Donnerstag, 14. März 2019

Anziehungskraft - Atracción Fatal


"Con una mujer sólo se pueden hacer tres cosas: amarla, sufrirla o convertirla en literatura


Henry Miller



"Pensando, reflexionando, aprendiendo 
lentamente: Si sólo me fijo en los 
problemas de la otra persona, en
sus defectos, pierdo ese "spass" 
alemán tan existencial, esencial y 
me deprivo de lo que realmente 
quiero en esta vida:
diversión, sexo y amor..."





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Und so fuhr er zum Flughafen, um sie abzuholen. Sie erkannte ihn direkt, lächelte, als sie ihn sah. Ein bisschen schüchtern, ein bisschen verschmitzt. Doch anstatt sie zu umarmen, wie er es ihr tausendmal auf Twitter geschrieben hatte, küsste er sie. Eigentlich sollte es ja nur einer dieser Küsse auf die Wange werden, auf beide Wangen, wie man das in manchen Ländern so macht, aber irgendwie verrutschte er, oder sie, und seine Lippen landeten auf ihren. Am Anfang küssten sie sich nur zaghaft, so als müssten sie erstmal ein Gefühl für den anderen, für die Lippen des anderen finden, doch dann wurde es einer dieser leidenschaftlichen Küsse, von denen sie immer geredet hat, sie immer nur geredet haben...

Doch wie war es dazu gekommen? Das hatte alles letztes Jahr angefangen. Auf Twitter. Mit einem bösen Kommentar von ihm. Irgendwas mit Freud, und dass das Scheiße wäre, was sie schreibt. Dass sie nie mit einem Deutschen diskutieren soll. Aber diesen Tweet habe ich nicht mehr. Ich habe danach gesucht, ihn aber nicht gefunden.


Sonntag, 27. Mai 2018

Letzter Post












Das sollte sein letzter Post werden. Er hatte beschlossen, dass dies sein letzter Post werden sollte. Nachts, nach der Arbeit, auf dem langen Weg nach Meckenheim, auf dem er zuerst fast eingeschlafen wäre und dann ganz laut Lana del Rey gehört hatte. Immer wieder. Immer wieder die gleichen Lieder. Zuerst "Love", dann "Ride", die 10-Minuten-Version mit dem langen Intro, wo Lana über ihr Leben und ihre Erinnerungen redet, und dann, zum krönenden Abschluss "Young & Beautiful", das Gatsby-Lied, das ihn immer noch fast zum Weinen brachte... (Fortsetzung folgt, selbst wenn es der letzte Post sein sollte)



PS: Auf "Wie alles begann: Die Geschichte einer Ehe..." und Kindheit und Jugend: 1977-1996 geht es nach wie vor weiter (im Tempo von ein bis zwei neuen Sätzen pro Tag). Nur eben nicht in der Gegenwart. Da ist alles geschrieben, alles gesagt...zumindest bis auf weiteres...

Donnerstag, 29. März 2018

Buena muerte









…das war dieses Jahr, wo wir gegenüber von diesem Fitnessstudio gewohnt haben. Wo die mitten in der Nacht immer den Müll abgeholt haben, was Nadine unglaublich störte und was ich lustig fand. Wie oft habe ich damals mit ihr geschlafen?! Ohne es zu schätzen zu wissen. Heute schläfst du mit niemandem mehr. Und deine Eier tun weh. Und damals dachtest du, das würde ewig dauern, das würde nie enden, mit euch. Was ließ dich das denken? Weil sie die Erste war?

Geburtstag. Heute ist ihr Geburtstag. Und ich habe es nicht gemerkt. Habe es noch nicht mal gemerkt. Ich habe ihren Geburtstag vergessen. Wie peinlich ist das denn?! Ist das jetzt gut oder schlecht, dass du ihren Geburtstag vergessen hast? Heute am Gründonnerstag hat sie Geburtstag und du guckst dir das Hotel in Barcelona an, wo ihr vor Jahren, Jahrzehnten wart und merkst es noch nicht mal. Findest es sogar. Wie letztens das Restaurant in Sevilla. Wo ihr wart, abends, in der lauen andalusischen Nacht.

