Du willst das, du willst
dieses Leben. Mit dem Reihenhaus, ordentlich eingereiht (eins wie das andere)
und eingerichtet, die Schuhe ordentlich in einer Reihe vor der Tür, nachts in
der Kälte (brrrh…), die Fahrräder links davon, hinter diesem kleinen
Holzgeländer, der 500-Zoll-Fernseher (so
einen großen hast du fast noch nie gesehen, außer vielleicht bei Media-Markt,
die Designer-Stühle (oder zumindest sehen sie für dich danach aus, und sogar
die bunt bemalten Latten, die die Treppe nach oben vom Wohnzimmer abschirmen
sollen und dem ganzen eine raue Authentizität verleihen sollen, sehen in dieser
Umgebung perfekt aus. Alles ist ordentlich, immer ein bisschen abgedunkelt (was
du hasst wie die Pest, was aber bei all diesen Leuten so ist, diesen Leuten,
die Geld haben), so als hätte man sogar die Dunkelheit befriedet. Das einzige Lebendige
die Katze, bei der gefragt wird, ob sie dich stört (nein, tut sie nicht,
definitiv nicht, das arme Tier). Du willst das: Respektabilität, versinken in
der Konformität und Uniformität dieses Lebens. Du bist zu alt, um den Rock
& Roll zu leben, den du ohnehin nie richtig gelebt hast.
Ein Blog über das Leben, die Liebe, Beziehungen, Verlust, Angst, Spaß, die Lust, die Lust am Schreiben,Südamerika, Musik, südamerikanische Frauen, die Liebe, Spanisch, Englisch, Schottland, Spanien, Deutschland, dat Rheinland, Kinder, Literatur, Vergänglichkeit, Arbeit, Politik, die Mafia, Urlaub, Gewalt, Verbrechen, Sex, große und kleine Gefühle und vieles, vieles, vieles mehr ...
Montag, 18. Dezember 2017
Weihnachtsscheiß
Kann diesen ganzen
Weihnachtsscheiß einfach nicht mehr hören. Weihnachten hier, Weihnachten da.
Aber wenn man seine Tochter nur den halben Tag lang sieht, dann ist der Rest
des Heiligabends gelaufen. Am liebsten würde ich einfach abhauen. Nach Holland
fahren und kiffen gehen, keine Ahnung. Irgendwas, nur nicht das! Habe ich zu
Nadine auch schon gesagt: „An Heiligabend bin ich nicht da! Da fahre ich nach
Holland kiffen! Da kannst du bei deiner Mutter bleiben.“ Du kannst ja dann nach
Weihnachten kommen und dein Geschenk abholen. Ich weiß nicht mehr, was sie darauf
gesagt hat. Wie dieser Typ, von dem du heute gelesen hast. 100 Länder, 100 Frauen.
Das klingt geil. Aber das kriegst du mit deiner Bilanz von zwei Frauen in 40
Jahren eh nicht mehr hin. Aber versuchen kann ich es doch wenigstens…
Letztes Jahr war
ich stattdessen im Wald. Nachdem sie weg war. Selbst Patchwork hätte ich
bevorzugt, an Heiligabend. Ich und Rafael unter dem Baum. Auf der Toilette: Ich
drücke seinen Kopf in der Toilette unter Wasser. Wie diese Frau in dem Viva-Suecia-Video. Mit Gewalt und zusammengebissenen Zähnen. Mein Ex-Schwager Rafael
fällt die Treppe runter und seine Frau, meine Ex-Schwägerin gleich hinterher… Mari
packt ihr Geschenk (wie immer Geld, alles Materialisten!) aus und ich packe
ihre Mutter, mein Ex-Frau. Wir gehen ins Schlafzimmer, sie will nicht, aber was
interessiert mich das. Heute ist Heiligabend. Ho, ho, ho, guck mal wie groß der
Weihnachtsmann auf einmal ist! Auf einmal kommt ihre Schwester Slainté, meine
Ex-Schwägerin rein und es kommt zum Showdown. Zum letzten Gefecht sozusagen,
bei dem sie sich leider aus dem Fenster verabschiedet. Aber ist ja nur der
