Du sitzt auf der Arbeit und
denkst: Wie gerne würde ich ihr jetzt schreiben, dass ich sie vermisse, wie
sehr ich sie vermisse, wie ich mich danach sehne, dass sie da ist, bei mir zu Hause…
Ein Blog über das Leben, die Liebe, Beziehungen, Verlust, Angst, Spaß, die Lust, die Lust am Schreiben,Südamerika, Musik, südamerikanische Frauen, die Liebe, Spanisch, Englisch, Schottland, Spanien, Deutschland, dat Rheinland, Kinder, Literatur, Vergänglichkeit, Arbeit, Politik, die Mafia, Urlaub, Gewalt, Verbrechen, Sex, große und kleine Gefühle und vieles, vieles, vieles mehr ...
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Dienstag, 26. Dezember 2017
Zahltag: Eine Rachegeschichte
Warnung: Die folgenden Zeilen sind natürlich - wie im Übrigen alles hier - rein ficktiv und geben nicht die Meinung des Autors wieder. Jegliche Ähnlichkeiten mit (noch) lebenden Personen ist ebenfalls rein ficktiv und purer Zufall!
Ihr kann ich nichts tun. Sie
bedeutet mir zu viel. Noch immer. Aber du, du bist etwas ganz anderes. Du
bedeutest mir NICHTS. Du bist nur Scheiße.
Für das Arschloch von Vermieter,
für die zwei Umzüge, für das ganze Geld, das ich verloren habe.
Du wirst leiden. Für all die
Scheiße, die du mir angetan hast, die andere mir jemals angetan haben. Für
alles. Für meine Eltern, für Ivan, José, Christoph, für all die Leute, die mich
ignoriert haben, mich hinter meinem Rücken beleidigt haben, die mich
geschnitten haben, mein ganzes Leben. So ist das Leben: Wir bezahlen immer für
die Sünden anderer… Musste ich auch, amigo.
Enemigo…
Ich weiß, du bist nicht an
allem schuld, was in meinem Leben schiefgelaufen ist, aber…
…dich habe ich erwischt. Du
stehst für SIE. Für sie, für sie alle. Alle, die mich jemals verarscht haben,
alle, die mich jemals betrogen haben, mich abgezogen haben. An dir werde ich
ein Exempel statuieren. Das ist Pech für dich. Aber so ist das Leben. Nicht
immer gerecht.
Zuerst sagt er nichts, aber
dann fängt er an, irgendwas zu murmeln, das ich nicht verstehe. Oder nur halb. Muss
wohl an dem Klebeband liegen. Das ich noch vom letzten UMZUG übrig habe. Oder
noch von früher, wo ich noch mit IHR zusammen war. Ich verstehe ihn nicht. Will
ihn nicht verstehen. Was für einen Unterschied würde das jetzt noch machen,
jetzt, wo er hier auf dem Boden liegt. Und weg muss. Keinen! Also ist es egal. Er
ist jetzt nicht mehr der große Mann, der er einst war… Der er einst dachte zu
sein…
…heute bezahlst du für alle
Leute, die dir jemals selbstgefällig ins Gesicht gelacht haben (for all the fucking smug smiles I’ve had to
endure), das ganze Leid, die ganze Scheiße, die ganze Beziehungsscheiße (all the relationshit), Jetzt bist du
nicht mehr so groß. Für all die Tränen, die nicht gekommen sind, nicht mehr
gekommen sind, all die Wochenenden, an denen ich meine Tochter nicht gesehen
habe, die ganzen Streitigkeiten mit IHR, die ganze Scheiße. Du musst das auch
verstehen. Es ist bestimmt nicht schwer zu verstehen, mit all dem Blut im Mund.
Ist doch verständlich?! Sonst müssen wir immer alles verstehen. Was ihr macht.
Aber jetzt nicht mehr. Ich will endlich mal nicht verstehen, nur handeln,
einfach nur handeln.
Er macht komische Geräusche.
Keine Ahnung, was er mir damit sagen will. Aber ich muss das auch nicht
verstehen, nicht mehr, jetzt nicht mehr…
Sage leise, aber bestimmt: „¡Te callas! ¡Hijo de puta, hijo de la gran puta!
