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Sonntag, 21. Januar 2018

Samstagnachts halb zwei in Deutschland II












Mein Freund war wieder sehr sozial. Der hat den ersten Preis für das Kostüm gewonnen. Das hat er dann einem Mädchen geschenkt, weil die so traurig war. Der ist so süß!“

„Fährt der erst um neun?“

„Ja.“

Samstag, 28. Oktober 2017

Visionen

"Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen." Helmut Schmidt






   
Am Maritim steigt eine Frau in die Bahn ein, die von hinten voll aussieht wie Nadine. Wie Nadine früher aussah, als sie noch Locken und einen Pferdeschwanz hatte, vor Jahren…

Hey, nicht dass das Nadine ist!, denkt er.

Samstag, 8. April 2017

Juckt's dich...dann ist es Liebe
















Er sitzt auf der Arbeit auf dem Klo und endlich schafft er es sein Häufchen zu machen. Obwohl er heute Morgen eigentlich schon „groß“ war. Aber das ist die Nachhut, die er sonst eigentlich auch immer hat. Die Hose hängt zwischen seinen Füßen, darüber die Unterhose, die auch ihre beste Zeit schon hinter sich hat. Die sieht fast aus wie ein männlicher Tanga, mit ihren Stoffstreifen, die sich auf beiden Seiten vom Hauptteil gelöst haben. Siehst du, ich kann das auch nachvollziehen, was die letztens über allzu knappe Damenunterwäsche gesagt haben…, denkt er,…dass die dünnen Stoffstreifen oft scheuern, zwischen den Beinen  und an anderen Stellen, zwischen anderen Körperteilen. Dass das unangenehm ist. Ja, ihm ist das auch unangenehm, dieses Scheuern. Und wie das wehtut! Er läuft schon extra wie ein Roboter, breitbeinig, aber selbst das lindert den Schmerz nur minimal. Wie der Dalek. Er hat sich heute Morgen wieder mal einen Wolf gelaufen, als er im Wald unterwegs war. Einen Wolf zwischen den Beinen. Aus dem Wald mitgebracht.


Freitag, 16. Dezember 2016

Wiedersehen, Teil II









 
Diesmal aber wirklich! Selbst wenn ich mir das das letzte Mal, das letzte Wiedersehen nur eingebildet habe, diesmal ist sie es wirklich. Nadine!

Ich gehe – wie immer nichts ahnend – durch die Unterführung am Bahnhof, um meinen Zug nach Rheinbach zu nehmen, den Blick halb gesenkt…und trotzdem…sehe ich sie. Plötzlich kommt sie mir entgegen. Face-on, wie der Engländer sagen würde. Frontal entgegen. Wie bei einem Frontalunfall. Kommt glaub ich gerade um die Ecke, die Rolltreppe von den Gleisen runter. Aus einem Zug aus Bad Godesberg? Oder aus Köln? Godesberg kann es ja nicht sein, die fahren ja von hier erst dahin. Also aus der Richtung Köln. Was macht sie denn da?

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Online-Dating











Er stellt sich das Foto vor, das sie auf dieser Plattform hat. Diesem Dating-Portal. Dieser Partner-Börse. Oder was auch immer das war. Das war verschlüsselt. Ok, nicht verschlüsselt, aber "privat". Nicht öffentlich zugänglich. Erst, nachdem sie es freigibt, nachdem man ihr eine E-Mail-Anfrage geschickt hatte, die sie gutheißen musste, damit der betreffende…Mann (sagen wir es doch einfach so wie es ist)/Interessierte sich dann das Foto angucken konnte. Ihr privates Foto…

…was auch immer darauf zu sehen war…

Das war kurz vor ihrer Trennung. Am Freitag vor dem Sonntag, der den Tag Null markiert. Oder ist erst der Montag der Tag Null. Der erste Tag seines getrennten Lebens oder der Tag, an dem ihre Beziehung implodiert ist. Explodiert. Sich in Rauch aufgelöst hat. In Nebel. The day the shit finally hit the fan…

