Er wusste nicht,
wer oder was es war, aber es war komisch. Das wusste er. Kaum war er in die
Hauptstraße eingebogen, da sah er es. Die Scheinwerfer, die ihn anzustarren
schienen, die direkt auf ihn gerichtet zu sein schienen, obwohl das Auto auf
der anderen Straßenseite stand und nicht auf seiner. Was hätte er gemacht, wenn
es auf seiner Seite gestanden hätte? Er wusste es nicht, aber dass es komisch
war, das wusste er. Und kaum war er näher gekommen, da fuhr das Auto auch schon
los. Setzte sich in Bewegung, in seine Richtung. Trotzdem sah er keinen Fahrer.
Oder eine Fahrerin? Warum habe ich nicht darauf geachtet, sagte er sich
hinterher. Aber in dem Moment…da achtete er nur auf die Farbe und Marke des
Autos. Ein silberfarbener VW Golf. So ein alter. Wie ihn seine Frau, äh, seine
Ex-Frau gehabt hatte. Aber in rot. Nicht silbern. Kein gutes Auto.
Ein Blog über das Leben, die Liebe, Beziehungen, Verlust, Angst, Spaß, die Lust, die Lust am Schreiben,Südamerika, Musik, südamerikanische Frauen, die Liebe, Spanisch, Englisch, Schottland, Spanien, Deutschland, dat Rheinland, Kinder, Literatur, Vergänglichkeit, Arbeit, Politik, die Mafia, Urlaub, Gewalt, Verbrechen, Sex, große und kleine Gefühle und vieles, vieles, vieles mehr ...
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Mittwoch, 31. Januar 2018
Samstag, 17. Juni 2017
Grüne Lämpchen am Ende des Tunnels
In M. steigt er extra ganz hinten
aus der Bahn aus. Dann brauch er nicht so weit zu laufen. Nur diesen langen Weg
an den Gleisen entlang und dann über die Schranke. Die um diese Zeit sowieso
nicht mehr zu geht. Neben ihm, hinter ihm steigen auch diese zwei Typen aus der
Bahn. Ausländer, Araber glaub ich, keine Ahnung, ob das Flüchtlinge sind. So
zwei junge Typen Anfang zwanzig, wenn überhaupt, mit Muskelshirts, aber ohne
die dazugehörigen Muskeln. Aber das ist ja egal, in diesem Alter. Am Anfang
will er sogar extra hinten rum gehen, durch die Unterführung, nur um denen aus
dem Weg zu gehen, weil die ihm komisch vorkommen. Aber dann entscheidet er sich
doch dafür, an ihnen vorbeizugehen. Die Faulheit siegt also am Ende. Oder die
Dummheit?
Die beiden bleiben an den
Gleisen, unter dem Pfeiler der geschlossenen Fußgängerbrücke stehen. Als er an
ihnen vorbeigeht, macht der eine so Affengeräusche. Wie ein Tier. Scheiße. Wenn
die ihm jetzt nachgehen…
Bis zum Bahnübergang sind es
ungefähr 200 Meter. Kein anderer nimmt diesen Weg. Nur er. Scheiße. Wenn die
mir jetzt hinterherkommen. Hier hört dich keiner schreien. Wenn du überhaupt
dazu kommst zu schreien. Mit deinem Laptop und deinem dicken Portemonnaie, dass
du auch noch dummerweise in der Gesäßtasche deiner Hose hast. Dafür sterbe ich,
für den Laptop… Hast du letztens auf der Arbeit gesagt. Zu Yasir. Ganz
großspurig. Aber auf der Arbeit hast du auch einen Alarmknopf. Und ein
funktionierendes Telefon. Bist du auf dem alten Telefon deiner Tochter (das du
bis auf weiteres mit dir führen musst, weil du blank wie der Arsch von Kim
Kardashian bist) die Nummer der Polizei gewählt hast, bist du schon lange tot –
es sei denn, du kannst sie zum Warten überreden. Hold on a sec, mate… Hier nicht, hier in freier Wildbahn, wo diese
beiden menschlichen Tiere deine Angst förmlich riechen können. Dann musst du
eben kämpfen, dich verteidigen. Du guckst du der leeren Bierflasche in der
Seitentasche deines Rucksacks. 8 Cent sind 8 Cent. Vielleicht könntest du dich
ja damit verteidigen. Vielleicht hat Gott dich die ja extra mitnehmen lassen.