¡Hijo de mierda! ¡Háblame en
español, en castellano, no esta mierda de longos!“,
sage ich mit einem spanischen Akzent, den ich mir angewöhnt habe, damit ich
nicht mehr rede wie SIE, nicht mehr reden muss, wie sie…
Ich gebe ihm einen Tritt und
er hört auf zu reden. Winselt nur noch irgendwie rum. Jetzt hör schon auf, du
Lutscher. Das war noch nicht mal richtig! Ich will mir ja nicht an dir noch den Fuß
brechen. Außerdem tut es mir immer noch weh. Ich mag keine Gewalt. Aber irgendwann
kommt jeder an einen Punkt…an dem er nicht mehr kann, an der er die Schnauze
voll hat, an dem das Fass überläuft…an dem er sich nicht mehr alles gefallen
lassen will…
Das ist so wie deine
Kollegin das sagt. Deine Kollegin, deren Lieblingsfilm dieser eine Film mit Michael Douglas ist. Wo der ausflippt, dieser ganz normale Typ. Mit gutem Anzug,
gutem Job, gutem Auto. Weil die Frau den verlassen hat. Und wie viele Frauen
das nun mal machen, die Kinder gleich mitgenommen hat. Das ist der Trigger bei dem. Im wahrsten Sinne des
Wortes. Und im Laufe des Films sogar mit der Panzerfaust rumballert. Das ist
der Lieblingsfilm meiner Kollegin. Aber die hat das nie in die Tat umgesetzt.
Ihre geheimsten Wünsche und Triebe. Ich schon. Heute… die meinten ja auch, die
könnten mich für immer verarschen, jeden Tag zum Essen kommen und zum Dank noch
meiner Frau nachstellen. Klar… Normal… Mit ihr Fahrrad fahren wollen. ¿Quieres hacer bicicleta? Wie oft hast
du das damals gefragt?! Viermal?! Heute fahre ich Fahrrad. Mit dir! Aber ohne Sattel! Hoy voy a hacer bicicleta contigo… Yo…contigo…no ella…
Manche Sachen gehen eben nur
mit Gewalt… Hörst du?! „Manche Sachen gehen nur mit Gewalt!“
Das gilt für die kleinen wie
für die großen Dinge des Lebens…
Sogar ein Wassermann kommt
irgendwann an diesen Punkt…
Die Friedfertigkeit ist
vielleicht gut für Gandhi, aber nicht für dich…
Vielleicht bin ich ja auch
im Aszendenten etwas anderes…Böseres…
¡Ya
te digo qué te calles, hijo de puta!
Du hast alles bekommen,
immer schon, und ich hab alles verloren! Du kannst SIE sehen, sogar meine
Tochter, du kannst sie schmierig anlächeln, am Wochenende, wenn sie bei ihrer
Mutter ist.
Was soll ich jetzt mit dir
machen?
Ich beuge mich zu ihm
runter: „Was soll ich mit dir machen? Sag mir…, sag mir das…“
Er sagt nichts, guckt mich
nur mit diesen großen Rehaugen an. Tieraugen.
Und dann wache ich aus dem
Traum auf und es ist immer noch Weihnachten. Dieses Jahr ist Weihnachten aber
auch scheißlang… Zieht sich wie Kaugummi. Geht immer wigga. Imma wigga… Mannomann, du hast echt zu viel
Eminem gehört... In den letzten Tagen. Viel zu viel. Das ist nicht gut für
dich. Wie hat das deine Mutter (und dein Vater) damals immer gesagt?! „Du weißt
nie, wann du aufhören, wann es Zeit ist aufzuhören…“ Bis heute nicht. Ist das
jetzt gut oder schlecht? Das weißt du
auch nicht. Du weißt, dass du nicht viel weißt…
Oder ist er es, der aus dem
Traum aufwacht. Den Traum von seiner Schwägerin (welcher?), von den Töchtern
seiner Schwägerinnen (welcher?), geht mein (und sein) Alptraum etwa weiter und
ich bin wirklich hier, in dieser Wohnung, mit ihm auf dem Boden, sauber getaped,
eine Platzwunde an der Stirn. Wer soll das denn putzen, du machst meinen ganzen
Boden dreckig. Soll ich etwa deine Schwägerin anrufen, damit sie putzen kommt,
oder was?!