dritte Stock! Die schafft das, denn wie wir ja alle wissen: Unkraut vergeht
nicht! Und dann kann ich endlich, nach all den Jahren, etwas gegen mein
schwarzes Weihnachtsloch tun. Nadine wehrt sich auch nicht mehr, hat
eingesehen, dass diesmal der Weihnachtsmann stärker ist. Oder ihr doch ach so
lang unterdrückter Wunsch, wieder mal mit mir Christkind zu spielen. Ich hole
die Rute raus…
…und muss
unfreiwillig an vor zwei Jahren denken: Wo Mari in der Kirche plötzlich
umgekippt ist. Und danach trotzdem zu Mutter musste, wollte. Das ist so
traurig. Oder letztes Jahr, wo du an Heiligabend auf dem Venusberg durch den
Wald geirrt bist, um zu vergessen, dass sie weg ist, dass sie nicht mal mehr an
Heiligabend da ist, dass alles verloren ist. Wenn dir da jemand begegnet wäre,
dann hätte selbst die Gnade Gottes ihm oder ihr nicht geholfen. Warum tue ich
mir das alles eigentlich noch an? Um Nadine zu ärgern, die María die Hälfte des
Tages nicht sehen kann (was ihr nichts ausmacht, da sie eh mit ihrer Familie
und ihrem Schwager und ihrem neuen Stecher beschäftigt ist. Um meine Tochter wenigstens
einen halben Tag lang zu sehen (man gewöhnt sich wirklich an alles, aber an
das…?), wenigstens einen Menschen an Heiligabend zu haben, der einen sehen
will (viele Menschen in Deutschland haben noch nicht mal das, nachdem die 68er
das Land mit ihrem unbarmherzigen, nicht, nie, niemals nie zurück blickenden
Individualismus und all der Pseudo-Freiheit (die Roten oder die Blauen, mit
oder ohne Kohlensäure?) verwüstet hat.
In Volle Kanne
läuft das Spiel mit dem Weihnachtsmann. Wo Zuschauer anrufen müssen und sagen
müssen, wie oft sie den Weihnachtsmann in der Sendung gesehen haben. „Wie oft
war der Weihnachtsmann heute da?“, fragt der Moderator Ingo Nommsen. Einmal…und
er hat es nicht überlebt, möchtest du ihm ins Gesicht schreien. Sein Kopf hat
die Kloschüssel nicht überlebt. Aber das kannst du ja nicht. Denn an
Heiligabend läuft volle Kanne nicht. Weil Nommsen mit seiner Familie feiern
muss. Während du im Wald umherläufst und versuchst, ein Wildschwein mit bloßen
Händen zu erlegen. Oder dich von einem Wildschwein erlegen zu lassen, was immer
auch zuerst passiert. Du weißt noch, wie du die Dartscheibe im Keller
gegen die Wand gehauen hast, immer und immer wieder, bis sie ganz verbogen war
und du innerlich geweint hast. Du weißt noch, wie Mari letztes Jahr nicht
wollte, dass du sie zum Bahnhof begleitest, an Heiligabend, nach der Kirche,
keine Ahnung warum. Weil sie nicht wollte, dass du nachher noch mitkommst und
es Ärger. Du weißt noch, wie der Pfarrer in der Kirche davor, von der Frau
geredet hat, die von ihrem Mann verlassen wurde (was für ein Witz), die nicht
mehr ein noch aus wusste, heulend vor ihm saß, während ihr Mann den
Weihnachtsmann mordete, die Tanne in kleine Stückchen hackte und marodierend
durch den Wald streifte, auf der Suche nach einem Licht, nach einem Stern in
dieser dunklen, der ihm den Weg in sein altes Leben zurück wies. Aber da war
nichts, nur Dunkelheit, keine Sterne… du weißt noch, wie du extra für María ein
Steak gekauft hast, im Edeka, weil sie das wollte, wie du mit ihr
gekocht hast, während im Hintergrund die Toten Hosen liefen, mit Weihnachtsmann
vom Dach:
Hört mir irgendjemand zu?
Der Weihnachtsmann ist hier bei uns!
