Im Traum muss ich einen Text
für ein Mädchen, eine Frau schreiben, die heiraten will. So eine kurze Rede,
wie man sie auf Hochzeiten vorliest. Wie das die Amerikanerimmer immer machen,
in den Filmen. ICH, der ich immer noch unter meiner Scheidung leide. Komische
Wahl. Aber man wählt ja seinen Trauminhalt nicht. Der wählt einen! Ich einige
mich also, mit ihr ein kurzes Interview (eine Befragung, ein Verhör, wie ich
zum Spaß sage, obwohl keiner lacht oder nur aus Höflichkeit lacht) zu machen,
wo sie mir etwas über ihren Geliebten, Bald-Ehemann (NEIIIIIIN, tu es nicht!!!)
erzählt. Die Hochzeit ist schon in zwei beziehungsweise 1 ½ Stunden, also muss
ich mich beeilen. Ich weiß gar nicht, wie ich das so schnell hinkriegen soll,
aber will es trotzdem versuchen. Obwohl ich, während ich mit ihr rede, selber
reichlich nervös, „gehemmt“ bin (wie die Bekannten meiner Eltern das immer
genannt haben), weil sie auch mir ein bisschen gefällt, wie ich ihr so in die
Augen gucke... Sie ist klein und schön und passt auch irgendwie in mein
Beuteschema. Also gehen wir zu ihr nach Hause. Aber irgendwie geht sie vor und
lässt mich nicht rein, keine Ahnung, auf jeden Fall stehe ich auf der Straße
und weiß noch nicht mal richtig, welches Haus es nun ist und ob ich klingeln
soll. Es sind alles so Reihenhäuser. Einfamilienreihenhäuser. Das heißt, ich
muss schon irgendwie wissen, welches Haus es ist, denn ich gucke durch ein
Fenster und sehe, dass da die beigefarbenen Sessel ineinandergeschoben sind und
auch sonst alles ziemlich unordentlich ist. Für den Hochzeitstag, den Tag der
Hochzeit. Aber am Ende sehe ich auf der Straße ein paar von meinen Schülern aus
dem Haus kommen und mich grüßen und dann weiß ich, dass sie da wohnen muss,
dass sie da wohnt. Und so lässt sie mich am Ende doch rein, obwohl ich komisch
bin, „gehemmt bin“, ihr zu sehr in die Augen gucke. Also beginne ich mein
Interview, mein Verhör, wie ich sage (obwohl keiner lacht, oder nur aus
Höflichkeit).
Ein Blog über das Leben, die Liebe, Beziehungen, Verlust, Angst, Spaß, die Lust, die Lust am Schreiben,Südamerika, Musik, südamerikanische Frauen, die Liebe, Spanisch, Englisch, Schottland, Spanien, Deutschland, dat Rheinland, Kinder, Literatur, Vergänglichkeit, Arbeit, Politik, die Mafia, Urlaub, Gewalt, Verbrechen, Sex, große und kleine Gefühle und vieles, vieles, vieles mehr ...
Freitag, 5. Januar 2018
Donnerstag, 4. Januar 2018
Ich glotz TV - ein Gehirnsturm
(Bild: KI-generiert)
Jeder Tag ist ein
Kampf. Das fängt schon kurz nach dem Aufstehen an. Ein Kampf gegen den Hunger
(ich liebe Intervallfasten), ein Kampf gegen das Schweigen deiner Tochter, ein
Kampf gegen die Scheiße im Fernsehen…
Aber egal: Bring’em on! Bring the
motherfuckers on!
Denn: Wer nicht
kämpft, der hat schon verloren!
Sie kommt aus
ihrem Zimmer, sagt nicht Guten Morgen. Du aber auch nicht. Warum solltest du,
wenn sie es auch nicht tut? Also scheiß auf einen guten Morgen. Ist sowieso
überschätzt.
