Er wusste nicht,
wer oder was es war, aber es war komisch. Das wusste er. Kaum war er in die
Hauptstraße eingebogen, da sah er es. Die Scheinwerfer, die ihn anzustarren
schienen, die direkt auf ihn gerichtet zu sein schienen, obwohl das Auto auf
der anderen Straßenseite stand und nicht auf seiner. Was hätte er gemacht, wenn
es auf seiner Seite gestanden hätte? Er wusste es nicht, aber dass es komisch
war, das wusste er. Und kaum war er näher gekommen, da fuhr das Auto auch schon
los. Setzte sich in Bewegung, in seine Richtung. Trotzdem sah er keinen Fahrer.
Oder eine Fahrerin? Warum habe ich nicht darauf geachtet, sagte er sich
hinterher. Aber in dem Moment…da achtete er nur auf die Farbe und Marke des
Autos. Ein silberfarbener VW Golf. So ein alter. Wie ihn seine Frau, äh, seine
Ex-Frau gehabt hatte. Aber in rot. Nicht silbern. Kein gutes Auto.
Ein Blog über das Leben, die Liebe, Beziehungen, Verlust, Angst, Spaß, die Lust, die Lust am Schreiben,Südamerika, Musik, südamerikanische Frauen, die Liebe, Spanisch, Englisch, Schottland, Spanien, Deutschland, dat Rheinland, Kinder, Literatur, Vergänglichkeit, Arbeit, Politik, die Mafia, Urlaub, Gewalt, Verbrechen, Sex, große und kleine Gefühle und vieles, vieles, vieles mehr ...
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Mittwoch, 31. Januar 2018
Samstag, 28. Oktober 2017
Visionen
"Wer Visionen hat,
soll zum Arzt gehen."
Helmut Schmidt
Am Maritim steigt eine Frau
in die Bahn ein, die von hinten voll aussieht wie Nadine. Wie Nadine früher
aussah, als sie noch Locken und einen Pferdeschwanz hatte, vor Jahren…
Hey, nicht dass das Nadine
ist!, denkt er.
Dienstag, 24. Oktober 2017
Adler-Olsen, Chigurh und das Schwarze Buch
Und wenn du lange in einen Abgrund blickst,
blickt der Abgrund auch in dich hinein
Friedrich Nietzsche
Ich gucke Adler-Olsen im
Zweiten. Habe ich letzte Woche auch schon gemacht. War auch letzte Woche schon
geil. Keine Ahnung, welche Folge besser war. Die heutige hieß Erlösung. War
wieder krass. Und ich frage mich: Wie kriegen die das hin? Wie kriegen die das
nur hin, die Skandinavier. Immer so nah an den menschlichen Abgrund zu gehen…
Samstag, 14. Oktober 2017
Schmutzige Wäsche
Beim Waschen fällt mir ein
Handtuch auf. Es ist eigentlich ein ganz normales Handtuch. Es ist weißgrau
(diese Farbe, die alle Handtücher nach einer Zeit so annehmen), aus Frottee (das,
wie bei allen Handtüchern nicht mehr ganz so flauschig ist wie am Anfang) und
hat auch die Standardgröße, die Handtücher in unserer genormten Welt nun mal so
haben (nicht groß genug, um deinen ganzen Körper darin einzuhüllen, aber groß
genug, um deine Scham zu bedecken, wenn du nicht gerade meinen Bauchumfang
hast…). Eigentlich ist es ein ganz normales Handtuch, wie ich sie jede Woche im
Wäschekeller aufhänge (na ja, fast jede, denn jede Woche wasche ich gar nicht).
Samstag, 2. September 2017
Zwischen Himmel und Erde
Hab dich lieb, Schatzi!
Schönes Wochenende!, steht auf dem Blatt Papier, dass ich ihr hinlege, kurz
bevor ich schlafen gehe. Mit ihrem Taschengeld. Für Morgen, wo ich
wahrscheinlich noch am Schlafen sein werde, wenn sie in die Schule muss.
