß ich, das war ein Fehler, das macht man als Mann nicht. Man(n) lässt die Dinge fließen   oder machen das Frauen  wer weiß 


Deja que fluya


¡Deja que fluya!


¡Deja que fluyan las cosas!


Lass die Dinge fließen 


aber wohin?


wohin?!


Einen Tag. Und der Liebeskummer ist vorbei! Sagt Robbins. 


wenn der das sagt


du bist schon drüber   schon lange   schon lange überfallig


Der Mann mit dem Rollstuhl kommt dir entgegen. Jeden Tag dreht er hier einsam seine Runden in seinen fahrbaren Rollstuhl, mit seinem Hund immer an der Seite, sein treuer Begleiter


Hunde sind treu, Menschen nicht 


Por cobarde no te dije nada, singt Carmen - Aus Feigheit sagte ich nichts - ja,stimmt, und was lacht dann?! Die Friendzone!!! Zahnlos, feige, schüchtern, abwartend, nicht masculine enough


Die kommt ein Fahrrad entgegen, fährt ganz eng an dir vorbei. Die fahren auch immer bekloppter. Wie du letztens geblutet hast, als das Fahrrad dich angefahren hat. Geil!


Deine Lippe ist immer noch auf. Das Blut auf dem Asphalt, das Blut, das Leben


Llevo queriéndote en silencio siete vidas y no dije nada - Schweigend liebe ich dich schon sieben Leben lang und sagte nichts


Sagte nichts, als ich ihre Nacktbilder auf dem Handy sah. Wie geil ich war


über sieben Brücken musst du gehen


beide am 7. geboren. Da kann ja nichts schiefgehen. Oder? Oder? Doch, so einiges!


Ja, ich möchte dich schon am Anfang. Als Frau, als Mann, wie ein Mann eine Frau halt so mag.


über sieben Brücken musst du gegen


sieben Jahre lang lieben


Y aunque por fuera yo decía que era tu amiga por dentro me ahogaba - und obwohl ich draußen immer gesagt habe, dass ich deine Freundin bist, ging ich in meinem Inneren unter


wie sie immer hinter der Theke auftauchte, kaum sichtbar,so klein, wie sie war. Und schüchtern "amigo" sagte



Das Wichtigste ist auch, dass du die Liebe in dir hast, du hast sie noch in dir, die Liebe


Also kannst du sie ihr oder auch jemand anderes geben





Donnerstag, 18. Juli 2024

Lieder im Auto - irgendwann in den 90ern






Ich liebte die Musik im Auto meines Vaters. Ok, er hörte vielleicht nicht die neuesten Hits, aber ich liebte das trotzdem. All die Lieder, die damals liefen. Mein Freund der Baum. Take me home. Dieses Truckerlied, keine Ahnung, wie das hieß. Die Bee Gees im Ungarn-Urlaub. Summer of 69 – das lief damals sogar häufiger in der Disko. I can't dance – das läuft heute noch. In the Air tonight. 99 Düsenjäger. Another brick in the wall. Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt. Johnny Hill – Ruf Teddybär – mein Vater wollte immer Trucker werden. Oder das Tabaluga-Lied … Wahnsinn. Wie lang das her ist. Aber der absolute Klassiker war Mein Freund der Baum. Das war so melancholisch schön. Oh, Papa, wo bist du? Das lief damals imma wigga, mein Freund der Baum, imma wigga. Über den Wolken. Das lief auch dauernd. Wie alt war mein Vater damals? So um die vierzig? Älter? Nein, es muss so Mitte vierzig gewesen sein.

Donnerstag, 8. Februar 2018

Herzlichen Glückwunsch!




 
An meinem Geburtstag, einem kalten Tag im Februar, werde ich von meiner Tochter geweckt, die sich in der Küche Buttergemüse von Aldi für die Schule macht. Und einen Bagel, im Ofen. Meine Tochter, die irgendwas sagt, nuschelt, das ich nicht richtig verstehe.

Montag, 5. Februar 2018

Du Pilzkopf, du!














