An meinem Geburtstag, einem
kalten Tag im Februar, werde ich von meiner Tochter geweckt, die sich in der
Küche Buttergemüse von Aldi für die Schule macht. Und einen Bagel, im Ofen. Meine
Tochter, die irgendwas sagt, nuschelt, das ich nicht richtig verstehe.
Ein Blog über das Leben, die Liebe, Beziehungen, Verlust, Angst, Spaß, die Lust, die Lust am Schreiben,Südamerika, Musik, südamerikanische Frauen, die Liebe, Spanisch, Englisch, Schottland, Spanien, Deutschland, dat Rheinland, Kinder, Literatur, Vergänglichkeit, Arbeit, Politik, die Mafia, Urlaub, Gewalt, Verbrechen, Sex, große und kleine Gefühle und vieles, vieles, vieles mehr ...
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Donnerstag, 8. Februar 2018
Herzlichen Glückwunsch!
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Dienstag, 23. Januar 2018
Heiligabend (im Wechselmodell)
Schon um neun Uhr
irgendwas klingelt es. Fast schon Sturm. Auf jeden Fall nicht nur einmal. Nein,
keine Angst, die können dich nicht gepfändet haben, haha. Und die Polizei ist
es, soweit ich weiß, auch nicht. Also muss es wohl María sein. Und du hattest
noch gar keine Zeit, dir jetzt schon einen anzuzwitschern. Obwohl ich schon
wach bin, schon seit kurz nach acht. Obwohl ich gestern erst um halb vier ins
Bett gekommen bin. Nach der Arbeit war ich zwar schon um zwei zu Hause, aber da
ich heute frei hatte, dachte ich: Dann kannst du ja noch was machen. Dann
kannst du ja noch was fernsehen. Beziehungsweise Pornos im Internet gucken,
immer auf der Suche nach dem perfekten Porno.
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Donnerstag, 21. Dezember 2017
Drei Tage vor Weihnachten
Er hat sich direkt unterm Fenster
An einem Balken aufgehängt,
Man kann die Kirchenglocken von hier hören,
Wenn man ganz leise ist
Man kann die Kirchenglocken von hier hören,
Wenn man ganz leise ist
Ein Tagebuch liegt auf dem Tisch,
Der letzte Eintrag ist noch frisch
Nur einen Satz schrieb er groß und breit
Der letzte Eintrag ist noch frisch
Nur einen Satz schrieb er groß und breit
„Ich bin hier und Bethlehem ist weit
Frohe Weihnacht, ich hoffe es geht euch gut,
Seid nicht böse über meine Flucht
Ich schau' euch trotzdem von hier oben beim Feiern zu“
Seid nicht böse über meine Flucht
Ich schau' euch trotzdem von hier oben beim Feiern zu“
(Die Toten Hosen - "Weihnachstmann vom Dach")
„Hast du Geld?“
Sie steht am Kühlschrank,
holt die Knusper-Gockelchen raus, die du so liebst. Die von Aldi. Deine
Knusper-Gockelchen. Um sie sich zu machen. Ok, sie hat gefragt, aber… Zwei
Stück! Dann ist gleich keiner mehr übrig für dich. Oder nur einer. Da lohnt
sich ja fast nicht, den überhaupt zu machen. Um eins, nachdem du die 16 Stunden
Intervall-Fasten hinter dich gebracht hast, um die Kilos zu verlieren, die du
dir in der letzten Zeit angefressen hast. Bestimmt bist du wieder über hundert
Kilo. Hundertpro. Vielleicht sogar über 110.
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Montag, 18. Dezember 2017
Weihnachtsscheiß
Kann diesen ganzen
Weihnachtsscheiß einfach nicht mehr hören. Weihnachten hier, Weihnachten da.
Aber wenn man seine Tochter nur den halben Tag lang sieht, dann ist der Rest
des Heiligabends gelaufen. Am liebsten würde ich einfach abhauen. Nach Holland
fahren und kiffen gehen, keine Ahnung. Irgendwas, nur nicht das! Habe ich zu
Nadine auch schon gesagt: „An Heiligabend bin ich nicht da! Da fahre ich nach
Holland kiffen! Da kannst du bei deiner Mutter bleiben.“ Du kannst ja dann nach
Weihnachten kommen und dein Geschenk abholen. Ich weiß nicht mehr, was sie darauf
gesagt hat. Wie dieser Typ, von dem du heute gelesen hast. 100 Länder, 100 Frauen.