Montag, 28. August 2017
Montag und die Tür zu einer anderen Welt
In der Unterführung steht
„Ihr Fotzen“ an der Wand. In kleinen, fiesen Buchstaben. Und direkt daneben „Kurdistan“. Der Typ, der aus der Bahn
aussteigt trägt ein T-Shirt, auf dem „The Good Die Young“ steht. In
silberner Glitzerschrift! Kaum ist er
ausgestiegen, da zündet er sich auch schon eine Zigarette an. So jung ist er ja
schließlich auch nicht mehr… Du auch nicht. Und du hast es schließlich auch
noch nicht hinter dir, genau wie er. Dieses Leben, diese Hölle, dieser Ritt auf
dem…ach, leckt mich doch! Dafür, dass er jung sterben will, verschwindet der
aber noch relativ schnell in der Gasse. Mit seinem Lederarmband und seinem
Drei-Tage-Bart. Er geht an der Polizei vorbei. Polizeiwache Rheinbach. Ich werd
das denen nie verzeihen denkt er. Die sind für mich gestorben. Die Staatsmacht.
Seit damals… Was für Arschlöcher. Aber es gibt keinen anderen Weg als an der
Wache vorbei. Durch den Raiffeisen-Tunnel hindurch zum Bücherschrank, vor dem
ein Buch auf dem Boden liegt. Er hebt es auf, aber keine zehn Sekunden später
fällt es fast wieder runter. Was für eine Scheiße!
Freitag, 7. Juli 2017
Schwarzer Blog (Kaffee, bitte!)
Eines Abends, alleine auf
der Arbeit, fasst er einen unglaublichen Plan... Vielleicht ist es ja die späte
Stunde oder seine in letzter Zeit fast schon chronische Übermüdung, die in dazu
bringen. Vielleicht ist es aber auch seine Einsamkeit, abends alleine hier in
der “Halle“, draußen ist es schon dunkel und im Fernsehen läuft die Berichterstattung
über die linken Ausschreitungen des „schwarzen Blocks“ in Hamburg.“Welcome to
hell“ lautet das Motto der teilweise vermummten Demonstranten und „Krawallmacher“,
wie der Reporter sie nennt. Und anders als die meisten Kommentare auf Twitter
steht er den Aktionen dieser „Chaoten“, „Zecken“ und „Autonomen“ nicht ganz s
feindselig gegenüber. Extra twittert er selbst nichts: Denn so würde er sich
nur den Zorn der rechtschaffenen, selbstgerechten und natürlich völlig
gewaltfreien Gutmenschen zuziehen, die mal wieder auf den Gutmenschen-Zug
aufspringen, obwohl dies ja eigentlich im Widerspruch zu ihrer linken Ideologie
stehen sollte. Das ist schon komisch: Er selbst, der politisch eher nicht so
weit links zu verorten ist, hat Verständnis für die Proteste. Man muss was
gegen die Ungerechtigkeiten auf der Welt und in Deutschland tun… Und wer hat
sich jemals von friedlichen Protesten umstimmen lassen…? Wir befinden uns hier
alle viel zu sehr in einer riesigen nationalen Komfortzone. Endlich mal jemand,
der zeigt, dass das deutsche Feuer noch nicht erloschen ist, dass wir nicht
alle Teil dieses heuchlerischen Weltgewissens sind, zu dem Deutschland
ideologisch verkommen zu sein scheint.
Es gibt noch Protest!
Es gibt wieder Protest…
…und das ist gut so!
Wir sind noch nicht alle
eingeschläfert worden.
