Posts mit dem Label Gewalt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gewalt werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 26. Dezember 2017

Lieber würde ich...
















Du sitzt auf der Arbeit und denkst: Wie gerne würde ich ihr jetzt schreiben, dass ich sie vermisse, wie sehr ich sie vermisse, wie ich mich danach sehne, dass sie da ist, bei mir zu Hause…

Zahltag: Eine Rachegeschichte



Warnung: Die folgenden Zeilen sind natürlich - wie im Übrigen alles hier - rein ficktiv und geben nicht die Meinung des Autors wieder. Jegliche Ähnlichkeiten mit (noch) lebenden Personen ist ebenfalls rein ficktiv und purer Zufall!









Ihr kann ich nichts tun. Sie bedeutet mir zu viel. Noch immer. Aber du, du bist etwas ganz anderes. Du bedeutest mir NICHTS. Du bist nur Scheiße.

Für das Arschloch von Vermieter, für die zwei Umzüge, für das ganze Geld, das ich verloren habe.

Du wirst leiden. Für all die Scheiße, die du mir angetan hast, die andere mir jemals angetan haben. Für alles. Für meine Eltern, für Ivan, José, Christoph, für all die Leute, die mich ignoriert haben, mich hinter meinem Rücken beleidigt haben, die mich geschnitten haben, mein ganzes Leben. So ist das Leben: Wir bezahlen immer für die Sünden anderer… Musste ich auch, amigo. Enemigo…

Ich weiß, du bist nicht an allem schuld, was in meinem Leben schiefgelaufen ist, aber…

…dich habe ich erwischt. Du stehst für SIE. Für sie, für sie alle. Alle, die mich jemals verarscht haben, alle, die mich jemals betrogen haben, mich abgezogen haben. An dir werde ich ein Exempel statuieren. Das ist Pech für dich. Aber so ist das Leben. Nicht immer gerecht.

Zuerst sagt er nichts, aber dann fängt er an, irgendwas zu murmeln, das ich nicht verstehe. Oder nur halb. Muss wohl an dem Klebeband liegen. Das ich noch vom letzten UMZUG übrig habe. Oder noch von früher, wo ich noch mit IHR zusammen war. Ich verstehe ihn nicht. Will ihn nicht verstehen. Was für einen Unterschied würde das jetzt noch machen, jetzt, wo er hier auf dem Boden liegt. Und weg muss. Keinen! Also ist es egal. Er ist jetzt nicht mehr der große Mann, der er einst war… Der er einst dachte zu sein…

…heute bezahlst du für alle Leute, die dir jemals selbstgefällig ins Gesicht gelacht haben (for all the fucking smug smiles I’ve had to endure), das ganze Leid, die ganze Scheiße, die ganze Beziehungsscheiße (all the relationshit), Jetzt bist du nicht mehr so groß. Für all die Tränen, die nicht gekommen sind, nicht mehr gekommen sind, all die Wochenenden, an denen ich meine Tochter nicht gesehen habe, die ganzen Streitigkeiten mit IHR, die ganze Scheiße. Du musst das auch verstehen. Es ist bestimmt nicht schwer zu verstehen, mit all dem Blut im Mund. Ist doch verständlich?! Sonst müssen wir immer alles verstehen. Was ihr macht. Aber jetzt nicht mehr. Ich will endlich mal nicht verstehen, nur handeln, einfach nur handeln.

Er macht komische Geräusche. Keine Ahnung, was er mir damit sagen will. Aber ich muss das auch nicht verstehen, nicht mehr, jetzt nicht mehr…

Sage leise, aber bestimmt: „¡Te callas! ¡Hijo de puta, hijo de la gran puta! ¡Hijo de mierda! ¡Háblame en español, en castellano, no esta mierda de longos!“, sage ich mit einem spanischen Akzent, den ich mir angewöhnt habe, damit ich nicht mehr rede wie SIE, nicht mehr reden muss, wie sie…