Vielleicht hat Gott ja einen Plan mit dir. Oder ist alles nur Zufall, nur ein
einziger, brutaler Zufall? Du gehst schnell, extra schneller, damit du einen
Vorsprung hast, sollten sie doch noch hinter dir herkommen. Im Moment tut sich
zwar nichts, aber du weißt, dass sie dich im Ernstfall einholen würden. Du bist
nicht dünn und wendig wie sie, du bist ein Brecher; der am Ende seinen Mann
stehen und sich verteidigen muss. Du bist jetzt fast an der Schranke, fast am
Bahnübergang und traust dich gar nicht, dich umzudrehen, um nachzugucken, ob
die noch immer da stehen, unter den Stahlpfeilern, in sicherer Distanz? Das
Einzige, was du machen kannst, ist, in die Nacht hineinzuhorchen. Wie ein Hase,
mit seinen langen Ohren. Du gehst über die Schranke, über die breite Landstraße
und, auf der anderen Seite angekommen, denkst du: Wenn die jetzt kommen und
Ärger wollen, dann kriegen sie den ganzen Frust der letzten zwei Jahre, was sag
ich, der letzten zehn Jahre, ab. Aber es ist leichter, das auf der Arbeit zu
sagen, wo du gut behütet bist, da ist es leichter zu sagen: „Der soll ruhig
kommen. Dann kriegt er die ganze Wut, die ganze Frustration ab, die sich in mir
aufgestaut hat. Soll er ruhig kommen!“ Wahrscheinlich denkst du das eh nur,
weil du jetzt ziemlich sicher sein kannst, dass sie dir nicht gefolgt sind.
Kannst du das? Du bist mittlerweile beim Penny-Markt angekommen, gehst an dem Parkplatz
entlang, denkst: Hier sind überall Häuser. Wenn die dir jetzt doch noch
hinterherkommen, dann schreist du einfach wie bekloppt. Darin hast du ja Übung:
Das hast du schließlich deine gesamte Jugend Zuhause gemacht. (Was sollen denn
die Nachbarn denken – mir doch scheißegal! Ahhhhhhhh…) Dann gehst du irgendwo
rein, in einen dieser Hauseingänge und klingelst an allen Klingen Sturm –
solange, bis dir jemand aufmacht. Oder schreist mitten auf der Straße wie am
Spieß. Aber meinst du, dass dir wirklich jemand aufmachen würde, hier, in
dieser Seitenstraße, mitten in der Nacht in M.? Vielleicht würdest du gar nicht
dazu kommen, hier Sturm zu klingeln… Du gehst an einer Toreinfahrt vorbei und
denkst: Scheiße, hier könnte ich gar nicht klingeln. Wenn die jetzt kommen
würden müsste ich erst mal zum nächsten Haus laufen. Mitsamt Laptop und
Rucksack. Oder eben…kämpfen… Komm schon, du könntest das, nachdem du eben
diesen feurigen Hähnchen-Döner vom Türken. Den Griechen gibt es ja nicht mehr. Der hatte richtig Feuer dahinter. Da fingst du an zu schwitzen wie ein
Tier, in der Bahn. Das war dir schon peinlich, obwohl keiner bei dir auf/im
Sechser saß. Wie ein Tier! Sollen sie doch kommen! Trotzdem gehst du zügig über
die Hauptstraße unterhalb des Kreisels. Guckst dich noch ein letztes Mal um,
siehst aber niemanden. Selbst im Schein der Straßenlaterne auf der Ecke nicht.
Puh, das wäre geschafft!, denkst du, als du am Netto vorbeikommst. Die
Jugendlichen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Hier in M. Keine KKM!
KK-Mafia, mein fetter Arsch!
Fast bist du sogar ein
bisschen enttäuscht, haha. Dass du keine Chance hattest, deine angeschlagene
Männlichkeit in dieser lauen Sommernacht endlich mal unter Beweis zu stellen.
