Versuche mich seit letzter
Woche totzufressen. Bisher war ich noch nicht erfolgreich, aber ich arbeite dran...
Ein Blog über das Leben, die Liebe, Beziehungen, Verlust, Angst, Spaß, die Lust, die Lust am Schreiben,Südamerika, Musik, südamerikanische Frauen, die Liebe, Spanisch, Englisch, Schottland, Spanien, Deutschland, dat Rheinland, Kinder, Literatur, Vergänglichkeit, Arbeit, Politik, die Mafia, Urlaub, Gewalt, Verbrechen, Sex, große und kleine Gefühle und vieles, vieles, vieles mehr ...
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Donnerstag, 26. Oktober 2017
Montag, 23. Oktober 2017
Gott einen guten Mann sein lassen...
Er steht in der Sonne am Meckenheimer Busbahnhof und wartet auf den Bus nach Bad Godesberg, als ihm plötzlich dieser Gedanke kommt: Vielleicht hast du ja jetzt, heute die Gelassenheit, die dir damals abgegangen ist. Als du noch jung warst und Angst hattest, für immer eine Jungfrau zu bleiben. Der Himmel außerhalb des düsteren Haltestellenhäuschens aus Backstein mit seinem Holzdach und seinen dunklen Balken im Inneren ist so blau, dass er schon fast unheimlich anmutet, zumindest für Deutschland, wo er ganz sicher nicht dem klassischen Herbstwetter entspricht. Es ist wirklich keine einzige Wolke zu sehen. Noch nicht mal am Horizont. Nirgends. Fast schon symbolisch, denkt er: So als hätte Gott…
Sonntag, 27. August 2017
Angst vor dem Tod
Nach der Arbeit, als er an
der Bushaltestelle auf den Bus wartet, der ihn nach Hause bringen wird, denkt
er plötzlich, wie aus heiterem Himmel: Das ist schon komisch. Seit ich
getrennt/geschieden bin, muss ich gar nicht mehr an den Tod denken. Das heißt,
ich denke immer noch an den Tod, aber…
…aber ich habe nicht mehr
diese Panikattacken, die ich – als ich noch verheiratet war – dauernd hatte. Das
ist schon komisch, aber es stimmt. Die habe ich tatsächlich nicht mehr…diese
plötzlichen Angstattacken, die ich damals (trotz Nadine) dauernd hatte: beim
Laufen, abends allein im Bett neben ihr und auf der Arbeit. Das war schlimm!
Plötzlich ergriff mich diese vage, diffuse Angst oder Panik, dass ich irgendwann
sterben würde, nicht mehr da sein würde. Einmal nachdem ich nachts nach der
Arbeit im Wohnzimmer allein im Wohnzimmer diese Sendung, diesen Bericht über
Mumien in den peruanischen Anden geguckt habe. Aber es waren nicht nur die
Mumien, sondern auch andere Geschichtsreportagen, die dieses Gefühl
hervorriefen. Und ihre schlafende Anwesenheit neben mir im Bett half bei deren
Beseitigung. Denn dieses plötzliche Gefühl, diese plötzliche Gewissheit, dass
ich irgendwann einmal nicht mehr da sein würde, gar nicht mehr, nie mehr, dass
ich für immer tot sein würde, nie wieder zurückkehren würde, dieses Gefühl war
stärker als alles andere. Man konnte nur hoffen, schnell einzuschlafen (aber
selbst das war zutiefst ironisch) und wenn es einen draußen erwischte (wie
einmal beim Walken in der Nähe der Universität), musste man hoffen, schnell auf
andere Gedanken zu kommen. Das war ein schlimmes Gefühl. Man fühlte sich