Mittwoch, 3. Januar 2018
Verzeihen, vergeben, vergessen und verstehen
Im Fernsehen läuft dieser
Film mit Edward Norton, der seit seiner Hauptrolle in Fight Club für dich als Schauspieler unfehlbar ist. Egal, in wie
vielen Scheiß-Filmen er seitdem mitgespielt hat (wie zum Beispiel American History X). Einen Film wie Fight Club kann
man eben nicht toppen, das weiß bestimmt auch Edward Norton.
Auf jeden Fall spielt er in diesem Film den Kriminellen Stone, der einsitzt, weil er seine Mutter getötet hat, indem er das Haus, in dem sie lebte, angezündet hat. Weil es Gott ihm angeblich befohlen hat und er sich nur als Werkzeug Gottes gesehen hat. Oder irgend so ein Scheiß. Er hörte Stimmen, ein seltsames Rauschen, das nicht aufhören wollte, was weiß ich… Im Laufe des Films schläft Stones Frau mit dem Bewährungsgutachter ihres Mannes, der von Robert de Niro wie immer meisterhaft gespielt wird, damit er Stone ein gutes Zeugnis ausstellt – aber das nur am Rande.
Auf jeden Fall spielt er in diesem Film den Kriminellen Stone, der einsitzt, weil er seine Mutter getötet hat, indem er das Haus, in dem sie lebte, angezündet hat. Weil es Gott ihm angeblich befohlen hat und er sich nur als Werkzeug Gottes gesehen hat. Oder irgend so ein Scheiß. Er hörte Stimmen, ein seltsames Rauschen, das nicht aufhören wollte, was weiß ich… Im Laufe des Films schläft Stones Frau mit dem Bewährungsgutachter ihres Mannes, der von Robert de Niro wie immer meisterhaft gespielt wird, damit er Stone ein gutes Zeugnis ausstellt – aber das nur am Rande.
Und als du von der Arbeit,
wo du den Film geguckt hast, rauskommst, das schwere Gittertor hinter dir
verschließt und auf die nasse, verregnete Straße hinaustrittst, denkst du: Ich
will nicht immer verzeihen. Verzeihen und vergeben, wie dein Vater das damals
gesagt hat. Wie hat er das noch mal gesagt? Ich glaube es war „Man muss auch
vergeben können!“ Als du dich gerade getrennt hattest, vor kurzem, die Trennung
also noch frisch war. Er hatte schon immer ein Talent dazu, im falschen Moment
das Unpassendste zu sagen, dein Vater, früher auch schon („Guck mal, der hat
zwei Freundinnen und du gar keine!“ LINK). Aber ich will nicht mehr verzeihen.
Und auch nicht mehr vergeben. Ich habe die Nase voll davon, immer nur zu
verzeihen und zu verstehen und zu vergeben. Das hilft mir nicht weiter. Das
hilft immer nur denjenigen, die dir diesen ach so schlauen Rat erteilen, die
wollen, dass du ständig verzeihst und verstehst und vergibst – und verlierst. Verzeihen
hat nicht umsonst ein „ver-“ am Anfang – genau wie „verlieren“! Die wollen,
dass über alles Gras wächst. Dass du ihnen immer wieder alles nachsiehst. Weil
es ihnen in den Kram passt, weil es ihnen persönlich nützt. Weil sie dann keine
Konsequenzen zu befürchten haben, für sich selbst zumindest nicht. Wie wenn du
auch mal austeilen würdest. Du musst auch mal austeilen. Einmal austeilen, wie
sie. Leute dazu bringen, dass sie dir verzeihen MÜSSEN. Müssen sie? Dass sie
einen Grund haben, einen wahren Grund, dir zu verzeihen und zu vergeben, dich
zu verstehen. Was sie natürlich nie tun werden.
