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Freitag, 14. März 2025

I just wanna feel ... real love ...


 


... so als ob sie sagen wollte: Dann hätte ich hier gar nicht hinkommen müssen ...

Und sie wollte es nicht nur sagen, sie sagte es auch, tatsächlich.

"Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich gar nicht gekommen ..."

Aber du sahst darüber hinweg, wie du über alles hinwegsiehst, zeigtest ihr stattdessen Videos von Liebesliedern auf deinem Computer. 

Sonntag, 9. März 2025

My playlist from hell - or heaven?! [Entwurf]

 23.02.25


Die Playlist aus dem Himmel, oder der Hölle? My playlist from hell - or heaven? 

Du drückst auf Zufallswiedergabe und als erstes kommt:

Carmen DeLeón - Mariposas


Es ist Wahltag


Die Vögel zwitschern


Die Sonne scheint


und du denkst an C.


Aber schwach, schwächer


ihr Signal wird schwächer


je älter du wirst, desto schneller geht das mit dem Liebeskummer


du hörst die Raben krächzen


Nachtigall, ick hör dir trapsen


Du musst dich beeilen, läufst schneller, um zum Doppelpass wieder da zu sein


aber warum eigentlich?


Um vermeintliche Fußball-Experten über Fußball reden zu hören


Bayern hat eh noch nicht gespielt, heute erst


Lauf Forrest, lauf!


Wie du damals immer gelaufen bist, und dabei permanent an sie gedacht hast    eure  Sternzeichen gecheckt hast  für ein Zeichen   und sag nur ein Wort


Der Frühling ist da      und du willst sie nicht vergessen


wolltest gestern dieses Lied Posten, in deinen Status stellen


von Carmen de León


hast es dann doch nicht gemacht



es ist kalt, aber nicht mehr ganz so kalt     deine Fenster zu Hause sind auf kipp


Du beginnst zu joggen. Ob dein Knie das mitmacht?


Mariposas


Schmetterlinge


Hattest du auch 


Diesen einen Tag warst du wie high


hattest, warst


Laut Tony Robbins kann man Trauer schon in einem Tag überwinden


wenn man will


que tu amor me confieses  dass du mir deine Liebe gestehst    heute weiß ich, das war ein Fehler, das macht man als Mann nicht. Man(n) lässt die Dinge fließen   oder machen das Frauen  wer weiß 


Deja que fluya


¡Deja que fluya!


¡Deja que fluyan las cosas!


Lass die Dinge fließen 


aber wohin?


wohin?!


Einen Tag. Und der Liebeskummer ist vorbei! Sagt Robbins. 


wenn der das sagt


du bist schon drüber   schon lange   schon lange überfallig


Der Mann mit dem Rollstuhl kommt dir entgegen. Jeden Tag dreht er hier einsam seine Runden in seinen fahrbaren Rollstuhl, mit seinem Hund immer an der Seite, sein treuer Begleiter


Hunde sind treu, Menschen nicht 


Por cobarde no te dije nada, singt Carmen - Aus Feigheit sagte ich nichts - ja,stimmt, und was lacht dann?! Die Friendzone!!! Zahnlos, feige, schüchtern, abwartend, nicht masculine enough


Die kommt ein Fahrrad entgegen, fährt ganz eng an dir vorbei. Die fahren auch immer bekloppter. Wie du letztens geblutet hast, als das Fahrrad dich angefahren hat. Geil!


Deine Lippe ist immer noch auf. Das Blut auf dem Asphalt, das Blut, das Leben


Llevo queriéndote en silencio siete vidas y no dije nada - Schweigend liebe ich dich schon sieben Leben lang und sagte nichts


Sagte nichts, als ich ihre Nacktbilder auf dem Handy sah. Wie geil ich war


über sieben Brücken musst du gehen


beide am 7. geboren. Da kann ja nichts schiefgehen. Oder? Oder? Doch, so einiges!


Ja, ich möchte dich schon am Anfang. Als Frau, als Mann, wie ein Mann eine Frau halt so mag.