Wenn er jetzt in Hamburg wäre…
(…er würde sich irgendwo
verkriechen, wo er sicher vor Polizei und Bekloppten ist…)
Protest gegen diese reichen
Arschlöcher, die anderen alles wegnehmen…
Dann fällt ihm plötzlich etwas auf. Heute
sitzt Yasir nicht dort, wo er sonst immer
den ganzen Abend sitzt. An der kleinen Sitzgruppe am Eingang. Der geht ihm so
auf die Eier, der Typ. Den ganzen Abend sitzt der da, spielt nicht (oder nur
auf seinem Handy, was laut eigener Aussage 1000€ gekostet haben soll – ich bin
begeistert!), starrt auf sein Handy, telefoniert auf Arabisch und setzt bei
manchen Gesprächen ein so schmieriges, so ekelhaftes (das ist sein
Lieblingswort auf Deutsch, „ekelhaft“) Lächeln auf, dass man gar nicht wissen
will, was er da gerade sagt. Nein, nicht die Automaten beziehungsweise die
Tatsache, dass sie dir nicht genug „geben“ sind „ekelhaft“, wie du es immer so
falsch sagst, nein, DU bist es! Das geht mir so auf die Eier, dass ich jetzt
jedes Mal, wenn der wieder in diesem unnachahmlichen harten und lauten
arabischen Tonfall einen KAFFEE haben will, bis 30 zähle, bevor ich überhaupt
aufstehe, um ihm einen zu machen. Was für ein Schmierer! Als Gott – oder in dem
seinen Fall Allah – die Schmierigkeit, die Aalglattheit verteilt hat, hat Yasir
bestimmt laut hier gerufen und Gott (oder Allah) war so erschrocken, dass er
ihm gleichen den ganzen Kübel gegeben hat. Aber das reicht noch nicht: Diese
kleinen passiv-aggressiven Boykott-Aktionen (ihn mit dem Kaffee warten lassen,
ihm nicht Hallo oder Tschüss zu sagen, in seiner Anwesenheit fast permanent die
Augen zu rollen) reichen ihm noch lange nicht. Besonders nach dem, was der
letztens wieder vom Stapel gelassen hat, als er ihn gefragt hat, ob er Slainté kennt. Und dann denkt er daran, dass vielleicht
genau dieser Kaffee, den Yasir so gerne so gebieterisch bei ihm ordert die
Lösung seines Problems sein könnte. Denn die Leute hinter der Bar haben auch
Macht, auch wenn die für den der letzte Dreck sein mögen. Die kann man auch
nicht einfach so verarschen. Ungestraft.
Wie diese schottische Kellnerin
aus Trainspotting, von Irvine Welsh, seinem Lieblingsschriftsteller.
Die den zudringlichen englischen Jungs aus gutem Hause, die sie plump anmachen
und sich an ihrer vermeintlichen Ohnmacht ergötzen, am Ende mehr von ihrem
Körper zuführt als sie jemals zu hoffen gewagt
hätten. Nämlich indem sie auf Toilette geht und ihren Tampon in die Suppe tunkt, die
sie bestellt haben. Ihren Wein mit Pipi versetzt. Ganz zu schweigen von der brown sauce… Lecker, ne?! Ja, Leute wie
du, die den ganzen Tag irgendwelche Arschlöcher bedienen, die ihnen nicht mal
genug Trinkgeld dafür geben, haben auch Macht. Man muss sie sich nur nehmen.
Macht kommt von machen. Wenn der das nächste Mal „Einen Kaffee, bitte…“ sagt,
in einem Ton, der das „bitte“ komplett unnötig macht, dann…Ja dann…
Was dann? Was könntest du
ihm denn da rein tun? Was könntest du denn da Schönes rein tun? Keine Ahnung…
…aber es ist ja noch eine
halbe Woche, bis zu deinem nächsten Dienst…
…viel Zeit zum Nachdenken…
…der Fantasie freien Lauf zu
lassen…
…damit es nicht nur bei
Körperflüssigkeiten oder -ausscheidungen bleibt…
Immerhin ist das hier nicht Trainspotting…
…sondern
die REALITÄT, die harte deutsche Realität
Mittwoch, 5. Juli 2017
Déjà-vu
Vielleicht wär genau jetzt –
jetzt, wo Nadine bei den Irländern auf
Abschlussfahrt ist –, vielleicht wär genau jetzt der richtige Moment für
Nadine, mich zu besuchen. Einfach hier vorbeizukommen. Mit mir zu reden. Mit
mir zu schlafen. Eine Nacht bei mir zu verbringen, von der María nichts
mitkriegen würde. Die sie nicht wieder in das Gefühlschaos unserer Trennung/Scheidung
stürzen würde, denkt er, als er im Bett wie immer vor dem Laptop liegt und
schreibt und denkt und rummacht…
Sonntag, 2. Juli 2017
Another Sunday Morning...
Vom Klo aufstehend ziehe ich
mir die schwarze Unterhose, die im Flur auf dem Boden liegt (wie ein
Vergewaltigungsopfer) wieder an, stelle den Stuhl mit dem Laptop in Flur, öffne
das Fenster an der Wohnungstür, das ich vorher auf Rücksicht auf die Empfindlichkeiten
meiner Nachbarn (die haben da, wo sich meine Klogerüche verflüchtigen würden,
genau ihre Küche) geschlossen habe, gehe am Herd vorbei, trinke etwas Hühnerbrühe
mit Knoblauchscheibchen direkt aus dem Topf, nehme diesen mit, stelle ihn mit
einer Flasche Mineralwasser (als Ausgleich zur salzigen Knoblauchbrühe) neben
meinem Bett ab, schließe den Computer wieder an und lege mich mit nacktem
Oberkörper davor. (Wo ist denn mein Trikot geblieben? Ach, egal!)
