Samstag, 16. Juli 2016

Koch und Philosoph, Philosoph und Koch








Der Koch kommt rein, steht auf einmal vor dir und hält dir zehn Euro hin.

„Mein Freund, hast du zwei Fünfer für mich?“

„Äh, nein…äh…doch…ja, hab ich!“

„Siehst du, ich habe Glück bei dir.“

Danke!

„Man muss auch mal Glück haben, nicht nur immer Pech!“

 Er lächelt. Kein Lachen, aber ein Lächeln. Immerhin.

„Du bist’n Philosoph! Mein Freund!“ sage ich, als er schon halb gegangen ist.

Er lächelt.

Und diesmal meine ich das „mein Freund“ sogar so.






Nizza und du


KI-generiertes Bild – erstellt mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz




Im Fernsehen reden sie über den Nizza-Attentäter.

„…dass er ein Kleinkrimineller war, vorbestraft, aber dass die Terrorüberwachung ihn nicht auf dem Schirm hatte…“

Sie sagen, dass „es scheint, dass sich der Mann sehr schnell radikalisiert hat…“

Sie reden von einem „psychisch schwer gestörten Menschen“, der sich „vor kurzem von seiner Frau getrennt hat“, mit ihr „drei Kinder hat“ (die bei ihr leben, nehme ich mal schwer an)…

…dass er „depressiv“ war, so sagen es zumindest die Nachbarn, aber man muss da immer vorsichtig sein…

„…dass er immer komisch geguckt hat und nie gegrüßt hat…“

„Wenn er cholerisch wurde, schrie er und schlug um sich…“

„Vielleicht war der Täter einfach ein ganz kaputter Mensch…“

Donnerstag, 14. Juli 2016

Abschied








KI-generiertes Bild – erstellt mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz



Heute ist meine Tochter mit meiner Noch-Frau in Urlaub gefahren. Am Ende stand sie auf und sagte nur lakonisch: „Ich geh dann jetzt.“ Vorher waren wir noch bei Edeka, kinder buenos kaufen für sie und eine Pepsi Max für mich kaufen. Da waren nur sechs Stück drinnen, in der Packung und die haben stolze zwei Euro gekostet. Sie hat mir die Hälfte abgegeben. Unglaublich

Mittwoch, 13. Juli 2016

Essen und schwarze Löcher









Heute habe ich folgendes gegessen:

     Zum Frühstück den restlichen Reis mit Soja-Sauce von gestern (sehr salzig!)
-        Danach, mittags
     - ein Spiegelei, bestehend aus 2 Eiern (oder sind das dann 2 Spiegeleier?), dazu gebratene Zwiebelchen
-       - eine Knoblauchzehe, roh (keine Angst, ich küsse heute eh niemanden mehr)
     - etwa 7-10 Minifrikadellen von Edeka (gut & günstig und in der gleichen Pfanne wie das Spiegelei/die Spiegeleier zubereitet)
-       - etwa 5-6 Rösti-Ecken (ebenfalls aus der gleichen Pfanne)
     - eine Tüte Barbecue-Kesselchips von Aldi (warum muss man Chipstüten eigentlich immer ganz aufessen?!)
     - die restlichen Brechbohnen aus dem Kühlschrank (würg!)
     - die Reste der Früchtemuffins seiner Tochter von gestern
     - einen Salatteller mit Thunfisch, Erbsen und selbstgemachten Western-Kartoffeln (da konnte ich aber auch kaum nein sagen, die hat sie extra für uns zubereitet, sagen Sie da mal nein!)

Manchmal kommt er sich vor wie ein Müllschlucker. Oder wie er immer zu seiner Tochter sagt: Keine Angst, ich bin ein Schwein. Ich esse alles.

…aber das füllt nur meinen Bauch, nicht das schwarze Loch


Und ich habe noch nicht mal Bananen gekauft, diese Woche. Weil es keine gab bei Aldi. Oder besser gesagt: nur die teuren Biobananen. Scheiße


Meine Tochter hingegen isst nur – und wenn sie „nur“ sagt, meint sie "absolut ausschließlich" – gesundes Essen. Keine Kohlenhydrate mehr ab 16 Uhr, kein Fett, wenig Fleisch, keine Chips, you get the picture…

So hat jeder seinen eigenen Weg gefunden, mit


umzugehen


es zu umgehen




 und dabei ist der Tag noch nicht mal vorbei, es ist nämlich erst 19:34

Urlaub









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Meine Tochter fährt diese Woche in Urlaub. Mit meiner Noch-Frau. Die mittlerweile die Scheidung eingereicht hat. Weil „die Absicht, die eheliche Lebensgemeinschaft wieder aufzunehmen nicht mehr besteht.“ Wie geil ist das denn, ey?! Ich werde meine Tochter vermissen. Obwohl sie schon 17 ist und bald selbst erwachsen ist. Obwohl wir ein Wechselmodell haben und sie von Montag – Freitag bei mir ist. Ich sage ihr: „Ich werde dich vermissen, wenn du nächste und übernächste Woche nicht da bist.“ Sie sagt nichts oder verdreht die Augen. Obwohl sie eine sehr gute Tochter ist. Mir keinen Ärger macht. Bei uns sind es die Eltern, die den Ärger machen, nicht die Kinder. Vielleicht glaubt sie mir ja auch, dass ich sie wirklich vermisse und selbst, wenn sie mir nicht glaubt

