Posts mit dem Label Weihnachten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Weihnachten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 8. Februar 2018

Herzlichen Glückwunsch!













 
An meinem Geburtstag, einem kalten Tag im Februar, werde ich von meiner Tochter geweckt, die sich in der Küche Buttergemüse von Aldi für die Schule macht. Und einen Bagel, im Ofen. Meine Tochter, die irgendwas sagt, nuschelt, das ich nicht richtig verstehe.

Dienstag, 23. Januar 2018

Heiligabend (im Wechselmodell)














Schon um neun Uhr irgendwas klingelt es. Fast schon Sturm. Auf jeden Fall nicht nur einmal. Nein, keine Angst, die können   dich nicht gepfändet haben, haha. Und die Polizei ist es, soweit ich weiß, auch nicht. Also   muss es wohl María sein.    Und du hattest noch gar keine Zeit, dir jetzt schon einen anzuzwitschern.   Obwohl ich schon wach bin, schon seit kurz nach acht. Obwohl ich  gestern erst um halb vier ins Bett gekommen bin. Nach der Arbeit war ich zwar schon um  zwei zu Hause, aber da ich heute frei hatte, dachte ich: Dann kannst du ja noch was machen.   Dann kannst du ja noch was fernsehen.    Beziehungsweise Pornos im Internet gucken, immer auf der    Suche nach dem perfekten Porno.

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Drei Tage vor Weihnachten


  
Er hat sich direkt unterm Fenster
An einem Balken aufgehängt,
Man kann die Kirchenglocken von hier hören,
Wenn man ganz leise ist 
Ein Tagebuch liegt auf dem Tisch,
Der letzte Eintrag ist noch frisch
Nur einen Satz schrieb er groß und breit
 
„Ich bin hier und Bethlehem ist weit
Frohe Weihnacht, ich hoffe es geht euch gut,
Seid nicht böse über meine Flucht
Ich schau' euch trotzdem von hier oben beim Feiern zu“
(Die Toten Hosen - "Weihnachstmann vom Dach")

  







Hast du Geld?“

Sie steht am Kühlschrank, holt die Knusper-Gockelchen raus, die du so liebst. Die von Aldi. Deine Knusper-Gockelchen. Um sie sich zu machen. Ok, sie hat gefragt, aber… Zwei Stück! Dann ist gleich keiner mehr übrig für dich. Oder nur einer. Da lohnt sich ja fast nicht, den überhaupt zu machen. Um eins, nachdem du die 16 Stunden Intervall-Fasten hinter dich gebracht hast, um die Kilos zu verlieren, die du dir in der letzten Zeit angefressen hast. Bestimmt bist du wieder über hundert Kilo. Hundertpro. Vielleicht sogar über 110.


Montag, 18. Dezember 2017

Weihnachtsscheiß












Kann diesen ganzen Weihnachtsscheiß einfach nicht mehr hören. Weihnachten hier, Weihnachten da. Aber wenn man seine Tochter nur den halben Tag lang sieht, dann ist der Rest des Heiligabends gelaufen. Am liebsten würde ich einfach abhauen. Nach Holland fahren und kiffen gehen, keine Ahnung. Irgendwas, nur nicht das! Habe ich zu Nadine auch schon gesagt: „An Heiligabend bin ich nicht da! Da fahre ich nach Holland kiffen! Da kannst du bei deiner Mutter bleiben.“ Du kannst ja dann nach Weihnachten kommen und dein Geschenk abholen. Ich weiß nicht mehr, was sie darauf gesagt hat. Wie dieser Typ, von dem du heute gelesen hast. 100 Länder, 100 Frauen. Das klingt geil. Aber das kriegst du mit deiner Bilanz von zwei Frauen in 40 Jahren eh nicht mehr hin. Aber versuchen kann ich es doch wenigstens…

Letztes Jahr war ich stattdessen im Wald. Nachdem sie weg war. Selbst Patchwork hätte ich bevorzugt, an Heiligabend. Ich und Rafael unter dem Baum. Auf der Toilette: Ich drücke seinen Kopf in der Toilette unter Wasser. Wie diese Frau in dem Viva-Suecia-Video. Mit Gewalt und zusammengebissenen Zähnen. Mein Ex-Schwager Rafael fällt die Treppe runter und seine Frau, meine Ex-Schwägerin gleich hinterher… Mari packt ihr Geschenk (wie immer Geld, alles Materialisten!) aus und ich packe ihre Mutter, mein Ex-Frau. Wir gehen ins Schlafzimmer, sie will nicht, aber was interessiert mich das. Heute ist Heiligabend. Ho, ho, ho, guck mal wie groß der Weihnachtsmann auf einmal ist! Auf einmal kommt ihre Schwester Slainté, meine Ex-Schwägerin rein und es kommt zum Showdown. Zum letzten Gefecht sozusagen, bei dem sie sich leider aus dem Fenster verabschiedet. Aber ist ja nur der dritte Stock! Die schafft das, denn wie wir ja alle wissen: Unkraut vergeht nicht! Und dann kann ich endlich, nach all den Jahren, etwas gegen mein schwarzes Weihnachtsloch tun. Nadine wehrt sich auch nicht mehr, hat eingesehen, dass diesmal der Weihnachtsmann stärker ist. Oder ihr doch ach so lang unterdrückter Wunsch, wieder mal mit mir Christkind zu spielen. Ich hole die Rute raus…

