Morgens, auf meiner 12,18-km-Strecke Knicke ich voll um. Auf diesem Abschnitt vor Merle, oder dahinter, je nachdem, da, wo die Strecke am Kottenforst entlangführt. Da, wo immer was passiert.
(Nein, nicht da, wo du immer dachtest den Geist deines Vaters (im Purgatorium?) zu spüren, sie immer dieses Gefühl hattest, dass er da ist, dass jemand da ist, hinter dir, im Dunkeln - aber auch im Halbdunkel und sogar manchmal am Tag. Sondern weiter unten, hinter der Autobahnbrücke).
Einmal war da ein Wildschwein, ein wildes Wildschwein (zum Glück hinterm Zaun), dann, letztes Jahr der Zusammenstoß mit dem Fahrrad (boah, der lag im Graben, mit dem Kopf nach unten, als du aufstandest, um ihn anzuschreien, ob er denn keine Augen im Kopf hätte, an der Lippe blutend, das Blut auf dem dunklen Asphalt, die Tropfen, die nicht aufhörten: "Du Ars€#@och, hast du keine Augen im Kopf?!" Und du hast dem sogar das Fahrrad verbogen, geil!)
und jetzt knickst du wieder an fast der gleichen Stelle um, so voll, so, dass wenn das jetzt ein Fußballspiel wäre, die Zuschauer sich abwenden würden uns die gegnerischen Fans den Anblick heimlich genießen würden (wir sind doch alles nur Menschen).
Aber das Leben ist kein Fußballspiel (und auch kein Ponyhof) und du liegst hier urplötzlich alleine auf dem kalten, nassen Asphalt mitten im November, dein Handy hörst du noch neben dir aufschlagen, Scheiße, hoffentlich ist nichts kaputt, was für eine Scheiße. Du guckst dich um, aber keiner scheint was bemerkt zu haben, keiner scheint sich gesehen zu haben, keiner scheint sich zu sehen
obwohl neben dem schmalen Weg am Wald eine Straße ist, die jetzt um halb sieben morgens schon dicht befahren ist
keiner hält an, um zu fragen, wie es dir geht (wir sind doch alles nur Menschen), um zu sehen, ob du wieder aufstehst oder nicht
Und genau das tust du, du bist ja schließlich nicht Hakimi, der heulend nach Mami ruft, nur weil ihn "Luchito" Luis Díaz umgegrätsvht hat, mein Gott, was für ein Lutscher!
Nein, du stehst einfach wieder auf, hebst dein Handy auf, guckst, ob vielleicht etwas kaputt ist, aber das kannst du unmöglich sehen, hier im Dunkeln. Guckst dich um und läufst einfach weiter, so als wär gar nichts passiert, es ist alles in Ordnung, ihr könnt weitergehen,bes gibt nichts zu sehen, der Fuß tut auch nicht weh, nicht, wie bei dem Lutscher
Und plötzlich hast dieses Gefühl, dieses Gefühl zu leben, am Leben zu sein, wann warst du das letzte Mal am Leben? Wann hast du dich das letzte Mal so am Leben gefühlt?
(vor zwei Wochen, über ihr, vielleicht, aber das ist nicht dasselbe, das ist nicht dasselbe)
Stehst wieder auf und läufst einfach weiter, so als wär nichts passiert, immer weiter, imma wigga, et jeht imma wigga
Was bleibt uns anderes übrig?
Was bleibt uns auch anderes übrig?
Wir sind ja schließlich nur Menschen, auch nur Menschen ...
Geil!
















