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Sonntag, 4. Juni 2017
Rückkehr (im Traum)
(Bild: KI-generiert)
Ich
bin in einer großen Wohnung. Nicht meine Wohnung, aber ich schein trotzdem hier
zu wohnen. Keine Ahnung warum. Es ist Nacht. Oder zumindest Abend. Ich sehe jemand
vor dem Fenster vorbeihuschen. Plötzlich bin ich im Schlafzimmer. Das
Schlafzimmer sieht irgendwie heruntergekommen aus, An einer Stelle fehlt glaub
ich die Tapete vollständig und es ist unordentlich, unaufgeräumt. Ich lege mich
in das große Bett, unter diese große, weiche Decke. Auf einmal spüre ich, dass da noch
jemand ist. Im Bett. Hinter mir. Aber ich erschrecke mich nicht, ich habe keine
Angst und ich flippe auch nicht aus, weil ich weiß, weil ich instinktiv weiß,
wer das ist, der da liegt. Sie. Nadine. Sie liegt wirklich neben mir, hier im Bett,
in diesem seltsamen großen Haus. Und sie weiß auch, dass ich sie bemerkt habe.
Legt irgendwann von hinten den Arm um mich. So wie früher. Als ich sie immer
irgendwann abgestreift habe, weil sie einfach zu heiß war, auf Dauer, weil ihr
Körper einfach zu heiß war, zu warm. Nur in Schottland, nur im kalten, rauen Winter Schottlands
konnte ich die ganze, oder zumindest die halbe Nacht neben ihr schlafen. Ich
drehe mich um und sie liegt auf dem Rücken neben mir. Ich beuge mich über sie. Sie
spielt mit mir, mit meiner Hand, mit ihrer Hand. Ich spüre ihren weichen,
warmen Körper, ihr kleines Bäuchlein, über das meine Hand nun gleitet, auf dem
Weg nach unten. Ich will nichts mehr als mit ihr schlafen, sie umarmen
aber
ich steige wieder aus dem Bett, gehe irgendwo hin, in dem großen Haus, komme
dann wieder, lege mich wieder neben sie. Sie hat jetzt ihre Unterhose
ausgezogen, erzählt mir von ihrer Erfahrung während der Trennung. Ihren Typen. Sie
erzählt etwas darüber, wie sie sich verändert hat. Dass die wollten, dass sie
sich rasiert, untenrum. Das mochte sie früher nie. Ich gucke nach unten, sehe
ihre fast komplett rasierte Muschi. Nur ein kleines Stück ist noch übrig,
daneben sind kleine noch immer blutige Schnitte. Komisch. Ich will nichts mehr
als einfach in sie einzudringen, einfach mit ihr zu schlafen, wie früher, aber
es geht nicht. Ich kann nicht, ich kann nicht mehr. Ich habe Angst. Wer weiß
mit wem die alles geschlafen hat, während unserer Trennung, unserer Scheidung. Nicht
wie ich, der ich gar keinen Kontakt zu Frauen hatte, wirklich keinen, noch
nicht mal Ich umarme sie, aber kann nicht weitergehen, etwas hält mich davon
ab. Ohne Kondom. Um selbst mit Kondom
Es
geht nicht mehr. Die Unschuld ist weg. Und wenn die weg ist, dann ist alles
weg. Dann ist alles verloren. Dann sind wir verloren.
Samstag, 6. August 2016
Terror, Horror und Glück
Heute setzt er dem in Europa
mittlerweile fast alltäglichen Terror den Horror seines auch sehr alltäglichen Lebens
entgegen. Der heute gar nicht so schlimm ist. Zuerst läuft er und die Sonne
scheint schon jetzt, um halb zehn. Dann ein gutes Essen: Nudeln mit
Hackfleisch, Zwiebeln, Pilzen und roter Soße. Danach holt er sich einen runter.
Keine Ahnung, was er heute guckt. Diese russische Lolita, die locker 25 ist
oder diesen Pornokanal auf Twitter. Ich glaube Letzteres.
