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Sonntag, 14. Februar 2016
Zärtliche Gedanken zum Valentinstag
Am Valentinstag dachte er (nein, das bin nicht "ich", das ist "er" - wer ist heute überhaupt noch "ich"?!), wie er so im Bett lag:
Hey, heute ist Valentinstag!!
Mehr muss ich, glaub ich ("er" falls sie mitliest) nicht sagen! Oder?!
Wenn meine Mordfantasien und imaginären Gewaltorgien exponentiell zunehmen, dann weiß ich: Bald ist Valentinstag!
Gehe jetzt in den Wald. Es wird gleich dunkel! Sie ist auch wieder fast schon wieder aufgetaut, im Kofferraum meines Autos. Sie muss jetzt in den Wald! Im Frühjahr gehe ich dann gucken, ob die Leiche begonnen hat zu knospen. Keine Angst, das ist nur ein Zitat. Oh, wie ich T.S. Eliot doch liebe. Wir sind die hohlen Männer! Die hohlen Männer! Den Kopf voller Stroh! Die Eier leer. Die Leiche im Keller...äh, im Kofferraum, meine ich natürlich. Die Dunkelheit im Herzen.
Oder wie Tyler das sagt: "Eine ganze Generation [von hauptsächlich Männern - Anmerkung der Redaktion] zapft Benzin, räumt Tische ab und schuftet als Schreibtischsklaven. Durch die Werbung sind wir heiß auf Klamotten und Autos, machen dann Jobs die wir hassen und kaufen dann Scheiße die wir nicht brauchen. Wir sind die Zweitgeborenen dieser Geschichte, Leute. Männer ohne Zweck, ohne Ziel. Wir haben keinen großen Krieg, keine große Depression. Unser großer Krieg ist ein spiritueller. Unsere große Depression ist unser Leben. Wir wurden durch das Fernsehen in dem Glauben aufgezogen, dass wir alle mal Millionäre werden, Filmgötter, Rockstars. Werden wir aber nicht, und das wird uns langsam klar! Und wir sind kurz, ganz kurz vorm Ausrasten.
(Fight Club: http://www.filmzitate.info/index-link.php?link=http://www.filmzitate.info/suche/film-zitate.php?film_id=784)
Oder so: "Verschließ dich nicht vor dem Schmerz, verdräng ihn nicht. (...) Ohne Schmerz, ohne Opfer hätten wir Menschen nichts! (...) DAS ist dein Schmerz, DAS ist deine brennende Hand, sie ist genau hier!" "Unsere Väter waren unser Bild von Gott. Unsere Väter haben sich verpisst - Was verrät dir das über Gott?" � "Keine Ahnung..." � "Ich sag dir, was: Halt dir vor Augen, dass es möglich wäre, dass Gott dich nie leiden konnte. Dass er dich nie gewollt hat. Bei realistischer Betrachtungsweise hasst er dich sogar. Aber das ist keine Katastrophe. Wir sind nicht auf ihn angewiesen. Scheiß auf Verdammnis und Wiederauferstehung... Wir sind Gottes ungewollte Kinder? So möge es sein!"
(ibid.)
Lass deinen Schmerz zu, dachte er. Bald bist du geschieden. Bald ist das Trennungsjahr vorbei. So wie sie mich psychisch und physisch misshandelt hat, all die Jahre, hätte ich eigentlich eine Härtefallscheidung verdient, dachte er.
Bis dass der Tod uns scheidet, hatte "er" (nicht "ich") immer zu ihr gesagt, früher, in besseren oder vielleicht sogar noch schlechteren Zeiten - wer weiß das schon?
"Bis dass dein Tod uns scheidet" Das hat er früher immer zu ihr gesagt, als sie noch ein glücklich-unglückliches Paar waren. Jetzt sind sie ein nur noch ein unglücklich-unglückliches Paar. Aber was heißt hier nur?! Zwei negative Vorzeichen (heißt das so?) ergeben doch auch in der Mathematik etwas Positives!
Und jetzt geht's aber endgültig in den Wald. Die Vergangenheit vergraben. Am Valentinstag! Hoffentlich treibt sie keine Blüten.
