Samstag, 4. März 2017

Trump und die deutsche Lebenserwartung





 
“Ninety-nine per cent of traditional English literature
concerns people who never have to worry about money
 at all. We always seem to be watching or reading about
 emotional crises among folk who live in a world of
great fortune both in matters of luck and money; stories
 and fantasies about rock stars and film stars, sporting
 millionaires and models; jet-setting members of the
 aristocracy and international financiers.”
James Kelman









Morgens wacht er auf und hat Kopfschmerzen. Richtige Kopfschmerzen. Hatte er schon öfters in letzter Zeit. Ist ja auch kein Wunder. Bei dieser ganzen Scheiße. Lief ja diese Woche sogar im Fernsehen. Ärmer Menschen sterben früher. Dass die das überhaupt gebracht haben, im Ersten wundert mich, denkt er. Im deutschen Lügenfernsehen. Das sich mehr um Trump schert als um die eigenen Leute. Trump ist dies, Trump ist das, Trump macht dies, Trump macht das, nur um nicht sagen zu müssen: Was macht denn Merkel oder Schulz. Oder keine Ahnung, welche der anderen Witzfiguren. Was machen die denn für die Leute. Die normalen Leute. Die arm sind. Und früher sterben. Nichts. Nichts außer Gelaber und dumme Sprüche. Nichts. Wir müssen uns ja um Trump kümmern. Das ein Trump auch hier Erfolg hätte, schert die nicht. Das sehen die nicht. Das wollen die nicht sehen. Genau wie die Wohnungsnot, die Flüchtlingskrise, die Dumping-Löhne. Solange Trump noch in Amerika regiert, ist das ja wichtiger. Aber das Trump genau aus dieser Unruhe entstanden ist…das hat doch alles nichts mit nichts zu tun. Hauptsache von eigenen Problemen ablenken, denkt er, während er wieder mal an einem Obdachlosen in der Tannenbuscher "City" vorbeikommt. Der vom Wachdienst, der sieht das. Der hat recht. Der ist ein guter Mann. Wie er so todmüde nachts durch Tannenbusch schlendert. Und versucht, dem Chaos Einhalt zu gebieten. Der sagt das auch, das mit dem Obdachlosen an der Ecke. Mitte 30.

„…da kümmert sich keiner drum.“

Während er an seiner Theke steht und keinen Kaffee will, weil er sonst gar nicht mehr schlafen kann. Mit seinem immer länger werdenden Bart sieht er fast aus wie ein Philosoph. Noch ein Beruf, der obsolet geworden ist: der des Philosophen. Die Deutschen wollen keine Philosophen mehr. Nachdem wir mal führend waren, in diesem Bereich. Wie in vielen anderen. Ein Deutscher hat gesagt: „Gott ist tot!“ Ein Deutscher hat vom Sein und Seinsverlust gesprochen. Aber das will ja keiner mehr hören. Davon will ja keiner mehr wissen.