über sieben Brücken musst du gegen


sieben Jahre lang lieben


Y aunque por fuera yo decía que era tu amiga por dentro me ahogaba - und obwohl ich draußen immer gesagt habe, dass ich deine Freundin bist, ging ich in meinem Inneren unter


wie sie immer hinter der Theke auftauchte, kaum sichtbar,so klein, wie sie war. Und schüchtern "amigo" sagte



Das Wichtigste ist auch, dass du die Liebe in dir hast, du hast sie noch in dir, die Liebe


Also kannst du sie ihr oder auch jemand anderes geben





Donnerstag, 18. Juli 2024

Lieder im Auto - irgendwann in den 90ern

 

Ich liebte die Musik im Auto meines Vaters. Ok, er hörte vielleicht nicht die neuesten Hits, aber ich liebte das trotzdem. All die Lieder, die damals liefen. Mein Freund der Baum. Take me home. Dieses Truckerlied, keine Ahnung, wie das hieß. Die Bee Gees im Ungarn-Urlaub. Summer of 69 – das lief damals sogar häufiger in der Disko. I can't dance – das läuft heute noch. In the Air tonight. 99 Düsenjäger. Another brick in the wall. Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt. Johnny Hill – Ruf Teddybär – mein Vater wollte immer Trucker werden. Oder das Tabaluga-Lied … Wahnsinn. Wie lang das her ist. Aber der absolute Klassiker war Mein Freund der Baum. Das war so melancholisch schön. Oh, Papa, wo bist du? Das lief damals imma wigga, mein Freund der Baum, imma wigga. Über den Wolken. Das lief auch dauernd. Wie alt war mein Vater damals? So um die vierzig? Älter? Nein, es muss so Mitte vierzig gewesen sein.

Donnerstag, 8. Februar 2018

Herzlichen Glückwunsch!













 
An meinem Geburtstag, einem kalten Tag im Februar, werde ich von meiner Tochter geweckt, die sich in der Küche Buttergemüse von Aldi für die Schule macht. Und einen Bagel, im Ofen. Meine Tochter, die irgendwas sagt, nuschelt, das ich nicht richtig verstehe.

Montag, 5. Februar 2018

Du Pilzkopf, du!














Ich stehe nach dem Duschen vor dem Spiegel und denke: Deine Haare sind auch wieder ziemlich lang. Ist das wirklich schon so lange her, dass ich das letzte Mal beim Friseur war?! Aber egal: Das ist noch okay, das ist noch nicht zu lang. Wenn es zu lang wird, gehe ich schon wieder zum Friseur, keine Angst. Außerdem sieht es so gar nicht mal so schlecht aus, mit den kleinen Wellungen hinterm Ohr, fast schon jugendlich. Was bei einem mittelaltrigen Mann eben so als jugendlich durchgeht (scheiße, ich bin nicht mehr jung, als jung kann ich mich nicht mehr wirklich bezeichnen!). Friseure sind sowieso so eine Art rotes Tuch für mich. Ich bin noch nie gerne zum Friseur gegangen. Für mich grenzte das immer an Körperverletzung. Das fing schon damals an, in Kessenich, als ich zu diesem Salon auf der Ecke gegangen bin und eine Vanilla-Ice-Frisur haben wollte (ja, ich weiß…aber ich war Rap-Fan), die mir aber einen Skinhead verpasst haben. Wo mich dann, am nächsten Tag in der Schule, mein Französisch-Lehrer (der den Krieg bestimmt noch miterlebt hatte) fragte, warum ich denn so eine kurze, radikale Frisur hätte. Radikal sagte er nicht, denn seinem Ausdruck entnahm ich, dass er das durchaus positiv sah, mit meiner Frisur. Obwohl es mir tierisch peinlich war. Und auch die Rap-Tante (die sitzengeblieben war und jetzt unsere Klasse terrorisierte und die beste Freundin meiner Angebeteten aus Peru war – nochmal ja ich weiß…) fand meine (fehlenden) Haare „geil“. Wenn ich so darüber nachdenke, war das das einzige Mal, wo ich Ana (so hieß die Peruanerin, die voll in mein Beuteschema passte) näher als in diesen endlosen Augenblicken, die ich mit ihr austauschte (ich weiß gar nicht mehr, wie ich in der Mittelstufe überhaupt was mitbekam, bei all den Blicken in ihre Richtung, in ihre Augen und vielleicht auch in ihr junges Herz). Aber wo waren wir…

Sonntag, 28. Januar 2018

Atomkrieg, Bob Dylan und Selbstmord














Nachts fährt mich mein Kollege Sascha zum Bahnhof. Ich mag Sascha und Sascha mich glaub ich auch. Wir unterhalten uns, wie immer:

„Hast du das von Hawaii gehört. Mit den falschen Alarmmeldungen… Wo die dachten, die werden mit Atomwaffen angegriffen…“

„Ja, krass, ne?!“

„Nur weil da einer aus Versehen auf den Knopf gekommen ist… Dass so was überhaupt möglich ist… Dass so was überhaupt von nur einer Person ausgelöst werden kann… Boah, ich wär so ausgetickt…“

Donnerstag, 18. Januar 2018

Duermen los pollitos...
















