Samstag, 13. Juni 2015

Lieder zu denen ich beerdigt werden will










Samstag, 13. Juni 2015




Im Radio läuft Everybody hurts von REM. Das ist – wie du Nadine so oft gesagt hast – eins der vier Lieder, die du auf deiner Beerdigung hören willst. Das heißt, du willst sie nicht hören, weil du sie ja dann wahrscheinlich nicht mehr hören kannst, sondern du willst, dass sie gespielt werden. Aber von wem, jetzt, wo Nadine weg ist. Scheiße, daran hatte ich noch gar nicht gedacht! Wer spielt denn jetzt auf deiner Beerdigung die vier Lieder deines Lebens. Das ist wahrhaft eines deiner brennendsten Probleme, besonders im Moment.

Dienstag, 9. Juni 2015

Träume und leere Flaschen



Dienstag, 9. Juni 2015





Ich träume davon, wie ich sie küsse. Wie jeden Tag. Wie ich im Bad mit ihr darüber streite, wer putzt, wie ich langsam auf sie zugehe, sie in den Arm nehme und sie küsse.

Mehr ist nicht übrig von meinem Traum. Das ist alles, was mir geblieben ist.

Für sie waren Träume immer sehr wichtig.

Ob sie von mir träumt?

Sie konnte mir nie richtig sagen, warum.

Wahrscheinlich träumte sie immer von wildem Sex mit fremden Männern. Oder auch nicht: Denn sie war manchmal auch sehr schreckhaft, nachts. Wenn ich sie aufweckte. Aber geredet hat sie nie darüber. Auch nicht im Schlaf.

Ich träume davon, wie ich mit ihr schlafe, in sie eindringe, wie ich ihr hastig die Unterhose runterziehe – wie ich immer früher getan habe-, ihr das Oberteil hochschiebe, bis ihre Brüste zum Vorschein kommen.

Wie mich ihre fleischige, feuchte Muschi anguckt.

„Am Donnerstag gehe ich raus!“ sagt sie heiter. „Dann hast du dein Frankreich!“
keine Ahnung, was sie meint

Ob sie auch von mir träumt?

Ich habe mir heute Morgen schon einmal einen runtergeholt. Da hab ich nicht an sie gedacht.
Selber schuld.

Unter der Decke nehme ich meinen steifen, harten Schwanz in die Hand, reibe aber nicht an ihm. Rubbel mir keinen. Ich will den Moment genießen. Zwischen schlafen und wach sein. Bevor dich die Realität mit voller Wucht trifft. Die Realität deines Lebens.

Ich träume immer noch fast jeden Tag von ihr, unbewusst bestimmt sogar jede Nacht mehrmals.
Ich streichle meine vernachlässigte Eichel.

Ihr fleischiges Loch. Ich denke daran oder träume davon, wie ich es ihr in den Arsch mache (meine Mutter meint, deswegen hat sie sich von mir getrennt – ich glaube das nicht). Wie ich sie voll stark eincreme vorher und dann in sie eindringe, von hinten.

Vielleicht wird sie ja lesbisch nach dir, wie diese Freundin von ihr, die mit diesem alten Knacker verheiratet war. Vielleicht ist sie ja lesbisch, liegt gerade mit einer Frau im Bett.
geil

Warum hat ihr diese Freundin aus Ecuador sonst auf Facebook „Te quiero“ geschrieben? Ich liebe dich. Warum schreiben sich Frauen untereinander „Te quiero“? Ist das normal? Ist es normal, dass du ihr Facebook-Konto knackst, um ihre Aktivitäten zu lesen?

Vielleicht hatten die ja in Ecuador was miteinander, ham sich von deinem Geld vergnügt. Toll, eh.
Du machst ja auch dauernd Witze darüber, wie es wäre, schwul zu sein. Dann hättest du nicht diese Probleme wie mit den Frauen. Dann hättest du fünf Männer in einer Nacht und der Liebeskummer wär ganz schnell vorbei. Mit einem Schwanz im Arsch hast du keinen Liebeskummer. 

Wahrscheinlich nicht, ne?! So viele Sexualpartner wie du willst, wann du willst. Das ist viel einfacher, bei denen. Wahrscheinlich ist es das auch nicht, aber so stellst du dir das zumindest vor.