„Man sieht sich immer
zweimal im Leben!“, hast du heute zu Wolfi gesagt. Nein, das war es nicht. Du
hast gesagt: „Alles kommt zurück, alles fällt auf einen zurück. Du weiß das
doch bestimmt, in deinem Alter?!“
Und Wolfi hat nur gesagt:
„Ja.“
„Alles kriegt man zurück,
egal, wer man ist, egal, ob man einen Anzug trägt oder nicht…“
„Die ganze Arroganz, alles…“
Aber er hat nur gesagt: „Du
kriegst auch alles zurück…“
„Krieg ich jetzt schon, habe
ich schon, die letzten drei Jahre…“
Aber stimmt das auch? Oder
sind wir alle nur Werkzeuge unserer eigenen Vergebung? Verzeihen wir uns
selbst, indem wir anderen nicht verzeihen? Indem wir nicht vergessen? Nicht
alles verstehen? Weil ich sehe nicht, wie das auf die zurückkommen sollte. Ich sehe die gleiche Arroganz, die
gleichen Lügen, die gleiche Überheblichkeit, Überlegenheit. Ich sehe Menschen,
die noch nie in ihrem Leben verziehen haben, nicht vergessen und vergeben, die
das gar nicht könnten, selbst wenn sie wollten, die gar nicht dazu in der Lage
sind, psychisch wie physisch nicht.
Hat dir dein Vater jemals
vergeben, dir irgendetwas jemals verziehen? Aber selber Verzeihung predigen,
Vergessen und Vergeben. Oder deine Mutter? Noch schlimmer. Oder du dir selbst?
Auch nicht. Also, warum solltest du besser sein als diese Menschen, all diese
Menschen mit einem Herz aus Stein?! Warum solltest du dich besser verhalten,
ihnen verzeihen und vergeben, alles vergessen, was sie dir angetan haben?! Um
deine Eitelkeit zu befriedigen, deine Überheblichkeit, das Gefühl, besser zu sein?
Bist du nicht!
Das verstehst du jetzt. Und
wirst immer wütender. Auf dich, auf die Welt, auf deine Eltern, auf deine Ex,
auf deinen Chef, auf deinen früheren Vermieter, einfach auf alle…
So einfach ist das!
Und am Ende auch auf dich,
am Ende wirst du auch auf dich wütend, auf dich selbst…
Du hast es ihnen einfach
gemacht…
Viel zu einfach…
Sonntag, 31. Dezember 2017
...sagt meine Tochter... (Silvester 2017)
„Eigentlich wäre ich ja
morgen in Urlaub geflogen.“
„Wohin?“
„Weiß nicht. Irgendwo anders hin. Wo
es warm ist. Was Billiges. Einfach nur weg.“
„In Spanien ist jetzt auch
kalt.“
„Nein, Türkei oder so.
Alleine …“, sagt, nein, nicht er, sondern sie. Seine Tochter! An Silvester!
Donnerstag, 28. Dezember 2017
So ein Gefühl...
Plötzlich, während ich gerade im Bett liege und Coronation Street gucke (zwei geile Weihnachtsfolgen a 45:33min!), klingelt das Telefon. Ich springe aus dem Bett hoch wie von der Tarantel gestochen und renne in die Küche. Das ist bestimmt María. Mari. Ich weiß es einfach. Aber wo ist das verfickte Telefon bloß wieder hin? Immer die gleiche Scheiße! Die ganze Zeit suchst du nach irgendwelchem Scheiß. Mannomann. Zuerst gucke ich in der schwarzen Hose nach, die vor dem Herd liegt, aber da ist es nicht. Scheiße, Mann! Aber es hat doch hier geklingelt… Ja, es liegt auf dem Tisch. Und klingelt immer noch. Oder vibriert zumindest. Ein kurzer Blick auf das Display: Ja, Mari!