An dem Freitag – seinem einzigen freien Tag in der Woche –, wo er ihr E-Mail-Konto geknackt hat. Geknackt ist vielleicht zu viel gesagt. Er ist ja kein Hacker. Er hatte es ja damals auch für sie eingerichtet und da war seine Mailadresse eben noch als Absicherung vorhanden. Damit war es ein Leichtes, das Passwort zu ändern und sich Zugang zu verschaffen. Zwar würde sie das merken – also war das eher eine ziemlich unsubtile Holzhammermethode –, aber er konnte einfach nicht mehr. Nachdem er am Morgen bemerkt hatte, dass ihre Papiere nicht mehr da waren. Sie hatten schon die ganze Woche getrennt geschlafen und sie hatte ihn schon darauf hingewiesen, dass er sich eine Wohnung suchen solle, eine eigene Wohnung, da sie in zwei Monaten ausziehen würde…aber er – naiv wie Männer nun mal sind, sah die Schrift an der Wand immer noch nicht. Schließlich waren sie ja 19 Jahre zusammen gewesen. 17 Jahre verheiratet. Und das wirft man doch nicht einfach so weg. Oder?! Dachte er. Während sie wahrscheinlich schon lange innerlich Schluss gemacht hatte. Abgeschaltet hatte. Auf Durchzug. Wie das – wie er später schmerzhaft erfahren musste – Frauen häufiger machen als Männer (und jetzt kommt mir nicht mit Sexismus, immerhin sind es in 70% der Fälle die Frauen, die die Scheidung einreichen).

Da lag er also im Bett, nicht mehr ganz so seelenruhig (wozu hatte sie ihre Papiere sonst mitgenommen?!), und verschaffte sich Zugang zu ihrem Konto. Nicht die feine englische Art, ich weiß, aber ist es die feine englische Art einfach so abzuhauen, wenn man ein gemeinsames Kind hat. Einfach so von einem Tag auf den anderen, ohne jemals wieder ein Wort zu verlieren, sich aus dem Leben seines Ehemannes abzuseilen?! Die Tochter erst mal vorsorglich mitzunehmen (mach dir keine Sorgen, ich komme morgen)?! I don’t think so!

Und er wurde fündig. Und glauben Sie mir: Wie gerne wäre er es nicht geworden?! Aber da waren, neben verschiedenen anderen Mails mit Quatsch, auch ein paar von dieser Dating-Seite. Von Männern, Typen, was weiß ich. Arschlöchern. Einer von denen war sogar erst 28. So ein Alternativer. Wie dieser Tilo früher in der WG. Oder der Spastian (auch in der WG), der damals vor Nadine und vor ihm damit prahlte, dass er als Aktmodell in der Kunsthochschule, wo er studierte, sich ein bisschen Geld dazu verdiente. Was für Arschloch! Was für ein Hurensohn! So einer war da dabei. Es fehlten nur noch die Rastas – die hatte der Wichser sich wahrscheinlich erst vor zwei Wochen abgeschnitten.

Und ein 41-jähriger Physiotherapeut aus Köln. Mit Foto, das echt aussah (su seiner Schande muss er zugeben, dass der gar nicht so schlecht aussah). Natürlich guckte er direkt in ihrem „Gesendet“-Ordner, um zu sehen, ob sie irgendeinem von diesen Spastis schon zurückgeschrieben hatte, aber er fand nichts. Dann nahm er sich die Dating-Seite selbst vor. Und da fand er wieder was, was ihm nicht gefallen konnte. Seine Frau kam also aus Sankt Augustin (oder war es Troisdorf?) und war ledig. Aber ihr Alter war echt. Moment mal…sie war was?! Ja, Sie haben richtig gehört: Sie war ledig. Sie waren also schon geschieden oder nie verheiratet gewesen. Ein Wunder war geschehen. Er war nie nach Ecuador geflogen um sie zu heiraten, nachdem sie zum zweiten Mal aus Deutschland ausgewiesen worden war. Nein, er hatte nie existiert. Und wer war dann bitteschön der Vater ihrer gemeinsamen Tochter?! Und sie hatte sich nicht erst vor zwei Wochen da angemeldet, wie er erfuhr, als er auch ihr Passwort auf dem Dating-Portal änderte (was machte das jetzt schon noch für einen Unterschied). Er fand zwar keine Nachrichten an irgendwelche Typen, aber die Tatsache alleine, dass sie sich da angemeldet hatte, reichte ihm schon voll und ganz Ihr Foto war auch geheim, daran konnte er nichts machen

(Warum eigentlich nicht? Wenn er doch ihre Mail-Adresse hatte?! Oder wollte er nichts dran machen? Wollte er es vielleicht gar nicht sehen?! Weil er Angst davor hatte, was er entdecken würde…?)