Lebenserwartung
Auf der Arbeit lese ich,
dass in Russland die durchschnittliche Lebenserwartung bei 70,46 Jahren liegt!
Krass, dann hätte ich da ja
schon fast 2/3 meines Lebens verschwendet...
Scheiße. Ich muss unbedingt was machen. Ist eigentlich egal was. Mir bleibt eh nicht mehr so viel Zeit. Aber was? Und dann noch in Deutschland…
Scheiße. Ich muss unbedingt was machen. Ist eigentlich egal was. Mir bleibt eh nicht mehr so viel Zeit. Aber was? Und dann noch in Deutschland…
Freitag, 12. Februar 2016
Der Bachelor
12.02.16
Heute gucken meine Tochter
und ich…oder ich und meine Tochter…egal, auf jeden Fall gucken wir den Bachelor. Geil, ne?! Obwohl auf
dem Ersten die Bayern spielen und auf dem Zweiten XY läuft. Scheiße. Wozu
brauch man RTL überhaupt noch?! Die Bayern spielen im Pokal gegen Bochum, aber
wir gucken den Bachelor! Diesen Spacken-Bachelor. Diesen Spasti-Bachelor.
Montag, 8. Februar 2016
Eine Busfahrt, die ist lustig...
Heute ist Weiberfastnacht.
Eigentlich sollte ich nach der Arbeit noch irgendwo hingehen, mich vergnügen –
soweit man sich in diesem Land vergnügen kann – aber ich habe keinen Bock mehr.
Also esse ich ein Gyros-Pita (ja, ich weiß, viel zu fettig, nachts um zwanzig
nach eins, aber irgendeinen Spaß muss ich ja haben und das Essen ist
bekannterweise der Sex der alten Männer!). Und warte auf den Bus, der um 1:39
mit guten 8 Minuten Verspätung endlich kommt. Wie immer setze ich mich vorne
auf den Einzelsitz neben dem Fahrer. Das ist mein Lieblingsplatz, besonders
nachts, wo es hinten in den Bussen bisweilen besonders actionreich zugeht. „Ey,
Alter, ich schwöre auf Koran…äh bei Gott…ist Schlampe…fick deine Mutter, deinen
Vater und deine Schwester. Einmal wurde sogar auf einer Fahrt nach Duisdorf
schon mal ein Deutscher niedergestochen. Von einem kleinen Afrikaner, der sogar
noch an mir vorbeigelaufen ist, um seelenruhig auszusteigen. Außerdem muss man
auf diesem Platz nicht gezwungenermaßen neben irgendwelchen Arschlöchern oder
Besoffenen oder besoffenen Arschlöchern sitzen, die einem entweder auf den
Schoß kotzen oder mit ihrem Kopf auf meiner Schulter einschlafen. Darauf hab
ich um die Uhrzeit echt keinen Bock mehr. Also setze ich mich hin – wie immer
ein bisschen niedergeschlagen, ein bisschen depressiv, weil ich nicht mehr zu
Nadine nach Hause fahre, sondern ganz alleine sein werde. Buhuuuuu!!! Immer die
gleiche Scheiße. Selbst jetzt habe ich die Trennung noch nicht überwunden.
Jetzt, nach fast einem Jahr. Nachdem ich mein Trennungsjahr fast komplett
überstanden habe – „überlebt“ wäre vielleicht das bessere Wort. Ohne mich von
der Brücke in die kalten Fluten des Rheins zu stürzen oder einen Mord zu
begehen. An meiner Frau oder irgendeinem anderen Mitglied ihrer Familie (ich
bin da nicht wählerisch, obwohl mir ihr Schwager oder ihre Schwester Slainté am
liebsten wären).
Montag, 4. Januar 2016
Feliz ano nuevo?!
Schon um 10 Uhr ist er
wieder wach. Sie liegt immer noch neben ihm. Es war also kein Traum. Es ist
wahr. Ihr Tattoo ist zwar nicht zu sehen, aber ihr Haar und ihr Hinterkopf.