Er hängt auf dem Dachboden rum,
Ich glaube er braucht Hilfe und ist in Not
Der Weihnachtsmann ist hier bei uns!
Er hängt auf dem Dachboden rum,
Ich glaube er braucht Hilfe und ist in Not
„Frohe Weihnacht, ich hoffe es geht euch
gut,
Seid nicht böse über meine Flucht“
Seid nicht böse über meine Flucht“
Langsam schwingt er hin und her
Als wehte ein leichter Wind,
Im Rhythmus mit dem Kerzenlicht,
Das in der Ecke brennt
Als wehte ein leichter Wind,
Im Rhythmus mit dem Kerzenlicht,
Das in der Ecke brennt
Er hat sich direkt unterm Fenster
An einem Balken aufgehängt,
Man kann die Kirchenglocken von hier hören,
Wenn man ganz leise ist
An einem Balken aufgehängt,
Man kann die Kirchenglocken von hier hören,
Wenn man ganz leise ist
Ein Tagebuch liegt auf dem Tisch,
Der letzte Eintrag ist noch frisch
Nur einen Satz schrieb er groß und breit
„Ich bin hier und Bethlehem ist weit
Der letzte Eintrag ist noch frisch
Nur einen Satz schrieb er groß und breit
„Ich bin hier und Bethlehem ist weit
Frohe Weihnacht, ich hoffe es geht euch gut,
Seid nicht böse über meine Flucht
Ich schau' euch trotzdem von hier oben beim Feiern zu“
Seid nicht böse über meine Flucht
Ich schau' euch trotzdem von hier oben beim Feiern zu“
Du weißt noch…oder
wie Johnny Cash so ominös sagt: „I
remember everything…“
Ach, scheiß doch
drauf, dieses Weihnachten fahre ich nach Holland und gehe kiffen…
Freitag, 15. Dezember 2017
Ihre kleine Seele
Hey, man
How come you treat your woman so bad?
That's not the way you do it
No, no, no, you shouldn't do it like that
I could show you how to do it right
I used to practice every night on my wife, now she's gone
Yeah, she's gone
You see, her mother and me
We never got along that well, you see
How come you treat your woman so bad?
That's not the way you do it
No, no, no, you shouldn't do it like that
I could show you how to do it right
I used to practice every night on my wife, now she's gone
Yeah, she's gone
You see, her mother and me
We never got along that well, you see
(Pulp - "A little soul")
Ich habe ihre kleine Seele
auch verletzt. Vielleicht habe ich das ja alles verdient, was mir passiert ist.
Die Trennung, die Scheidung, die finanziellen Probleme…
…als ich damals ihre
Freundin angemacht habe… Wie hieß die noch mal? Keine Ahnung. Lydia? Nein, das
war die Schwarze, bei der wir unser erstes Mal hatten. Sylvia? Nein, das war
die Sexbombe, die eigentlich Informatikerin war, aus dem Dschungel kam und
aussah…wie eine Sexbombe halt so aussieht… Die mit dem alten Typen zusammen
war, mit diesem Santa Ruseño. Der aus dem gleichen Dorf kam wie Nadine. Und
mindestens zwanzig Jahre älter war als dieser kleine, perfekte
Schoko-Sahne-Schnitte aus dem Dschungel, die dich fast zum Tiger hat werden
lassen…wenn sie nicht mit diesem alten Gockel zusammen gewesen wäre…
Donnerstag, 14. Dezember 2017
Luis Garavito, Karl Denke und ich
Ich komme nach Hause,
telefoniere mit der Sparkasse (ich habe meine verfickte Karte verloren, mal
wieder…oder zumindest im Dialog-Automaten vergessen, was weiß ich denn, mein
Leben ist ein einziges Chaos…), danke Gott, dass nichts abgehoben wurde…puh…seit
letzte Woche Donnerstag. Da kann ich ja eine Pause machen, nur eine kleine,
eine kurze Pause. Vom Leben. Von meinem derzeitigen und natürlich auch
vergangenen Leben. Also lege ich mich ins Bett, stelle das spanische Fernsehen
wieder laut (schon wieder Trump-Bashing, selbst in Spanien…wenn jemand so viel
Haue bekommt, dann muss er ja etwas richtig machen…).