Freitag, 30. Juni 2017
H wie Hoffnungslosigkeit, Heulen und...
…aber dann kommt María an
dir vorbei…
Und du fühlst dich wieder
besser. Nur minimal, aber das reicht schon, um weiter zu leben, um wieder Hoffnung
zu schöpfen. Dieses Leben ist so Scheiße. Es zieht dich ganz tief runter und
gibt dir dann einen Funken Hoffnung.
Freitag, 9. Juni 2017
Mörderische Instinkte
Dieser Typ kommt an die Bar.
Der Ex-Soldat, der früher sogar in Afghanistan war und der jetzt Pathologie
studiert. Oder Gerichtsmedizin? Oder ist das das Gleiche? Während ich ihm einen
Cappuccino Choco mache, sehe ich ein Insekt oberhalb der Spüle, unter der Bar.
Ich hole mit dem Spüllappen aus und treffe es. Der Ex-Soldat guckt mich
erstaunt an und ich sage zur Erklärung: „Da war ein Tier…“
„Ach so…“, sagt er.
In diesem Moment fliegt das
Tier wieder, über der Spüle an der Wand entlang.
„Scheiße, hab ich doch nicht
erwischt…“, sage ich. „Ich dachte, ich hätte das erwischt…“
Er guckt dem Tier, eins
dieser langbeinigen Insekten, hinterher, wie es wegfliegt.
„Dann muss ich meine
mörderischen Instinkte doch woanders ausleben“, sage ich.
„Solange du sie nicht an mir
auslebst…“, erwidert er, halb lachend.
„Ne, du könntest dich ja
verteidigen…“
Ich gucke ihn an und meine
für eine Sekunde lang ein Blitzen in seinen Augen zu sehen. Dann gucke ich in
Richtung Yasir, der in der Nähe der Tür sitzt. Wieder nur den ganzen Abend hier
rumsitzt. Als wär das ein Wartesaal. Als würde er auf Godot warten. Oder auf
Allahot, in seinem Fall.
Ich gucke extra lang in
seine Richtung und sage: „Aber ich hätte da vielleicht jemanden…“
Er lacht, sagt: „Den Yasir?!“
„Ja. Der wär bestimmt gut…“
…
„Wir müssen ja alle klein
anfangen…“
„Irgendwann fangen wir alle
mal an…“
„Aber der geht ja nicht auf
Toilette…wenn der auf Toilette gehen würde…“
Meinst du echt, du würdest
den schaffen, den Yasir? Immerhin war der früher Polizist, ins seiner Heimat,
in Tunesien… Früher…
Jetzt nicht mehr.
Doch, ich glaube schon, dass
ich den schaffen würde. Der ist nur eine Labertasche. Ein Windbeutel. Allein wie
der letztens erzählt hat, dass er schon zweimal in seinem Leben eine Pistole am
Kopf hatte. Was für ein Angeber!
Zum Üben ist der genau
richtig. Aber du bist nicht so kampferfahren. Kampferprobt. Egal
Keine fünf Minuten bewegt
sich Yasir doch noch, geht zu einem Automaten vor der Kabine. Der Führerkabine.