Wie dem auch sei, heute erinnert er sich an das Foto. Das private Foto. Was wohl darauf zu sehen war? War sie da etwa nackt drauf abgebildet? Oder war das nur eins ihrer üblichen Facebook-Fotos? Lächelnd, aber nichts verratend? Oder zeigte es sie wirklich nackt? Vielleicht nur ihren Oberkörper , ihre kleinen, aber schönen Titten. Oder ihren ganze Körper. Nackt. In der Badewanne liegend. Sich den Schaum aus den Schamhaaren wischend, damit der Kunde auch besser sehen konnte, was er für sein Geld bekam. Nein,. ich meine natürlich den Typen aus dem Dating-Portal, das mit dem Kunden ist natürlich Quatsch, das nehme ich zurück. Die Typen aus dem Dating-Portal. Konnten die es ihr besser besorgen als er? Auch das nehme ich zurück. Warum machte sie überhaupt so was?

Oder war ihr Foto eins dieser vulgären Fotos. Die von unten direkt ihre Muschi zeigen. Wo sie praktisch, abgesehen von ihren Schamhaaren (denn voll rasieren tat sie sich nicht) direkt alles zeigten. Die fleischfressende Pflanze. Um Männer anzulocken.

Er kriegt fast einen Steifen, wenn er nur dran denken muss…

Wie gerne hätte er diese Muschi zurück. Aber was für eine Liebe wäre das, wenn es nur um Sex ginge?!


