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Donnerstag, 10. August 2017

Kinder und Eltern in der Pubertät










Halt mal auf!“

Ich stehe mit der Mülltüte neben ihr, während sie sich eine Schale mit Joghurt, Apfel und Nüssen macht. Wie schön!
In der Hand habe ich die Schüssel mit ihrem Salat, mit Tomaten, Thunfisch und Gurke, die sie nicht mehr will:

Samstag, 25. Februar 2017

Online-Stalking: The German Gatsby






“…he stretched out his arms toward the dark water in a curious way, and,
far as I was from him, I could have sworn he was trembling. Involuntarily
I glanced seaward – and distinguished nothing except a single green light,
minute and far away…”

 “Gatsby believed in the green light, the orgastic future that year by year
recedes before us."

(F. Scott Fitzgerald - The Great Gatsby)










 

Das ist immer ein Fehler und das weißt du. Wie hat Einstein das noch mal gesagt: Ein verrückter ist der, der immer gegen die gleiche Wand rennt… Na und?! Scheiß doch drauf! Scheiß auf Einstein!

Du gibst den Namen bei Google ein: „Nadine F.“ In Anführungszeichen. Und obwohl der 1320 als Ergebniszahl anzeigt, sind das keine 1320 Ergebnisse, sondern immer noch nur drei mickrige Seiten. Toll! Die gleichen wie das letzte Mal. Partys. Latino-Feiern. Mexikanisches Finger-Food. Sie geht viel auf Partys. Oder kommentiert diese zumindest im Internet. Das ist also das Leben deiner Frau. Ein ganzes Leben. Stolze 45 Jahre davon. Auf drei mickrigen Seiten. Die später dann sogar noch zu zwei Seiten reduziert werden. Toll…

…während bei dir 292 neue Blog-Posts zu Buche schlagen.

…in denen auch nichts Neues steht…

Aber was wolltest du denn auch finden?! Ihre Heiratsanzeige?! Ja, ihre Heiratsanzeige wäre ein Anfang…

Doch etwas ist neu. Die Couchsurfing-Seite. Da ist sie neu angemeldet. Oder war sie das das letzte Mal auch schon? Das ist sogar mit Foto. Und DAS ist definitiv neu. DAS ist definitiv deine Frau. Deine Ex-Frau (con perdón). Ein bisschen älter (oder sah sie damals auch schon so alt aus?), ernster und ohne Lächeln. Abgespannter. Sind wir das nicht alle. Aber immer noch deine Frau. Beziehungsweise schon lange nicht mehr deine Frau. Willst du mit dieser Frau wirklich wieder zusammen sein? Willst du diese Frau wirklich zurück haben? Diese fremde Frau, die du gar nicht mehr kennst, die du vielleicht noch nie richtig gekannt hast, auch damals nicht…

Du fragst dich, ob das etwa das ist, was mit Marías Zimmer passiert, wenn sie unter der Woche bei dir ist. Schlafen dann da irgendwelche australischen Assis in ihrem Zimmer, die auch nach der vierten Weltumrundung noch immer nicht wissen, wo hinten und vorne ist. Mit schmierigen Rastazöpfen und dreckiger Unterwäsche. Den Rest  will ich mir gar nicht vorstellen.

Dann siehst du diesen Eindruck für die Karnevalsparty 2017. Der ist aktuell. Die findet morgen statt. Aha…da gehst du also morgen hin…

Einen Moment lang tut es leicht weh, aber nicht mehr wie früher…ist das jetzt gut oder schlecht?! Ich glaube gut. Besser. Früher wärst du direkt da hingegangen. Heute willst du Abstand. Vielleicht wolltest du ihr auch früher schon nicht mehr begegnen. Zumindest nicht so. Nicht auf diese Art und Weise. Gezwungenermaßen.