Warum dachtest du, es würde ewig halten?

Das ist mir gar nicht aufgefallen… Heute ist ihr Geburtstag! Und du guckst die Osterprozessionen in Málaga (da wart ihr auch…) und merkst nichts…

…la congregación de la buena muerte…

…ob sie auch an dich denkt…

Hostal Apolo

du wusstest sie nicht zu schätzen, ihre Präsenz in deinem Leben, hast sie als selbstverständlich angesehen und zu spät gemerkt, dass sie es nicht war

de la buena muerte

Deswegen ist María zweimal weg. Jetzt verstehst du das auch, jetzt verstehst du das erst.

Soll sie doch…

ob sie auch an dich denkt, nur einen Augenblick lang, einen Geistesblitz lang













Sonntag, 11. Februar 2018

Weiberfastnacht




An Weiberfastnacht muss ich an sie denken. Ich will nicht, aber ich muss. Bestimmt, weil heute Weiberfastnacht ist und ich noch immer, fast drei Jahre nach ihrem Weggang, Eifersuchtsanfälle kriege. Und ich dachte, ich hätte das überwunden. So kann man sich täuschen! Was sie jetzt wohl macht? Ob sie auch an mich denkt? Und ich deswegen gerade an sie denke? Bestimmt… Wahrscheinlich ist sie tanzen. Mit irgendwelchen Freundinnen. Oder ihrem Neuen. Ihrem Neuen und irgendwelchen Freundinnen. Bestimmt versteht der sich besser mit denen als ich damals. Bestimmt mögen den alle. Sogar ihre Familie. Ihre Schwestern. Ihr Schwager.

Donnerstag, 8. Februar 2018

Herzlichen Glückwunsch!













 
An meinem Geburtstag, einem kalten Tag im Februar, werde ich von meiner Tochter geweckt, die sich in der Küche Buttergemüse von Aldi für die Schule macht. Und einen Bagel, im Ofen. Meine Tochter, die irgendwas sagt, nuschelt, das ich nicht richtig verstehe.

Montag, 5. Februar 2018

Du Pilzkopf, du!














Ich stehe nach dem Duschen vor dem Spiegel und denke: Deine Haare sind auch wieder ziemlich lang. Ist das wirklich schon so lange her, dass ich das letzte Mal beim Friseur war?! Aber egal: Das ist noch okay, das ist noch nicht zu lang. Wenn es zu lang wird, gehe ich schon wieder zum Friseur, keine Angst. Außerdem sieht es so gar nicht mal so schlecht aus, mit den kleinen Wellungen hinterm Ohr, fast schon jugendlich. Was bei einem mittelaltrigen Mann eben so als jugendlich durchgeht (scheiße, ich bin nicht mehr jung, als jung kann ich mich nicht mehr wirklich bezeichnen!). Friseure sind sowieso so eine Art rotes Tuch für mich. Ich bin noch nie gerne zum Friseur gegangen. Für mich grenzte das immer an Körperverletzung. Das fing schon damals an, in Kessenich, als ich zu diesem Salon auf der Ecke gegangen bin und eine Vanilla-Ice-Frisur haben wollte (ja, ich weiß…aber ich war Rap-Fan), die mir aber einen Skinhead verpasst haben. Wo mich dann, am nächsten Tag in der Schule, mein Französisch-Lehrer (der den Krieg bestimmt noch miterlebt hatte) fragte, warum ich denn so eine kurze, radikale Frisur hätte. Radikal sagte er nicht, denn seinem Ausdruck entnahm ich, dass er das durchaus positiv sah, mit meiner Frisur. Obwohl es mir tierisch peinlich war. Und auch die Rap-Tante (die sitzengeblieben war und jetzt unsere Klasse terrorisierte und die beste Freundin meiner Angebeteten aus Peru war – nochmal ja ich weiß…) fand meine (fehlenden) Haare „geil“. Wenn ich so darüber nachdenke, war das das einzige Mal, wo ich Ana (so hieß die Peruanerin, die voll in mein Beuteschema passte) näher als in diesen endlosen Augenblicken, die ich mit ihr austauschte (ich weiß gar nicht mehr, wie ich in der Mittelstufe überhaupt was mitbekam, bei all den Blicken in ihre Richtung, in ihre Augen und vielleicht auch in ihr junges Herz). Aber wo waren wir…