Plötzlich stehe ich hinter ihm, gucke mir seinen dunkelblauen Anzug von hinten
an. Starre auf seinen Anzug, auf sein Haar, von hinten, denke: „Echt…das wär
gar nicht so abwegig… Jetzt ein Schlag, ein gezielter, harter Schlag in den
Nacken. Und dann…“
Wie hast du das früher immer
zu Nadine gesagt: „In einer Gesellschaft ohne Gesetze…
In
einer Gesellschaft ohne Gesetze…
wär der tot
oder ich
ne, der ganz sicher
als ich zum Wechsler gehe,
denke ich wieder an seinen Hinterkopf
du würdest ihn erlösen…du
würdest ihn vielleicht sogar erlösen…
sein Hinterkopf sein perfekt gestriegelter Anzug, das
weiße Hemd, was oben rausguckt, seine halbwegs breiten Schultern, nicht so
breit wie deine, aber
seine schwarz gefärbten
Haare
so viel Aufmerksamkeit hat
er schon seit Langem nicht mehr von einem Menschen bekommen
ob er das wohl weiß spürt irgendwo tief drinnen
Montag, 6. März 2017
ORIGINAL Salsa Tanznacht
Es ist Samstagnacht. Er
steht an der Bushaltestelle für den Nachtbus. Am Bonner Busbahnhof. Heute ist
der erste Samstag im Monat. Das heißt, dass im Sofa, der kleinen Disko keine 20 Meter von wo er steht. So nah,
dass er die Musik hören könnte. Wenn es nicht regnen würde. Nachts um halb
zwei. Anders als sonst bleibt er ganz vorne an der Haltestelle stehen. Nur
nicht zu nah an die Disko ran. Heute ist „Die ORIGINAL Salsa Tanznacht“.
Bestimmt ist Nadine da. Hoffentlich steht sie nicht gerade draußen. Sonst
könnte sie ihn nachher noch sehen. Und er weiß nicht, ob er das will. Ob er das
wirklich will…
Dienstag, 21. Februar 2017
Roma 2012 III
Ich
wusste gar nicht, was ich hier suchte, hier draußen in der lauen römischen
Nacht. Ein Hemd an. Auf alle Eventualitäten vorbereitet. Oder doch nicht? Ich
weiß es nicht mehr. Vielleicht hatte ich auch einfach nur meine Shorts an –
vielleicht sogar meine Strandshorts. Die mit den roten Blümchen. Keine Ahnung,
ob ich die damals schon hatte. Oder die weiße mit den roten Streifen. Die war
zumindest aus Stoff. Nicht wie die Blümchenshorts, die mehr eine Badehose als
eine richtige kurze Hose war. Ja, vielleicht hatte ich die ja damals noch,
diese weiße Shorts mit den verschiedenen vertikalen Streifen. Die mich immer
ein bisschen an ein Geschirrhandtuch aus der Küche erinnert hatte. Oder hatte
ich mir gar vor meinem nächtlichen Gefängnisausbruch eine lange Hose angezogen?
Wie hätte ich das vor Nadine rechtfertigen sollen. Wenn sie mich beim
Wiederkommen erwischt hätte. Morgens um vier, am Ende meines Freigangs. Als es
in Rom schon fast wieder hell wurde. Obwohl: Das lange Hemd hätte ich ihr
genauso wenig erklären können. Denn das war eins der eleganteren Sorte. Die ich
in Deutschland nicht zur Arbeit anzog. Aber in den Urlaub mitnahm. Keine Ahnung
warum. Um einen guten Eindruck zu hinterlassen. Wie in den 50ern und 60ern, wo
die Leute noch elegant, in Anzug und Krawatte geflogen sind. Und nicht wie
heute in Stranduniform und Sandalen mit Tennissocken. Keine Ahnung warum. Mein
Urlaub war etwas Besonderes. Der Urlaub mit meiner Familie. Diese fast schon
magisch anmutenden zwei Wochen im Jahr. Wenn es überhaupt zwei Wochen waren,
die ich, die wir uns leisteten. Keine Ahnung. Das war das Hemd mit den
verschlungenen Rosen auf schwarzem Stoff, das war richtig elegant. Das, wo man
immer aufpassen musste, dass nicht auf einmal der Knopf in der Mitte, in der
Mitte des Bauches aufging. Und man auf
einmal unfreiwillig bauchfrei spazieren ging. Mit Guckloch. Aus dem bei
genauerem Hinsehen schwarzbraune Brust und Bauchhaare quollen. Aber in Italien
waren die vielleicht gar nicht so ungewöhnlich… Die platzenden Knöpfe wahrscheinlich
aber schon, denn hier im Süden waren die Leute deutlich schlanker als in
Mittel- oder Nordeuropa. Nicht so viel Frustessen, mehr Strandtage und eine
mediterrane Diät trugen bestimmt zu dieser sprichwörtlichen bella figura der italienischen Männer
und Frauen bei. So viel Schwabbel-Wabbel wie bei mir und bei meinen Landsleuten
sah man hier auf jeden Fall nicht.
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