Fast wie Nadine. Er bewegt sich ganz vorsichtig – er will sie ja nicht aufwecken
– und sucht nach der Fernbedienung. Die muss doch hier irgendwo sein. Er findet
sie in der Ritze zwischen den beiden Matratzen, zieht sie vorsichtig raus und
schaltet den Fernseher ein, stellt ihn aber sofort auf lautlos. 9:53. Scheiße,
Mann. Schon so spät. Scheiße. Er richtet sich leicht auf, stütz seinen
stämmigen, schweren Oberkörper auf seinen Ellbogen auf. Macht den Fernseher
wieder aus, legt sich aber nicht wieder hin. Guckt zu ihr rüber. Sieht, wie sie
ruhig und gleichmäßig atmet. Wie sie den Schlaf der Gerechten schläft. Scheiße.
Was mach ich denn jetzt, wenn María aufwacht? Und auf dem Weg zum Bad hier
durch muss. Dann bin ich gefickt. Wenn die die sieht. Das geht gar nicht. Ich
kann ja so tun, als wäre ich allein im Bett. Vielleicht merkt sie es ja nicht.
Du kannst ihr ja, sobald du die Tür zur Küche hörst, die Decke über den Kopf
werfen und so tun als wär da niemand. Und wenn sie genau in dem Moment
aufwacht. Dann gibt es bestimmt ein Riesentheater. Nicht, dass sie dann denkt,
du wolltest sie ermorden. Man weiß ja nie. Scheiße. Das geht so nie durch. Und
Marías Freundin Nicole ist Frühaufsteherin. Heute vielleicht nicht, denn die
ist ja auch erst um kurz vor eins ins Bett gekommen. Das ist die gar nicht
gewöhnt, wenn die sonst immer pünktlich um zehn Uhr schlafen geht. Aber darauf
kannst du dich nicht verlassen.
Warum machst du eigentlich
so ein Theater? Ihr seid doch getrennt. Ist doch scheißegal, mit wem du
rummachst. Ist doch nicht ihr Problem. Aber trotzdem willst du nicht, dass sie
dich hier mit einer anderen Frau rumliegen sieht. Ne, das geht gar nicht. Du
bist ihrer Mutter ja immer noch treu, auch wenn es nur im Gedanken ist. Dann
kommt ihm ein Gedanke: Vielleicht wär es ja sogar gut, wenn sie dich sehen
würde. Und das dann an ihre Mutter weitertragen würde.
Nein! Das geht gar nicht!
Aber was soll ich denn
machen. Die rausschmeißen? Und wenn sie ihren One-Night-Stand mal wiederholen
will. Dann siehst du sie bestimmt nicht wieder. Ne, das geht auch nicht. Am
Ende entschließt du dich sie sanft zu wecken. Du rüttelst an ihrer Schulter, sagst
leise ihren Namen: „Patricia…“ Das würde jetzt gar nicht gut kommen, wenn sie
plötzlich hochschrecken und schreien würde. So besoffen war sie nun auch wieder
nicht. Sie wusste schon noch, was sie tat. „Patricia…“ Ihr Name klingt fremd in
seinen Ohren. Seit so vielen ist er es gewöhnt, nur einen Frauennamen zu sagen.
„Patricia...“
Aber sie bewegt sich immer
noch nicht. Die hat ja Vertrauen. Oder einen gesegneten Schlaf. Nadine hat
immer mit einem offenen Auge geschlafen, da brauchte man nicht lange rütteln.
Er rüttelt weiter. Was soll
er denn auch anders machen. Ihr den Finger in den Arsch stecken, bis sie
aufwacht. Hey, ist sie etwa noch nackt unter der Decke. Dann könnte er ihr auch
was anderes reinstecken.
Nein, sie muss jetzt gehen.
Egal, wie Scheiße das ist.
Endlich rührt sie sich,
dreht sich verträumt um, so als wüsste sie im ersten Moment nicht, wo sie ist
und guckt ihm ins Gesicht.
Ohne Panik, zum Glück. Kein
Geschrei, kein „Wer bist du denn?“, kein angstvoller Blick.
Nur ein sanftes „Hola“, das
sich so zuckersüß anhört…aber es hilft alles nichts.
„Escúchame…me ha gustado mucho contigo…eh...todo...“ War alles sehr schön…, “…pero tengo un problema…“
Ich hab ein kleines Problem… Genau 1,50 groß!
