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Sonntag, 11. Februar 2018

Weiberfastnacht




An Weiberfastnacht muss ich an sie denken. Ich will nicht, aber ich muss. Bestimmt, weil heute Weiberfastnacht ist und ich noch immer, fast drei Jahre nach ihrem Weggang, Eifersuchtsanfälle kriege. Und ich dachte, ich hätte das überwunden. So kann man sich täuschen! Was sie jetzt wohl macht? Ob sie auch an mich denkt? Und ich deswegen gerade an sie denke? Bestimmt… Wahrscheinlich ist sie tanzen. Mit irgendwelchen Freundinnen. Oder ihrem Neuen. Ihrem Neuen und irgendwelchen Freundinnen. Bestimmt versteht der sich besser mit denen als ich damals. Bestimmt mögen den alle. Sogar ihre Familie. Ihre Schwestern. Ihr Schwager.

Donnerstag, 1. Februar 2018

In guten wie in schlechten Zeiten





"Den späten Zustand der Zivilisation charakterisiere:
  • das Greisenhafte statt des Jugendlichen, Geschichtslosigkeit,
  • Künstlichkeit und Erstarrung aller Lebensbereiche,
  • Herrschaft der anorganischen Weltstadt anstelle des lebensvollen bäuerlich geprägten Landes,
  • kühler Tatsachensinn anstelle der Ehrfurcht vor dem Überlieferten,
  • Materialismus und Irreligiosität,
  • anarchische Sinnlichkeit, panem et circenses, Unterhaltungsindustrien,
  • Zusammenbruch der Moral und Tod der Kunst,
  • Zivilisationskriege und Vernichtungskämpfe,
  • Imperialismus und die Heraufkunft formloser Gewalten."
(Quelle: Der Untergang des Abendlandes – Wikipedia-Eintrag)








Im Morgenmagazin läuft ein Bericht über Pflegekräfte in Deutschland.

Den Alltag bewältigt seine 75-jährige Frau alleinI

„Wir haben das gemacht, mit guten und schlechten Zeiten und es bleibt dabei. Wenn ich mal nicht gar nicht mehr kann, dann ist das was anderes, dann muss man das sehen, aber solange ich noch kann…“, sagt die selbst fast blinde alten Dame, die ihren lungenkrebskranken Mann pflegt, der beide Beine verloren hat…

Montag, 29. Januar 2018

Yin und Yang













Der Wunsch zu heulen, einfach loszuheulen ist so stark, so ausgeprägt, so drängend, dass du nicht weißt, ob du es schaffst, ihm zu widerstehen. Du willst einfach nur losheulen, aber du tust es nicht. Nicht hier, nicht jetzt, obwohl du so gerne würdest…

Sonntag, 31. Dezember 2017

...sagt meine Tochter... (Silvester 2017)















Eigentlich wäre ich ja morgen in Urlaub geflogen.“

„Wohin?“

„Weiß nicht. Irgendwo anders hin. Wo es warm ist. Was Billiges. Einfach nur weg.“

„In Spanien ist jetzt auch kalt.“

„Nein, Türkei oder so. Alleine …“, sagt, nein, nicht er, sondern sie. Seine Tochter! An Silvester!


Donnerstag, 21. Dezember 2017

Drei Tage vor Weihnachten


  
Er hat sich direkt unterm Fenster
An einem Balken aufgehängt,
Man kann die Kirchenglocken von hier hören,
Wenn man ganz leise ist 
Ein Tagebuch liegt auf dem Tisch,
Der letzte Eintrag ist noch frisch
Nur einen Satz schrieb er groß und breit
 
„Ich bin hier und Bethlehem ist weit
Frohe Weihnacht, ich hoffe es geht euch gut,
Seid nicht böse über meine Flucht
Ich schau' euch trotzdem von hier oben beim Feiern zu“
(Die Toten Hosen - "Weihnachstmann vom Dach")

  







Hast du Geld?“

Sie steht am Kühlschrank, holt die Knusper-Gockelchen raus, die du so liebst. Die von Aldi. Deine Knusper-Gockelchen. Um sie sich zu machen. Ok, sie hat gefragt, aber… Zwei Stück! Dann ist gleich keiner mehr übrig für dich. Oder nur einer. Da lohnt sich ja fast nicht, den überhaupt zu machen. Um eins, nachdem du die 16 Stunden Intervall-Fasten hinter dich gebracht hast, um die Kilos zu verlieren, die du dir in der letzten Zeit angefressen hast. Bestimmt bist du wieder über hundert Kilo. Hundertpro. Vielleicht sogar über 110.