Aber vorher muss ich erst mal
auf Klo, denkt er. Et drückt. Und wenn et drückt, dann musst du (rheinisches
Sprichwort…nicht auf meinem Mist gewachsen, haha). Das ist so sicher wie das
Amen in der Kirche. Und einhalten kannst du auch nicht mehr. Nicht mehr so wie
früher. Nichts ist mehr so wie früher. Wo du als Jugendlicher in diesem Schullandheim
in der Eifel warst und geschlagene fünf Tage nicht auf Toilette warst. Groß,
meine ich. Klein natürlich schon, sonst wärst du ja geplatzt… Diese Zeiten sind
vorbei. Die guten alten Zeiten. Wo du noch jung und schön warst. Unschuldig… Heute
musst du froh sein, wenn du es morgens noch rechtzeitig aufs Klo schaffst, suu
wie et manschmal morjens drückt. Aber vorher nehme ich mir noch einen Teller
Nudeln mit. (Ich weiß gar nicht, was manche Leute haben?! Man kann wunderbar
auf Klo essen, vielleicht sogar besser als im Bett!) Und der Laptop muss
natürlich auch mit…Scheiße…Scheiße…der kleine, blaue Plastikhocker Hocker, den
ich immer auf den alten Küchenstuhl (ein Geschenk meiner Mutter!) vor der
Kloschüssel stelle, damit der Laptop ungefähr auf Augenhöge ist, steht noch in
der Küche. Scheiße. Immer das Gleiche. Also muss ich noch mal zurück, muss mit
zusammengekniffenen Arschbacken komplett nackt durch die halbe Wohnung rennen,
um ihn zu holen. Und Fliegen sind auch in der Wohnung. Zwei Stück, die verliebt
ihre Runden um die Deckenlampe im Schlafzimmer drehen. Noch… Mannomann. Wie ich
das hasse. Als ich endlich alles im Bad habe, was ich brauche (Essen, Computer…),
lege ich noch ein paar Blätter Klopapier ins Klo, damit es nicht spritzt und
los geht’s. Boah: Die Nudeln sind echt gut, heute! Das ist jetzt schon der
zweite Teller! Nudeln, dein Computer und kacken kannst du auch…was willst du eigentlich
noch mehr?!
Ich hätte María einladen
sollen. Aber ob sie gekommen wäre? An ihrem Mutterwochenende. Obwohl: Sie war
ja auch mit ihrer Mutter in Urlaub. Da hab ich sie ja auch nicht gesehen, ganze
zwei Wochen lang. Wer gibt mir diese zwei Wochen denn zurück. Niemand! Und bald
ist sie schon aus dem Haus und studiert irgendwo am Arsch der Welt und dann
sehe ich sie auch nicht mehr so oft. Oder?! Und ihre Mutter trifft sie bestimmt
auch, manchmal, unter der Woche. Wo sie eigentlich nur bei mir sein sollte, laut Wechselmodell. Er lacht laut und
denkt: Kontaktsperre, haha! (Ist natürlich nur ein Witz: Sie ist ja schon
Siebzehn, da kann sie machen, was sie will – wenn sie es wirklich will). Aber
irgendwie bleibt ihm dieser Witz immer halb im Hals stecken. Das ist echt alles
nicht mehr witzig, mit der Trennung und dieser ganze Scheiß. Aber gerade wenn
etwas nicht mehr witzig ist oder wird, gerade dann muss man drüber lachen…
Als er sich – nachdem schon
eine ganze Weile nichts mehr gekommen ist – den Arsch abwischt, denkt er: Ich
freue mich schon richtig auf die paja,
das Wichsen…nein, „Wichsen“ trifft es nicht, das klingt so hart, viel zu hart.
Aber „Runterholen“ klingt auch nicht besser! Das spanische Wort „paja“ heißt eigentlich wortwörtlich „Stroh“
oder „Strohhalm“! Aber gibt es keinen poetischeren Namen?! „Masturbation“ ist auch
zu klinisch rein, viel zu psychologisch. Darum geht es beim Runterholen nicht.
Sich die Möhre schälen, die Nudel reiben, das wäre gut. Wie die Nudeln, die du
gerade auf dem Klo gegessen hast… (Und selbst wenn Sie das jetzt nicht lustig
finden, lachen sollten Sie trotzdem, den sie wissen ja: Gerade wenn es nicht
mehr lustig ist, sollte man lachen…) Von der Kloschüssel aufstehend und
abdrückend, leckt er sogar den Teller noch ab, so gut waren die heute. Mit
Zwiebelchen und Pilzchen… Als er in den Spiegel guckt, sieht er, dass sein
ganzer Mund rot ist, dass er überall um den Mund noch Soße hat. Sogar an der
Nasenspitze. Geil! Es sind die kleinen Dinge, die einem Halt geben, in diesen
Zeiten, wo sich die großen Dinge zu verschieben drohen. Verrücken.