Sie guckt mich mit ihren großen
braunen, leicht mandelförmigen Augen an.
„¿Sí…?
Wie sag ich das jetzt?
Scheiße.
„Mi hija duerme al lado…“ Meine Tochter schläft nebenan.
„Tienes una hija. No me…“ Du hast eine Tochter? Hast du mir…
„…con
su amiga…y…tiene pasar por aquí para ir al baño…“
Die muss hier durch, wenn die
ins Bad will…
Jetzt bist du tot.
„¿Sí…? Sie ist immer noch ganz verschlafen.
„Y…“
„Ah, ya entiendo…“ Ah, ich verstehe…
…
Tust du?
„Así sería…un poco…“ So wär das…ein bisschen…
„Ya me visto…“ Ich zieh mich schon an…“
„Gracias..no quiero que te….“ Danke! Ich will nicht, dass du….
„No, no pasa nada…“ Ne, ist schon ok.
Es gibt einen Gott. Und der
fährt mir auch noch mit dem Zeigefinger über die Nase, bevor er sich aus dem
Bett erhebt – ebenso flink wie er gestern auf der Tanzfläche gezappelt hat.
Scheiße. Bleib hier, denke ich nur, als ich ihren tatsächlich noch nackten
Körper sehe. Scheiße. Sag nur ein Wort…und ich schmeiße meine Tochter
persönlich samt Freundin raus.
Nein…nur Spaß.
Aber dieser Arsch ist schon
geil. Fast wie Nadines. Nur ein bisschen jünger. Aber die Form stimmt. Ich sag
nur: Beuteschema… Boris Becker... Die Katze lässt das Mausen nicht…
Kannst du dich nicht noch
mal umdrehen. Bitte. ¡Por favor! Oder
dich bücken, so dass ich deinen Busch noch einmal von hinten sehen kann.
Sie setzt sich auf die
Bettkante, bückt sich nach ihrem Höschen und du siehst zwar nicht ihren Busch,
aber doch ihre kleinen Indianertittchen. Klein, aber fein. Einen Moment lang
betrachtest du sorgenfrei ihren braunen Rücken. Sie hat ein großes Muttermal
auf ihrer Wirbelsäule. Nadine hat eins auf dem Oberschenkel. Hören die
Gemeinsamkeiten denn nie auf?
Sie streift sich ihr T-Shirt
über, sagt leise, aber gut gelaunt:
„Así qué me echas…“ Wirfst du mich also raus…
Ich will ja nicht, aber…
Ich will ja auch…
„Disculpa…“ Tschuldigung…
„Pero está con su amiga…“ Ihre
Freundin ist auch hier.
„Ok, ok. Gut, gut.“ Auf Deutsch
hat sie den gleichen Akzent wie Nadine. Scheiße.
Sie steht auf und schlüpft
in ihre Jeans. Ein letzter Blick.
„No quiero que te enojes.“ Ich will nicht, dass du böse bist… Siehst
du, du bist immer noch ein Waschlappen! One-Night-Stand mit Südamerikanerin hin
oder her. Du entschuldigst dich immer noch für alles. Erklärst alles haarklein.
Erklärst alles tot. Sie geht zum Tisch und nimmt sich einen halb zerrissenen
Briefumschlag, der da liegt und schreibt etwas auf.
"Te
dejo mi número…" Ich lass dir meine Nummer da.
Es gibt einen Gott.
Jetzt erhebst auch du dich.
Anders als sie hast du dein
Bayern München T-Shirt und die rote Shorts an. Wie Peinlich! Das T-Shirt nicht,
aber die Blümchen-Shorts schon. Du gehst zur Tür, nicht ohne ihr vorher noch
mal mit der Hand über den Rücken zu streifen. Du spürst ihren Körper unter der
Hand, als du die Tür vorsichtig öffnest. Sie geht auf den Flur hinaus, nicht
besonders bedächtig, und dreht sich noch einmal um. Gibt dir einen Kuss auf den
Mund. Boah, ihre feuchten Lippen. Wie lange habe ich das jetzt nicht mehr
gespürt…Ewigkeiten…
Sie lächelt und hält sich
einen Finger vor den Mund, als du langsam die Haustür öffnest.
