Samstag, 23. April 2016

Drogen und Mafia in Bonn








Auf der Arbeit redet er mit dem alten Mann. Er freut sich ihn zu sehen, obwohl er ihn letztens um Geld angehauen hat. Was er gar nicht gut fand. Das zerstört jede Freundschaft, wenn der sich jetzt Geld bei dir leiht.

Am Anfang reden sie über Politik und dann kommt er irgendwie auf die aktuelle Situation in Mexiko zu sprechen. Mit der Drogenkriminalität. Mit dem Kokain.

Eigentlich genau sein Thema. Aber seit seiner Trennung irgendwie nicht mehr. Ist ihm doch egal, ob die sich da umbringen.. Umso besser, besonders, wenn unter den Opfern auch Ecuadorianer sind. Putos ecuatorianos. Nicht, dass er was gegen dieses äußerst schönen Land zwischen Pazifik, Anden und Amazonas hätte, aus dem zufälligerweise auch seine Ex kommt.

„…da steckt halt jede Menge Geld drinnen…“, beendet er seinen kurzen Diskurs über die Drogenproblematik in Mexiko, die ihm eigentlich ziemlich egal ist. Er hat davon nichts. Er kriegt von denen kein Geld. Obwohl die Gewalt ihn schon reizen würde…

…und die Macht…

…die Macht, seinen Schwager von der Brücke baumeln zu lassen, das wär schon ein interessanter Anblick. Aber…

Der alte Mann hat gestern mit einer Mexikanerin gesprochen, die nicht zurückgehen würde in ihr Heimatland. Um nichts in der Welt.

„…das ist ein schönes Land und alles, sagt die, aber viel zu gefährlich…die gehen dann zu dir nach Hause, wenn die ein Problem mit dir haben…“

Echt?!

Und dann sagt der alte Mann: „Hier in Bonn gibt es ja auch einen, der das macht.“ Seine Stimmte wird leiser, kryptischer. „…der den ganzen Transit organisiert…“

Und auf einmal ist er ganz Ohr, hellwach, fragt interessiert: „Echt?“

Der alte Mann scheint ihn nicht zu hören, macht eine bedeutungsschwangere Pause.

„Ein Latino“, fragt er leicht insistierend.

„Nein…“ sagt der alte Mann.

Er guckt ihn an, obwohl er fragen will: Was denn dann, ein Araber oder was?!

„Ein Deutscher?“

„Ja, der ist von hier. Der ist eigentlich bekannt…“

„Kenn ich nicht. Hab ich nicht von gehört. In diesen Kreisen bewege ich mich auch nicht…“

Obwohl das nicht ganz stimmt, denn schließlich ist deine Noch-Ehefrau aus Ecuador.

„Ja. Der ist weder besonders dumm noch besonders intelligent… Aber verheiratet mit einer besonderen kriminellen Energie.“

Sagt er wirklich verheiratet? Bin ich auch. Oder sagt er vermählt? Bin ich auch. Mit einer besonderen kriminellen Energie.“

„Doch, der ist bekannt.“ Er senkt die Stimme noch ein bisschen. „Der trägt Schuhe von 400 Euro, Lederjacke, die besten Klamotten, alles… Das sieht man bei dem…“

Kenn ich nicht. Die einzigen Deutschen, die ich in dem Bereich kenne, sind Spacken, die noch nicht mal bis drei zählen können und eher in die Richtung Triebtäter gehen, als Drogendealer. Geschweige denn Händler…

Ist der im Bonner Loch?

„Ne, nicht im Bonner Loch. Da nicht.“

Das ist zu gut für den. Oder was?!

„Kann der Spanisch?“

„Ja, der spricht Spanisch und Portugiesisch und da hat der sich da unten Kontakte aufgebaut. Natürlich alles sehr gefährlich. Verschwindet dann immer mal wieder. Ich glaube, die wollten dem letztens was…die Polizei…dann geht der immer wieder da runter…und kommt dann wieder… Aber das sieht man. Der trägt Klamotten, das verdienst du in drei Monaten nicht!“

Danke. Vielen Dank.