Ihnen den Kopf abzureißen und in ihren Hals zu pissen, diesen…
Um etwa zehn nach zwei
schließt er endlich die Wohnungstüre auf und ist Zuhause. Endlich! Doch kaum
ist er zur Tür rein, da fängt es in seinem Körper auch schon heftig an zu
drücken. Das hat er öfters. Kaum ist er da, muss er auch schon auf Klo. Aber
vorher noch schnell die Computertasche in Reichweite bringen, den Stuhl vor der
Kloschüssel in Stellung bringen und…das Internet einstöpseln – und das alles
mit zusammengekniffenen Arschbacken. Schließlich muss er ja noch nach seinem
Blog gucken. Doch dann sieht er plötzlich, dass das mit dem Internet gar nicht
mehr nötig ist. Denn alle grünen Lämpchen am Router leuchten bereits.
Komisch…ich könnte schwören…
…dass ich das heute
Nachmittag, als ich gegangen bin, ausgemacht hab. Um Strom zu sparen. Definitiv.
Da hab ich sogar noch daran gedacht, dass sich die Uhr am Herd nicht ausstellen
lässt und dadurch Tag und Nacht Strom frisst. Zwar nur kleine Mengen, aber das
läppert sich. Er ist sich fast 100%ig sicher, dass er den Internet-Stecker
rausgezogen hat. Oder war jemand hier? In seiner Abwesenheit? Werde ich langsam
etwa bekloppt? Er guckt sich um, bemerkt aber nichts Auffälliges. Außer das
Internet. Das hat er doch ausgemacht. Aber María hat doch gar keinen Schlüssel
– zumindest nicht für die Wohnungstür. Oder? Und wenn sie ihn nachgemacht hat?
Nein, das ist doch ein Sicherheitsschlüssel, den kann man doch gar nicht so
einfach, gar nicht so ohne Weiteres nachmachen lassen. Dazu brauch man doch die
Erlaubnis des Eigentümers. Oder nicht? Keine Ahnung.
…und wenn ihre Mutter den
nachgemacht hat. Und hier extra das Internet angelassen hat, um ihn in den
Wahnsinn zu treiben… Wie nennt man das noch mal in der Psychologie…? Gaslighting. Ja, Gaslighting, das ist es! Das kommt von irgendeinem Film, in dem ein
Verbrecher tatsächlich seine Ehefrau in den Wahnsinn treiben will oder treibt,
indem er permanent an ihrer Wahrnehmung zweifelt, Dinge verstellt
beziehungsweise absichtlich verlegt, ein ausgeschaltetes Router in der
Abwesenheit des Ex-Mannes wieder einschaltet etc… Oder eben die Existenz des
Gaslichtes, das Bella (was für ein schöner Name!) in dem Theaterstück sieht,
bezweifelt. Gaslighting eben. So
nennt man das in der Psychologie. Indem man dem Opfer, das wie er eh schon ein
bisschen labil ist, langsam den Glauben an die Dinge, so wie sie sind, an die
Realität selbst, nimmt.
Oder ist das doch nur Paranoia. Paranoia hervorgerufen durch die Realität seiner Trennung, die
sich nicht mit seinem Wunschdenken, seinen Sehnsüchten in Einklang bringen
lässt Es kann ja auch sein, dass er tatsächlich
vergessen hat, das Router auszuschalten, obwohl er sich felsenfest sicher
war, es ausgeschaltet zu haben. Um Strom zu sparen. Weil er Strom sparen will.
Weil er Strom sparen muss. Vergisst man dann so etwas? So etwas Wichtiges? Wenn
man die ganze Zeit daran denkt? Wenn man sogar noch an die ständig tickende Uhr
im Herd denkt?
Ich werd bekloppt, ich werd
langsam echt bekloppt, denkt er als er die grünen Lämpchen des Routers im
Dunkeln leuchten sieht.
Das ist ja hier fast schon
wie im großen Gatsby, wie das grüne Licht, das Gatsby meint auf der anderen
Seite des Sundes wahrzunehmen und das er mit seiner Geliebten, aber für immer
verlorenen Daisy assoziiert. Genau wie mit den beiden Typen eben. War das etwa
auch nur die Sehnsucht nach Gewalt, nach einem Befreiungsschlag – im wahrsten
Sinne des Wortes –, der Licht in das Dunkel seines Leben bringt…
…Morgen
laufen wir schneller, strecken die Arme weiter aus und einen schönen Tages, so
kämpfen wir weiter, wie Boote gegen den Strom. Und unablässig treibt es uns
zurück in die Vergangenheit…
Sie ist noch geblieben,
während ‒‒‒‒‒‒‒ schon weg ist.