Er hört sich das an, das Arme früher sterben und rechnet sich die Jahre aus, die er noch hat. So viele sind es dann doch nicht mehr, denkt er. Lieber nicht drüber nachdenken. Denken ist sowieso nicht mehr angesagt. Nachdenken noch weniger. Das wird bald bestimmt abgeschafft. Das Fühlen haben die schon lange abgeschafft oder an die Soaps delegiert. Wenn im Fernsehen einer stirbt, werden wir traurig, heulen sogar, an den Obdachlosen in der U-Bahn fahren wir vorbei. Und wenn sie sterben, umso besser: Dann müssen wir sie nicht mehr jeden Tag auf dem Weg von und zur Arbeit ertragen. Das ist dann doch zu nah an „zu Hause“, too close to the bone, das ist nicht so weit weg wie Putin oder Trump. Bei denen erwartet man das ja. Aber doch nicht hier, im (schlechten) Gewissen der Welt. Also fragt er sich – während der Bericht über den Typen mit den kaputten Knien, der raucht und trinkt, und mit seiner Einschätzung, dass er nur ungefähr 70 Jahre alt war, wahrscheinlich goldrichtig liegt – im Fernsehen läuft: Warum zeigen die das überhaupt? Die Journalisten, die von Enthüllungsjournalisten der Wahrheit zu Sprachrohren der Politik geworden zu sein scheinen. Warum bringen die noch solchen Berichte? Wollen die etwa doch etwas ändern? Wollen die etwa doch eine Revolution? Oder – immerhin ist "Schadenfreude" ein deutsches Wort, das sogar seinen Weg ins Englische gefunden hat – wollen die noch Salz in die Wunde streuen. Die fühlen diese Armut nämlich nicht. Die verdienen 10.000 im Monat und werden über 90 oder gar 100 Jahre alt. Wollen die die Armen noch weiter ausgrenzen, mit dem medialen Finger auf sie zeigen, die Armen, die die AfD wählen und sich noch nicht mal, nicht mehr, von Schulz täuschen lassen? Wollen die sagen: Seid ihr wirklich so? Wollt ihr wirklich so sein? Wie diese Shows bei RTL, mit der Polizei und so weiter, die immer wieder Recht und Ordnung herstellt? Hartz-IV-TV? Ist das Armuts-Voyeurismus? Beim Ersten? Oder Angstmache? Damit sich die Leute weiter nur um sich selbst kümmern, um ihr eigenes Überleben? Und nicht die anderen sehen? Sind das etwa die letzten Züge der medialen 68er-Bewegung, die postuliert, dass wir uns nur alle schön um uns selbst, um unseren eigenen Arsch kümmern müssen, dann wird schon alles gut? Unsere Individualität ausleben müssen: Zwischen Apple und Samsung, Pepsi und Coca Cola, Nike und Adidas, Aldi und Lidl?

Aber egal: Er selbst ist ja auch nicht besser. Er macht ja auch nichts für „die Armen“. Für andere. Er leidet ja auch nur für sich selbst. Und außerdem ist er ja in gut 30 Jahren eh weg, wenn er so bleibt, wie er ist. So arm, so ausgegrenzt, so sich nur um sich selbst drehend. Dann ist das Problem auch gelöst. Und bei den Kopfschmerzen, die er heute hat, löst sich das Problem vielleicht sogar wesentlich früher…

Und außerdem: Wer will schon ewig leben?

Oder wie Herr Baden, der ein Haus in einem ruhigen Vorort hat und früher bei der Telekom groß im Geschäft war, ihm das einmal gesagt hat, als er nach der Trennung total am Boden zerstört war und sich bei ihm ausgeheult hat: „Willst du wirklich SO noch 30 Jahre weiterleben? SO WIE JETZT?“ So kaputt? So leidend? So arm? So perspektivlos?



Das ist die Frage

Sein oder Nichtsein. Heidegger oder Shakespeare

Merkel oder Trump


Oder gibt es vielleicht doch eine Alternative?



Wahrscheinlich sagen die auch noch (oder denken es zumindest): Wer früher stirbt, ist länger tot!

Er kriecht aus seinem alten Doppelbett, dessen andere Seite schon lange leer ist, trinkt einen Schluck Cola Zero aus der Plastikflasche, geht in die Küche und macht sich einen Käse-Salami-Mayonnaise-Wrap mit Butter, dann noch einen…
Er ist ja selbst dran schuld, ich weiß.