„Das ist aber eigentlich gar nicht so intelligent, das so zu zeigen. Das so zur Schau zu tragen. So, dass das alle sehen. Dann werden die erst recht auf dich aufmerksam.“

Er nickt, stimmt ihm zu.

„…ich würd das so nicht machen. Ich würd so bleiben, wie ich bin. Ganz normal.“

„Ich auch“, sagt er, „ich würd genauso weiter rumlaufen.“

„Al Capone haben die auch wegen den Klamotten und allem bekommen. Nicht wegen den Verbrechen. Wegen der Steuer. Da würd ich das doch so nicht zur Schau tragen.“


„Ich würd weiter so rumlaufen. Ganz normal. Um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Egal, wie viel Geld ich hätte… Damit die nachher noch auf Ideen kommen…“


Die Stimme des alten Mannes wird noch leiser. Er sagt: „Man muss aufpassen, was man sagt. Jetzt, wo wir alleine sind, kann ich darüber reden, aber nicht…. Da muss man aufpassen.“

Plötzlich kommt Ali in die Halle, will direkt einen Kaffee haben. Das haben die Araber alle so. Die wollen immer eine Extrawurst.

Der alte Mann guckt sich um, sagt: „Da können wir ja noch mal drüber reden. Das ist ein interessantes Thema."

Aber er will plötzlich mehr wissen. Er hat noch Fragen: Ob der gut Spanisch kann? Besser als er? Was er für Kontakte da hat? In welchem Land genau? In Ecuador? Ob er noch jemand braucht? Ob der alte Mann sich noch daran erinnert, dass er mit einer Ecuadorianerin zusammen ist? War. Weiß er, dass er getrennt ist? Dass er keine Kontakte mehr in diese Welt hat? Der alte Mann scheint viel zu wissen, scheint viele Latinos zu kennen. Letztens war er bei Argentiniern auf einer Feier eingeladen, jetzt redet er mit Mexikanerinnen. Das hat noch nicht mal er gemacht, früher, als er noch mit seiner Frau auf verschiedene Feiern mit jede Menge Latinos ging – eigentlich fast nur, er war eigentlich fast immer der einzige Deutsche. Der hat auch schon mal sowas gesagt, denkt er. Von seinem Bruder, der angeblich in Kolumbien lebt. Damals ohne Geld da hingegangen ist. Und da auch schon wie er sagt, mit Persönlichkeiten der Unterwelt an einem Tisch gesessen haben soll. Auch in diesem Bereich tätig sein soll? Auch immer wieder kurz nach Deutschland kommt und dann wieder geht.

Komisch. Die Geschichten ähneln sich ziemlich. Erfindet der das nur? Will der ihm etwas sagen, damit? Kennt der Nadine? Hat die den geschickt? Um ihn reinzulegen? Dass er mit irgendwas erwischt wird, bei einem Deal, damit er Probleme bekommt.

Er will unbedingt mit dem alten Mann weiterreden, aber er kommt irgendwie nicht dazu. Wenn das, was er denkt wirklich stimmen sollte, dann müsste der ja auf ihn zukommen. Und nicht er.

Er zieht sich ins Kassenhäuschen zurück. Dann soll der doch kommen… Dann muss er ja nicht kommen…

Oder will er ihm etwas sagen damit…?

Aber er kommt nicht mehr. Das Gespräch ist beendet. Obwohl er noch Fragen hat. Besonders eine: Wie alt ist der Typ? Wie sieht der aus? Kenn ich den?

Am Ende macht der alte Mann zu, spielt auf seiner App Roulette, erzählt ihm etwas anderes, das er gar nicht wissen will.

Denn er will mehr von dem Typen wissen…

Aber was nicht geht, das geht nicht. Und wenn der was will, dann soll der doch kommen…

Tut er nicht und am Ende, als der alte Mann gegangen ist, nicht ohne vorher gesagt zu haben, vielleicht sieht man sich ja noch mal, heute,  bleibt ihm nur diese Rammstein-Zeile. Aus dem Lied mit dem passenden Titel „Alter Mann“.