Trotzdem bleibt das Bild ihres Nacktfotos auf dieser Dating-Seite












Donnerstag, 25. August 2016

Wiedersehen











Ich weiß nicht, ob sie glücklich ist.
Vielleicht ist sie es ja und ich rede mir das nur ein.
Dass sie unglücklich aussieht.
Das ist nur so ein Gefühl
Und Gefühle zählen eh nichts
Und erst recht nicht in Deutschland
Wen interessieren schon Gefühle
Sie nicht
Obwohl sie unglücklich aussieht
Die Haare sind kürzer
Wie sie da sitzt und den Boden anstarrt. Oder ihr Handy.
Sieht sie nicht unglücklich aus
Wie sie nicht hochguckt. Mich nicht sieht.
Nicht sieht, wie ich sie sehe.
Und alle Wunden wieder aufbrechen.
Ich hatte den ganzen Tag schon so ein Gefühl
(du weißt doch, Gefühle interessieren keine Sau)
Was sind schon Gefühle.
Wie ich heute Mittag diese Latina gesehen habe.
Und dann ihre Schwester.
Und jetzt sie.
Wie sie da sitzt
Kommt alles wieder hoch.
Nichts ist weg
Es war nur verschüttet
In der Müllkippe deiner Seele
Alle Dämme brechen
Alles reißt wieder auf
Die ganze Scheiße
Aber du gehst nicht zu ihr, als der Bus hält, keine 10 Meter von ihr entfernt
es hätte keinen Sinn
keinen Sinn mehr
Von da wo sie sitzt, auf diesem Stein, diesem runden Sitzstein am Bahnhof
Wo du früher auch gesessen hast
Als du noch den Nachtbus nach Duisdorf genommen hast
Wo sie auf dich wartete, in eurem Bett
In dem du jetzt alleine schläfst
Nicht einschlafen kannst
Dich hin und her wälzt
Ihre Beine erinnern dich daran, wie du mit ihr geschlafen hast
wie du in sie eingedrungen bist
sie gespürt hast
sie geliebt hast
ein halbes Leben lang
Früher
Früher ist vorbei
Und du gehst vorbei
Gehst extra vor dem Bus entlang
Obwohl der Weg hinter dem Bus der Kürzere ist
Guckst zu ihr zurück
Sie hebt den Kopf nicht
Wirkt unglücklich
Mit ihren kürzeren Haaren
Obwohl du sie gar nicht richtig sehen kannst
Mit deinen Augen
Du gehst zu deiner Haltestelle und fragst dich,
ob sie dich sieht
dir nachguckt, so wie du ihr.
Du weißt, dass das sie ist
Da hinten
Auf jemanden wartend.
Der nicht mehr du bist.
Der nie mehr du sein wirst
Und genau in diesem Moment weißt du,
dass du sie immer lieben wirst
Und immer vorbeigehen wirst,
wenn du sie siehst
so als hättest du sie nicht gesehen
wenn du sie durch Zufall siehst
in der Stadt
im Bus
wo auch immer
es gibt keine Zufälle
du liebst sie immer noch
alles ist immer noch da
wie am ersten Tag
trotz Anwalt, trotz Unterhaltsforderungen, trotz allem
weißt du, dass du nie aufhören wirst, sie zu lieben
Obwohl du nicht mehr zu ihr gehen wirst
Nie mehr
Wenn du sie siehst
Die Mutter deiner Tochter
Die Liebe deines Lebens
Wie ein Doof stehst du an deiner Haltestelle und blickst zu ihr rüber
Mit ihrem lilafarbenen Garfield-T-Shirt
Jetzt weißt du es wieder
Das sie in eurem gemeinsamen Urlaub gekauft hat
In eurem letzten gemeinsamen Urlaub
Jetzt fällt es dir auf
Ihre Haare sind kürzer
Sie ist noch immer total braun
Von Griechenland
Wo sie alleine war
Mit ihrer Tochter
Deiner Tochter
Die euch nicht mehr verbindet
Du stehst leicht versteckt hinter der Schulter dieses Typen
und guckst da rüber als hättest du einen Geist gesehen
Hast du ja auch
Den Geist vergangener Urlaube
Vergangener Umarmungen
Vergangener Küsse
Vergangener Berührungen
vergangen, alles
Vergangener Liebe
Der Bus kommt
Der Bus zu deiner neuen Wohnung
Heute ist María bei dir
Morgen bei ihr
Am Montag wieder bei dir
María, die euch beide in sich hat
Aber die ihr nicht mehr beide habt
Du steigst in den Bus ein
Setzt dich hinten hin
Weil es da kühler ist
Es ist der heißeste Tag des Jahres
36 Grad
Und du guckst zu ihr rüber
Als hättest du einen Geist gesehen
Den du berühren könntest
Den du nicht mehr erreichen kannst
Obwohl du weißt,
dass du sie immer lieben wirst
deine kleine Latina
die du vergrault hast
mit deinem Pessimismus
mit deinem fehlenden Vertrauen
mit deiner Eifersucht
deinen Ultimaten
Eine Familie sitzt dir im Weg
Du siehst sie nicht mehr richtig
Und trotzdem hat diese Begegnung deine Welt erschüttert
In ihren Grundfesten
Deine kleine kaputte Welt
Die nicht heilen will
Einfach nicht heilen will
Wie eine rote Wunde
Du siehst sie nicht richtig
Guckst als hättest du einen Geist gesehen
Das Kind guckt zu dir rüber
Der Alte auch
Wie du guckst
Als könntest du nicht vergessen
nicht vergessen
was mal war
was nie wieder sein wird
Und dann ist der Bus weg
Im Tunnel verschwunden
Und du siehst sie nicht mehr
Vielleicht nie wieder
in deinem Leben
Deine kleine Latina
Die du so liebst
Wie am ersten Tag.












Mittwoch, 27. Juli 2016

E-Mail von dir










Inmitten all des Terrors, all der falschen und echten Alarmmeldungen, all der Gewalttaten in Deutschland und Frankreich hat er fast übersehen, dass seine Tochter ihm geschrieben hat. Seine Tochter hat ihm geschrieben!

Seine Tochter!

Aus dem Urlaub.

Juhu!

Aber ernsthaft: Als verlassenen Vater freut ihn das natürlich immer. Mal sehen, was sie heute geschrieben hat. Wieder wie schön es doch ist in Griechenland. Wieder kein Betreff – Scheiße! – also wird er die Mail wohl öffnen müssen, ob er will oder nicht. Also, kurz und schmerzlos! Kurz und scherzlos! 1 Klick zum Glück!

Hi
Ich lebe noch haha das Internet ist voll schlecht hier das ist nicht mehr normal. Nächste Woche bin ich wieder zurück gebräunt und muss mir einen Job suchen.