Dienstag, 16. Mai 2017

Traumdeutung: Kreuzweg











In der ersten Szene des Traumes sind wir im Schlafzimmer. Ich weiß nicht, ob es unser Schlafzimmer ist, aber wir sind da. Auf jeden Fall. Im Schlafzimmer, mit María, die kleiner ist als jetzt (okay, das ist ja kein Wunder, jetzt ist sie ja schließlich schon erwachsen, wie sollte sie denn da nicht kleiner sein). Ich schreie Nadine an, María sagt nichts, wie immer. Ich schreie

Mittwoch, 29. März 2017

Begegnung der dritten Art











Er steigt in den Bus ein, setzt sich, weil alle anderen Sitze besetzt sind, auf einen dieser drei seitlich angebrachten Sitze ganz hinten im Bus, vor der Rückbank. Im 90-Grad-Winkel beziehungsweise quer zur Fahrtrichtung. Will gerade sein Buch rausholen oder sein Hörbuch anmachen, als er von der Seite angequatscht wird.

Hola.

Freitag, 10. März 2017

Traumdeutung: Du Hurensohn!
















Nachts träume ich davon, wie ich Nadine zur Rede stelle. Wir sind in einem Raum, der aussieht als befände er sich in der Bonner Südstadt, denn er hat diese Stuckornamente und diese hohen Decken, die so scheiße zu beheizen sind. Nadine sitzt auf dem Sofa, er steht. Steht vor ihr und sagt immer wieder, wie von Sinnen: „Der Stefan?! Dieser Hurensohn!

Dieser Hurensohn

Dieser Hurensohn

Schreit es raus, all seine Wut

seine unbändige Wut

denn sie hat ihm gerade gestanden, mit wem sie zusammen ist. Für wen sie ihn verlassen hat

für immer

es ist der Typ von der Arbeit, wie er vermutet hat, der Ingenieur aus der Südstadt

sein Bauchgefühl war also all die Monate, all die Jahre richtig

Der Hurensohn!

Er kann es nicht fassen, kriegt sich gar nicht mehr ein. Für diesen Wichser hast du deine Familie verraten, verkauft. Denn er ist natürlich reicher, hat natürlich einen besseren Job als er

Natürlich!

Dieser Hurensohn!

Dieser Hurensohn

 Als ich aufwache, denke ich an den Roman, den ich zurzeit höre. Two by Two von Nicholas Sparks. Da passt das alles so wunderbar zusammen. So wunderbar ineinander. Kaum trennt sich Vivian von Russ, hat er auch schon eine andere gefunden. Das heißt, er hat sie eigentlich schon vorher wiedergefunden. Denn sie ist eine alte Flamme, die er nie vergessen hat. Emily. Seine Ex, mit der er vor Vivian zusammen war. Bei der er es immer bereut hat, sie mit einer anderen (nicht Vivian) betrogen zu haben, als er noch jung war. Und so leidet niemand über Gebühr: Weder seine Frau, die mit ihrem Chef, einem Milliardär aus der Immobilienbranche zusammen ist noch er, der er seine alte Liebe (die auch noch viel besser für ihn ist als Vivian) wieder gefunden hat.

Nur ich. Nur ich leide


Ich glaube, es ist Zeit, statt Nicholas Sparks mal wieder Bret Easton Ellis zu lesen. Das hast du seit Jahren nicht mehr getan. Aber ich glaube, der passt jetzt. Wie die Faust aufs Auge. Gute Romane liest man immer mehrmals, schlechte nie

Und Bret Easton Ellis ist ein guter Autor



Vorheriger Traum: Zwischen Traum und Realität


 







Dienstag, 3. Januar 2017

Carjacked - Jeder hat seine Grenzen












Mehr als ein Film-Review


Nachts kannst du nicht schlafen. Hast zu viel Kaffee und Cola getrunken. Viel zu viel Kaffee und Cola. Bist irgendwie dumpf wütend, dumpf depressiv. Und guckst Fernsehen. Bis tief in die Nacht…

Und dann läuft da dieser Film. Mit dieser Frau. Die für ihren Sohn nur schnell mal Mini-Pizzen kaufen will. Und dabei von einem flüchtigen Bankräuber entführt wird. Ihn zu seinem Komplizen fahren soll. Stundenlang. Mehrere Hundert Meilen weit.