Ich stehe nach dem Duschen vor dem Spiegel und denke: Deine Haare sind auch wieder ziemlich lang. Ist das wirklich schon so lange her, dass ich das letzte Mal beim Friseur war?! Aber egal: Das ist noch okay, das ist noch nicht zu lang. Wenn es zu lang wird, gehe ich schon wieder zum Friseur, keine Angst. Außerdem sieht es so gar nicht mal so schlecht aus, mit den kleinen Wellungen hinterm Ohr, fast schon jugendlich. Was bei einem mittelaltrigen Mann eben so als jugendlich durchgeht (scheiße, ich bin nicht mehr jung, als jung kann ich mich nicht mehr wirklich bezeichnen!). Friseure sind sowieso so eine Art rotes Tuch für mich. Ich bin noch nie gerne zum Friseur gegangen. Für mich grenzte das immer an Körperverletzung. Das fing schon damals an, in Kessenich, als ich zu diesem Salon auf der Ecke gegangen bin und eine Vanilla-Ice-Frisur haben wollte (ja, ich weiß…aber ich war Rap-Fan), die mir aber einen Skinhead verpasst haben. Wo mich dann, am nächsten Tag in der Schule, mein Französisch-Lehrer (der den Krieg bestimmt noch miterlebt hatte) fragte, warum ich denn so eine kurze, radikale Frisur hätte. Radikal sagte er nicht, denn seinem Ausdruck entnahm ich, dass er das durchaus positiv sah, mit meiner Frisur. Obwohl es mir tierisch peinlich war. Und auch die Rap-Tante (die sitzengeblieben war und jetzt unsere Klasse terrorisierte und die beste Freundin meiner Angebeteten aus Peru war – nochmal ja ich weiß…) fand meine (fehlenden) Haare „geil“. Wenn ich so darüber nachdenke, war das das einzige Mal, wo ich Ana (so hieß die Peruanerin, die voll in mein Beuteschema passte) näher als in diesen endlosen Augenblicken, die ich mit ihr austauschte (ich weiß gar nicht mehr, wie ich in der Mittelstufe überhaupt was mitbekam, bei all den Blicken in ihre Richtung, in ihre Augen und vielleicht auch in ihr junges Herz). Aber wo waren wir…

Sonntag, 28. Januar 2018

Atomkrieg, Bob Dylan und Selbstmord














Nachts fährt mich mein Kollege Sascha zum Bahnhof. Ich mag Sascha und Sascha mich glaub ich auch. Wir unterhalten uns, wie immer:

„Hast du das von Hawaii gehört. Mit den falschen Alarmmeldungen… Wo die dachten, die werden mit Atomwaffen angegriffen…“

„Ja, krass, ne?!“

„Nur weil da einer aus Versehen auf den Knopf gekommen ist… Dass so was überhaupt möglich ist… Dass so was überhaupt von nur einer Person ausgelöst werden kann… Boah, ich wär so ausgetickt…“

Donnerstag, 18. Januar 2018

Duermen los pollitos...




Nachts, allein im letzten Zug, in der letzten Voreifelbahn, die ihn jetzt nicht mehr nach Hause nach Bonn-Finkenhof bringt, sondern nach Meckenheim, denkt er an früher, wo er noch mit Nadine zusammen war. Damals würde er jetzt mit ihr im Zug sitzen, entweder neben ihr oder ihr gegenüber, aber immer ganz nah. Er würde müde sein, aber trotzdem lachen. Sie würden lachen, lachen und reden, er würde sie berühren, umarmen, küssen, vielleicht sogar sie ihn. 