„Du bist ja selbst dran schuld!“

„Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied!“

„Dann lass doch mal diesen Scheiß aus dem Leib. Die Cola und so…“

...würde sein Vater sagen. Sein Vater, der 50 Jahre als Kfz-Mechaniker geschuftet hat, geraucht hat, flaschenweise Cola gesoffen hat und dann für 1600€ in Rente gegangen ist, einer Rente, von der er sich noch nicht mal eine vernünftige Wohnung leisten werden kann, wenn er irgendwann mal aus seiner Wohnung raus muss. „Eigenbedarf“ nennt sich so was. Aber vielleicht wird er die nächste Wohnung ja gar nicht mehr brauchen. Nach seinem zweifachen Bypass…

Obwohl seine Lebenserwartung etwas über dem arbeitslosen Möbelpacker beim Morgenmagazin liegen dürfte…






Sonntag, 26. Februar 2017

Otto, mein Wellensittich


KI-generiertes Bild – erstellt mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz



Nachts im Bett, kurz vor dem Schlafengehen, denkt er an den Wellensittich, den er damals als Kind hatte. Der hieß Otto (ich weiß, ich weiß…) und war blau. Königsblau, mit einem weißen Köpfchen. Ein eleganter, stolzer, schöner Vogel.

Samstag, 25. Februar 2017

Online-Stalking: The German Gatsby






“…he stretched out his arms toward the dark water in a curious way, and,
far as I was from him, I could have sworn he was trembling. Involuntarily
I glanced seaward – and distinguished nothing except a single green light,
minute and far away…”

 “Gatsby believed in the green light, the orgastic future that year by year
recedes before us."

(F. Scott Fitzgerald - The Great Gatsby)










 

Das ist immer ein Fehler und das weißt du. Wie hat Einstein das noch mal gesagt: Ein verrückter ist der, der immer gegen die gleiche Wand rennt… Na und?! Scheiß doch drauf! Scheiß auf Einstein!

Du gibst den Namen bei Google ein: „Nadine F.“ In Anführungszeichen. Und obwohl der 1320 als Ergebniszahl anzeigt, sind das keine 1320 Ergebnisse, sondern immer noch nur drei mickrige Seiten. Toll! Die gleichen wie das letzte Mal. Partys. Latino-Feiern. Mexikanisches Finger-Food. Sie geht viel auf Partys. Oder kommentiert diese zumindest im Internet. Das ist also das Leben deiner Frau. Ein ganzes Leben. Stolze 45 Jahre davon. Auf drei mickrigen Seiten. Die später dann sogar noch zu zwei Seiten reduziert werden. Toll…

…während bei dir 292 neue Blog-Posts zu Buche schlagen.

…in denen auch nichts Neues steht…

Aber was wolltest du denn auch finden?! Ihre Heiratsanzeige?! Ja, ihre Heiratsanzeige wäre ein Anfang…

Doch etwas ist neu. Die Couchsurfing-Seite. Da ist sie neu angemeldet. Oder war sie das das letzte Mal auch schon? Das ist sogar mit Foto. Und DAS ist definitiv neu. DAS ist definitiv deine Frau. Deine Ex-Frau (con perdón). Ein bisschen älter (oder sah sie damals auch schon so alt aus?), ernster und ohne Lächeln. Abgespannter. Sind wir das nicht alle. Aber immer noch deine Frau. Beziehungsweise schon lange nicht mehr deine Frau. Willst du mit dieser Frau wirklich wieder zusammen sein? Willst du diese Frau wirklich zurück haben? Diese fremde Frau, die du gar nicht mehr kennst, die du vielleicht noch nie richtig gekannt hast, auch damals nicht…

Du fragst dich, ob das etwa das ist, was mit Marías Zimmer passiert, wenn sie unter der Woche bei dir ist. Schlafen dann da irgendwelche australischen Assis in ihrem Zimmer, die auch nach der vierten Weltumrundung noch immer nicht wissen, wo hinten und vorne ist. Mit schmierigen Rastazöpfen und dreckiger Unterwäsche. Den Rest  will ich mir gar nicht vorstellen.