Freitag, 30. Dezember 2016
Der dunkle Wald deiner Seele
Abends komme ich um ungefähr Viertel vor
zehn nach Hause. Ich komme aus dem Wald, wo ich Laufen war. In Dunkeln. „Im
Dunkeln“ ist eigentlich noch untertrieben. In kompletter Dunkelheit wäre wohl passender. Der kompletten Dunkelheit meiner Seele, haha. Voller
Angst, aber immer weitergehend. Immer tiefer hinein in den stockdunklen Wald. Was
für ein Hobby. Letztes Jahr hat mich eine Frau gesehen, wie ich gerade dabei
war in diese dunkle Röhre, die in den Wald hineinführt, einzutauchen und hat zu ihrer Kollegin gesagt: "Also, ich würd da nicht reingehen. Freiwillig."
Würdest du schon, habe ich nur gedacht: Wenn du keine Hobbys, keine Freunde und
heute 2 Eier, 2 Hähnchenschnitzel, 2 Hühnergockelchen von Aldi, jede Menge
Salat und 1 Tüte Frit-Sticks gegessen hättest. Dann würdest du da reingehen. Um
den Kopf und den Bauch freizukriegen. Obwohl das am Ende, hinter dem
Tannenwald, in den ich mich heute Abend nicht begeben habe (weil man da am Tag
schon wenig seht und ich Angst hatte, Angst habe vor den dichten Tannen), obwohl
das am Ende schon irgendwie komisch war. Denn da waren irgendwelche Tiere oder
irgendwas in den Büschen neben dem Weg, das sich bewegt hat und das mich dann
doch zum Zurückgehen bewegt hat. Einem Wolf oder Fuchs oder Wildschwein wollt
ich dann doch nicht begegnen. Das ist dann doch zu viel des Abenteuers. Also
machte ich kehrt und watschelte langsam in Richtung Zuhause, in Richtung I.
zurück.
Dienstag, 25. Oktober 2016
Tatort
Montag. Deine Tochter ist wieder da.
Lange nicht gesehen, sagst du. Direkt
nachdem du „Und, alles klar?!“ gesagt hast. Eine Frage, auf die es natürlich
keine ehrliche Antwort gibt.
Sie tippt ein bisschen auf dem Handy
rum, spricht in es hinein, als wär es eine lebendige Person, hört sich ein paar
Voice-Messages an, geht in ihr Zimmer, kommt wieder, guckt GZSZ, dann Wer wird
Millionär, dann Hart aber fair und sagt dann „Ich bin müde“, putzt sich die
Zähne und geht ins Bett. Oder nur in ihr Zimmer?
Du hast auch keinen Bock mehr, bist auch
müde und schläfst irgendwann um kurz vor zehn ein. Dieses Leben, es ist dieses
Leben
und dann wachst du wieder auf. Im
Fernsehen läuft das Nachtmagazin. Endet gerade. Dann kommt der Tatort. Der München-Tatort.