„Hi.“
„Hi. Ich komme ein bisschen
später. So um neun oder zehn. Ich bin noch in Köln.“
„Okay… Du weißt ja, der
letzte Zug fährt um 00:39!“
„Ja, aber solang brauch ich
nicht.“
„Willst du denn noch was zum
Essen? Soll ich noch was holen oder willst du morgen früh.“
„Das kann ich auch morgen
früh.“
„Okay, aber gib nicht dein
ganzes Geld aus, in Köln. Du musst sparen, für deinen Führerschein, du weißt
das.“
„Ich habe nichts gekauft.
Ich muss sparen. Ich war nur essen.“
„Essen kostet auch… Du musst
den Führerschein machen, der ist wichtig. Ich weiß, wie das ist, ohne
Führerschein.“
„Du hast doch einen
Führerschein.“
„Ja, ich weiß: Aber ich weiß
nicht, wo der ist und ich kann nicht fahren und ich habe kein Auto… Das ist
wichtig. Aber wir schaffen das schon. Ich werde das Geld schon irgendwo
herbekommen. I’m gonna rob a bank to get you the money.“
„Ja.“ Sie lacht. Oder lacht
sie nicht.
„Ok, bis dann. Viel Spaß!“
„Bis dann.“
Ich weiß, wie das ist. Ich
hätte auch gerne ein Auto, besonders hier draußen. Aber dann müsste ich wieder
Fahrstunden nehmen und mir ein Auto kaufen und die Versicherung bezahlen… Kurz
gesagt: Nicht drin. Außer ich verkaufe meine Seele an die italienische Mafia.
Hier an der Eisdiele um die Ecke. Wo die jeden Tag, Sommer wie Winter draußen
sitzen. Oder bei dem Italiener in Rheinbach. Den kennst du sogar von früher.
Das war vielleicht eine Hassliebe… Oder ich gewinne im Lotto, haha.
Aber irgendwie gefiel mir
das Gespräch nicht: Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sie mehr zu ihrer
Mutter will, heute Abend, anstatt zu mir. Dass sie keinen Bock hat, nach Köln
noch nach Meckenheim rauszufahren. Aber sie war ja schon gestern und vorgestern
bei ihrer Mutter. Am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag! Weil ich arbeiten war, weil
ich nicht anders konnte, nicht anders wollte, vergessen wollte, nicht feiern
wollte, mit niemandem… Und da ist Arbeit immer noch das Beste. Und was soll sie
denn auch alleine hier sitzen, am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag, während ich auf
der Arbeit bin. Außerdem brauche ich nach der Scheidung mehr als jemals zuvor
das Geld. Ich bin im mittleren Alter und brauch das Geld!
Vielleicht will sie ja mehr
zu ihrer Mutter, ganz zu ihrer Mutter…das ist ja auch Stress für sie, dieses
dauernde Hin und Her…
Ach, Quatsch
Dann muss sie mir das sagen. Ich werd den Teufel
tun…
Wenn ich auf meine Gefühle
hören würde…
Vielleicht will ihre Mutter
sie ja auch mehr sehen… Vielleicht geht es ihrer Mutter ja auch nicht gut,
dieses Jahr an Weihnachten…
Wenn ich auf meine Gefühle
hören würde…
Dienstag, 26. Dezember 2017
Lieber würde ich...
Du sitzt auf der Arbeit und
denkst: Wie gerne würde ich ihr jetzt schreiben, dass ich sie vermisse, wie
sehr ich sie vermisse, wie ich mich danach sehne, dass sie da ist, bei mir zu Hause…
Zahltag: Eine Rachegeschichte
Warnung: Die folgenden Zeilen sind natürlich - wie im Übrigen alles hier - rein ficktiv und geben nicht die Meinung des Autors wieder. Jegliche Ähnlichkeiten mit (noch) lebenden Personen ist ebenfalls rein ficktiv und purer Zufall!
Ihr kann ich nichts tun. Sie
bedeutet mir zu viel. Noch immer. Aber du, du bist etwas ganz anderes. Du
bedeutest mir NICHTS. Du bist nur Scheiße.
