Sonntag, 21. Januar 2018

Samstagnachts halb zwei in Deutschland II






Mein Freund war wieder sehr sozial. Der hat den ersten Preis für das Kostüm gewonnen. Das hat er dann einem Mädchen geschenkt, weil die so traurig war. Der ist so süß!“

„Fährt der erst um neun?“

„Ja.“

Freitag, 19. Januar 2018

Anal Retentive



anal retentive - A term used to refer to a 
person who feels a need to be in control 
of all aspects of his or her 
surroundings. Or, in other words, an anal 
retentive person "can't let go of shit.""











Als ich klein war, legte ich überall, wo ich auf Klo ging (und ich ging, weiß Gott, nicht überall auf Klo, aber manchmal musste ich halt), erst einmal die Klobrille mit Klopapier aus. Keine Ahnung warum. Weil ich das so blank irgendwie dreckig fand. Wo sich die anderen mit ihrem Arsch drauf gesetzt hatten... Meine Tante mit ihren kurzen Beinen und ihrem fetten Hintern zum Beispiel. Oder noch schlimmer: jemand Fremdes! 

Donnerstag, 18. Januar 2018

Duermen los pollitos...




Nachts, allein im letzten Zug, in der letzten Voreifelbahn, die ihn jetzt nicht mehr nach Hause nach Bonn-Finkenhof bringt, sondern nach Meckenheim, denkt er an früher, wo er noch mit Nadine zusammen war. Damals würde er jetzt mit ihr im Zug sitzen, entweder neben ihr oder ihr gegenüber, aber immer ganz nah. Er würde müde sein, aber trotzdem lachen. Sie würden lachen, lachen und reden, er würde sie berühren, umarmen, küssen, vielleicht sogar sie ihn. 

Mittwoch, 17. Januar 2018

Ich kann es ihr nur nicht sagen















Das rechne ich ihr hoch an, sage ich zu meiner Chefin. Dass sie geblieben ist. Auch wenn es nur dreieinhalb Tage die Woche sind (viel zu wenig, wenn man bedenkt, dass sie bald eh aus dem Haus geht). Das rechne ich ihr hoch an: Dass sie nicht gesagt hat, ich bleibe ganz bei Mama.

Ich kann es ihr nur nicht sagen







Sonntag, 14. Januar 2018

Samstagnachts halb zwei in Deutschland













Ich glaube, du würdest da genauso reagieren…“

„Das war aber am Anfang, da warst du generell eifersüchtig.“

„Mmh, auf jeden Fall!“

„Nein.“

„Ohne dass du dich wieder angegriffen fühlst…“

Samstag, 13. Januar 2018

Sogar die Mona Lisa zerfällt















Es gibt Sachen, die gehen kaputt und die bleiben kaputt. Die bleiben dann auch kaputt. Als ich daran denke, werde ich traurig. So ist das Leben nun mal: Man kann nicht alles kitten. So sehr du es auch versuchst, es geht nicht. Da kannst du machen, was du willst. Man kann sie wieder zusammenkleben, die Vase, aber die Risse bleiben sichtbar.

Freitag, 12. Januar 2018

Der Knoblauch fällt nicht weit...






Auf dem Weg zur Arbeit muss ich darüber nachdenken, wie ähnlich wir uns doch sind, ich und meine Tochter. Letzte Woche war sie ein bisschen krank und da hat sie sich doch tatsächlich eine Knoblauchbrühe mit Ingwer gemacht. Wie der Papa!


Letztens hast du ihr das sogar gesagt: „Wir kriegen uns nur so oft in die Wolle, weil du mir so ähnlich bist!“

Dienstag, 9. Januar 2018

Die Wahrheit














"But at the length truth will out"
William Shakespeare

"Wer kann die Wahrheit schon ertragen?"
Marius Müller Westernhagen









Nachts wache ich auf und will die Wahrheit. Ich hab eh kaum geschlafen. Erst lief da die SOKO Leipzig mit so einem spannenden Prostitutionsfall und dann ein ein wenig verwirrender dänischer Film mit einem Typen, der von dem früheren Mafia-Klienten seines Vaters, der wie er Anwalt war, verfolgt wird.

Aber selbst danach kann ich noch nicht schlafen. Und selbst nachdem ich mir mit Mühe und Not einen runtergeholt habe, klappt es nicht. Ich drehe und wende mich, aber die Hüfte oder die Eier tun mir weh und so finde ich keine richtige Position.

Sonntag, 7. Januar 2018

Der Bergdoktor



„Der liebt diese Frau abgöttisch…“ (Der Bergdoktor)









Abends läuft der Bergdoktor im Fernsehen. Guckst du sonst nicht (kann man dich förmlich mit jagen, mit dem Scheiß). Aber heute ist nichts anderes drauf und du hast auch keinen Bock auf spanisches oder englisches Fernsehen. Also guckst du den Bergdoktor. In der Not guckt der Teufel auch den Bergdoktor.