Dann siehst du diesen Eindruck für die Karnevalsparty 2017. Der ist aktuell. Die findet morgen statt. Aha…da gehst du also morgen hin…

Einen Moment lang tut es leicht weh, aber nicht mehr wie früher…ist das jetzt gut oder schlecht?! Ich glaube gut. Besser. Früher wärst du direkt da hingegangen. Heute willst du Abstand. Vielleicht wolltest du ihr auch früher schon nicht mehr begegnen. Zumindest nicht so. Nicht auf diese Art und Weise. Gezwungenermaßen.

Auf jeden Fall macht mich das noch trauriger, dieses Nachspionieren im Cyberspace. Aber das wusste ich ja schon vorher. Das war mir klar. Nur hatte ich nicht die Kraft zu widerstehen.

Ich könnte da jetzt hingehen, morgen. Wenn ich die Kraft hätte…

Aber will ich sie überhaupt wiedersehen? Das Risiko eingehen, mir mein Idealbild, meine Glorifizierung unser wenig glorreichen Vergangenheit, vollends zu zerstören? Will ich das? Muss ich mir das wirklich geben?

„Das bringt doch eh nichts“, hörst du deinen Vater und deine Mutter im Chor sagen. Recht haben sie.

Hast du nicht die Trennung genauso herbeigeführt? Warst also nicht passiv, sondern aktiv? Hast sie aktiv aus deinem Leben gedrängt? Sie vor die Entscheidung gestellt: Entweder ich oder deine Familie. Oder der Rafael, dieser Hurensohn. Weil du glaubtest, dass sie sich nie und nimmer gegen dich entscheiden würde? Im Leben nicht…

Ach, leckt mich doch…leck mich doch…


Was wohl unter deinem Namen stände…

…wenn sie suchen würde…

Du weißt es nicht…

…du wirst dich jetzt wohl kaum selbst googeln.


Und wenn ihr jetzt beide – sozusagen simultan – im Internet nach dem anderen sucht?! Nach dem Anderen…


Ja, klar.




Vielleicht geht er ja doch morgen dahin. Trinkt die zwei Flaschen Wein und die kleine Flasche Sekt und geht dann da hin












Donnerstag, 23. Februar 2017

Karneval



Morgens wache ich, ich!, auf. María ist schon wach. Sie will trainieren gehen. Früh, weil heute Weiberfastnacht ist und das Fitnessstudio nicht ewig aufhat. Also ist sie schon wach. Ich auch, ich tue aber so, als wär ich es nicht, während sie durch die Wohnung geistert. Ich rieche etwas Leckeres, aus der Küche. Riecht wie…etwas Gebratenes. Ei…oder Wurst…oder so…

Mittwoch, 22. Februar 2017

Eier




KI-generiertes Bild – erstellt mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz



Ich gehe ins Bad, will eigentlich pissen, entscheide mich dann aber (unbewusst) anders. Gehe wieder zurück ins Schlafzimmer, stelle mich vor das Fenster und streife mir die rote Blümchenshorts samt Unterhose runter und kratze mich am Penis. An dieser Schnittstelle zwischen Eichel und Schaft. Wo das Kratzen doppelt so viel Spaß macht wie an allen anderen Stellen des Körpers. Mindestens. Einen Moment lang gucke ich mich schuldig um, so als könnte mich jemand sehen, dabei ist die untere Hälfte des Fensters abgeklebt. Wer soll dich schon sehen wollen…? Ich kratze immer weiter, kratze und rieche abwechselnd an meinem Finger. Da ist er wieder, mein alter Geruch! Den ich schon verloren geglaubt hatte, inmitten all dieser neuen Gerüche. Dieser Geruch nach drei Tage nicht geduscht. Wie geil ist das denn?! Kratze zwischen den Beinen, unter den Eiern. Da, wo die Haut immer ein bisschen feucht ist, zwischen Arsch und Eiern. Dann wieder am Penis. Der ist noch ein bisschen wund. Egal. Genau an der Stelle, wo ich kratze. Was das Gefühl noch intensiviert, dieses Gefühl zwischen Schmerz und Erregung, Kribbeln

