Freitag, 14. Oktober 2016

Reflexzonenmassage











Er hat auch wieder angefangen, sich einen runterzuholen. Das ist doch auch schon mal was! Gestern und heute! Immerhin! Gestern Nacht und heute Morgen. Gestern hat das fast eine Stunde gedauert, was Vernünftiges zu finden. Vernünftiges "Material". Mit dem er vernünftig "arbeiten" kann (alles in mühsamer Handarbeit...). Denn er wollte keine Hardcore-Pornos. Nicht immer das Gleiche. Das nervt auch. Cansa también, würde seine Frau sagen (wenn sie noch da wäre). Doch dann, kurz vor drei fand er diese Reflexzonenmassage in Japan. Die so schön ölig-feucht ist und die Dinge nur andeutet. Bei der die Unterwäsche zwar anbleibt, aber vom ganzen Öl und anderen Flüssigkeiten völlig durchweicht wird… Asiatinnen sind eh geil. Japanerinnen besonders. Die sind dann auch richtig braun. Brauner als Chinesinnen. Und die haben noch alle ihre Schamhaare. Das ist doch auch mal erfrischend, wenn man das mit all den deutschen Nacktkatzen vergleicht, all diesen Nacktpussys. Und wie die stöhnen…


Wenn die Libido langsam wiederkommt, weiß man, man ist auf dem Weg der Besserung...












Mittwoch, 12. Oktober 2016

Botschaft von Ecuador - Embajada del Ecuador










Morgens, nachdem er sich sein tägliches Fladenbrot geholt hat, kommt er an dem Gebäude vorbei, wo früher die ecuadorianische Botschaft drin war. In Godesberg. Wie lange das jetzt schon her ist. Das war, wo Bonn noch Hauptstadt war. Es fühlt sich wie ein halbes Leben an. Unglaublich

The Kardashians auf Deutsch










„The Kardashians läuft gleich…“


„Das ist echt geil! Hab ich gestern erst entdeckt...“

„Zeigen die da auch, wie die überfallen wird?“




„Und du fährst morgen ganz ohne mich?! Kannst du das wirklich mit deinem Gewissen vereinbaren?!“





Wir sind schwanger...

…meine Beziehung, die Wohnung und das Kind. Das ist perfekt!

…vorhin, ich wollt mich entschuldigen. Mir sind da ein paar Sicherungen durchgebrannt. Ich will dich nicht auch noch verlieren. Das Einzige, was ich hab, Baby…




„Jennifer Aniston ist Wassermann.“

„Schön.“




Wir gucken die Kardashians. Auf RTL2. Und er sagt nichts. Sie hat seine ironischen Kommentare immer gehasst. Die gingen ihr so sehr an die Nieren, oder auf die Nerven, oder beides, dass sie irgendwann bestimmte Sendungen gar nicht mehr mit ihm gucken wollte. Deshalb hält er jetzt die Klappe. Mit ihr das zu gucken ist immer noch besser als alleine seinen Depressionen zu frönen, an diesem kalten, regnerischen Oktober-Tag.

Eltern müssen auch mal die Klappe halten. Er sowieso. Und viel surrealer als das Flüchtlings-TV auf den Öffentlich-Rechtlichen sind die Kardashians auch nicht. Wie hat das heute jemand auf Twitter gesagt. „Wir leben in Absurdistan.“ So lange wird sie eh nicht mehr hier mit Papa sitzen und die Kardashians gucken. Bald ist damit eh Ende. Morgen Abend ist sie schon wieder weg. Mit ihrer Mutter. Er hat sich tierisch darüber geärgert. Aber warum eigentlich? Denkt er, er hat nach anderthalb Jahren Trennung und kurz vor der Scheidung noch immer ein Anrecht, den Kurzurlaub mit seiner Ex zu verbringen? Aber es tut trotzdem weh. Sie scheint ihr Leben ja zu genießen, fährt für ein paar Tage mit ihrer Tochter weg, denkt nicht mehr an damals, guckt nicht zurück, hat vielleicht sogar einen Neuen. Vielleicht ist er so sauer, weil er neidisch ist. Weil sie María etwas bieten kann, was er nicht kann. Im Moment zumindest nicht. Das ist auch viel komplizierter, selbst wenn er wollte. Als Mutter kann sie immer ein Zimmer mit ihrer Tochter gemeinsam nehmen. Er kann das nicht. Und wo soll er auch hinfahren. Irgendwo nach Deutschland hat sie gesagt. Was gibt es schon Interessantes in Deutschland zu sehen? Berlin, München, Hamburg. Eine große Stadt hat sie gesagt. Wir werden wohl kaum in ein Dorf fahren.

…doch wenn jemand so geheimnisvoll tut, dann steckt da irgendwas dahinter…

Also irgendeine Stadt. Wahrscheinlich wieder Berlin. Sie hat nur mit den Schultern gezuckt. Aus ihr kriegt er nichts raus. Aber was will sie schon wieder in Berlin. Eigentlich kann ihm das ja egal sein. Denn er ist ja nicht mehr mit ihr zusammen. Aber das macht ihn so wütend. Er fühlt sich so ausgeschlossen, nicht nur vom Leben anderer, sondern vom Leben selbst. Hat er jemals gelebt? Richtig gelebt? Schon als Kind war er immer nur zweite Wahl, wurde direkt oder indirekt von seinen Eltern ausgeschlossen. Spielte immer nur die zweite Geige hinter seiner Schwester, mit der er auch deswegen andauernd Streit hatte. Und jetzt macht seine Ex das Gleiche. Ich weiß, Sie werden sagen: Das ist deine Ex! Leb dein eigenes Leben, Mann! Mach dein eigenes Ding! Sie ist weg! Du musst lernen zu akzeptieren! Aber es tut weh…