irgendwie schwerelos (so als wäre der Körper zu leicht, um auf dieser Erde zu
verbleiben) und gleichzeitig wurde der Körper auf einmal so schwer wie ein
Gefängnis auf Erden, wie das Gefängnis auf Erden, das er im Endeffekt ja auch
war. Fast wurde ihm davon sogar schwindelig und er spürte immer diese Schwere,
diesen Druck in der Brust. Das waren zwar wahrscheinlich keine Panikattacken im
klassischen Sinn (was auch immer das ist), aber es waren doch im gewissen Sinne
Angstattacken, eine Angststörung, diese pure, reine, kondensierte Angst, die
man bekommt, wenn man merkt, dass der geliebte und zugleich verhasste Körper,
das gelebte Ich irgendwann nicht mehr da sein würde, einfach weg sein würde,
dass das Leben, an das man sich so klammerte, nie wieder da sein würde, einfach
von einem Moment auf den anderen ausgehen würde, ausgelöscht wurde. Nicht mit
einem Knall, sondern still. Dass man nicht mehr da war, nie wieder. Ich weiß,
das ist der Lauf der Dinge, ich weiß, aber trotzdem machte ihm das eine
Heidenangst. Immer und immer wieder. In regelmäßigen Abständen. Wie aus dem
Nichts. Oft versuchte er in diesen Momenten, diesen Augenblicken des Lebens
auszurechnen, wie viel Leben ihm wohl noch blieb: Er war jetzt 34, 35, 36, 37…
Die Hälfte war also um, so gut wie um, ohne, dass er es gemerkt hätte. Und es
würde mit fortschreitendem Alter bestimmt nicht besser werden… Man würde immer
mehr Lebensqualität verlieren…Jahr für Jahr…man würde unmerklich älter werden,
bis es irgendwann zu spät war…
Und heute, das hat er diese
Attacken irgendwie nicht mehr. Schon lange nicht mehr. Seltsam.
Einen Vorteil muss diese
ganze Scheiße ja haben, denkt er. Wenigstens ist die Angst vor dem langsamen,
aber sicheren Älterwerden und sterben all den Problemen gewichen, die jetzt
sein Leben beherrschen, im Würgegriff haben: den Geldsorgen, den Formularen, den
Sorgen um María und last but not least all
dem Liebeskummer, dem Schmerz, dem unendlichen Schmerz
Einen Vorteil muss dieser
ganze Scheiß, der mir passiert, ja haben! Ich denke nicht mehr (so viel) über
das Älterwerden nach
über den Tod
aber ist das überhaupt ein
Vorteil? Oder ist das so, weil ich innerlich schon tot bin? Hat sie mich etwa
schon getötet, ohne dass ich es bemerkt hätte. Ist mein Leben schon so schlimm,
dass selbst der Tod mich nicht mehr schocken kann, dass mir alles egal ist.
Oder ist es so, dass ich jetzt,
trotz allem, mich nicht mehr so eingeengt fühle, nicht mehr so eingeengt bin,
in einer Ehe mit einer Frau, die ich nie zu hundert Prozent geliebt habe. In
einem sozialen Umfeld, in dem es um Dinge ging, die ihm letzten Endes nichts
bedeuteten: Häuser, Autos, Möbel
(er weiß noch ganz genau,
wie viel Ärger er an diesem Samstag hatte, an dem er mit ihrer Freundin im
Auto, dass er und Nadine nicht hatte, nach Köln gefahren war, um sich Sofas
anzugucken, die er nicht wollte, die eh zu teuer waren oder nur billige
Notlösungen aus grobem Stoff und nicht aus schwarzem Leder wie sie ihm