Dienstag, 21. Februar 2017

Roma 2012 III


KI-generiertes Bild – erstellt mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz



Ich wusste gar nicht, was ich hier suchte, hier draußen in der lauen römischen Nacht. Ein Hemd an. Auf alle Eventualitäten vorbereitet. Oder doch nicht? Ich weiß es nicht mehr. Vielleicht hatte ich auch einfach nur meine Shorts an – vielleicht sogar meine Strandshorts. Die mit den roten Blümchen. Keine Ahnung, ob ich die damals schon hatte. Oder die weiße mit den roten Streifen. Die war zumindest aus Stoff. Nicht wie die Blümchenshorts, die mehr eine Badehose als eine richtige kurze Hose war. Ja, vielleicht hatte ich die ja damals noch, diese weiße Shorts mit den verschiedenen vertikalen Streifen. Die mich immer ein bisschen an ein Geschirrhandtuch aus der Küche erinnert hatte. Oder hatte ich mir gar vor meinem nächtlichen Gefängnisausbruch eine lange Hose angezogen? Wie hätte ich das vor Nadine rechtfertigen sollen. Wenn sie mich beim Wiederkommen erwischt hätte. Morgens um vier, am Ende meines Freigangs. Als es in Rom schon fast wieder hell wurde. Obwohl: Das lange Hemd hätte ich ihr genauso wenig erklären können. Denn das war eins der eleganteren Sorte. Die ich in Deutschland nicht zur Arbeit anzog. Aber in den Urlaub mitnahm. Keine Ahnung warum. Um einen guten Eindruck zu hinterlassen. Wie in den 50ern und 60ern, wo die Leute noch elegant, in Anzug und Krawatte geflogen sind. Und nicht wie heute in Stranduniform und Sandalen mit Tennissocken. Keine Ahnung warum. Mein Urlaub war etwas Besonderes. Der Urlaub mit meiner Familie. Diese fast schon magisch anmutenden zwei Wochen im Jahr. Wenn es überhaupt zwei Wochen waren, die ich, die wir uns leisteten. Keine Ahnung. Das war das Hemd mit den verschlungenen Rosen auf schwarzem Stoff, das war richtig elegant. Das, wo man immer aufpassen musste, dass nicht auf einmal der Knopf in der Mitte, in der Mitte des Bauches aufging. Und man auf einmal unfreiwillig bauchfrei spazieren ging. Mit Guckloch. Aus dem bei genauerem Hinsehen schwarzbraune Brust und Bauchhaare quollen. Aber in Italien waren die vielleicht gar nicht so ungewöhnlich… Die platzenden Knöpfe wahrscheinlich aber schon, denn hier im Süden waren die Leute deutlich schlanker als in Mittel- oder Nordeuropa. Nicht so viel Frustessen, mehr Strandtage und eine mediterrane Diät trugen bestimmt zu dieser sprichwörtlichen bella figura der italienischen Männer und Frauen bei. So viel Schwabbel-Wabbel wie bei mir und bei meinen Landsleuten sah man hier auf jeden Fall nicht.

Sonntag, 19. Februar 2017

Die Wahrheit, guapa
















Ich will jetzt die Wahrheit wissen, denkt er, als er das Buch von Nicholas Sparks liest. At First Sight. Ich muss sie einfach wissen, um weiterzumachen. Damit mein Leben weitergeht. Nicht das hier. Dieser Schwebe-Zustand. Ich muss endlich abschließen können. Mit allem. Mit all dem Scheiß. Mit Nadine, mit Bonn, mit Deutschland. Die ganze Scheiße hinter mich bringen.

Ich komme nach Hause, aber bleibe nicht lange. Das ist eh nicht mehr mein Zuhause. Nicht mehr so richtig. Zumindest fühlt es sich nicht mehr so an. Ich ziehe mir die Tarnjacke an, stecke die schwarze Wollmütze in die rechte Seitentasche. Wie gut, dass es Winter ist. Da fällt das nicht so auf, das mit der Mütze. Im Sommer ist das, was ich vorhabe wesentlich schwerer.

