Ich stehe nach dem
Duschen vor dem Spiegel und denke: Deine Haare sind auch wieder ziemlich lang. Ist
das wirklich schon so lange her, dass ich das letzte Mal beim Friseur war?! Aber
egal: Das ist noch okay, das ist noch nicht zu lang. Wenn es zu lang wird, gehe
ich schon wieder zum Friseur, keine Angst. Außerdem sieht es so gar nicht mal
so schlecht aus, mit den kleinen Wellungen hinterm Ohr, fast schon jugendlich. Was
bei einem mittelaltrigen Mann eben so als jugendlich durchgeht (scheiße, ich
bin nicht mehr jung, als jung kann ich mich nicht mehr wirklich bezeichnen!).
Friseure sind sowieso so eine Art rotes Tuch für mich. Ich bin noch nie gerne
zum Friseur gegangen. Für mich grenzte das immer an Körperverletzung. Das fing
schon damals an, in Kessenich, als ich zu diesem Salon auf der Ecke gegangen
bin und eine Vanilla-Ice-Frisur haben wollte (ja, ich weiß…aber ich war
Rap-Fan), die mir aber einen Skinhead verpasst haben. Wo mich dann, am nächsten
Tag in der Schule, mein Französisch-Lehrer (der den Krieg bestimmt noch
miterlebt hatte) fragte, warum ich denn so eine kurze, radikale Frisur hätte.
Radikal sagte er nicht, denn seinem Ausdruck entnahm ich, dass er das durchaus
positiv sah, mit meiner Frisur. Obwohl es mir tierisch peinlich war. Und auch
die Rap-Tante (die sitzengeblieben war und jetzt unsere Klasse terrorisierte
und die beste Freundin meiner Angebeteten aus Peru war – nochmal ja ich weiß…)
fand meine (fehlenden) Haare „geil“. Wenn ich so darüber nachdenke, war das das
einzige Mal, wo ich Ana (so hieß die Peruanerin, die voll in mein Beuteschema
passte) näher als in diesen endlosen Augenblicken, die ich mit ihr austauschte (ich
weiß gar nicht mehr, wie ich in der Mittelstufe überhaupt was mitbekam, bei all
den Blicken in ihre Richtung, in ihre Augen und vielleicht auch in ihr junges
Herz). Aber wo waren wir…
Ein Blog über das Leben, die Liebe, Beziehungen, Verlust, Angst, Spaß, die Lust, die Lust am Schreiben,Südamerika, Musik, südamerikanische Frauen, die Liebe, Spanisch, Englisch, Schottland, Spanien, Deutschland, dat Rheinland, Kinder, Literatur, Vergänglichkeit, Arbeit, Politik, die Mafia, Urlaub, Gewalt, Verbrechen, Sex, große und kleine Gefühle und vieles, vieles, vieles mehr ...
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Montag, 5. Februar 2018
Sonntag, 10. Dezember 2017
Schnee
--And what did he die of so young, Gretta? Consumption, was it?
--I think he died for me, she answered.
"The Dead" - James Joyce
Und dann irgendwann fängt es
an zu schneien. Feiner, weißer Neuschnee. Du läufst die Hauptstraße entlang, an
der Kirche vorbei, und der weiße Schnee hat irgendwie doch etwas von Unschuld,
von Neubeginn, wie er sich so auf alles legt, alles bedeckt: Die Gehwege, die
Tannenbäume am Straßenrand, die Menschen. Die Vergangenheit.
Sonntag, 4. Juni 2017
Rückkehr (im Traum)
Ich
bin in einer großen Wohnung. Nicht meine Wohnung, aber ich schein trotzdem hier
zu wohnen. Keine Ahnung warum. Es ist Nacht. Oder zumindest Abend. Ich sehe jemand
vor dem Fenster vorbeihuschen. Plötzlich bin ich im Schlafzimmer. Das
Schlafzimmer sieht irgendwie heruntergekommen aus, An einer Stelle fehlt glaub
ich die Tapete vollständig und es ist unordentlich, unaufgeräumt. Ich lege mich
in das große Bett, unter diese große, weiche Decke. Auf einmal spüre ich, dass da noch
jemand ist. Im Bett. Hinter mir. Aber ich erschrecke mich nicht, ich habe keine
Angst und ich flippe auch nicht aus, weil ich weiß, weil ich instinktiv weiß,
wer das ist, der da liegt. Sie. Nadine. Sie liegt wirklich neben mir, hier im Bett,
in diesem seltsamen großen Haus. Und sie weiß auch, dass ich sie bemerkt habe.