Das Wasser soll dein Spiegel sein. Erst wenn es glatt ist, wirst du sehen, wie viel Märchen dir noch bleibt…

Er denkt: Entweder meine Frau ist der intelligenteste Mensch der Welt oder einfach nur dumm…

Entweder er ist hochgradig paranoid oder doch nicht so dumm. Viel zu intelligent für seinen eigenen Besten…

Freitag, 22. April 2016

Zecken und Echsen






22.04.16




Morgens geht er Wasser kaufen. María ist auch schon auf, ist noch Duschen gegangen (besser so: Dann muss sie nicht in der P***-WG ihrer Mutter duschen gehen).

Er tritt vor die Tür…und ist schon jetzt…stinkwütend. So richtig wütend.

Er denkt darüber nach, was ihn die Scheidung kosten wird. Ob das, was die Anwältin gesagt hat, auch für die Beratung usw. vor der Scheidung gilt oder nur für den Scheidungsprozess. Wär schon gut, wenn das für beides gelten würde…

Und wenn nicht…?

Immer bleiben Fragen offen. Jedes Mal, wenn er zu seiner Anwältin läuft, ist er am Ende zwar für den Moment schlauer, aber schon am nächsten Tag wirft sein Gehirn neue Fragen auf. Hört das denn nie auf?!

Das geht doch so nicht, dass ich am Ende noch für die blechen muss. Für die Scheidung, die ich nicht will. Nie wollte

…die ich nie gewollt…

Das geht nicht. Echt nicht. Echt nicht. Und die lacht sich am Ende noch kaputt. Lacht sich ins Fäustchen, wie du zu der Anwältin gesagt hast. Lacht sich ins gierige Fäustchen. In ihrem neuen, freien Leben

NEIN, sagt er fast laut und schiebt den Unterkiefer demonstrativ nach vorne. Fletscht fast die Zähne, als er die Hauptstraße überquert.

Irgendjemand wird dafür bezahlen Irgendjemand. So viel ist sicher.

Und wenn es ihre Schwester ist…

…oder ihr Schwager…

…oder ihre andere Schwester…

Sie hat ja so eine große Familie.

Irgendjemand muss bluten dafür.

sangre por sangre

Er macht sich Sorgen: Er kriegt zwar Prozesskostenhilfe, aber wenn die ihr Haus angibt…

…in was ist er da bloß reingeraten, mit dieser Frau. (Und so gut sah sie noch nicht mal aus. Und fünf Jahre älter als er war sie auch!) Hätte er doch damals in Ecuador nicht Ja gesagt. Jetzt bezahlt er dafür. Aber dann gäbe es María auch nicht…

…und wenn die das rausfinden…

So schwer ist das ja auch wieder nicht…

Die sind ja auch nicht doof. Aber für Nadine sind die alle doof. Ihr passiert nie was. Bis sie in der Bahn beim Schwarzfahren erwischt wird und in den Knast kommt, weil sie illegal in Deutschland ist. Oder bis sie mit ihrem Schwager in der Post erwischt…wer weiß was am machen…und zum zweiten Mal ausgewiesen wird. Aber die sind ja alle doof. Man muss die nur lange genug verarschen…

Die Gedanken drehen einsam ihre Kreise in seinem Kopf. Immer und immer wieder. Den ganzen Tag lang. Wahrscheinlich selbst noch im Schlaf. Plötzlich denkt er: Ach ja, Zeckenmittel muss ich auch noch kaufen. Bei Rossmann. Das gute Zeckenmittel von Rossmann. „Zeckito“. Und Wasser im Edeka – ist das Leben nicht aufregend.

Heute gibt es Fischstäbchen zum Frühstück. Klingt wie ein Film- oder Buchtitel. Viel besser als Schokolade zum Frühstück.