„Ciao.“
„Ciao.“
Und schon ist sie weg.
Scheiße. Komm zurück. Du hörst noch das Tor zuschnappen und machst die Haustür
wieder zu. Egal…wenn María jetzt aufsteht wolltest du eben etwas vom
Wäscheständer holen. „Ständer“ ist gut, denn genau den hast du schon wieder.
Und diesmal ist es nicht nur eine Morgenlatte. Langsam gehst du zurück in dein
Zimmer, das Schlafzimmer, guckst dich kurz um, und gehst dann ins Bad. Die Morgenlatte
loswerden. What’s the story, morning
glory?!
Aber als du deinen kleinen
Freund rausholst, merkst du erst, was du getan hast. Scheiße. Du hast die so
gefickt. Ohne Kondom. Du hattest keine – wie solltest du auch so kurz nach der
Trennung – und warst zu geil, um nein zu sagen. Und sie zu besoffen. Oder
andersrum. Du zu besoffen und sie zu geil. Keine Ahnung. Er riecht auch
komisch. Du hältst dir deinen Zeigefinger unter die Nase, riechst daran. Scheiße.
Der riecht definitiv nach…
…Muschi.
Fremder Muschi.
Scheiße.
Du hast die echt so gefickt.
Was hättest du den tun
sollen? Kalt duschen? Zeig mir einen Mann, der so kurz vor der Himmelspforte
nein sagt. Oder vor dem Tor zur Hölle. Das soll ja auch eine gewisse Attraktion
ausüben…
Scheiße…
Wenigstens bist du nicht…
…bist du doch.
Scheiße. Nicht, dass die…
…schwanger wird.
Näh, Quatsch. (Hast du bei
Nadine auch gedacht…und dann war María da, 9 Monate später).
Die weiß, wo du wohnst. Die
findet dich. Nein, nicht noch mehr Ärger. Und wenn die jetzt was hatte? Und was
kannst du dann jetzt noch machen? Nichts. Was geschehen ist, ist geschehen.
Scheiße. Ich bin zu jung, um Aids zu haben. Haha, mit fast 39 wird es bald aber
Zeit. Wie alt war Freddie Mercury, als er gestorben ist. 45. Und als er sich
angesteckt hat. 39.
Aber der war schwul.
Und Magic Johnson?!
Der lebt noch!
Aber der ist reich, nicht
wie du, ein armer Schlucker. Ein armer Wichser. Jetzt nicht mehr
Du deine mittlerweile ganz
kleine Latte vorsichtig wieder ein, so als könnte sie dir jetzt schon abfallen
– das wird sie erst wenn das Aids-Virus richtig ausgebrochen ist! Der Geruch
liegt dir immer noch in der Nase. Dieser leicht fischige, leicht dreckige
Vagina-Geruch. Riechen eigentlich alle Frauen gleich. Das erinnert dich daran,
wie sich Nadine früher immer den Finger in den Arsch gesteckt hat und ihn dir
dann unter die Nase gehalten. Das war dann doch ein bisschen zu viel des Guten.
Du dachtest du würdest diesen Geruch nie mehr riechen. Und jetzt…
…hast du mit der ohne Gummi
gebumst.
…ohne ihn rauszuziehen.
Das neue Jahr fängt ja gut
an.
Hey, sei doch froh, dass du
überhaupt noch eine abbekommen hast Sah ja nicht danach aus. Und dann auch noch
so einen Tiger. Una pantera. Mit
Tattoo. Die dir die Eier abschneidet, wenn du sie geschwängert hast. Ach ne,
das macht dann ihre Familie. Nicht schon wieder.
Aber glücklich bist du
trotzdem, du Arschloch. Wiegst deine Eier in deinen Händen. Deine entleerten
Eier, deine leergeschossenen Eier. Geil.
Legst dich wieder hin,
schiebst dir die Decke zwischen die Beine, so wie du das immer machst. Kaum
liegst du fünf Minuten – du kannst immer noch nicht einschlafen – da hörst du
schon die Schiebetür zur Küche. Du schließt die Augen, atmest so langsam wie
möglich und drehst deinen Kopf in Richtung Fenster. Siehst noch nicht mal, wer
da kommt. Ob es deine Tochter oder ihre Freundin Nicole ist. Bestimmt ist es
María und nicht Nicole. Sie öffnet die Tür, geht ins Bad und schließt die Tür
dann wieder. Keine zwei Minuten später hörst du Stimmen und noch jemand kommt.