Geil. Würdest du normalerweise sagen, aber diesmal ist der wirklich geil. Mit
diesen zwei alten Knackern, noch nicht mal mehr mit grauen, sondern schon mit
schneeweißen Haaren. Wo du normalerweise gar nicht mehr denken würdest, dass
das Polizisten sind, so alt, wie die aussehen (übrigens durchaus auch im
übertragenen Sinn). Der eine kann noch nicht mal mehr schlafen, was ihn dir
direkt sympathisch macht. Denn du kannst ja irgendwie auch nicht schlafen,
sonst wärst du ja nicht hier, würdest nicht um halb eins den Tatort gucken, wie
einer dieser Psychopathen, die die suchen. Die Shorts und Unterhose ausgezogen
(die hat dich irgendwie eingeengt, deine dicken Eier, haha), von der Hüfte
abwärts nackisch. Aber der Tatort, der hat was. Echt! Manchmal ham die was. Wie
dieser Scharfschütze damals, aus der Schweiz, der Typen erschossen hat, weil
seine Freundin/Frau vergewaltigt worden war. Dieser bärtige, urwüchsige, urige…
Im aktuellen Fall wird ein junger, mittelaltriger Vater vor den Augen seiner japanischen Frau und seines Sohnes in München niedergestochen, als er versucht, einem Typen, der auf der Straße liegt zu helfen. Das hat man von Hilfsbereitschaft und Gutmenschentun. Deutschland, nimm dir ein Beispiel an diesem Tatort! Dafür wird man nur hinterrücks erstochen. Du hast es da eher mit dem „Last Don“, dessen Motto ist: „Let them all swim at the bottom of the ocean!“ Auf jeden Fall fangen die an, den Mörder zu suchen. Verdächtigen erst einen Obdachlosen, dann einen leicht oder schwer durchgeknallten Türken, der sein Jura-Studium abgebrochen hat, sich aber trotzdem für oberschlau hält. Während die Frau des Opfers, die Japanerin, weiter leidet (eigentlich unrealistisch…ja, ich hör ja schon auf, ich halt ja schon die Klappe!!!). München nicht verlassen kann, bis der Täter gefunden ist. Was sich nicht so leicht gestaltet, da auch der durchgeknallte, türkische Ex-Jura-Student ermordet wird und am Ende sogar die Frau in ihrem Haus von einem Trittbrettfahrer (einem Trittbrettpsychopathen sozusagen) überfallen, mit der Original-Tatwaffe, die der Psycho an dem Tag des Mordes an ihrem Mann gefunden hat, als er den Täter beobachtet hat, wie er sie wegwarf. Aber auch der Psycho, der sich selbst ewigen Frieden verschafft, in dem er aus dem Fenster seines Hochhauses springt ist nicht der Täter, obwohl einer der Ermittler die Frau des Opfers, die die Messerattacke überlebt hat, belügt, damit wenigstens sie nach Japan zurückgehen und ihren Frieden finden kann.
Im aktuellen Fall wird ein junger, mittelaltriger Vater vor den Augen seiner japanischen Frau und seines Sohnes in München niedergestochen, als er versucht, einem Typen, der auf der Straße liegt zu helfen. Das hat man von Hilfsbereitschaft und Gutmenschentun. Deutschland, nimm dir ein Beispiel an diesem Tatort! Dafür wird man nur hinterrücks erstochen. Du hast es da eher mit dem „Last Don“, dessen Motto ist: „Let them all swim at the bottom of the ocean!“ Auf jeden Fall fangen die an, den Mörder zu suchen. Verdächtigen erst einen Obdachlosen, dann einen leicht oder schwer durchgeknallten Türken, der sein Jura-Studium abgebrochen hat, sich aber trotzdem für oberschlau hält. Während die Frau des Opfers, die Japanerin, weiter leidet (eigentlich unrealistisch…ja, ich hör ja schon auf, ich halt ja schon die Klappe!!!). München nicht verlassen kann, bis der Täter gefunden ist. Was sich nicht so leicht gestaltet, da auch der durchgeknallte, türkische Ex-Jura-Student ermordet wird und am Ende sogar die Frau in ihrem Haus von einem Trittbrettfahrer (einem Trittbrettpsychopathen sozusagen) überfallen, mit der Original-Tatwaffe, die der Psycho an dem Tag des Mordes an ihrem Mann gefunden hat, als er den Täter beobachtet hat, wie er sie wegwarf. Aber auch der Psycho, der sich selbst ewigen Frieden verschafft, in dem er aus dem Fenster seines Hochhauses springt ist nicht der Täter, obwohl einer der Ermittler die Frau des Opfers, die die Messerattacke überlebt hat, belügt, damit wenigstens sie nach Japan zurückgehen und ihren Frieden finden kann.
Und dann ist der Fall zu Ende. Und du
denkst: Scheiße. Dürfen die das? Einen Fall einfach ungeklärt enden lassen. Dann
können die ganzen Omis und alten Knacker, die das gucken, doch bestimmt die
ganze Nacht nicht schlafen…das geht doch gar nicht. Oder doch? Siehst du doch,
dass es geht.