Zuerst geht er zu Rossmann. Er hat die Auswahl: „Zeckito sensitiv“ oder „Zeckito stinknormal“. Für jeweils 1,99. Das stinknormale hält 4 Stunden, das sensitive nur 2. Also das Normale. Seine Zecke ist hartnäckig. Also Zeckito normal.

Heute gibt es Atom-Fischstäbchen, Eier und Ciabatta-Brötchen (Gut und günstig) zum Frühstück. Wenigstens darauf kann er sich freuen.

Zuhause sitzt seine Tochter auf der Bettkante, guckt Fernsehen. Er geht schnurstracks in die Küche. Aber nicht ohne vorher noch einen Kommentar losgeworden zu sein.

„Guck mal hier“, sagt er und hält ihr die Zeckito Sprühflasche direkt vors Gesicht. Zeckito!“

Zeckito: Bestens geschützt gegen die südamerikanische Zecke.

Am Ende kann er der Versuchung nicht widerstehen, es doch noch laut zu sagen: „Zeckito: Bestens geschützt gegen die südamerikanische Zecke.“


„Hey, lass mal ausprobieren, ob das an dir wirkt. Du bist ja halbe Südamerikanerin.

Sie guckt mich böse an, mit diesen großen Augen, die ich so liebe.

Auch gegen den ecuadorianischen Zeckenbock. Den geilen, kleinen Zeckenbock mit dem großen Rüssel. Also komm schon, Rafael, komm schon.

Hilft auch gegen Dortmund-Fans und… Das sage ich jetzt besser nicht öffentlich, ohne meine Anwältin – und die ist schon mit meiner Scheidung komplett unterbelastet. Vielleicht hilft es ja sogar gegen Atlético Madrid. Der Trainer von denen hat auch etwas sehr zeckiges, wenn man so darüber nachdenkt. Südamerikaner ist er auch. Zwar nicht wie die gemeine Andenzecke, aber auch Latino…

Er geht in die Küche und knallt die Fischstäbchen in die Pfanne. Fast die ganze Packung; hier werden keine Gefangenen gemacht. Und als er sieht, dass tatsächlich nur ein Fischstäbchen in der Packung verbleiben ist, quetscht er das auch noch irgendwie zwischen die anderen, obwohl da eigentlich gar kein Platz mehr ist. Wie gierig! Das Leben ist schließlich kurz. Die Liebe auch.

María kommt aus dem Wohnzimmer in die Küche und kommentiert natürlich prompt die volle Pfanne: „Boah, mehr ging auch nicht?!“ Oder nur „Boah!“

„Willst du auch ein paar“, sagt er verlegen. Obwohl er ihr eigentlich gar keine abgeben will. Aber er muss ja wenigstens so tun als ob…

Zum Glück lehnt sie ab und er ist wieder allein, allein in der Küche, mit der vollen Pfanne Fischstäbchen.

Zu den Fischstäbchen gibt es Eier. Vier Eier. Nein, nicht alle jetzt. Nur zwei.

Wenn die Eier nach oben zurückkommen, sind sie schlecht.

Dann darf man die nicht mehr essen.

Schlechte Eier. Deine

Nach einer Weile kommt er zurück ins Wohn-/Schlafzimmer, überlässt die Fischstäbchen einen Moment lang ihrem Schicksal.  María sitzt immer noch auf der Bettkante. Wie adrett sie wieder gekleidet ist…

Im Fernsehen läuft der Wetterbericht. Der Moderator sagt:…kalt, regnerisch…typische April-Wetter eben…

Er ballt die Hände zur Faust und sagt: „Ja! Am Wochenende wird das Wetter schlecht! Ja!“

María sagt nichts, schüttelt glaub ich nur den Kopf.

Das hat er gestern auch schon gesagt. Und vorgestern. Und vorvorgestern. „Bis zehn
Uhr…wann gehst du noch mal?...bis zehn Uhr kann das Wetter gut sein…

…danach soll es regnen, stürmen, Gewitter geben und vielleicht sogar schneien…ja, Schnee wär gut!“

Sie sagt nichts, sie kennt das schon. Sie kennt all seine dummen Sprüche schon. Nur der Zeckito-Spruch war neu. Deswegen hat sie den kommentiert.

