Mittwoch, 19. März 2025

Sin tetas no hay paraíso [Ein Entwurf]

 


Wir hatten uns am Bahnhof verabredet, jetzt weiß ich es wieder, das war nicht an einem Sonntag, das war ein anderes Mal, wo wir da waren. An dem Tag hattest du dich mit ihr am Bahnhof verabredet, gegen Nachmittag, Abend. Nein, nicht Abend, es war noch hell, als sie dir vom Eingang hinter dem Bahnhof zuwinkte.

Ich weiß noch, du hattest Angst, von irgendjemand von der Arbeit gesehen zu werden, einem Kunden oder dem Rolf, dem Olaf, was weiß ich

Sie stand da und winkte. Klein, dick und süß. Klein, dick und fröhlich. Das liebtest du so an ihr, diese Fröhlichkeit. Das haben die alle, die Frauen aus Ecuador. Die sind alle klein, dick und fröhlich

Da kann eine Deutsche, mit all ihrem Zögern, all ihren Zweifeln nicht mithalten.

Und das, obwohl sie sagte, dass sie Depressionen habe, du mit ihr den Fragebogen ausgefüllt hattest, für ihren Arzt. Schmerzen und Depression. Täglich. Und das klang erschreckend

Die Arme, dachtest du damals. Und konntest es so gar nicht mit der kleinen, süßen, fröhlichen Latina assoziieren, in Verbindung bringen, die neben dir, oder vor dir, an der Theke in der Halle saß

Das konnte doch nicht sein. Eine 7 auf einer Skala von 1-10. Nein, das könnte irgendwie nicht sein.

Das durfte nicht sein


Wie sie da stand, mit ihren schönen, langen Haaren, ihrer braunen Haut, ihrer Brille und ihren kurzen Ärmchen und Beinchen


Wenn dich jetzt der Juan sehen würde, der spanische Taxifahrer, der mit dieser Filippina verheiratet war und der auch zocken kam, zumindest in der anderen Halle.

Was würde er sagen

Wenn er dich jetzt sehen könnte ...

Verstohlen gucktest du zu den Taxis rüber, die genau da, keine fünf Meter von wo sie stand, an dem Taxistand parkten.

Da, wo früher diese Disko gewesen, direkt im Bahnhofsgebäude integriert, wo du einmal mit Nadine gewesen warst, wo die immer After Hour hatten und dann bis in den Sonntagnachmittag laute Rockmusik spielten.

Das waren noch Zeiten

Da stand sie und winkte dir zu. Sagte fröhlich Hola. Fröhlich und wie immer mit diesem leicht schüchternen Unterton, den du so unglaublich sexy fandest und den sie mit einem Lächeln unterstrich. 

Latina eben.


Gabst du ihr ein Küsschen oder gab sie dir die Hand? Du weißt es nicht mehr, aber ich glaube, das war noch nicht die Zeit der Küsschen

Die Zeit der Küsschen war noch nicht gekommen, noch nicht angebrochen.

Küsschen links, Küsschen rechts

Un beso en la mejilla será una señal de amistad

de cariño


Küsschen in der Mitte


Du hättest da stehen bleiben können, den ganzen Abend und die ganze Nacht


Aber sie hatte ihren "Opa" schon angerufen, er würde uns abholen, das wäre einfacher.


Nein, das war natürlich nicht ihr richtiger Opa, und sie nannte ihn auch nicht so, das war Nadine gewesen, bei der dieser alte Herr auf der Putzstelle wollte, dass sie ihn Opa nannte. Opa, und eine Oma gab es auch, Opa und Oma, damit keine Eifersucht aufkam - einmal warst du sogar mit ihr da, die wohnten in Duisdorf und erzählten ihr immer vom Krieg, die Frau sogar davon, wie sie damals vergewaltigt worden war, vergewaltigt worden waren von den Russen. Den bösen Russen


Die Russen kommen.



Und schon kam er vorgefahren, ihr Opa. Sie stieg hinten ein und ich vorne, auf dem Beifahrersitz. Er war eigentlich noch ziemlich rüstig - immerhin war er ja schon 85, wie sagte. War dünn, trug, glaub ich eine Brille. Mit diesen großen Gläsern, wie sie alte Leute so tragen. Trug ein Hemd und hatte diese halblangen Haare, zumindest für einen Mann halblangen, silbernen Haare. Silbergrau. Begrüßte dich fröhlich, wie ein kleines Hündchen

Wer? Er oder du?

Fing direkt an zu reden. Von seinem Auto. Natürlich genau das Richtige für dich, der du, seit du den Führerschein hast, nur mit Bus & Bahn fährst. Genau wie C.

Die von hinten auch irgendwas sagte. Du trautest dich nicht, mit ihr Spanisch zu reden, wolltest nicht unhöflich sein, das wäre unhöflich gewesen, vor ihm

der er der spanischen Sprache nicht mächtig war


Saab sei das beste Auto, besonders für ältere Menschen, blablabla ...

