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Mittwoch, 31. Januar 2018

Paranoia

(Bild: KI-generiert)
Er wusste nicht, wer oder was es war, aber es war komisch. Das wusste er. Kaum war er in die Hauptstraße eingebogen, da sah er es. Die Scheinwerfer, die ihn anzustarren schienen, die direkt auf ihn gerichtet zu sein schienen, obwohl das Auto auf der anderen Straßenseite stand und nicht auf seiner. Was hätte er gemacht, wenn es auf seiner Seite gestanden hätte? Er wusste es nicht, aber dass es komisch war, das wusste er. Und kaum war er näher gekommen, da fuhr das Auto auch schon los. Setzte sich in Bewegung, in seine Richtung. Trotzdem sah er keinen Fahrer. Oder eine Fahrerin? Warum habe ich nicht darauf geachtet, sagte er sich hinterher. Aber in dem Moment…da achtete er nur auf die Farbe und Marke des Autos. Ein silberfarbener VW Golf. So ein alter. Wie ihn seine Frau, äh, seine Ex-Frau gehabt hatte. Aber in rot. Nicht silbern. Kein gutes Auto.

Samstag, 17. Juni 2017

Grüne Lämpchen am Ende des Tunnels













In M. steigt er extra ganz hinten aus der Bahn aus. Dann brauch er nicht so weit zu laufen. Nur diesen langen Weg an den Gleisen entlang und dann über die Schranke. Die um diese Zeit sowieso nicht mehr zu geht. Neben ihm, hinter ihm steigen auch diese zwei Typen aus der Bahn. Ausländer, Araber glaub ich, keine Ahnung, ob das Flüchtlinge sind. So zwei junge Typen Anfang zwanzig, wenn überhaupt, mit Muskelshirts, aber ohne die dazugehörigen Muskeln. Aber das ist ja egal, in diesem Alter. Am Anfang will er sogar extra hinten rum gehen, durch die Unterführung, nur um denen aus dem Weg zu gehen, weil die ihm komisch vorkommen. Aber dann entscheidet er sich doch dafür, an ihnen vorbeizugehen. Die Faulheit siegt also am Ende. Oder die Dummheit?

Die beiden bleiben an den Gleisen, unter dem Pfeiler der geschlossenen Fußgängerbrücke stehen. Als er an ihnen vorbeigeht, macht der eine so Affengeräusche. Wie ein Tier. Scheiße. Wenn die ihm jetzt nachgehen…