Scheiße, was mach ich denn
jetzt mit dir…
Ich reibe mir die Augen,
richte mich mühsam auf. Ich bin zu alt für diesen Scheiß. Jetzt damit anfangen.
Mit Gewalt muss man früh anfangen. Erfahrung sammeln. Sonst ist es zu spät.
Aber man hat nicht immer eine Wahl im Leben. Manchmal geht es einfach nicht
anders, im Leben.
Samstag, 25. November 2017
Anruf seines Vaters
Auf einmal, im Bus, hat er ein
komisches Gefühl. Er greift sich an die Hose. Ja, das ist sein Handy: Da ruft ihn jemand an… Er guckt auf das Display und
kann seinen Augen kaum glauben. Da steht Bert. Scheiße, was ist das denn? Warum
ruft der denn an? Er guckt noch mal auf das Display, um sich ganz sicher zu
sein, aber natürlich ist er es. Scheiße. Es klingelt noch ein paar Mal (das
heißt, es klingelt ja gar nicht, sondern vibriert nur) und dann ist Ruhe.
Tatsache! Das war sein Vater! Was will der denn?! Keine Ahnung, aber da geh ich
ganz sicher nicht dran. Vor allen Dingen nicht hier, im Bus. Eigentlich
nirgendwo, nicht nach dem letzten Mal. Ich bin doch nicht blöd.
Sonntag, 10. September 2017
Mordlust im Alltag
"Ya no hay guapos"
Luis Martín Santos - Tiempo de silencio
Plötzlich kommt ihm dieser
Gedanke: Heute hätte ich echt Bock, jemanden zu töten, denkt er.
Echt!
Natürlich weiß ich nicht
wie. Oder wen. Aber irgendwie ist mir, wär mir danach. Keine Ahnung warum. Die Wege des Herrn sind unergründlich… Natürlich
werde ich das jetzt nicht in die Tat umsetzen, ist ja klar, aber… Wie denn
auch?!
In einem Land ohne Gesetze…
Samstag, 5. August 2017
Der Eismann
"Gatsby glaubte an das grüne Licht, an die wundervolle Zukunft,
die Jahr
für Jahr vor uns zurückweicht.
Damals entwischte sie uns, aber was
machte das schon?
Morgen laufen wir schneller, strecken die Arme weiter
aus und einen schönen Tages,
so kämpfen wir weiter, wie Boote gegen den
Strom.
Und unablässig treibt es uns zurück in die Vergangenheit."
F. Scott Fitzgerald
Er steht vor dem Haus. Guckt hoch. Das Licht ist an. Oben. Er kann hier nicht lange stehen. Er war gerade beim Friseur, seine Haare sind wieder kurz, richtig kurz diesmal, fast wie bei einem Soldaten. Hat die gut gemacht. Da machen die das immer gut, in der Stadt. Der Stadt, die er hasst. Wie die Pest. Wie hat er das heute zu seiner Tochter gesagt: „Ich fühle mich unwohl hier. Physisch unwohl. Verstehst du?“
Samstag, 29. Juli 2017
Der Kunde ist König
ER kommt wechseln und ich
denke nur: DU BIST SO EN HURENSOHN!!!
Oder noch schlimmere Sachen,
die ich hier wirklich nicht zu Papier bringen beziehungsweise digitalisieren
kann.
Samstag, 8. Juli 2017
Mordpläne und Bahngebete
Den ganzen Weg nach Bonn
denkt er – halb im Spaß, halb todernst – darüber nach, was er dem Yasir
denn nun in den Kaffee tun soll, damit er ihn endlich (oder endgültig?) nicht
mehr nervt. Er denkt und denkt nach. Er könnte sich jetzt natürlich jetzt im
Raum hinter dem Kassenhäuschen den Finger in den Arsch stecken und dann damit
in die Tasse packen, bevor er ihm den Kaffee macht. Langsam die Finger über den
Rand der Tasse gleiten lassen, wie die das immer in den Filmen machen…und dann
damit den Löffel oben anpacken…falls der heiße Kaffee die Koli-Bakterien an
seinem Finger doch abgetötet hat.