Sonntag, 10. Dezember 2017
Schnee
--And what did he die of so young, Gretta? Consumption, was it?
--I think he died for me, she answered.
"The Dead" - James Joyce
Und dann irgendwann fängt es
an zu schneien. Feiner, weißer Neuschnee. Du läufst die Hauptstraße entlang, an
der Kirche vorbei, und der weiße Schnee hat irgendwie doch etwas von Unschuld,
von Neubeginn, wie er sich so auf alles legt, alles bedeckt: Die Gehwege, die
Tannenbäume am Straßenrand, die Menschen. Die Vergangenheit.
Samstag, 9. Dezember 2017
Auf Linie bringen/Dann stirb doch!
Es ist nie zu spät für eine Diät!
(meine Mutter)
Heute mache ich Diät! Heute
will ich es diesem Körper zeigen! Es kann ja nicht sein, dass mein Körper mich
kontrolliert. Die Kontrolle über meine Gedanken übernimmt. Mir sagt, dass ich
immer mehr essen soll. Nein, heute breche ich den Willen meines Körpers! Fange
schon um 14 Uhr damit an, nicht mehr zu essen. Heute werde ich den absoluten
Weltrekord an Stunden ohne Essen brechen! 17 Stunden 42 Minuten. Wenn ich ab
14:00 nichts mehr esse, erreiche ich das schon morgen um 8 Uhr Morgen früh! Und
wenn ich dann weitermache…
Dienstag, 28. November 2017
Diese Scheiß-Hoffnung!
Nachdem ich heute
einen total tollen Vormittag mit meiner Tochter hatte – sie hatte überraschend
doch keine Schule oder irgendetwas ist ausgefallen – denke ich auf dem Weg zur
Arbeit daran, wie es wäre, wenn…
Wie es wäre, wenn…
…ich traue mich
das kaum auszusprechen.
James Bond 007 - Goldeneye
Abends läuft im Zweiten Goldeneye.
Das ist doch…ist das nicht…?!, denke ich und checke das Erscheinungsjahr. Tatsächlich, da steht’s:
1995. Ja, genau, das ist der Film, den wir damals geguckt haben. Nach der Nacht
in der Disko. Silvester 1995/96. Geguckt ist gut, denn ich weiß echt nicht, wie
viele Minuten wir damals wirklich auf die Leinstand gestarrt haben und nicht
übereinander hergefallen sind, im alten Metropol Bonn.
Trotzdem oder gerade deswegen schaltest du pünktlich um Viertel nach zehn von Hart aber fair, wo sie wieder mal über Deutschlands politische Zukunft diskutieren (was für ein Scheiß!), aufs Zweite um, wo tatsächlich James Bond 007 – Goldeneye läuft. Vielleicht wird der Film ja im Internet geblockt (aus rechtlichen Gründen, blablabla…) und du kannst/musst ihn dir gar nicht angucken, denke ich, als die das heute-journal endet. Gleichzeitig verspürst du einen seltsamen Wunsch, ein seltsames Gefühl der Neugier, ihn dir nach all den Jahren endlich einmal anzugucken, zu sehen, was du damals verpasst hast, als du bei deinem ersten Date, deinem ersten richtigen Date überhaupt, im Kino über sie hergefallen bist wie ein ausgehungerter Löwe. Der schon viel zu lange „keine Freundin hatte“, der schon viel zu lange „noch Jungfrau“ war. Das ist doch die perfekte Gelegenheit. Und wenn der jetzt nicht kommt…, denkst du. Aber dann siehst du schon den Löwen, der früher noch immer vor Filmen kam, den brüllenden Löwen, den es heute irgendwie nicht mehr gibt. Und dann kommt, obwohl du jede Minute damit rechnest, dass das ZDF das Programm mit einem Hinweis auf die Rechtelage unterbricht, tatsächlich dieser typische Anfang der alten James-Bond-Filme. Den es jetzt auch nicht mehr gibt. Mit diesen Silhouetten, den Schattenspielen mit den Frauen und Pistolen und James Bond, die so ein bisschen an die 70er Jahren erinnern (sollen). Also läuft der tatsächlich, denke ich mit Erstaunen. Ist der etwa zu alt für rechtliche Gründe? Wahrscheinlich. Genau wie du: zu alt für rechtliche Gründe…