Auf jeden Fall macht mich das noch trauriger, dieses Nachspionieren im Cyberspace. Aber das wusste ich ja schon vorher. Das war mir klar. Nur hatte ich nicht die Kraft zu widerstehen.

Ich könnte da jetzt hingehen, morgen. Wenn ich die Kraft hätte…

Aber will ich sie überhaupt wiedersehen? Das Risiko eingehen, mir mein Idealbild, meine Glorifizierung unser wenig glorreichen Vergangenheit, vollends zu zerstören? Will ich das? Muss ich mir das wirklich geben?

„Das bringt doch eh nichts“, hörst du deinen Vater und deine Mutter im Chor sagen. Recht haben sie.

Hast du nicht die Trennung genauso herbeigeführt? Warst also nicht passiv, sondern aktiv? Hast sie aktiv aus deinem Leben gedrängt? Sie vor die Entscheidung gestellt: Entweder ich oder deine Familie. Oder der Rafael, dieser Hurensohn. Weil du glaubtest, dass sie sich nie und nimmer gegen dich entscheiden würde? Im Leben nicht…

Ach, leckt mich doch…leck mich doch…


Was wohl unter deinem Namen stände…

…wenn sie suchen würde…

Du weißt es nicht…

…du wirst dich jetzt wohl kaum selbst googeln.


Und wenn ihr jetzt beide – sozusagen simultan – im Internet nach dem anderen sucht?! Nach dem Anderen…


Ja, klar.




Vielleicht geht er ja doch morgen dahin. Trinkt die zwei Flaschen Wein und die kleine Flasche Sekt und geht dann da hin












Sonntag, 22. Januar 2017

Zum Erschießen komisch












Er geht von der Halle zum Bäcker. Plötzlich kommt ihm dieser Kunde entgegen, Zuerst erkennt er ihn gar nicht. Dann muss er es doch, denn er spricht ihn an, deutet auf seinen Körper und sagt irgendwas, was er nicht versteht. Selbst beim dritten Mal.

Irgendwas mit „Merzen.“

Und immer wieder deutet er auf seinen Bauch. Hab ich etwa vergessen, den Hosenstall zuzumachen, eben auf dem Klo, denkt er.

Aber dann versteht er ihn doch noch. Er meint „Schmerzen“! Nicht „Merzen“.

„Was ist los?“ fragt er. „Hast du Schmerzen?“

„Nein“, antwortet er dem Kunden verdutzt. „Warum?“

„Weil du gehst so…“ Er macht einen schwankenden Gang nach.

Echt?

Ne, eigentlich ist alles in Ordnung. So in Ordnung wie das eben nun mal sein kann, auf dieser Welt, in diesem Leben.

Nein, ich habe keine Schmerzen. Ich bin nur heute Morgen neun Kilometer durch den Wald gelaufen…ich werde doch nicht ein Humpeln entwickeln… Wie meine Mutter… die hat es auch an der Hüfte.

Doch dann, als er weitergeht, denkt er: Das passiert mir immer wieder. Das sich die Leute irgendwas aussuchen, irgendeine äußerliche Besonderheit und dann fragen, was mit ihm los sei. Keine Ahnung warum. Weil sie ihm helfen wollen? Weil sie ihn runtermachen wollen? Oder vielleicht, weil die Leute einfach so sind? Weil sie andere runtermachen müssen, um sich selber besser zu fühlen. Eine Eigenschaft, die besonders in Deutschland weit verbreitet zu sein scheint.