Nachts, allein im letzten Zug, in der letzten Voreifelbahn, die ihn jetzt nicht mehr nach Hause nach Bonn-Finkenhof bringt, sondern nach Meckenheim, denkt er an früher, wo er noch mit Nadine zusammen war. Damals würde er jetzt mit ihr im Zug sitzen, entweder neben ihr oder ihr gegenüber, aber immer ganz nah. Er würde müde sein, aber trotzdem lachen. Sie würden lachen, lachen und reden, er würde sie berühren, umarmen, küssen, vielleicht sogar sie ihn. 

Montag, 18. Dezember 2017

Weihnachtsscheiß












Kann diesen ganzen Weihnachtsscheiß einfach nicht mehr hören. Weihnachten hier, Weihnachten da. Aber wenn man seine Tochter nur den halben Tag lang sieht, dann ist der Rest des Heiligabends gelaufen. Am liebsten würde ich einfach abhauen. Nach Holland fahren und kiffen gehen, keine Ahnung. Irgendwas, nur nicht das! Habe ich zu Nadine auch schon gesagt: „An Heiligabend bin ich nicht da! Da fahre ich nach Holland kiffen! Da kannst du bei deiner Mutter bleiben.“ Du kannst ja dann nach Weihnachten kommen und dein Geschenk abholen. Ich weiß nicht mehr, was sie darauf gesagt hat. Wie dieser Typ, von dem du heute gelesen hast. 100 Länder, 100 Frauen. Das klingt geil. Aber das kriegst du mit deiner Bilanz von zwei Frauen in 40 Jahren eh nicht mehr hin. Aber versuchen kann ich es doch wenigstens…

Letztes Jahr war ich stattdessen im Wald. Nachdem sie weg war. Selbst Patchwork hätte ich bevorzugt, an Heiligabend. Ich und Rafael unter dem Baum. Auf der Toilette: Ich drücke seinen Kopf in der Toilette unter Wasser. Wie diese Frau in dem Viva-Suecia-Video. Mit Gewalt und zusammengebissenen Zähnen. Mein Ex-Schwager Rafael fällt die Treppe runter und seine Frau, meine Ex-Schwägerin gleich hinterher… Mari packt ihr Geschenk (wie immer Geld, alles Materialisten!) aus und ich packe ihre Mutter, mein Ex-Frau. Wir gehen ins Schlafzimmer, sie will nicht, aber was interessiert mich das. Heute ist Heiligabend. Ho, ho, ho, guck mal wie groß der Weihnachtsmann auf einmal ist! Auf einmal kommt ihre Schwester Slainté, meine Ex-Schwägerin rein und es kommt zum Showdown. Zum letzten Gefecht sozusagen, bei dem sie sich leider aus dem Fenster verabschiedet. Aber ist ja nur der dritte Stock! Die schafft das, denn wie wir ja alle wissen: Unkraut vergeht nicht! Und dann kann ich endlich, nach all den Jahren, etwas gegen mein schwarzes Weihnachtsloch tun. Nadine wehrt sich auch nicht mehr, hat eingesehen, dass diesmal der Weihnachtsmann stärker ist. Oder ihr doch ach so lang unterdrückter Wunsch, wieder mal mit mir Christkind zu spielen. Ich hole die Rute raus…

…und muss unfreiwillig an vor zwei Jahren denken: Wo Mari in der Kirche plötzlich umgekippt ist. Und danach trotzdem zu Mutter musste, wollte. Das ist so traurig. Oder letztes Jahr, wo du an Heiligabend auf dem Venusberg durch den Wald geirrt bist, um zu vergessen, dass sie weg ist, dass sie nicht mal mehr an Heiligabend da ist, dass alles verloren ist. Wenn dir da jemand begegnet wäre, dann hätte selbst die Gnade Gottes ihm oder ihr nicht geholfen. Warum tue ich mir das alles eigentlich noch an? Um Nadine zu ärgern, die María die Hälfte des Tages nicht sehen kann (was ihr nichts ausmacht, da sie eh mit ihrer Familie und ihrem Schwager und ihrem neuen Stecher beschäftigt ist. Um meine Tochter wenigstens einen halben Tag lang zu sehen (man gewöhnt sich wirklich an alles, aber an das…?), wenigstens einen Menschen an Heiligabend zu haben, der einen sehen will (viele Menschen in Deutschland haben noch nicht mal das, nachdem die 68er das Land mit ihrem unbarmherzigen, nicht, nie, niemals nie zurück blickenden Individualismus und all der Pseudo-Freiheit (die Roten oder die Blauen, mit oder ohne Kohlensäure?) verwüstet hat.

