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Donnerstag, 22. September 2016

Brangelina






Er liest das von "Brangelina", dass bei Brad Pitt die Polizei vorgefahren ist, und freut sich innerlich. Lächelt äußerlich. Es ist kein Wunder, dass Schadenfreude eins der wenigen deutschen Wörter ist, die sogar ihren Weg in die englische Sprache gefunden haben.

Wenigstens geht es nicht nur ihm nach der Scheidung beschissen…

Warte mal ab, Brad. Da ist der Fight Club gar nichts gegen. Gegen so eine richtige Schlammschlacht-Trennung. Einen richtigen Rosenkrieg. Da reicht es bei weitem nicht aus, den Nullpunkt zu erreichen, sich die Hand mit Säure zu verbrennen oder Forrest laufen zu lassen.

Gegen eine erboste, verbitterte Ehefrau, die obendrein noch selbst gegangen ist, reicht kein Fight Club. Die spielen in einer ganz anderen Liga!

Besonders, wenn sie Widder sind.

Da kannst du kiffen und trinken und ausflippen so viel du willst. Das lässt die kalt. Vollkommen kalt.

Da hast selbst du als Multimillionär und Schauspieler keine Chance! Da steht der Möbeltransporter schon vor der Tür! Und der zwanzig Jahre jüngere Student ist schon für den Umzug gemietet. Wenigstens musst du nicht keine Angst um deine finanzielle Zukunft haben…

…oder doch…?

Bei sechs Kindern…

Aber keine Angst. Das kann uns allen passieren…

Das passiert den Besten.

Und den Schlechtesten auch.

Wutausbrüche, Haschisch, Alkohol und eine Affäre…

Wenigstens hattest du vorher noch deinen Spaß. Bevor der Spaß endgültig aufhört.

Sei froh, dass Angelina kein Widder ist.

Aber – wie gesagt – keine Angst: Dieser durch und durch fi(c)ktive verlassene Ehemann bietet dir immer Unterschlupf in seiner Zwei-Zimmer-Wohnung in Bonn an. Natürlich nur am Wochenende, wenn seine Tochter nicht da ist…








Mittwoch, 7. September 2016

Sorge dich nicht, lebe!














Einen Tag, nachdem seine Frau mit seiner Tochter das Haus verlassen hatte, nur um nie wiederzukommen, erhielt er eine SMS von seiner Tochter.

Mach dir keine Sorgen, ich komme morgen


Im Nachhinein klingt das fast wie aus einem Poesiealbum. Dem Dale-Carnegie-Poesie-Album. Wie sich das reimt, „Sorgen“ und „morgen“, fast schon poetisch. Philosophisch. Existentialistisch.



Am Abend des betreffenden Tages kam er nach der Arbeit die Treppe zu seinem Wohnblock hoch, guckte durch das Küchenfenster und sah eine kleine Person. Zuerst dachte er, das sei seine Frau, die es sich anders überlegt hatte und zurückgekommen war. In die gemeinsame Wohnung.

Aber dann, als er die Tür aufschloss und in die Küche ging, war da nur seine Tochter. Stand am Herd und kochte. So als wär nichts passiert. Nach einem Moment sagte er entgeistert: „Ich dachte, die Mama wär wieder da. Das sah so aus, von draußen…“

Sie sagte nichts.

Oder sagte er: „Und, wo ist die Mama?“

Keine Ahnung. Mittlerweile ist das alles schon so lange her, als wäre es gestern gewesen.

Auf jeden Fall informierte ihn seine Tochter später am Abend, als sie zusammen aßen, dass „die Mama kommt nicht mehr zurück.“ Und Punkt. Kein Wort mehr und keins weniger. Die Mama kommt nicht mehr zurück. War das ihre Aufgabe, ihm das zu sagen? Wie fühlte sie sich dabei? Er weiß es nicht. Er kann keine Gedanken lesen.


Er auf jeden Fall wird diesen Satz nie mehr vergessen, solange er lebt.


Am Morgen hatte ihm sein Anwalt, den er hastig aufgesucht hatte – er hatte noch nie vorher im Leben einen Anwalt gebraucht – mitgeteilt, dass das ein gutes Zeichen sei, dass seine Tochter noch Kontakt zu ihm hätte. Dass sie noch mit ihm reden würde.

„Das ist doch schon mal gut.“

Und Punkt.