gefielen…als er plötzlich zu Nadine und ihrer Freundin sagte, wie aus heiterem
Himmel: „Dann brauch ich mir ja nur noch einen Sarg kaufen, wenn ich das Sofa
nehme, dann kann ich mir ja gleich einen Sarg kaufen…“ Was natürlich nicht gut
ankam, mal ganz abgesehen, von seinem schlechten Gewissen, dem Sofa gegenüber
und den Leuten, die sich Mühe gemacht hatten, es herzustellen…ja, er hatte
damals tatsächlich ein schlechtes Gewissen dem Sofa gegenüber…das größer war
als sein schlechtes Gewissen seiner Ehefrau oder ihrer besten Freundin
gegenüber, die sich extra die Mühe gemacht hatte, sie nach Köln zu fahren
Ach, was weiß ich denn, ich
weiß nicht, ob das so besser ist oder nur einfach anders, denkt er, keine
Minute bevor der Bus kommt, der ihn in sein neues Zuhause, sein neues Leben
zurückbringt…
Samstag, 17. Juni 2017
Grüne Lämpchen am Ende des Tunnels
In M. steigt er extra ganz hinten
aus der Bahn aus. Dann brauch er nicht so weit zu laufen. Nur diesen langen Weg
an den Gleisen entlang und dann über die Schranke. Die um diese Zeit sowieso
nicht mehr zu geht. Neben ihm, hinter ihm steigen auch diese zwei Typen aus der
Bahn. Ausländer, Araber glaub ich, keine Ahnung, ob das Flüchtlinge sind. So
zwei junge Typen Anfang zwanzig, wenn überhaupt, mit Muskelshirts, aber ohne
die dazugehörigen Muskeln. Aber das ist ja egal, in diesem Alter. Am Anfang
will er sogar extra hinten rum gehen, durch die Unterführung, nur um denen aus
dem Weg zu gehen, weil die ihm komisch vorkommen. Aber dann entscheidet er sich
doch dafür, an ihnen vorbeizugehen. Die Faulheit siegt also am Ende. Oder die
Dummheit?
Die beiden bleiben an den
Gleisen, unter dem Pfeiler der geschlossenen Fußgängerbrücke stehen. Als er an
ihnen vorbeigeht, macht der eine so Affengeräusche. Wie ein Tier. Scheiße. Wenn
die ihm jetzt nachgehen…
Bis zum Bahnübergang sind es
ungefähr 200 Meter. Kein anderer nimmt diesen Weg. Nur er. Scheiße. Wenn die
mir jetzt hinterherkommen. Hier hört dich keiner schreien. Wenn du überhaupt
dazu kommst zu schreien. Mit deinem Laptop und deinem dicken Portemonnaie, dass
du auch noch dummerweise in der Gesäßtasche deiner Hose hast. Dafür sterbe ich,
für den Laptop… Hast du letztens auf der Arbeit gesagt. Zu Yasir. Ganz
großspurig. Aber auf der Arbeit hast du auch einen Alarmknopf. Und ein
funktionierendes Telefon. Bist du auf dem alten Telefon deiner Tochter (das du
bis auf weiteres mit dir führen musst, weil du blank wie der Arsch von Kim
Kardashian bist) die Nummer der Polizei gewählt hast, bist du schon lange tot –
es sei denn, du kannst sie zum Warten überreden. Hold on a sec, mate… Hier nicht, hier in freier Wildbahn, wo diese
beiden menschlichen Tiere deine Angst förmlich riechen können. Dann musst du
eben kämpfen, dich verteidigen. Du guckst du der leeren Bierflasche in der
Seitentasche deines Rucksacks. 8 Cent sind 8 Cent. Vielleicht könntest du dich
ja damit verteidigen. Vielleicht hat Gott dich die ja extra mitnehmen lassen.