Donnerstag, 1. Februar 2018

In guten wie in schlechten Zeiten





"Den späten Zustand der Zivilisation charakterisiere:
  • das Greisenhafte statt des Jugendlichen, Geschichtslosigkeit,
  • Künstlichkeit und Erstarrung aller Lebensbereiche,
  • Herrschaft der anorganischen Weltstadt anstelle des lebensvollen bäuerlich geprägten Landes,
  • kühler Tatsachensinn anstelle der Ehrfurcht vor dem Überlieferten,
  • Materialismus und Irreligiosität,
  • anarchische Sinnlichkeit, panem et circenses, Unterhaltungsindustrien,
  • Zusammenbruch der Moral und Tod der Kunst,
  • Zivilisationskriege und Vernichtungskämpfe,
  • Imperialismus und die Heraufkunft formloser Gewalten."
(Quelle: Der Untergang des Abendlandes – Wikipedia-Eintrag)








Im Morgenmagazin läuft ein Bericht über Pflegekräfte in Deutschland.

Den Alltag bewältigt seine 75-jährige Frau alleinI

„Wir haben das gemacht, mit guten und schlechten Zeiten und es bleibt dabei. Wenn ich mal nicht gar nicht mehr kann, dann ist das was anderes, dann muss man das sehen, aber solange ich noch kann…“, sagt die selbst fast blinde alten Dame, die ihren lungenkrebskranken Mann pflegt, der beide Beine verloren hat…

Mittwoch, 31. Januar 2018

Paranoia


Er wusste nicht, wer oder was es war, aber es war komisch. Das wusste er. Kaum war er in die Hauptstraße eingebogen, da sah er es. Die Scheinwerfer, die ihn anzustarren schienen, die direkt auf ihn gerichtet zu sein schienen, obwohl das Auto auf der anderen Straßenseite stand und nicht auf seiner. Was hätte er gemacht, wenn es auf seiner Seite gestanden hätte? Er wusste es nicht, aber dass es komisch war, das wusste er. Und kaum war er näher gekommen, da fuhr das Auto auch schon los. Setzte sich in Bewegung, in seine Richtung. Trotzdem sah er keinen Fahrer. Oder eine Fahrerin? Warum habe ich nicht darauf geachtet, sagte er sich hinterher. Aber in dem Moment…da achtete er nur auf die Farbe und Marke des Autos. Ein silberfarbener VW Golf. So ein alter. Wie ihn seine Frau, äh, seine Ex-Frau gehabt hatte. Aber in rot. Nicht silbern. Kein gutes Auto.

Montag, 29. Januar 2018

Yin und Yang













Der Wunsch zu heulen, einfach loszuheulen ist so stark, so ausgeprägt, so drängend, dass du nicht weißt, ob du es schaffst, ihm zu widerstehen. Du willst einfach nur losheulen, aber du tust es nicht. Nicht hier, nicht jetzt, obwohl du so gerne würdest…

Sonntag, 28. Januar 2018

Atomkrieg, Bob Dylan und Selbstmord














Nachts fährt mich mein Kollege Sascha zum Bahnhof. Ich mag Sascha und Sascha mich glaub ich auch. Wir unterhalten uns, wie immer:

„Hast du das von Hawaii gehört. Mit den falschen Alarmmeldungen… Wo die dachten, die werden mit Atomwaffen angegriffen…“

„Ja, krass, ne?!“

„Nur weil da einer aus Versehen auf den Knopf gekommen ist… Dass so was überhaupt möglich ist… Dass so was überhaupt von nur einer Person ausgelöst werden kann… Boah, ich wär so ausgetickt…“

Donnerstag, 25. Januar 2018

Buddha, Gott, Virginia Woolf und Sex



Warnung: Alles nur Verarschung! Das ist doch nicht DIE REALITÄT!