Diesmal ist es ganz sicher Nicole.
Scheiße
Donnerstag, 31. Dezember 2015
Mittwoch, 30. Dezember 2015
Lichtjahre entfernt
30.12.15
sie tippt in ihr Handy
ich in meinen Computer
es gibt
keine Kommunikation
kein Gespräch mehr
vielleicht auch besser so
das willst du doch
dass sie endlich merkt, dass
das alles kein Witz mehr ist
trotzdem tut es so weh
Montag, 28. Dezember 2015
Damals war die Welt noch in Ordnung
Damals war die Welt noch in Ordnung, obwohl sie langsam anfing, Risse zu bekommen. Wo ich trunken vor Glück in den frühen Morgenstunden des neuen Jahres mit Nadine und ihren Schwestern aus der Disko kam. Dem Ysabeau, das es heute nicht mehr gibt (zu viele Razzien, zu viele Illegale), Nadine auf der einen Seite und Mandy und Slainté auf der anderen. Wir umarmten uns sogar. Heute wär sowas undenkbar.
Das waren noch Zeiten. Wo
ich bestimmt jeden zweiten Tag bei Nadine und ihren Schwestern schlief, bei ihr
übernachtete, mit ihr schlief. Heute ist Krieg zwischen uns. Alles ist anders.
Und glauben Sie mir das: ganz sicher nicht besser.
Einmal wollte ich sogar mit
Nadine schlafen, obwohl ihre Schwester keine zwei Meter weiter auf dem
Wohnzimmersofa schlief. Das gab Ärger. Denn die hat das mitbekommen damals. Und
am nächsten Tag Nadine kritisiert. Oder es ihr gesagt. Das ich keinen Respekt
hätte und der ganze Bla. Das war mir egal. Einem geilen Mann ist Respekt egal.
Wir ham ja auch noch nicht mal. Denn Nadine wollte nicht, im gleichen Zimmer
wie ihre Schwester.
Also mussten wir auf den
Flur ausweichen. Ins Treppenhaus. Das war bei einem 5-stöckigen Wohnhaus
ziemlich groß. Aber nicht groß genug. Ich glaube, nur einmal ham wir es
geschafft, ganz hastig, Nadine auf mir sitzend, im Treppenhaus zu bumsen.
Denn jedes noch so kleine Geräusch konnte heißen, das gleich eine alte,
entrüstete Dame, die seit dem Krieg keinen Sex mehr gehabt hatte, aus der
Wohnungstür gestürmt kam und uns mit dem Besen vertrieb. Was nie passierte. Zum
Glück nicht, denn dann hätte Nadine und ihre Schwestern bestimmt Ärger mit dem
Vermieter bekommen. Und damals waren die alle drei noch illegal in Deutschland.
Das war lange bevor Nadine mich heiratete, Slainté sich mit einer Frau auf eine
Scheinehe einließ und Mandy als frischgebackene, spanische Staatsbürgerin aus Barcelona zurückkam. Also
ging das nur ganz ruckartig, fast überfallartig und machte somit keinen großen
Spaß. Dafür bereitete es umso größeren Nervenkitzel. Genau wie der Sex im
Freien, zu dem wir uns fast genötigt sahen, da Nadine Schwestern fast immer
abends Zuhause waren.
Wie vor der Beethovenhalle
am Baum. Das lief immer nach dem gleichen Muster ab: Wir saßen irgendwo draußen
auf einer Bank und küssten uns wie wild, wobei es nicht blieb. Denn das war
zwar geil, aber nicht genug. Ich wollte immer mehr. Ich ging ihr jedes Mal und
fast immer durch die Hintertür kommend an die Wäsche. Das heißt: Ich steckte
ihr von hinten meine Hand in die Hose oder Leggings, bis ich entweder von
hinten ihr Schamhaar ertasten konnte – was mich noch mehr anfeuerte – oder bis
ich diesen schweißige Schokoladencreme an den Fingern spürte, die mich sowohl
noch geiler machte als auch anwiderte. Besonders nachdem ich meine Finger
wieder rauszog und sie nach ihrer Kacke rochen. Das war dann doch ein bisschen
zu viel des Guten.