…und muss unfreiwillig an vor zwei Jahren denken: Wo Mari in der Kirche plötzlich umgekippt ist. Und danach trotzdem zu Mutter musste, wollte. Das ist so traurig. Oder letztes Jahr, wo du an Heiligabend auf dem Venusberg durch den Wald geirrt bist, um zu vergessen, dass sie weg ist, dass sie nicht mal mehr an Heiligabend da ist, dass alles verloren ist. Wenn dir da jemand begegnet wäre, dann hätte selbst die Gnade Gottes ihm oder ihr nicht geholfen. Warum tue ich mir das alles eigentlich noch an? Um Nadine zu ärgern, die María die Hälfte des Tages nicht sehen kann (was ihr nichts ausmacht, da sie eh mit ihrer Familie und ihrem Schwager und ihrem neuen Stecher beschäftigt ist. Um meine Tochter wenigstens einen halben Tag lang zu sehen (man gewöhnt sich wirklich an alles, aber an das…?), wenigstens einen Menschen an Heiligabend zu haben, der einen sehen will (viele Menschen in Deutschland haben noch nicht mal das, nachdem die 68er das Land mit ihrem unbarmherzigen, nicht, nie, niemals nie zurück blickenden Individualismus und all der Pseudo-Freiheit (die Roten oder die Blauen, mit oder ohne Kohlensäure?) verwüstet hat.

In Volle Kanne läuft das Spiel mit dem Weihnachtsmann. Wo Zuschauer anrufen müssen und sagen müssen, wie oft sie den Weihnachtsmann in der Sendung gesehen haben. „Wie oft war der Weihnachtsmann heute da?“, fragt der Moderator Ingo Nommsen. Einmal…und er hat es nicht überlebt, möchtest du ihm ins Gesicht schreien. Sein Kopf hat die Kloschüssel nicht überlebt. Aber das kannst du ja nicht. Denn an Heiligabend läuft volle Kanne nicht. Weil Nommsen mit seiner Familie feiern muss. Während du im Wald umherläufst und versuchst, ein Wildschwein mit bloßen Händen zu erlegen. Oder dich von einem Wildschwein erlegen zu lassen, was immer auch zuerst passiert. Du weißt noch, wie du die Dartscheibe im Keller gegen die Wand gehauen hast, immer und immer wieder, bis sie ganz verbogen war und du innerlich geweint hast. Du weißt noch, wie Mari letztes Jahr nicht wollte, dass du sie zum Bahnhof begleitest, an Heiligabend, nach der Kirche, keine Ahnung warum. Weil sie nicht wollte, dass du nachher noch mitkommst und es Ärger. Du weißt noch, wie der Pfarrer in der Kirche davor, von der Frau geredet hat, die von ihrem Mann verlassen wurde (was für ein Witz), die nicht mehr ein noch aus wusste, heulend vor ihm saß, während ihr Mann den Weihnachtsmann mordete, die Tanne in kleine Stückchen hackte und marodierend durch den Wald streifte, auf der Suche nach einem Licht, nach einem Stern in dieser dunklen, der ihm den Weg in sein altes Leben zurück wies. Aber da war nichts, nur Dunkelheit, keine Sterne… du weißt noch, wie du extra für María ein Steak gekauft hast, im Edeka, weil sie das wollte, wie du mit ihr gekocht hast, während im Hintergrund die Toten Hosen liefen, mit Weihnachtsmann vom Dach:

Hört mir irgendjemand zu?
Der Weihnachtsmann ist hier bei uns!
Er hängt auf dem Dachboden rum,
Ich glaube er braucht Hilfe und ist in Not

„Frohe Weihnacht, ich hoffe es geht euch gut,
Seid nicht böse über meine Flucht“

Langsam schwingt er hin und her
Als wehte ein leichter Wind,
Im Rhythmus mit dem Kerzenlicht,
Das in der Ecke brennt

Er hat sich direkt unterm Fenster
An einem Balken aufgehängt,
Man kann die Kirchenglocken von hier hören,
Wenn man ganz leise ist

Ein Tagebuch liegt auf dem Tisch,
Der letzte Eintrag ist noch frisch
Nur einen Satz schrieb er groß und breit
„Ich bin hier und Bethlehem ist weit

Frohe Weihnacht, ich hoffe es geht euch gut,
Seid nicht böse über meine Flucht
Ich schau' euch trotzdem von hier oben beim Feiern zu“


Du weißt noch…oder wie Johnny Cash so ominös sagt: „I remember everything…“

Ach, scheiß doch drauf, dieses Weihnachten fahre ich nach Holland und gehe kiffen…












Dienstag, 22. November 2016

Dartscheibe zu Weihnachten








Im Aldi sehe ich sie, bei den Weihnachtssachen. Bei den Weihnachtsgeschenken.