„Wahre Liebe gibt es nur unter Männern!“ hat dein Vater immer gesagt. Das war einer seiner Sprüche.

Genau wie: „Was ist schon pervers?! Etwas, das von der Norm abweicht. Aber keiner kann die Norm bestimmen!“

Aber leider bist du nicht schwul. Sonst hättest du jetzt auch keinen Liebeskummer mehr.



***



Auf dem Klo sitzend trinke ich den Rest aus der Wasserflasche, die meine Tochter bei ihrer hastigen Flucht aus meiner Wohnung letztens hier vergessen hat.

Flasche fast leer.

Da kann man wirklich nicht mehr sagen, die ist halb voll. Auch nicht mit viel Fantasie. Mit viel positiver Energie, die ich im Moment eh nicht habe.

Diese Flasche ist definitiv fast leer. Wie ich


Wenigstens habe ich so 25 Cent mehr, wenn ich mein Leergut zurückbringe

Montag, 18. Mai 2015

Wichsen und Wühlmäuse









18. Mai 2015


Heute habe ich mir sage und schreibe fünfmal einen runtergeholt. Vielleicht kommt mein Sexualtrieb ja wieder zurück. Vielleicht war er ja auch nie weg. Nur schockgefrostet. Hängt die an Liebeskummer leidende Präriewühlmaus an den Füßen auf und sie wird sich nicht wehren. Aber ab heute 5:45 wird zurückgewichst.








Sonntag, 17. Mai 2015



17.05.15





Hier sehen Sie, was meine Frau auf all meine SMS, Anrufe, Brief, E-Mails und andere exotischere Kontaktversuche bis heute geantwortet hat:



















































NO



































Wenn ich damals vor 17 Jahren in Ecuador genauso redselig gewesen wäre, bei unserer standesamtlichen Trauung in Ecuador, dann hätte aber jemand anders ganz schön doof aus der Wäsche geguckt.

...und wäre irgendwann über den Umweg über Spanien doch noch nach Deutschland gekommen...

...und hätte mich vielleicht genauso kennengelernt, in irgendeiner Latino-Disko.

...nur um mich Jahre später genauso eiskalt zu verlassen.




(Und nein, bevor sie das denken: Sie ist keine von diesen Katalog-Frauen aus dem Ausland. Ich hab sie in Deutschland kennen- und lieben gelernt habe und unsere Vorgeschichte mindestens genauso kompliziert wie unsere Trennung, glauben Sie mir das. Aber dazu vielleicht später mehr!)

Keep calm and fuck you!






Alle sagen mir, ich soll ruhig bleiben. Mein Vater, meine Mutter, meine Schwester, Herr Baden, alle. Wenn alle das sagen, denke ich, muss doch da was dran sein.

Ich finde diese Haltung beneidenswert. Immer die Ruhe zu bewahren.

Wirklich.

Wie ihr alle so ruhig seid, so cool bleibt, immer und überall, in allen Lagen und Situationen, das ist wahrlich beneidenswert.

Wirklich.

Angesichts eines Lebens, das unweigerlich im Tod endet und dir Stück für Stück alles nimmt, was du jemals lieb gewonnen hast, würde ich auch gerne ruhig bleiben, cool bleiben.

Genau wie ihr.


Oder seid ihr es in echt gar nicht? Oder tut ihr nur so, weil ihr euch daran labt, dass es mir schlechter geht und ihr euch so als stoische deutsche Buddhas präsentieren könnt, die immer ruhig bleiben, komme was wolle.

come hell or high water

Das frage ich mich, während um mich herum die Welt, die ich vor ein paar Monaten noch für selbstverständlich gehalten habe, zusammenbricht.

Und so bin ich auch in gewisser Weise ruhig. Fühlt ihr euch jetzt besser dadurch? Seid ihr ruhiger? Oder quält euch, wenn ihr meine Probleme nicht mehr habt, die Tatsache, dass man immer nur scheinbar ruhig bleiben kann, angesichts eines Lebens, das unweigerlich im Tod endet und in dem man am Ende alles verliert, was man irgendwann einmal geliebt hat.

Da lob ich mir Johnny Cash, der ganz einfach nur singt: Everyone I know goes away, in the end. Mit ganz ruhiger Stimme.

Keep calm and fuck you!