In Volle Kanne läuft das Spiel mit dem Weihnachtsmann. Wo Zuschauer anrufen müssen und sagen müssen, wie oft sie den Weihnachtsmann in der Sendung gesehen haben. „Wie oft war der Weihnachtsmann heute da?“, fragt der Moderator Ingo Nommsen. Einmal…und er hat es nicht überlebt, möchtest du ihm ins Gesicht schreien. Sein Kopf hat die Kloschüssel nicht überlebt. Aber das kannst du ja nicht. Denn an Heiligabend läuft volle Kanne nicht. Weil Nommsen mit seiner Familie feiern muss. Während du im Wald umherläufst und versuchst, ein Wildschwein mit bloßen Händen zu erlegen. Oder dich von einem Wildschwein erlegen zu lassen, was immer auch zuerst passiert. Du weißt noch, wie du die Dartscheibe im Keller gegen die Wand gehauen hast, immer und immer wieder, bis sie ganz verbogen war und du innerlich geweint hast. Du weißt noch, wie Mari letztes Jahr nicht wollte, dass du sie zum Bahnhof begleitest, an Heiligabend, nach der Kirche, keine Ahnung warum. Weil sie nicht wollte, dass du nachher noch mitkommst und es Ärger. Du weißt noch, wie der Pfarrer in der Kirche davor, von der Frau geredet hat, die von ihrem Mann verlassen wurde (was für ein Witz), die nicht mehr ein noch aus wusste, heulend vor ihm saß, während ihr Mann den Weihnachtsmann mordete, die Tanne in kleine Stückchen hackte und marodierend durch den Wald streifte, auf der Suche nach einem Licht, nach einem Stern in dieser dunklen, der ihm den Weg in sein altes Leben zurück wies. Aber da war nichts, nur Dunkelheit, keine Sterne… du weißt noch, wie du extra für María ein Steak gekauft hast, im Edeka, weil sie das wollte, wie du mit ihr gekocht hast, während im Hintergrund die Toten Hosen liefen, mit Weihnachtsmann vom Dach:

Hört mir irgendjemand zu?
Der Weihnachtsmann ist hier bei uns!
Er hängt auf dem Dachboden rum,
Ich glaube er braucht Hilfe und ist in Not

„Frohe Weihnacht, ich hoffe es geht euch gut,
Seid nicht böse über meine Flucht“

Langsam schwingt er hin und her
Als wehte ein leichter Wind,
Im Rhythmus mit dem Kerzenlicht,
Das in der Ecke brennt

Er hat sich direkt unterm Fenster
An einem Balken aufgehängt,
Man kann die Kirchenglocken von hier hören,
Wenn man ganz leise ist

Ein Tagebuch liegt auf dem Tisch,
Der letzte Eintrag ist noch frisch
Nur einen Satz schrieb er groß und breit
„Ich bin hier und Bethlehem ist weit

Frohe Weihnacht, ich hoffe es geht euch gut,
Seid nicht böse über meine Flucht
Ich schau' euch trotzdem von hier oben beim Feiern zu“


Du weißt noch…oder wie Johnny Cash so ominös sagt: „I remember everything…“

Ach, scheiß doch drauf, dieses Weihnachten fahre ich nach Holland und gehe kiffen…












Freitag, 15. Dezember 2017

Ihre kleine Seele



Hey, man
How come you treat your woman so bad?
That's not the way you do it
No, no, no, you shouldn't do it like that
I could show you how to do it right
I used to practice every night on my wife, now she's gone
Yeah, she's gone
You see, her mother and me
We never got along that well, you see

 (Pulp - "A little soul")
  








Ich habe ihre kleine Seele auch verletzt. Vielleicht habe ich das ja alles verdient, was mir passiert ist. Die Trennung, die Scheidung, die finanziellen Probleme…