Er geht ins Schlafzimmer,
stellt den Laptop zurück aufs Bett und denkt: Jetzt geht’s los! Jetzt geht’s
los! Vorher trinkt er aber noch einen Schluck kalten Kaffee. Von gestern, im
Kühlschrank aufbewahrt. Geil! Eiskaffee sozusagen. Geil! Noch ein Käffchen
vorher (für kalten Kaffee gilt übrigens genau das Gleiche wie für Essen auf dem
Klo). Der kühlt seinen heißen Körper, seinen heißen Kopf!
Er legt sich mit freiem
Oberkörper ins Bett. Vor den Laptop, auf dem immer noch seine Serie zu sehen
ist. Heute haben die Zeitreisenden des Ministerio
del tiempo Miguel de Cervantes, den Autoren des Quijote, vor dem Selbstmord
bewahrt, den er begehen wollte, weil sein Theaterprojekt gescheitert war und er
sogar den Quijote verkauft hatte. Was Cervantes wohl heutzutage gemacht
hätte... Bloggen… Selbstmord begehen… Oder fürs Kino schreiben… Aber das ist
zweitrangig, denn…jetzt geht’s wirklich endlich los. Manchmal ist es besser
sich einen runterzuholen als Sex zu haben. Nur manchmal, ich weiß, aber wenn
man eh gerade keine Alternative hat – der letzte One-Night-Fuck ist schon etwas
länger her und die letzte Prostituierte auch (kein Geld, bald ist die
Scheidung!) – dann tut es auch das. Was soll man schon sonst machen?! Ihn in
die Tür einklemmen?! Versuchen, ihn zu vergessen. Dat jeht nit. Er klickt den
Cervantes weg und geht auf diese Seite, wo die ganzen Pornos sind. Will er
heute wieder eine Amateur-Frau? Eine alltägliche Frau? Der Unterbrechung des
Alltags durch Scheidung und Terror eine Amateur-Tante entgegensetzen?
Vielleicht. Mal sehen, was es gibt…ich lass mich überraschen. Und allein der
Gedanke daran, lässt schon den Saft in ihm aufsteigen, lässt dieses leichte
Kribbeln in ihm aufsteigen. Er guckt sich den Titel des ersten Videos an: Tina is a wet housewife… Mal sehen…so ne
fette Frau wär ja auch mal nicht schlecht. Aber den Ton muss er
runterschrauben. Beziehungsweise ganz ausstellen. Er hat das Fenster auf. Zwar
nur auf Kipp, aber trotzdem. Tina sieht irgendwie versaut aus, hat dicke
Titten. Gar nicht wie eine typische Hausfrau. Wenn er da so an seine Mutter
denkt… Aber bitte nicht unbedingt jetzt…Mannomannomann… Sie (Tina natürlich) legt
sich aufs Bett und ruft mit ihrem Zeigefinger den Mann zu sich. Zieht ihm die
Schuhe aus und reibt seine nackten Füße an ihren Titten. Geil! Wem’s gefällt…
Mir nicht so, also klicke ich vor. Jetzt…das ist schon besser. Sie hat nur noch
ihren BH an und er wird schon steif. Er selbst natürlich, nicht der Typ im
Video. Der vielleicht auch, wer weiß, aber sehen tut man noch nichts. Doch, der
ist steif und Tina ist halb-Asiatin. Und schon hat sie seinen langen, steifen
Schwanz im Mund. Lutscht, schleckt und leckt an diesem armen Mann rum als gäbe
es kein Morgen, als würde ihr das wirklich schmecken… Am Ende nimmt sie sogar
seine Eier in den Mund. Sie muss sich aber auch beeilen, denn das Video ist
gleich schon vorbei. Nur noch ein paar Minuten. Boah hat die fette Nippel! Man(n)
kann genau die Bikini-Linie sehen. So geil, diese Titten…mit diesen fetten
Nippeln… Er berührt seinen Penis durch die Shorts, zieht sich die Hose runter.
Sieht eh keiner, das Fenster geht ja auf den Hof hinaus, wo eh keiner
reinkommt. Wenn jemand will schon – das Tor ist auf – aber es will ja keiner.
