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Donnerstag, 21. Dezember 2017

Drei Tage vor Weihnachten


  
Er hat sich direkt unterm Fenster
An einem Balken aufgehängt,
Man kann die Kirchenglocken von hier hören,
Wenn man ganz leise ist 
Ein Tagebuch liegt auf dem Tisch,
Der letzte Eintrag ist noch frisch
Nur einen Satz schrieb er groß und breit
 
„Ich bin hier und Bethlehem ist weit
Frohe Weihnacht, ich hoffe es geht euch gut,
Seid nicht böse über meine Flucht
Ich schau' euch trotzdem von hier oben beim Feiern zu“
(Die Toten Hosen - "Weihnachstmann vom Dach")

  







Hast du Geld?“

Sie steht am Kühlschrank, holt die Knusper-Gockelchen raus, die du so liebst. Die von Aldi. Deine Knusper-Gockelchen. Um sie sich zu machen. Ok, sie hat gefragt, aber… Zwei Stück! Dann ist gleich keiner mehr übrig für dich. Oder nur einer. Da lohnt sich ja fast nicht, den überhaupt zu machen. Um eins, nachdem du die 16 Stunden Intervall-Fasten hinter dich gebracht hast, um die Kilos zu verlieren, die du dir in der letzten Zeit angefressen hast. Bestimmt bist du wieder über hundert Kilo. Hundertpro. Vielleicht sogar über 110.


Montag, 18. Dezember 2017

German Beauty (Respektabilität, Ordnung und Uniformität)













Du willst das, du willst dieses Leben. Mit dem Reihenhaus, ordentlich eingereiht (eins wie das andere) und eingerichtet, die Schuhe ordentlich in einer Reihe vor der Tür, nachts in der Kälte (brrrh…), die Fahrräder links davon, hinter diesem kleinen Holzgeländer,  der 500-Zoll-Fernseher (so einen großen hast du fast noch nie gesehen, außer vielleicht bei Media-Markt, die Designer-Stühle (oder zumindest sehen sie für dich danach aus, und sogar die bunt bemalten Latten, die die Treppe nach oben vom Wohnzimmer abschirmen sollen und dem ganzen eine raue Authentizität verleihen sollen, sehen in dieser Umgebung perfekt aus. Alles ist ordentlich, immer ein bisschen abgedunkelt (was du hasst wie die Pest, was aber bei all diesen Leuten so ist, diesen Leuten, die Geld haben), so als hätte man sogar die Dunkelheit befriedet. Das einzige Lebendige die Katze, bei der gefragt wird, ob sie dich stört (nein, tut sie nicht, definitiv nicht, das arme Tier). Du willst das: Respektabilität, versinken in der Konformität und Uniformität dieses Lebens. Du bist zu alt, um den Rock & Roll zu leben, den du ohnehin nie richtig gelebt hast.

Samstag, 28. Januar 2017

Ich krieg die Krise











Ist das normal, dass man manchmal eine Krise kriegt…dass man sich manchmal fragt, wozu mach ich das alles?“

Ist das normal, dass der mich das jetzt fragt, in der U-Bahn, nachts um zehn nach eins? Aber er soll seine Antwort haben, direkt nachdem ich auch mal mit den Augen gerollt habe (habe ich von meiner Tochter gelernt, die ist darin Weltmeisterin): „Wie alt bist du? Ich dachte, du wärst 35, nicht zwanzig oder so? Bist du noch zwanzig? Da hab ich mich das auch noch nicht gefragt…“

Als er schon fast ausgestiegen ist, probiere ich es noch mal. Bin ja schließlich fünf Jahre älter als der. Und scheinbar Lichtjahre von ihm entfernt, was persönliche Krisen angeht. Zuerst will ich fragen; Ist das normal, wenn man sich das nicht fragt? Aber dann lasse ich das, fahre weiter auf der passiv-aggressiven Schiene. Gebe ihm das Folgende mit: „Ne, eigentlich ist das nicht normal. Bei mir läuft das eigentlich immer alles ziemlich glatt…“ (…ich stehe morgens auf, mache mir Sorgen, gehe Einkaufen, mache mir Sorgen, geh eine Wohnung angucken, mache mir noch mehr Sorgen, laufe neun Kilometer durch den Wald zur Arbeit, esse Dosenfisch, kacke und kotze mir die Seele aus dem Leib [irgendwas stimmte mit dem Fisch nicht…oder war es die Kaffeesahne auf der Arbeit], überlebe es geradeso, kriege Trinkgeld, leere Aschenbecher, mache mir Sorgen, schmeiße den letzten Kunden hochkant raus, hetze zur Bahn und werde gefragt, ob das normal ist…ich glaube nicht normal ist es, wenn man sich das nicht jeden Tag ungefähr zehnmal fragt)…“dann machst du was falsch…vielleicht machst du das nicht richtig…“

Das war eine Retourkutsche von vorhin, wo er mir gesagt hat: „Wenn ich wollte, dann könnte ich Geld verdienen, richtig Geld zu machen ist ja nicht schwer …so 500-600€ am Tag…“

„Meinst du?“

„Ja, locker.“

Das hat er schon mal gesagt. Und du hast dich schon einmal gefragt: Warum machst du es dann nicht??

„Ja dann, wenn das so einfach ist…“ (ich denke an Drogen, Prostitution, Waffenhandel) „…dann hau doch mal rein, dann sag mir doch mal, wie das geht… Komm schon!“ (Ich krebse hier rum und werde von vorne und hinten und manchmal sogar von der Seite gefickt und du erzählst mir, du kannst 500-600€ am Tag machen…??“

Aber er guckt mich nur mysteriös – fast schon buddhistisch – an und lächelt. Sagt nichts. Und ich bin wieder der Dumme. Wie immer.

Schon ist er weg und ich denke: Mein Gott! Mein Gott