Freitag, 30. Juni 2017
H wie Hoffnungslosigkeit, Heulen und...
…aber dann kommt María an
dir vorbei…
Und du fühlst dich wieder
besser. Nur minimal, aber das reicht schon, um weiter zu leben, um wieder Hoffnung
zu schöpfen. Dieses Leben ist so Scheiße. Es zieht dich ganz tief runter und
gibt dir dann einen Funken Hoffnung.
Dienstag, 27. Juni 2017
Traumdeutung: Der Inder
Irgendwoher
weiß er, dass das die Wohnung von Nadine ist. Aber das Zimmer ist irgendwie
komisch. Denn da sind gar keine Möbel. Kein Bett, kein Schrank, nichts. Es ist
einfach ein dunkles Zimmer, in dem María in der Ecke steht. Aber sie ist nicht
allein. Das ist auch noch dieser Inder. Der ein bisschen so aussieht wie der
Inder aus Emmerdale. Oder war
es Coronation Street? Keine Ahnung.
So ein Typ mit Glatze und Schnäuzer.
Samstag, 17. Juni 2017
Grüne Lämpchen am Ende des Tunnels
In M. steigt er extra ganz hinten
aus der Bahn aus. Dann brauch er nicht so weit zu laufen. Nur diesen langen Weg
an den Gleisen entlang und dann über die Schranke. Die um diese Zeit sowieso
nicht mehr zu geht. Neben ihm, hinter ihm steigen auch diese zwei Typen aus der
Bahn. Ausländer, Araber glaub ich, keine Ahnung, ob das Flüchtlinge sind. So
zwei junge Typen Anfang zwanzig, wenn überhaupt, mit Muskelshirts, aber ohne
die dazugehörigen Muskeln. Aber das ist ja egal, in diesem Alter. Am Anfang
will er sogar extra hinten rum gehen, durch die Unterführung, nur um denen aus
dem Weg zu gehen, weil die ihm komisch vorkommen. Aber dann entscheidet er sich
doch dafür, an ihnen vorbeizugehen. Die Faulheit siegt also am Ende. Oder die
Dummheit?
Die beiden bleiben an den
Gleisen, unter dem Pfeiler der geschlossenen Fußgängerbrücke stehen. Als er an
ihnen vorbeigeht, macht der eine so Affengeräusche. Wie ein Tier. Scheiße. Wenn
die ihm jetzt nachgehen…
Bis zum Bahnübergang sind es
ungefähr 200 Meter. Kein anderer nimmt diesen Weg. Nur er. Scheiße. Wenn die
mir jetzt hinterherkommen. Hier hört dich keiner schreien. Wenn du überhaupt
dazu kommst zu schreien. Mit deinem Laptop und deinem dicken Portemonnaie, dass
du auch noch dummerweise in der Gesäßtasche deiner Hose hast. Dafür sterbe ich,
für den Laptop… Hast du letztens auf der Arbeit gesagt. Zu Yasir. Ganz
großspurig. Aber auf der Arbeit hast du auch einen Alarmknopf. Und ein
funktionierendes Telefon. Bist du auf dem alten Telefon deiner Tochter (das du
bis auf weiteres mit dir führen musst, weil du blank wie der Arsch von Kim
Kardashian bist) die Nummer der Polizei gewählt hast, bist du schon lange tot –
es sei denn, du kannst sie zum Warten überreden. Hold on a sec, mate… Hier nicht, hier in freier Wildbahn, wo diese
beiden menschlichen Tiere deine Angst förmlich riechen können. Dann musst du
eben kämpfen, dich verteidigen. Du guckst du der leeren Bierflasche in der
Seitentasche deines Rucksacks. 8 Cent sind 8 Cent. Vielleicht könntest du dich
ja damit verteidigen. Vielleicht hat Gott dich die ja extra mitnehmen lassen.
