Ich weiß nicht, warum sie es ihm
erzählte. Ich weiß es immer noch nicht, selbst heute noch nicht, wo ich über
alles – jedes kleine Detail unserer Beziehung – so lange und erschöpfend
nachgedacht habe. Ich weiß noch nicht mal mehr genau, wann das war. Wann sie es
ihm erzählte. Ich weiß, dass es draußen war, irgendwo in der Altstadt. Der
Bonner Altstadt, wo sie damals noch mit ihren Schwestern wohnte. Auf einer
Parkbank vor dem Frankenbad, glaube ich. Er saß und sie stand daneben. Oder er
stand und sie saß. Keine Ahnung – das alles ist schon so lange her,
mittlerweile. Warum du noch immer in diesen alten Geschichten rumwühlst, weiß
ich echt nicht. Lass doch die Vergangenheit endlich ruhen. Lass sie doch ruhen,
Mann! Das bringt doch nichts. Das bringt doch niemandem was. Keiner Sau. Wann
war das überhaupt noch mal? 1996? Ja, das muss noch 1996 gewesen sein. Anfang
1996, keine Minute nach Mitternacht, hatte er sie kennengelernt. In dieser
Disko in der Innenstadt, die es auch nicht mehr gibt.
Wie seine Liebe, wie seine Erinnerung, wie sie. Obwohl: Sind nicht diese Zeilen
ein Beweis dafür, dass es sie doch noch gibt. Sie sowieso, aber auch seine
Liebe noch?! Ihre Liebe? Aber wenn man jemand liebt, dann geht man nicht
einfach, in einer Nacht- und Nebelaktion weg, ohne jemals wieder ein Wort mit
dem geliebten Partner zu sprechen. Gerade dann
Ein Blog über das Leben, die Liebe, Beziehungen, Verlust, Angst, Spaß, die Lust, die Lust am Schreiben,Südamerika, Musik, südamerikanische Frauen, die Liebe, Spanisch, Englisch, Schottland, Spanien, Deutschland, dat Rheinland, Kinder, Literatur, Vergänglichkeit, Arbeit, Politik, die Mafia, Urlaub, Gewalt, Verbrechen, Sex, große und kleine Gefühle und vieles, vieles, vieles mehr ...
Samstag, 10. Dezember 2016
Never forget...
Ich weiß noch, wo wir auf Gran Canaria
waren. Ich weiß nicht mehr, ob das das erste Jahr war oder nicht. Das Jahr, in
dem ich Patricia kennengelernt habe, oder das, wo sie zurückgekommen ist. Auf
jeden Fall lief da dieses Lied. Von Take
That. Die ich eigentlich hasste…oder hassen sollte, da meine Schwester
total vernarrt in die war. Ihr ganzes Zimmer mit Postern von denen zugepflastert hatte. Ich weiß gar nicht mehr, wer ihr Favorit war. Ich glaube
fast Robbie, dessen Lied Feel ich selbst später liebte. In meinen Zwanzigern. Als Robbie Williams so
richtig berühmt war. Im Radio rauf und runter lief. Jedes Mal sang ich es mit. Bei
jeder Gelegenheit. In der Disko, zu Hause, überall. Ich wollte auch etwas
fühlen. Fühlen, dass ich lebte.
Weil ich es schon nicht mehr tat…?
Dienstag, 29. November 2016
Warum bist du noch hier?
Nach dem Aldi-Besuch, dem – wie er zu
ihr sagt – Höhepunkt seiner Woche, stehen sie an der Haltestelle und er sagt: „Guck
mal da…“ Er deutet auf den halb zerfledderten Aushang mit der vermissten Katze,
die einem auf dem Foto direkt in die Seele zu gucken scheint…
…was sie da wohl sieht...
„Ich vermisse auch eine Katze. Meine
Katze. Ich vermisse meine Katze auch.“
Jetzt ist es raus.