Du guckst dir das an, bei Twitter,
twitterst ein bisschen und siehst, dass das sogar ein wahrer Fall ist. Deswegen
ist er also ungelöst. Geil! Weil die Polizei in echt auch keinen Mörder
gefunden hat. Krass!
Und dann hast du einen Flash. Diesen
Flash, den du öfter hattest in letzter Zeit. Diesen Paranoia-Flash. Du denkst
an Nuri von der Arbeit. Keinen Ahnung, wo das jetzt herkommt. Du denkst daran,
dass da irgendwas nicht stimmen kann. Und genau in diesem Moment sagt eine
Frauenstimme im Fernsehen: „Wenn du das Gefühl hast, dass etwas nicht stimmt,
dann musst du dem auf den Grund gehen…“ Oder sagt die das vorher und du wirst
deswegen leicht para? Keine Ahnung. Auf jeden Fall bist du jetzt leicht para
und schiebst den Film, den du seit der Trennung immer wieder geschoben hast. Das
mit Nuri und deiner Frau und Rudi und allem und jedem. Deinem Chef. Sie war da,
hat den Schlüssel für dich zurückgebracht. Wenn der da…warum hört der Spanisch,
südamerikanisches Spanisch, gesprochen von südamerikanischen Frauen auf seinem
Handy?? Wenn der das doch nicht versteht?? Ich hör doch auch keine japanischen
minutenlang, ohne die zu verstehen. Der hat doch eh Dreck am Stecken, der Typ.
Mit seinen fünf Fünfhunderten, die er vor deinen Augen rausholt. Fünfhunderter
in Umschlägen. Verdächtig. Aber jetzt echt: Du hast da ganz stark dieses
Gefühl, dass da was nicht stimmt. Mit dem, mit deiner Frau, mit deiner
Trennung, mit allem. Bist du jetzt para oder ist da was dran? Oder beides? Wie
kann das denn sein?! Du hast da so deinen Verdacht. Er hat einen Verdacht. Das
ist schon komisch, da gibt es schon so einige Verdachtsmomente. Auch dieser
Araber, den du damals rausgeschmissen hast. Dreimal hintereinander. Der will
dir nicht aus dem Kopf. Wo du alleine in Barcelona warst und deine Frau mit
deiner Tochter nach einer Woche nachgekommen ist. Eine Woche noch alleine in
Bonn war. Der dir gedroht hat, dich gefragt hat: Hast du Familie? Dessen Freund
ist wieder aufgetaucht auf deiner Arbeit, hat jedes Mal, als du kamst, um nach
dem Rechten zu sehen, irgendwie komisch gelacht, mit diesem Schmierer, der
neben ihm saß. Der ihn geküsst hat, zur Begrüßung. Wie schwul ist das denn?! Der
auch damals den Typen verteidigt hat, den du dreimal rausgeschmissen hast. Das
ist schon irgendwie komisch alles.
Aber bestimmt bist du nur para…
Wie immer…
Du guckst aus dem Fenster nach draußen,
als könntest du da was sehen. Aber es ist nur dunkel, draußen. Stockdunkel.
Sonntag, 23. Oktober 2016
Traumdeutung: Insekten, Spinnen und Hackfleisch
Nachts
träumst du von Spinnen. Horror.