Er guckt sich die Bücher an, die auf dem Esstisch liegen. „Freitag ist Selbstverbesserungstag! Da lese ich immer Selbsthilfebücher!“

Sie lächelt sanft. Aber sie lächelt.

Er legt sich für einen Moment ins Bett, vor den Computer.

María steht auf, nimmt ihre Tasche, die auf dem Stuhl neben dem Bett steht. Da, wo sonst immer die saubere Wäsche drauf liegt.

„Ich muss jetzt los.“

Wie immer wird er ihr sagen, dass ich dich vermissen werde. Und wie immer wirst du es ihm nicht glauben…
Aber er sagt es trotzdem
O
O
O

„Scheiße. Ich verpass meinen Bus…“

Dann nimm doch den nächsten. Mir doch egal.

Sonntag, 17. April 2016

Erbeben in Ecuador











17.04.16





Er sitzt mal wieder nichts ahnend auf der Arbeit – was soll er auch sonst machen, außer Arbeit ist ihm ja nicht viel geblieben. Schaut ganz unschuldig auf die Seite der Bild. Nur, um nachzugucken, wie es in Hamburg steht. Weil er so dumm war – wieder mal – die Wahrheit zu sagen. Das darf man in Deutschland nicht. Nicht erst seit Böhmermann, sondern schon länger nicht. Ich nehme mal an so ungefähr seit den Siebzigern. Können aber auch die Sechziger gewesen sein. Eigentlich lustig: Die Generation, die mit den ganzen Lügen aufräumen wollte, ist am Ende die verlogenste. Wer zuletzt lacht…

Boehmermann, Meinungsfreiheit und Scheisse, äh, Durchfall am Morgen - ein Kommentar

ACHTUNG! WARNUNG!

Dieser literarisch-satirische, satirisch-literarische Köhmentar, äh, Kommentar ist NICHTS FÜR SCHWACHE SCHLIESSMUSKELN UND HUMORLOSE…


...MENSCHEN (ich sag doch jetzt nichts Falsches, jetzt, wo es schon Böhmermann an den Kragen geht…da kann so was ganz schnell in die Hose gehen.)





Am Samstagmorgen hat er einen Kater, als er aufwacht – obwohl er noch nicht mal was getrunken hat. Geschweige denn anderweitig Spaß gehabt hat. In dieser deutschen Spaßgesellschaft, die heute noch ein wenig lustiger geworden ist, jetzt, wo Böhmermann angeklagt werden kann (hey, ein Binnenreim!). Das ist das Schlimmste. Wenn man einen Kater hat, obwohl man weder gesoffen, noch gehurt hat.  Oder zumindest harte Drogen genommen hat. Einen trockenen Kater sozusagen.  Mit sehr trockenem Humor (Ja, ich hör ja schon auf!).

…wenn alles steif ist, bis auf die Morgenlatte – nein, die ist natürlich hart wie Stahl (oder Stein?), zäh wie Leder – Sie wissen schon. Eine echte Morgenlatte eben. Zwar ohne Milch und ein wenig Macchiato, aber…

Und schon drückt’s. So ist das im Leben. Kaum bist du aufgestanden, da drückt es schon wieder. Das habe ich oft in letzter Zeit. Dass es drückt, meine ich. Morgens und so.

Aber da gibt es nur eins. Arschbacken zusammenkneifen, sich den Laptop schnappen und versuchen so schnell wie möglich auf „den Pott“ zu kommen. Das mit dem Pott hast du von dem Typen gestern in der Bahn, dieser Assi, der unbedingt auf den Pott musste.

Nein, nicht in den Pott, sondern auf den Pott.

Heute geht das aber. Heute schaffst du das. Nicht wie letztens, wo du die Arschbacken nicht stark genug zusammengekniffen hast, oder es zu sehr gedrückt hat, und du am Ende dir nicht in die Unterhose geschissen hast, aber doch die klebrige „Scheiße“ zwischen den Arschbacken hängen hattest. Beziehungsweise am Ende Land mitgekommen ist.