Ich gebe ihm einen Tritt und er hört auf zu reden. Winselt nur noch irgendwie rum. Jetzt hör schon auf, du Lutscher. Das war noch nicht mal richtig! Ich will mir ja nicht an dir noch den Fuß brechen. Außerdem tut es mir immer noch weh. Ich mag keine Gewalt. Aber irgendwann kommt jeder an einen Punkt…an dem er nicht mehr kann, an der er die Schnauze voll hat, an dem das Fass überläuft…an dem er sich nicht mehr alles gefallen lassen will…

Das ist so wie deine Kollegin das sagt. Deine Kollegin, deren Lieblingsfilm dieser eine Film mit Michael Douglas ist. Wo der ausflippt, dieser ganz normale Typ. Mit gutem Anzug, gutem Job, gutem Auto. Weil die Frau den verlassen hat. Und wie viele Frauen das nun mal machen, die Kinder gleich mitgenommen hat. Das ist der Trigger bei dem. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und im Laufe des Films sogar mit der Panzerfaust rumballert. Das ist der Lieblingsfilm meiner Kollegin. Aber die hat das nie in die Tat umgesetzt. Ihre geheimsten Wünsche und Triebe. Ich schon. Heute… die meinten ja auch, die könnten mich für immer verarschen, jeden Tag zum Essen kommen und zum Dank noch meiner Frau nachstellen. Klar… Normal… Mit ihr Fahrrad fahren wollen. ¿Quieres hacer bicicleta? Wie oft hast du das damals gefragt?! Viermal?! Heute fahre ich Fahrrad. Mit dir! Aber ohne Sattel! Hoy voy a hacer bicicleta contigo… Yo…contigo…no ella…

Manche Sachen gehen eben nur mit Gewalt… Hörst du?! „Manche Sachen gehen nur mit Gewalt!“

Das gilt für die kleinen wie für die großen Dinge des Lebens…

Sogar ein Wassermann kommt irgendwann an diesen Punkt…

Die Friedfertigkeit ist vielleicht gut für Gandhi, aber nicht für dich…

Vielleicht bin ich ja auch im Aszendenten etwas anderes…Böseres…

¡Ya te digo qué te calles, hijo de puta!

Du hast alles bekommen, immer schon, und ich hab alles verloren! Du kannst SIE sehen, sogar meine Tochter, du kannst sie schmierig anlächeln, am Wochenende, wenn sie bei ihrer Mutter ist.

Was soll ich jetzt mit dir machen?

Ich beuge mich zu ihm runter: „Was soll ich mit dir machen? Sag mir…, sag mir das…“

Er sagt nichts, guckt mich nur mit diesen großen Rehaugen an. Tieraugen.

Und dann wache ich aus dem Traum auf und es ist immer noch Weihnachten. Dieses Jahr ist Weihnachten aber auch scheißlang… Zieht sich wie Kaugummi. Geht immer wigga. Imma wigga… Mannomann, du hast echt zu viel Eminem gehört... In den letzten Tagen. Viel zu viel. Das ist nicht gut für dich. Wie hat das deine Mutter (und dein Vater) damals immer gesagt?! „Du weißt nie, wann du aufhören, wann es Zeit ist aufzuhören…“ Bis heute nicht. Ist das jetzt gut oder schlecht? Das weißt du auch nicht. Du weißt, dass du nicht viel weißt…

Oder ist er es, der aus dem Traum aufwacht. Den Traum von seiner Schwägerin (welcher?), von den Töchtern seiner Schwägerinnen (welcher?), geht mein (und sein) Alptraum etwa weiter und ich bin wirklich hier, in dieser Wohnung, mit ihm auf dem Boden, sauber getaped, eine Platzwunde an der Stirn. Wer soll das denn putzen, du machst meinen ganzen Boden dreckig. Soll ich etwa deine Schwägerin anrufen, damit sie putzen kommt, oder was?!

Scheiße, was mach ich denn jetzt mit dir…

Ich reibe mir die Augen, richte mich mühsam auf. Ich bin zu alt für diesen Scheiß. Jetzt damit anfangen. Mit Gewalt muss man früh anfangen. Erfahrung sammeln. Sonst ist es zu spät. Aber man hat nicht immer eine Wahl im Leben. Manchmal geht es einfach nicht anders, im Leben.