Du
hattest schon vorher, als du nach Hause kamst und mit deinem Topf Nudeln mit
Hackfleisch im Bett lagst, so ein komisches Gefühl. Vielleicht lag das ja
daran, dass du später auch noch von Spinnen geträumt hast. Wer weiß. Du kamst wie gesagt
nach Hause, legtest dich ins Bett, vor dir der Topf mit den restlichen Nudeln
mit Hackfleisch, Zwiebeln, Knoblauch und Bolognese-Sauce, und auf einmal
hattest du ein ganz komisches Gefühl. Einen Moment lang dachtest du, dass sich
in den Nudeln etwas bewegte. Oder daneben, neben dem Topf im Bett. Keine
Ahnung. Das sieht man ja auch nicht unbedingt, in einem Topf voller Nudeln und
Hackfleisch, bei all den Krümmungen und Windungen, ob sich da nicht doch ein
Insekt drunter befindet. Es ist ja nicht das erste Mal, dass er einen dieser
grünen oder braunen Käfer in der Wohnung findet. Das bleibt ja nicht aus, wenn
man in der Nähe des Waldes wohnt. Letztens spazierte so ein Käfer, mit all
seinen Stacheln und Panzern und Fühlern seelenruhig über das schneeweiße
Betttuch. Bis er ihn mit einem Hausschuh ins Jenseits beförderte – direkt
nachdem er den ersten Schreck verdaut hatte. Und in der Küche hat er letztens
auch einen runden, grünen Käfer erwischt, wie er über die Ablage neben der
Spüle und unter dem Fenster spazierte. Der war ein bisschen schneller, aber
auch nicht schnell genug. Und wer weiß schon, was sonst noch so alles durch die
Wohnung marschiert. Er denkt manchmal was passieren würde, wenn man alle
Insekten in seiner Umgebung sichtbar machen könnte, zum Beispiel wie bei einem
Nachtsichtgerät in Rottönen. Wahrscheinlich würde man dann schreiend rauslaufen,
doch wenn die draußen genauso sichtbar wären, wäre das sicherlich auch keine
Lösung…
Aber
das war komisch, das mit dem Essen. Da hatte er einen richtigen Horror. Denn er
glaubt wirklich die ganze Zeit aus dem Augenwinkel etwas gesehen zu haben. Wie
sich etwas bewegte. Entweder im Topf oder unmittelbar daneben. So sicher war er
sich da nicht, aber das war schon komisch. Aber wahrscheinlich kann man auch
nicht immer seinem Instinkt, seinem Bauchgefühl vertrauen. Obwohl die das immer
sagen: Hör auf deinen Bauch. Vielleicht war das auch, weil es schon spät war
(zwei Uhr nachts, um genau zu sein)… Und er müde war… Denn wenn da wirklich
etwas drinnen gewesen wäre…dann wäre das Tier, das Insekt doch bestimmt vor
seiner Gabel geflüchtet oder. Raus aus dem Topf. Und dann hätte er es bestimmt
entdeckt, irgendwie. Und am Ende war auch der Hunger stärker, denn die Nudeln
jetzt nicht zu essen oder gar wegzuschmeißen, das wäre dann auch zu viel des
Guten. Nur, weil man das Gefühl hat, dass sich da drinnen was bewegt. Außerdem
entdeckt man das ja so oder so, früher oder später, je leerer der Topf wird. Das
heißt nur, wenn man es nicht vorher bei lebendigem Leib aus Versehen mitgegessen
hat (man sieht ja die Fühler und den Kopf nicht, wie er verzweifelt versucht,
sich aus dem Mund hinaus zu winden. Und er sah nichts, auch als der Topf immer
leerer wurde nicht. Das sind doch Fluchttiere – wie deine Ex –, die bleiben doch
nicht im Topf und stellen sich dem Kampf mit deinem hungrigen, dicklippigen
Mund. Ne, da war nichts.
Aber
vielleicht außerhalb des Topfes… Zur Sicherheit guckte er am Ende noch mal in
den leeren Topf. Aber da war nichts. Kein Insekt, nichts. Nur rote Saucen und
halbweiße Nudelreste. Kein Tier, geschweige denn eine…
Aber
vielleicht wirkte das ja noch nach, wirkte noch in seinen Traum hinein. Vielleicht
war es ja auch sein voller Magen vor dem Schlafengehen, der ihn schlecht
träumen ließ (das soll ja auch nicht so ideal sein), mit oder ohne
Fleischbeilage in Form von Insekten. Das war ja auch fast ein halber Topf
Nudeln. Auf jeden Fall hatte er einen ganz komischen Traum. Er lag im Bett, das
– glaub ich – auch seins war, war wach und rund um das Bett herum waren
Spinnen. So richtig große. Manche mit langen, dünnen Beinen und Körpern und
manche mit kräftigen, haarigen Beinen und Körpern. Groß wie Vogelspinnen – sowohl
die dünnen als auch die dicken. Die saßen da ganz komisch, alle hintereinander
in einer Reihe, in einer Linie, so als wären die Teil einer Armee, so als wären
die irgendwie organisiert. Ganz viele, überall um das Bett herum. Lauernd. Darauf
wartend, dass er den ersten Move macht, den ersten Schritt. Um dann
blitzschnell zuzuschlagen. Sobald er sich auch nur einen Zentimeter bewegte.