Und direkt wirft es mich zurück. Nach damals, wo ich die Dartscheibe, die sie mir zu irgendeiner Gelegenheit – ich glaube zu Weihnachten, war es unser letztes Weihnachten? – geschenkt hat und die ich aus Wut zerschmettert habe. Obwohl ich die Pfeile bis heute habe. bis heute aufbewahre wie einen Schatz. 

Wo ich die Dartscheibe im Keller gegen die Steinwand gehauen habe, bis sie ganz verbogen war. Bis sie kaputt war.



Früher als Kind hatte ich bei sowas immer Mitleid. Das hat mich immer traurig gemacht. Ich hatte immer Mitleid mit den Leuten, die sich Mühe gegeben haben, um die Sachen herzustellen, die andere einfach kaputtgemacht, einfach so weggeworfen haben. Ich hatte sogar Mitleid mit den Leuten, wenn jemand nur sagte, dass dies oder das Scheiße sei. Dann dachte ich immer an die armen Leute, die das hergestellt hatten und die bestimmt nicht wollten, dass man ihre Sachen als Scheiße bezeichnete. Einfach so

Das tat mir immer Leid.

Wir haben immer nur Mitleid mit uns selbst

Es ist wichtig, dass man sich selbst bemitleidet



Da sind sie, haben sie sie. Die Dartscheiben, die Nadine mir damals geschenkt hat. Die ich vor María gegen die Wand gehauen hab. Immer wieder, bis sie kaputt war. In blinder, ohnmächtiger, kalkulierter Wut. Genau wie die Weihnachtskugeln. Die Weihnachtsbaumkugeln. Die ich eine nach der anderen kaputtgehauen hab. Als ich ausgezogen bin. Im Keller. Vor María, für den Effekt

(ich hätte sie auch so kaputtgehauen oder einfach weggeschmissen)

Da sind die Dartscheiben aus Plastik. Die sie mir geschenkt hat, damals. Aus Liebe

Oder einfach so. Lieblos

Nur um etwas zu schenken

Keine Ahnung. Ich weiß es nicht. Und ich werde es nie erfahren. Vielleicht war es ja eine Mischung aus beidem. Lieblose Liebe. Liebevolle Lieblosigkeit.

War es Liebe

Oder nur irgendeinen Scheiß. Ein Geschenk, nur um ein Geschenk zu haben. Ein Pflichtgeschenk zu Weihnachten. Ich habe nie auf der Scheibe gespielt

Haben wir die ganze Zeit nur aneinander vorbei gelebt


Auf jeden Fall flasht mich das voll. Die Dartscheiben. Die ganzen Dartscheiben. Die darauf warten, gekauft zu werden, verschenkt zu werden       zu Weihnachten                 an zukünftige Ex-Ehemänner, die nicht auf ihnen spielen und sie dann irgendwann gegen die Kellerwand hauen, bis sie kaputt sind

(wer? Die Ehemänner oder die Scheiben?)

Kaum habe ich sie gesehen, fühle ich mich so

so

kaputt


kaputt



ich sage gar nichts mehr. Lege wie benommen die Sachen in den Einkaufswagen. Will eigentlich heulen, nur losheulen, mitten im Supermarkt, wenn die Tränen doch kommen würden                      wie diese spanische Ehefrau und Mutter in Amor, curiosidad, prozac y dudas (Liebe, Neugier, Prozac und Zweifel). Die einfach so in der Schlange im Supermarkt anfängt zu heulen

Weil sie eine depresión de caballo, eine „Depression wie ein Pferd“ hat


Ich bin wie vor den Kopf gestoßen


Draußen, an der Haltestelle hat jemand ein Bild von einer Katze aufgehängt. In Plastikfolie. VERMISST. Aber irgendjemand hat versucht, die Folie abzureißen, wegzureißen, so dass man die Katze kaum noch sieht, so dass die Folie unten ganz zerfleddert ist, die Telefonnummer kaum noch zu sehen ist

wenn jetzt jemand die Katze findet

VERMISST


VERMISST


Ich vermisse auch etwas, hänge mich aber nicht an der Haltestelle auf




im kalten Novemberregen


in the cold November rain…

…nothing lasts forever…

Eine goldbraun getigerte Katze. Mit Katzenaugen, die mich durch den Regen und die kaputte Plastikfolie angucken                    als könnte sie die Wahrheit sehen



ihr lilafarbenes Garfield-T-Shirt, das wir damals in Spanien gekauft haben




VERMISST




Die kommt bestimmt nicht mehr zurück




die Katze