Dienstag, 12. Juli 2016

Meine Wahrheit - No pasarán










Auch wenn…

…meine Eltern meine Wahrheit nicht mögen…
…meine Nachbarn meine Wahrheit nicht mögen…
…meine Chefin meine Wahrheit nicht mag…
…der Sohn meines Chefs meine Wahrheit nicht mag…
…meine Kollegen meine Wahrheit nicht mögen…
…meine Familie meine Wahrheit nicht mag…
…meine Freunde meine Wahrheit nicht mögen…
…meine Noch-Frau meine Wahrheit nicht mag…
…meine Schwägerin meine Wahrheit nicht mag…
…meine Mitschüler meine Wahrheit nicht mögen…
…meine Kunden meine Wahrheit nicht mögen…
…die Leute meine Wahrheit nicht mögen…
…die Frau an der Haltestellen meine Wahrheit nicht mag…
… _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ (bitte ausfüllen – denn diese Liste ist noch lange nicht vollständig!) meine Wahrheit nicht mag…
…die ganze Scheiß-Welt meine Wahrheit nicht mag…


…und selbst meine Tochter meine Wahrheit nur halb mag…

…werd ich noch lange nicht aufhören…

…zu schreiben!


Denkt er.



…denn es gibt vielleicht doch noch jemand da draußen…

…der meine Wahrheit hören will…

…und solange es diese eine Person noch gibt…

…werde ich keine Ruhe geben…






Sonntag, 10. Juli 2016

Du Wichser, du!

KI-generiertes Bild – erstellt mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz






Er liegt vor dem Laptop auf dem Bett, hat gerade gegessen, ist satt. Da fällt ihm etwas ein: Er könnte sich ja wieder mal einen runterholen. Er ist ja jetzt wieder Single, da kann er sich einen runterholen, wann er will. Mal sehen, ob das Frauen genauso anmacht, das zu lesen, wie es Männer geil macht, wenn sich Frauen selbst befriedigen.

Samstag, 9. Juli 2016

Samstag: Routine im Gefühls-Tagebuch

KI-generiertes Bild – erstellt mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz




Morgen mache ich mir Nudeln mit Hackfleisch, Pilzen und Sauce, denkt er. Das hält mich am leben. Im doppelten Sinne: Wenn ich nicht essen würde, würde ich sterben und wenn ich mir nicht ab und zu etwas gönnen würde, würde ich genauso sterben.

Essen ist der Sex der alten Männer…

…und der Getrennten.

Was für ein Hundeleben!





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Der Koch von drüben steht am Geldwechsler. Er grüßt ihn im Runtergehen. Unten hat jemand auf den Automaten gerotzt. Jetzt muss er das wegmachen. Toll.

„Hallo“, sagt er ein bisschen stockend. Eigentlich wollte er ihn nicht grüßen, aber das kann er auch nicht machen. Nicht mehr. Denn der brasilianische Koch ist „nett“. Nicht nett  wie seine Tochter das Wort benutzen würde, sondern wirklich nett. Un tesoro.

Er dreht sich um und erwidert den Gruß. Er geht zu ihm hin und sagt: „Alles klar?“

Der Koch antwortet, indem er ihn anguckt und sagt: „Findest du das Leben schön oder Scheiße?“ Einfach so, aus wortwörtlich heiterem Himmel (der geht ihm schon den ganzen Tag auf die Eier, dieser scheiß heitere Himmel!). Die Frage überrascht ihn. Und auch wieder nicht. Ich sage ja, der Koch ist ein tesoro, ein Schatz.

Er überlegt einen Moment, dann sagt er: „Im Moment eher…“ Sein Daumen geht nach unten.

Der Koch sagt: „Menschen sind das, die das Leben scheiße machen. Menschen!“

ok

„Menschen…“ sagt der Koch im Hinausgehen, „…eine Vogel oder eine Hund findet das Leben nicht Scheiße…“

Stimmt. Da hat er recht.

„Stimmt…aber wir sind keine Hunde. Oder Vögel. Wir sind Menschen.“

„Ja, aber warum können wir nicht einfach wie Tiere leben? Einfach fliegen oder laufen.“

Recht hat er.

„Weil wir keine Tiere sind. Weil wir zu viel denken.“

„Aber warum?“

„Das weißt du ganz genau, warum!“

Er guckt ihn an. In seinem Gesicht sieht er, dass er das ganz genau weiß, warum. Und auch der Koch sieht bestimmt in seinem Gesicht das Gleiche. Wie in einem Spiegel.

„Das muss ich dir doch nicht sagen, warum. Das weißt du selbst…“

Weil wir an den Tod denken.

„Ja, ich weiß…“

„Weil wir zu viel denken…“

Weil wir anders als Tiere fähig sind, uns unseren eigenen Tod auszumalen. Wie das sein wird…

„Menschen machen alles Scheiße.“

Stimmt, aber wir sind nun mal Menschen. Wir haben nicht die Wahl. Die Tiere auch nicht.