Für das Arschloch von Vermieter,
für die zwei Umzüge, für das ganze Geld, das ich verloren habe.
Du wirst leiden. Für all die
Scheiße, die du mir angetan hast, die andere mir jemals angetan haben. Für
alles. Für meine Eltern, für Ivan, José, Christoph, für all die Leute, die mich
ignoriert haben, mich hinter meinem Rücken beleidigt haben, die mich
geschnitten haben, mein ganzes Leben. So ist das Leben: Wir bezahlen immer für
die Sünden anderer… Musste ich auch, amigo.
Enemigo…
Ich weiß, du bist nicht an
allem schuld, was in meinem Leben schiefgelaufen ist, aber…
…dich habe ich erwischt. Du
stehst für SIE. Für sie, für sie alle. Alle, die mich jemals verarscht haben,
alle, die mich jemals betrogen haben, mich abgezogen haben. An dir werde ich
ein Exempel statuieren. Das ist Pech für dich. Aber so ist das Leben. Nicht
immer gerecht.
Zuerst sagt er nichts, aber
dann fängt er an, irgendwas zu murmeln, das ich nicht verstehe. Oder nur halb. Muss
wohl an dem Klebeband liegen. Das ich noch vom letzten UMZUG übrig habe. Oder
noch von früher, wo ich noch mit IHR zusammen war. Ich verstehe ihn nicht. Will
ihn nicht verstehen. Was für einen Unterschied würde das jetzt noch machen,
jetzt, wo er hier auf dem Boden liegt. Und weg muss. Keinen! Also ist es egal. Er
ist jetzt nicht mehr der große Mann, der er einst war… Der er einst dachte zu
sein…
…heute bezahlst du für alle
Leute, die dir jemals selbstgefällig ins Gesicht gelacht haben (for all the fucking smug smiles I’ve had to
endure), das ganze Leid, die ganze Scheiße, die ganze Beziehungsscheiße (all the relationshit), Jetzt bist du
nicht mehr so groß. Für all die Tränen, die nicht gekommen sind, nicht mehr
gekommen sind, all die Wochenenden, an denen ich meine Tochter nicht gesehen
habe, die ganzen Streitigkeiten mit IHR, die ganze Scheiße. Du musst das auch
verstehen. Es ist bestimmt nicht schwer zu verstehen, mit all dem Blut im Mund.
Ist doch verständlich?! Sonst müssen wir immer alles verstehen. Was ihr macht.
Aber jetzt nicht mehr. Ich will endlich mal nicht verstehen, nur handeln,
einfach nur handeln.
Er macht komische Geräusche.
Keine Ahnung, was er mir damit sagen will. Aber ich muss das auch nicht
verstehen, nicht mehr, jetzt nicht mehr…
Sage leise, aber bestimmt: „¡Te callas! ¡Hijo de puta, hijo de la gran puta!
¡Hijo de mierda! ¡Háblame en
español, en castellano, no esta mierda de longos!“,
sage ich mit einem spanischen Akzent, den ich mir angewöhnt habe, damit ich
nicht mehr rede wie SIE, nicht mehr reden muss, wie sie…
Ich gebe ihm einen Tritt und
er hört auf zu reden. Winselt nur noch irgendwie rum. Jetzt hör schon auf, du
Lutscher. Das war noch nicht mal richtig! Ich will mir ja nicht an dir noch den Fuß
brechen. Außerdem tut es mir immer noch weh. Ich mag keine Gewalt. Aber irgendwann
kommt jeder an einen Punkt…an dem er nicht mehr kann, an der er die Schnauze
voll hat, an dem das Fass überläuft…an dem er sich nicht mehr alles gefallen
lassen will…
Das ist so wie deine
Kollegin das sagt. Deine Kollegin, deren Lieblingsfilm dieser eine Film mit Michael Douglas ist. Wo der ausflippt, dieser ganz normale Typ. Mit gutem Anzug,
gutem Job, gutem Auto. Weil die Frau den verlassen hat. Und wie viele Frauen
das nun mal machen, die Kinder gleich mitgenommen hat. Das ist der Trigger bei dem. Im wahrsten Sinne des
Wortes. Und im Laufe des Films sogar mit der Panzerfaust rumballert. Das ist
der Lieblingsfilm meiner Kollegin. Aber die hat das nie in die Tat umgesetzt.