Bis zum Bahnübergang sind es ungefähr 200 Meter. Kein anderer nimmt diesen Weg. Nur er. Scheiße. Wenn die mir jetzt hinterherkommen. Hier hört dich keiner schreien. Wenn du überhaupt dazu kommst zu schreien. Mit deinem Laptop und deinem dicken Portemonnaie, dass du auch noch dummerweise in der Gesäßtasche deiner Hose hast. Dafür sterbe ich, für den Laptop… Hast du letztens auf der Arbeit gesagt. Zu Yasir. Ganz großspurig. Aber auf der Arbeit hast du auch einen Alarmknopf. Und ein funktionierendes Telefon. Bist du auf dem alten Telefon deiner Tochter (das du bis auf weiteres mit dir führen musst, weil du blank wie der Arsch von Kim Kardashian bist) die Nummer der Polizei gewählt hast, bist du schon lange tot – es sei denn, du kannst sie zum Warten überreden. Hold on a sec, mate… Hier nicht, hier in freier Wildbahn, wo diese beiden menschlichen Tiere deine Angst förmlich riechen können. Dann musst du eben kämpfen, dich verteidigen. Du guckst du der leeren Bierflasche in der Seitentasche deines Rucksacks. 8 Cent sind 8 Cent. Vielleicht könntest du dich ja damit verteidigen. Vielleicht hat Gott dich die ja extra mitnehmen lassen. Vielleicht hat Gott ja einen Plan mit dir. Oder ist alles nur Zufall, nur ein einziger, brutaler Zufall? Du gehst schnell, extra schneller, damit du einen Vorsprung hast, sollten sie doch noch hinter dir herkommen. Im Moment tut sich zwar nichts, aber du weißt, dass sie dich im Ernstfall einholen würden. Du bist nicht dünn und wendig wie sie, du bist ein Brecher; der am Ende seinen Mann stehen und sich verteidigen muss. Du bist jetzt fast an der Schranke, fast am Bahnübergang und traust dich gar nicht, dich umzudrehen, um nachzugucken, ob die noch immer da stehen, unter den Stahlpfeilern, in sicherer Distanz? Das Einzige, was du machen kannst, ist, in die Nacht hineinzuhorchen. Wie ein Hase, mit seinen langen Ohren. Du gehst über die Schranke, über die breite Landstraße und, auf der anderen Seite angekommen, denkst du: Wenn die jetzt kommen und Ärger wollen, dann kriegen sie den ganzen Frust der letzten zwei Jahre, was sag ich, der letzten zehn Jahre, ab. Aber es ist leichter, das auf der Arbeit zu sagen, wo du gut behütet bist, da ist es leichter zu sagen: „Der soll ruhig kommen. Dann kriegt er die ganze Wut, die ganze Frustration ab, die sich in mir aufgestaut hat. Soll er ruhig kommen!“ Wahrscheinlich denkst du das eh nur, weil du jetzt ziemlich sicher sein kannst, dass sie dir nicht gefolgt sind. Kannst du das? Du bist mittlerweile beim Penny-Markt angekommen, gehst an dem Parkplatz entlang, denkst: Hier sind überall Häuser. Wenn die dir jetzt doch noch hinterherkommen, dann schreist du einfach wie bekloppt. Darin hast du ja Übung: Das hast du schließlich deine gesamte Jugend Zuhause gemacht. (Was sollen denn die Nachbarn denken – mir doch scheißegal! Ahhhhhhhh…) Dann gehst du irgendwo rein, in einen dieser Hauseingänge und klingelst an allen Klingen Sturm – solange, bis dir jemand aufmacht. Oder schreist mitten auf der Straße wie am Spieß. Aber meinst du, dass dir wirklich jemand aufmachen würde, hier, in dieser Seitenstraße, mitten in der Nacht in M.? Vielleicht würdest du gar nicht dazu kommen, hier Sturm zu klingeln… Du gehst an einer Toreinfahrt vorbei und denkst: Scheiße, hier könnte ich gar nicht klingeln. Wenn die jetzt kommen würden müsste ich erst mal zum nächsten Haus laufen. Mitsamt Laptop und Rucksack. Oder eben…kämpfen… Komm schon, du könntest das, nachdem du eben diesen feurigen Hähnchen-Döner vom Türken. Den Griechen gibt es ja nicht mehr. Der hatte richtig Feuer dahinter. Da fingst du an zu schwitzen wie ein Tier, in der Bahn. Das war dir schon peinlich, obwohl keiner bei dir auf/im Sechser saß. Wie ein Tier! Sollen sie doch kommen! Trotzdem gehst du zügig über die Hauptstraße unterhalb des Kreisels. Guckst dich noch ein letztes Mal um, siehst aber niemanden. Selbst im Schein der Straßenlaterne auf der Ecke nicht. Puh, das wäre geschafft!, denkst du, als du am Netto vorbeikommst. Die Jugendlichen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Hier in M. Keine KKM! KK-Mafia, mein fetter Arsch!

Fast bist du sogar ein bisschen enttäuscht, haha. Dass du keine Chance hattest, deine angeschlagene Männlichkeit in dieser lauen Sommernacht endlich mal unter Beweis zu stellen. Ihnen den Kopf abzureißen und in ihren Hals zu pissen, diesen…

Um etwa zehn nach zwei schließt er endlich die Wohnungstüre auf und ist Zuhause. Endlich! Doch kaum ist er zur Tür rein, da fängt es in seinem Körper auch schon heftig an zu drücken. Das hat er öfters. Kaum ist er da, muss er auch schon auf Klo. Aber vorher noch schnell die Computertasche in Reichweite bringen, den Stuhl vor der Kloschüssel in Stellung bringen und…das Internet einstöpseln – und das alles mit zusammengekniffenen Arschbacken. Schließlich muss er ja noch nach seinem Blog gucken. Doch dann sieht er plötzlich, dass das mit dem Internet gar nicht mehr nötig ist. Denn alle grünen Lämpchen am Router leuchten bereits. Komisch…ich könnte schwören…

…dass ich das heute Nachmittag, als ich gegangen bin, ausgemacht hab. Um Strom zu sparen. Definitiv. Da hab ich sogar noch daran gedacht, dass sich die Uhr am Herd nicht ausstellen lässt und dadurch Tag und Nacht Strom frisst. Zwar nur kleine Mengen, aber das läppert sich. Er ist sich fast 100%ig sicher, dass er den Internet-Stecker rausgezogen hat. Oder war jemand hier? In seiner Abwesenheit? Werde ich langsam etwa bekloppt? Er guckt sich um, bemerkt aber nichts Auffälliges. Außer das Internet. Das hat er doch ausgemacht. Aber María hat doch gar keinen Schlüssel – zumindest nicht für die Wohnungstür. Oder? Und wenn sie ihn nachgemacht hat? Nein, das ist doch ein Sicherheitsschlüssel, den kann man doch gar nicht so einfach, gar nicht so ohne Weiteres nachmachen lassen. Dazu brauch man doch die Erlaubnis des Eigentümers. Oder nicht? Keine Ahnung.