Boah, hat der einen Prügel…Wahnsinn… Und während er das noch denkt, hat sie
sich schon auf ihn gesetzt und fängt an ihn zu reiten, mit ihrer fetten,
rasierten Muschi. Geil, ey! Das ist doch mal eine Muschi. Rasiert, aber
trotzdem noch mit sichtbarem, braunen Schatten (ein Dreitagebart?),
braungebrannt und nicht zu dünn (es heißt ja schließlich auch Venushügel!). Boah, das macht dem bestimmt
Spaß. Mir auch! Man kann sogar ihre Klitoris sehen, wie sie so auf ihm reitet
(was an sich ja ziemlich unspektakulär ist). Und ein Teil ihres Loches, als er
in sie eindringt und sie die Lippen ein bisschen beiseiteschiebt, damit man sie
besser sehen kann. Wie geil ist das denn, ey?! Tina hat’s drauf. Aber es ist
nicht nur das: Beim Reiten sieht man neben diesen Titten (die genau deswegen so
perfekt sind, weil sie eben nicht perfekt, sondern „echt“ aussehen – wie bei
einer richtigen Frau eben…), neben den baumelnden Titten sieht man auch ein bisschen
Bauchfett, ein paar kleine und mittelgroße, sonnengebräunte Speckröllchen… Und schon
fängst du an zu rubbeln, an deiner Möhre zu reiben. Und dann macht der Typ es
ihr auch noch von hinten… aber du wirst langsamer, weil du noch nicht kommen
willst…klickst wieder vor, bis er in ihrem Mund und auf ihren fetten, geilen
Titten kommt… Aber das ging jetzt zu schnell. Denn das willst du noch sehen,
noch mitnehmen. Wie er in ihrem Mund kommt… Aber am Ende bist du ein bisschen
enttäuscht. Denn man sieht gar nicht so viel: Sie lutscht und leckt immer
weiter und streckt irgendwann zum Beweis ihre Zunge aus, die unartige Tina,
aber es ist nicht wirklich viel zu sehen (vielleicht macht der Typ das ja schon
zum fünften Mal heute).
Also klickst du weiter. Zum
nächsten Video. Viel Bock auf Suchen hast du jetzt nicht mehr, denn du bist
schon vom ersten Video total erregt (vielleicht sind ja professionelle housewives wirklich besser als
Amateur-Tanten). Du liest Beautiful chicks dancing
and fucked in club. Das klingt doch ok. Im
Video sind ganz viele tanzende Frauen von hinten zu sehen. Die bewegen alle
ihre Ärsche und heben ihre Röcke eine hat sogar nichts drunter an, unter ihrem
hochgeschobenen Rock. Und dann geht es auch schon zur Sache. Dieser athletische
Typ, bei dem sogar der Penis muskulös un aufgepumpt wirkt, steckt ihn der
einfach so von hinten rein, hat sogar ihren Slip nur beiseitegeschoben- Boah,
vielleicht ist das ja echt ein Club, eine Disko, wo die das gefilmt haben. Aber
was für eine Disko bietet den männlichen (und weiblichen) Gästen denn so was?
Da will ich auch hin! Geil
Doch plötzlich erfährt deine
Erregung einen jähen Dämpfer. Denn du musst zu deinem Erstaunen feststellen,
dass du blutest.
Scheiße!
Scheiße, Mann!
Scheiße!
Rucke die guh, rucke die guh,
Blut ist…am Finger. Scheiße. Zwar nicht viel, aber genug. Das ist, weil du dich
da immer kratzt. Wenn du nachts von der Arbeit nach Hause kommt. Das hattest du
damals bei Nadine auch schon immer. Die Haut ist an dieser Stelle, direkt
unterhalb der Eichel, an diesem komischen Bändchen zwischen Eichel und Schaft
aber auch empfindlich… und es macht so viel Spaß, daran zu kratzen. Die Haut
ist da viel erregbarer als an anderen Stellen.
Das hast du jetzt davon! Selber
schuld!
Gedanken schießen dir durch den
Kopf, während der Porno weiterläuft. Wenn sich das jetzt entzündet…oder da
Dreck reinkommt…deine dreckigen Finger…
…dann ist es aus mit
Erregbarkeit…
Mann…
Aber egal, ich muss jetzt
fertig werden… Ich muss jetzt einfach kommen. Scheiß drauf!
