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Sonntag, 21. Januar 2018

Samstagnachts halb zwei in Deutschland II






Mein Freund war wieder sehr sozial. Der hat den ersten Preis für das Kostüm gewonnen. Das hat er dann einem Mädchen geschenkt, weil die so traurig war. Der ist so süß!“

„Fährt der erst um neun?“

„Ja.“

Donnerstag, 28. Dezember 2017

So ein Gefühl...








Plötzlich, während ich gerade im Bett liege und Coronation Street gucke (zwei geile Weihnachtsfolgen a 45:33min!), klingelt das Telefon. Ich springe aus dem Bett hoch wie von der Tarantel gestochen und renne in die Küche. Das ist bestimmt María. Mari. Ich weiß es einfach. Aber wo ist das verfickte Telefon bloß wieder hin? Immer die gleiche Scheiße! Die ganze Zeit suchst du nach irgendwelchem Scheiß. Mannomann. Zuerst gucke ich in der schwarzen Hose nach, die vor dem Herd liegt, aber da ist es nicht. Scheiße, Mann! Aber es hat doch hier geklingelt… Ja, es liegt auf dem Tisch. Und klingelt immer noch. Oder vibriert zumindest. Ein kurzer Blick auf das Display: Ja, Mari!

„Hi.“

„Hi. Ich komme ein bisschen später. So um neun oder zehn. Ich bin noch in Köln.“

„Okay… Du weißt ja, der letzte Zug fährt um 00:39!“

„Ja, aber solang brauch ich nicht.“

„Willst du denn noch was zum Essen? Soll ich noch was holen oder willst du morgen früh.“

„Das kann ich auch morgen früh.“

„Okay, aber gib nicht dein ganzes Geld aus, in Köln. Du musst sparen, für deinen Führerschein, du weißt das.“

„Ich habe nichts gekauft. Ich muss sparen. Ich war nur essen.“

„Essen kostet auch… Du musst den Führerschein machen, der ist wichtig. Ich weiß, wie das ist, ohne Führerschein.“

„Du hast doch einen Führerschein.“

„Ja, ich weiß: Aber ich weiß nicht, wo der ist und ich kann nicht fahren und ich habe kein Auto… Das ist wichtig. Aber wir schaffen das schon. Ich werde das Geld schon irgendwo herbekommen. I’m gonna rob a bank to get you the money.“

„Ja.“ Sie lacht. Oder lacht sie nicht.

„Ok, bis dann. Viel Spaß!“

„Bis dann.“

Ich weiß, wie das ist. Ich hätte auch gerne ein Auto, besonders hier draußen. Aber dann müsste ich wieder Fahrstunden nehmen und mir ein Auto kaufen und die Versicherung bezahlen… Kurz gesagt: Nicht drin. Außer ich verkaufe meine Seele an die italienische Mafia. Hier an der Eisdiele um die Ecke. Wo die jeden Tag, Sommer wie Winter draußen sitzen. Oder bei dem Italiener in Rheinbach. Den kennst du sogar von früher. Das war vielleicht eine Hassliebe… Oder ich gewinne im Lotto, haha.


Aber irgendwie gefiel mir das Gespräch nicht: Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sie mehr zu ihrer Mutter will, heute Abend, anstatt zu mir. Dass sie keinen Bock hat, nach Köln noch nach Meckenheim rauszufahren. Aber sie war ja schon gestern und vorgestern bei ihrer Mutter. Am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag! Weil ich arbeiten war, weil ich nicht anders konnte, nicht anders wollte, vergessen wollte, nicht feiern wollte, mit niemandem… Und da ist Arbeit immer noch das Beste. Und was soll sie denn auch alleine hier sitzen, am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag, während ich auf der Arbeit bin. Außerdem brauche ich nach der Scheidung mehr als jemals zuvor das Geld. Ich bin im mittleren Alter und brauch das Geld!

Vielleicht will sie ja mehr zu ihrer Mutter, ganz zu ihrer Mutter…das ist ja auch Stress für sie, dieses dauernde Hin und Her…

Ach, Quatsch


Dann muss sie mir das sagen. Ich werd den Teufel tun…


Wenn ich auf meine Gefühle hören würde…


Vielleicht will ihre Mutter sie ja auch mehr sehen… Vielleicht geht es ihrer Mutter ja auch nicht gut, dieses Jahr an Weihnachten…


Wenn ich auf meine Gefühle hören würde…






Samstag, 25. November 2017

Anruf seines Vaters














Auf einmal, im Bus, hat er ein komisches Gefühl. Er greift sich an die Hose. Ja, das ist sein Handy: Da ruft ihn jemand an… Er guckt auf das Display und kann seinen Augen kaum glauben. Da steht Bert. Scheiße, was ist das denn? Warum ruft der denn an? Er guckt noch mal auf das Display, um sich ganz sicher zu sein, aber natürlich ist er es. Scheiße. Es klingelt noch ein paar Mal (das heißt, es klingelt ja gar nicht, sondern vibriert nur) und dann ist Ruhe. Tatsache! Das war sein Vater! Was will der denn?! Keine Ahnung, aber da geh ich ganz sicher nicht dran. Vor allen Dingen nicht hier, im Bus. Eigentlich nirgendwo, nicht nach dem letzten Mal. Ich bin doch nicht blöd. 