Nein, diesmal nicht. Du stellst den Computer auf den Stuhl, der genau für diesen Zweck vor dem Klo steht, windest dich hin und her und versuchst dir die Unterhose auszuziehen. Die zum Glück schwarz ist. Wie Conchita das damals gesagt hat: "Ich trage nur schwarze Unterhosen!" War das aus diesem Grund? Oder aus einem anderen?

Du schaffst es geradeso, dir die Unterhose abzustreifen und dich auf den „Pott“ (wie infantil) zu setzen. Husch, husch, aufs Töpfchen. Und schon fließt die Scheiße. Äh, fliegt die Scheiße, meine ich natürlich. Entschuldigung! (Wie das wohl von unten aussieht? Aus der Sicht einer In-Klo-Kamera [IKK]. Lieber nicht drüber nachdenken.)

Obwohl du vorerst sicher bist und schon dabei bist, den Computer hochzufahren…

…bleibt ein ungutes Gefühl.


Aber du drückst es erstmal weg – dazu später mehr und fragst dich, während der Laptop hochfährt, ob das schon der Salat von gestern Nacht ist. Korrekterweise (und die Deutschen sind ja so korrekt, hier wird sogar der Humor vor Gericht entschieden)…korrekterweise müsste das eigentlich heißen: der Salat von vorgestern. Denn María hat ihn schon vorgestern für dich zubereitet. Du hast ihn aber erst letzte Nacht um zwei Uhr (also anderthalb Tage nach Zubereitung) verspeist  (Ob das daran liegt…? Sie wissen schon, das mit der Flitzekacke.). Salat mit Tomate, Mais und…Salat eben. In Soße. Ich hab mal gelesen, dass Mais angeblich so wieder rauskommen soll. So wie er ist, meine ich. Unverdaut. Aber das kann ja eigentlich nicht sein. Sieht zumindest nicht so aus… Oder ist das erst die Geflügelrolle mit Käse von gestern Nachmittag? Von Mr. Baker (ein bisschen Schleichwerbung, ich kriege schließlich noch immer zu wenig Klicks – es steht natürlich auf einem ganz anderen Blatt, ob die von Mr. Baker mit dieser Art der Schleichwerbung zufrieden sind!). Oder ist die Geflügelrolle schon durch und es handelt sich hier um das Gyros-Pita von gestern Nacht? Mit Fritten und Zwiebeln. Vom City-Pick in Bonn (noch mehr Werbung – jetzt muss es ja bald klappen mit den Klicks. Wenn es mit der Frau schon nicht klappt). Da gönnt man sich schon mal ein nächtliches Gyros und dann kommt am nächsten Morgen sowas dabei raus. Im wahrsten Sinne des Wortes. Das ist ja voll für den Arsch, echt! Voll die Soße! Aber r hat jetzt Wichtigeres zu tun als herauszufinden, wo die Soße an seiner Hand herkommt.

Obwohl, das ist schon interessant… Oder haben Sie sich etwa noch nie gefragt, was das ist, was sie da gerade abseilen. Oder abschießen. Oder rausrotzen. Rausfurzen. Rausdrehen. Diese Wurst oder diesen Brei. Dieses Geschnetzelte. Wo das herkommt…

Wo kommen wir her, wo gehen wir hin?

Aber lassen wir das. Kommen wir lieber wieder zurück zur unmittelbaren „Action“, zum „Plot“, zur „Handlung“ dieses literarischen Posts, egal wie beschissen diese auch sein mag.