Vielleicht hat Gott ja einen Plan mit dir. Oder ist alles nur Zufall, nur ein
einziger, brutaler Zufall? Du gehst schnell, extra schneller, damit du einen
Vorsprung hast, sollten sie doch noch hinter dir herkommen. Im Moment tut sich
zwar nichts, aber du weißt, dass sie dich im Ernstfall einholen würden. Du bist
nicht dünn und wendig wie sie, du bist ein Brecher; der am Ende seinen Mann
stehen und sich verteidigen muss. Du bist jetzt fast an der Schranke, fast am
Bahnübergang und traust dich gar nicht, dich umzudrehen, um nachzugucken, ob
die noch immer da stehen, unter den Stahlpfeilern, in sicherer Distanz? Das
Einzige, was du machen kannst, ist, in die Nacht hineinzuhorchen. Wie ein Hase,
mit seinen langen Ohren. Du gehst über die Schranke, über die breite Landstraße
und, auf der anderen Seite angekommen, denkst du: Wenn die jetzt kommen und
Ärger wollen, dann kriegen sie den ganzen Frust der letzten zwei Jahre, was sag
ich, der letzten zehn Jahre, ab. Aber es ist leichter, das auf der Arbeit zu
sagen, wo du gut behütet bist, da ist es leichter zu sagen: „Der soll ruhig
kommen. Dann kriegt er die ganze Wut, die ganze Frustration ab, die sich in mir
aufgestaut hat. Soll er ruhig kommen!“ Wahrscheinlich denkst du das eh nur,
weil du jetzt ziemlich sicher sein kannst, dass sie dir nicht gefolgt sind.
Kannst du das? Du bist mittlerweile beim Penny-Markt angekommen, gehst an dem Parkplatz
entlang, denkst: Hier sind überall Häuser. Wenn die dir jetzt doch noch
hinterherkommen, dann schreist du einfach wie bekloppt. Darin hast du ja Übung:
Das hast du schließlich deine gesamte Jugend Zuhause gemacht. (Was sollen denn
die Nachbarn denken – mir doch scheißegal! Ahhhhhhhh…) Dann gehst du irgendwo
rein, in einen dieser Hauseingänge und klingelst an allen Klingen Sturm –
solange, bis dir jemand aufmacht. Oder schreist mitten auf der Straße wie am
Spieß. Aber meinst du, dass dir wirklich jemand aufmachen würde, hier, in
dieser Seitenstraße, mitten in der Nacht in M.? Vielleicht würdest du gar nicht
dazu kommen, hier Sturm zu klingeln… Du gehst an einer Toreinfahrt vorbei und
denkst: Scheiße, hier könnte ich gar nicht klingeln. Wenn die jetzt kommen
würden müsste ich erst mal zum nächsten Haus laufen. Mitsamt Laptop und
Rucksack. Oder eben…kämpfen… Komm schon, du könntest das, nachdem du eben
diesen feurigen Hähnchen-Döner vom Türken. Den Griechen gibt es ja nicht mehr. Der hatte richtig Feuer dahinter. Da fingst du an zu schwitzen wie ein
Tier, in der Bahn. Das war dir schon peinlich, obwohl keiner bei dir auf/im
Sechser saß. Wie ein Tier! Sollen sie doch kommen! Trotzdem gehst du zügig über
die Hauptstraße unterhalb des Kreisels. Guckst dich noch ein letztes Mal um,
siehst aber niemanden. Selbst im Schein der Straßenlaterne auf der Ecke nicht.
Puh, das wäre geschafft!, denkst du, als du am Netto vorbeikommst. Die
Jugendlichen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Hier in M. Keine KKM!
KK-Mafia, mein fetter Arsch!
Fast bist du sogar ein
bisschen enttäuscht, haha. Dass du keine Chance hattest, deine angeschlagene
Männlichkeit in dieser lauen Sommernacht endlich mal unter Beweis zu stellen.
Ihnen den Kopf abzureißen und in ihren Hals zu pissen, diesen…
Um etwa zehn nach zwei
schließt er endlich die Wohnungstüre auf und ist Zuhause. Endlich! Doch kaum
ist er zur Tür rein, da fängt es in seinem Körper auch schon heftig an zu
drücken. Das hat er öfters. Kaum ist er da, muss er auch schon auf Klo. Aber
vorher noch schnell die Computertasche in Reichweite bringen, den Stuhl vor der
Kloschüssel in Stellung bringen und…das Internet einstöpseln – und das alles
mit zusammengekniffenen Arschbacken. Schließlich muss er ja noch nach seinem
Blog gucken. Doch dann sieht er plötzlich, dass das mit dem Internet gar nicht
mehr nötig ist. Denn alle grünen Lämpchen am Router leuchten bereits.