…als ich damals ihre Freundin angemacht habe… Wie hieß die noch mal? Keine Ahnung. Lydia? Nein, das war die Schwarze, bei der wir unser erstes Mal hatten. Sylvia? Nein, das war die Sexbombe, die eigentlich Informatikerin war, aus dem Dschungel kam und aussah…wie eine Sexbombe halt so aussieht… Die mit dem alten Typen zusammen war, mit diesem Santa Ruseño. Der aus dem gleichen Dorf kam wie Nadine. Und mindestens zwanzig Jahre älter war als dieser kleine, perfekte Schoko-Sahne-Schnitte aus dem Dschungel, die dich fast zum Tiger hat werden lassen…wenn sie nicht mit diesem alten Gockel zusammen gewesen wäre…


Freitag, 17. November 2017

Döner zum Abendessen















Ich gucke Australia. Mit Nicole Kidman. Und denke daran, wie ich das früher mit ihr geguckt hätte. Wie sie immer eingeschlafen ist, neben mir, in meinen Armen. Wäre sie bei Australia auch eingeschlafen. Weil es so langweilig war neben mir. Oder weil sie einfach nur müde war. Den ganzen Tag putzen ist hart…
Du wirst es nie erfahren…

Sonntag, 29. Oktober 2017

Müllentsorgung nach der Scheidung












Heute muss ich echt mal wieder ein bisschen aufräumen. Zuerst bringe ich den Müll raus, dann gucke ich im Keller nach, wie die Wäscheleinensituation aussieht (das muss man in einem Mehrfamilienhaus, in dem nur sechs Leinen vorhanden sind, immer tun). Aber heute ist fast alles leer (oh, Wunder!). Also wird heute auch noch gewaschen. Keine Minute Pause. 

Montag, 6. März 2017

ORIGINAL Salsa Tanznacht














Es ist Samstagnacht. Er steht an der Bushaltestelle für den Nachtbus. Am Bonner Busbahnhof. Heute ist der erste Samstag im Monat. Das heißt, dass im Sofa, der kleinen Disko keine 20 Meter von wo er steht. So nah, dass er die Musik hören könnte. Wenn es nicht regnen würde. Nachts um halb zwei. Anders als sonst bleibt er ganz vorne an der Haltestelle stehen. Nur nicht zu nah an die Disko ran. Heute ist „Die ORIGINAL Salsa Tanznacht“. Bestimmt ist Nadine da. Hoffentlich steht sie nicht gerade draußen. Sonst könnte sie ihn nachher noch sehen. Und er weiß nicht, ob er das will. Ob er das wirklich will…

Aber vielleicht ist sie ja schon wieder draußen. Hat heute keinen Bock. Vielleicht steht sie ja hier irgendwo. Irgendwo in der dunklen, regnerischen Nacht. Er guckt sich um. Neben ihm steht ein Mädchen, eine Frau, keine Ahnung. Er sieht sie nur im Profil. Eine kleine Frau. Mit Kapuze. So einer Kapuze mit Fell, Haaren (?) an den Rändern. Eine Fellkapuze. Die ihr Gesicht fast vollständig bedeckt. Eine kleine Frau mit dünnen Beinchen. Wie Nadine. Auch von der Größe würde das hinkommen. Du guckst zu ihr rüber, aber diese große, deutsche, blonde Tante steht im Weg. In der Schusslinie. Scheiße! Nicht, dass die nachher noch denkt, dass du sie meinst. Was dich trotzdem nicht ganz davon abhält, immer wieder in ihre Richtung zu starren. Und immer wieder an der blonden Tante zu scheitern, die dich vage an eine deiner Schülerinnen erinnert. Jedes Mal. Jedes Mal bleibt dein Blick an der hängen. Das einzige, was du so von der kleinen Frau, dem kleinen Mädchen  sehen kannst, sind ihre Beine. Die sind ganz dünn, wie bei Nadine. Nadine hatte da am Schienbein so eine Narbe. Wo sie als Kind gefallen war und sich irgendwas in ihr Bein gebohrt hatte. Ein Stück Eisen, Holz? Du weißt es nicht. Sie hat es dir mal erzählt, aber du weißt es nicht mehr. Und fragen kannst du sie auch nicht mehr. Eine Narbe und kleine schwarze Härchen. Auch zwischen den Beinen…

Kleine schwarze Härchen.

Und wenn das jetzt Nadine ist. Die da hinter der Blonden steht und auf den Bus wartet?