Aber du weißt noch nicht mal, ob sie
dich überhaupt gehört hat oder ob sie selbst gerade in ihrer eigenen Welt ist,
abgelenkt von ihrer afrikanischen Musik, die sie in letzter Zeit immer hört
die sie daran erinnert, dass es noch
mehr gibt als dieses Deutschland
Im Bus, plötzlich, willst du sie fragen. Während sich der Bus seinen Weg durch die eisige Nacht bahnt wie ein
Eisbrecher, ein russischer Eisbrecher, einsam und allein. Immer weiter rein ins
„Katzenloch“. (So heißt das wirklich, das gibt es wirklich in Bonn – genauso,
wie es mich nicht gibt. Nicht mehr gibt, schon lange nicht mehr) Was wohl hier
vor hunderten von Jahren passiert ist, dass die das so genannt haben?
Du hast sogar schon fast deine
Ohrstöpsel aus den Ohren genommen, um diese Frage wirklich zu stellen. Bist du
bekloppt?! Hast du sie noch alle?! Diese Frage, die dir durch den Kopf
geistert. Schon seit langem. Nicht erst seit gestern.
„Warum bist du eigentlich noch hier?“
„Warum?“
„Ich versteh es nicht…“
„Warum bist du eigentlich noch hier…?“
Das ist nicht die richtige Frage für deine
siebzehnjährige, bald schon erwachsene Tochter. Trotzdem nicht
Das hat damit nichts zu tun
„…wenn ich doch so Kacke bin, dass mich
niemand mehr lieben kann…
…lieben will…
…dass mich deine Mutter nicht mehr
liebt, nicht mehr lieben kann…
…warum bist du dann noch hier…??“
weil du noch was für deinen Vater
empfindest…
…was weiß ich warum…
Warum sind wir alle überhaupt noch hier…auf
diesem kalten Planeten in diesem kalten Universum?“
Er steckt den Ohrstöpsel wieder rein. Die
kannst du dir doch wirklich selbst beantworten…wenn du ein bisschen darüber
nachdenkst…
…aber es darf nicht sein…
…es darf niemanden auf dieser Erde, auf
diesem kalten, traurigen Planeten geben, der dich noch liebt. Niemanden
Du hast
Bist du bekloppt. Du guckst sie an, wie
sie da sitzt, mit ihrer schwarzen Mütze, mit deiner schwarzen Mütze. So jung.
So unverbraucht. So unkaputt. Unkaputtbar. Ihr brauner Teint, ihre kleine Nase,
ihre großen Augen
Ich will sie fragen, aber was sollte sie
darauf schon antworten.
Einen Vater, der mehr hier als da ist.
Der mit mindestens einem Bein schon im Jenseits steht. Vielleicht schon immer
stand. Sein ganzes Leben lang.
Obwohl er sich niemals trauen würde…
Obwohl er immer noch denkt, dass dieses
Leben, dieses Scheiß-Leben, das einzige ist, das wir haben.
Dienstag, 22. November 2016
Dartscheibe zu Weihnachten
Im Aldi sehe ich sie, bei den
Weihnachtssachen. Bei den Weihnachtsgeschenken.
Und direkt wirft es mich zurück. Nach
damals, wo ich die Dartscheibe, die sie mir zu irgendeiner Gelegenheit – ich
glaube zu Weihnachten, war es unser letztes Weihnachten? – geschenkt hat und die ich aus Wut
zerschmettert habe. Obwohl ich die Pfeile bis heute habe. bis heute aufbewahre wie einen Schatz.
Wo ich die Dartscheibe im Keller gegen die Steinwand gehauen habe, bis sie ganz verbogen war. Bis sie kaputt war.
Wo ich die Dartscheibe im Keller gegen die Steinwand gehauen habe, bis sie ganz verbogen war. Bis sie kaputt war.
Dienstag, 1. November 2016
Halloween, Horror-Clowns und Zombies
Und, hast du einen Horror-Clown
gesehen?
Nein. Der hätte mir gestern Abend mal
begegnen sollen…
…
…den hätte ich gefressen. Mit Haut und
Haaren. Und Maske. Gestern Abend hätte mich
mal jemand erschrecken sollen…
…
...ich hätte den wahrscheinlich bewegungsunfähig gemacht, in die Büsche geschleift und...
...ihm das Herz bei lebendigem Leib rausgerissen...