Er selbst macht das nie. Da könnte jemand blutend vor ihm stehen, leichenblass, er würde ihn nicht noch extra darauf hinweisen. Ja, ok, vielleicht nicht ganz so schlimm, aber trotzdem…

Aber vielleicht machen die das auch genau deswegen. Nämlich weil er es nie macht. Weil die sich bei ihm in Sicherheit wägen. Vor einem Gegenangriff. Ihn kann man ja kritisieren. Ihm seinen Gang, seine Gesichtsfarbe, seine Frisur vorwerfen. Er macht ja sowieso nichts…

Und irgendwie stimmt das auch. Aber echt! Wie der alte Mann, der ihm jedes Mal sagt, dass er das ja bewundern würde…wie er das schafft, trotz Bauch, obwohl er kräftig ist, von Ippendorf bis nach Tannenbusch zu laufen. In der Psychologie nennt man das passiv aggressiv. Man kleidet etwas Negatives in ein vermeintliches Kompliment, das aber bei näherem Hinsehen gar keins ist, sondern das genaue Gegenteil: eine Beleidigung.

Wie letztens der Typ, der ihm mit einem vermeintlich besorgtem Lächeln mitteilte: „Du bist aber blass heute! …richtig käsig. Echt!“

Und wenn er dann was Ehrliches sagt, nämlich zum Beispiel „Du siehst auch nicht aus wie das blühende Leben“, dann ist er der Böse. Weil das ja nur „lieb“ gemeint war. Doch nur „nett“ gemeint war. Klar! Und das obwohl der Typ vorher noch gesagt hat, dass er eine Gesichtsfarbe hätte wie das „eiskalte Händchen“ aus der Addams Family. Und dann noch gelacht hat über seinen exquisiten Humor, seine Subtilität, seine…was weiß ich. Aber war ja alles nicht so gemeint…

Er ist da ja viel zu sensibel. Förmlich hypersensibel. Ein kleines Sensibelchen, inklusive dickem Bauch (vom vielen „gutgemeinte-Anmerkungen-und-Witzeleien-in-sich-Hineinfressen“) und käsiger Gesichtsfarbe.

Aber wenn du das wirklich nur „nett“ (was für ein Wort beziehungsweise Unwort) gemeint hast, warum hast du dann nicht gefragt, ob wirklich alles in Ordnung ist, ob ich mich nicht erst einmal hinsetzen wolle, anstatt hier an der Theke für dich Kaffee zu machen und deinen Witzen auf Kosten der Mindestlohn-Angestellten zu lauschen, die noch nicht mal besonders witzig sind. Aber natürlich kann der auf Mindestlohn beschäftigte sich ja nicht wehren, weil er genau hier steht, hinter der Theke und du ja der „König“ Kunde bist. Es sei denn er rotzt, kackt, pisst dir in den Kaffee. Er geht runter auf Klo, steckt sich den Finger ganz tief in seinen seit mindestens drei Tagen nicht mehr geduschten Arsch (es ist ja Winter und viel zu kalt zum täglichen Duschen!), ohne sich die Hände zu waschen. Oder er geht runter auf Klo und holt sich einen runter, indem er dabei an deine Frau oder deine Tochter denkt und macht dir dann einen Kaffee (auch zum Händewaschen ist das Wasser unten im Keller viel zu kalt!). Oder, wenn du ihn wirklich abfuckst…

…die Freuden des kleinen Mannes. Der sich um Kunden wie dich kümmern muss und sich (vermeintlich) nicht wehren kann, weil du ja der König Kunde bist. Und glauben Sie mir: Die meisten meiner Körperflüssigkeiten sind nicht halb so blass wie mein Gesicht…wenn du weißt, was ich meine…


Oder bist du wirklich nur zu sensibel und das ist einfach nur ein Spiel. Eine Art Spiel, bei dem man den anderen testet, sozusagen seine Verteidigungsbereitschaft austestet, um zu sehen…

…um was zu sehen?

So wie Putin das immer mal wieder mit dem Westen, mit der Nato macht, indem er Flugzeuge absichtlich in den Flugraum einzelner Länder eindringen lässt, um zu sehen, ob und wie schnell sie abgefangen werden. Ist das also normales menschliches Verhalten? Einfach mal antesten, wie der reagiert… Wenn er mich danach in Grund und Boden redet oder zurückschießt, muss ich in Zukunft eben ein bisschen vorsichtiger sein, aber wenn er nichts macht, kann ich weiter machen?