Klar

Wenn sie gekommen ist, um dich zu überraschen. Weil sie dich immer noch liebt. Weil sie zu dir zurück will. Weil sie gemerkt hat, dass sie ohne dich nicht leben kann. Besser spät als nie! Und jetzt gekommen ist, um mit dir zu schlafen. Dich nachts in deinem Bett, in eurem alten Ehebett zu überraschen, zu überrumpeln und zu vergewaltigen. Von vorne und von hinten. Samstagabend. Weil sie weiß, dass du dann arbeitest. Dass du dann um 1:30 am Busbahnhof stehst und um 2 Uhr zu Hause bist. Wie früher immer


aber wie kannst du mit ihr schlafen, wenn du keine Kondome hast? Weil dein Liebesleben in letzter Zeit quasi, so gesehen, gewissermaßen nicht existent ist. Und ohne Kondom…keine Chance. Wer weiß, mit wem die alles geschlafen hat, in der Zwischenzeit. Du bist das Kind von Traurigkeit in eurer Beziehung…  Du würdest und könntest ihr nicht vertrauen. Nicht mehr. So einfach wär das nicht. Und dann müsstest du ihr erklären, warum du nicht mit ihr schlafen willst, schlafen kannst.

Und schon ist die Fantasie weg.

Aber die Frau, das Mädchen steht immer noch da. Mit dieser Kapuze mit Fellrand. Am Ende, als der Bus kommt siehst du sie sogar. Guckst ihr beim Einsteigen direkt ins Gesicht. Direkt in die Augen. In die Seele. Siehst, dass es nicht Nadine ist, sondern eine Asiatin. Eine Chinesin oder so. Da wohnen viele in Ippendorf. Du gehst in den Bus und setzt dich vorne auf einen Vierer. Lässt dich schwerfällig in den Sitz fallen und bekommst plötzlich dieses Gefühl. Und Gefühle, glauben Sie mir, sind nie gut. Dieses Gefühl, dass du sie immer noch, selbst heute noch vermisst. Dieses Gefühl, dass von deinem Bauch, deinem Solar Plexus direkt in deine Augen zu steigen scheint. Dieses Gefühl absoluter Verzweiflung, absoluter Resignation  Absoluter Traurigkeit. Bitter sweet. Dass du nie aufhören wirst, sie zu vermissen. Obwohl sie nie zu dir zurückkehren wird. Das du immer noch hast, selbst nach zwei Jahren noch.

Hey, heute ist der 4. März. Heute sind es fast auf den Tag zwei Jahre, dass du dich von ihr getrennt hast, dass sie sich von dir getrennt hat, dass sie gegangen ist. Das war an einem 28. Februar. Und am 1. März war sie weg. Das ist jetzt genau zwei Jahre und fünf Tage her. Aber egal: Das ist noch gar nichts. Wie war das noch mal bei Florentino Ariza aus Liebe in Zeiten der Cholera? Der musste 51 Jahre, 9 Monate und 4 Tage warten...










Freitag, 17. Februar 2017

Roma 2012 (Teil II)





Just a perfect day
Drink Sangria in the park
And then later
When it gets dark, we go home

Just a perfect day
Feed animals in the zoo
Then later
A movie, too, and then home

(Lou Reed - Perfect Day)






Aber obwohl ich mich daran erinnere, dass ich in diesem Jahr, und vielleicht sogar in diesem Urlaub, angefangen habe, ernsthaft Rammstein zu hören, so war doch das Lied dieses Sommers nicht etwa Mein Teil, Dalai Lama, Los oder Keine Lust – obwohl du diese Lieder und besonders Los oder Keine Lust auch richtig geil fandest, während María mehr auf Amerika stand (bis heute kann sie sogar Du hast mitsingen, keine Ahnung warum…).

Rammstein war zwar cool unter der Sonne Italiens und im Supermarkt beim Pizza-Kaufen, aber das Lied dieses Sommers war eindeutig Tranquilize von den Killers. Das heißt, nicht nur von den Killers, sondern von dem Killers im Duett mit Lou Reed, von dem ich ebenfalls sein komplettes Best-of-Album auf meinem Mp3-Player hatte. Ein paar Jahre beziehungsweise bestimmt schon mehr als ein Jahrzehnt nach Trainspotting wollte ich in diesem Jahr wissen, ob alle Lieder von Lou Reed so geil sind wie Perfect Day, was, wie ich Nadine immer wieder versicherte, eins der vier Lieder war, die ich auf meiner Beerdigung hören wollte. Ok, vielleicht nicht mehr selber hören, sondern gespielt haben wollte.

„Dafür bist du dann zuständig. Zuerst will ich Everybody hurts von R.E.M. hören, dann November Rain von Guns N‘ Roses, dann Nightswimming (ebenfalls R.E.M.) und am Ende Perfect Day. Von Lou Reed, hörst du...?“ Nicht, dass sie Lou Reed oder irgendeine der anderen Gruppen kannte oder meine Begeisterung für Perfect Day jemals teilte, das ich manchmal sogar laut sang.