Ihre geheimsten Wünsche und Triebe. Ich schon. Heute… die meinten ja auch, die
könnten mich für immer verarschen, jeden Tag zum Essen kommen und zum Dank noch
meiner Frau nachstellen. Klar… Normal… Mit ihr Fahrrad fahren wollen. ¿Quieres hacer bicicleta? Wie oft hast
du das damals gefragt?! Viermal?! Heute fahre ich Fahrrad. Mit dir! Aber ohne Sattel! Hoy voy a hacer bicicleta contigo… Yo…contigo…no ella…
Manche Sachen gehen eben nur
mit Gewalt… Hörst du?! „Manche Sachen gehen nur mit Gewalt!“
Das gilt für die kleinen wie
für die großen Dinge des Lebens…
Sogar ein Wassermann kommt
irgendwann an diesen Punkt…
Die Friedfertigkeit ist
vielleicht gut für Gandhi, aber nicht für dich…
Vielleicht bin ich ja auch
im Aszendenten etwas anderes…Böseres…
¡Ya
te digo qué te calles, hijo de puta!
Du hast alles bekommen,
immer schon, und ich hab alles verloren! Du kannst SIE sehen, sogar meine
Tochter, du kannst sie schmierig anlächeln, am Wochenende, wenn sie bei ihrer
Mutter ist.
Was soll ich jetzt mit dir
machen?
Ich beuge mich zu ihm
runter: „Was soll ich mit dir machen? Sag mir…, sag mir das…“
Er sagt nichts, guckt mich
nur mit diesen großen Rehaugen an. Tieraugen.
Und dann wache ich aus dem
Traum auf und es ist immer noch Weihnachten. Dieses Jahr ist Weihnachten aber
auch scheißlang… Zieht sich wie Kaugummi. Geht immer wigga. Imma wigga… Mannomann, du hast echt zu viel
Eminem gehört... In den letzten Tagen. Viel zu viel. Das ist nicht gut für
dich. Wie hat das deine Mutter (und dein Vater) damals immer gesagt?! „Du weißt
nie, wann du aufhören, wann es Zeit ist aufzuhören…“ Bis heute nicht. Ist das
jetzt gut oder schlecht? Das weißt du
auch nicht. Du weißt, dass du nicht viel weißt…
Oder ist er es, der aus dem
Traum aufwacht. Den Traum von seiner Schwägerin (welcher?), von den Töchtern
seiner Schwägerinnen (welcher?), geht mein (und sein) Alptraum etwa weiter und
ich bin wirklich hier, in dieser Wohnung, mit ihm auf dem Boden, sauber getaped,
eine Platzwunde an der Stirn. Wer soll das denn putzen, du machst meinen ganzen
Boden dreckig. Soll ich etwa deine Schwägerin anrufen, damit sie putzen kommt,
oder was?!
Scheiße, was mach ich denn
jetzt mit dir…
Ich reibe mir die Augen,
richte mich mühsam auf. Ich bin zu alt für diesen Scheiß. Jetzt damit anfangen.
Mit Gewalt muss man früh anfangen. Erfahrung sammeln. Sonst ist es zu spät.
Aber man hat nicht immer eine Wahl im Leben. Manchmal geht es einfach nicht
anders, im Leben.
Sonntag, 24. Dezember 2017
Einen Tag vor Heiligabend: Na dann Prost!