 
Als ich unten zur Haustür reinkomme, sehe ich, was María eben meinte. Die haben da echt einen Buddha eingeladen, in der Massagepraxis unten im Haus. Das heißt, nicht den echten Buddha – der ist ja wahrscheinlich schon tot oder im Walhalla oder Nirwana oder wie auch immer das bei denen heißt –, sondern so einen buddhistischen (?) Mönch. In orangefarbener Tracht. Während ich im Briefkasten nach der Post gucke, sehe ich, dass links im Hausflur eine ganze Reihe Schuhe steht (unter denen auch ein paar Turnschuhe sind). Boah, muss das bei denen stinken, wenn die alle die Schuhe ausgezogen haben… Aber es ist nicht so, wie María das gesagt hat; denn der Buddha sitzt da nicht mit dem Rücken zur Wand…

Dienstag, 23. Januar 2018

Heiligabend (im Wechselmodell)














Schon um neun Uhr irgendwas klingelt es. Fast schon Sturm. Auf jeden Fall nicht nur einmal. Nein, keine Angst, die können   dich nicht gepfändet haben, haha. Und die Polizei ist es, soweit ich weiß, auch nicht. Also   muss es wohl María sein.    Und du hattest noch gar keine Zeit, dir jetzt schon einen anzuzwitschern.   Obwohl ich schon wach bin, schon seit kurz nach acht. Obwohl ich  gestern erst um halb vier ins Bett gekommen bin. Nach der Arbeit war ich zwar schon um  zwei zu Hause, aber da ich heute frei hatte, dachte ich: Dann kannst du ja noch was machen.   Dann kannst du ja noch was fernsehen.    Beziehungsweise Pornos im Internet gucken, immer auf der    Suche nach dem perfekten Porno.

Sonntag, 21. Januar 2018

Samstagnachts halb zwei in Deutschland II






Mein Freund war wieder sehr sozial. Der hat den ersten Preis für das Kostüm gewonnen. Das hat er dann einem Mädchen geschenkt, weil die so traurig war. Der ist so süß!“

„Fährt der erst um neun?“

„Ja.“

Freitag, 19. Januar 2018

Anal Retentive



anal retentive - A term used to refer to a 
person who feels a need to be in control 
of all aspects of his or her 
surroundings. Or, in other words, an anal 
retentive person "can't let go of shit.""











Als ich klein war, legte ich überall, wo ich auf Klo ging (und ich ging, weiß Gott, nicht überall auf Klo, aber manchmal musste ich halt), erst einmal die Klobrille mit Klopapier aus. Keine Ahnung warum. Weil ich das so blank irgendwie dreckig fand. Wo sich die anderen mit ihrem Arsch drauf gesetzt hatten... Meine Tante mit ihren kurzen Beinen und ihrem fetten Hintern zum Beispiel. Oder noch schlimmer: jemand Fremdes! 

Donnerstag, 18. Januar 2018

Duermen los pollitos...




Nachts, allein im letzten Zug, in der letzten Voreifelbahn, die ihn jetzt nicht mehr nach Hause nach Bonn-Finkenhof bringt, sondern nach Meckenheim, denkt er an früher, wo er noch mit Nadine zusammen war. Damals würde er jetzt mit ihr im Zug sitzen, entweder neben ihr oder ihr gegenüber, aber immer ganz nah. Er würde müde sein, aber trotzdem lachen. Sie würden lachen, lachen und reden, er würde sie berühren, umarmen, küssen, vielleicht sogar sie ihn.