Komisch…ich könnte schwören…
…dass ich das heute
Nachmittag, als ich gegangen bin, ausgemacht hab. Um Strom zu sparen. Definitiv.
Da hab ich sogar noch daran gedacht, dass sich die Uhr am Herd nicht ausstellen
lässt und dadurch Tag und Nacht Strom frisst. Zwar nur kleine Mengen, aber das
läppert sich. Er ist sich fast 100%ig sicher, dass er den Internet-Stecker
rausgezogen hat. Oder war jemand hier? In seiner Abwesenheit? Werde ich langsam
etwa bekloppt? Er guckt sich um, bemerkt aber nichts Auffälliges. Außer das
Internet. Das hat er doch ausgemacht. Aber María hat doch gar keinen Schlüssel
– zumindest nicht für die Wohnungstür. Oder? Und wenn sie ihn nachgemacht hat?
Nein, das ist doch ein Sicherheitsschlüssel, den kann man doch gar nicht so
einfach, gar nicht so ohne Weiteres nachmachen lassen. Dazu brauch man doch die
Erlaubnis des Eigentümers. Oder nicht? Keine Ahnung.
…und wenn ihre Mutter den
nachgemacht hat. Und hier extra das Internet angelassen hat, um ihn in den
Wahnsinn zu treiben… Wie nennt man das noch mal in der Psychologie…? Gaslighting. Ja, Gaslighting, das ist es! Das kommt von irgendeinem Film, in dem ein
Verbrecher tatsächlich seine Ehefrau in den Wahnsinn treiben will oder treibt,
indem er permanent an ihrer Wahrnehmung zweifelt, Dinge verstellt
beziehungsweise absichtlich verlegt, ein ausgeschaltetes Router in der
Abwesenheit des Ex-Mannes wieder einschaltet etc… Oder eben die Existenz des
Gaslichtes, das Bella (was für ein schöner Name!) in dem Theaterstück sieht,
bezweifelt. Gaslighting eben. So
nennt man das in der Psychologie. Indem man dem Opfer, das wie er eh schon ein
bisschen labil ist, langsam den Glauben an die Dinge, so wie sie sind, an die
Realität selbst, nimmt.
Oder ist das doch nur Paranoia. Paranoia hervorgerufen durch die Realität seiner Trennung, die
sich nicht mit seinem Wunschdenken, seinen Sehnsüchten in Einklang bringen
lässt Es kann ja auch sein, dass er tatsächlich
vergessen hat, das Router auszuschalten, obwohl er sich felsenfest sicher
war, es ausgeschaltet zu haben. Um Strom zu sparen. Weil er Strom sparen will.
Weil er Strom sparen muss. Vergisst man dann so etwas? So etwas Wichtiges? Wenn
man die ganze Zeit daran denkt? Wenn man sogar noch an die ständig tickende Uhr
im Herd denkt?
Ich werd bekloppt, ich werd
langsam echt bekloppt, denkt er als er die grünen Lämpchen des Routers im
Dunkeln leuchten sieht.
Das ist ja hier fast schon
wie im großen Gatsby, wie das grüne Licht, das Gatsby meint auf der anderen
Seite des Sundes wahrzunehmen und das er mit seiner Geliebten, aber für immer
verlorenen Daisy assoziiert. Genau wie mit den beiden Typen eben. War das etwa
auch nur die Sehnsucht nach Gewalt, nach einem Befreiungsschlag – im wahrsten
Sinne des Wortes –, der Licht in das Dunkel seines Leben bringt…
…Morgen
laufen wir schneller, strecken die Arme weiter aus und einen schönen Tages, so
kämpfen wir weiter, wie Boote gegen den Strom. Und unablässig treibt es uns
zurück in die Vergangenheit…
Sie ist noch geblieben,
während ‒‒‒‒‒‒‒ schon weg ist.