Aber Tranquilize hörte ich überall. Morgens auf dem Weg zum Strand in der U-Bahn, nachmittags auf dem Rückweg und abends im Dunkeln die lauen Straßen Roms entlang schlendernd. Immer und immer wieder. Manchmal sogar zweimal hintereinander. Keine Ahnung warum. Irgendwas gab mir dieses Lied. Das hatte irgendwas mit meinem Leben zu dem Zeitpunkt zu tun. Mit meiner Rolle als Vater und Ehemann, nicht nur hier in Rom, sondern auch in Deutschland. Das hatte so etwas Abgeklärtes, wie Lou Reed (und das ist hundertprozentig Lou Reed) die letzten Zeilen des Liedes singt):

'Cause I don't care where you been
And I don't care what you seen
We're the ones who still believe
And we're looking for a page
In that lifeless book of hope
Where a dream might help you cope
Where the Bushes and the bombs
Uh huh, tranquilize

Ich hatte diesen Traum auch noch, den Lou Reed da besingt, trotz meiner Erfahrung hatte ich diesen Traum noch. Aber es war ein vager Traum, ein Traum, der mehr ein Gefühl war als ein Ziel. Und natürlich dachte ich immer noch vage an damals, an Aberdeen, an Concha, Conchita, wünschte mir…keine Ahnung was…

Diesen Traum von…

…mehr Leben, mehr Liebe, mehr Geld, Mehrwert…keine Ahnung…

…oder überhaupt von leben. Leben können. Sein können…

…und dieses Lied und besonders seine letzten Zeilen drückten sowohl meine Hoffnungslosigkeit aus, diese Dinge jemals erreichen zu können (in diesem Leben, auf dieser Welt), geschweige denn festhalten zu können. Gleichzeitig drückte das Lied aber auch meine Sehnsucht aus, dass irgendwo, irgendwie, irgendwann ein anderes, möglicherweise besseres Leben möglich wäre…
Das war wie bei Perfect Day. Diese eigentümliche Mischung aus Depression und Sehnsucht, Traum und Wirklichkeit, die Lou Reed, zumindest in diesen beiden Liedern perfekt zum Ausdruck brachte

…und von der ich heute weiß, dass es sie nicht gibt. Depressionen sind nicht sexy und Angst hilft uns nicht, unsere Träume zu verwirklichen

Aber damals hatte ich den Glauben noch nicht verloren

Weil mir Nadine noch Hoffnung gab? Und María?

Aber egal: Ich wollte mehr als ich mit ihr und María hatte. Mehr. Ich wollte mehr. Ich war mit dem bisschen Hoffnung, das sie mir gab, dass sie mir gaben, nicht zufrieden. (Ich weiß, das hört sich scheiße an und ist es vielleicht auch, aber die Wahrheit ist halt oftmals nichts anderes als das: nämlich Scheiße).

Wir sind nie zufrieden mit dem, was wir haben. Und zufrieden war ich in diesem Jahr ganz sicher nicht. Das heißt, zufrieden war ich vielleicht, aber eben nicht glücklich (aber was ist schon Glück?). Zufrieden war ich, doch: Denn ich war nicht in Deutschland, was mich noch unglücklicher machte als ein Urlaub mit Nadine, in dem ich nicht leben konnte, nicht leben durfte, nicht zu leben wusste? Stattdessen Lou Reed hörte. Diese alten Drogenlieder, keine Ahnung aus welchem Jahr, ich glaube sogar fast noch aus den 70ern. Vielleicht sogar noch aus dem Ende der 60er. Ich weiß es nicht. Was ich weiß, ist, dass ich sogar das ganze Album hörte. Ein paar Mal. Nicht oft, denn das war dann doch zu…düster…exotisch…anders…unmodern als ich es von dem Sänger von Perfect Day (dem Schlusslied meiner Beerdigung – wer das dann da auflegt, jetzt, wo Nadine weg ist, ist eine andere Frage) erwartet hatte. Keine Ahnung warum. Ich mochte Drogen-Lieder, ich mochte Trainspotting, aber Lou Reed war schon…anders. Eine andere Generation als Irvine Welsh. Oder Welsh war jung geblieben, keine Ahnung. Auf jeden Fall hörte ich das, wie wir im Zoo waren. Im Zoo von Rom. Im Zoo der ewigen Stadt. Weil wir irgendwie nicht mehr wussten, was wir sonst noch machen sollten (nach Neapel wollte ich nicht und sie wollte nicht mehr an den Strand). Zusammen. Und doch nicht zusammen. Und weil wir was für María machen wollten. Etwas, das auch ihr gefiel. Und Tiere sind immer süß, für Kinder. Obwohl mir Zootiere noch nie gefallen haben: Wie sie in ihren Käfigen dahinvegetieren. Niemals den Duft der Freiheit riechen werden. Der freien Wildnis. Der freien Wildbahn. Mir hatten die immer leidgetan, diese Tiere. Ich hatte mir immer leidgetan. So eingesperrt wie die waren. So eingesperrt wie ich war. Mein inneres Tier. Ohne eine Chance jemals auszubrechen.