…und wenn ihre Mutter den nachgemacht hat. Und hier extra das Internet angelassen hat, um ihn in den Wahnsinn zu treiben… Wie nennt man das noch mal in der Psychologie…? Gaslighting. Ja, Gaslighting, das ist es! Das kommt von irgendeinem Film, in dem ein Verbrecher tatsächlich seine Ehefrau in den Wahnsinn treiben will oder treibt, indem er permanent an ihrer Wahrnehmung zweifelt, Dinge verstellt beziehungsweise absichtlich verlegt, ein ausgeschaltetes Router in der Abwesenheit des Ex-Mannes wieder einschaltet etc… Oder eben die Existenz des Gaslichtes, das Bella (was für ein schöner Name!) in dem Theaterstück sieht, bezweifelt. Gaslighting eben. So nennt man das in der Psychologie. Indem man dem Opfer, das wie er eh schon ein bisschen labil ist, langsam den Glauben an die Dinge, so wie sie sind, an die Realität selbst, nimmt.

Oder ist das doch nur ParanoiaParanoia hervorgerufen durch die Realität seiner Trennung, die sich nicht mit seinem Wunschdenken, seinen Sehnsüchten in Einklang bringen lässt Es kann ja auch sein, dass er tatsächlich vergessen hat, das Router auszuschalten, obwohl er sich felsenfest sicher war, es ausgeschaltet zu haben. Um Strom zu sparen. Weil er Strom sparen will. Weil er Strom sparen muss. Vergisst man dann so etwas? So etwas Wichtiges? Wenn man die ganze Zeit daran denkt? Wenn man sogar noch an die ständig tickende Uhr im Herd denkt?

Ich werd bekloppt, ich werd langsam echt bekloppt, denkt er als er die grünen Lämpchen des Routers im Dunkeln leuchten sieht.

Das ist ja hier fast schon wie im großen Gatsby, wie das grüne Licht, das Gatsby meint auf der anderen Seite des Sundes wahrzunehmen und das er mit seiner Geliebten, aber für immer verlorenen Daisy assoziiert. Genau wie mit den beiden Typen eben. War das etwa auch nur die Sehnsucht nach Gewalt, nach einem Befreiungsschlag – im wahrsten Sinne des Wortes –, der Licht in das Dunkel seines Leben bringt…


…Morgen laufen wir schneller, strecken die Arme weiter aus und einen schönen Tages, so kämpfen wir weiter, wie Boote gegen den Strom. Und unablässig treibt es uns zurück in die Vergangenheit…






Sie ist noch geblieben, während ‒‒‒‒‒‒‒ schon weg ist.












Freitag, 30. Dezember 2016

Der dunkle Wald deiner Seele



KI-generiertes Bild – erstellt mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz



Abends komme ich um ungefähr Viertel vor zehn nach Hause. Ich komme aus dem Wald, wo ich Laufen war. In Dunkeln. „Im Dunkeln“ ist eigentlich noch untertrieben. In kompletter Dunkelheit wäre wohl passender. Der kompletten Dunkelheit meiner Seele, haha. Voller Angst, aber immer weitergehend. Immer tiefer hinein in den stockdunklen Wald. Was für ein Hobby. Letztes Jahr hat mich eine Frau gesehen, wie ich gerade dabei war in diese dunkle Röhre, die in den Wald hineinführt, einzutauchen  und hat zu ihrer Kollegin gesagt: "Also, ich würd da nicht reingehen. Freiwillig." Würdest du schon, habe ich nur gedacht: Wenn du keine Hobbys, keine Freunde und heute 2 Eier, 2 Hähnchenschnitzel, 2 Hühnergockelchen von Aldi, jede Menge Salat und 1 Tüte Frit-Sticks gegessen hättest. Dann würdest du da reingehen. Um den Kopf und den Bauch freizukriegen. Obwohl das am Ende, hinter dem Tannenwald, in den ich mich heute Abend nicht begeben habe (weil man da am Tag schon wenig seht und ich Angst hatte, Angst habe vor den dichten Tannen), obwohl das am Ende schon irgendwie komisch war. Denn da waren irgendwelche Tiere oder irgendwas in den Büschen neben dem Weg, das sich bewegt hat und das mich dann doch zum Zurückgehen bewegt hat. Einem Wolf oder Fuchs oder Wildschwein wollt ich dann doch nicht begegnen. Das ist dann doch zu viel des Abenteuers. Also machte ich kehrt und watschelte langsam in Richtung Zuhause, in Richtung I. zurück.