Samstag, 10. Dezember 2016
Thunfisch, Käse und Penis
10.12.16 (noch 14 Tage bis Heiligabend
und genau 21, bis dieses Jahr, dieses annus
horribilis, endlich den Geist aufgibt, endlich vorbei ist)
Um zwei Uhr nachts kommst du nach Hause und
gehst schnurstracks und voller Erwartung in die Küche. Die ganze Busfahrt ist
dir dieser Käse, dieser Mozzarella durch den Kopf gegangen, den du noch hast.
Den du eigentlich auf die
Pizza machen wolltest (sonntags gibt es Pizza und samstags Nudeln mit
Hackfleisch und Sauce). Den du aber, wenn dich der Hunger übermannt, immer pur
isst. Die ganze Packung.
Du freust dich schon richtig
(in deinem anderweitig komplett freudlosen Leben ist dieser Käse einer der
wenigen Lichtblicke, eine der wenigen Freuden, die dir noch geblieben sind –
Essen ist eben der Käse, äh, der Sex des getrennten Mannes)
Aber dann, kaum hast du die
Kühlschranktür geöffnet, musst du feststellen, dass da kein Käse ist. Scheiße!
Dass er nicht mehr da ist. Hast du ihn etwa schon gegessen?! Bestimmt. Denn wo
soll er auch sonst sein?! Wo soll er anders sein als im Kühlschrank?! Oder hast
du ihn geistesabwesend im Wagen vergessen?! Selbst wenn: Dann ist er bestimmt
nicht mehr genießbar.
Kein Käse, Mannomann! Scheiße!
Nur Thunfisch (noch eine Dose). Und den wolltest du ja nicht essen. Denn der kommt
ja aus dem Westpazifik. Das heißt, der könnte ja an Fukushima vorbeigeschwommen
sein. Das könnte ja Atomfisch sein?! Meinst du, die kontrollieren alles, was
aus Japan oder dem Pazifik kommt mit dem Geigerzähler?! Wohl kaum. Ein Bissen
und du bist tot. Bist atomar verseucht. Leuchtest im Dunkeln. Verlierst deine
Haare (tust du ja auch so schon stark genug).
Aber warum wäre das eigentlich
so schlimm? Wenn du doch eh keinen Bock mehr hast? Keine Lust mehr auf dieses
Leben. Keine Lust mehr in diesem Leben. Was macht da schon so ein bisschen
Leuchten im Dunkeln?
Also machst du den Thunfisch
auf. Lässt ihn abtropfen, während du das Müsli, das Nuss-Honig Müsli berkst, das María dir übriggelassen hat. Für das das Gleiche gilt wie für den Thunfisch. Denn der Zucker im Müsli
ist nicht gut für deine Zähne, die du dir gerade noch auf der Arbeit geputzt
hast.
Aber was interessieren dich kaputte
Zähne, wenn du doch eh keinen Bock mehr hast. Wenn du doch eh irgendwann
sterben wirst? Und so gibt es rohen, teilweise noch (oder schon) roten
Thunfisch mit Nuss-Honig-Müsli vom Aldi. Und während der Thunfisch noch abtropft und du
das letzte gekochte Ei schon verzehrt hast, kratzt du dich genüsslich an deinem
Penis. Vielleich holst du dir ja sogar noch einen runter…aber erst nach dem
Essen
Sonntag, 16. Oktober 2016
Depression oder Angststörung
Der Kunde steht neben ihm und sagt wie
aus heiterem Himmel:
„Bist du sehr freundlich und netter
Mann…“
Echt?
Das schockt mich jetzt aber wirklich,
denkt er. Er weiß gar nicht, was er sagen soll.
Am Ende bringt er nur ein schüchternes „Danke“
hervor.
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