Montag, 18. Dezember 2017

Weihnachtsscheiß





Kann diesen ganzen Weihnachtsscheiß einfach nicht mehr hören. Weihnachten hier, Weihnachten da. Aber wenn man seine Tochter nur den halben Tag lang sieht, dann ist der Rest des Heiligabends gelaufen. Am liebsten würde ich einfach abhauen. Nach Holland fahren und kiffen gehen, keine Ahnung. Irgendwas, nur nicht das! Habe ich zu Nadine auch schon gesagt: „An Heiligabend bin ich nicht da! Da fahre ich nach Holland kiffen! Da kannst du bei deiner Mutter bleiben.“ Du kannst ja dann nach Weihnachten kommen und dein Geschenk abholen. Ich weiß nicht mehr, was sie darauf gesagt hat. Wie dieser Typ, von dem du heute gelesen hast. 100 Länder, 100 Frauen. Das klingt geil. Aber das kriegst du mit deiner Bilanz von zwei Frauen in 40 Jahren eh nicht mehr hin. Aber versuchen kann ich es doch wenigstens…

Freitag, 15. Dezember 2017

Ihre kleine Seele



Hey, man
How come you treat your woman so bad?
That's not the way you do it
No, no, no, you shouldn't do it like that
I could show you how to do it right
I used to practice every night on my wife, now she's gone
Yeah, she's gone
You see, her mother and me
We never got along that well, you see

 (Pulp - "A little soul")
  








Ich habe ihre kleine Seele auch verletzt. Vielleicht habe ich das ja alles verdient, was mir passiert ist. Die Trennung, die Scheidung, die finanziellen Probleme…

…als ich damals ihre Freundin angemacht habe… Wie hieß die noch mal? Keine Ahnung. Lydia? Nein, das war die Schwarze, bei der wir unser erstes Mal hatten. Sylvia? Nein, das war die Sexbombe, die eigentlich Informatikerin war, aus dem Dschungel kam und aussah…wie eine Sexbombe halt so aussieht… Die mit dem alten Typen zusammen war, mit diesem Santa Ruseño. Der aus dem gleichen Dorf kam wie Nadine. Und mindestens zwanzig Jahre älter war als dieser kleine, perfekte Schoko-Sahne-Schnitte aus dem Dschungel, die dich fast zum Tiger hat werden lassen…wenn sie nicht mit diesem alten Gockel zusammen gewesen wäre…


Freitag, 17. November 2017

Döner zum Abendessen















Ich gucke Australia. Mit Nicole Kidman. Und denke daran, wie ich das früher mit ihr geguckt hätte. Wie sie immer eingeschlafen ist, neben mir, in meinen Armen. Wäre sie bei Australia auch eingeschlafen. Weil es so langweilig war neben mir. Oder weil sie einfach nur müde war. Den ganzen Tag putzen ist hart…
Du wirst es nie erfahren…

Sonntag, 29. Oktober 2017

Müllentsorgung nach der Scheidung












Heute muss ich echt mal wieder ein bisschen aufräumen. Zuerst bringe ich den Müll raus, dann gucke ich im Keller nach, wie die Wäscheleinensituation aussieht (das muss man in einem Mehrfamilienhaus, in dem nur sechs Leinen vorhanden sind, immer tun). Aber heute ist fast alles leer (oh, Wunder!). Also wird heute auch noch gewaschen. Keine Minute Pause. 

Montag, 6. März 2017

ORIGINAL Salsa Tanznacht





Es ist Samstagnacht. Er steht an der Bushaltestelle für den Nachtbus. Am Bonner Busbahnhof. Heute ist der erste Samstag im Monat. Das heißt, dass im Sofa, der kleinen Disko keine 20 Meter von wo er steht. So nah, dass er die Musik hören könnte. Wenn es nicht regnen würde. Nachts um halb zwei. Anders als sonst bleibt er ganz vorne an der Haltestelle stehen. Nur nicht zu nah an die Disko ran. Heute ist „Die ORIGINAL Salsa Tanznacht“. Bestimmt ist Nadine da. Hoffentlich steht sie nicht gerade draußen. Sonst könnte sie ihn nachher noch sehen. Und er weiß nicht, ob er das will. Ob er das wirklich will…

Freitag, 17. Februar 2017

Roma 2012 (Teil II)











Just a perfect day
Drink Sangria in the park
And then later
When it gets dark, we go home

Just a perfect day
Feed animals in the zoo
Then later
A movie, too, and then home

(Lou Reed - Perfect Day)






Aber obwohl ich mich daran erinnere, dass ich in diesem Jahr, und vielleicht sogar in diesem Urlaub, angefangen habe, ernsthaft Rammstein zu hören, so war doch das Lied dieses Sommers nicht etwa Mein Teil, Dalai Lama, Los oder Keine Lust – obwohl du diese Lieder und besonders Los oder Keine Lust auch richtig geil fandest, während María mehr auf Amerika stand (bis heute kann sie sogar Du hast mitsingen, keine Ahnung warum…).