Dienstag, 25. Oktober 2016

Tatort


KI-generiertes Bild – erstellt mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz



Montag. Deine Tochter ist wieder da.

Lange nicht gesehen, sagst du. Direkt nachdem du „Und, alles klar?!“ gesagt hast. Eine Frage, auf die es natürlich keine ehrliche Antwort gibt.

Sonntag, 23. Oktober 2016

Samstag, 22. Oktober 2016

Spielsucht und Ersatzbefriedigungen

KI-generiertes Bild – erstellt mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz









Spieler sind nicht einfach nur doof, sagt der alte Mann. Die sind hellwach, wenn die sich davorsetzen…

Die wollen nicht Millionäre werden…

Ok, die gibt es auch, aber das sind die wenigsten…

Das ist auch eine Art Kompensation. Für was, was die Zuhause, bei ihrer Familie nicht kriegen. Bei ihren Frauen…

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Paranoia










Der Reis schmeckt so verdammt nach dem, was Nadine früher immer gekocht hat, dass er einen Moment lang denkt, sie könnte vielleicht sogar hier gewesen sein und gekocht haben. Für seine Tochter, ihre  gemeinsame Tochter. Aber vielleicht auch für ihn – obwohl das nicht so wahrscheinlich ist. Vielleicht ist sie ja hier, wenn er nicht da ist, wenn er abends arbeiten muss. Und deswegen ist María immer so gut gelaunt, wenn er sie schuldbewusst von der Arbeit aus anruft. So fröhlich. Was er gar nicht erwartet. Vielleicht macht es ihm ja deswegen nichts aus, dass er so oft nicht da ist. Das Gefühl hatte er, ehrlich gesagt, schon öfters; aber kann er wirklich seinem Gefühl vertrauen? Seinem Bauchgefühl? Er weiß es nicht, eigentlich weiß er gar nichts mehr, seit der Trennung. Titscht nur noch irgendwie so halb betäubt durch das Leben. Aber wenn er auf seinen Bauch hören würde, wenn er seinem Bauchgefühl vertrauen würde, dann ist sie nicht ganz so allein wie er sich das mit seinem schlechten Gewissen vorstellt. Vielleicht hat sie ja auch einen Freund? Wär ihm egal. Aber ehrlich gesagt wäre ihm ihre Mutter lieber, auch wenn er weiß, dass er sich das wahrscheinlich nur wieder einbildet. So wie der verrückte Herd, den sie versucht hat, aus der gemeinsamen Wohnung zu klauen, als er auf der Arbeit war. Oder der Fernseher, bei dem sie erfolgreicher war. Wieder als er Samstagabend arbeiten war. Also warum sollte sie nicht hierhin kommen, wenn er nicht da ist

Aber dann würde er das bestimmt riechen. Und das tut er nicht. Seiner Nase macht keiner so schnell etwas vor. Wenn María aus dem Haus ist, dann geht er nach Grasse, das hat er ihr schon gesagt, und stellt Parfüm her. Wird zum Massenmörder an ortsansässigen Latinas, die er häutet, um aus ihnen Parfüm zu machen…Er würde sie doch riechen? Oder doch nicht? Manchmal stellt er sich auch vor, sie liegt in seinem Bett wenn er nicht da ist und schnüffelt an seiner Decke, um seinen Geruch zu riechen (viel Spaß, denn die wurde seit gut 3 Wochen nicht mehr gewechselt!). Heute hat er sogar kurzzeitig gedacht, sie würde in seinem Bett liegen und auf ihn warten, wenn er nach Hause kommt. Er würde sie zuerst gar nicht bemerken und sie würde ihn erschrecken. Zuerst würde er sie rauswerfen wollen, aber dann würde er ihr doch erlauben – in seinem unendlichen Großmut und seiner noch größeren Naivität – die Nacht bei ihm zu verbringen. Wie edel

Aber als er um zwei Uhr nachts nach Hause kommt, wartet da nur der mysteriöse Reis und eine Packung Gebäckstangen (mit Zwiebelgeschmack) auf ihn, die die Leere in ihm nur temporär zu füllen vermögen.











Mittwoch, 17. August 2016

Türen und Fenster in der Nacht













„Gestern Abend war irgendwie komisch. Ich konnte nicht schlafen und da hab ich die Tür gehört. Die Haustür…das war komisch. Ich könnte schwören…“



„Ich hab da ja so eine Theorie… Dass die Mama nachts zu dir kommt und dann hier übernachtet…“

„Ja, klar“, antwortet sie.

