Samstag, 9. Juli 2016

Was für ein Hundeleben!







Der Koch von drüben steht am Geldwechsler. Er grüßt ihn im Runtergehen. Unten hat jemand auf den Automaten gerotzt. Jetzt muss er das wegmachen. Toll.

„Hallo“, sagt er ein bisschen stockend. Eigentlich wollte er ihn nicht grüßen, aber das kann er auch nicht machen. Nicht mehr. Denn der brasilianische Koch ist „nett“. Nicht nett  wie seine Tochter das Wort benutzen würde, sondern wirklich nett. Un tesoro.

Er dreht sich um und erwidert den Gruß. Er geht zu ihm hin und sagt: „Alles klar?“

Der Koch antwortet, indem er ihn anguckt und sagt: „Findest du das Leben schön oder Scheiße?“ Einfach so, aus wortwörtlich heiterem Himmel (der geht ihm schon den ganzen Tag auf die Eier, dieser scheiß heitere Himmel!). Die Frage überrascht ihn. Und auch wieder nicht. Ich sage ja, der Koch ist ein tesoro, ein Schatz.

Er überlegt einen Moment, dann sagt er: „Im Moment eher…“ Sein Daumen geht nach unten.

Der Koch sagt: „Menschen sind das, die das Leben scheiße machen. Menschen!“

ok

„Menschen…“ sagt der Koch im Hinausgehen, „…eine Vogel oder eine Hund findet das Leben nicht Scheiße…“

Stimmt. Da hat er recht.

„Stimmt…aber wir sind keine Hunde. Oder Vögel. Wir sind Menschen.“

„Ja, aber warum können wir nicht einfach wie Tiere leben? Einfach fliegen oder laufen.“

Recht hat er.

„Weil wir keine Tiere sind. Weil wir zu viel denken.“

„Aber warum?“

„Das weißt du ganz genau, warum!“

Er guckt ihn an. In seinem Gesicht sieht er, dass er das ganz genau weiß, warum. Und auch der Koch sieht bestimmt in seinem Gesicht das Gleiche. Wie in einem Spiegel.

„Das muss ich dir doch nicht sagen, warum. Das weißt du selbst…“

Weil wir an den Tod denken.

„Ja, ich weiß…“

„Weil wir zu viel denken…“

Weil wir anders als Tiere fähig sind, uns unseren eigenen Tod auszumalen. Wie das sein wird…

„Menschen machen alles Scheiße.“

Stimmt, aber wir sind nun mal Menschen. Wir haben nicht die Wahl. Die Tiere auch nicht.






Freitag, 8. Juli 2016

Richtige Männer















Im Wald, im dunklen Tannenwald, beschwört er – oder besser gesagt: einer seiner vielen verschiedenen „Ers“ – den Geist seines Opas. Seines toten Großvaters, der im Krieg war, bei der U-Boot-Waffe.
 
„Opa, bitte hilf mir! Bitte! Bitte!“

Der hätte vielleicht gewusst, was zu tun ist. Das waren noch richtige Männer. Damals.


 Aber ob dem seine Lösungen so gut gewesen wären?

Deine aber auch nicht.

Was hätte der an deiner Stelle getan?
Ich möchte es gar nicht wissen.

„Opa, bitte hilf mir! Bitte! Bitte!“






Mittwoch, 6. Juli 2016

Sleeping Beauty







Wie sie da liegt und schläft, meine Tochter. So friedlich. So ruhig. Not a care in the world. Das Leben kann so einfach sein. Sie ist so süß. Sie ist immer noch meine Kleine. Meine kleine Tochter. Das wird sie auch immer bleiben. Obwohl sie nächstes Jahr schon 18 wird.

So verletzlich. So zerbrechlich. Ich weiß noch, wo sie klein war. So klein. Ein schönes Kind. Sie war immer ein hübsches Kind

Habe ich es geschafft, ihr den Aufenthalt auf dieser Erde so einfach wie möglich zu machen?