Mittwoch, 8. Februar 2017

Roma 2012




Wir wohnten damals in so einer „Pension“. Keine Ahnung, wie die genaue Bezeichnung war. Aber ein Hotel war das auf gar keinen Fall. Die hatten wir schon von Deutschland angerufen. Wie wir das immer gemacht haben. Jedes Jahr. Jedes Jahr das Gleiche. Wir suchten uns einen günstigen Flug im Internet (meistens Ryan Air), bezahlten den mit der Kreditkarte von Marías ehemaliger bester Freundin, zu der sie eigentlich schon lange keinen Kontakt mehr hatte, die wir aber immer noch anriefen (immer wenn wir in Urlaub wollten und mit der Kreditkarte bezahlen mussten). Und erst dann, nachdem all das erledigt war, fingen wir an, nach einem günstigen Hotel zu suchen. Nach dem günstigsten, um genau zu sein. Das ging auch immer relativ gut (vorbei waren die Zeiten, wo wir mit María im Kinderwagen in Alicante gelandet waren und erst dann, nach der Ankunft am Flughafen, nach einem Hotel für die Nacht suchten (ich kann mich immer noch an das Gesicht des Taxifahrers erinnern, der wirklich nicht amused war!).

Montag, 30. Januar 2017

Antonio Orozco, Hoffnung und dieses Scheiß-Leben











Ich gucke dieses Video von Antonio Orozco. Wo der auf der Hochzeit singt. Keine Ahnung von wem. Kenne ich nicht, aber der Typ sieht gut aus. Die Alte auch, aber nicht ganz so. Er gewinnt, weil er gleichgültiger sein kann. Weil er besser aussieht. Oder doch sie? Traue nie einer Frau, die sich traut. Selbst wenn sie, wie im Video, heult. Aber egal. Lassen wir das. Ich gucke das Video und höre, wie der singt. Wie der leidet. Und denke: Du kannst leiden so viel du willst, sie wird nie zurückkommen. Du kannst bis ans Ende der Welt leiden. Sie würde nicht zurückkommen. Nie. Keine Chance, du Wichser. Die Realität ist halt anders als Antonio Orozco. Du kannst es 50mal hören, in der Original-Version, in der Flamenco-Version, in der Fick-mich-in-den Arsch-Version…sie wird nie zurückkommen. Und die Hoffnung stirbt auch nicht zuletzt, denn sie ist schon lange tot. Kannst es hören, bis die Nachbarn die Polizei rufen, bis die Kühe nach Hause kommen, bis eure Tochter sagt „Das nervt, mach das mal aus!“...sie wird nicht kommen. Egal wie viel du leidest oder besser gesagt: Je mehr du leidest, desto geringer werden deine Chancen, dass sie überhaupt jemals wieder ein Wort mit dir spricht. Außer das klare Nein bei der Scheidung. Ihr letztes Wort.

…de tu vo’, de tu andar, del sentir, del de’pertar…
…e‘toy hecho de pedacito’ de ti…
…e’a lu’…
…el saber de que sin ti no soy na‘a
..que la noche fue gri’

Und obwohl du das weißt, das ganz genau weißt, du Wichser, hörst du das Lied immer wieder. Wie eine Beschwörung. Aber die Nacht hört nicht auf dich. Die scheißt auf dich. Und die Sterne sind blind, tot, schon lange weg, egal wie oft du zu ihnen aufschaust

Aber das ist wie mit diesem Scheiß-Leben. Wir wissen, dass es zu nichts führt, klammern uns aber trotzdem an es als wär es unsere letzte Hoffnung

weil es genau das ist

wir werden geboren
wir lieben
wir sterben

Noch einmal, nur noch einmal Antonio Orozco auf dieser Hochzeit, wo du noch nicht mal weißt, ob die überhaupt noch zusammen sind












Mittwoch, 11. Januar 2017

8 Tage vor der Scheidung






Die letzten Tage vor der Scheidung – es sind derer noch genau 8 – fühlen sich irgendwie irreal an. So als müsste noch irgendwas passieren, was den Termin vor Gericht doch noch verhindert

Was denn? Ein Atomkrieg?