Und das wirst du auch, nur ein
paar Augenblicke später…siehst das weißlich-gelbe Sperma in einem Schwall aus
deinem Penis kommen. In einem Spritzer fast. Drehst dich auf den Rücken, damit das
Bett nicht dreckig wird (das Bettlaken solltest du sowieso mal wieder
wechseln!), wartest noch einen Moment…genießt den Augenblick…das alltägliche
Glück, das dem alltäglichen Terror so gut es geht trotzt)…und stehst dann
schnell auf. Wobei du dir das halbe T-Shirt dreckig machst (dein schönes
Bayern-München-Triple-Shirt!). Zudem fällt beim Aufstehen auch noch ein Tropfen
Sperma auf die Matratze, aber das ist auch wirklich schwer zu verhindern,
besonders bei einem Tollpatsch wie dir. Wie immer! Diese kleinen Dinge des Alltags sind es, die…
…einen so abfucken
Im Bad geht es direkt unter die
Dusche. Das müsste eigentlich, hoffentlich reichen. Um einer Infektion,
Entzündung oder was auch immer vorzubeugen. Du nimmst dir die blaue Aldi-Seife vom
Waschbecken (das ist die Beste, die heißt glaub ich Meeresbrise…), stellst die
Brause an und reibst dir mit der Seife immer wieder über die Stelle (und wenn
die Seife jetzt dreckig ist…?). Das ist sozusagen das obligatorische Rubbeln nach
dem Rubbeln. Auch nicht zu viel, nicht zu lang…sonst entzündet sich das nachher
noch von der Seife!
Du trocknest dich ab (bah,
Sperma und Blut auf dem Handtuch…!) und gehst zurück ins Schlaf-/Wohnzimmer.
Scheiße, eine Unterhose findest du auch nicht, obwohl du den Korb mit der
sauberen Wäsche zweimal durchwühlst.
Willkommen im Alltag!
Willkommen zurück im Alltag!
Nachdem du dir die graue Shorts
angezogen hast, gehst du in die Küche und isst noch ein bisschen Hackfleisch,
direkt aus dem Topf.
Das ist echt geil geworden…
Und auch die Fliege ist wieder
da…
Imma wigga
Et jeht imma wigga
Die wird sterben
Sobald…
Dat Levve jeht imma wigga. Du
musst es nur genießen, das ist der Trick
Du musst es nur ein bisschen
genießen…
Und ich hab keine Unterhosen
mehr. Echt nicht, Scheiße!
Dann gehe ich eben in kurzer
Hose ohne Unterhose raus. Scheiß drauf! Sieht ja keiner. Weiß ja keiner. Imma
wigga
Sach isch ja…
Und die Fliege muss sterben…
Boah, heute hab ich sogar
Melone gegessen.
Mit Genuss schlage ich nach
ihr…
Mittwoch, 27. Juli 2016
E-Mail von ihm
Überwältigt von der
unerwarteten E-Mail seiner Tochter aus dem Urlaub, antwortet er natürlich
direkt. Keine zwei Tage später (ich hab die nicht gesehen, die E-Mail, wirklich, ich war
so mit dem Terror beschäftigt…außerdem hatte ich Angst, das Postfach zu öffnen und
feststellen zu müssen, dass sie mir gar nicht (buhuuu!!!) geschrieben hat, dass
sie mich einfach vergessen hat…). Also macht er sich direkt daran, eine Antwort zu verfassen.
Fehler!
Großer Fehler!
Viel zu schnell!
So weiß sie direkt, dass er
verzweifelt ist…wie verzweifelt er ist…dass er kein eigenes Leben hat.
Hat er ja auch nicht.
Dass er Angst hat, sie zu verlieren, sie auch noch zu verlieren, nachdem schon ihre Mutter gegangen ist...
Hat er ja auch.
Aber das musst du, äh, er ihr ja
auch nicht auf die Nase binden, oder?!
Er schreibt: Wann genau bist du denn wieder zurück? Schon
am Freitag? Oder erst - wie ich befürchte - am 30.? Habe dich vermisst - beim
Einkaufen besonders!
Natürlich will er – nachdem
sie zwei ganze Wochen weg war direkt Zeit mit ihr verbringen. Und nicht erst am Montag. Obwohl er genau weiß, dass er
am Wochenende arbeitet.
Aber am Sonntag nicht.
Man muss das Wechselmodell
ja nicht so bierernst nehmen, oder?! So am Wochenende mit ihr Laufen gehen, das
wär doch nicht schlecht (obwohl die dich tötet, beim Laufen!). Außerdem hab ich
ja auch nichts gesagt, als ihre Mutter sie für zwei Wochen nach Griechenland
entführt hat. Zu den Griechen und ihren komischen Vorlieben. Den alten Knabenführern
(boah, klingt das faschistisch, „Knabenführer“!), Erfindern der Päd…agogik.