Samstag, 25. November 2017

Anruf seines Vaters














Auf einmal, im Bus, hat er ein komisches Gefühl. Er greift sich an die Hose. Ja, das ist sein Handy: Da ruft ihn jemand an… Er guckt auf das Display und kann seinen Augen kaum glauben. Da steht Bert. Scheiße, was ist das denn? Warum ruft der denn an? Er guckt noch mal auf das Display, um sich ganz sicher zu sein, aber natürlich ist er es. Scheiße. Es klingelt noch ein paar Mal (das heißt, es klingelt ja gar nicht, sondern vibriert nur) und dann ist Ruhe. Tatsache! Das war sein Vater! Was will der denn?! Keine Ahnung, aber da geh ich ganz sicher nicht dran. Vor allen Dingen nicht hier, im Bus. Eigentlich nirgendwo, nicht nach dem letzten Mal. Ich bin doch nicht blöd. 

Sonntag, 10. September 2017

Mordlust im Alltag






"Ya no hay guapos
Luis Martín Santos - Tiempo de silencio






Plötzlich kommt ihm dieser Gedanke: Heute hätte ich echt Bock, jemanden zu töten, denkt er.

Echt!

Natürlich weiß ich nicht wie. Oder wen. Aber irgendwie ist mir, wär mir danach. Keine Ahnung warum. Die Wege des Herrn sind unergründlich… Natürlich werde ich das jetzt nicht in die Tat umsetzen, ist ja klar, aber… Wie denn auch?!

In einem Land ohne Gesetze…

Samstag, 5. August 2017

Der Eismann



"Gatsby glaubte an das grüne Licht, an die wundervolle Zukunft, 
die Jahr für Jahr vor uns zurückweicht. 
Damals entwischte sie uns, aber was machte das schon? 
Morgen laufen wir schneller, strecken die Arme weiter aus und einen schönen Tages, 
so kämpfen wir weiter, wie Boote gegen den Strom. 
Und unablässig treibt es uns zurück in die Vergangenheit."
F. Scott Fitzgerald














Er steht vor dem Haus. Guckt hoch. Das Licht ist an. Oben. Er kann hier nicht lange stehen. Er war gerade beim Friseur, seine Haare sind wieder kurz, richtig kurz diesmal, fast wie bei einem Soldaten. Hat die gut gemacht. Da machen die das immer gut, in der Stadt. Der Stadt, die er hasst. Wie die Pest. Wie hat er das heute zu seiner Tochter gesagt: „Ich fühle mich unwohl hier. Physisch unwohl. Verstehst du?“

Samstag, 29. Juli 2017

Der Kunde ist König













ER kommt wechseln und ich denke nur: DU BIST SO EN HURENSOHN!!!

Oder noch schlimmere Sachen, die ich hier wirklich nicht zu Papier bringen beziehungsweise digitalisieren kann.

Samstag, 8. Juli 2017

Mordpläne und Bahngebete











  
Den ganzen Weg nach Bonn denkt er – halb im Spaß, halb todernst – darüber nach, was er dem Yasir denn nun in den Kaffee tun soll, damit er ihn endlich (oder endgültig?) nicht mehr nervt. Er denkt und denkt nach. Er könnte sich jetzt natürlich jetzt im Raum hinter dem Kassenhäuschen den Finger in den Arsch stecken und dann damit in die Tasse packen, bevor er ihm den Kaffee macht. Langsam die Finger über den Rand der Tasse gleiten lassen, wie die das immer in den Filmen machen…und dann damit den Löffel oben anpacken…falls der heiße Kaffee die Koli-Bakterien an seinem Finger doch abgetötet hat.

Freitag, 30. Juni 2017

H wie Hoffnungslosigkeit, Heulen und...