Trotzdem oder gerade deswegen schaltest du pünktlich um Viertel nach zehn von Hart aber fair, wo sie wieder mal über Deutschlands politische Zukunft diskutieren (was für ein Scheiß!), aufs Zweite um, wo tatsächlich James Bond 007 – Goldeneye läuft. Vielleicht wird der Film ja im Internet geblockt (aus rechtlichen Gründen, blablabla…) und du kannst/musst ihn dir gar nicht angucken, denke ich, als die das heute-journal endet. Gleichzeitig verspürst du einen seltsamen Wunsch, ein seltsames Gefühl der Neugier, ihn dir nach all den Jahren endlich einmal anzugucken, zu sehen, was du damals verpasst hast, als du bei deinem ersten Date, deinem ersten richtigen Date überhaupt, im Kino über sie hergefallen bist wie ein ausgehungerter Löwe. Der schon viel zu lange „keine Freundin hatte“, der schon viel zu lange „noch Jungfrau“ war. Das ist doch die perfekte Gelegenheit. Und wenn der jetzt nicht kommt…, denkst du. Aber dann siehst du schon den Löwen, der früher noch immer vor Filmen kam, den brüllenden Löwen, den es heute irgendwie nicht mehr gibt. Und dann kommt, obwohl du jede Minute damit rechnest, dass das ZDF das Programm mit einem Hinweis auf die Rechtelage unterbricht, tatsächlich dieser typische Anfang der alten James-Bond-Filme. Den es jetzt auch nicht mehr gibt. Mit diesen Silhouetten, den Schattenspielen mit den Frauen und Pistolen und James Bond, die so ein bisschen an die 70er Jahren erinnern (sollen). Also läuft der tatsächlich, denke ich mit Erstaunen. Ist der etwa zu alt für rechtliche Gründe? Wahrscheinlich. Genau wie du: zu alt für rechtliche Gründe…
Samstag, 25. November 2017
Anruf seines Vaters
Auf einmal, im Bus, hat er ein
komisches Gefühl. Er greift sich an die Hose. Ja, das ist sein Handy: Da ruft ihn jemand an… Er guckt auf das Display und
kann seinen Augen kaum glauben. Da steht Bert. Scheiße, was ist das denn? Warum
ruft der denn an? Er guckt noch mal auf das Display, um sich ganz sicher zu
sein, aber natürlich ist er es. Scheiße. Es klingelt noch ein paar Mal (das
heißt, es klingelt ja gar nicht, sondern vibriert nur) und dann ist Ruhe.
Tatsache! Das war sein Vater! Was will der denn?! Keine Ahnung, aber da geh ich
ganz sicher nicht dran. Vor allen Dingen nicht hier, im Bus. Eigentlich
nirgendwo, nicht nach dem letzten Mal. Ich bin doch nicht blöd.
Ist es das wert?
Sie ist so eine gute
Tochter. Sie geht sogar mit mir einkaufen. In ihrem Alter! Das hast du alles
nicht gesehen, die ganze Zeit über. Weil du nur eingesperrt warst, in deinem
Schmerz, deinem Leid. Sie ist ein gutes Kind. Weil sie dein Kind ist. Aber du
bist kein guter Vater. Du gibst ihr nicht das, was sie wert ist. Was sie
braucht. Diese verfickte Welt. Nein, DU! DU! DU musst was tun! Und was? Eine
Bank überfallen? Du musst den Arsch hochkriegen. Aber das ist so scheiß schwer,
wenn du keinen Bock mehr hast
Donnerstag, 23. November 2017
Mein Ernährungstagebuch (Teil 30930)
Heute starte ich mein Ernährungstagebuch wieder! Vielleicht verliere ich ja auf diesem Weg Gewicht.