Aber im Moment verharrten die noch alle in ihrer Aufstellung. Fein säuberlich nach
Spinnenarten getrennt. Scheiße. Es gab kein Entkommen. Die waren überall. Wenn
er aufgestanden wäre, wäre er hundertpro auf mindestens eine draufgetreten. Und
ob die dann so ruhig, so diszipliniert geblieben wären. In Reihe und Glied. Am
Ende – aber das weiß er nicht mehr ganz so genau (Träume sind so schnell wieder
weg, sobald man aufwacht) – hat er glaub ich doch versucht, eine von denen zu
töten, nach ihr zu schlagen. Eine von den fetten, haarigen. Nicht von den
dünnen, langbeinigen, unbehaarten. Er hat nach ihr geschlagen, ich glaube sogar
mit irgendeinem Gegenstand (einem Messer?) und ist richtig tief eingedrungen in
ihr fettes Fleisch. So dass das Blut förmlich spritzte. Das Spinnenblut. Das es
dieser Plätschergeräusch machte oder wie auch immer man es nennen soll, wenn es
spritzt. Und dann ist er aufgewacht, wahrscheinlich weil sein Körper, oder Kopf,
den Traum nicht mehr länger aushalten konnte…
Er
hat zwar nicht geschrien – wie letztens, als er nachts plötzlich das Gefühl
hatte, dass irgendwas mit seinem Körper nicht stimmte, mit seiner Durchblutung,
dass er vielleicht sogar einen Schlaganfall oder Herzinfarkt bekommen könnte,
dass er sterben könnte. Aber er ist ins Bad gerannt, den Boden genau musternd –
ob sich das was bewegte – und hat sich vor den Spiegel gestellt. Warum stellt
man sich bei Alpträumen eigentlich immer im Bad vor den Spiegel? Um sich selber
wieder bewusst zu werden. Dass man (selbst) noch da ist. Dass das prekäre „Ich“
noch existiert und nicht vom „Es“ aufgefressen wurde. Doch, er sah gut aus im
Spiegel. Trotz seiner bald vierzig Jahre.
Das
hielt ihn aber nicht davon ab, danach nicht mehr einschlafen zu können, das
Licht anzulassen (beide Lampen!), das Bett nach Insekten abzusuchen, immer noch
dieses komische Kribbeln in den Beinen zu verspüren. Unter der Decke… Immer
wieder aufzustehen, den Fernseher einzuschalten. Auf N24, wo er direkt auch
erfuhr, dass er erst 5:34 war (er war erst so um zwanzig nach zwei
eingeschlafen), also noch viel zu früh, um wach zu bleiben. Also ging er wieder
zurück ins Bett, zurück unter die Decke, zurück zum hoffentlich
psychosomatischen Kribbeln in den Beinen, zurück zu den wie bei einem
Nachtsichtgerät rot leuchtenden Insekten…
Im
Fernsehen lief ein Bericht über die Entstehung und Verbreitung der Atombombe.
Für die Leute, die um fünf Uhr morgens noch nicht genug Panik haben. Oder zum
Frühstück, für die Frühaufsteher. Aber das war interessant. Wie oft bei N24.
Dem Weltuntergangssender, der sich schon sehr ausgiebig mit den Krieg, Bomben,
Naturkatastrophen, Außerirdischen, den Sieben Siegeln und dem All beschäftigt. Aber
doch nicht so sehr, dass er am Ende nicht doch wieder eingeschlafen wäre…
Nächster Traum: Traumdeutung: Streit und komische Bilder
Vorheriger Traum: Traumdeutung: Orcas und Puetzchens Markt
Samstag, 22. Oktober 2016
Spielsucht und Ersatzbefriedigungen
Spieler
sind nicht einfach nur doof, sagt der alte Mann. Die sind hellwach, wenn die
sich davorsetzen…
Die
wollen nicht Millionäre werden…
Ok,
die gibt es auch, aber das sind die wenigsten…
Das
ist auch eine Art Kompensation. Für was, was die Zuhause, bei ihrer Familie
nicht kriegen. Bei ihren Frauen…
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