Aber ab einem bestimmten
Punkt wollte ich dann auch draußen alles. Sprich: Penetration. Was schwierig
war. Nicht nur, weil sie illegal war. Sondern auch, weil sie selten Röcke trug.
Sondern meistens Jeans oder Leggings. Letztere waren zwar schnell runter, aber
das hieß noch lange nicht, dass eine Penetration so einfacher, geschweige denn
risikoärmer war. Nein: Denn so war das Risiko zwar für mich minimal, aber ich
war auch nicht derjenige von uns beiden, dessen Aufenthaltsstatus ungeklärt
war. Ich konnte immer schnell den Schwanz einziehen, aber sie konnte ihre Scham
nicht so schnell wieder in trockene Tücher bringen. Also ließen wir entweder
ganz davon ab oder gaben uns nur in ganz seltenen Fällen dieser Versuchung hin.
Wie z. B. nachts an diesen Baum in einem Hinterhof – oder war es ein
Spielplatz? – an einen Baum gelehnt. Ich weiß nicht, ob ich sie bei dieser
Gelegenheit tatsächlich richtig penetriert habe oder ob ich wie so oft den
Schanz eingezogen habe, aber geil war es schon.
Fast wie im Film
27.12.16
Wie immer kann er um zwölf
noch nicht schlafen und guckt noch ein bisschen Fernsehen. Im Ersten läuft ein
amerikanischer Film.
Der Film handelt von einem
jungen College-Absolventen, der nach dem College noch keinen genauen Plan hat,
was er machen soll und als Babysitter für eine vierzigjährige Frau mit zwei
Kindern jobbt. Erst nur für ein paar Abende, aber nach einer Weile engagiert sie
ihn als feste männliche Nanny und er verliebt sich trotz des Altersunterschieds
in seine Chefin.
Sie lieben sich und sie wird
schwanger. Als sich die Schwangerschaft jedoch als Eileiterschwangerschaft
entpuppt, trennen sie sich (woher kennt er das bloß?)
Der Typ reist um die Welt,
geht nach Afrika, Indien, um sich um Kinder zu kümmern. Und landet am Ende
wieder in New York, wo er in einem Museum Führungen für Kinder leitet.
Und in einem Restaurant
trifft er sie durch Zufall wieder. Er ist jetzt dreißig (der Glückliche – erst
30!), wie er sagt…
…und sie mag diese ganzen Dating-Sachen
nicht (sag das mal seiner EXe)…
…und sie landen alle
zusammen – inklusive seiner Eltern – an einem gemeinsamen Tisch.
Am Ende geben sie sich
unterm Tisch die Hand. Und sein adoptiertes und ihre beiden Kinder verstehen
sich auf Anhieb gut. Sie lacht, als er ihre Hand nimmt. Und dann endet der
Film.
Und er heult ein paar Tränen
in sein Kissen. In ihrem alten Doppelbett liegend, in seiner neuen
Single-Wohnung, die ich immer noch nicht als „seine“ Wohnung akzeptiert. In der
er immer noch nicht alle Möbel vollständig aufgebaut habe. Und das nach guten
fünf Monaten.
Morgen kommt seine Tochter.
Unsere Tochter, obwohl es dieses „uns“ eigentlich gar nicht mehr gibt.
Und an Silvester, unserem
Jahrestag, wird er ihr eine SMS schreiben. Eine einzige. Nicht fünf. Eine. In
der stehen wird: ¡Feliz vigésimo
aniversario! Ha sido bueno conocerte.
Was Deutsch etwa soviel
heißt wie: Alles Gute zum 20. Jahrestag! Ich bin froh darüber, dich
kennengelernt zu haben.
Und morgen wird er eine weitere
E-Mail schreiben. An seine Scheidungsanwältin.
Fast wie im Film. Er kommt
sich fast wie im Film vor.
Nur im falschen.
Und obwohl ich eigentlich
schon mehrmals dieses Jahr den Glauben verloren hatte, will ich glauben…
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