Nach guten zwanzig Minuten merkt unser natürlich rein fiktiver Held oder Antiheld oder was auch immer…

…dass nichts mehr kommt. Wat kütt dat kütt und wat nit kütt, dat kütt nit mi. Er speichert und beendet also das Spiel, sucht die aktuelle Rolle Klopapier, rückt sein Hinterteil auf der Klobrille zurecht (scheiße, bin ich steif…und alt), reißt ein paar Blatt Klopapier ab (nicht mehr wie früher, als er noch jung war, gleich 50 Meter), schiebt seine rechte Hand zwischen die beiden Arschwangen und…

…Scheiße…

Du hättest auf dein Gefühl hören sollen…

Du hörst viel zu wenig auf dein Gefühl.

Scheiße. Im wahrsten Sinne des Wortes Scheiße. Flitzekacke. (Hey, das Rechtschreibprogramm kennt „Flitzekacke“! Geil, ne?!) Klebrig-schmierige Scheiße mit kleinen Kackbröckchen. Und zwar bis oben hin. Bis an den Ort, wo die mysteriöse Arschritze in langweiligen Rücken übergeht. Und an deinen Händen. Du traust dich gar nicht hinzugucken (aber woher weißt du dann das mit den Bröckchen???!!!). Geschweige denn hinzuriechen.

Scheiße.

Du probierst es mit Papier, aber da hilft nichts. Oder nur eins: eine Dusche! Du musst dir unter der Dusche den Arschabwischen. Wie lecker!

So ist es eben, das Leben. Scheiße. wie hat das dieser kubanische Schriftsteller noch mal gesagt? Das Leben ist Pisse, Sperma und…Scheiße eben. Und der meinte das genauso wörtlich wie du. Wie hieß der noch mal? Gutierrez irgendwas. Ach, ist doch auch egal. Scheißegal! Auf jeden Fall hat der das so gesagt. Das Leben ist keine Philosophie, sondern Scheiße, Sperma und Pisse. Pisse, Sperma und Scheiße. Leche nennen die Vorletzteres in Lateinamerika. Ist ja auch klar, denn weder Pisse noch Kacke sieht ja aus wie Milch. Oder?!

Das Leben ist…

…Pisse am Hosenbein oder im Schritt, Scheiße zwischen den Arsch…backen und Sperma auf, aber hoffentlich nicht auch in der Matratze. Und solltest du mitlesen, heißgehasste Ex, dann ist das keinesfalls Sperma, was aus Geschlechtsverkehr mit einer Frau stammt, sondern leche von der Kuh selbst, haha, der wichsenden Kuh selbst. Aber das ist auch falsch. Korrekterweise müsste das heißen: Leche vom Ochsen, nämlich mir, selbst. Obwohl: Ochsen haben doch gar keine Milch. Aber jede Menge überschüssiges Sperma. Da steckt man denen die Hand in den Arsch (ach ne, Scheiße, das macht man bei den Kühen…)

Jetzt ist es aber gut!

Aber die wirklich gute Nachricht ist: Wenigstens kann ich nicht verklagt werden. Denn ich schmähe mich ja gewissermaßen selbst und nicht irgendwelche fremden Staatsoberhäupter. Selbstgeißelung gilt! Fragen Sie mal die Komiker und Journalisten in der Türkei! Wenn man sich selbst schmäht, geißelt und leidet ist das schon ok so. Nur andere gehen nicht. Und vor allem keine „fremden“ Staatsoberhäupter. Aber so muss die Merkel bei mir wenigstens nicht einschreiten. Das ist doch auch schon mal was! Es sind die kleinen Dinge im Leben. Die kleinen klebrigen… Aber wenigstens lässt mich die Merkel so in Ruhe. In Ruhe zur Dusche robben. Boah, wieder mal Glück im Unglück gehabt! Das ist zwar zwischen die Arschwangen (das klingt einfach viel besser so) gegangen, aber wenigstens nicht vor den Kadi. Ein Komiker vor Gericht reicht ja schließlich.