Was hätte Fukushima noch verhindern können? Nichts

Keine Ahnung. Irgendwas

Samstag, 10. Dezember 2016

Never forget...




Ich weiß noch, wo wir auf Gran Canaria waren. Ich weiß nicht mehr, ob das das erste Jahr war oder nicht. Das Jahr, in dem ich Patricia kennengelernt habe, oder das, wo sie zurückgekommen ist. Auf jeden Fall lief da dieses Lied. Von Take That. Die ich eigentlich hasste…oder hassen sollte, da meine Schwester total vernarrt in die war. Ihr ganzes Zimmer mit Postern von denen zugepflastert hatte. Ich weiß gar nicht mehr, wer ihr Favorit war. Ich glaube fast Robbie, dessen Lied Feel ich selbst später liebte. In meinen Zwanzigern. Als Robbie Williams so richtig berühmt war. Im Radio rauf und runter lief. Jedes Mal sang ich es mit. Bei jeder Gelegenheit. In der Disko, zu Hause, überall. Ich wollte auch etwas fühlen. Fühlen, dass ich lebte.

Weil ich es schon nicht mehr tat…?

Freitag, 28. Oktober 2016

Schuld












Ich weiß noch, wie wir damals in der Disko waren. Das eine Mal. Das letzte Mal?

Wie ich getrunken hab. Wie ein Tier.

Wodka, Weizen und alles, was ich an Alkohol bekam. Alles.

Du nichts. Du musstest ja fahren. Und trinken war auch nicht so deins. Dein Ding.

Mich ödete das alles so an. Alles. Wirklich alles. Die Disko, die Musik, die Ehe, die Leute in Bonn, das Leben. Ich wollte mehr. Mehr vom Leben. Es muss doch noch mehr geben als das. Als diesen Alltag. Immer die gleichen Leute. Immer die gleiche Musik. Immer die gleiche Arbeit. Alles langweilig. Ich wollte mehr…

…und heute habe ich weniger. Das hat man davon…

Du wolltest mehr, wolltest Spaß haben, wolltest die Welt ficken, wolltest deine russische Nachbarin ficken. In den Arsch. Auf der Waschmaschine im Keller. Wolltest ihre Freundinnen ficken. Wolltest alles ficken, was bei drei nicht auf den Bäumen ist. Wolltest leben.

Wie einfach und doch wie schwer. Damals wusstest du noch nicht, dass man in Deutschland nicht leben kann, nicht leben darf – es könnte ja die Nachbarn stören.

Wolltest das Leben genießen, wenigstens ein bisschen, bevor du das Zeitliche segnen musstest. Den das wusstest du schon immer – seit du damals als 15-Jähriger in deinem Zimmer unter dem im Bett lagst und dich fragtest, wie viele Jahre dir noch bleiben sollten…wie das wäre mit 30, 35, wie viele Jahre dir dann noch bleiben würden…

…und Angst hattest

and in short, I was afraid

Jetzt weißt du, wie das ist…

…wie sich das anfühlt…

Hättest du das doch mal damals gewusst…

(hättest du auch nichts machen können)


Nichts außer in der Disko auf der Tanzfläche zu stehen, zu bis oben hin, voll von Alkohol, Sehnsucht und Lust, und dieses Lied in ihre Ohren zu singen, zu schreien. Damit sie es auch bloß versteht

Que yo no tengo la culpa…

Que yo no tengo la culpa…

Immer wieder. Immer wieder hattest du nicht die Schuld. Denn das heißt die Zeile auf Deutsch: „Ich bin nicht schuld…“

Heute weiß ich, dass das Lied politisch ist. Damals wusste ich das nicht. Politisch passt auch mehr zu heute als zu damals. Damals war das persönlich, das Lied. Persönlich. Ich nahm das persönlich.