Last Christmas, I gave you my heartBut the very next day you gave it awayThis year, to save me from tearsI'll give it to someone special…(Wham! - Last Christmas)(Bild: KI-generiert)
Ich hätte richtig Bock an
Heiligabend ein bisschen Alkohol zu trinken. Um zu vergessen. Vergessen, dass meine
Frau nicht mehr da ist (Tschuldigung, meine Ex-Frau meine ich natürlich). Um zu
vergessen, dass sie, meine Tochter, nur den halben oder noch nicht mal den
halben Tag da ist, an Heiligabend! Dass sie später den Leuten ins Gesicht
lächeln wird, die deine Ehe auf dem Gewissen haben, die dich kaputtgemacht
haben und jetzt alles haben, während du nichts hast. Nur eine Tochter, und auch
die nur die Hälfte des Tages (wenn überhaupt).
Samstag, 23. Dezember 2017
Ich will...
Du
Du hast
Du hast mich
Du hast mich
Du hast mich gefragt
Du hast mich gefragt
Du hast mich gefragt und ich hab nichts gesagt
Willst du bis der Tod uns scheidet
Treue sein für alle Tage
Nein
(Rammstein "Du hast")
Du hast
Du hast mich
Du hast mich
Du hast mich gefragt
Du hast mich gefragt
Du hast mich gefragt und ich hab nichts gesagt
Willst du bis der Tod uns scheidet
Treue sein für alle Tage
Nein
(Rammstein "Du hast")
(Bild: KI-generiert)
Ich stehe an der
Bahnhaltestelle (ich glaube, mittlerweile verbringe ich gut und gerne mein
halbes in oder an der Bahn) und denke darüber nach, was Herr Baden damals
gesagt hat.
Du hörst ihn immer
noch sagen: „Was willst du vom Leben?“
Donnerstag, 21. Dezember 2017
Drei Tage vor Weihnachten
(Bild: KI-generiert)
Er hat sich direkt unterm Fenster
An einem Balken aufgehängt,
Man kann die Kirchenglocken von hier hören,
Wenn man ganz leise ist
Man kann die Kirchenglocken von hier hören,
Wenn man ganz leise ist
Ein Tagebuch liegt auf dem Tisch,
Der letzte Eintrag ist noch frisch
Nur einen Satz schrieb er groß und breit
Der letzte Eintrag ist noch frisch
Nur einen Satz schrieb er groß und breit
„Ich bin hier und Bethlehem ist weit
Frohe Weihnacht, ich hoffe es geht euch gut,
Seid nicht böse über meine Flucht
Ich schau' euch trotzdem von hier oben beim Feiern zu ..."
Seid nicht böse über meine Flucht
Ich schau' euch trotzdem von hier oben beim Feiern zu ..."
(Die Toten Hosen - "Weihnachstmann vom Dach")
„Hast du Geld?“
Sie steht am Kühlschrank,
holt die Knusper-Gockelchen raus, die du so liebst. Die von Aldi. Deine
Knusper-Gockelchen. Um sie sich zu machen. Ok, sie hat gefragt, aber… Zwei
Stück! Dann ist gleich keiner mehr übrig für dich. Oder nur einer. Da lohnt
sich ja fast nicht, den überhaupt zu machen. Um eins, nachdem du die 16 Stunden
Intervall-Fasten hinter dich gebracht hast, um die Kilos zu verlieren, die du
dir in der letzten Zeit angefressen hast. Bestimmt bist du wieder über hundert
Kilo. Hundertpro. Vielleicht sogar über 110.
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Weihnachten,
Wut
Montag, 18. Dezember 2017
Zeit für eine Typveränderung
(Bild: KI-generiert)
Du kommst montagabends zur
Tür rein und sie ist tatsächlich noch wach. Sitzt am Küchentisch und sagt:
„Merkst du was?“
Und tatsächlich merke ich es
direkt, sage: „Deine Haare…“
„Hast du die gefärbt?“
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