Freitag, 5. Januar 2018

Die Hochzeitsrede















Im Traum muss ich einen Text für ein Mädchen, eine Frau schreiben, die heiraten will. So eine kurze Rede, wie man sie auf Hochzeiten vorliest. Wie das die Amerikanerimmer immer machen, in den Filmen. ICH, der ich immer noch unter meiner Scheidung leide. Komische Wahl. Aber man wählt ja seinen Trauminhalt nicht. Der wählt einen! Ich einige mich also, mit ihr ein kurzes Interview (eine Befragung, ein Verhör, wie ich zum Spaß sage, obwohl keiner lacht oder nur aus Höflichkeit lacht) zu machen, wo sie mir etwas über ihren Geliebten, Bald-Ehemann (NEIIIIIIN, tu es nicht!!!) erzählt. Die Hochzeit ist schon in zwei beziehungsweise 1 ½ Stunden, also muss ich mich beeilen. Ich weiß gar nicht, wie ich das so schnell hinkriegen soll, aber will es trotzdem versuchen. Obwohl ich, während ich mit ihr rede, selber reichlich nervös, „gehemmt“ bin (wie die Bekannten meiner Eltern das immer genannt haben), weil sie auch mir ein bisschen gefällt, wie ich ihr so in die Augen gucke... Sie ist klein und schön und passt auch irgendwie in mein Beuteschema. Also gehen wir zu ihr nach Hause. Aber irgendwie geht sie vor und lässt mich nicht rein, keine Ahnung, auf jeden Fall stehe ich auf der Straße und weiß noch nicht mal richtig, welches Haus es nun ist und ob ich klingeln soll. Es sind alles so Reihenhäuser. Einfamilienreihenhäuser. Das heißt, ich muss schon irgendwie wissen, welches Haus es ist, denn ich gucke durch ein Fenster und sehe, dass da die beigefarbenen Sessel ineinandergeschoben sind und auch sonst alles ziemlich unordentlich ist. Für den Hochzeitstag, den Tag der Hochzeit. Aber am Ende sehe ich auf der Straße ein paar von meinen Schülern aus dem Haus kommen und mich grüßen und dann weiß ich, dass sie da wohnen muss, dass sie da wohnt. Und so lässt sie mich am Ende doch rein, obwohl ich komisch bin, „gehemmt bin“, ihr zu sehr in die Augen gucke. Also beginne ich mein Interview, mein Verhör, wie ich sage (obwohl keiner lacht, oder nur aus Höflichkeit).



„Wie lange bist du schon mit ihm zusammen?“

„20-30 Jahre.“

„Aber du bist doch noch so jung! Wie kannst du denn 20-30 Jahre mit ihm zusammen sein?“


„Und wo habt ihr euch kennengelernt?“



Und dann wache ich auf

Komisch, denke ich, was für ein komischer Traum!



Vorheriger Traum: Traum und Tod, Traum vom Tod













Donnerstag, 4. Januar 2018

Ich glotz TV - ein Gehirnsturm













Jeder Tag ist ein Kampf. Das fängt schon kurz nach dem Aufstehen an. Ein Kampf gegen den Hunger (ich liebe Intervallfasten), ein Kampf gegen das Schweigen deiner Tochter, ein Kampf gegen die Scheiße im Fernsehen…

Aber egal: Bring’em on! Bring the motherfuckers on!

Denn: Wer nicht kämpft, der hat schon verloren!

Sie kommt aus ihrem Zimmer, sagt nicht Guten Morgen. Du aber auch nicht. Warum solltest du, wenn sie es auch nicht tut? Also scheiß auf einen guten Morgen. Ist sowieso überschätzt.


Mittwoch, 3. Januar 2018

Verzeihen, vergeben, vergessen und verstehen
















Im Fernsehen läuft dieser Film mit Edward Norton, der seit seiner Hauptrolle in Fight Club für dich als Schauspieler unfehlbar ist. Egal, in wie vielen Scheiß-Filmen er seitdem mitgespielt hat (wie zum Beispiel American History X). Einen Film wie Fight Club kann man eben nicht toppen, das weiß bestimmt auch Edward Norton. 

Auf jeden Fall spielt er in diesem Film den Kriminellen Stone, der einsitzt, weil er seine Mutter getötet hat, indem er das Haus, in dem sie lebte, angezündet hat. Weil es Gott ihm angeblich befohlen hat und er sich nur als Werkzeug Gottes gesehen hat. Oder irgend so ein Scheiß. Er hörte Stimmen, ein seltsames Rauschen, das nicht aufhören wollte, was weiß ich…  Im Laufe des Films schläft Stones Frau mit dem Bewährungsgutachter ihres Mannes, der von Robert de Niro wie immer meisterhaft gespielt wird, damit er Stone ein gutes Zeugnis ausstellt – aber das nur am Rande.