Das klingt geil. Aber das kriegst du mit deiner Bilanz von zwei Frauen in 40
Jahren eh nicht mehr hin. Aber versuchen kann ich es doch wenigstens…
Letztes Jahr war
ich stattdessen im Wald. Nachdem sie weg war. Selbst Patchwork hätte ich
bevorzugt, an Heiligabend. Ich und Rafael unter dem Baum. Auf der Toilette: Ich
drücke seinen Kopf in der Toilette unter Wasser. Wie diese Frau in dem Viva-Suecia-Video. Mit Gewalt und zusammengebissenen Zähnen. Mein Ex-Schwager Rafael
fällt die Treppe runter und seine Frau, meine Ex-Schwägerin gleich hinterher… Mari
packt ihr Geschenk (wie immer Geld, alles Materialisten!) aus und ich packe
ihre Mutter, mein Ex-Frau. Wir gehen ins Schlafzimmer, sie will nicht, aber was
interessiert mich das. Heute ist Heiligabend. Ho, ho, ho, guck mal wie groß der
Weihnachtsmann auf einmal ist! Auf einmal kommt ihre Schwester Slainté, meine
Ex-Schwägerin rein und es kommt zum Showdown. Zum letzten Gefecht sozusagen,
bei dem sie sich leider aus dem Fenster verabschiedet. Aber ist ja nur der
dritte Stock! Die schafft das, denn wie wir ja alle wissen: Unkraut vergeht
nicht! Und dann kann ich endlich, nach all den Jahren, etwas gegen mein
schwarzes Weihnachtsloch tun. Nadine wehrt sich auch nicht mehr, hat
eingesehen, dass diesmal der Weihnachtsmann stärker ist. Oder ihr doch ach so
lang unterdrückter Wunsch, wieder mal mit mir Christkind zu spielen. Ich hole
die Rute raus…
…und muss
unfreiwillig an vor zwei Jahren denken: Wo Mari in der Kirche plötzlich
umgekippt ist. Und danach trotzdem zu Mutter musste, wollte. Das ist so
traurig. Oder letztes Jahr, wo du an Heiligabend auf dem Venusberg durch den
Wald geirrt bist, um zu vergessen, dass sie weg ist, dass sie nicht mal mehr an
Heiligabend da ist, dass alles verloren ist. Wenn dir da jemand begegnet wäre,
dann hätte selbst die Gnade Gottes ihm oder ihr nicht geholfen. Warum tue ich
mir das alles eigentlich noch an? Um Nadine zu ärgern, die María die Hälfte des
Tages nicht sehen kann (was ihr nichts ausmacht, da sie eh mit ihrer Familie
und ihrem Schwager und ihrem neuen Stecher beschäftigt ist. Um meine Tochter wenigstens
einen halben Tag lang zu sehen (man gewöhnt sich wirklich an alles, aber an
das…?), wenigstens einen Menschen an Heiligabend zu haben, der einen sehen
will (viele Menschen in Deutschland haben noch nicht mal das, nachdem die 68er
das Land mit ihrem unbarmherzigen, nicht, nie, niemals nie zurück blickenden
Individualismus und all der Pseudo-Freiheit (die Roten oder die Blauen, mit
oder ohne Kohlensäure?) verwüstet hat.