Ich versuchte - wie gesagt - mit ihm zu reden, nett zu sein, umgänglich, nicht zu schweigen, das Gespräch am Laufen zu halten ...

... und so führen wir den Berg hoch nach Schweinheim. Wo die Reichen wohnten. Und ich war mächtig impressed ... besonders, als sie ihr Oberteil auszog ... nein, nur Spaß ... ihr Top zog sie natürlicht nicht aus, aber irgendwie hatte ich einen freieren Blick darauf.

Sie hatte eine größere Oberweite als Nadine ...


Er laberte weiter von seinem Saab (als ob ich nichts Besseres zu tun hätte als sein schwedisches und wir kamen an diesem Klotz von Haus an, fuhren direkt in die Garage, die er irgendwie automatisch öffnete - von da ging es durch eine Art von schmaler Waschküche durch die Küche in das Wohnzimmer, wo ich aufgefordert wurde, auf dem Sofa Platz zu nehmen. In der Mitte stand ein mittelgroßer Tisch aus dunklem Holz. Opa setzte sich rechts von mir hin, während C. mir gegenüber Platz nahm, nachdem sie das Essen geholt hatte - sie hatte das, glaube ich, schon vorbereitet, er sagte, glaube ich so was ...

Wie zwei Schulkinder nahmen wir also rechts und links von ihm Platz ...

Und der gute Junge, der ich war, fing ich sofort damit an, mit ihm Konversation zu betreiben. Das heißt, er erzählte und ich hörte zu und machte nur manchmal kleine Einwürfe, damit er weitererzählte ...


***


Wie sie mich anguckte, wie ich sie anguckte. Ich mochte sie einfach. Ihre Physionomie. Ihre südamerikanische Physionomie

in der ich mich förmlich verlor 



Es gab Spargel mit Kartoffeln. Wieder sagte der Typ irgendetwas von wegen, das sei besonderer Spargel, den würde er irgendwo speziell holen, keine Ahnung. In der Eifel, was weiß ich, beim Bauern. Der wäre tweuer, blablabla.  Aber wenn sie mich fragen, wenn ich auswählen müsste zwischen den Netto-Geflügelfrikadellen für 2,99 und diesem Spargel, dann würde ich die nehmen, gebraten oder ungebraten. Ich verkniff mir zu sagen, dass Spargel wie ein Penis aussieht, ein langer, dünner, weißer Penis, kein Big Black C$ck, sondern ein long, white, thin cock.

(con perdón)

Aber das hatten die bestimmt auch schon tausendmal gehört, dieses alte, abgegriffene Klischee vom Spargel, der wie ein Penis aussieht, oder zumindest daran erinnert. Vielleicht machte das ja den Reiz an dem Ding aus, den egal, wie er es schnitt und kaute, es schmeckte irgendwie nach ... nichts, und war dazu noch leicht glitschig (boah, ich hasse das, glitschige Speisen) und scheißfaserig. Und auch die Soße, die wohlgemerkt eine Fertigsoße war, eine gute, aber eine fertige, von Knorr, glaube ich, machte das Ganze nicht besser.

"Wir essen wenig, aber dafür gut!", sagte der alte Mann stolz.

Keine 500g-Geflügelfrikadellen von Netto - das wäre es jetzt.

Und da ich gesagt hatte, dass ich, meines Wissens, meines besten Wissens und Gewissens, noch nie vorher Spargel gegessen hatte (weil meine Mutter so einen Scheiß nicht möchte, boah, das Gesicht meines Vaters, wenn sie ihm das serviert hätte ...), guckten sie mich beide jetzt erwartungsvoll an, er mit seinem abgeklärten, ich-habe schon-alles-gesehen-Blick und sie mit ihrem fröhlichen, runden Gesicht und ihren T#$@en. Ihren Monsterti##en, zumindest in diesem Top (der hättest du auch deinen Spargel reingesteckt ... - con perdón).

Und was sollte ich sagen?!

Wahnsinn! Habe noch nie so einen ... Scheiß gegessen.

Wie das faserige "Ding" auf der Zunge zergeht. Wie irgendein komplett überbewertete f#$@ing Gemüse.

Ich war hier halt die Jungfrau, wollte ihr auf Spanisch sagen: ¿Eso es todo?

Ist das alles?!

zeig mir deine T#$@en, Glocken, dingdong, dingdong ...

... die sehen so groß und rund aus, da möchte ich reinbeißen

Stattdessen, statt ihrer saftigen, fleischigen T#$@en, machte ich mich an die einsame Kartoffel (wie sinnbildlich), die das komische Gemüse (das ist nur ein effing Gemüse!) auf dem Teller begleitete. Und da fing schon das nächste Problem an: Machte man die Schale ab oder aß man die mit. Keine Ahnung. Was für ein Bauer ich doch war (und nicht der, von dem er sich den Spargel geholt hatte, sondern ein richtiger Bauer). Die elementarsten Dinge wusste ich nicht, das war ja nicht auszuhalten, das war ja nicht mehr feierlich.

Dafür erhaschte ich einen weiteren Blick auf ihr Dekolleté, ihr braunes, rundes Dekolleté.

Während ich mit dem Typen, ihrem Chef und Freund, redete ...

Da war sie wieder, diese coole (kühle?) Normalität, die die Leute in diesen Situation haben, an den Tag legen, hat mich irgendwie immer fertig gemacht.

Einfach über irgendeinen Scheiß reden, über irgendeinen belanglosen Scheiß, den Thermo-Mix, das konnte ich noch nie ...

... obwohl ich auch nichts anderes, nie was anderes getan habe, in meinem Leben ...

... geschweige denn was Besseres ...

Also tu nicht so!


Das erinnerte mich an endlose Familientreffen in meiner Kindheit und mindestens ebenso endlos erscheinende Lehrertreffen in meinem Berufsleben ...

Schrecklich ...

Und genauso fühlte ich mich ...

Mir hat diese Normalität, diese vorgespielte, vorgetäuschte Normalität schon immer irgendwie Angst gemacht ...

So als würde jeden Moment etwas passieren, dass sie auseinderreißen, zerstören würde ...

... oder was noch viel schlimmer war: dass es nicht passierte, das diese gepflegte, pseudo-intellektuelle, pseudo-abgeklärte Langeweile voller Geschichtchen, Anekdoten und mehr oder weniger lahmen Witzchen alles war, was es zwischen diesen Menschen gab, die fast schon verzweifelt den anderen davon zu überzeugen, wie toll man doch sei, wie man sich doch gegen alle und jeden durchgesetzt habe und wie interessant und spannend das eigene Leben doch sei

Needless to say, ich war kein guter Partygast, als ich noch auf Partys ging, auch weil ich damals immer versuchte, meine Langeweile in Alkohol zu ertränken, und dann, zumindest für mich, aber nicht so sehr für die anderen, wirklich lustig wurde - Sie wissen schon, was ich meine ...

Ab diesem Moment halfen dann meine schlüpfrigen Gruppensex- oder Partnertauschvorschläge auch nicht mehr - obwohl sie vielleicht wirklich was gebracht hätten, wären sie doch bloß jemals in die Tat umgesetzt worden ...

So ungefähr fühlte ich mich hier, auf dem Sofa, beim Essen des Spargels und der einem verhungernden Kartoffel auf dem Teller. Der Fertigsauce ... das war ja fast noch schlimmer als das Lehrertreffen mit Pizza, Döner und Cola - genau nach Geldkontingent bestellt, also dürftig, immer dürftig, aber dafür umso salziger, zuckriger und fettiger, yay ...

Der alte Perserteppich unter meinen Füßen ...


So hätte ich mich definitiv gefühlt  wäre da nicht sie gewesen. C.

Die alles rettete, die mich rettete, nicht nur mit ihrem Dekolleté, sondern mit ihrer bloßen Anwesenheit, der bloßen Anwesenheit ihrer Person, ihres Wesens ...

Ich musste noch nicht mal Gruppensex vorschlagen, weiß auch nicht, ob der Alte das überlebt hätte, ich war einfach so glücklich, feliz como el lombriz, nur durch sie ...


obwohl ich natürlich zu Sex mit ihr auch nicht nein gesagt hätte, auch nicht nein gesagt hätte, natürlich nur wir bei dem, auf dem muffigen Teppich, dem muffigen Teppich quasi Leben einhauchen, indem wir ihn begatten, uns begatten ...

F$$$ING HELL!

Aber man kann nicht alles haben, im Leben ...
Und für den Moment war ich glücklich, meine Augen in ihrem Dekolleté, und manchmal auch in ihrem Gesicht zu versenken, während der Alte redete, mir irgendein Zeugs erzählte, von dem ich hätte beeindruckt sein sollen ...

Ja, Afrika, jaja, ich habe alles gesehen, alles gemacht in diesem Leben

ABER NICHT DIESE T@#@EN, DIESE TETAS!

Eben there, got the T-Shirt...done that


RIPPED OFF HER FUC#$@ TOP ON THE FLOOR

***

Später saßen wir auf der Terrasse, die größer war als meine Wohnung. Sie saß da, auf einem dieser Campingstühle mit Küssen, hinter ihm, der neben mir saß, also viel zu weit weg von mir, und misshandelte seine fleischfressende Pflanze ...

"Vorsicht, das sind auch Lebewesen!", sagte der Alte und sie stellte die winzig kleine fleischfressende Pflanze wieder gerade hin, auf den Tisch.

und ich wollte nur genauso von ihr misshandelt werden

War das zu viel verlangt?



to be continued ... Fortsetzung folgt!