Und der Neid nagt an ihm… Sie kann María mehr bieten als er, mit seiner lausigen Wohnung, seinem lausigen Leben…

Und dann tickt er immer aus. Wird richtig wütend. Traurig. Aber er hat gelernt. Die Trauer auf sich selbst zu richten, in selbstzerstörerische Depression umzuwandeln, Nägelkauen, endlose Gedankenspiralen, tagelange Traurigkeit… Sie kann ja auch wirklich nichts dafür. Sie hat die Familie schließlich all die Jahre zusammengehalten. Bis es nicht mehr ging.




Und obwohl sie in ihrem Zimmer ist, obwohl sie sich zurückgezogen hat…und ich in meinem Zimmer bin…der Flur zwischen uns…fühle ich mich gut. Allein, dass sie da ist, allein die Tatsache, dass sie da ist, keine fünf Meter Luftlinie entfernt, ist schon genug. Man muss auch gute Zeiten zu genießen wissen…

…denn schon Morgen ist sie wieder weg, wieder bei ihrer Mama, die ich immer noch liebe…












Dienstag, 11. Oktober 2016

(Nicht-)Kommunikationen




Alles was ich sage ist sowieso irgendwie falsch. Also halte ich einfach die Klappe. Von jetzt an. Sage gar nichts mehr. Ich kann ja nichts richtig machen, egal was ich sage. Irgendwann merkt das sogar der Dümmste, der Naivste. Sprich: ich! Dann probieren wir eben mal die passiv-aggressive Schiene. Wenn nichts mehr funktioniert. Schweigen ist ja schließlich Gold. Selbst wenn man es benutzt, um andere zu manipulieren, um andere gefügig zu machen.

Alltäglicher Horror







Er steht an der Haltestelle und denkt darüber nach, dass diese ganzen behinderten Twitter-Sprüche wirklich niemandem helfen. Weil Sprüche allein nicht helfen gegen wirkliche Probleme, echte Probleme, in der wirklichen Welt, nicht in der virtuellen Welt. Da helfen nur Taten, nicht irgendwelche warmen oder oft nur halb aufgewärmten Worte und Zitate. Also, warum posten die das dann? Und wo kommen die ganzen Follower und Likes her, die die haben? Teilweise mehrere Zehntausend pro Tweet. Alle gekauft. Die machen das bestimmt nur, um berühmt zu werden…

Plötzlich hört er eine dieser Horrorstimmen, dieser Außerirdischen-Stimmen, wie von dem Dalek oder wie der heißt. Keine Ahnung. Sie sagt:

„Jedes Mal die gleiche Scheiße!“

Er denkt: Scheiße, wo kommt das denn jetzt her? Er guckt an den Häusern hinter sich nach oben. Das kommt nicht aus der Wohnung über dem griechischen Imbiss, da sind alle Fenster zu. Dann sieht er, dass daneben, in dem gepflegten, grauen Haus daneben ein Fenster im ersten Stock einen spaltbreit geöffnet ist. Sein Blick fällt auf die Hausnummer, 133, dann wieder nach oben. Das Zimmer hinter dem Fenster ist komplett dunkel. Fast schon zu dunkel, unnatürlich dunkel. Da kommt das her. Hundertprozentig. Er guckt auf die Klingel. Da wohnt sogar ein Professor. Und ein Doktor. Keine Ahnung, ob die im ersten Stock wohnen, aber…

Dann hört er die Stimme wieder. Die jetzt fast schon schreit, unterdrückt schriet, so als würde sie sich selbst anschreien.

„Jedes Mal…“

Scheiße, Mann. Es folgen sogar ein paar dieser Krächz- und Ächzlaute, die man immer in Horrorfilmen hört. Dann wieder:

„Jedes Mal…“

Einen Moment lang, wie er so nach oben guckt, aber nicht richtig was sehen kann, weil er direkt im Türeingang des Hauses steht, meint er sogar, dass etwas von oben herunterfällt. Heruntergeworfen wird. Krass

Aber vielleicht bildet er sich das auch nur ein. Sonst würde er ja weggehen, denn er steht genau unter dem offenen Fenster. Lauscht fasziniert und ein bisschen ängstlich der Stimme, die

„Jedes Mal…“ sagt.

Ja, ich weiß, jedes Mal…


…der gleiche Scheiß…







Samstag, 8. Oktober 2016

Hab dich lieb...









Nach dem Geständnis schreibe ich María eine Nachricht. Egal. Ich bin gerade in der Stimmung. Ich bin melancholisch. Und gleichzeitig high. Alles zusammen.

Hab dich lieb u hab eine hose gefunden. In d Reihenfolge. Danke, dass du da bist.






Geständnis







Wenn ich schwul wär, wär ich wahrscheinlich glücklich. Dann wär sie schon vergessen. So fünf Männer am Abend. Aber vielleicht ist das auch nur ein Klischee. Die sind bestimmt genauso eifersüchtig und alles. Wenn ich da an Freddie Mercury denke… Der war bestimmt nicht ohne, denkt er. Was das Temperament angeht. Und die Eifersucht. Und die Leidenschaft.

Aber leider bin ich nicht schwul…

Sie lacht.