Du liegst im Bett, willst traurig sein, es macht doch alles keinen Sinn mehr, willst heulen, nichts mehr sagen, nie wieder was sagen…

…aber dann kommt María an dir vorbei…

Und du fühlst dich wieder besser. Nur minimal, aber das reicht schon, um weiter zu leben, um wieder Hoffnung zu schöpfen. Dieses Leben ist so Scheiße. Es zieht dich ganz tief runter und gibt dir dann einen Funken Hoffnung.

Dienstag, 27. Juni 2017

Traumdeutung: Der Inder











Irgendwoher weiß er, dass das die Wohnung von Nadine ist. Aber das Zimmer ist irgendwie komisch. Denn da sind gar keine Möbel. Kein Bett, kein Schrank, nichts. Es ist einfach ein dunkles Zimmer, in dem María in der Ecke steht. Aber sie ist nicht allein. Das ist auch noch dieser Inder. Der ein bisschen so aussieht wie der Inder aus Emmerdale. Oder war es Coronation Street? Keine Ahnung. So ein Typ mit Glatze und Schnäuzer.

Samstag, 17. Juni 2017

Grüne Lämpchen am Ende des Tunnels













In M. steigt er extra ganz hinten aus der Bahn aus. Dann brauch er nicht so weit zu laufen. Nur diesen langen Weg an den Gleisen entlang und dann über die Schranke. Die um diese Zeit sowieso nicht mehr zu geht. Neben ihm, hinter ihm steigen auch diese zwei Typen aus der Bahn. Ausländer, Araber glaub ich, keine Ahnung, ob das Flüchtlinge sind. So zwei junge Typen Anfang zwanzig, wenn überhaupt, mit Muskelshirts, aber ohne die dazugehörigen Muskeln. Aber das ist ja egal, in diesem Alter. Am Anfang will er sogar extra hinten rum gehen, durch die Unterführung, nur um denen aus dem Weg zu gehen, weil die ihm komisch vorkommen. Aber dann entscheidet er sich doch dafür, an ihnen vorbeizugehen. Die Faulheit siegt also am Ende. Oder die Dummheit?

Die beiden bleiben an den Gleisen, unter dem Pfeiler der geschlossenen Fußgängerbrücke stehen. Als er an ihnen vorbeigeht, macht der eine so Affengeräusche. Wie ein Tier. Scheiße. Wenn die ihm jetzt nachgehen…