Irgendwie nicht sehr überzeugend.

„Ist ja nur so eine Theorie.“ Er lacht.

So ein Instinkt. Du musst deinen Instinkten vertrauen. Du musst lernen, deinen Instinkten zu vertrauen.

Deinen Killer-Instinkten.




Ein paar Tage später – er liegt gerade im Bett und chattet mit Cristina aus Madrid – hört er wieder Geräusche im Flur. Oder bildet er sich das nur ein. So wie früher, als oben noch diese Schwarzen wohnten, diese Frau und ihr Bruder. Da hörte er auch immer, wie sich seine Tür bewegte. Vielleicht ist das ja auch nur Quatsch. Vielleicht werde ich ja langsam echt bekloppt. Wär ja kein Wunder, bei all der Scheiße.


Aber kurz darauf ist da wieder etwas. Und diesmal könnte er schwören, dass das die Haustür war. Denn die macht eindeutig Geräusche, wenn die geöffnet wird, denn das ist eine dieser alten Holztüren mit Glaseinsatz. Die quietscht zwar nicht immer, aber die macht Geräusche. Immer. Jedes Mal, wenn man sie öffnet. Er lauscht und starrt auf die Tür, die sein Schlafzimmer vom Flur trennt. Scheiße, die ist nicht zu, denkt er, steht so leise wie möglich auf und zieht sich die blaue Shorts an. Denkt einen Moment, sich eine der Glasflaschen zu nehmen, die hier überall rumstehen. Aber dann such er nur seinen Schlüssel. Als er ihn gefunden hat, öffnet er langsam die einfache Holztür, die den Flur mit seinem Schlafzimmer verbindet. Nichts. Er tritt in den Flur und macht das Licht an. Das Flurlicht ist mit dem Außenlicht verbunden, so dass draußen, vor der Tür, auch das Licht angeht. Er tritt in den Hof und hört ein Auto vor dem Haus losfahren. Ohne nachzudenken geht er schnell zum Tor zur Straße, öffnet es und da steht wirklich jemand. Ein Typ. Keine drei Meter von ihm entfernt. Auf der Straße um halb zwölf. Als der Typ ihn sieht, geht er gegenüber in das Haus. Da, wo der Handwerker seine Firma hat. Komisch, der sah noch ziemlich jung aus. Den hab ich hier noch nie gesehen. Komisch. Das Auto verpasst er leider. Scheiße. Denn genau in dem Moment, in dem er auf die Straße tritt, ist es weg. Er hat noch nicht mal Zeit, sich die Marke oder gar das Nummernschild zu merken. Er blickt zum Fenster seiner Tochter. Die Jalousie ist unten, aber es kommt ihm so vor, als wäre da Licht. Als hätte sie noch Licht an…


Später tritt er noch mal vor die Tür, in den Innenhof, bleibt aber vor dem verschlossenen Tor zur Straße stehen und lauscht in die Nacht hinein. Er hört nichts, spürt aber was. Fühlt was. Plötzlich dreht er sich um und geht zurück zur Haustür. Heute ist Vollmond. Er sieht den hellen Mond zwischen den Bäumen, geht zurück in den Flur und schließt die Haustür leise mit dem Schlüssel ab











Dienstag, 9. August 2016

Stimmen aus dem Jenseits?

KI-generiertes Bild – erstellt mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz





Um ungefähr halb neun ruft er sie auf ihrem Handy an. Es klingelt ein paar Mal, dann sagt jemand „Hallo…“

„Hallo…?“ sagt er fragend.

Scheiße. Er guckt auf das Display, aber da steht María. Trotzdem legt er auf. Das klang verdammt komisch, dieses „Hallo“. So gar nicht nach María. Eher nach… 

Boah, bin ich jetzt komplett verrückt, oder was?! Das kann doch nicht sein. Einen Moment lang dachte er sogar, er hätte aus Versehen Nadines Nummer gewählt und sie wär dran gegangen… Das würde sie nie machen, das weißt du. Aber der Schreck steckt ihm immer noch in den Knochen…

Sonntag, 31. Juli 2016

Nächtlicher Horror

KI-generiertes Bild – erstellt mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz






Nachts um kurz vor zwei kommt er nach Hause. Als er vor seinem Haus ankommt, merkt er, dass das Tor zum kleinen Hof auf ist. Und das nachts. Nur einen Spalt, einen dunklen Spalt breit, aber…

…das ist schon komisch. Heute ist María wieder in Deutschland und schon ist nachts das Tor einen Spaltbreit auf…

Ob sie hier war…

…hier ist…