Geil. Der erste Eindruck ist schon wesentlich besser als bei der ersten Mail. Wenigstens kein hier ist es voll schön die Sonne scheint die ganze Zeit und ich will nie wieder nach Deutschland zurück und zu dir sowieso nicht…(siehe auch: Gut angekommen I oder Gut angekommen II) Wenigstens ist das Internet voll schlecht. Das freut mich doch!

…obwohl: Das geht ja zu deinen Lasten, du Doof. Wenn man so drüber nachdenkt…(das sollst du doch nicht…das solltest du doch nicht mehr machen…nachdenken…zu deinem eigenen Schutz)…das ein bisschen psychoanalysiert…nur ein bisschen natürlich…

…dann könnte das ja auch eine clevere Ausrede sein, um dir in der verbleibenden Woche nicht mehr schreiben zu müssen. Wenn das Internet schon so schlecht ist…

…dann brauch man ja auch nicht schreiben…

…und kann sich besser den ganzen Tag am Strand bräunen…

…mit einer ganzen Horde von Verehrern…

(…das muss man dem Papa ja dann auch gar nicht erzählen, das Internet geht ja nicht!)

…und einer ganzen Horde perverser Griechen, die hinter ihrer Mutter, deiner zukünftigen EX-Frau hinterher sind (wofür die bekannt sind, die Griechen, das muss er Ihnen ja nicht noch auf die Nase binden, oder?!)…

Aber lassen wir das! Das bringt eh nichts, da, in diese wenigen, kargen Worte, so viel hineinzuinterpretieren. Das führt doch zu nichts! Also lassen wir das…

…grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr…

you got to let go…

grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr…

…fucking let go!

Grrrr

Okay, ist ja gut (grrr)…

Lassen wir das…und kommen zum Anfang der Mail. Der nicht weniger ambiguous, nicht weniger zwei- oder gar mehrdeutig ist.

Ich lebe noch…haha

Was soll er nun davon halten? Sich freuen, dass sie noch lebt?! Obwohl sie schon mehr als eine Woche allein mit ihrer Mutter in Urlaub ist…?! Soll er sich jetzt freuen oder laut losheulen…oder beides…oder voller Freude aus dem Fenster springen…die ganzen 80 Zentimeter bis zum Boden…

Oder ist das (scheiße, bitte nicht!) ein Anflug seines üblichen Existentialismus oder gar Fatalismus bei seiner 17-jährigen Tochter. Das zeigt schließlich, dass sie deine Tochter ist (wenn du das nicht auch so schon wusstest…). Dass sie auf dich kommt… Darauf solltest du stolz sein! Schließlich ist der Existentialismus im Kern radikal lebensbejahend…ja, ja…der alte Heidegger, das war ein Fuchs!

Oder denkst du – schon wieder – zu viel nach und das ist nur der Versuch eines Witzes. Tochter, du weißt doch, dass ich bei solchen Dingen überhaupt keinen Spaß verstehe…

Oder, er wagt es kaum in Betracht zu ziehen…ein schlechtes Gewissen?

Nein, das ist nun wirklich zu viel des Guten!

Dass sie gebräunt ist, wenn sie wiederkommt, hätte sie sich aber ehrlich sparen können. Sie ist in Griechenland! Welche andere Farbe soll man da schon annehmen?! Grün? Gelb? Rot ginge ja auch noch, aber nicht bei dem von Natur aus schon leicht gebräunten Teint seiner Tochter. Er hat sie noch nie rot werden gesehen, auch nicht beim Lügen…nein, Quatsch, sie hatte echt noch nie einen Sonnenbrand, soweit er weiß…

Und dann das Ende (du bist aber auch mit nichts zufrieden, echt, was hast du denn jetzt schon wieder auszusetzen?!): …und muss mir einen Job suchen.

Musst du doch nicht, dein Vater arbeitet doch auch nicht, der schreibt doch auch nur den ganzen Tag dumme Blog-Beiträge. Muss sie ihn dran erinnern, dass er sich auch einen Job suchen muss, einen neuen, einen besseren. Mannomann. das Leben

Aber wenigstens nicht diese ganzen Lobeshymnen auf Griechenland, das tolle Wetter, das schöne Meer…nicht dass ich ihr das nicht gönnen würde…soll sie doch…sie ist ja nur einmal 17…das ist es nicht.

Ihr gönne ich das…

…ihrer Mutter aber ganz sicher nicht!