Du wolltest mehr und sie wollte nicht mehr. Sie hatte keinen Bock mehr. Hatte darauf natürlich keinen Bock. Sie wollte sich innerhalb der Gesellschaft austoben. Austanzen. Normal tanzen. Spaß haben. Lächeln.

Ich wollte auch nicht mehr. Ich wollte dieser Gesellschaft den Arsch aufreißen. Die Brust, um zu sehen, ob da irgendwo, irgendwo in diesem tristen Deutschland, noch ein kleines Herz schlägt. Schwach, aber noch nicht tot. Das man vielleicht noch wiederbeleben konnte. Dem man wieder Leidenschaft einflößen könnte. Ich hatte keinen Bock mehr auf die ganze Scheiße. Immer das Gleiche. Zu tanzen wie die anderen tanzen. Zu Musik, die ich nicht mag. Mit Leuten, die ich nicht mag. Und erst ihre Freunde, ihre Familie. Der Horror. Zum Glück wollten die mich nicht sehen…

Ich hatte keinen Bock mehr auf all diese ritualisierten, synchronisierten Bewegungen auf der Tanzfläche, all dieses Arme und Hüften schwingen im Gleichklang der Musik. Nur nicht auffallen, selbst beim Tanzen nicht, alles geregelt. Und das trotz des Alkohols, der natürlich in Strömen floss.

Heute weiß ich, dass es das, was ich wollte, nicht gibt. Nicht in dieser Gesellschaft, nicht in diesem Leben.

Wir müssen alle sterben…

…und ich war schon seit so vielen Jahren tot.

Saß nur noch da und trank. Bestellte gleich zwei Bier auf einmal. Trank ihrs mit. Aber dann kam da dieses Lied. Das ich immer geliebt hatte. Dieses spanische Lied. Das so anders war als diese typischen sinnentleerten Latino-Lieder, die von einer Liebe singen, von einer Leidenschaft, die es in Lateinamerika bestimmt nicht gibt. Und wenn, dann nicht in Ecuador. In den Anden. Ich liebte dieses Lied. Das war für mich der duende, der spanische Urgeist. Den schon Lorca versucht hatte, in Worte zu bannen. Und daran gescheitert war…

Was für ein arrogantes Arschloch ich doch war. Kaum hatte das Lied angefangen und sie wollte von der Tanzfläche runter wieder an ihren Platz, an unseren Platz – das konnte sie nämlich nicht tanzen, nicht einfach so wegtanzen – da hievte ich meinen schweren, vom Alkohol auch nicht wendiger werdenden Körper vom Sofa, auf dem wir saßen, runter und stolperte/torkelte Richtung Tanzfläche.

Das wollte ich jetzt tanzen! Der betrunkene Tanzbär persönlich.

Beziehungsweise singen. Ihr ins Ohr singen. Aber das kam später. Zuerst packte ich sie zur Begrüßung erst mal an den Hintern, richtig hart und gar nicht zart, so dass sie auch was davon hatte… Ich packte ihr voll an den Arsch und versuchte sie zu küssen. Sie wollte nicht. Das wollte sie nicht. Das war ihr peinlich, vor den Leuten. Die vorher bestaunt hatten, wie gut sie tanzen konnte. Immer die gleichen Bewegungen. Wie ein festes Ritual. Sie musste mir den Kuss dann am Ende doch geben – ob sie wollte oder nicht – drückte mich danach aber gleich wieder weg von sich. Ich versuchte sogar mich ein bisschen anzupassen, versuchte für ein paar Augenblicke sogar zu diesem Lied zu tanzen – was überhaupt nicht geht, selbst wenn man ein guter Tänzer ist. Und kein voller Tanzbär mit 90 Kilo Lebendgewicht. Aber sobald der Refrain kam, waren diese plumpen Versuche dazuzugehören eh vorbei und ich ging voll in den Kampf-Modus. Fing an wie bekloppt, den Refrain mitzusingen.

QUE YO NO TENGO LA CULPA…

SI YO NO TENGO LA CULPA:…

Wie in Bekloppter. Und selbst wenn ihr das Grapschen und küssen vorher nicht schon peinlich genug gewesen wäre…das Mitgesinge gefiel ihr definitiv nicht.