...ihn...
...und ihn dann in Stücke geschnitten und in den Kühlschrank gepackt...
...ins Gefrierfach...
...und dann gegessen...
...statt dem Aldi-Hack und Aldi-Putengeschnetzeltem dir ins Essen getan...
Aber Zombies habe ich gesehen. Jede
Menge. In Deutschland gibt es jede Menge Zombies. Viel mehr als Horror-Clowns…
Sie steht vor dem Spiegel und schminkt
sich. Sagt nichts.
Nämlich genau…lassen Sie mich nicht
lügen… 82.175.683 (Stand: 01.11.16, 20:10, wir wollen ja „korrekt“ sein).
…
Und Aliens auch. Jede Menge.
Sie steht weiter vor dem Spiegel und
schminkt sich. Lässt sich nichts anmerken. Keine Reaktion. Was soll sie auch darauf sagen, jetzt mal
ehrlich?!
Sonntag, 30. Oktober 2016
Wut und Respekt
Er redet mit seiner Kollegin in der
Halle. Sie ist ein bisschen krank, hat eine Erkältung. Oder gar eine Grippe?
Sagt: „Am Freitag war das ja ganz
schlimm. Da dachte ich, ich steh nicht mehr auf…“
„Schon dich“, sagt er, als sie geht.
„Du auch. Sonst merkst du das auch
irgendwann. Wenn der Körper nicht mehr will, dann kippt man irgendwann um.“
Dann will er eben nicht mehr. Der ist eh
schon kaputt. Jahrelanges fettiges Essen, Depressionen, Ängste, Süßes, Alkohol
(nicht so viel, aber wenn, dann richtig…) und noch einmal fettiges Essen.
„Dann kipp ich eben um…wir müssen alle
sterben.“ Er guckt sie an, guckt ihr direkt in die Augen… „Irgendwann ist für
jeden Schluss…“, fügt er hinzu. „Irgendwann müssen wir alle sterben. Wir können
alle nicht ewig leben…“ Ob ich jetzt sterbe oder in 10, 20 oder gar 30 Jahren…
„Ist aber noch zu früh!“ sagt sie.
Echt, denkt er. Ich dachte, das wär
genau der richtige Zeitpunkt. Ein guter Tag zum Sterben. Zwar nicht unbedingt
heute, aber… Siehst du, du willst es ja doch nicht.
„So weit war ich auch schon. Ich war
auch schon so weit, mich vor den Zug zu schmeißen…
Er registriert das nur, fragt nicht
nach, wann oder wie. Will gar keine Details wissen, sagt nur kurz: „Echt?“ Und
sagt dann: „Im Moment würde ich eher andere gerne vor den Zug schmeißen, wenn
ich könnte. Es gäbe da so ein paar Leute…“
Sie sagt nichts, also redet er weiter:
"Eigentlich gehe ich im Moment in die Phase der Wut über. Davor war die
Trauer…und jetzt kommt so langsam die Wut.“ Er macht eine Fratze, um ihr seine
Wut zu verdeutlichen. Schiebt den Unterkiefer nach vorne und fletscht die Zähne
fletscht. Was ihm natürlich nicht ganz gelingt.
„Das ist ja beim Tod genauso….“ Oder hat
sie „vor dem Tod“ gesagt?? Echt? Jetzt hat sie
ihn geschockt, kalt erwischt.
„Echt?“
„Ja.“
Woher weiß sie das denn jetzt? Von ihrem
Vater? Man sollte die Leute nicht unterschätzen. Man weiß nie, was die
durchgemacht haben. Wo die „herkommen“, wie Brad Pitt alias Tyler Durden das zu
diesem Typen sagt, der dem Fight Club den
Keller wegnehmen will. Kurz bevor er ihm das Blut ins Gesicht spritzt, für das
der Typ selbst verantwortlich ist. Denn er hat ihn ja vorher mehrmals ins
Gesicht geschlagen. Was Tyler alias Brad einfach so über sich hat ergehen
lassen. Bis er den Spieß umgedreht hat. Und dann schreit, während er ihm sein
Blut ins Gesicht spritzt:
„IHR WISST NICHT, WO ICH HERKOMME.“
Womit er am Ende gewinnt und der
Besitzer der Bar ihn in Ruhe lässt. Die Kämpfenden. Die gegen das Leben und
später gegen die Gesellschaft kämpfen. Die fast komplett sinnentleerte
Konsumgesellschaft.