Außerdem hab ich im Moment, weiß Gott (spotte nicht und zieh Gott nicht in deine Scheiße rein!), drängendere Probleme. Ich muss nämlich…die Arschbacken zusammenkneifen, den Stuhl beiseiteschieben, mich in kleinen Trippelschrittchen in Richtung Dusche „bewegen“. Die Duschtüre öffnen (Scheiße, die klemmt), die Seife suchen, den Duschhahn anstellen, nicht in die Dusche pissen (nein, nur Spaß), warten, bis das Wasser warm ist (Scheiße, immer noch nicht)…

…und so weiter und so fort…



…die Hand zwischen die Arschbacken schieben (ob mit oder ohne Seife ist zu diesem Zeitpunkt egal…Tschuldigung…scheißegal meinte ich natürlich)…reiben, rubbeln und wischen, bis alles sauber ist und auch das letzte braune Wasser (hey, braunes Wasser…was wohl die AFD dazu sagt?) abgeflossen ist und die Hand nicht mehr riecht…oder nicht mehr so stark…

…und so weiter…

…die restlichen Details erspare ich Ihnen glaub ich…

Denn: Wenn der Tag schon so beschissen anfängt, dann…

…kann er nur noch besser werden.

In diesem Sinne…

…bis morgen früh, wenn es wieder mal heißt: Et kütt (russ) wie et (russ)kütt.

Sonntag, 10. April 2016

Scheidung, Härtefall und Clooney

 10.04.16




Er möchte zu seiner Anwältin sagen: Haben sie diesen Film gesehen? Den mit George Clooney? Wie heißt der nochmal? Ein unerwarteter Härtefall? Nein, ein unmöglicher Härtefall. Oder irgend so was. Ist ja auch egal.

Den, wo der diesen überaus erfolgreichen Scheidungsanwalt, oder wie man im Deutschen sagt, Familienanwalt, spielt und sich dann in die Prozessgegnerin verliebt. Wo der vor Gericht sitzt und sagt…wissen Sie, was der sagt? Haben Sie den gesehen?

Wo der, nonchalant und gelangweilt vor Gericht sitzend und sagt: „In unserer heutigen Kultur wollen alle nur Kompromisse eingehen. Keiner will mehr sein Gegenüber schlagen, sein Gegenüber vernichten. Siegen. Ich will keine Kompromisse.“

So ungefähr drückt der sich aus.

Und wissen Sie was, liebste Frau Hamm. So möchte ich, dass sie agieren…

Das möchte ich von ihnen hören…

Den Gegner (meine noch immer heiß geliebte, kleine süße, noch nicht ganz Ex-Frau) vernichten. Zerstören. Bis aufs letzte Hemd ausziehen. Und dann…

Warum klappt das bei den verlassenen Frauen immer so gut und bei den Männern nie? Dass sie ihren Ex so richtig fertigmachen? Ausziehen. Und dann…

Ich will nur Gerechtigkeit, Rache.

Rache ist ein Gericht, das man am besten kalt genießt. Bin ich etwa schon kalt genug, um meine Rache zu konsumieren. Meine Rache zu vollziehen, wie du unsere Ehe vollzogen hast, abgewickelt hast, wie ein marodes Unternehmen.

Einfach nichts gesagt hast, außer das, was du gesagt hast. Und das hat gesessen. Wie war das nochmal?

„Das ist wie mit meinen Putzstellen, wie mit meinen „Frauen“. Wenn ich einmal keine Lust mehr habe, ist Schluss, ist das für immer. Dann gehe ich nicht mehr zurück!“

Das hat gesessen.

Und auch deshalb, liebste Frau Hamm, will ich doch nur eine gerechte Rache. Eine für alle gerechte Rache.

Bei der niemand benachteiligt wird. Und alle kriegen, was sie verdienen. Alle ihr Fett wegkriegen. Bei der ich meine mehr als einjährige Leidenszeit anrechnen kann – sozusagen als „fiktives Gehalt“ – auf den emotionalen Unterhalt, den du mir schuldest. Den du mir schuldig bist und den ich noch nicht mal einklagen kann.

„Boah, bin ich verbittert!“ sagt er zu seiner Tochter, die nichts dazu sagt. Was soll sie denn auch groß sagen?! Sie hat ja auch Einbußen erlitten, genau wie ich.

Nur du nicht…