Bis zum Bahnübergang sind es ungefähr 200 Meter. Kein anderer nimmt diesen Weg. Nur er. Scheiße. Wenn die mir jetzt hinterherkommen. Hier hört dich keiner schreien. Wenn du überhaupt dazu kommst zu schreien. Mit deinem Laptop und deinem dicken Portemonnaie, dass du auch noch dummerweise in der Gesäßtasche deiner Hose hast. Dafür sterbe ich, für den Laptop… Hast du letztens auf der Arbeit gesagt. Zu Yasir. Ganz großspurig. Aber auf der Arbeit hast du auch einen Alarmknopf. Und ein funktionierendes Telefon. Bist du auf dem alten Telefon deiner Tochter (das du bis auf weiteres mit dir führen musst, weil du blank wie der Arsch von Kim Kardashian bist) die Nummer der Polizei gewählt hast, bist du schon lange tot – es sei denn, du kannst sie zum Warten überreden. Hold on a sec, mate… Hier nicht, hier in freier Wildbahn, wo diese beiden menschlichen Tiere deine Angst förmlich riechen können. Dann musst du eben kämpfen, dich verteidigen. Du guckst du der leeren Bierflasche in der Seitentasche deines Rucksacks. 8 Cent sind 8 Cent. Vielleicht könntest du dich ja damit verteidigen. Vielleicht hat Gott dich die ja extra mitnehmen lassen. Vielleicht hat Gott ja einen Plan mit dir. Oder ist alles nur Zufall, nur ein einziger, brutaler Zufall? Du gehst schnell, extra schneller, damit du einen Vorsprung hast, sollten sie doch noch hinter dir herkommen. Im Moment tut sich zwar nichts, aber du weißt, dass sie dich im Ernstfall einholen würden. Du bist nicht dünn und wendig wie sie, du bist ein Brecher; der am Ende seinen Mann stehen und sich verteidigen muss. Du bist jetzt fast an der Schranke, fast am Bahnübergang und traust dich gar nicht, dich umzudrehen, um nachzugucken, ob die noch immer da stehen, unter den Stahlpfeilern, in sicherer Distanz? Das Einzige, was du machen kannst, ist, in die Nacht hineinzuhorchen. Wie ein Hase, mit seinen langen Ohren. Du gehst über die Schranke, über die breite Landstraße und, auf der anderen Seite angekommen, denkst du: Wenn die jetzt kommen und Ärger wollen, dann kriegen sie den ganzen Frust der letzten zwei Jahre, was sag ich, der letzten zehn Jahre, ab. Aber es ist leichter, das auf der Arbeit zu sagen, wo du gut behütet bist, da ist es leichter zu sagen: „Der soll ruhig kommen. Dann kriegt er die ganze Wut, die ganze Frustration ab, die sich in mir aufgestaut hat. Soll er ruhig kommen!“ Wahrscheinlich denkst du das eh nur, weil du jetzt ziemlich sicher sein kannst, dass sie dir nicht gefolgt sind. Kannst du das? Du bist mittlerweile beim Penny-Markt angekommen, gehst an dem Parkplatz entlang, denkst: Hier sind überall Häuser. Wenn die dir jetzt doch noch hinterherkommen, dann schreist du einfach wie bekloppt. Darin hast du ja Übung: Das hast du schließlich deine gesamte Jugend Zuhause gemacht. (Was sollen denn die Nachbarn denken – mir doch scheißegal! Ahhhhhhhh…) Dann gehst du irgendwo rein, in einen dieser Hauseingänge und klingelst an allen Klingen Sturm – solange, bis dir jemand aufmacht. Oder schreist mitten auf der Straße wie am Spieß. Aber meinst du, dass dir wirklich jemand aufmachen würde, hier, in dieser Seitenstraße, mitten in der Nacht in M.? Vielleicht würdest du gar nicht dazu kommen, hier Sturm zu klingeln… Du gehst an einer Toreinfahrt vorbei und denkst: Scheiße, hier könnte ich gar nicht klingeln. Wenn die jetzt kommen würden müsste ich erst mal zum nächsten Haus laufen. Mitsamt Laptop und Rucksack. Oder eben…kämpfen… Komm schon, du könntest das, nachdem du eben diesen feurigen Hähnchen-Döner vom Türken. Den Griechen gibt es ja nicht mehr. Der hatte richtig Feuer dahinter. Da fingst du an zu schwitzen wie ein Tier, in der Bahn. Das war dir schon peinlich, obwohl keiner bei dir auf/im Sechser saß. Wie ein Tier! Sollen sie doch kommen! Trotzdem gehst du zügig über die Hauptstraße unterhalb des Kreisels. Guckst dich noch ein letztes Mal um, siehst aber niemanden. Selbst im Schein der Straßenlaterne auf der Ecke nicht. Puh, das wäre geschafft!, denkst du, als du am Netto vorbeikommst. Die Jugendlichen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Hier in M. Keine KKM! KK-Mafia, mein fetter Arsch!

Fast bist du sogar ein bisschen enttäuscht, haha. Dass du keine Chance hattest, deine angeschlagene Männlichkeit in dieser lauen Sommernacht endlich mal unter Beweis zu stellen. Ihnen den Kopf abzureißen und in ihren Hals zu pissen, diesen…

Um etwa zehn nach zwei schließt er endlich die Wohnungstüre auf und ist Zuhause. Endlich! Doch kaum ist er zur Tür rein, da fängt es in seinem Körper auch schon heftig an zu drücken. Das hat er öfters. Kaum ist er da, muss er auch schon auf Klo. Aber vorher noch schnell die Computertasche in Reichweite bringen, den Stuhl vor der Kloschüssel in Stellung bringen und…das Internet einstöpseln – und das alles mit zusammengekniffenen Arschbacken. Schließlich muss er ja noch nach seinem Blog gucken. Doch dann sieht er plötzlich, dass das mit dem Internet gar nicht mehr nötig ist. Denn alle grünen Lämpchen am Router leuchten bereits. Komisch…ich könnte schwören…