Wenn ich alles, was ich in mich hineinstopfe, konsequent blogge. Gott weiß,
dass ich schon auf so viele Arten versucht habe, Gewicht zu verlieren…
Also, lasset die Spiele
beginnen!
Dienstag, 21. November 2017
Sonnenanbeter, die auf das Wassermannzeitalter warten
Zwei
Wesen kämpfen in meiner Brust: Eines, das Veränderung, radikale Veränderung
haben will, haben muss und eines, das unbeirrt, bis zum bitteren Ende an meinem
alten Leben, an dem, was ich habe, festhalten will. Und beide treiben sie mich fast
in den Wahnsinn. Hoffnung und Hoffnungslosigkeit. Illusion und Desillusion
lösen sich jeden Tag ab, manchmal im Minutentakt.
***
An der Haltestelle in
Meckenheim steht die alte Oma von letztens. Die so ein bisschen tüttelig ist,
ein bisschen senil, aber die immer noch jede Woche den Bus nach Godesberg
nimmt. Nehmen muss?
Kaum hast du die Sachen auf
die braune Eisenbank gelegt, da spricht sie dich auch schon an. Mit zittriger,
leicht stotternder Stimme:
„Darf ich Sie fragen, was
ist denn ihr Fahrtziel?“, sagt sie.
„Godesberg.“
Freitag, 17. November 2017
Döner zum Abendessen
Ich gucke Australia. Mit Nicole Kidman. Und denke
daran, wie ich das früher mit ihr geguckt hätte. Wie sie immer eingeschlafen
ist, neben mir, in meinen Armen. Wäre sie bei Australia auch eingeschlafen. Weil es so langweilig war neben mir.
Oder weil sie einfach nur müde war. Den ganzen Tag putzen ist hart…
Du wirst es nie erfahren…
Freitag, 10. November 2017
Selbstbefriedigung und Stiefschwestern am Morgen vertreiben Kummer und Sorgen
Morgens, kurz nach dem
Aufstehen, kurz nach 07:14, denke ich: All dieses Gejammer bringt doch nichts.
Du musst tun, machen! Nicht jammern! Also lege ich mich wieder ins Bett und
schlafe weiter…
Aber dann kann ich irgendwie doch nicht
schlafen, kann doch nicht wieder einschlafen…
Donnerstag, 9. November 2017
The time of our lives - Die Zeit unseres Lebens
IV. DEATH
BY WATER
Phlebas the Phoenician, a fortnight dead, |
|
Forgot the
cry of gulls, and the deep seas swell
|
|
And the
profit and loss.
|
|
A current under sea
|
|
Picked his
bones in whispers. As he rose and fell
|
|
He passed
the stages of his age and youth
|
|
Entering the whirlpool.
|
|
Gentile
or Jew
|
|
O you who
turn the wheel and look to windward,
|
|
Consider
Phlebas, who was once handsome and tall as you.
|
|
T.S.
Eliot, The Waste Land |
Vanity
of vanities, says the Preacher,
vanity of vanities! All is vanity.
3 What does man gain by all the toil
at which he toils under the sun?
4 A generation goes, and a generation comes,
but the earth remains forever.
vanity of vanities! All is vanity.
3 What does man gain by all the toil
at which he toils under the sun?
4 A generation goes, and a generation comes,
but the earth remains forever.
Ecclesiastes 1, 1-3
Als ich so abends, an diesem
dunklen, kalten, nassen Novemberabend, durch Bonn-Duisdorf haste, um meinen Zug
nach Meckenheim noch zu bekommen, vorbei an der Videothek an der Haltestelle am
Rathaus, vorbei an Domino’s Pizza, vorbei am Ärztehaus (und vor allen Dingen vorbei
an unserer alten Wohnung), muss ich plötzlich denken: All diese Zeit, die weg
ist, einfach so weg ist. Nicht nur unsere gemeinsame Zeit hier, sondern all Die Zeit. Die Zeit in Großbuchstaben.
Kapitälchen, die ihr zusätzliches Gewicht verleihen, das sie gar nicht braucht,
so schnell, wie sie verfliegt, wie sie an einem vorbeifliegt, einem durch die
Finger rinnt.
Abonnieren
Posts (Atom)