Samstag, 10. Dezember 2016

Never forget...




Ich weiß noch, wo wir auf Gran Canaria waren. Ich weiß nicht mehr, ob das das erste Jahr war oder nicht. Das Jahr, in dem ich Patricia kennengelernt habe, oder das, wo sie zurückgekommen ist. Auf jeden Fall lief da dieses Lied. Von Take That. Die ich eigentlich hasste…oder hassen sollte, da meine Schwester total vernarrt in die war. Ihr ganzes Zimmer mit Postern von denen zugepflastert hatte. Ich weiß gar nicht mehr, wer ihr Favorit war. Ich glaube fast Robbie, dessen Lied Feel ich selbst später liebte. In meinen Zwanzigern. Als Robbie Williams so richtig berühmt war. Im Radio rauf und runter lief. Jedes Mal sang ich es mit. Bei jeder Gelegenheit. In der Disko, zu Hause, überall. Ich wollte auch etwas fühlen. Fühlen, dass ich lebte.

Weil ich es schon nicht mehr tat…?

Freitag, 21. Oktober 2016

Spring! Life on Mars









Am Freitagabend guckt er die DVD, die er sich ausgeliehen hat. Life on Mars. Er liebt das Ende der Serie. Wo Sam Tyler, der Polizist aus Manchester, der nach einem Autounfall im Jahr 1973 aufgewacht ist und jetzt wieder den Weg in die Gegenwart gefunden hat. Aber sich dort nicht mehr zurechtfindet. Und dann, weil er – wie er sagt – nichts mehr fühlt, vom Dach des Polizeihauptquartiers springt. Zurück ins Jahr 1973.


Keine Ahnung, warum ihn das immer so beindruckt hat, diese Szene. Wo er sagt: „Ich fühle nichts mehr…“ Als er eigentlich wieder Zuhause ist bei seiner Mutter, in der Gegenwart, in seinem alten Leben…

Wie er zu seiner Mutter sagt: „An diesem Ort war ich lebendiger als jemals zuvor… Ein Barmann hat mir einmal gesagt, dass man weiß, wenn man lebt…wenn man lebendig ist…und genauso weiß man auch, wenn man nicht mehr am Leben ist…weil man nichts mehr fühlt…“

Sich während einer Besprechung im Polizeirevier, als er gefragt wird „What do you feel, Sam?“ mit einem Brieföffner den Finger verletzt und sagt: „I can’t feel it.“


Was fühlst du? Ich kann es nicht mehr fühlen


Aufs Dach klettert und zu der Melodie von Bowies Life on Mars Anlauf nimmt und vom Dach springt.

Du hast es damals sogar Nadine vorgespielt. Und sie hat es nicht verstanden. Was du damit meintest. Wollte es nicht verstehen. Hat es einfach so weggewischt, wie fast alles, was du ihr gezeigt hast, was dich zutiefst beindruckt hat…und sie kalt gelassen hat…

Was stimmt da nicht zwischen euch? Die Chemie? Die chemische Zusammensetzung?


Wie der springt. Alles hinter sich lässt. Weil er nichts mehr fühlt, in seiner Gegenwart. Das ist heute aktueller als jemals zuvor…




Zu seiner großen Liebe – einer Polizistin aus 1973 – zurückfindet


und man weiß trotzdem bis zum Ende nicht, ob das nicht doch alles eine Illusion ist, als das Kind den Fernseher ausschaltet


für immer


er wollte immer auch springen, die Freiheit spüren, die man einen Moment vor dem Aufprall spüren muss

alles vergessen


Aber stattdessen schläft er nur ein, vor dem Fernseher, in dem wieder mal ein deutscher Krimi läuft, zu müde, um sich einen runterzuholen…











Sonntag, 21. August 2016

Alles Verarschung: Zwischen Schein und Sein







Heute musste er tatsächlich fast wieder heulen. Bei Cuéntame como pasó, einer seiner spanischen Serien – komischerweise sind es immer die spanischen, bei denen er heulen muss, bei denen die Emotionen ihn förmlich übermannen). Ich weiß, er ist auch von Natur aus schon ziemlich nah am Wasser gebaut, aber das heute war  wirklich etwas Besonderes.