Dienstag, 1. November 2016

Halloween, Horror-Clowns und Zombies









Und, hast du einen Horror-Clown gesehen?

Nein. Der hätte mir gestern Abend mal begegnen sollen…


…den hätte ich gefressen. Mit Haut und Haaren. Und Maske. Gestern Abend hätte mich mal jemand erschrecken sollen…



...ich hätte den wahrscheinlich bewegungsunfähig gemacht, in die Büsche geschleift und...

...ihm das Herz bei lebendigem Leib rausgerissen...

...ihn...

...und ihn dann in Stücke geschnitten und in den Kühlschrank gepackt...

...ins Gefrierfach...

...und dann gegessen...

...statt dem Aldi-Hack und Aldi-Putengeschnetzeltem dir ins Essen getan...


Aber Zombies habe ich gesehen. Jede Menge. In Deutschland gibt es jede Menge Zombies. Viel mehr als Horror-Clowns…

Sie steht vor dem Spiegel und schminkt sich. Sagt nichts.

Nämlich genau…lassen Sie mich nicht lügen… 82.175.683 (Stand: 01.11.16, 20:10, wir wollen ja „korrekt“ sein).


Und Aliens auch. Jede Menge.

Sie steht weiter vor dem Spiegel und schminkt sich. Lässt sich nichts anmerken. Keine Reaktion. Was soll sie auch darauf sagen, jetzt mal ehrlich?!











Sonntag, 30. Oktober 2016

Wut und Respekt










Er redet mit seiner Kollegin in der Halle. Sie ist ein bisschen krank, hat eine Erkältung. Oder gar eine Grippe?

Sagt: „Am Freitag war das ja ganz schlimm. Da dachte ich, ich steh nicht mehr auf…“

„Schon dich“, sagt er, als sie geht.

„Du auch. Sonst merkst du das auch irgendwann. Wenn der Körper nicht mehr will, dann kippt man irgendwann um.“

Dann will er eben nicht mehr. Der ist eh schon kaputt. Jahrelanges fettiges Essen, Depressionen, Ängste, Süßes, Alkohol (nicht so viel, aber wenn, dann richtig…) und noch einmal fettiges Essen.

„Dann kipp ich eben um…wir müssen alle sterben.“ Er guckt sie an, guckt ihr direkt in die Augen… „Irgendwann ist für jeden Schluss…“, fügt er hinzu. „Irgendwann müssen wir alle sterben. Wir können alle nicht ewig leben…“ Ob ich jetzt sterbe oder in 10, 20 oder gar 30 Jahren…

„Ist aber noch zu früh!“ sagt sie.

Echt, denkt er. Ich dachte, das wär genau der richtige Zeitpunkt. Ein guter Tag zum Sterben. Zwar nicht unbedingt heute, aber… Siehst du, du willst es ja doch nicht.

„So weit war ich auch schon. Ich war auch schon so weit, mich vor den Zug zu schmeißen…

Er registriert das nur, fragt nicht nach, wann oder wie. Will gar keine Details wissen, sagt nur kurz: „Echt?“ Und sagt dann: „Im Moment würde ich eher andere gerne vor den Zug schmeißen, wenn ich könnte. Es gäbe da so ein paar Leute…“

Sie sagt nichts, also redet er weiter: "Eigentlich gehe ich im Moment in die Phase der Wut über. Davor war die Trauer…und jetzt kommt so langsam die Wut.“ Er macht eine Fratze, um ihr seine Wut zu verdeutlichen. Schiebt den Unterkiefer nach vorne und fletscht die Zähne fletscht. Was ihm natürlich nicht ganz gelingt.

„Das ist ja beim Tod genauso….“ Oder hat sie „vor dem Tod“ gesagt?? Echt? Jetzt hat sie ihn geschockt, kalt erwischt.