Wen wolltest du eigentlich damit beeindrucken?! Sie, die Leute, dich…oder gar niemanden? War das etwa ein authentischer Ausdruck deiner Seele, deiner Identität? Vielleicht

In England ist das auch beliebter als hier in Deutschland. Das gibt es ja auch noch Karaoke-Abende in den Pubs. Und die Fußballfans singen auch volle 90 Minuten lang mit, wenn ihr Team spielt (ob gut oder schlecht ist dabei oft sogar egal). Aber in Deutschland, da darf man nur geordnet gut tanzen (am besten noch in einem Tanzkurs gelernt). Selbst das Trinken verläuft, bis auf bei ein paar Jugendlichen, in geregelten Bahnen.

Aber was man nicht darf, was man auf keinem Fall darf, ist seiner Frau in volltrunkenem Zustand mitten auf der Tanzfläche den Refrain eines Liedes in die Ohren zu grölen

QUE YO NO TENGO LA CULPA…

SI YO NO TENGO LA CULPA…

Selbst wenn dieses Lied, wie bei „Entre dos tierras“ definitiv der Fall, durchaus eine persönliche Note für dich hatte. Denn – wie gesagt – heißt Yo no tengo la culpa auf Deutsch: Ich bin es nicht schuld. Ich hab keine Schuld. Und Si yo no tengo la culpa heißt soviel wie: Wenn ich dir doch sage, dass ich nicht daran schuld bin. Dass mich keine Schuld trifft.

Am Ende, selbst nachdem der Refrain schon lange vorbei war, schrie ich nur noch das:

SI YO NO TENGO LA CULPA

So als wollte ich ihr etwas sagen damit. So als hätte das eine tiefere Bedeutung. Hatte es ja auch. Denn ich fühlte mich zutiefst schuldig. An den Streiten, dem ganzen Ärger, den wir hatten. Das konnte Nadine schon immer gut: Mir Schuldgefühle einreden. Denn am Ende unserer Beziehung war ich quasi alleine an allem schuld. Daran, dass ihre Schwester sie nicht besuchte, dass keine ihrer Freunde bei uns vorbeikamen, dass ich immer das Falsche sagte, immer zu ehrlich war und natürlich, dass ich nicht tanzen und nur singen konnte (und selbst das nur im betrunkenen Zustand). Sie war komplett, saß – wie du damals immer sagtest auf ihrem hohen Ross – verteilte die Schuld, schleuderte die Schuld förmlich auf dich herab. So wie du ihr ins Ohr schriest, als gäbe es kein Morgen.

Immer wieder. Bis ihr das Grapschen und Geschreie schließlich zu viel wurde und sie sie die Tanzfläche verließ und wieder an unseren Platz auf dem Sofa zurückging. Aber was solltest du auch machen. Du hast es wenigstens versucht…

…du hast nicht die Schuld…

Zumindest nicht die alleinige Schuld. Das ist wie in diesem Buch, das du gerade liest. Toxic Parents von Susan Forward. Wo die schreibt, dass du nicht schuld bist, weil du noch ein Kind warst, dass du nichts für das Verhalten deiner Eltern kannst. Dass das ihre Schuld war…

…und nicht deine…

Ok, du bist jetzt selber erwachsen, du bist jetzt selber Vater. Du bist jetzt selber schuld. Aber trotzdem: Das, was Susan Forward schreibt, hat dir irgendwie die Augen geöffnet.

Du bist nicht an allem schuld.

Du bist auch nicht an allem schuld!

Du bist auch nicht alleine an allem schuld!

Die anderen haben auch eine Verantwortung!

¡Tú no tienes la culpa!

¡No tienes la culpa de todo!

¡YO NO TENGO LA CULPA!

No de todo

No del todo





Jetzt, wo du so drüber nachdenkst: Vielleicht wusste sie da sogar schon, dass es keine Zukunft gibt. Dass es aus ist.

Vielleicht ist es besser so…

…aber warum tut es dann so weh.