…dass ich das heute Nachmittag, als ich gegangen bin, ausgemacht hab. Um Strom zu sparen. Definitiv. Da hab ich sogar noch daran gedacht, dass sich die Uhr am Herd nicht ausstellen lässt und dadurch Tag und Nacht Strom frisst. Zwar nur kleine Mengen, aber das läppert sich. Er ist sich fast 100%ig sicher, dass er den Internet-Stecker rausgezogen hat. Oder war jemand hier? In seiner Abwesenheit? Werde ich langsam etwa bekloppt? Er guckt sich um, bemerkt aber nichts Auffälliges. Außer das Internet. Das hat er doch ausgemacht. Aber María hat doch gar keinen Schlüssel – zumindest nicht für die Wohnungstür. Oder? Und wenn sie ihn nachgemacht hat? Nein, das ist doch ein Sicherheitsschlüssel, den kann man doch gar nicht so einfach, gar nicht so ohne Weiteres nachmachen lassen. Dazu brauch man doch die Erlaubnis des Eigentümers. Oder nicht? Keine Ahnung.

…und wenn ihre Mutter den nachgemacht hat. Und hier extra das Internet angelassen hat, um ihn in den Wahnsinn zu treiben… Wie nennt man das noch mal in der Psychologie…? Gaslighting. Ja, Gaslighting, das ist es! Das kommt von irgendeinem Film, in dem ein Verbrecher tatsächlich seine Ehefrau in den Wahnsinn treiben will oder treibt, indem er permanent an ihrer Wahrnehmung zweifelt, Dinge verstellt beziehungsweise absichtlich verlegt, ein ausgeschaltetes Router in der Abwesenheit des Ex-Mannes wieder einschaltet etc… Oder eben die Existenz des Gaslichtes, das Bella (was für ein schöner Name!) in dem Theaterstück sieht, bezweifelt. Gaslighting eben. So nennt man das in der Psychologie. Indem man dem Opfer, das wie er eh schon ein bisschen labil ist, langsam den Glauben an die Dinge, so wie sie sind, an die Realität selbst, nimmt.

Oder ist das doch nur ParanoiaParanoia hervorgerufen durch die Realität seiner Trennung, die sich nicht mit seinem Wunschdenken, seinen Sehnsüchten in Einklang bringen lässt Es kann ja auch sein, dass er tatsächlich vergessen hat, das Router auszuschalten, obwohl er sich felsenfest sicher war, es ausgeschaltet zu haben. Um Strom zu sparen. Weil er Strom sparen will. Weil er Strom sparen muss. Vergisst man dann so etwas? So etwas Wichtiges? Wenn man die ganze Zeit daran denkt? Wenn man sogar noch an die ständig tickende Uhr im Herd denkt?

Ich werd bekloppt, ich werd langsam echt bekloppt, denkt er als er die grünen Lämpchen des Routers im Dunkeln leuchten sieht.

Das ist ja hier fast schon wie im großen Gatsby, wie das grüne Licht, das Gatsby meint auf der anderen Seite des Sundes wahrzunehmen und das er mit seiner Geliebten, aber für immer verlorenen Daisy assoziiert. Genau wie mit den beiden Typen eben. War das etwa auch nur die Sehnsucht nach Gewalt, nach einem Befreiungsschlag – im wahrsten Sinne des Wortes –, der Licht in das Dunkel seines Leben bringt…


…Morgen laufen wir schneller, strecken die Arme weiter aus und einen schönen Tages, so kämpfen wir weiter, wie Boote gegen den Strom. Und unablässig treibt es uns zurück in die Vergangenheit…






Sie ist noch geblieben, während ‒‒‒‒‒‒‒ schon weg ist.