In Volle Kanne
läuft das Spiel mit dem Weihnachtsmann. Wo Zuschauer anrufen müssen und sagen
müssen, wie oft sie den Weihnachtsmann in der Sendung gesehen haben. „Wie oft
war der Weihnachtsmann heute da?“, fragt der Moderator Ingo Nommsen. Einmal…und
er hat es nicht überlebt, möchtest du ihm ins Gesicht schreien. Sein Kopf hat
die Kloschüssel nicht überlebt. Aber das kannst du ja nicht. Denn an
Heiligabend läuft volle Kanne nicht. Weil Nommsen mit seiner Familie feiern
muss. Während du im Wald umherläufst und versuchst, ein Wildschwein mit bloßen
Händen zu erlegen. Oder dich von einem Wildschwein erlegen zu lassen, was immer
auch zuerst passiert. Du weißt noch, wie du die Dartscheibe im Keller
gegen die Wand gehauen hast, immer und immer wieder, bis sie ganz verbogen war
und du innerlich geweint hast. Du weißt noch, wie Mari letztes Jahr nicht
wollte, dass du sie zum Bahnhof begleitest, an Heiligabend, nach der Kirche,
keine Ahnung warum. Weil sie nicht wollte, dass du nachher noch mitkommst und
es Ärger. Du weißt noch, wie der Pfarrer in der Kirche davor, von der Frau
geredet hat, die von ihrem Mann verlassen wurde (was für ein Witz), die nicht
mehr ein noch aus wusste, heulend vor ihm saß, während ihr Mann den
Weihnachtsmann mordete, die Tanne in kleine Stückchen hackte und marodierend
durch den Wald streifte, auf der Suche nach einem Licht, nach einem Stern in
dieser dunklen, der ihm den Weg in sein altes Leben zurück wies. Aber da war
nichts, nur Dunkelheit, keine Sterne… du weißt noch, wie du extra für María ein
Steak gekauft hast, im Edeka, weil sie das wollte, wie du mit ihr
gekocht hast, während im Hintergrund die Toten Hosen liefen, mit Weihnachtsmann
vom Dach:
Hört mir irgendjemand zu?
Der Weihnachtsmann ist hier bei uns!
Er hängt auf dem Dachboden rum,
Ich glaube er braucht Hilfe und ist in Not
Der Weihnachtsmann ist hier bei uns!
Er hängt auf dem Dachboden rum,
Ich glaube er braucht Hilfe und ist in Not
„Frohe Weihnacht, ich hoffe es geht euch
gut,
Seid nicht böse über meine Flucht“
Seid nicht böse über meine Flucht“
Langsam schwingt er hin und her
Als wehte ein leichter Wind,
Im Rhythmus mit dem Kerzenlicht,
Das in der Ecke brennt
Als wehte ein leichter Wind,
Im Rhythmus mit dem Kerzenlicht,
Das in der Ecke brennt
Er hat sich direkt unterm Fenster
An einem Balken aufgehängt,
Man kann die Kirchenglocken von hier hören,
Wenn man ganz leise ist
An einem Balken aufgehängt,
Man kann die Kirchenglocken von hier hören,
Wenn man ganz leise ist
Ein Tagebuch liegt auf dem Tisch,
Der letzte Eintrag ist noch frisch
Nur einen Satz schrieb er groß und breit
„Ich bin hier und Bethlehem ist weit
Der letzte Eintrag ist noch frisch
Nur einen Satz schrieb er groß und breit
„Ich bin hier und Bethlehem ist weit
Frohe Weihnacht, ich hoffe es geht euch gut,
Seid nicht böse über meine Flucht
Ich schau' euch trotzdem von hier oben beim Feiern zu“
Seid nicht böse über meine Flucht
Ich schau' euch trotzdem von hier oben beim Feiern zu“
Du weißt noch…oder
wie Johnny Cash so ominös sagt: „I
remember everything…“
Ach, scheiß doch
drauf, dieses Weihnachten fahre ich nach Holland und gehe kiffen…
Dienstag, 22. November 2016
Dartscheibe zu Weihnachten
Im Aldi sehe ich sie, bei den
Weihnachtssachen. Bei den Weihnachtsgeschenken.
Und direkt wirft es mich zurück. Nach
damals, wo ich die Dartscheibe, die sie mir zu irgendeiner Gelegenheit – ich
glaube zu Weihnachten, war es unser letztes Weihnachten? – geschenkt hat und die ich aus Wut
zerschmettert habe. Obwohl ich die Pfeile bis heute habe. bis heute aufbewahre wie einen Schatz.
Wo ich die Dartscheibe im Keller gegen die Steinwand gehauen habe, bis sie ganz verbogen war. Bis sie kaputt war.
Wo ich die Dartscheibe im Keller gegen die Steinwand gehauen habe, bis sie ganz verbogen war. Bis sie kaputt war.