Vielleicht hat Gott ja einen Plan mit dir. Oder ist alles nur Zufall, nur ein
einziger, brutaler Zufall? Du gehst schnell, extra schneller, damit du einen
Vorsprung hast, sollten sie doch noch hinter dir herkommen. Im Moment tut sich
zwar nichts, aber du weißt, dass sie dich im Ernstfall einholen würden. Du bist
nicht dünn und wendig wie sie, du bist ein Brecher; der am Ende seinen Mann
stehen und sich verteidigen muss. Du bist jetzt fast an der Schranke, fast am
Bahnübergang und traust dich gar nicht, dich umzudrehen, um nachzugucken, ob
die noch immer da stehen, unter den Stahlpfeilern, in sicherer Distanz? Das
Einzige, was du machen kannst, ist, in die Nacht hineinzuhorchen. Wie ein Hase,
mit seinen langen Ohren. Du gehst über die Schranke, über die breite Landstraße
und, auf der anderen Seite angekommen, denkst du: Wenn die jetzt kommen und
Ärger wollen, dann kriegen sie den ganzen Frust der letzten zwei Jahre, was sag
ich, der letzten zehn Jahre, ab. Aber es ist leichter, das auf der Arbeit zu
sagen, wo du gut behütet bist, da ist es leichter zu sagen: „Der soll ruhig
kommen. Dann kriegt er die ganze Wut, die ganze Frustration ab, die sich in mir
aufgestaut hat. Soll er ruhig kommen!“ Wahrscheinlich denkst du das eh nur,
weil du jetzt ziemlich sicher sein kannst, dass sie dir nicht gefolgt sind.
Kannst du das? Du bist mittlerweile beim Penny-Markt angekommen, gehst an dem Parkplatz
entlang, denkst: Hier sind überall Häuser. Wenn die dir jetzt doch noch
hinterherkommen, dann schreist du einfach wie bekloppt. Darin hast du ja Übung:
Das hast du schließlich deine gesamte Jugend Zuhause gemacht. (Was sollen denn
die Nachbarn denken – mir doch scheißegal! Ahhhhhhhh…) Dann gehst du irgendwo
rein, in einen dieser Hauseingänge und klingelst an allen Klingen Sturm –
solange, bis dir jemand aufmacht. Oder schreist mitten auf der Straße wie am
Spieß. Aber meinst du, dass dir wirklich jemand aufmachen würde, hier, in
dieser Seitenstraße, mitten in der Nacht in M.? Vielleicht würdest du gar nicht
dazu kommen, hier Sturm zu klingeln… Du gehst an einer Toreinfahrt vorbei und
denkst: Scheiße, hier könnte ich gar nicht klingeln. Wenn die jetzt kommen
würden müsste ich erst mal zum nächsten Haus laufen. Mitsamt Laptop und
Rucksack. Oder eben…kämpfen… Komm schon, du könntest das, nachdem du eben
diesen feurigen Hähnchen-Döner vom Türken. Den Griechen gibt es ja nicht mehr. Der hatte richtig Feuer dahinter. Da fingst du an zu schwitzen wie ein
Tier, in der Bahn. Das war dir schon peinlich, obwohl keiner bei dir auf/im
Sechser saß. Wie ein Tier! Sollen sie doch kommen! Trotzdem gehst du zügig über
die Hauptstraße unterhalb des Kreisels. Guckst dich noch ein letztes Mal um,
siehst aber niemanden. Selbst im Schein der Straßenlaterne auf der Ecke nicht.
Puh, das wäre geschafft!, denkst du, als du am Netto vorbeikommst. Die
Jugendlichen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Hier in M. Keine KKM!
KK-Mafia, mein fetter Arsch!
Fast bist du sogar ein
bisschen enttäuscht, haha. Dass du keine Chance hattest, deine angeschlagene
Männlichkeit in dieser lauen Sommernacht endlich mal unter Beweis zu stellen.
Ihnen den Kopf abzureißen und in ihren Hals zu pissen, diesen…
Um etwa zehn nach zwei
schließt er endlich die Wohnungstüre auf und ist Zuhause. Endlich! Doch kaum
ist er zur Tür rein, da fängt es in seinem Körper auch schon heftig an zu
drücken. Das hat er öfters. Kaum ist er da, muss er auch schon auf Klo. Aber
vorher noch schnell die Computertasche in Reichweite bringen, den Stuhl vor der
Kloschüssel in Stellung bringen und…das Internet einstöpseln – und das alles
mit zusammengekniffenen Arschbacken. Schließlich muss er ja noch nach seinem
Blog gucken. Doch dann sieht er plötzlich, dass das mit dem Internet gar nicht
mehr nötig ist. Denn alle grünen Lämpchen am Router leuchten bereits.