Es ist schon dunkel, als ich aus der Tür nach draußen trete. Leise das Tor hinter mir schließe. Draußen ist es am Pissen. Wie passend, denkt er, als er sich auf den Weg zur Bushaltestelle macht, die Mütze in der Jackentasche…

Er will jetzt endlich wissen, was los ist. Warum sie ihn wirklich verlassen hat. Nicht diesen Scheiß von wegen „wenn unsere Liebe einmal zerbrochen ist, wie ein Zweig, dann kann man die nicht mehr kitten“ hören. Fast mit einem Lächeln auf der Lippe. Genervt. Gleichgültig. Immer gleichgültig. Das ist niemals die ganze Geschichte. Aber es gibt nur einen Weg herauszufinden, was wirklich los ist. Los war.

Warum hat María auch ihren Schlüssel hier vergessen? Diesen Schlüssel, den er gefunden hat. Auf dem Glastisch. Auf ihrem alten Glastisch. Sie hat auch nicht mehr danach gefragt. Komisch... Von ihm war der Schlüssel auf jeden Fall nicht. Also muss er ja von ihr gewesen sein. Und warum will sie ihn dann nicht zurückhaben? Von wem denn sonst? Vielleicht passt er ja, der Schlüssel den er jetzt in der Hosentasche hat. Schon seit mehr als einer Woche mit sich rumträgt. Befingert, während er in der Dunkelheit auf den Bus wartet. Den Bus in die Stadt. Er will ja nur Klarheit, will endlich Klarheit.

Nicht diesen Scheiß von wegen „Kann dir doch egal sein“ (ob die einen Neuen hat). „Was macht das für einen Unterschied, jetzt noch?“

Für mich einen großen, denkt er, auf sein Handy schauend. An diesem kalten, dunklen Sonntagabend.

Ya no hay guapos, denkt er, kurz bevor der Bus endlich um die Ecke kommt. Ya no hay guapos…









Glühwürmchen

KI-generiertes Bild – erstellt mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz







Ich weiß noch, damals, als wir noch in Bonn-Hardtberg gewohnt haben (nein, nicht auf dem Brüser Berg, sondern in Finkenhof!), da haben wir im Sommer abends immer zusammen unsere Runde gedreht (mit wem drehst du eigentlich jetzt „unsere“, äh, „deine“ Runde?!). Hoch zum Verteidigungsministerium, am Hardtberg-Bad vorbei, durch den Wald um das Ministerium herum, an der Tennis- und der Basketshalle vorbei und wieder zurück. Zu uns nach Hause. So drei-, viermal in der Woche bestimmt. Um den Tag sacken zu lassen und ein bisschen Sport zu treiben (das dauerte schon immer so ne Stunde oder so). sich zu unterhalten. Sie über ihre señoras, ihre „Frauen“, bei denen sie putzte und ich über meine Schüler, meine Bücher und manchmal auch meine Filme.

Freitag, 17. Februar 2017

Roma 2012 (Teil II)











KI-generiertes Bild – erstellt mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz




Just a perfect day
Drink Sangria in the park
And then later
When it gets dark, we go home

Just a perfect day
Feed animals in the zoo
Then later
A movie, too, and then home

(Lou Reed - Perfect Day)






Aber obwohl ich mich daran erinnere, dass ich in diesem Jahr, und vielleicht sogar in diesem Urlaub, angefangen habe, ernsthaft Rammstein zu hören, so war doch das Lied dieses Sommers nicht etwa Mein Teil, Dalai Lama, Los oder Keine Lust – obwohl du diese Lieder und besonders Los oder Keine Lust auch richtig geil fandest, während María mehr auf Amerika stand (bis heute kann sie sogar Du hast mitsingen, keine Ahnung warum…).