Früher als Kind hatte ich bei sowas
immer Mitleid. Das hat mich immer traurig gemacht. Ich hatte immer Mitleid mit
den Leuten, die sich Mühe gegeben haben, um die Sachen herzustellen, die andere
einfach kaputtgemacht, einfach so weggeworfen haben. Ich hatte sogar Mitleid
mit den Leuten, wenn jemand nur sagte, dass dies oder das Scheiße sei. Dann
dachte ich immer an die armen Leute, die das hergestellt hatten und die
bestimmt nicht wollten, dass man ihre Sachen als Scheiße bezeichnete. Einfach
so
Das tat mir immer Leid.
Wir haben immer nur Mitleid mit uns
selbst
Es ist wichtig, dass man sich selbst
bemitleidet
Da sind sie, haben sie sie. Die Dartscheiben,
die Nadine mir damals geschenkt hat. Die ich vor María gegen die Wand gehauen
hab. Immer wieder, bis sie kaputt war. In blinder, ohnmächtiger, kalkulierter
Wut. Genau wie die Weihnachtskugeln. Die Weihnachtsbaumkugeln. Die ich eine
nach der anderen kaputtgehauen hab. Als ich ausgezogen bin. Im Keller. Vor
María, für den Effekt
(ich hätte sie auch so kaputtgehauen
oder einfach weggeschmissen)
Da sind die Dartscheiben aus Plastik. Die
sie mir geschenkt hat, damals. Aus Liebe
Oder einfach so. Lieblos
Nur um etwas zu schenken
Keine Ahnung. Ich weiß es nicht. Und ich
werde es nie erfahren. Vielleicht war es ja eine Mischung aus beidem. Lieblose
Liebe. Liebevolle Lieblosigkeit.
War es Liebe
Oder nur irgendeinen Scheiß. Ein Geschenk,
nur um ein Geschenk zu haben. Ein Pflichtgeschenk zu Weihnachten. Ich habe nie
auf der Scheibe gespielt
Haben wir die ganze Zeit nur aneinander
vorbei gelebt
Auf jeden Fall flasht mich das voll. Die
Dartscheiben. Die ganzen Dartscheiben. Die darauf warten, gekauft zu werden,
verschenkt zu werden zu Weihnachten an zukünftige Ex-Ehemänner, die
nicht auf ihnen spielen und sie dann irgendwann gegen die Kellerwand hauen, bis
sie kaputt sind
(wer? Die Ehemänner oder die Scheiben?)
Kaum habe ich sie gesehen, fühle ich
mich so
so
kaputt
kaputt
ich sage gar nichts mehr. Lege wie
benommen die Sachen in den Einkaufswagen. Will eigentlich heulen, nur
losheulen, mitten im Supermarkt, wenn die Tränen doch kommen würden wie diese spanische Ehefrau
und Mutter in Amor, curiosidad, prozac y dudas (Liebe,
Neugier, Prozac und Zweifel). Die einfach so in der Schlange im Supermarkt
anfängt zu heulen
Weil sie eine depresión de caballo, eine „Depression wie ein Pferd“ hat
Ich bin wie vor den Kopf gestoßen
Draußen, an der Haltestelle hat jemand
ein Bild von einer Katze aufgehängt. In Plastikfolie. VERMISST. Aber
irgendjemand hat versucht, die Folie abzureißen, wegzureißen, so dass man die
Katze kaum noch sieht, so dass die Folie unten ganz zerfleddert ist, die
Telefonnummer kaum noch zu sehen ist
wenn jetzt jemand die Katze findet
VERMISST
VERMISST
Ich vermisse auch etwas, hänge mich aber
nicht an der Haltestelle auf
im kalten Novemberregen
in
the cold November rain…
…nothing
lasts forever…
Eine goldbraun getigerte Katze. Mit
Katzenaugen, die mich durch den Regen und die kaputte Plastikfolie angucken als könnte sie die Wahrheit sehen
ihr lilafarbenes Garfield-T-Shirt, das wir
damals in Spanien gekauft haben
VERMISST
Die kommt bestimmt nicht mehr zurück
die Katze
Die kommt bestimmt nicht mehr zurück
die Katze
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