„Echt?“

„Ja.“

Woher weiß sie das denn jetzt? Von ihrem Vater? Man sollte die Leute nicht unterschätzen. Man weiß nie, was die durchgemacht haben. Wo die „herkommen“, wie Brad Pitt alias Tyler Durden das zu diesem Typen sagt, der dem Fight Club den Keller wegnehmen will. Kurz bevor er ihm das Blut ins Gesicht spritzt, für das der Typ selbst verantwortlich ist. Denn er hat ihn ja vorher mehrmals ins Gesicht geschlagen. Was Tyler alias Brad einfach so über sich hat ergehen lassen. Bis er den Spieß umgedreht hat. Und dann schreit, während er ihm sein Blut ins Gesicht spritzt:

„IHR WISST NICHT, WO ICH HERKOMME.“

Womit er am Ende gewinnt und der Besitzer der Bar ihn in Ruhe lässt. Die Kämpfenden. Die gegen das Leben und später gegen die Gesellschaft kämpfen. Die fast komplett sinnentleerte Konsumgesellschaft.

Krass, denkt er immer noch. Echt? Ist das wirklich vor dem Tod genauso?

Und sagt dann: „Ja, das sind ja die typischen Phasen. Und da komme ich jetzt in die Wutphase. Du müsstest mich manchmal sehen, im Bus…

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„Das kann die doch nicht machen… Ich weiß gar nicht, was die sich denkt. Will die, dass ich die auf den Mond schieße…?“

„Hat sie denn noch mal mit dir geredet?“

„Nein, nur über den Anwalt.“ Das ist ihre Devise…


„Und irgendwann hört man auf, SMS zu schicken. Irgendwann begreife sogar ich es. Nach ein paar Monaten… Wenn man sowieso keine Antwort bekommt… Immer weiter SMS ins Nichts schicken…“

„Ne, das stimmt. Das würd ich dann auch nicht mehr machen.“

„Ich versteh es nicht…“

„Ich auch nicht.“




Ein paar Minuten nachdem sie gegangen ist, kommen die alten Leutchen rein. Das alte Ehepaar. Obwohl: Bei genauerem Hinsehen sind die noch gar nicht so alt. Aber verbraucht.

Die sind nicht so beliebt. Letztens hat ihm der Kurde gefragt, warum er Rassisten rein ließe, als die unten spielte, die Frau. Er wusste nicht, was er antworten sollte.

Ich lass dich ja auch rein, wäre gut gewesen…

Und außerdem gibt es nur eine Kategorie für einen „guten“, „netten“ Kunden. Nämlich wie viel Trinkgeld der gibt (ich weiß, aber das Leben ist hart…).

Obwohl er ein bisschen Respekt, wenn nicht sogar Angst vor der hat. Weil die manchmal nach Alkohol riecht. Und Frauen, die trinken, davon hat er bei seiner Mutter schon genug von mitbekommen. Um bedient zu sein. Für den Rest seines Lebens. –bis in alle –Ewigkeit. Until the cows come home…

Aber so schlimm, wie der Kurde sagt, ist die auch nicht. Also… Zwar ein bisschen pingelig, aber du wirst die nicht mehr ändern. Nicht in diesem Leben. Und auch der Kurde nicht. Vielleicht wird den ja auch niemand mehr ändern. Außer vielleicht das Leben selbst…das verändert uns alle… Er glaubt ja, die will nur ein bisschen mehr Respekt von den Leuten. Jetzt ist sie schon so alt geworden und keiner hat mehr Respekt…

Letztens hat er die nicht gegrüßt, als die da waren. Weil die ihn einen Tag davor nicht gegrüßt haben. Weil er keinen Bock hatte, die immer nur zu grüßen, ohne dass die zurückgrüßen. Bei manchen Leuten ist das so. Bei ihm noch mehr.

Und so nimmt das Leben seinen Lauf. Die grüßen nicht und er grüßt nicht…und nur, weil beide eigentlich nur mit ein bisschen mehr Respekt behandelt werden wollen…

Die Alte kommt um die Ecke.

Er sagt: „Hallo.“

Sie antwortet: „Hallo.“

Geht doch. Wenn sie mich beim nächsten Mal wieder nicht grüßt, grüße uch eben auch nicht mehr zurück…

Geht doch. Wenn der mich beim nächsten Mal wieder nicht grüßt, dann grüße ich eben auch nicht mehr…

Und so nimmt das Leben seinen Lauf.


Im Radio singt ein Mann, einer dieser jungen deutschen Sänger, die zwar gut sind, aber sich auch irgendwie alle gleich anhören, über Liebe. Von allen Themen. Die Männer singen über die Liebe und die Frauen schaffen Tatsachen.

Und ich schreib eine SMS
und ich schick sie nicht weg…