Krass, denkt er immer noch. Echt? Ist
das wirklich vor dem Tod genauso?
Und sagt dann: „Ja, das sind ja die
typischen Phasen. Und da komme ich jetzt in die Wutphase. Du müsstest mich
manchmal sehen, im Bus…
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„Das kann die doch nicht machen… Ich
weiß gar nicht, was die sich denkt. Will die, dass ich die auf den Mond
schieße…?“
„Hat sie denn noch mal mit dir geredet?“
„Nein, nur über den Anwalt.“ Das ist
ihre Devise…
…
„Und irgendwann hört man auf, SMS zu
schicken. Irgendwann begreife sogar ich es. Nach ein paar Monaten… Wenn man
sowieso keine Antwort bekommt… Immer weiter SMS ins Nichts schicken…“
„Ne, das stimmt. Das würd ich dann auch
nicht mehr machen.“
„Ich versteh es nicht…“
„Ich auch nicht.“
Ein paar Minuten nachdem sie gegangen
ist, kommen die alten Leutchen rein. Das alte Ehepaar. Obwohl: Bei genauerem
Hinsehen sind die noch gar nicht so alt. Aber verbraucht.
Die sind nicht so beliebt. Letztens hat
ihm der Kurde gefragt, warum er Rassisten rein ließe, als die unten spielte,
die Frau. Er wusste nicht, was er antworten sollte.
Ich lass dich ja auch rein, wäre gut
gewesen…
Und außerdem gibt es nur eine Kategorie
für einen „guten“, „netten“ Kunden. Nämlich wie viel Trinkgeld der gibt (ich
weiß, aber das Leben ist hart…).
Obwohl er ein bisschen Respekt, wenn
nicht sogar Angst vor der hat. Weil die manchmal nach Alkohol riecht. Und
Frauen, die trinken, davon hat er bei seiner Mutter schon genug von
mitbekommen. Um bedient zu sein. Für den Rest seines Lebens. –bis in alle –Ewigkeit.
Until the cows come home…
Aber so schlimm, wie der Kurde sagt, ist
die auch nicht. Also… Zwar ein bisschen pingelig, aber du wirst die nicht mehr
ändern. Nicht in diesem Leben. Und auch der Kurde nicht. Vielleicht wird den ja
auch niemand mehr ändern. Außer vielleicht das Leben selbst…das verändert uns
alle… Er glaubt ja, die will nur ein bisschen mehr Respekt von den Leuten.
Jetzt ist sie schon so alt geworden und keiner hat mehr Respekt…
Letztens hat er die nicht gegrüßt, als
die da waren. Weil die ihn einen Tag davor nicht gegrüßt haben. Weil er keinen
Bock hatte, die immer nur zu grüßen, ohne dass die zurückgrüßen. Bei manchen
Leuten ist das so. Bei ihm noch mehr.
Und so nimmt das Leben seinen Lauf. Die
grüßen nicht und er grüßt nicht…und nur, weil beide eigentlich nur mit ein
bisschen mehr Respekt behandelt werden wollen…
Die Alte kommt um die Ecke.
Er sagt: „Hallo.“
Sie antwortet: „Hallo.“
Geht doch. Wenn sie mich beim nächsten
Mal wieder nicht grüßt, grüße uch
eben auch nicht mehr zurück…
Geht doch. Wenn der mich beim nächsten
Mal wieder nicht grüßt, dann grüße
ich eben auch nicht mehr…
Und so nimmt das Leben seinen Lauf.
Im Radio singt ein Mann, einer dieser
jungen deutschen Sänger, die zwar gut sind, aber sich auch irgendwie alle gleich
anhören, über Liebe. Von allen Themen. Die Männer singen über die Liebe und die
Frauen schaffen Tatsachen.
Und ich schreib eine SMS
und ich schick sie nicht weg…
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