Legt irgendwann von hinten den Arm um mich. So wie früher. Als ich sie immer
irgendwann abgestreift habe, weil sie einfach zu heiß war, auf Dauer, weil ihr
Körper einfach zu heiß war, zu warm. Nur in Schottland, nur im kalten, rauen Winter Schottlands
konnte ich die ganze, oder zumindest die halbe Nacht neben ihr schlafen. Ich
drehe mich um und sie liegt auf dem Rücken neben mir. Ich beuge mich über sie. Sie
spielt mit mir, mit meiner Hand, mit ihrer Hand. Ich spüre ihren weichen,
warmen Körper, ihr kleines Bäuchlein, über das meine Hand nun gleitet, auf dem
Weg nach unten. Ich will nichts mehr als mit ihr schlafen, sie umarmen
aber
ich steige wieder aus dem Bett, gehe irgendwo hin, in dem großen Haus, komme
dann wieder, lege mich wieder neben sie. Sie hat jetzt ihre Unterhose
ausgezogen, erzählt mir von ihrer Erfahrung während der Trennung. Ihren Typen. Sie
erzählt etwas darüber, wie sie sich verändert hat. Dass die wollten, dass sie
sich rasiert, untenrum. Das mochte sie früher nie. Ich gucke nach unten, sehe
ihre fast komplett rasierte Muschi. Nur ein kleines Stück ist noch übrig,
daneben sind kleine noch immer blutige Schnitte. Komisch. Ich will nichts mehr
als einfach in sie einzudringen, einfach mit ihr zu schlafen, wie früher, aber
es geht nicht. Ich kann nicht, ich kann nicht mehr. Ich habe Angst. Wer weiß
mit wem die alles geschlafen hat, während unserer Trennung, unserer Scheidung. Nicht
wie ich, der ich gar keinen Kontakt zu Frauen hatte, wirklich keinen, noch
nicht mal Ich umarme sie, aber kann nicht weitergehen, etwas hält mich davon
ab. Ohne Kondom. Um selbst mit Kondom
Es
geht nicht mehr. Die Unschuld ist weg. Und wenn die weg ist, dann ist alles
weg. Dann ist alles verloren. Dann sind wir verloren.
Dienstag, 23. Mai 2017
...so ein schönes Kind...
Beim Aufräumen finde ich
dieses Foto. Dieses alte Passfoto von mir. Das überrascht selbst mich. Ich mit
keine Ahnung wie vielen Jahren, Anfang 20 oder doch schon Mitte 20? Ich war so
jung
Mittwoch, 22. März 2017
Das erste Mal von hinten
Ich weiß noch, wie ich sie –
das muss ganz am Anfang unserer Beziehung gewesen sein – zum ersten Mal von
hinten genommen habe. Das war sogar noch bei meinen Eltern. Ob das immer noch in meinem alten Kinderbettchen,
äh, Jugendbett meine ich natürlich, gewesen ist, weiß ich nicht mehr. Passend
wär es auf jeden Fall gewesen, aber ich glaube, da hatte ich schon mein
schwarzes Futon, dass ich danach, als wir schon lange verheiratet waren, von
Wohnung zu Wohnung geschleppt habe, bis es schließlich (das war bestimmt erst
in Duisdorf) unter meiner immer größer werdenden Last den Geist aufgab. Und wir
uns dieses vornehm aussehende, schwarze Bett mit den Füßen kauften, aber das
ist eine andere Geschichte…
Dienstag, 19. Juli 2016
Geburtstag beim Chinesen
Ich weiß noch…
…wo wir damals beim Chinesen
waren. An meinem 19. Geburtstag. Im Februar. Ich bin Wassermann, wie Sie
bestimmt schon an der Kompliziertheit meines Lebens gemerkt haben. Aber das ist
unwichtig. An meinem Geburtstag, diesem kalten, dunklen Februarabend gingen wir
zum Chinesen. Ich glaube sogar sie zahlte! Ich weiß nicht, ob ich sie da schon
meinen Eltern vorgestellt hatte (ich glaube schon, das müsste eigentlich da schon
gewesen sein, sonst hätte ich meiner neugierigen Mutter ja erklären müssen, wo
ich hingehe, an meinem Geburtstag). Auch weiß ich nicht mehr, ob ich noch
Jungfrau war. Auch hier glaube ich, dass ich es nicht mehr war, aber das ist
mir heute egaler als damals. Damals war das ein Meilenstein! Endlich nicht mehr
Jungfrau sein zu müssen. Diesem doofen, portugiesischen Arschloch von Mario
endlich etwas entgegenzusetzen zu haben ... Mario, der mir immer erzählt hatte, wie er mit
seiner indischen Freundin „rummachte“. In seinem Auto (der war schon 21, als er
endlich das Abitur schaffte!), dessen Scheiben praktischerweise immer
beschlugen, auf irgendeinem Parkplatz, wo er ihn nach eigener Aussage noch
nicht mal richtig reinkriegte, nur die Spitze, die Eichel (oder wollte er mir
damit durch die Blume sagen, dass er so einen Großen hatte, dass seine relativ
kleine, indische Freundin ihn gar nicht reinbekam?? – schließlich war das
damals noch die Zeit vor YouPorn, vor PornHub, vor Internetpornos, wo zwei
Hengste mit Riesendingern einer Frau im gleichen Loch rumwühlen und stochern,
und noch nicht mal immer im „normalen“ Loch! Da wusste man solche Dinge als
jungfräulicher Jugendlicher noch nicht!). Endlich nicht mehr Jungfrau zu sein
und dann diesem portugiesischen Arschloch von seinen eigenen, ersten
sexuellen Abenteuern nichts zu erzählen, einfach zu sagen „der Gentleman
schweigt und genießt!“, wo der einem damals, noch vor kurzem, jede Einzelheit
erzählt hatte und sich dabei doch ach so cool vorgekommen war.
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Sonntag, 17. Juli 2016
Titten, zum ersten Mal Titten
Ich weiß noch, wie ich sie
heimlich mit nach Hause brachte. Keine Ahnung, wie lange ich da schon mit ihr
zusammen war. Bestimmt nicht sehr lange. Ich hatte sie ja noch nicht mal meinen
Eltern vorgestellt – als meine offizielle „Freundin“.
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