Aber komischerweise war das eigentlich ganz schön, an diesem Tag. Nicht nur für María. Auch für mich. Für uns. Für uns? Wir sahen sogar zwei Fütterungen. Erst die der Eisbären. Oder Braunbären? Die waren hinter einer dicken Glasscheibe und wurden mit Fischen gefüttert. Das war geil. Und dann am Ende noch die Fütterung der Robben. Ich mochte die Italiener. Die waren cool. So locker. So relaxed. Wie die alle „ecco!“ zu ihren Kindern sagten, als die Seerobben gefüttert wurden. Das erinnerte mich irgendwie…

…an meinen Schwager aus Ecuador (ja, ihren heimlichen Liebhaber) und sein dauerndes ¡héle! Der hätte sich da bestimmt wohlgefühlt, an der Seite von Nadine.

¡Héle! Meiner ist sogar größer als der der Robbe. Ach, was sage ich, ¡héle!, der des Elefanten…der Giraffe. Ich habe einen längeren als das Giraffenmännchen. Der Giraffenbulle. 






Und Nadine wär bestimmt auch froh über ein bisschen familiäre Unterstützung gewesen…

…sie hatte ja nur mich und María.

Egal: Später – und da hörte ich schon Lou Reed, das Drogenalbum, dieses Lied, wo die Kinder schreien, weil sie von ihrer heroinsüchtigen Mutter vernachlässigt werden –, später gingen wir noch in den Streichelzoo. Wo die Schweine alle faul in der Sonne lagen, die Armen. Auch mit den armen Schweinen hatte ich Mitleid

(schließlich war ich ja auch eins von ihnen, auch ein armes Schwein…nur wusste ich das damals noch nicht so klar wie heute)

Aber María gefiel der Zoobesuch. Wir kauften ihr sogar noch ein Plastiktierchen in dem Zoo-Shop. (Keine Ahnung, wo das heute ist. Ob sie das noch hat?)

Und abends bekam sogar ich Auslauf. Verschaffte mir ein bisschen Auslauf. Ich glaube zumindest, das war schon in diesem Urlaub, wo ich begann sie nachts zu verlassen. Sie im Hotelzimmer im warmen Bett zurückzulassen (bei der Rumänin!). Mich aus dem Zimmer zu schleichen wie ein Dieb, wie ein umgekehrter Einbrecher, ein Ausbrecher, der aus dem Gefängnis seiner Ehe, seiner Vaterschaft ausbricht, um in den dunklen Straßen Roms das Abenteuer zu suchen. Ganz leise. So, dass sie bloß nicht aufwacht. Und fragt: Was machst du da?

Ich brauche nur ein bisschen Luft. Es ist so heiß hier. So stickig. So eng. Ich komme gleich wieder. Aber du musst nicht warten…

Weit kam ich eh nicht, soviel kann ich schon mal vorwegnehmen. Denn schon als ich dir Tür mit meinen zwei Frauen, meinen zwei chicas hinter mir verschlossen hatte, bekam ich einen Anfall schlechten Gewissens, das mich fast daran hinderte, die Treppe zur Straße hinunterzugehen. Aber am Ende war – keine Ahnung was das für Kräfte waren, die sich da in meinem Inneren entfalteten – stärker und ich trat aus der Tür des Hauses, in dem sich die Pension befand. Eigentlich war es ja egal, was ich machte, ich war ja eh gefangen. Das bin ich heute übrigens immer noch, trotz vermeintlicher Freiheit. Obwohl María dieses Woche gesagt hat: „Was macht das schon aus, ob sie einen anderen hat?!“ Und deine Welt noch ein bisschen näher an den Abgrund gebracht hat…

…in den wir eh irgendwann alle blicken müssen


 To be continued...when the time is right...