Die Frage ist: Warum spielt er nach den Regeln, während sich keiner sonst dranhält?

Und genau in diesem Moment kommt der Afrikaner rein, lacht wie Eddie Murphy und sagt: „Du bist immer nur am Geldzählen, wenn ich dich sehe…bist du nervös oder was?!“

Aber keine Angst: Letztens hat er zurückgeschlagen: Da hat er zu dem alten Mann, der ihn mal wieder auf seine Plauze oder Plät („Glatze“ für nicht Ringländer) angesprochen hat, gesagt: „Du bist aber blass heute? Bist du krank? Hast du niedrigen Blutdruck? Oder geht es langsam dem Ende zu? Setz dich erst mal… Beruhig dich erst mal…

Nein, nur Spaß! Wir machen doch alle nur Spaß… Besonders hier, in der deutschen Spaß- und Juxgesellschaft…












Montag, 2. Januar 2017

Schlümpfe, smurfs und passive Aggressivität


Morgens, so 10 Uhr, kriegt er eine Nachricht von María. Geil, denkt er. Endlich, denkt er. Zuerst sieht er nur die Meldung, noch nicht die Richtung. Dann öffnet er sie und liest: Wann soll ich kommen?

Freitag, 16. Dezember 2016

Wiedersehen, Teil II



KI-generiertes Bild – erstellt mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz



Diesmal aber wirklich! Selbst wenn ich mir das das letzte Mal, das letzte Wiedersehen nur eingebildet habe, diesmal ist sie es wirklich. Nadine!

Ich gehe – wie immer nichts ahnend – durch die Unterführung am Bahnhof, um meinen Zug nach Rheinbach zu nehmen, den Blick halb gesenkt…und trotzdem…sehe ich sie. Plötzlich kommt sie mir entgegen. Face-on, wie der Engländer sagen würde. Frontal entgegen. Wie bei einem Frontalunfall. Kommt glaub ich gerade um die Ecke, die Rolltreppe von den Gleisen runter. Aus einem Zug aus Bad Godesberg? Oder aus Köln? Godesberg kann es ja nicht sein, die fahren ja von hier erst dahin. Also aus der Richtung Köln. Was macht sie denn da?

Dienstag, 11. Oktober 2016

(Nicht-)Kommunikationen

KI-generiertes Bild – erstellt mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz



Alles was ich sage ist sowieso irgendwie falsch. Also halte ich einfach die Klappe. Von jetzt an. Sage gar nichts mehr. Ich kann ja nichts richtig machen, egal was ich sage. Irgendwann merkt das sogar der Dümmste, der Naivste. Sprich: ich! Dann probieren wir eben mal die passiv-aggressive Schiene. Wenn nichts mehr funktioniert. Schweigen ist ja schließlich Gold. Selbst wenn man es benutzt, um andere zu manipulieren, um andere gefügig zu machen.

Sonntag, 17. Juli 2016

Gut angekommen I







KI-generiertes Bild – erstellt mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz


Abends, auf der Arbeit, öffnet er sein Google-Konto. Um zu gucken, ob seine Tochter ihm geschrieben hat. Keine Ahnung warum. Er hat nichts von einem Flugzeugabsturz gehört, also wird sie wohl gut angekommen sein. Keine Ahnung, warum er sich das antut. Er ist halt im Grunde seines Herzens ein Masochist. Manchmal auch ein Sado-Masochist, aber meistens eben nur Masochist. Was erwartet er eigentlich? Er ist natürlich nicht mitgefahren, nach Griechenland, weil er ja mittlerweile…lassen Sie mich nicht lügen…gute 16 Monate getrennt ist und heute endlich den Scheiß-Versorgungsausgleich in Angriff genommen hat. Also, was erwartet er. Details. Kann er haben: