mis palabras serán mis bombas
Ein Blog über das Leben, die Liebe, Beziehungen, Verlust, Angst, Spaß, die Lust, die Lust am Schreiben,Südamerika, Musik, südamerikanische Frauen, die Liebe, Spanisch, Englisch, Schottland, Spanien, Deutschland, dat Rheinland, Kinder, Literatur, Vergänglichkeit, Arbeit, Politik, die Mafia, Urlaub, Gewalt, Verbrechen, Sex, große und kleine Gefühle und vieles, vieles, vieles mehr ...
Montag, 23. Mai 2016
Ihr Ex Teil I
Sie hat eigentlich nie
großartig über ihre Exen geredet. Genau wie sie nie großartig über ihre
Vergangenheit in Ecuador geredet hat. Solange alles gut läuft ist das ja auch
nicht nötig. Nur wenn man plötzlich oder in einem schleichenden Prozess
feststellt, dass man eigentlich gar nicht weiß, mit wem man da Bett und Tisch
teilt, dann ist das schon ein bisschen spooky.
Gelindes gesagt.
Ich weiß nur, dass sie in
Deutschland vor mir einen Freund hatte, der angeblich – Olav. Und war irgendwie
aus Österreich. Nicht aus Deutschland, denn selbst Nadine ist sein fremdartiger
Akzent aufgefallen. Er soll – angeblich – auch der „Erste“ gewesen sein, der,
der sie sozusagen „entjungfert“ hat. So wie sie meine „Erste“, die, die mich
entjungfert hat. Die Erste und die Letzte, haha.
Es ist nicht viel, was ich
im Laufe der Zeit, im Laufe der 19 Jahre, die wir zusammen waren von ihm
erfahren habe. Und das meiste stammt auch noch aus dieser dunklen Vorzeit,
dieser dunklen Urzeit unserer Beziehung, wo wir noch „Freund“ und „Freundin“
waren und noch nicht Mann und Frau.
Auf die Nachfrage, wie es
mit ihm war, ihr erstes Mal, oder der Sex im Allgemeinen, schwieg die
Genießerin. Vielleicht verständlich, obwohl es im Nachhinein immer
unverständlicher wird. Nicht die Frage nach dem Sex mit ihm (ob er besser oder
schlechter war als er selbst oder ob er einen Größeren hatte als er oder ob er
auf bestimmte Praktiken oder Techniken stand) interessierte ihn so sehr,
sondern mehr die Frage…
…die Frage nach was
eigentlich?
Nach dem, was er mit ihm
gemeinsam hatte?
Nach dem, wie er so als
Mensch war?
Keine Ahnung.
Wie lange sie mit ihm
zusammen war…
Auf jeden Fall nicht lang,
das hat sie ihm gesagt damals. So viel wusste er. Und ist nicht alles Wissen
über Verflossene nur zusätzlicher Ballast, unnötiger emotionaler und psychischer Ballast, den man besser im
Verborgenen lässt. Bei dem es besser ist, nichts zu wissen. Was er nicht weiß,
macht ihn nicht heiß. Warum wird bei diesem ohnehin nicht allzu schlauen Spruch
eigentlich nie von „ihm“ und immer nur von „ihr“ gesprochen? Es gibt den
Sexismus auch andersherum, glauben Sie mir, egal was die Frauen sagen und wie
oft und wie heftig sie sich über ihre ungerechte Behandlung in der Gesellschaft
beschweren.
Olav schlief mit ihr und
verließ sie. Wurde verlassen. Nein: Er wurde
verlassen. Von ihrer Schwester. Das heißt natürlich nicht, dass er mit beiden
gleichzeitig, geschweige denn im gleichen Bett zusammen war (das ist wohl eher
der Wunschtraum unseres wackeren Protagonisten gewesen), sondern dass Slainté
in ihrer unnachahmlich charmanten Art, Nadine natürlich ganz selbstlos, ganz im
Sinne der Frauenrechte geholfen hat, Olav endgültig loszuwerden. Olav endgültig
abzuschießen. Wie ich konnte der sein Glück gar nicht fassen. Endlich war er
Nadine los. Endlich. Deswegen ist er auch schnurstracks zu ihr gegangen und hat
– angeblich – voll das „Theater“ (kennen wir ja, aus meiner Jugend, immer diese
in den Grundfesten ihres Gerechtigkeitssinnes erschütterten, aggressiven
Männer, die „Theater“ machen und dann von einer ah so hilfsbereiten, ach so
emanzipierten, ach so selbstgerechten Frau in ihre Schranken verwiesen werden)
abgezogen haben soll. Im Flur geschrien haben soll und randaliert haben soll
(kennen wir ja, Männer, die mit ihrer Aggression nicht umgehen können, ist ja
klar, Aggression ist aber auch so was Schlimmes!).
Am Ende wurde Slainté ich
aber trotzdem los und er fiel mit Carlos – Nadines Freund in Ecuador auf den
Abfallhaufen ihrer persönlichen Geschichte. So wie ich jetzt. Never to be talked about again. Why should we even bother. Verbotene
Liebesmüh! Äh, vergebene Liebesmüh mein ich natürlich.
Und weg war er.
Aber die Frage bleibt: Was
empfand Slainté dabei, ihrer Schwester die Freunde zu zerschießen. Genugtuung,
Befriedigung, mit ihren Rastazöpfchen, immer lachend mit ihren schmalen Lippen,
obwohl ihre Haare eigentlich viel zu dünn für Rastas waren. Oder waren es Cornrows?
Ging ihr dabei einer ab,
beim Beziehungen zerstören?
Oder hielt sie sich – wie so
viele Frauen – wirklich für eine Kämpferin, eine wackere Amazone im Dienst der Befreiung
unterdrückter Frauen, der Emanzipation, der Freiheit.
(die man seiner Meinung nach
immer noch nur im Dschungel erreicht, bei Mistah Kurtz – aber wer ist er schon,
nur ein weiterer aggressiver, lästiger, verblendeter Mann, der die höhere
Wahrheit gar nicht sehen kann; und das reimt sich sogar!)
Aber vielleicht war Olav ja
auch wirklich der brutale, rücksichtslose, aggressive Protomann. Genau wie er
selbst
Donnerstag, 19. Mai 2016
Vater und Tochter
Er geht mit seiner Tochter
laufen. Im Wald. Es gab mal eine Zeit, wo sie was gegen den Wald hatte. Keine
Ahnung, warum. Da wollte sie immer woanders hin, aber heute ist der Wald okay. Jetzt
Ende Mai ist er ja auch anders als im Winter. War er im Winter noch grau, kalt
und nass ist er jetzt ganz grün, erinnert fast an einen Dschungel. Überall
sprießt und blüht es und wir laufen fast durch eine Art hellgrünen Tunnel. Ist
schön so, der Wald.
Arschhaare und Atomkrieg
Eigentlich machst du das ja
ganz gut, denkt er, als er die Rolltreppe am Juridicum, der Juristischen
Fakultät der Uni Bonn, hochfährt. Sein komischerweise ohnehin schon breites
Grinsen wird zu einem Lachen. Ok, keinem netten, freundlichen, fröhlichen
Lachen, aber einem Lachen. Laughter in
the dark. Er steht hier alleine auf dieser grauen, dreckigen Rolltreppe in
dieser grauen, langweiligen Stadt und lacht mit sich selbst. Lacht sich selbst
kaputt. Lacht sich selbst aus. Er redet mit sich selbst und lacht mit sich
selbst. Wenn sonst keiner mit ihm lacht! Dieser Gedanke bringt ihn noch mehr
zum Lachen. Das ist bestimmt das erste Anzeichen von Wahnsinn, wenn man auf
einmal ohne ersichtlichen Grund zu lachen anfängt. Aber egal. Wie sagt das Anton Chigurh in No country for old men noch mal? “If the rule you followed brought you to
this, of what use was the rule?” Seine Laune ist heute aber
echt erstaunlich gut, sein Galgenhumor frisch geschliffen. Keine Ahnung warum.
Aber wer fragt schon nach einem Warum, wenn er sich an den restlichen 320 Tagen
im Jahr beschissen fühlt?! Wie gerne würde er jetzt Nadine per Telekinese seine
Fröhlichkeit mitteilen. So wie in Carry von
Stephen King. Die würde sich im Grab umdrehen. In dem Sarg, in dem sie tagsüber
mit ihrem Schwager und wer weiß wem sonst noch verschwindet. Wegen Überfüllung
geschlossen.
Das Einzige, was ihm zu
seinem Glück jetzt noch fehlt…
…denkt er, als er langsam
wieder aus dem U-Bahn-Schacht ans gefahren Tageslicht kommt…
…ist ein Arsch. Oder eine
Muschi. Aber heute wär es glaub ich echt der Arsch.
Just for the fun of it.
Das mit dem Arsch denkt er
nicht ganz grundlos, nicht nur aus irgendeiner kranken Fantasie heraus, sondern
weil eben dieser (Arsch) gerade an ihm vorbeimarschiert. Ein junger Arsch mit
Pferdeschwanz, so halb blond, halb brünett (aber wen interessiert schon die
Haarfarbe – die der Scham- oder Arschhaare vielleicht schon eher). Jung,
bestimmt eine Studentin.
Wenn ich mit der fertig
wäre, würde die Psychologie studieren. So viel ist sicher. Wenn sie es nicht
schon jetzt tut. Heil mich, Baby, von meinen Komplexen, meinen Problemen,
meinen Neurosen, meinen Störungen!
Sie trägt eine hautenge
Jeans, die aber genau am Arsch noch ein bisschen Luft aufweist. Ein paar
Fältchen Luft. Boah, wie ich diese Fältchen liebe. Da passt gerade so noch ein
Furz durch. Bestimmt trägt die einen Tanga. Hundertprozentig. Einen roten oder
gelben oder was auch immer. Der den Arschbacken ihre Freiheit lässt. Frei
rauszuquellen an der Seite.
Boah, wie geil!
Du oder sie?
Hoffentlich ihr beiden!
Heute würde ich sogar den
Atomkrieg überleben.
Vielleicht studiert die ja
echt Psychologie. Vielleicht sind ja Psychos wie ich sogar ihr Spezialgebiet.
Wer weiß.
Gerade genug Luft, dass man
die Arschwangen noch sehen kann, denkst du während dir die Sonne auf den Pelz
scheint und du hinter ihr herhechelst.
Und dann ist sie auf einmal
weg, viel zu schnell für ihn. Egal, Ärsche gibt’s genug.
Mal sehen, was seine
Anwältin heute Nachmittag sagt. Hey, eine Frage hat er noch vergessen in seinem
langen Fragenkatalog:
„Wie viele Jahre kriege ich
für Mord im Affekt?“
„Und wie viele für
Totschlag?“
Dass muss er unbedingt noch
fragen…
Dienstag, 17. Mai 2016
Pamplona San Fermines 2016
„Dieses Jahr fahre ich nach Pamplona.
Zu den San Fermines. Zum Stierlauf. Und dann besaufe ich mich jeden Tag, sieben
Tage lang. Bis ich tot umkippe oder im Krankenhaus lande. Und wenn ich im
Krankenhaus gelandet bin, dann entlasse ich mich am nächsten Tag selbst und
sauf weiter.“
„Das ist so geil, warum
machen die das nicht auch in Deutschland. Dass die Bands abends durch die
Straßen ziehen und a cappella tuten und blasen. Das wär viel besser. Das ist
natürlich kalt, ok, aber trotzdem. In Pamplona ist es auch nicht so warm,
nachts. Da ist zwar Sommer, aber trotzdem ist es da nachts kalt. Das könnten
die auch hier. Von dem Musikern her auf jeden Fall.“
„Erinnerst du dich noch an
Pamplona. Weißt du noch was von damals?“
„Das war geil, das war
richtig geil. Das geht richtig ab. Alle feiern. Die können wenigstens feiern,
die Spanier.“
„Hier würde sich
wahrscheinlich wieder irgendjemand beschweren, wenn die abends oder – Gott
bewahre – nachts durch die Straßen ziehen würden. Das geht ja nicht! Der ganze
Lärm!“
„Boah, die sind so geil,
diese Lieder…wie heißen die noch mal? Mann, was war das noch mal? Tundas? Näh, peñas! Ja, das ist es, peñas!
Geil. Dann saufe ich mich tot! Sieben Tage lang. Vielleicht laufe ich sogar
mit. Aber nicht besoffen, das geht ja nicht. Wenn du was von einem Deutschen
hörst, der in Pamplona gestorben ist… Näh, geht ja nicht, die ziehen die ja da
raus, wenn die besoffen sind, die Touristen. Die holen die da raus…“
„Der Rudi, der hat mich für
bekloppt erklärt, als ich ihm das erzählt hab, das ich da mitlaufen will. Der
hat gesagt, ich wär bekloppt. Aber egal, warum nicht?!“
„Jeden Tag saufen. ¡Y
drogas! ¡Y todo lo que venga!“ Vielleicht
finde ich ja sogar eine neue Frau. Für eine Nacht. Für eine heiße, spanische
Nacht.
„Dann fange ich schon im Bus
an zu saufen. Oder im Flugzeug. Wo auch immer. Und dann jeden Tag. Immer
weiter...“
Abonnieren
Posts (Atom)