Komisch…ich könnte schwören…
…dass ich das heute
Nachmittag, als ich gegangen bin, ausgemacht hab. Um Strom zu sparen. Definitiv.
Da hab ich sogar noch daran gedacht, dass sich die Uhr am Herd nicht ausstellen
lässt und dadurch Tag und Nacht Strom frisst. Zwar nur kleine Mengen, aber das
läppert sich. Er ist sich fast 100%ig sicher, dass er den Internet-Stecker
rausgezogen hat. Oder war jemand hier? In seiner Abwesenheit? Werde ich langsam
etwa bekloppt? Er guckt sich um, bemerkt aber nichts Auffälliges. Außer das
Internet. Das hat er doch ausgemacht. Aber María hat doch gar keinen Schlüssel
– zumindest nicht für die Wohnungstür. Oder? Und wenn sie ihn nachgemacht hat?
Nein, das ist doch ein Sicherheitsschlüssel, den kann man doch gar nicht so
einfach, gar nicht so ohne Weiteres nachmachen lassen. Dazu brauch man doch die
Erlaubnis des Eigentümers. Oder nicht? Keine Ahnung.
…und wenn ihre Mutter den
nachgemacht hat. Und hier extra das Internet angelassen hat, um ihn in den
Wahnsinn zu treiben… Wie nennt man das noch mal in der Psychologie…? Gaslighting. Ja, Gaslighting, das ist es! Das kommt von irgendeinem Film, in dem ein
Verbrecher tatsächlich seine Ehefrau in den Wahnsinn treiben will oder treibt,
indem er permanent an ihrer Wahrnehmung zweifelt, Dinge verstellt
beziehungsweise absichtlich verlegt, ein ausgeschaltetes Router in der
Abwesenheit des Ex-Mannes wieder einschaltet etc… Oder eben die Existenz des
Gaslichtes, das Bella (was für ein schöner Name!) in dem Theaterstück sieht,
bezweifelt. Gaslighting eben. So
nennt man das in der Psychologie. Indem man dem Opfer, das wie er eh schon ein
bisschen labil ist, langsam den Glauben an die Dinge, so wie sie sind, an die
Realität selbst, nimmt.
Oder ist das doch nur Paranoia. Paranoia hervorgerufen durch die Realität seiner Trennung, die
sich nicht mit seinem Wunschdenken, seinen Sehnsüchten in Einklang bringen
lässt Es kann ja auch sein, dass er tatsächlich
vergessen hat, das Router auszuschalten, obwohl er sich felsenfest sicher
war, es ausgeschaltet zu haben. Um Strom zu sparen. Weil er Strom sparen will.
Weil er Strom sparen muss. Vergisst man dann so etwas? So etwas Wichtiges? Wenn
man die ganze Zeit daran denkt? Wenn man sogar noch an die ständig tickende Uhr
im Herd denkt?
Ich werd bekloppt, ich werd
langsam echt bekloppt, denkt er als er die grünen Lämpchen des Routers im
Dunkeln leuchten sieht.
Das ist ja hier fast schon
wie im großen Gatsby, wie das grüne Licht, das Gatsby meint auf der anderen
Seite des Sundes wahrzunehmen und das er mit seiner Geliebten, aber für immer
verlorenen Daisy assoziiert. Genau wie mit den beiden Typen eben. War das etwa
auch nur die Sehnsucht nach Gewalt, nach einem Befreiungsschlag – im wahrsten
Sinne des Wortes –, der Licht in das Dunkel seines Leben bringt…
…Morgen
laufen wir schneller, strecken die Arme weiter aus und einen schönen Tages, so
kämpfen wir weiter, wie Boote gegen den Strom. Und unablässig treibt es uns
zurück in die Vergangenheit…
Sie ist noch geblieben,
während ‒‒‒‒‒‒‒ schon weg ist.
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