Ihre Mutter hat sie ja jetzt zwei Wochen gesehen. Da kann sie ja die nächsten
vier Werktage (wie regulär!) + das Wochenende bei mir sein. Schließlich hab ich
sie ja geschlagene zwei Wochen nicht gesehen…
(Wahrscheinlich hat sie auf
keinen von beiden mehr Bock, aber das kann sie sich halt nicht aussuchen, da
muss sie jetzt durch – nur zur Erinnerung: ihre Mutter wollte die
Trennung/Scheidung, nicht ich!)
Ist das „wie ich befürchte“ nicht süß. Ein
bisschen gestelzt, aber doch süß.
Oder doch ein weiterer Marker
seiner Unlockerheit, Uncoolheit, seiner…Verzweiflung…seiner Angststörung…haha?!
Genauso süß wie das „hab dich vermisst“. Da hast du dich mal
wieder selbst übertroffen! Ich bin begeistert!
Aber findet eine 17-Jährige
das cool, so was von ihrem Vater zu hören?!
Aber er hat ja direkt ein cooles,
nonchalantes, lockeres, witziges, fast schon hippes „besonders beim Einkaufen“ angefügt.
Wie soll sie denn das
verstehen, dass er sie besonders beim
Einkaufen vermisst hat? Sonst nicht?! Sonst etwa nicht?! Und überhaupt:
Warum besonders beim Einkaufen. Sowas
sagt man doch einem Teenager nicht
Ach, scheiß doch drauf
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Standort:
Deutschland
E-Mail von dir
KI-generiertes Bild – erstellt mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz
Inmitten all des Terrors,
all der falschen und echten Alarmmeldungen, all der Gewalttaten in Deutschland
und Frankreich hat er fast übersehen, dass seine Tochter ihm geschrieben hat.
Seine Tochter hat ihm geschrieben!
Seine Tochter!
Seine Tochter!
Aus dem Urlaub.
Juhu!
Dienstag, 26. Juli 2016
Je suis: Toter Priester
KI-generiertes Bild – erstellt mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz
Er kommt kurz vor sieben nach
Hause, macht sich zwei Brote mit Fisch zum Abendessen. Und Ravioli. Schaltet
das Zweite ein.
Und sagt die heute
Moderatorin diesen Satz: Schon wieder Terror. Diesmal in Frankreich. Ein
Priester wird getötet. Und selbst die Moderatorin sieht geschockt aus, hört
sich geschockt an, als sie das sagt. Das hört man an ihrer Stimme
Standort:
Deutschland
Montag, 25. Juli 2016
Terror-Brennpunkt, Selbstfindung und saubere Wäsche
KI-generiertes Bild – erstellt mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz
Ich liege nur in Unterhose
im Bett. Das reicht heute locker. Und trotzdem schwitze ich. Wie ein Schwein,
die ganze Stirn ist nass. Das Handtuch für den Schweiß liegt neben mir, neben
dem Laptop, auf dem ich tipppe. Es ist so heiß, unglaublich. Ich gucke Fernsehen. Es läuft ein
weiterer Brennpunkt. Es geht um Ansbach, Reutlingen, München. Würzburg. So
viele Taten dieses Wochenende. In meiner größenwahnsinnigen, allmächtigen,
narzisstischen Denke entspricht das Chaos in meiner Umwelt dem Chaos in mir.
Aber ich weiß, dass das nicht stimmt… Und trotzdem…
Standort:
Deutschland
Samstag, 16. Juli 2016
Nizza und du
KI-generiertes Bild – erstellt mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz
Im Fernsehen reden sie über
den Nizza-Attentäter.
„…dass er ein
Kleinkrimineller war, vorbestraft, aber dass die Terrorüberwachung ihn nicht
auf dem Schirm hatte…“
Sie sagen, dass „es scheint,
dass sich der Mann sehr schnell radikalisiert hat…“
Sie reden von einem „psychisch
schwer gestörten Menschen“, der sich „vor kurzem von seiner Frau getrennt hat“,
mit ihr „drei Kinder hat“ (die bei ihr leben, nehme ich mal schwer an)…
…dass er „depressiv“ war, so
sagen es zumindest die Nachbarn, aber man muss da immer vorsichtig sein…
„…dass er immer komisch
geguckt hat und nie gegrüßt hat…“
„Wenn er cholerisch wurde,
schrie er und schlug um sich…“
„Vielleicht war der Täter
einfach ein ganz kaputter Mensch…“
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2016,
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Wutbürger
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