Sonntag, 31. Dezember 2017

...sagt meine Tochter... (Silvester 2017)















Eigentlich wäre ich ja morgen in Urlaub geflogen.“

„Wohin?“

„Weiß nicht. Irgendwo anders hin. Wo es warm ist. Was Billiges. Einfach nur weg.“

„In Spanien ist jetzt auch kalt.“

„Nein, Türkei oder so. Alleine …“, sagt, nein, nicht er, sondern sie. Seine Tochter! An Silvester!


Donnerstag, 28. Dezember 2017

So ein Gefühl...








Plötzlich, während ich gerade im Bett liege und Coronation Street gucke (zwei geile Weihnachtsfolgen a 45:33min!), klingelt das Telefon. Ich springe aus dem Bett hoch wie von der Tarantel gestochen und renne in die Küche. Das ist bestimmt María. Mari. Ich weiß es einfach. Aber wo ist das verfickte Telefon bloß wieder hin? Immer die gleiche Scheiße! Die ganze Zeit suchst du nach irgendwelchem Scheiß. Mannomann. Zuerst gucke ich in der schwarzen Hose nach, die vor dem Herd liegt, aber da ist es nicht. Scheiße, Mann! Aber es hat doch hier geklingelt… Ja, es liegt auf dem Tisch. Und klingelt immer noch. Oder vibriert zumindest. Ein kurzer Blick auf das Display: Ja, Mari!

„Hi.“

„Hi. Ich komme ein bisschen später. So um neun oder zehn. Ich bin noch in Köln.“

„Okay… Du weißt ja, der letzte Zug fährt um 00:39!“

„Ja, aber solang brauch ich nicht.“

„Willst du denn noch was zum Essen? Soll ich noch was holen oder willst du morgen früh.“

„Das kann ich auch morgen früh.“

„Okay, aber gib nicht dein ganzes Geld aus, in Köln. Du musst sparen, für deinen Führerschein, du weißt das.“

„Ich habe nichts gekauft. Ich muss sparen. Ich war nur essen.“

„Essen kostet auch… Du musst den Führerschein machen, der ist wichtig. Ich weiß, wie das ist, ohne Führerschein.“

„Du hast doch einen Führerschein.“

„Ja, ich weiß: Aber ich weiß nicht, wo der ist und ich kann nicht fahren und ich habe kein Auto… Das ist wichtig. Aber wir schaffen das schon. Ich werde das Geld schon irgendwo herbekommen. I’m gonna rob a bank to get you the money.“

„Ja.“ Sie lacht. Oder lacht sie nicht.

„Ok, bis dann. Viel Spaß!“

„Bis dann.“

Ich weiß, wie das ist. Ich hätte auch gerne ein Auto, besonders hier draußen. Aber dann müsste ich wieder Fahrstunden nehmen und mir ein Auto kaufen und die Versicherung bezahlen… Kurz gesagt: Nicht drin. Außer ich verkaufe meine Seele an die italienische Mafia. Hier an der Eisdiele um die Ecke. Wo die jeden Tag, Sommer wie Winter draußen sitzen. Oder bei dem Italiener in Rheinbach. Den kennst du sogar von früher. Das war vielleicht eine Hassliebe… Oder ich gewinne im Lotto, haha.


Aber irgendwie gefiel mir das Gespräch nicht: Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sie mehr zu ihrer Mutter will, heute Abend, anstatt zu mir. Dass sie keinen Bock hat, nach Köln noch nach Meckenheim rauszufahren. Aber sie war ja schon gestern und vorgestern bei ihrer Mutter. Am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag! Weil ich arbeiten war, weil ich nicht anders konnte, nicht anders wollte, vergessen wollte, nicht feiern wollte, mit niemandem… Und da ist Arbeit immer noch das Beste. Und was soll sie denn auch alleine hier sitzen, am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag, während ich auf der Arbeit bin. Außerdem brauche ich nach der Scheidung mehr als jemals zuvor das Geld. Ich bin im mittleren Alter und brauch das Geld!

Vielleicht will sie ja mehr zu ihrer Mutter, ganz zu ihrer Mutter…das ist ja auch Stress für sie, dieses dauernde Hin und Her…

Ach, Quatsch


Dann muss sie mir das sagen. Ich werd den Teufel tun…


Wenn ich auf meine Gefühle hören würde…


Vielleicht will ihre Mutter sie ja auch mehr sehen… Vielleicht geht es ihrer Mutter ja auch nicht gut, dieses Jahr an Weihnachten…


Wenn ich auf meine Gefühle hören würde…






Dienstag, 26. Dezember 2017

Lieber würde ich...
















Du sitzt auf der Arbeit und denkst: Wie gerne würde ich ihr jetzt schreiben, dass ich sie vermisse, wie sehr ich sie vermisse, wie ich mich danach sehne, dass sie da ist, bei mir zu Hause…